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Alma Tadema und die englischen Maler im 19. Jahrhundert

50 Meisterwerke des „Aesthetic Movement“ aus der Pérez Simón Sammlung

 Antike, Dandy und Tapetenmuster

Alma Tadema und die englischen Maler des 19. Jahrhundert ist der Titel der Ausstellung, die seit 17. Februar im Chiostro del Bramante in Rom zu sehen ist. In Paris, wo die Ausstellung bis Januar zu sehen war, trug sie den wesentlich zutreffenderen Titel Désirs & Volupté à l’époque victorienne (Begierde und Sinnlichkeit im viktorianischen Zeitalter). So gesehen ein rosarotes (Zucker)Schmankerl, weil man diese Komposition geballter Sinnlichkeit sonst nur unter viel Aufwand und diversen Reisen zu sehen bekommt.

Die Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen sind u.a. von Lawrence Alma Tadema, Edward Burne-Jones, Dante Gabriel Rossetti, Albert Joseph Moore, Frederic Leighton; und wie immer in der Malerei greift man auf die Antike zurück, wenn man die Amoralität der naturalistischen üppigen Darstellung von Nacktheit umgehen möchte. Die Damen haben zwar alle englische Gesichter, sind mit Vorliebe angelsächsisch-rothaarig und zeigen sehr viel weiße Haut, die Szenen spielen sich aber in Ägypten oder in Pompeij ab – auf jeden Fall weit weg vom Inselstaat.

Mythologie, Shakespeare, und das „Leisure“-Leben der Privilegierten sind die Schwerpunkte dieser den (schönen) Frauen gewidmeten Epoche. Hauptprotagonisten sind Musen, Modelle, femmes fatales, höhere Töchter – eine Frauenwelt, in der Männer nur existieren, weil man vermutetet dass sie das Gesprächsthema der Schönen sind – jedenfalls ist auf den 50 Exponaten nicht ein einziger Vertreter des starken Geschlechts zu sehen. Dekorativ, sphinxartig, mysteriös, kontemplativ und politisch unkorrekt konfrontieren sie irdische Vergnügen mit der flüchtigen Natur des Daseins. Mit Licht und Farbe entfernt sich die Kunst vom Akademismus hin zur Moderne.

Es ist die Zeit von Königin Viktoria (1837-1901), die ja nicht gerade als freizügig verschrieen war. Prüde und schwarz war ihr von der Industrialisierung geprägtes Umfeld. London war grau und diesig und der berühmte englische Smog stand am Anfang seiner Edgar Wallace-Karriere. Dieser hässliche Nebel-Zustand animierte und verlangte nach der Entstehung eines „Aesthetic Movement“, das direkt aus dem Romantizismus entstand. Im Mittelpunkt und über allem stand die Schönheit der Frau, am liebsten in transparenten, körperumspielenden zarten Stoffen oder in geheimen Konversationen (über Männer!) verstrickt. Englands moralischer Niedergang wird vor den Hochöfen der Industrialisierung mit künstlerisch meisterhafter und spitzfindig dekorativer Souplesse kaschiert. Schlegel und Gautier standen auf der anderen Seite des „Kanals“ für diese Ode an die Schönheit, die über Ethik und Religion gestellt werden sollte – alles wurde dem « Schönen » untergeordnet. Die voluminösen viktorianischen Kleider und Mützen hatten keinen Platz darin.

Die Vertreter dieser erstmals disparaten und schief angesehenen Bewegung entflohen den bourgeoisen Zwängen und dem falschen Moralismus und propagierten die neue farbliche Sinnlichkeit gegenüber der vorherrschenden biederen und züchtigen Mode.

