My virtual gallery – blog collection N°17

Anna Romanello – Italienische Malerin und Grafikerin, lebt und arbeitet in Rom.

Anna Romanello ist in Kalabrien geboren, hat in Mailand und Paris studiert und sich dann in Rom niedergelassen, wo sie an der römischen Kunstakadamie unterrichtete. Ihr großer Lehrer in Paris war SW Hayter und von ihm hat sie auch Alles über das Grafische in der Kunst gelernt. Sie selber hat im Laufe der Jahre neue und innovative Grafik- und Radierungstechniken entwickelt, über die sie sich in von ihr organisierten workshops mit anderen europäischen Größen der Radier- und Grafikkunst austauschte und die sie in ihren persönlichen Arbeiten ebenfalls anwandte. Ihre abstrakt-expressionistischen Arbeiten strahlen Energie und Licht aus. Orange, Rot, Grün sind auch ihre Lieblingsfarben, wenn es um Kleidung geht.

 

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Ovale Colonna (2016)

Das hier gezeigte Werk gehört schon zu ihren neuen Arbeiten, die im Herbst in Rom auf dem Celio Hügel (Case Romane al Celio) gezeigt werden. Die römische Säule steht im Dialog mit ihrer Arbeit, die sich von den Farben her vom römischen Rot-braun absetzt. Romanellos Farben erzählen von der grellen Sonne und dem flimmernden Licht das sie in Süditalien, wo Romanello aufwuchs, jahrelang in sich aufgesogen hat.

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Christa Blenk

 

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Mehr über Anna Romanello

William Kentridge – Triumphs and Laments – Rome project 2016

William Kentridge – “Triumphs and Laments”

Seit April 2016 präsentiert William Kentridge in Rom am Tiberufer, auf 500 Metern zwischen Ponte Sisto und Ponte Mazzini, seine persönliche Interpretation der Geschichte Roms. Aufstiege und Niederlagen, Krieg, Frieden, Flucht.

Die römische Wölfin oder der Tod von Remus stehen den Taten von Herkules gegenüber. Ciceros Kopf, der Engel auf der Trajansäule, Papst Gregor VII und der Antipapst gleich neben dem abtrünnigen Mönch Giordano Bruno, dem von der Inquisition zuerst die Zunge herausgerissen wurde, und der anschließend bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung und Garibaldis Soldaten neben Anita Ekberg und Marcello Mastroianni umarmt im Trevi Brunnen. Alle Ereignisse, ob dramatisch oder erfolgreich sind gleichberechtigt und trotzen der Zeit, sind weder vergessen noch verdrängt. Der Kopf von Berninis Heiliger Theresa in Ekstase und der tote Körper Pasolinis am Strand von Ostia in einem Atemzug mit Benito Mussolini als stolzer Reiter. Nicht fehlen darf natürlich die Bialetti Kaffeemaschine. Über 80 Figuren an der Zahl. Vom gegenüber liegenden Ufer hat man einen besseren Gesamteindruck, aber die Nähe zu den überdimensionalen Werken wenn man direkt darunter steht und nur schwer erkennen kann, worum es geht, ist fast gespenstig.  

Minuaturmauer im Museum

Eine Ausstellung im Museum für Zeitgenössische Kunst in Rom (MACRO) bereitet den Zuschauer auf das ikonographische Mammutwerk vor. Zwei Projekträume bringen uns die Idee näher. Auf einem Film kann man Kentridge im Dialog mit seinem Alter Ego zuhören, wie er sein Projekt vorstellt oder mit ihm diskutiert. Die Idee zu dieser idiosynkratischen Präsentation ist schon vor ein paar Jahren entstanden. Zuerst zeichnete Kentridge mit Kohle und Tusche auf alte Bögen, die aus einer Buchhaltung stammen könnten, dann werden diese, aleatorisch scheint es, zerschnitten oder zerrissen und wenn die Schnipsel sich wieder finden oder auch nicht finden, kommt Bewegung in die Figuren und es entstehen Engel oder Pferde. In Miniatur- und Scherenschnitttechnik werden die 500 Meter auf 5 Meter reduziert gezeigt.

Schon Weihnachten 2015 hat er mit den Arbeiten am Mauerfresko begonnen. Mit Hilfe riesiger Schablonen, die mit Spezialmaschinen angefertigt wurden, ließ er die Farbe im Negativ auf die Mauer auftragen. Den Schmutz an der Ufermauer hat er gleich in sein monumental-schwarz-weiß-Fresko mit einbezogen. Ein weiterer Film in der Ausstellung dokumentiert die aufwendigen Arbeiten des Anbringens.

Die Zeit ist für Kentridge eine fundamentale Inspiration und immer wieder befasst er sich in seinen Werken damit. Zeitlos und aktuell ist auch dieses, sein letztes Werk und man versucht gar nicht, die Personen einer Epoche zuzuordnen. Sie verwischen sich oder gehen ineinander über. Eine Geschichte bringt uns zur nächsten.

Schwarz-weiß sind seine Arbeiten, Licht und Schatten, Scherenschnitte und Zeichenkohle. Schwarz-weiß ist er auch immer gekleidet, dieser große Kentridge.

