Der Traum in der Renaissance

Juli2013 039 Traum oder Wirklichkeit

Die Renaissance und der Traum  Artikel für Kultura Extra

Der Traum in der Renaissance – eine „traumhafte“ Ausstellung im Musée du Luxembourg in Paris.

Nacht – Schlafende(r) – Traum – Vision – Alptraum: das sind die Pfeiler dieser Ausstellung und poetisch – rätselhaft – (alb) traumhaft – tödlich ihre Themen. Zwischen Hades und Paradies und zwischen Eros und Thanatos werden wir hin- und hergeschleudert!

Ist es möglich einen Traum zu malen? Was wird gemalt, das, was der Maler dem Protagonisten als Traum verpasst oder nimmt der Träumer seinen Traum in die Hand und kommuniziert dem Maler was er träumt. Dürer sagte seinerzeit, dass der Traum, den man beim Aufwachen malt, schon kein Traum mehr wäre, sondern nur noch eine Erinnerung und die Mimesis eines Traumes der schon entwischt ist. Der Traum ist der beste Beweis dafür, dass wir nicht so fest in unsere Haus eingeschlossen sind, als es scheint, hat Friedrich Hebbel gesagt; die fast 80 Werke aus Rom, Norditalien, Dresden, Madrid, London und Washington dokumentieren und thematisieren diese Visionen und Utopien und verzaubern den geneigten, sich darauf einlassenden, Besucher und schicken ihn in (s)eine Traumwelt.

In der griechischen Mythologie hatte der Traum und seine Deutung eine immense Bedeutung, die dann im späten Mittelalter und der Renaissance wieder in den Mittelpunkt rückte. Der Traum wurde erneut thematisierbar und dabei auf eine höhere Ebene gestellt. Gelehrte, Dichter, Ärzte oder Philosophen befassten sich – schon ca. 300 Jahre vor Freud – mit der Vorstellung und Auslegung von Träumen. Bosch, Veronese, Dürer, Lotto, El Greco u.a. haben ihre Visionen und Albträume auf ihren Leinwänden verewigt. Zu Träumen gab es ja genug, peu à peu wurde die Welt entdeckt und vergrößert und damit der Radius des Fassbaren erweitert. Das Unbekannte – am Ende der Scheibe – animierte Phantasie und Neugierde und außer Soldaten und Abenteurern reisten nun auch Maler, Bildhauer und Dichter, um mit anderen Intellektuellen in Kontakt zu treten und ihre Errungenschaften auszutauschen.

Das Leben ein Traum (La vida es sueño) schrieb der Spanier Calderón de la Barca dann im 17. Jahrhundert und setzte das religiöse Gespräch über Traum und Wirklichkeit zwischen Leben und Tod fort.

Hieronymus Bosch: sein Leben bestand wohl nur aus Albträumen und grauenhaften Bildern und seine schaurigen Ausgeburten lassen uns die Haare zu Berge steigen.“Visionen vom Jenseits: das irdische Paradies, der Aufstieg ins Empyrion, der Untergang der Verdammten,Hölle“. Vier Holztafeln die uns unter die Haut gehen und für die allein man schon Stunden bräuchte, um alles zu analysieren. Balsam für die Seele hingegen ist „die Vision der Hl. Helene“ von Veronese. Sie sitzt nur da, wunderschön und gelöst und träumt – sicher vom Paradies – vor sich hin. Die National Gallery London hat es ausgeliehen und gemalt wurde es um 1570. Aus Dresden eine hinreißende „Allegorie der Nacht“ von Battista Dossi um 1543. Der „schlafender Apoll“ von Lorenzo Lotto. Während dieser vielseitige Gott der Liebe und der Musik vor den bunten Kleidern der Musen schläft, tanzen diese auf anderen Seite des Bildes tanzen. Einfach köstlich! „Der Traum des jungen Mädchens“ eine delikate Allegorie der Keuschheit, auch von Lorenzo Lotto. Und so geht das die ganze Zeit. Man will gar nicht wieder rausgehen.

Aber ein wenig Zeit sollte man sich sowieso nehmen für diese Ausstellung. Man muss in die Bilder hineinkriechen, um das traumhafte und albtraumhafte zu spüren, solange bis uns die Augen geöffnet werden und uns entweder die Hölle oder das Paradies aufnimmt.

Bis zum 26. Januar 2014 ist diese wunderbare Ausstellung noch zu sehen. Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem Palazzo Pitti in Florenz von Chiara Rabbi Bernard, Alessandro Cecchi und Yves Hersant kuratiert. Im Frühjahr 2013 war sie im Florenz zu sehen.

Christa Blenk

 

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