Ein Hauptwerk der Ausstellung ist das Werk Griechische Mädchen beim Aufnehmen von Kieselsteinen am Strand, 1871 hat es der britische Maler und Bildhauer Frederick Lord Leighton geschaffen und genau das stellt es auch dar – Frauen im ästhetischen Gleichschritt mit flatternden Schals, die sich nach Muscheln bücken. Oder Leightons eher symbolische Crenaia – Nymphe vom Fluß Dargle (1880). Ihr herabfallender Schleier entblösst mehr als er bedeckt und täuscht die Verlängerung eines Wasserfalls vor. Dann Rossettis Portrait von seiner Frau und Muse Elisabeth Siddal, auf der Suche nach einem neuen Schönheitsideal. Das originellste Werk ist aber ohne Zweifel Alma Tademas Die Rosen von Heliogabalus. Ca 1,5 x 2 Meter ist es groß und zeigt einen römischen Kaiser, der die lasziv in Rosen badenden Frauen/Sklavinnen betrachtet – eine dekadente Apotheose in Rosa.

In der englischen Malerei des 19. Jahrhunderts treffen alle aktiven Kunst-Bewegungen dieses umstürzlerischen Jahrhunderts zusammen: Die Nazarener (um 1800), die Pre-Raffaeliten (ca. 1850), der Symbolismus (ca. 1880-1910), die Romantik (ca 1780-1850) der Impressionismus (ca. 1860-1900), der (Neo)-klassizismus (ca 1780-1900) und der Realismus (ca. 1830-1880), sogar der spätere Jugendstil (ca. 1895-1915). Während die Historienmalerei verzweifelt versucht zwischen Neoklassizismus und Romantik die Geschichte aufzuarbeiten und dabei zur wichtigsten und verzweifelten Bastion gegen die aufkommende Moderne wird, malen diese noblen Engländer Illusionen und verlorene Träume in kitschigen Pastelltönen.

Vom Trendsetter-Hohepriester zum Satan-Geächteten.

Oscar Wilde war der wichtigste literarische Hauptakteur dieser Ästhetischen Bewegung und erklärte sich zu deren Wortführer. Bissig und sarkastisch zuweilen, lebte auch er die Exzesse der Schönheit (auf seine Weise) und sein Vorwort zum Bildnis von Dorian Gray wird als Manifest des Ästhetizismus gehandelt. Er erfand den « Dandy » („ein junger Mann, der in auffälliger Bekleidung Kirchen oder Jahrmarkt besucht“) und der Dandyismus wurde zu einer Lebensanschauung (über ihn parodierte Thomas Mann in seinem Tristan später!). Allerdings im Gegensatz zum Beau in Frankreich (Beau Brummel) oder zum Stutzer (Hermann von Pückler-Muskau) in Preußen verabscheute der britische Dandy alles Grelle, Laute oder Parfümierte. Er war einfach nur ein Snob und vervollständigte seine Kleidung mit Witz und Bonmot (Lord Byron). Körperliche Arbeiten konnten oder durften diese Zeitgenossen allerdings nicht verrichten! Man war Lord und lebte von Geerbtem oder wurde unterstützt.

Unter den vielen jungen Leuten in England, die mit mir zusammen die englische Renaissance zu vollenden und vollkommen zu machen suchen – Jeunes guerriers du drapeau romantique (junge Krieger mit romantischer Fahne), wie Gautier uns genannt hat – gibt es keinen, der eine makellosere und glühendere Liebe zur Kunst hat, keinen, dessen künstlerischer Schönheitssinn zarter und feiner ist – keinen fürwahr, der mir lieber ist….. (Oscar Wilde spricht hier von Keats)

Die Präraffaeliten, die in der Ausstellung ebenfalls stark vertreten sind, entstanden als Reaktion auf die deutschen Nazarener in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Bruderschaft. Beeinflusst vom den Italienern des Trecento und Quattrocento, Raffael und Botticelli. John Everett Millais, von ihm und von William Holman Hunt sind einige Werke hier zu sehen, gründeten zusammen mit den Brüdern Rossetti diese präraffaelitische Bruderschaft (The Pre-Raphaelite Brotherhood, PRB) 1848 im Haus von Millais’ Eltern. Ähnlich wie auch der Lukasbund der Nazarener (der sich in Auflösung befand) hatten auch sie ein Manifest mit festen Regeln und lehnten die akademische Malerei und den Individualismus ab. William Blake wurde ihr Dichter, die Natur ihre Muse. Alle sollten nur mit PRB signieren.