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Die Fresken hat er nicht für die Ewigkeit gemalt. Wie lange sie halten werden Zeit und Wetter bestimmen – und natürlich die römischen Bürger. Vor ein paar Tagen hat nämlich der Aufbau von Markt- und Essständen direkt vor der Mauermalerei begonnen (zum großen Ärger von Kentridge), die den Sommer über die Besucher an das sonst eher nicht so belebte und beliebte Tiberufer locken sollen. Die römische Geschichte muss dann hinter Pizza, Bier, Zuckerwatte und Eis zurücktreten! Hier werden ganz klar Prioritäten gesetzt!

Der südafrikanische Künstler und Theatermann, William Kentridge, gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Kunstwelt. 1955 in Johannisburg geboren, studierte er in Südafrika und Europa. Kentridge hat viele Preise gewonnen und ist Ehrendoktor der Yale University. Er ist außerdem Dauergast bei der Documenta und bei der Biennale von Venedig und das Welttheater reißt sich darum, mit ihm zusammen zu arbeiten.

Die Ausstellung ist noch bis 2. Oktober 2016 zu sehen (ob allerdings die Fresken so lange halten!). Die Ausstellung Projekt Room #1 und #2 hat Federica Pirani mit Unterstützung von Claudio Crescentini kuratiert und ist in Zusammenarbeit mit der Galleria Lia Romma Mailand entstanden.  

Mehr: triumphs and laments

Christa Blenk

Hauskonzert bei Elizabeth Sombart

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Elizabeth Sombart – Sala Résonnance

 

Ca einmal im Monat lädt Elisabeth Sombart zu ihrem Hauskonzert in die Sala Résonnance in Trastevere ein. Das Programm kennt man vorher nie und meistens spielt sie nicht alleine. Heute abend boten zuerst zwei ihrer Masterclass Schüler eine ziemlich gute Aufführung von Schumanns Klavierkonzert dar. Sie selber spielte im Anschluss ein wenig Brahms und Saint-Saëns, Werke die schon zu ihrem nächsten Album gehören, das im September in London aufgenommen werden soll. Nach dem kostenlosen Konzert bleiben  die Besucher noch zu einem kleinen Imbiss. Dieser Ort ist sicher einer der originellsten Konzertorte in Rom, gleich am Einfang rechts eine filigrane Kappelle und links ein wunderschöner Privatgarten.

Wo die Musik sonst nie hinkommt!

Elizabeth Sombart ist Gründerin und Präsidentin der « Fondation Resonnance », die 1998 entstand und in Frankreich, Italien, Belgien, Rumänien, Spanien und im Libanon aktiv ist. Es geht hier hauptsächlich darum, klassische Musik an Orten aufzuführen, an denen sonst keine Musik gemacht wird wie Krankenhäuser, Pflegeheime, Strafanstalten etc.  Außerdem gehören Klavierschulen zum Programm, die frei und ohne Prüfung oder Altergrenze unterrichten. Schließlich war Franz von Sales der Patron der Intellektuellen und Gehörlosen!

Sombart ist keine typische Pianistin, die im strengen schwarzen Abendkleid auftritt. Heute abend hat sie ohne Schuhe gespielt!

Elizabeth Sombart ist 1958 in Straßburg geboren, dort hat sie auch Klavierunterricht bekommen. Später studierte sie in Buenos Aires und in London, später in Wien, u.a. auch bei Celibidache. Musik-Phänomenologie gehört zu ihrem Spezialgebiet.

Christa Blenk

 

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My virtual gallery – blog collection N°16

Antonio Passa – italienischer Minimalist; lebt und arbeitet in Rom

Der italienische Künstler und Kunstanalytiker Antonio Passa befasst sich seit über 40 Jahren mit dem Zusammenspiel von Malerei und Mathematik. Sein Auftragswerk « Il Ri-tratto di Antonio » wurde sogar in Musik von Riccardo Santoboni umgesetzt. Der Titel ist ein Wortspiel und bedeutet einmal Selbstportrait (ritratto) aber auch die Wörter Gerade-Linie sowie Abhandlung sind darin versteckt.

 

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Il Ri-tratto di Antonio (2008) 240 x 430 cm
 

1939 ist Antonio Passa am Tyrrhenischen Meer geboren. In Neapel hat er Kunst studiert und in Bologna seine Doktorarbeit über « Poesia Visiva » fertig gestellt. 1970 kam er nach Rom und setzt sich seitdem mit dem konzeptuellen Dialog in der Kunst auseinander, unterlegt hat er dieses Konzept 1973 mit der Serie Quadro Quadrato.1986 war der Teilnehmer bei der Biennale di Venezia; zweimal war er bei der Quadrienale in Rom vertreten.

Mehr über ihn und sein spannendes Werk

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Christa Blenk

 

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Römische Wandmalereien im Palazzo Massimo

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Casa Farnesina

 

Die Villa Iulia oder Casa della Farnesina stand um 20 v.C. am Ufer des Tibers. Man sagt, sie sei der Wohnsitz des Marcus Vipsanius Agrippa gewesen. Sie wurde seinerzeit zu nahe am Tiberurfer gebau und war deshalb vor Überschwemmungen nicht sicher. Als am Ende des 19. Jahrhunderts die Dammarbeiten begannen, wurde sie in den Gärten der Renaissance-Villa Farnesina entdeckt. Vier Räume und zwei Gänge sind fast vollständig erhalten. Die Wände waren reicht verziert mit typischen frühaugustischen Motiven. Ähnlich den Fresken der Casa di Livia sind auch diese im 2. und 3. Stil der römischen Wandmalerei entstanden. Heute zählen sie zu den wichtigsten Zeugen dieser Zeit um die den Beginn des Christentums.

