Big Bamboo

 

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Climb it if you dare!

 Außerhalb der römischen Mauern, auf dem Monte Testaccio (dem Scherbenhügel) gibt es einen ehemaligen Schlachthof, der vor ein paar Jahren umgebaut und nun als Museums für Zeitgenössische Kunst (MACRO) genutzt wird.

Eingeklemmt zwischen zwei Gebäuden des Mattatoio Testaccio haben die New Yorker Zwillingsbrüder Doug und Mark Starn Big Bamboo errichtet. 2010 war sie im New Yorker MoMA die am meisten erwartete Ausstellung überhaupt, bevor dieses Bambus-Durcheinander 2011 zur Biennale nach Venedig kam und dort hinter dem Peggy Guggenheim Museum gen Himmel ragte. Enel Contemporanea hat Ende 2012 die Starn-Brüder eingeladen, ihr Bambus-Gebilde in Rom zu präsentieren. Knapp 40 Meter ist die Installation hoch und 60 Personen können darin gleichzeitig rumturnen. Bekletterbar nach oben sind allerdings nur 25 labyrinthische Meter. Mit ihrem Team aus 12 Sportkletterern haben die Brüder in zwei Monaten über 8000 Bambusstangen verschiedener Dicke und Größe miteinander verknotet.

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 Anläßlich der Whitney Biennale 1987 ist die Kunstwelt auf die 1961 in New Jersey/USA geborenen Künstlerbrüder aufmerksam geworden. Seitdem verdutzen und erstaunen sie mit ihren komplizierten zwischen Kunst und Architektur pendelnden dschungelartig-monumentalen Bambuskonstruktionen. Ihre erste öffentliche, preisgekrönte Arbeit datiert aus dem Jahre 2009 und steht permanent an der South Ferry U-Bahnstation. Zwischenzeitlich haben sich Doug und Mark Starn einen Namen gemacht und Privatsammler kaufen ihre Zeichnungen und Fotos.

 You can’t, you won’t, you don’t stop. Immer höher! Vor diesem Kunstwerk steht kein « bitte nicht anfassen »-Schild! Im Gegenteil: man soll dieses leicht transparente Geflecht sogar berühren und wenn man sich traut, darf man das hohe kolossale Monster – nach Unterschrift eines Haftungsausschlusses – sogar erklimmen. Wir haben den Berg, trotz Anfangszweifel, bis ganz oben bezwungen!

 Für den Kuratoren der Ausstellung, Francesco Bonami, verfügt diese Installation über eine spirituelle, nicht geografische, nomadische Leichtigkeit. Ja, leicht haben wir uns gefühlt, fast allein ganz oben in diesem überdimensionalen Baumhaus (die meisten sind nur bis zur Mitte gegangen, um sich dort auf einem Plateau mit Bambusmöbeln auszuruhen und in den Himmel zu spähen), wie lautloses Fliegen, aber schon immer mit einer Hand an einer der mit bunten Bändern umwickelten Bambusstangen!  Eigentlich ist es ein Anti-Monument, man betrachtet es nicht vor vorne oder von der Seite, sondern aus dem Inneren heraus. Man sieht eine durch kleine und große Stangen durchbrochene Welt und viel Himmel. Für die Starn-Brüder ist es « eine Architektur, die die Existenz erklärt und sie wiederspiegelt ». Wie auch immer:  es sieht schön aus und war ein Riesenspaß auf den Bambusstangen hochzukraxeln (es hört sich schwieriger an als es ist!). Ob es aber das Publikum als Kunstwerk betrachtet, möchte ich bezweifeln. Es hat eher etwas von einem Vergnügungspark.

Der Blick von dieser Aussichtsterrasse ganz oben ist betörend, zumal in der Nähe keine wirklich großen Gebäude stehen. Man sieht auf den Tiber, auf den Gasometro, ein altes Gaswerk, das viele römische Skulpturen beherbert, die im Kapitol keinen Platz gefunden haben, und vor allem auf die Cestius Pyramide mit dem nicht-katholischen Friedhof. Auf ihm wurden im 18. und 19. Jahrhundert die in Rom verstorbenen nicht katholischen und von der damals herrschenden Italiensucht angelockten Archäologen, Künstler und Poeten begraben. So findet man hier Vertreter alle anderen Konfessionen und u.a. das Grab von John Keats, Percy Shelly, Gottfried Semper, Antonio Gramsci und vom Goethe-Sohn August.

Das Bambusgerüst ist noch bis zum 10. Dezember 2013 zu beklettern. Stöckelschuhe hingegen sind verboten.

Christa Blenk

 

Fotos: Christa Blenk / Lucia

 

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