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Hannsjörg Voth – Projektkünstler

Hier ein Text über die Projekte von Hannsjörg Voth im Süden von Marokko

Artikel für KULTURA EXTRA :

bitte hier klicken → Hannsjörg Voth und die Marha Ebene-Projekte

Hannsjörg Voth - Projektkünstler dans Art vothtreppe.vignetteFoto: ©Ingrid Voth Amslinger

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Archäologie der Zukunft

Wenn man sich die Liste der realisierten und nicht realisierten Projekte von Hannsjörg Voth ansieht, dann halten diese sich fast die Waage. Weder Zeit noch Kapazitäten reichen aus, um diese Palette seines Ideenreichtums zu realisieren. Die drei Monumental-Projekte in der Marha Ebene allerdings hat er konzipiert und realisiert; und der Kampf, diese auch zu erhalten, wird nie aufhören.

Auf der Suche nach einem neuen, unberührten und fernen, noch nicht bekannten Ort für neue noch weit entfernte und nicht definierte Ideen, die in seinem Kopf herumspukten, fuhr Hannsjörg Voth mit seiner Frau, der Fotografin Ingrid Amslinger, in den 80er Jahren nach Südspanien. Nach 2500 Kilometern mit dem Auto quer durch Frankreich und Spanien musste er aber feststellen, dass selbst Almeria im abgeschiedenen Süden der Iberischen Halbinsel schon zu « belegt » und dieser ausgetrocknete und karge Flecken Erde in Andalusien noch zu nahe an München und im westlichen Europa war. Also setzte er kurzerhand von Algeciras auf den afrikanischen Kontinent über und landete in der spanischen Enklave Ceuta, dort überschritt er die Grenze nach Marokko. Weiter durch den Mittleren Atlas, vorbei an Fez, kamen er und seine Frau nach Erfoud und in die Marha Ebene. In dieser frappierenden Isoliertheit dieser unwirtlichen Fast-Steinwüste mit dem flirrenden, nie enden wollenden Horizont und den wilden Wolken hat er sein « Arkadien » gefunden. Hier würde Voth ab 1985, seiner primordialen Sehnsucht folgend, Die Himmelstreppe, die Goldene Spirale und dann (2003) Die Stadt im Orion entstehen lassen. Ein Stein kam ins Rollen, der immer noch nicht vollständig zum Halten gebracht werden konnte. Bürokratie, Infrastruktur, Finanzierung. An wen sich wenden? Kann man die Wüste kaufen, mieten? Durfte er auf marokkanischem Gebiet etwa bauen? Und wenn ja, wo das Wasser hernehmen? Fragen und Herausforderungen ohne Ende. Aber peu à peu löste er alle Probleme, ein Wünschelruten-Beduine fand einen Brunnen und los ging es. Diese Erlebnisse lesen sich wie ein Krimi, und Voth hat sie in dem Band Hassi Romi festgehalten (begleitet von Ingrid Amslingers wunderbar poetischen Fotos). So wie er auch alle weiteren Projekte aufs Kleinste in seinen Tagebüchern dokumentieren würde.

Zu diesem Zeitpunkt wusste er allerdings noch nicht, dass seine ungewöhnliche und leidenschaftliche Kollision mit der Ebene an der Straße der Kasbahs im Süden von Marokko für 17 Jahre – wenigstens 6 Monate im Jahr – seine Heimat werden und dass er in der radikalen und irrsinnigen Abgeschiedenheit, immer wieder angetrieben von unmenschlichen und außerirdischen Kräften, dabei selber zum Nomaden werden würde: Hitze, Kälte, Einsamkeit, Verdruss und Ärger – aber auch Sonnenuntergänge, Glück, Genugtuung, Vertrauen und Euphorie hat er dort erfahren.