Direkt nach ihrer Entdeckung wurden die Fresken abgenommen und sind heute im Palazzo Massimo, am Bahnhof Termini, zu bestaunen, ebenso wie die Malereien der Casa di Livia, die ursprünglich an der Prima Porta hingen.

 

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Casa di Livia

 

 

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Abschlusskonzert – Consorzio Liberi Musicisti

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Am 11. Juni 2016 fand in der Sala dell’Immacolata Santi Apostoli das letzte Konzert dieser Saison organisiert durch Consorzio Liberi Musicisti statt. Dieser Abend war der Musik des 20. Jahrhunderts gewidmet – großzügig ausgelegt! Die Pianistin Eunmi Ko spielte Werke von Ligeti, Ruggeri, Bartók, Biscione, Liberatore, Annunziata und Liptak. Sie alle (ausser Bartók) sind im 20. Jahrhundert geboren.

Es gab eine Welt-, eine Europa-, eine Italien- und eine Romuraufführung gestern Abend.  

Eunmi Ko eröffnete mit György Ligetis (1923-2006) Musica ricercata (1951-1953 entstanden). Es sollte sich als das zeitgenössischte von allen herausstellen. Obsessiv, rhytmisch, mathematisch und war sicher sehr schwer zu spielen, aber eigentlich nicht schwer zu hören. Es folgte Poesia senza parole von Guido Ruggeri (*1972), der auch anwesend war, spätromantisch und inspiriert von einem Gedicht von Alda Merini. Von Béla Bartók (1881-1956) spielte sie zwei der 10 Easy Pieces ( Evening in Transylvania und Bear Dance), die er um 1908 komponierte. Das kurze Werk Microsuite von Federico Biscione (*1965) war eine Welturaufführung und eine klare Bach-Referenz. Er war ebenfalls gestern Abend anwesend. Interessant und das spannendste Werk an diesem Abend die sehr intellektuelle Komposition des jungen Amerikaners John Liberatore (*1984), sie entstand dieses Jahr.   Line Drawing I-IV war italienische Uraufführung. Die vier Stücke für Piano (Preludio, Invenzione, Egloga, Danza) von Alessandro Annunziata (*1968) entstanden 2006 und wurden in Rom gestern zum ersten Mal gespielt. Annunziata hat sie für den italienischen Pianisten Fernando Rossano komponiert, ausdrucksstarke, farbenreiche und lyrische Bilder. Annunziata war gestern abend nicht nur als Komponist vertreten, er ist auch der Organisator dieser Konzertserie. Aus Constellations vom amerikanischen Komponisten David Liptak (*1949) wurden Cygnus, Cassiopeia und Lyra als europäische Uraufführungen  gespielt.

Interessantes Programm, die Akkustik in diesem Saal lässt allerdings zu wünschen übrig und die Pianistin hat nicht immer den richtigen Anschlag für den schwierigen Saal gefunden.

Christa Blenk

 

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Status of Lost Imagery – Antonia Low

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Die Stipendiatin der Casa Baldi in Olevano Romano, Antonia Low, präsentiert seit vorgestern im Palazzo Altemps in Rom ihre Installation « Status of Lost Imagery ».

Es geht hier um die Bombardierung des Palmyra-Museum. Low hat ein Zeitungsfoto von der Verwüstung des archäologischen Museums vergrößert und dieses gepixelte Bild auf Stoff gedruckt. Wir reden hier von der Fläche von ca. 80 qm, womit der Saal, ein Seitenflügel dieses römischen Museums, auch komplett ausgefüllt ist.  Mit Schutzschuhen darf man die Ruinen betreten, das heisst sich über und in  ihnen bewegen. Hier sieht man eine Statue ohne Kopf, dort kann man die Umrisse von Gebäudeteile ausmachen. Die installierten Abgrenzungen erinnern an die damals abgesperrten Zonen.

Low hat mit dieser Installation den Ruinen einen anderen Sinn gegeben, in dem sie sie als zeitgenössische Kunst präsentiert und sie so – verwandelt – wieder ins Geschehen und in die Kunstwelt zurückholt. Als Besucher fühlt man sich wie ein Zeitreisender, der nicht genau weiß, in welchem Jahrhundert er sich gerade aufhält. Eine Art Schwindelgefühl, da man gefühlt über kleine Anhöhen steigen oder Löchern ausweichen muss. Low hat das Riesenstoffposter so drapiert, dass eine unendliche Tiefe entsteht, es werden verschiedene Ebenen vorgetäuscht, ein trompe-l’oeil.

Man braucht ein wenig Fantasie; das Ausgangsfoto ist nicht ausgestellt. Sie hat es aber wohl bewusst weggelassen. Somit gibt es keinen Vergleich, kein Vorher / Nachher.

Die Zerstörung erfolgte im Frühjahr durch eine Bombe, sie könnte aber auch auf ein Erdbeben,  eine andere Katastrofe oder einfach nur auf zu viele Touristen zurückzuführen sein. Lediglich ein ausgelegter Zettel gibt ein wenig Info. Vielleicht wollte die Künstlerin das Publikum einfach nur mit der Zerstörung an sich konfrontieren und eine Auseinandersetzung damit herbeiführen.

Beeindruckende Installation, die man nur zögernd, ungern wieder verlässt, obwohl sie Beklemmung hervorruft.

