Portrait Tiziana Morganti

Portrait Tiziana Morganti - Text für  KULTURA EXTRA

 

Tiziana MorgantiMysterium-olio su tela 130x130Il Castello di Schwerin-- Fotos: © Antonella Papa

Tiziana-1Foto: © Giovanni Arcangeli

Tiziana Morganti – Portrait

Armselig der Schüler, der seinen Meister nicht übertrifft. Der Überflieger Leonardo da Vinci (1452-1519) hatte natürlich ein Leichtes so zu reden, wusste er doch ganz genau, dass seine universelle Genialität und seine unvergleichliche Begabung, Kraft und erstaunliche Gewandtheit nicht zu übertreffen waren.

Damit lag die Messlatte sehr hoch, wenngleich Leonardos Zeitgenossen wie Michelangelo, Tizian, Raffaello oder die Architekten Bramante und Brunelleschi sie auf jeden Fall erreicht haben. Der Tausendsassa Giorgio Vasari hat diese Renaissance-Helden allesamt in seinem Werk „Lebensläufe der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten“ verewigt. Sein Kapitel über Leonardo fängt so an: „Dank dem Einfluss der Gestirne überschüttet die Natur die Sterblichen oft mit den reichsten Gaben ….“. Tiziana selber ist voller Gegensätze und wohl eher gerade einem Botticelli-Gemälde entstiegen!

Tiziana selber hingegen ist wohl eher gerade einem Botticelli-Gemälde entstiegen!

Das einzige, was Tiziana von Tizian unterscheidet, ist das „a“: diesen gewichtigen Satz hat Filippo Ferro getan und damit hängt er nun ihre persönliche Latte weit hinein in den künstlerischen Horizont. Dabei ist Tizianas Vorbild der große Leonardo. Omnipräsent ist er in ihren Gedanken und Handlungen. Er ist auch ihr spiritueller Mentor und wird permanent von ihr zitiert und konsultiert, bevor sie in ihrer himmlischen Ruhe einen Strich oder Klecks auf die Leinwand bringt.

Eine Ausbildung als Grafikerin hat sie gemacht und darin einige Zeit in einem Verlag in Rom gearbeitet, bevor sie für ein paar Jahre nach Toronto/Kanada ging. 1999 zog es Tiziana Morganti wieder in ihre Heimat zurück und hin zum Studium der Schönen Künste. Seitdem lebt und arbeitet sie – ziemlich zurückgezogen – in Rom.

Eine Grafikerin braucht klare Gedanken. Sie muss beobachten und aus dem dionysischen Chaos der Eingebung verständliche apollinische Ordnung schaffen. Die Serie „La Città moderna“, die 2005in der Nationalbibliothek und im italienischen Zentralarchiv ausgestellt war, trägt eindeutig noch eine grafische Handschrift. Zwei Gemälde dieser Anfangswerke sind permanent im Zentralarchiv zu sehen.

Aber wie kam sie vom neo-realistischen Metro-Tunnel zum neoklassizistisch-romantischen Schweriner Schloss? Was ist passiert zwischen 2005 und 2013? Architektur, Landschaft und Portraits waren immer meine Leidenschaft, sagt sie. Die prägende Arbeit in der visuellen Kommunikation brachte unvermeidlich Bilder wie „Tunnel“ und die „Mannequins“ hervor. Ich habe immer Architektur, Leute, nordeuropäische und italienische Landschaften gemalt. Für mich birgt die Malerei weder Geheimnisse noch Schwierigkeiten und sie ist das einzige Territorium, auf das ich mich ohne Furcht und Unsicherheit begebe, sagt sie weiter.

Auf dem Weg in ihre Veduten-Wunschwelt begleiten wir sie durch den intensiv-blutrot-orangigen Tunnel, der im Inneren noch ein wenig römisches Licht bunkert oder wir sehen die flackernden Schlusslichter der grau-braunen Metropolitana, die sich abweisend und distant vor unseren Augen entfernt. Hier hat sie das Flimmern gemalt, das wir meinen zu sehen, wenn sich Lärm mit Licht und Staub vermischt! (Es ist eines meiner Lieblingsbilder und hängt bei mir im Büro). Gerhard Richters Kerzenbilder kommen mir in den Sinn! Weiter geht es durch prosaisch weiß-blendende Gemäuer, licht-durchflutete Innenhöfe, Bauhaus-Wendeltreppen, vorbei an unnahbar-sprachlosen Mannequins. Die Stühle im verlassenen sonnendurchfluteten Raum dienen ihr vielleicht zur Rast und Meditation, bevor sie den nächsten wohlbedachten Schritt tut.

