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Jacob Jordaens im Petit Palais – La Gloire d’Anvers

Jacob Jordaens  Text für KULTURA EXTRA

 

Der Ruhm von Antwerpen

Die erste Retrospektive die Frankreich dem flämischen Barockmaler Jacob Jordaens (1593- 1678) widmet, dokumentiert die Vielseitigkeit dieses oft von uns verkannten und unterschätzten Antwerpener Meisters und ist ohne Zweifel eines der Hauptevents im Pariser Ausstellungszirkus diesen Herbst.

Schon Mitte des 16. Jahrhunderts zählte die Stadt Antwerpen an die 100.000 Einwohner und war, abgesehen von Paris, die größte Stadt im Nordwesten, kosmopolitisch und offen für neue Trends und Tendenzen. Dort hinein wurde Jacob Jordaens 1593 – nur 15 Jahre nach dem großen Rubens – geboren. Später würde der Katholik zum Calvinismus konvertieren, was ihm aber – abgesehen von diversen Anklagen ketzerische Pamphlete verfasst zu haben – nicht hinderte, weiterhin in aller Freiheit Werke für die katholische Gemeinde zu malen, auch nach der definitiven Abspaltung der calvinistischen Niederlande im Norden vom königstreuen katholischen Süden, dem heutigen Belgien.

DerRuhm von Antwerpen“ so nennen die Kommissare Alexis Merle du Bourg und Maryline Assante di Panzillo ihr ehrgeiziges und gelungenes Ausstellungsprojekt. Gezeigt werden 120 Gemälde, Skizzen, Zeichnungen und Entwürfe für Wandteppiche aus französischen, europäischen und nordamerikanischen Sammlungen, die alle Schaffensperioden des Künstlers abdecken. Religion, Geschichte, Mythologie, Sprichwörter: Jacob Jordaens war eine starke Persönlichkeit, die das Leben und die Natur liebte und überall aufsaugte, um es dann glorios umzusetzen, immer auf sein organisatorisches Geschick und sein Können vertrauend.

Gleich nach dem Eintreten durch das « Antwerpener Tor » überrumpelt uns eines der Meisterwerke der Ausstellung das normalerweise im Madrider Prado hängt: Selbstbildnis mit seiner Frau, seiner Tochter, einer Bediensteten im Garten“. Jordaens zeigt sich hier nicht als Künstler sondern als kultivierter und wohlhabender Bürger mit einer Laute in der Hand. Hinter ihm lugt ein Hund hervor, alle – auch die Magd – sind schön gewandet, nur seine Frau sitzt. So posieren sie vor einem üppigen Barockbrunnen mit ein wenig Grün. „Christus am Kreuz“, ca. drei mal zwei Meter misst dieses post-manieristische Werk. Obwohl Calvinist hatte Jordaens, wie schon erwähnt, nie aufgehört, Aufträge der katholischen Kirche zu erhalten und anzunehmen. Das chiaro-scuro (Licht-Schatten-Spiel) in diesem 1620 entstandenen Bild, ist eine klare Referenz an Caravaggio und erinnert an dessen Kreuzigung des Hl. Andres, das in Cleveland hängt. Dank dem Weltreisenden Rubens, wurden diese Werke in Flandern verbreitet. Das Format allerdings, wie auch bei dem opulenten Gemälde Adam und Eva, verweist auf Rubens flinken und oberflächlichen Pinsel. „Junges Mädchen mit einem Alten und einem Papagei“, ein kleinformatiges erotisch-allegorisches und delikates Gemälde; wahrscheinlich hat seine Tochter Elisabeth für die junge Frau, die den Papagei mit Kirschen füttert, Modell gestanden. Rhythmisch und stilsicher „So wie die Alten sungen, so pfeifen die Jungen“, ein Hauptwerk aus der späteren Zeit das der Louvre ausgeliehen hat. Drei Generationen einer (anständigen) Sippe sind zu sehen. Alle, bis auf die eleganter gekleidete und ein wenig versnobte junge Frau, die ein Glas Wein in der Hand hält, lesen, singen, musizieren. Eine Mahnung an die Alten, den Nachkommen ein gutes Vorbild zu sein. Der König trinkt! Eine witzige und typische Darstellung des Epiphanie-Festes. Der gesamte Clan sitzt am reich gedeckten Tisch und feiert die Hl. Drei Könige. Ein Familienmitglied wird zum König gekrönt, bekommt eine Krone und darf dafür das Gelage finanzieren. Für den König hat wieder mal sein Lehrer und Schwiegervater von Noort hergehalten. (exkurs: In der katholischen Frankophonie ist dieser Brauch immer noch aktuell. La Galette du Roi – ist ein Kuchen, in dem eine Saubohne versteckt ist. Derjenige, der in seinem Stück diese Bohne findet wird zum König erkoren und bekommt die Krone aufgesetzt, die mit dem Kuchen mitgeliefert wurde.)