Ein arabisches Sprichwort sagt: „Wer in die Wüste geht, weint zweimal: Das erste Mal, wenn er kommt, das zweite Mal, wenn er wieder geht.“ Das Flüstern der Wind- und Sandgeister und das Stampfen der Lehmziegel sind seine Musik geworden. Sie begleiten ihn bei seiner Aufgabe unter den allerschwierigsten und manchmal unmöglich erscheinenden Lebens- und Arbeitsbedingungen. Thomas Heiber (zusammen mit Franz Lichtenstern und Rabi Abou-Khalil) hat diese Stimmung und die Geräusche in einer sehr schönen Musik, die einen kurzen 30minütigen Film über die Arbeiten vor Ort begleiten, festgehalten. Und obwohl die Konstruktionen mit Stampflehm-Ziegel, ganz in der Tradition der Berber, errichtet wurden, kamen doch viele Materialien aus Deutschland. Für jede Schraube und für jedes Brett mussten x-Papiere und Zollfreischreibungen ausgestellt werden.

1986 stellt Hannsjörg Voth dann Die Himmelstreppe, sein erstes Projekt, fertig. Nach 52 Stufen und fast 17 Metern gen Himmel kann man bei klarem Wetter die anderen, ein paar Kilometer entfernteren Objekte sehen. Voth wollte damit die Erfahrung eines physischen Limits vermitteln. Man steht oben an der Grenze zur Unendlichkeit, kann nicht weiter und hat doch einen grenzenlosen Blick auf die Welt. Einen perfekteren Ort zur Meditation gibt es sicher nicht! Der Himmelstreppe folgt elf Jahre später und sieben Kilometer weiter westlich, also 1997, die Goldene Spirale. Über fast 5000 Quadratmeter erstreckt sich die große Stampflehmrampe in Form einer Spirale, und vom höchsten Punkt (nach 260 m) steigt man 27 Stufen auf einer spiralförmigen Wendeltreppe nach unten und kommt in zwei Räume; nach weiteren 100 Stufen erreicht man den Brunnen. Hier ruht das Urboot geschützt durch einen Schrein. 2003 hat er dann die Stadt im Orion fertiggestellt. In den bis zu 15 Meter hohen Türmen hat Voth so etwas wie astronomische Hochsitze eingebaut; von diesen aus kann man zu bestimmten Zeiten gewisse Sterne und Sternbilder beobachten. Von weitem sieht die kleine Stadt fast wie eine Festung aus. Die Maueren dieser drei gigantischen Bauten erzählen die magischen und metaphernreichen archaisch-rituellen Geschichten und Legenden aus Tausendundeiner Nacht, die sich die Nomaden abends nach dem Tagesgeschäft am Lagerfeuer beim Coucous erzählten.

Nichts haben diese Projekte gemein mit Voths viel technischeren Werken, die er in Deutschland realisiert hat. Für Voth gibt es ein Leben vor und nach Marokko.

Zeitzeichen – Lebensreisen heißt eines seiner wunderschönen großformatigen Bücher, mit den empfindsamen und phantastischen Fotos von Ingrid Voth-Amslinger.

Baumaterialien, Holz, Zement, Stein haben bei der Familie Voth eine lange Tradition. Voth hat sogar einmal eine Lehre als Zimmermann absolviert. Er ist ein Autodidakt und hat keine Berührungsängste. Mit Besessenheit reizt er immer wieder seine Belastbarkeit aus, tastet sich an die Grenze seiner – auch physischen – Strapazierbarkeit. In der Wüste wird er zum Eremiten, obwohl das nicht seinem Naturell entspricht. In München braucht er Freunde, Ausstellungen und Konzerte.

Voth ist bekannt für seine Happenings, für seine komplizierten, außergewöhnlichen und abenteuerlichen Projekte. Mit der Spirale von Smithson in Salt Lake ist seine Goldene Spirale oft verglichen worden, er bearbeitet aber das Land nicht wie Smithson, er benutzt es als Grundlage, fast wie ein Maler. Konzeptkünstler, Arte Povera … Nein, er ist er einfach nur Voth, so wie Christo eben Christo ist. Wasser, Feuer, Luft, Erde: die Elemente sind sein Element. Seine Projekte heißen Feldzeichen, Erdkegel, Reise ins Meer, Feuerschiff, Erdkreuz, Boot aus Stein etc. Oft bleiben als Zeugen seiner Installationen nur die Fotos von Ingrid und seine Zeichnungen übrig. Der Rest verschwindet im Wasser. Er ist ein Perfektionist, das sieht man vor allem an seinen Zeichnungen, sie sind präzisest und vollkommen, schön, man will sie unbedingt besitzen. Manchmal sehen sie aus wie eine Gebrauchsanleitung für seine Projekte.

