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Kalkutta ist so schön wie Rom – Dichterlesung in der Casa di Goethe

Was hilft es, das Auge am Schlitz eines Türspions zu verdrehen? ///Man steht immer vor Kreuzen und Gittern, einer Welt aus Sektoren. // Wozu sind Schienen da, wenn nicht, irgendwo auseinanderzugehn? (Durs Grünbein)

Durs Grünbein und Valerio Magrelli entdeckten sich gestern Abend in der Casa di Goethe bei einem poetischen zeitgenössischen Happening im gut gefüllten „Wohnzimmer“ von Goethe und Tischbein.

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Über zwei Stuhlreihen steigend (weil es schon so voll war), nahm Durs Grünbein seinen Platz ein. Valerio Magrelli kam von der Seite. Ein sympathisches Paar!

Mit einer kurzen Lektüre seines noch ganz frischen Textes „Reimereien in Weimar“, eröffnete Grünbein den Abend. Hierin geht es um einen kurzen Moment in Goethes Weimarer Leben und den Moment, als er den 12jährigen Felix Mendelssohn einige Zeit zu Gast hatte und um das Missen anschließend.

Es ist nichts Tröstlicheres in älteren Jahren, als aufkeimende Talente zu sehen, die eine weite Lebensstrecke mit bedeutenden Schritten auszufüllen versprechen“ – so schrieb Goethe an Abraham Mendelssohn am 5. Dezember 1821.

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Über dieses Gedicht haben sie sich kennengelernt, oder besser gesagt, sie haben beide über das gleiche Thema geschrieben ohne sich zu kennen. Zeitgeist oder verwandte Dichterseelen? Einmal „Toter vorm Fernsehen“ (Grünbein) und „Ecco Video“ (Magrelli). Bei beiden Gedichten riecht man förmlich was passiert, wenn jemand wochenlang tot vorm Fernseher liegt.

Abwechselnd lesen sie anschließend die Gedichte des anderen – in der jeweiligen Übersetzung – vor und kommentieren das Gelesene. Maria Gazzetti, die Leiterin der Casa Goethe, jongliert zwischen Italienisch und Deutsch hin und her und man vergisst ganz, in welcher Sprache man hört oder liest. Aber auf jeden Fall kommt alles bei uns an.

Sie erarbeiten sich den Abend sozusagen gemeinsam. Hier steht, sagt Grünbein auf einen Zettel deutend: „Das Gespräch entwickelt sich spontan zwischen zwei Dichtern“. Das ist schön und trifft genau den Punkt. Ohne Regieanweisung flanieren sie durch den Abend und genau das macht diesen so sympathisch und leicht. Kennengelernt haben sich die beiden, weil sie den gleichen englischen Verlag haben. So haben sie auch festgestellt, dass sie auf der gleichen Wellenlänge schweben und sie z.B. beide für Wallace Stevens schwärmen. 

Es ging um Bremsspuren am Flughafen und um die Abgüsse eines bekannten Künstlers (den Namen konnten wir leider nicht herausfinden); um Moda – (merde) – Morte; um Immobilienanzeigen und den Film Sacro GRA (den auch noch keiner gesehen hatte), um Dada und die ecriture automatique , um die französische Revolution 1789 (Vom Terror von Grünbein) und den Mauerfall 1989 ( Trabant von Magrelli) und um die Frage was denn Poesie eigentlich sei. „Ich gebe dem Denken die Spitze zurück…“. Grünbeins cartesisches Universum trifft auch hier wieder auf den italienischen Französisch-Literaturprofessoren-Dichter.

Die Schlussfrage von Maria Gazzetti war dann: Warum installiert sich ein deutscher Dichter 2012 in Rom? Ist das jetzt eine politische Frage? Günter Grass ging nach Kalkutta – Kalkutta ist so schön wie Rom! Schließlich hat sich Magrelli ja nicht umsonst mit Dada befasst.

Durs Grünbein ist 1962 in Dresden geboren, 2009 war er Stipendiat der Villa Massimo in Rom. 2012 im Sommer zog er mit Familie fest nach Rom (mit Abstechern nach Berlin). Sein Weg ist mit Preisen gepflastert. Als Jüngster bekam er 1995 den Büchner Preis, 2004 folgte der Friedrich Nietzsche Preis und 2005 bekam er den Friedrich Hölderlin Preis überreicht. Die Römer konzedierten ihm 2006 den Premio Pasolini. Fast alle seine Werke sind ins Italienische übersetzt.

Der römische Dichter und Schriftsteller Valerio Magrelli ist 1957 geboren und Experte für französische Literatur. Er bekam vor ein paar Tagen den Premio SuperMondelo für seinen letzten Roman « Geologia di un padre » überreicht. In Deutschland ist er weniger bekannt, das kann sich aber schnell ändern.

Es sollen noch viele solche Abende im Familien-Poeten-Kreis folgen. Mühelos und erhellend haben wir zwei Dichter kennengelernt.

Dann Schlangestehen, um sich die „Reimereien“ signieren zu lassen.

Christa Blenk

Incontri Romani“ ist die Erste Ausgabe einer Serie über diese deutsch-italienischen Dichterbegegnungen, von der Casa di Goethe herausgegeben. Quadratisch-praktisch-unprätentiös!

Christa Blenk

 

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