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Rauminstallation Antonia Low im Palazzo Altemps (Fotos Christa Blenk)

Im  Palazzo Altemps befinden sich römische und griechische Skulpturen, alle älter als 2000 Jahre, so alt wie die zerstörten Tempel in Palmyra. Direkt daneben die Ruine eines römischen Palazzo, ihn hat die Zeit und die Nutzung zerstört.

Die Installation ist noch bis zum 3. Juli 2016 zu sehen.

Antonia Low ist 1972 in Liverpool geboren, lebt aber hauptsächlich in Berlin. Low befasst sich bei fast all ihren Arbeiten mit dem Raum oder abgeschlossenen, eingegrenzten Flächen.  So heißen ihre Installationen « Der verlorere Raum » oder « A Room recalls » etc.

Christa Blenk

 

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My virtual gallery – blog collection N°15

Gerardo Aparicio (*1944) – spanischer Künstler. Er könnte irgendwo zwischen Surrealismus und Expressionismus oder Dada angesiedelt werden: aber er ist einzigartiger!

Aparicio ist ein unverwechselbarer und origineller und sehr unabhängiger Individualist, ein „positiver“ Grübler, ein Skeptiker und Schwarzseher. Das Ephemere, das Instabile, das Komische (manchmal), die Magie und der Tod sind seine Themen. Epidemien und Katastrophen assoziiert man mit seinen Arbeiten, in ihnen ist Raum für Zeichnung, Farbe, Poesie, Zauber, Magie, Alchemie, Phantasie und Semantik. Grelle und mächtige Farben wie Rot stehen im krassen Gegensatz zu seiner makabren Thematik. Die Auseinandersetzung mit seinen geheimnisumwitterten Protagonisten ist dermaßen, dass sie – fast wie bei einem Fortsetzungsroman – ein Eigenleben entwickeln. Schön sind sie allemal!

Heute lebt und arbeitet er in Madrid.

 

Gerardo Aparicio
 Gerardo Aparicio – Escala 2009- Óleo/lienzo 40×47 cm

 

Mehr über den Künstler

 

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Thematische Rom-Spaziergänge: Renaissance

Ein Spaziergang durch das Rom der Renaissance

Renaissance ist die Zeit zwischen Quattrocento (15. Jahrhundert) und Cinquecento (16. Jahrhundert), sie löste das Mittelalter und die Gotik ab und wurde später vom Manierismus und Barock verdrängt. Unter Papst Nikolaus V wurde auch Rom ein einem bedeutenden Humanismus-Mittelpunkt und Anziehungspunkt für Gelehrte und Künstler. Papst Sixtus IV öffnete die Kirche für Kunst und Wissenschaft. 1471 wurde der Bau der Vatikanischen Bibliothek begonnen. Botticelli, Perugino, Pinturicchio und anderen kamen nach Rom und schließlich auch Michelangelo und malte das berühmteste Kunstwerk der Welt- die Sixtinische Kapelle. Nach dem Tode von Sixtus IV kamen die Borgias an die päpstliche und politische Macht und eine sehr turbulente Zeit begann. Der Borgia Papst Alexander VI war skrupellos, machtbesessen und hatte mindestens zwei Kinder (Cesare und Lucrezia). Gewalt, Mord und Nepotismus blühten und gehörten zum täglichen Geschäft. Unter den Folgepäpsten erreichte Rom einen unglaublichen kulturellen Höhepunkt und übertrumpfte Florenz. Sogar das wirtschaftliche Zentrum und das Bankenwesen siedelten sich in Rom an. 1527 plünderten die Truppen Kaiser Karls V Rom (Sacco di Roma) und der Papst musste sich monatelang in der Engelsburg verstecken. Der Höhepunkt war überschritten und es ging wieder bergab. Der Norden Europas wurde durch Luther beeinflusst. England verließ die katholische Kirche,

Der Künstler und Künstlerbiograph Giorgio Vasari (1511-1574) hat den Begriff „Rinascimento“ rückwirkend 1550 zum ersten Mal benutzt. Für ihn gab es bis dahin drei Glanzepochen: die Antike, das Mittelalter, eine Art Zwischenzeitalter, und dann die sogenannte Wiedergeburt der antiken Ideale und des antiken Geistes. Das Abendmahl von Leonardo di Vinci (am 1495) zählt zu einem der Hauptwerke der Spätrenaissance, während Filippo Brunelleschi (1377-1446) ein Architekt oder besser gesagt der Architekt der Frührenaissance war. Er war auch der Entdecker der Perspektive, was schon 1410 geschah. Tizian, Donatello, Leonardo, Dürer, Shakespeare, Machiavelli, Erasmus von Rotterdam, Raffael, Botticelli, Martin Luther, Bramante etc sind die auffälligsten Renaissancevertreter. Vasari hat sie alle in seinem Hauptwerk erwähnt. Ohne Vasari wüssten wir sehr viel Weniger über die Renaissance-Künstler. Seine Beschreibungen nicht nur der Personen und deren Werke sondern auch Anekdoten über die Zeit der Mäzene, Intrigen und Sammlerleidenschaften sind sehr lebendig und präzise und bringen Farbe in diese Zeit. Er hat eigentlich die Kunstgeschichte erfunden. Seine « Vite » ist auch Jahrhunderte später noch als Bibel für die Kunsthistoriker anzusehen.

