9 février 2014 0 Commentaire

The enchanted Island – nicht für Puristen geeignet!

P1130722-1Unübertreffliches « Pasticcio » was sich die MET hier geleistet hat.

Im 18. Jahrhundert war es an der Tagesordnung – das « Pasticcio », was soviel heisst wie « die Arien aus verschiedenen Opern werden in einen Topf geworfen,  angereichert wird das Ganze mit einem neuen Text, mit viel Humor, witzigen Kostümen und mit William Christie am Pult. Die Zutaten werden dann solange gerührt, bis eine  (nicht) homogene Masse entstanden ist. Voila: das Publikum verzaubernde und hinwegspülende  pasticcio ist fertig ». Puristen dürften allerdings anderer Meinung sein – aber sie irren sich!.

Händel, Purcell, Rameau und Vivaldi – Opern, Kantaten und Oratorien haben dafür hergehalten und als Vorlage für das Libretto hat sich  Jeremy Sams an Shakespeares « Midsummernights Dream » und an « The Tempest » gehalten.

2011 wurde dieses geniale Arragement zum ersten Mal in der MET aufgeführt mit Stars wie David Daniels, Joyce di Donato, Luca Pisaroni, Placido Domingo und Danielle  de Niese. Jede Arie, die uns aus dem normalen Barockopernleben bekannt ist, hat natürlich einen anderen – der Handlung angepassten – Text bekommen.

William Christie – wer auch sonst – kommt ans Pult, der Vorhang hebt sich und es geht los mit Händels Alcina. Ein Zauberwald, das Meer im Hintergrund!

Prospero sitzt also auf seiner Insel und hält Ariel, der vorher der Hexe Sykorax gehörte – gefangen (“My Ariel »  – “Ah, if you would earn your freedom” Antonio Vivaldi: Cessate, omai cessate, cantata, RV 684, “Ah, ch’infelice sempre”.) Ariel (“My master, generous master – I can conjure you fire” aus Handel: Il trionfo del Tempo e del Disinganno, oratorio, HWV 46a, Part I, “Un pensiero nemico di pace”) will unbedingt weg von der Insel und frei sein, muss aber noch eine letzte Aufgabe erfüllen, nämlich: Ferdinand auf die Insel zu holen, damit Prosperos Tochter Miranda einen Mann bekommt. Zwischendurch vertauscht Caliban, der Quasimodo-Sohn von Sykorax (“There are times when the dark side – Maybe soon, maybe now”  aus Händel: Teseo, HWV 9, Act V, Scene 1, “Morirò, ma vendicata”) , das Drachenblut mit den Echsenblut.  ( “The blood of a dragon – Stolen by treachery” aus Händel: La Resurrezione, oratorio, HWV 47, Part I, Scene 1, “O voi, dell’Erebo”) . Miranda träumt von ihrem noch zu kommenden Liebsten. (“Miranda! My Miranda!” Miranda) – “I have no words for this feeling” aus Händel: Notte placida e cheta, cantata, HWV 142, « Che non si dà”).

Der fatale Tausch lässt Ariels Zauber jedoch fehlschlagen (“My master’s books” – “Take salt and stones” aus Jean-Philippe Rameau: Les fêtes d’Hébé, Deuxième entrée:  La Musique, Scene 7, “Aimez, aimez d’une ardeur mutuelle”) und anstatt Ferdinands Schiff landen Helena, Lysander, Hermia und Demetrio  auf der Insel und werden nacheinander an Land gespült. (Quartet: “Days of pleasure, nights of love” aus Händen: Semele, HWV 58, Act I, Scene 4, “Endless pleasure, endless love”.)