Barock, d.h. auch Historienmalerei, Fruchtbarkeitsallegorien und Bacchanalien. In dem Riesengemälde „Die Töchter des Cecrops und der kleine Erichthonius“ wird eine Geschichte aus Ovids Metamorphosen erzählt. Ein selten aufgegriffenes Thema, Jordaens hat es 1617 gemalt und sich an ein Werk von Rubens zum gleichen Thema angelehnt. Beide hatten sie übrigens Unterricht bei van Noort und Jordaens heiratete sogar dessen Tochter.

Des weiteren sind einige exquisite kleine Holztafeln zu sehen, die sozusagen Teil seines Archivs waren und zu Studienzwecken dienten. Für „zwei Studien einer alten Frau“ hat seine Mutter posiert. Jordaens verfügte, wie auch seine Antwerpener Malerkollegen, über einen ausgiebigen Fundus von grafischen Arbeiten, Entwürfen mit Köpfen, Skizzen, die abwechselnd hervorgeholt und bei Bedarf benutzt wurden. Das ist auch der Grund, weshalb viele Gesichter immer wieder auf den Gemälden auftauchen, einer von ihnen war sogar der Pförtner der St. Lucas Gilde.

Die Ausstellung endet mit zwei beeindruckenden Wandteppichen und den dazugehörigen Entwürfen, die sog. Cartons. Als „waterschilder“ (Wasserfarbenmaler) machte sich Jordaens in dieser Zeit einen Namen, seine unzähligen Aquarelle auf Papier taugten in der Regel als Vorlagen für Wandteppiche. Ein beliebtes Thema für solche Skizzen war z.B. die Odyssee. Entwürfe für Tapisserien waren sein Leben lang eine seiner Haupteinnahmequellen und brachten ihm Wohlstand und Ansehen. Wenn es stimmt, dass Rubens seinerzeit die Komposition neu „erfunden“ hat, dann muss man auch erwähnen, dass Jordaens dem Raum eine neue Bedeutung gab, Perspektiven zum Leben erweckte, die die barocke Dramaturgie der Themen zum Vibrieren brachte. Manchmal verlassen vor unseren Augen Füße oder Arme das Gemälde! Horror vacui und geniale chromatische Zusammensetzungen bestimmen viele seine Werke.

Die wesentlichen Teppich-Ateliers befanden sich in Brüssel und Brügge, da war es ganz klar, dass Antwerpen, das von Brüssel nur 30 km entfernt ist, eine wichtige Rolle innehaben sollte. Von dort aus wurden die Preziosen in die ganze Welt exportiert. Die St. Lucas Gilde, in die Jordaens schon 1615 eingetreten war und als aktives Mitglied fungierte, überwachte das Geschäft und führte eine strenge Qualitätskontrolle durch!

Die großen Flamen im 15. Jahrhundert arbeiteten vor allem in Gent und Brügge, während das zweite sog. goldene Zeitalter der Niederländischen Malerei im 17. Jahrhundert in Antwerpen stattfand; mitverantwortlich dafür war unzweifelhaft die sog. Genremalerei. Es ging hier vor allem darum, humane Verhaltensweisen und Gebaren darzustellen. Gesellschaftskritisch, humorvoll und beobachtend wurden sehr oft Sprichwörter oder populäre Theaterstücke als Motive herangezogen. In der Regel galt es, Trunksucht, Streit, Kuppelei und Liebschaften anzuprangern oder zu verherrlichen. Erst zu Vermeers Zeiten fand eine Verlagerung auf Wertevorstellungen und (versteckte) Moralansichten des Bürgertums statt und die kleinformatigen Bilder zeigten von nun an Musikgesellschaften oder Briefe-schreibende, wartende und sehnende Frauen des Bürgertums. Mit dem grandiosen Vermeer und seinen Zeitgenossen wie Pieter de Hooch oder Gerard Ter Borgh erreichte die Genremalerei im Norden ihre Krönung.