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Wir fangen unseren Spaziergang auf dem Gianicolo – oberhalb von Trastevere an. Der Architekt Bramante hat diesen perfekten kleinen Renaissance-Tempel auf dem Gianicolo in der spanischen Akademie und neben der Kirche San Pietro in Montorio gebaut bzw. bauen lassen. Wunderschön und harmonisch thront er im leider zu kleinen Innenhof. Wenn man Glück hat und die Tür ist auf – was leider selten vorkommt – kann man um ihn herumlaufen und ihn sogar betreten. Ansonsten muss man versuchen, an einer Veranstaltung in der spanischen Akademie teilzunehmen (die meisten sind kostenlos) und so einen Blick auf ihn zu werfen. Perfekte Proportionen, mehr Renaissance geht einfach nicht – jedenfalls nicht in Rom. Vasari leitet sein Kapitel über Bramante mit diesen Worten ein: « Von unschätzbarer Bedeutung für die moderne Baukunst war das Wirken von Filippo Brunelleschi, der die herrlichen Werke der kundigsten und größten Meister der Antike nach so vielen Menschaltern zu neuem Ruhm führte und in seinen eigenen Bauten nachzuahmen trachtete. Doch nicht minderen  Gewinn brachte unserem Jahrhundert der große Bramante, der , voller Mut und Tatkraft auf den Spuren des Filippo fortschreitend, den nachfolgenden Baumeistern sicher der Weg wies, da er sich in der Kunst der Architektur nicht nur durch hervorragende Begabung  und theoretische Kenntnisse, sondern auch durch praktische Übung und große Erfahrung auszeichnete. Die Natur hatte ihm den entschiedensten Geist verliehen. ….. »

Dann steigen wir die kleine Anhöhe hinunter (wenn man sie hochgeht kommt sie einem gar nicht so klein vor), am besten über die Treppe durch den Garten gleich neben der Akademie, immer die Via Garibaldi entlang und dann links durch das Tor auf die Via della Lungara. Hier liegt der Sommerpalast der Farnese, la Villa Farnesina. Eines der römischen Meisterwerke der Renaissance. Der Bankier Agostini Chigi hat ihn sich von Baldassare Peruzzi um 1510 erbauen lassen. Raffael (und seine Schüler) sind für einen Großteil der Fresken dort verantwortlich (entstanden um 1515). Im Erdgeschoss muss man unbedingt die Loggia di Psyche und die Sala di Galatea besichtigen und vorher am besten die Geschichte von Amor und Psyche (im Apuleios) lesen. Im Obergeschoss wird man von Perspektivspielen verzaubert. In den Besitz der Farnese ging die Villa erst am Ende des 15. Jahrhunderts über, im 18. dann an die Borbonen. Raffael hat auch die Gärten mit konzipiert.

Über ihn sagt der großzügige und geniale Giorgio Vasari: « Mit welch großmütiger Freigebigkeit der Himmel bisweilen über einen einzigen Menschen den ganzen Reichtum seiner Schätze, alle Talente und hervorragenden Fähigkeiten ausschüttet, die  er sonst im Lauf eines langen Zeitraums auf viele zu verteilen pflegt , zeigt sich deutlich an Raffael Sanzio von Urbino, der sich nicht minder durch sein einzigartiges  Genie als durch seltene persönliche Liebenswürdigkeit auszeichnete ».

Wir bleiben auf der rechten Tiberseite und gehen weiter Richtung Vatikan. Mitten in der Hochrenaissance, 1506, wurde der Grundstein für die neue Peterskirche gelegt. Der erste Entwurf stammte von Bramante, der auch bis zu seinem Tod 1514 der leitende Architekt blieb. Die ständig wechselnden Entwürfe unter Raffael, Antonio d Sangallo d.J. und Peruzzi verzögerten die Fertigstellung. 1547 übernahm dann Michelangelo die Bauleitung. 1607, mittlerweile war die Renaissance am Ausklingen, übernahm schließlich Carlo Maderno und 1624 Gian Lorenzo Bernini, der zusammen mit Francesco Borromini daran arbeitete. In dieser Zeit entstanden die Bernini-Kolonaden. 1626, also über 100 Jahre nach Beginn, erst wurde sie von Papst Urban VIII eingeweiht.

Nichtsdestoweniger wurde aber seit 1503 kräftig für die Vatikanischen Museen gesammelt. Aus dieser Anfangszeit stammt z.B. die Laokoongruppe. Die Stanzen von Raffael entstanden ab 1508. Papst Julius II hat sie in Auftrag gegeben. Die Sixtinische Kapelle wurde unter Papst Sixtus IV zwischen 1475 und 1483 errichtet. Das Hauptwerk hier sind natürlich die Fresken von Michelangelo; er  malte sie zwischen 1508 und 1512. Im Inneren der Kirche befindet sich seine Pieta. Die Vatikanischen Museen sind ein Sonderkapitel und werden deshalb hier nur kurz wegen Renaissance Bezug angesprochen.

Dann gehen wir über den Tiber Richtung Cancelleria. Diese päpstliche Kanzlei steht mitten in der Altstadt Corso Vittorio Emanuele II/ Piazza della Cancelleria. Erbaut wurde dieser noble Palast um 1490 als Residenz für Kardinal Raffaele Riario. Er steht stellvertretend für das wieder dominanter werdende Rom in dieser Zeit. Der Entwurf soll von Leon Battista Alberti stammen. Die Baumeister oder Architekten waren Donato Bramante und Andrea Bregno. Heute gehört die Cancelleria immer noch zum exterritorialen Gebiet des Heiligen Stuhls. Leider für die Öffentlichkeit nicht geöffnet, aber manchmal finden im Obergeschoss Konzerte statt. Als nächstes der schlicht-schöne Palazzo Venezia. Erbaut um 1460 als Sitz der Venezianischen Gesandtschaft. Heute befindet sich ein Museum darin und die Nationale Kunstbibliothek. Leider verschwindet das schlichte elegante Gebäude, weil die Augen automatisch auf die schreckliche „Schreibmaschine“ geleitet werden.