Ihre Auseinandersetzung mit neuen Werken wie dem kleinformatigen und symbolistischen Schloss von Schwerin oder mit der rund-ovalen Tafel Regina Viarum (beide 2012/2013) konstatiert, dass sie das Grafische endgültig abgelegt und den kleinen 5-haarigen Pinsel wieder hervorgeholt hat. Tiziana kokettiert hier – fast wie mit einer camera oscura – mit der Tradition der alten Flamen und übt sich in Geduld. Das hingehauchte und geheimnisvolle, fast unsichtbar ins Bild projizierte Schloss hinter dem Park oder die vom Nass glänzenden ziegelroten Ruinen der Villa zwischen den römischen Pinien sowie die klobigen und unregelmäßigen von zweitausend Jahren Regen ausgewaschenen Steine auf der unendlich sich hinziehenden Via Appia Antica verdammt die „Città moderna“ der einstmaligen Zukunft in die Vergangenheit. Ihre Meister Claude de Lorrain und Johann Friedrich Overbeck sowie Giorgio de Chirico gegen sich hier die Hand und das Ergebnis sind diese herrlichen kleinen Miniatur-Täfelchen nach flämischer Spätmittelalter Manier die einladen, mit der Lupe betrachtet zu werden.

Mythen, Metaphern, Mysterien

Fabula, Ancilla, Veritatis: diesen Titel hat Giovanni Papi ihrer zur Zeit in Rom laufenden Ausstellung gegeben. 1805 kamen die Nazarener über Wien nach Rom und setzten damit – auf der Suche nach der Renaissance – die Ruinenverherrlichung im Klassizismus von Winckelman und Mengs des Settecentofort. In Olevano Romano kann man heute noch auf ihren Spuren wandeln. Hier liegt der Quell der ideellen Landschaft, hier wimmelt es nur so von Legenden; jeder Zweig und jede Ruine regt zum Fantasieren an. Betrachten wir Tizianas Tafeln ein wenig länger, offenbaren sie mysteriöse Sagen und religiöse Legenden, decken vielleicht sogar manches Enigma um die Vorkommnisse zwischen den Pompeji-rosa, von Pinien eingerahmten Ruinen auf oder lüften die okkulten Geheimnisse der Badia San Sebastiano. Begleitet vom säuselnden Wind überkommt uns im „de Chirico“-Schatten ein Spätsommer-Frösteln, wenn die trügerisch gewordene Sonne die schattigen Flecken nicht mehr wärmt. Mysterium (2008) heißt eine ihrer größten Arbeiten (120 x120 cm) – manieristisch und rätselhaft erhebt sich das Taufbecken vor drei romanischen Rundbogenfenstern. Braun-gelbes Licht und Schatten streiten sich hier um die Vorherrschaft. Man hält den Atem an, um ja nichts zu übersehen oder überrascht zu werden.

Das Licht als Dienerin der Wahrheit. Keimfrei-sauber, surreal-kalt, klar und beklemmend-schön könnte man das Licht beschreiben, das uns beim irdischen Lustwandeln durch ihre Welt begleitet. Sie hat eine deutsche Romantiker-Seele und kommt auf den Spuren und Steinen der Geschichte über die Schule des 19. und 20. ins 21. Jahrhundert. Sie hat sie studiert, die Kunst-Pilger, die sich im im 18. und 19. Jahrhundert hier angesiedelt haben. Dessen ungeachtet nähert sie sich subjektiv und eigenwillig der Landschaft und dem Licht, wie es sich im 21. Jahrhundert darstellt – auch wenn wir bei ihren Bildern gerne an Böcklin, Ernst oder an Morandi denken.

Zur Zeit setzt sich Tiziana Morganti mit dem bekanntesten aller Italien-Touristen auseinander. Sie will ihre persönliche Grand Tour realisieren und all die Plätze und Orte auf der Leinwand festhalten, die Goethe in Italien besucht hat. Ein bis jetzt noch nicht bekanntes Portrait des jungen Goethe in Frankfurt hat sie schon gefunden.

Der italienische Kunsthistoriker und Freudianer Filippo Ferro hat in einem Katalog für eine private Ausstellung, die den wunderschönen Namen „Ikonen der Stille“ trug, folgendes geschrieben: Die Zeit steht still, unbestimmbares Licht, ist es morgens, oder mittags oder sogar schon die Dämmerung? Genauso wie sich die Jahreszeiten geheimnisvoll ankündigen, umwickeln bleierne Himmel gespenstische Monumente, ist es das Frühlingsgrün der Wälder, das glänzt oder sind es die rot-gelblichen Herbstfarben.

Il Parco della Villa d'Ombrosa- Foto: Antonella Papa

Eines ihrer letzten Werke heißt „Il Parco della villa d’Ombrosa“. Es ist eine Hommage an Italo Calvinos surrealistische Geschichte „il barone rampante“. Eine Huldigung an die Renaissance, auch wenn uns die typische Tiziana-Kälte und der Baron in den Bäumen an die Surrealisten oder an Magritte erinnert. Ein sehnsüchtig-klarer Blick durch das vergitterte Fenster öffnet die Tür der Welt und wir verlassen den Raum mit den Augen. Symmetrie und Proportion sind perfekt angeordnet.

Wieviel Schönheit empfängt das Herz durch die Augen, dashat auch Leonardo gesagt. Seine Worte geleiten uns in ihr Arkadien.

Christa Blenk

 

Nachklapp:  Ich habe Tizianas Arbeiten aus verschiedenen Perioden in einer persönlichen Ausstellung in meiner Wohnung in Rom Anfang Juni 2013 präsentiert.

 

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