Nachdem wir also knappe zwei Stunden mit rosiger Leichtigkeit durch die Ausstellung geschwebt und glücklich wieder aufgetaucht sind, berieselt nur durch die banalen Erklärungen der Kopfhörer, die sich auf eine Beschreibung des Themas und der Farben beschränkten, sind wir fix und fertig von diesem Überfluss an Farben, von diesem wollüstigen Bad, von den überschwenglichen Blumen, halbnackten Frauen und visuellen Orientgeschichten und vor allem von dem Durcheinander der aneinander gereihten Werke. Aber: do not miss it!

Véronique Gerard-Powell hat in Zusammenarbeit mit dem Musée Jacquemart-André Paris, dem Museo Thyssen Bornemiza Madrid, dem Chiostro di Bramante Rom, unterstützt durch die JAPS Foundation diese Ausstellung kuratiert.

Bis zum 5. Juni ist sie noch zu sehen. Dann geht die Ausstellung nach London – was für viele Bilder eine kurzfristige Rückkehr in die Heimat bedeutet.

Die Sammlung Pérez Simón ist in Mexico City zu hause – beim Eigentümer. Sie ist eine der größten Privatsammlungen für viktorianische Kunst. Die „Schönheit“ an sich hat es dem Besitzer angetan und vor allem die Schönheit der Frauen. In nur 45 Jahren hat er über 1500 Werke zusammen gekauft – alle Kunst-Epochen sind vertreten. Angefangen mit Arbeiten aus dem 14. Jahrhundert, tummeln sich außerdem Werke von Goya, Veronese, Rubens, Corot, Monet, VanGogh, Cezanne, Gris, Dalí, Picasso und dann natürlich diese Wahnsinnssamlung der Engländer des 19. Jahrhundert bei ihm. „Liebe auf den ersten Blick“ ist sein Motto – so kauft er ein, nur ganz selten lässt er sich beraten und man ist nur erstaunt, was man heutzutage alles noch zu kaufen kann. Als 15-Jähriger hat er die Kunst entdeckt und ist vielleicht deshalb so reich geworden, um eine Sammlung von diesem Ausmaß anzuhäufen. Er hat bei der Baronin von Thyssen gekauft und auch bei Andrew Lloyd Webber. Übrigens sammelt er nicht nur Kunst, auch Partituren sind in seiner Sammlung zu finden. Er könnte so aus dem Ärmel über jede Epoche eine Ausstellung organisieren. 2006 hat er angefangen, sich ab und zu von seinen Schätzen zu trennen und seine Bilder auf Reisen zu schicken. Zum ersten Mal wurde ein Teil in Madrid, im Thyssen-Bornemisza Museum gezeigt, dann in Peking (während der Olympiade) später Shanghai, Paris, Rom.

Pérez Simon ist 1935 in Asturias (Spanien) geboren und es erübrigt sich zu erwähnen, dass er einer der reichsten Männer Mexikos ist.

Christa Blenk

auch in KULTURA EXTRA →ALMA TADEMA

 

 

 

 

1 commentaire à “Alma Tadema und die englischen Maler im 19. Jahrhundert”


  1. 0 Irmi Feldman 26 fév 2014 à 17:54

    Wow! Bravo! Wieder mal ein herrlicher Artikel ueber das Aesthetic Movement, ‘Alma Tadema und die engl. Maler des 19JH’ von Christa Blenk. Beim Lesen konnte ich mir die Bilder und Stimmung so richtig vorstellen. Eine grossartige Abhandlung der Malerei des 19JH.

    Irmi Feldman

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