Mit Installationen wie die Scheitelhaltung (1990-1992) auf beiden Seiten des Rhein-Main-Donau-Kanals, oder mit seiner Projekt-Konstruktionen auf offenem Meer Boot aus Stein (1978-1981) oder mit der Reise ins Meer (1976-1978) hat er uns immer wieder überrascht und betroffen gemacht. Bei der Reise ins Meer z.B. schickte er eine 20 Meter lange (zum Schluss brennende) Mumie auf einem 32 x 10 m großen Floß zehn Tage lang von Speyer bis in die Nordsee.

Voth liebt die Herausforderung, die schwer zu realisierende Projekte mit sich bringen, er ficht jeden Kampf bis zur Fertigstellung selber aus. Begleitet wird er dabei immer und unermüdlich von Ingrid Voth-Amslinger. Sie hält alles mit ihrer Kamera fest. Bei der Reise ins Meer z.B. ist sie mit dem Auto am Ufer des Rhein neben dem Floß in Blickkontakt – soweit möglich – hergefahren.

Aber das war vor Marokko.

“Schönheit bändigt allen Zorn“ hat Goethe gesagt. Die Fotos von Ingrid Amslinger deuten und erklären Voths Kunstwerke mit einer Determiniertheit und einer plastischen und anspruchslosen Ästhetik. Immer ein Hin und Her zwischen Kunst und Handwerk. Seine Werke wollen nicht eingeengt oder festgelegt werden. Und wegen dieser Schönheit hat er durchgehalten, wegen der Fusion seiner Werke mit dem Licht und dem steinigen fast schwarzen Wüstensand und der Fata Morgana in der Ferne. Oder ist es eines seiner kilometerweit entfernten Projekte?

In der Renaissance hat man Euklids Goldenen Schnitt wieder aufleben lassen – Voth hat ihn in der marokkanischen Wüste neu entdeckt. Seine Spirale ist nach der Fibonacci-Formel gebaut. Und die Stadt im Orion gibt die Konstellation des Orion-Sternbildes auf dem Himmelsäquator wieder. Einhelligkeit, Harmonie, Kraft und Ruhe, unterbrochen nur durch die über 100 verschiedenen Versionen des Windes, von denen schon Ralph Fiennes im Englischen Patienten erzählt.

Allerdings gibt es die Motorrad-Touristen, die manchmal auf dem Weg von Erfoud nach Essaouira die Silhouetten seiner drei Kunstwerke sehen und diese (leider) nicht für eine Fata Morgana halten. Dieser Offroad Tourismus und Witterungseinflüsse richten großen Schaden an. Um diesen Schäden ein wenig zuvorzukommen oder besser um sie aufzufangen, haben Freunde und Künstler mit Hannsjörg Voth vor knapp drei Jahren den „Verein zum Erhalt der Kunstwerke in der Marha Ebene“ gegründet. Mittlerweile wird die lokale Bevölkerung in die Pflege der Objekte mit eingebunden und hat sich mit dem Umgang mit den Besuchern vertraut gemacht.

Über sich selber sagt Hannsjörg Voth: „Ich bin von heute, aber ich bin auch 50000 Jahre alt, ich bin von ganz, ganz früher.“

Emanuel Borja hat nach einem Besuch bei ihm geschrieben: „Quizá en los próximos siglos, cuando perdidas todas las ilusiones que aún nos impulsan y las arenas del desierto cubran con su manto de olvido las obras de Voth con todo lo demás, algún arqueólogo ilusionado y tenaz logre reconstruir alguna de las suyas, desenterrando para asombro de todos este generoso y a la vez enigmático legado plástico que el artista ha ido dejando en el Sur de Marrueco.“ [Übers.: Mögen auch die Illusionen, die uns heute antreiben, seine Werke in den kommenden Jahrhunderten unter Wüstensand begraben; eines Tages gelingt es vielleicht einem visionären und hartnäckigen Archäologen, sie wiederaufzubauen und freizuschaufeln. Zum Staunen aller wird er dann dieses großartige und rätselhafte Erbe freilegen, das uns der Künstler im Süden von Marokko hinterlassen hat. | c. b.]

Christa Blenk

 

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