Nun müssen wir einen Schlenker machen, um zur Kirche San Pietro in Vincoli zu gelangen. Auf dem Esquilin-Hügel muss man sie sich über viele Treppen erkämpfen. Die Kirche ist eine der Alten und ruht auf Resten aus dem 2. Jahrhundert. Unzählige Umbauten haben sie zu dem gemacht, wie wir sie heute sehen. Wiederum war es Papst Julius II, der sie für die Renaissance umformte und Michelangelo beauftragte, sein monumentales Grabmal zu meißeln. 1506 entschied er sich aber, nicht weiterzumachen und Michelangelo verließ Rom. 1508 kehrte der Künstler wieder zurück, um wie gesagt die Sixtinische Kapelle auszumalen und nach Julius II Tod 1513 kehrte er zur Arbeit am Grabmal zurück. So entstanden der gefesselte und der sterbende Sklave und der vom Berg Sinai zurückkommende mit Gesetzestafeln beladene Moses (ein Meisterwerk).

Über den glänzenden, weißen Moses (1515) von Michelangelo – ein Meisterwerk – , der die Kirche dominiert, sagte Vasari folgendes: Als Michelangelo den Moses vollendet hatte, gab es kein Werk zu sehen, ob antik oder modern, das daneben bestehen konnte.

Nun müssen wir zurück zum Corso und strampeln uns durch die einkaufenden Touristen Richtung Piazza del Popolo. Auf der linken Seite Richtung Pantheon kommt man zur Basilika Santa Maria sopra Minerva. In der Carafa-Kapelle hat Filippino Lippi wunderbare Fresken (Ende 15. Jahrhundert) gemalt. Vor der Kirche steht übrigens der bekannte Bernini-Elefant. Wieder zurück zum Corso rechts den Berg hoch kommen wir zum Quirinalspalast, erbaut in der Spätrenaissance. Heute Dienstsitz der italienischen Präsidenten.

Am Ende des Corsos steht die Kirche Santa Maria del Popolo, direkt an der Aurelianischen Mauer (muro torto). Sisto IV ließ um 1480 eine frühere Konstruktion aus dem Mittelalter umbauen. Diese Kirche hat außer der Chigi-Kapelle auch noch drei umwerfende Caravaggio Fresken zu bieten.

Auf der Piazza del Popolo nehmen wir die Tram Richtung Villa Giulia, die päpstliche Sommerresidenz aus dem Spätbarock. Heute beherbergt sie das Etruskermuseum, das unbedingt einen Besuch lohnt.

Anmerkung: Unter Leitung von Michelangelo hat man 1560 mit dem Bau der Kirche Santa Maria degli Angeli e Martiri begonnen. Als Basis musste ein Teil der Dioklezianthermen herhalten. Der Haupteingang der Kirche war die Innenseite des Caldariums – heute sieht man nur noch Ruinen. Besonders schon und erwähnenswert in dieser Basilika ist der Meridian – der wandernde Sonnenstrahl – auf dem alle Tiere des Zodiak als Mosaik in den Boden gearbeitet sind – aber das ist auch ein anderes Kapitel.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Proserpina von Wolfgang Rihm beim Fast Forward Festival

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Proserpina di Rihm_Al centro il soprano Monja Erdmann®Yasuko Kageyama-Opera di Roma 2015-16

 

Granatapfel im Möbellager

 „Und was du suchst, liegt immer hinter dir“ (Johann Wolfgang von Goethe, Proserpina).

 Verzweifeltes Suchen und hoffnungsloses (nicht)Finden treibt diese Proserpina um. 70 Minuten lang ist sie auf einer nostalgischen Fahndung nach Bildern der Vergangenheitmit einem zeitlosen Blick nach vorne. Sie will ihr früheres Leben, ihre Freiheit, ihre Familie zurückhaben. Sie braucht Energie und Kraft und vor allem einen Ariadne-Faden, um aus Plutos Hölle heraus zu finden.

Valentina Carrasco und Carles Berga haben Goethes Regieanweisung: Eine öde felsige Gegend, Höhle im Grund, auf der einen Seite ein Granatbaum mit Früchten umgesetzt, und die Bühne in ein rosafarbiges, felsenartiges Christo und Jean-Claude Möbellager (so würde man die Polstermöbel abdecken, wenn man lange Zeit auf Reisen geht und die guten Stücke nicht verstaubt wieder finden möchte) verwandelt; inspiriert haben sie sich an den Arbeiten des französischen Künstlers Clay Apenouvon, der auch die Kostüme entworfen hat. Die um die Überzüge geschlungenen Kletterseile sind vielleicht die Pfade, die nach oben oder nach unten führen; noch ist die Welt für Proserpina nicht verloren. Der Schein trügt!