Hiermit sind alle Zutaten in der Schüssel und die Voraussetzungen für das Chaos gelegt (Chaos, confusion, madness, delusion singt dann Prospero). Ariel, der zu spät merkt, dass weder Lysander noch Demetrio Ferdinand sind, verstreut einen Zauber über die beiden, die sich dann prompt nacheinander in Miranda verlieben (sie sing dann jedesmal wenn eine neue Liebe beginnt « wonderful, wonderful »  ( « Wonderful, wonderful” aus Händel: Ariodante, HWV 33, Act I, Scene 5, “Prendi, prendi”) . Das ist einfach genial. Als Ariel aber merkt was er angerichtet hat, bleibt ihm nur noch die Möglichkeit, Plácido Domingo also Neptun um Hilfe zu bitten. Ferdinands Schiff muss auf die Insel, sonst droht Gefängnis! (Arise! Arise, great Neptune”  Henry Purcell: The Tempest, or, The Enchanted Island, Z. 631, Act II, no. 3, “Arise, ye subterranean winds”.) Sie schreibt ihm also und endet ihren wundervollen Brief mit « love Ariel ». Neptuno taucht verärgert, weil in seiner Ruhe gestört, auf und jammert, sieht aber dann gleich eine Chance durch diese wichtige Aufgabe aus seiner Altersdepression herauszukommen und eilt zur Hilfe. Nach viel hin und her und einem kurzen Intermezzo zwischen Helena und Caliban (dem Monster – we walked and talked for hours) bleibt dieser wieder allein und traurig (“Mother, why not? – Mother, my blood is freezing” aus Vivaldi: Il Farnace, RV 711, Act II, Scene 5 & 6, “Gelido in ogni vena”). Dann treten alle nacheinander auf und verfluchen ihr Schicksal. (“Curse you, Neptune” aus Vivaldi: Griselda, RV 718, Act III, Scene 6, “Dopo un’orrida procella” und “My God, what’s this? – Where are you now?” aus Händel: Hercules, oratorio, HWV 60, Act III, Scene 3, “Where shall I fly?” ) . Hermia und Helena verstehen die Welt nicht mehr, weil ihr Angetrauter nichts mehr – nach nur 12 Stunden Ehe – von ihnen wissen will und jeder/e läuft jedem/er hinterher. (“Oh, my darling, my sister – Men are fickle” aus Händen: Atalanta, HWV 35, Act II, Scene 3 – “Amarilli? – O dei!” ). Geniale Szene.

Nach einer kurzen Traum-Einlage à la Ludwig XIV mit Tänzen aus Rameau-Werken, die Caliban aufmuntern, kommt schließlich Ferdinand auf die Insel und Miranda verliebt sich zum dritten Mal – diesmal in den richtigen. Ariel macht jeglichen falschen Zauber rückgängig und die Paare finden sich schließlich. (Sextet: “Follow hither, thither, follow me” aus Händel: Il trionfo del Tempo e del Disinganno, oratorio, HWV 46a, Part II, Quartet: “Voglio tempo”). Neptuno ermahnt Prospero sich zu bessern und alles wird gut. (“This my hope for the future »  – “Can you feel the heavens are reeling” Vivaldi: Griselda, RV 718, Act II, scene 2, “Agitata da due venti”).

Mit “Now a bright new day is dawning” gesungen von Alle aus Händels  Judas Maccabaeus, oratorio, HWV 63, Part III, “Hallelujah” geht es fröhlich zu Ende.

Herrliche Choreinlagen, fantastische Arien, wunderbare Regie. David Daniels ist ein trauriger und zugleich böser Prospero, Sykorax die verschlagene Hexe, wird mit jedem Auftritt schöner und menschlicher. Caliban ein fantastisch-scheussliches und witzig-trauriges Monster und Ariel-Danielle De Niese ist der heimlich Star. Sie ist sängerisch wie schauspielerisch unschlagbar und bringt das Publikum zum Lachen und zum Weinen.

Mehr kann man von einem Opernabend nicht erwarten! Am Ende hat man das Gefühl 4 Opern und 2 Theaterstücke gesehen zu haben!

Christa Blenk

cristina crespo Cristina Crespo (artist)

Informationen über Arien und Herkunft Quelle: MET

 

 

 

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