Jacob Jordaens Werke sind allerdings in der Regel großformatiger als das übliche Genreformat. Beeinflusst vom späten Manierismus von Caravaggio, von der katholischen Malerei der Italiener und natürlich vom voluminösen prosaisch-pastoralen Barock-Humanisten Rubens, der nur 15 Jahre älter als er selber war. Und obwohl Jordaens Antwerpen so gut wie nie verlassen hatte, weniger kultiviert und weltmännisch als die beiden Vorbilder Rubens und Van Dyck war, sprach er doch französisch und flämisch, war vertraut mit der Mythologie und Ovid, kannte die Äsop-Fabeln und war sehr bewandert im Gebrauch von Sprüchen und Gebräuchen. Er ist sicherlich der genuinste von den dreien und aus der Geschichte der niederländischen Malerei nicht mehr wegzudenken.

Eine Zeitlang hat sich auch Jordaens durchaus erfolgreich in Portraits von Ehrenbürgern versucht, aber schnell verstanden, dass diese Domäne fest in Van Dycks Händen war. Er war Geschäftsmann genug, sich daraufhin auf die Tapisserien zu konzentrieren. Auf dem Höhepunkt seines Lebens und seines Schaffens war Antwerpen einer der wichtigsten Umschlagplätze für Luxus- und Gebrauchsgüter wie Gewürze, Zucker und Salz, Seide und Leinen sowie französische Weine und sogar Weine aus dem Rheinland. Der Handel florierte.

Nach Rubens Tod 1640 und dem Ableben ein Jahr später von Van Dyck übernahm Jacob Jordaens das Zepter des wichtigsten Malers von Antwerpen und gründete eine der größten Werkstätten überhaupt. Bis zu 20 Schüler arbeiten fließbandmäßig und permanent bei und für ihn. Um allen aus ganz Europa eingehenden Aufträgen gerecht werden zu können, bedurfte es einer perfekten Organisation. Es war in der Zeit durchaus üblich, dass der Meister nur noch kleine Retuschen oder den letzten Schliff anlegte, manchmal schaffte er wohl aber nicht mal mehr das. Jordaens behielt es sich allerdings vor, auf jeden Fall die Komposition eines jeden Bildes festzulegen, bevor es seine Schüler dann ausarbeiteten und fertigstellten. Sein Opus „Die Verurteilung des Pharisäertums“ ist wohl ein gutes Beispiel. Eine interessante und ansprechende Komposition, Jesus in der Mitte, umgeben von hässlichen Pharisäern, von denen einer eine Maske auf dem Rücken trägt. Realisiert ist es allerdings ein wenig stümperhaft, wobei die Hässlichkeit vielleicht gewollt war, um das Böse dieser Gesellschaft optisch darzustellen und anzuklagen. Nachdem er einmal der Fälschung angeklagt worden war, hinterlegte Jordaens sogar eine Erklärung bei einem Notar, in der er versicherte, dass er alle Bilder mit eigener Hand neu gemalt und verändert habe.

Der Aufschwung Anfang des 17. Jahrhunderts durch die neuen Gouverneure von Flandern, Isabella Clara Eugenia von Spanien, die Tochter von Philipp II und Albert der Habsburger, die nach vielen Kriegsunruhen wieder Frieden und Wohlstand nach Antwerpen zurück brachten und damit den Überseehandel förderten, aber auch die Konvertierung der Nordprovinzen zum Calvinismus schuf eine bedeutsame und wohlhabende Bürgerschaft und es war gang und gäbe, die eigenen Wände mit Gemälden der lokalen Maler zu schmücken, auf denen das tägliche Leben der oft weniger privilegierten Gesellschaftsschichten dargestellt war. Antwerpen blühte zu einer Kunstmetropole auf: Künstler, Bildhauer und Kunsthandwerker sprossen aus dem Boden und die Produkte aus Antwerpen wurden in die ganze europäische Welt verkauft. Antwerpen wird außerdem zum Hauptherausgeber von wissenschaftlichen, theologischen und mathematischen Werken.

Nach einem langen, arbeitsamen und sehr produktiven Leben, starb Jordaens, am gleichen Tag wie seine Tochter, 1678 an einer Krankheit, die zu der damaligen Zeit als „Antwerpener Seuche“ bezeichnet wurde.

Bis zum 19. Januar 2014 ist diese hoch-interessante Ausstellung noch im Petit Palais in Paris zu sehen.

Christa Blenk

 

 

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