 Plötzlich kommt Leben unter diese Schutzhüllen und es schälen sich aus ihnen langsam Proserpinas unbeschwerte, gesichtslose Schaufensterpuppen-Gespielinnen und werden zu lebenden Bildern. Blätter rieseln von der Decke. Wir sind hier noch eindeutig auf der Wiese unterm Ätna, auf der Proserpina Blumen zu pflücken pflegte, bevor der alte Pluto sie entführte. Im Verlauf der nächsten guten Stunde werden die anonymen Freundinnen zu Parzen und Danaiden. Mit dem lüsternen Genuss eines Granatapfels, der ihr Kleid mit blutrotem Fruchtsaft verschmutzt, verschwindet dann der letzte Fetzen Stoff und es bleibt ein gülden-feuriges Schlafgemach, verziert mit schwarzem Höllenpech und Schwefel. Proserpina wird zu einer immer noch kämpfenden und lamentierenden Königin der Unterwelt und des Totenreiches. Ihre Untergebenen wickeln sie in schwarze Frischhaltefolie und fesseln sie ans Bett.„Was hab ich verbrochen, Daß ich genoß?“ Lässt Goethe Proserpina fragen. „Und der Biß des Apfels macht dich unser! Königin, wir ehren dich!“antworten die Parzen. Die Wut kommt gleich nach der verzweifelten Hoffnung, Zorn auf die Eltern Jupiter und Ceres, Grollüber die unüberbrückbare Götterhierarchie, die sie machtlos dastehen lässt. Spätestens hier merkt auch sie, dass es kein Entkommen mehr gibt.

 

Proserpina di Rihm_Un totale®Yasuko Kageyama-Opera di Roma 2015-16_7757_1
Proserpina di Rihm_Un totale®Yasuko Kageyama-Opera di Roma 2015-16

 Proserpinas Monolog ist der einer verzweifelten Frau; die dort, wo sie ist, nicht sein will und sein kann, aber keine Möglichkeit hat, sich zu befreien. Denn im Gegensatz zur griechischen Persephone, die jedes Jahr wenigstens ein paar Monate ans Licht darf und so den Frühling hervorholt, kommt Goethes Proserpina nie an die Oberfläche, sie ist eine Dauergefangene, der man die letzte Würde genommen hat aber trotzdem nie Teil der Unterwelt sein wird. Sie ist und bleibt ein zeitloser, ungemütlicher Fremdkörper. Proserpina könnte genauso eine im Haushalt gefangene Frau wo auch immer auf der Welt sein, meinte Rihm vor der Veranstaltung.

 Liebreizend und mild, wütend und rebellisch, erotisch und kindlich-schüchtern die wunderbare, umwerfende Mojca Erdmann. Lyrisch, gefällig, hörbar, stark und beeindruckend die Musik Rihms, Referenzen an Mozart und Brahms und immer wieder an Schönbergs Sprechgesang. Rihm hat Erdmann diese Rolle auf den Leib geschrieben und sie passt wie angegossen! Sie singt, spielt und spricht, wie es besser nicht sein kann. Erdmann hat auch bei der Welturaufführung 2009 in Schwetzingen gesungen; damals hatteNeuenfels inszeniert.

Proserpina für Solosopran, Frauenchor und kleines Orchester (Streicher, Flöten, Klarinetten und Perkussion im Graben, Trompete und Tuba auf der Bühne) ist Rihms achte Oper. Für Goethes Monodrama von 1778 hat er sich entschieden, weil ihn dasDüstere und Geheimnisvolle darinfaszinierte und dannwar da natürlich der Rhythmus des Gedichtes. Es waren nur noch die Noten zu platzieren. Rihm stellte sich seinerzeit die Frage, ob Goethe bei der Dichtungwohl an das Leben seiner Schwester Cornelia dachte, die sehr unglücklich in ihrem Ehegefängnis war.

 Mit Wolfgang Rihms „Proserpina“ als Neuproduktion der Oper Rom ging das erste Fast Forward Festivalmit großen Erfolg zu Ende. Am Pult Walter Kobéra mit dem Chor und Orchester der Oper Rom. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch das Goethe Institut Rom.

Am 9. Juni wird es nochmals aufgeführt!

 

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nach der Vorstellung mit W.Rihm

Christa Blenk

Schwarz auf Weiß – Festivaleröffnung

Bericht auch für KULTURA EXTRA

 

 

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William Kentridge – “Triumphs and Laments”

William Kentridge – “Triumphs and Laments” am Lungotevere

In sechs Monaten hat der südafrikanische Künstler und Theatermann William Kentridge auf über 500 Meter am Tiberufer zwischen Ponte Sisto und Ponte Mazzini (Piazza Tevere) die Geschichte Roms in 80 übergroßen Figuren wild durch die Jahrhunderte portraitier.

Die römische Wölfin von Romulus und Remo aber mit zwei Milchkrügen, Äneas Ankunft per Schiff, Päpste, Giordano Bruno, die Bialetti Kaffeemaschine, das italienische Kino, die Bekehrung von Paulaus, Flucht, Krieg und Frieden, Triumpf und Niederlagen.

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Fotos: Christa Blenk

Den Schmutz an der Mauer hat er gleich in sein monumental-schwarz-weiß-Fresko mit einbezogen. Von weitem erinnert es an einen Scherenschnitt. Es soll nur ein paar Jahre halten.

Seit ein paar Tagen allerdings werden Stände direkt vor der Mauermalerei aufgebaut, die den Sommer über die Besucher an das sonst eher nicht so belebte Tiberufer rufen. Die römische Geschichte muss dann hinter Pizza, Bier, Zuckerwatte und Eis zurücktreten!

Christa Blenk

 

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My virtual gallery – blog collection n°14

Emanuel Borja (1945 -2005) war Kunstkritiker und Künstler, der sich wie sonst keiner mit der Primordial Kunst befasste und schon lange vor der großen Ausstellung Primordial in New York in den 80er Jahren Material, Bilder und Texte sammelte, vergleich und zusammenfügte.In dieser Zeit entstanden auch die delikaten Holzskulpturen mit primodialem Hintergrund.

 

borjaprimordial 011
Autoportrait in Holz (1980)

 

Emanuel Borja hat in den 70er und 80er Jahren für spanische Kunst- und Architekturzeitschriften geschrieben;  es entstanden Monografien über Künstler (Palazuelo, Lucio Muñoz u.a.) und unzählige Ausstellungskataloge. 1989 hat er Madrid verlassen und in Brüssel, Genf, New York,Rabat und Rom gelebt, wo er 2005 auch verstarb. Von 1989 bis zu seinem Tod hat Borja Tagebücher geschrieben. Fast 100 eng beschriebene und mit Fotos, eigenen Zeichnungen und Zeitungsartikel ergänzte Hefte dokumentieren und analysieren  das politische, philosofische, literarische und künsterlische Weltgeschehen – alles in spanischer Sprache. Hier zu Auszügen en español.

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proyectos realizados
Album : proyectos realizados
esculturas primordiales de los años 80 (gracias a Peter Jäger - que ha hecho el trabajo de scanear los diapositivas)
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Acuarelas y naturaleza
Album : Acuarelas y naturaleza
Aquarelas de recuperación © Emanuel Borja/Christa Blenk
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Primordial
Album : Primordial
trabajos de los años 70 y 90 © Emanuel Borja/Christa Blenk
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dibujos
Album : dibujos
dibujos de E.Borja en su diario © Emanuel Borja/Christa Blenk
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Album : virtual gallery - update

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Christa Blenk

 

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Harry Graf Kessler – Flaneur der Moderne

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Harry Graf Kessler – Flaneur durch die Moderne

Wie sicher weiß ich, dass mein Staub einst die Zweige und Blüten emporwachsen und die stille majestätische Reise durch die Ewigkeit fortsetzen wird. Die Sterne werden in ungezählten Jahrtausenden herabblicken, und auch ich werde noch ein Teil des Alls sein; klein, aber ewig wie Gott. Und auch ich habe das Glück gekannt. (Harry Graf Kessler, 1.8.1898, Florenz).

„Die Duncan missfiel  Vandevelde und mir gleich stark“, schrieb Harry Graf Kessler am 26. Januar 1903 in Berlin. „Sie ist affektiert, mit einem sentimentalen Augenaufschlag, hat nur eine Bewegung, die sie bis zur Qual wiederholt, tanzt ohne Takt und ohne Feuer, und hat mit der griechischen Kunst nur das gemein, was der Philister für „antik“ hält, d.h. öde Leere und süßliche Schönheit. Ihre Hauptreize sind, dass sie nackt und konventionell ist, eben dieselben Reize, wie die der akademischen Kunst. Sie ist die Verwirklichung des Akademischen in der Tanzkunst„.

Isadora Duncan (1877-1927) beeinflusste in dieser Zeit gerade die Entwicklung des Tanzes; sie gilt als Wegbereiterin des sinfonischen Ausdruckstanzes. 1904 kam sie nach Berlin und gründete dort mit ihrer Schwester eine erfolgreiche Tanzschule, die sich am griechischen Schönheitsideal orientierte und mit klassischer Musik arbeitete. Sie war gegen die Klassik und für die Antike. Die harten Worte, die Kessler für sie fand, haben sicher auch etwas mit ihrer Persönlichkeit zu tun. Sein Typ war eher die schillernde und androgyne Ida Rubinstein. Über sie schrieb er am 6. Juni 1911 „Ich ging nach dem zweiten Akt zu d’Annunzio und der Tata Golubeff in die Loge, wo Ida Rubinstein in einem schwarzen, golddurchwirkten Kleid mit einem wunderbar, gewellten blassrosa Paradiesvogel-Schweif auf dem Kopf stand, sehr lang , sehr geschminkt, etwas unheimlich sie ist, oder posiert auf den schönen Vampir. Ihr Körper, den Jeder kennt, weil sie sich nackt gezeigt hat, namentlich die wunderbar schlangen, knabenhaften Beine, steckt in dem schwarzen Goldbrokat wie in einem Etui; das Kleid ist bei ihr etwas Anderes wie bei anderen Frauen, kein Teil ihrer selbst sondern Etwas sozusagen Provisorischen, ein Gegenstand, der neben ihr selbstständig und fast rein kunstgewerblich in seiner Kostbarkeit besteht“.

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zwei Portraits von Munch (1906 und 1904)

In der Ausstellung hängen zwei Portraits von ihm, die Munch malte. Eines, Kessler sitzend, entstand 1904und hängt in einer Privatsammlung; es zeigt eher einen strengen und sehr serösen Mann, Kessler als Museumsdirektor. Am 9. Juli 1906 in Weimar schreibt er dazu folgendes: „Munch mein Porträt angefangen. Er sprach viel über sich, über seine unpraktische Art“ und zitiert ihn so „Vielleicht macht es die Konzentration auf meine Kunst, dass ich nicht verstehe das Leben. So kommt es, dass ich nicht gut bin mit Geld. Aber dann kommt eine Zeit, da sagt man sich, man will laufen lassen das Leben; man hat Besseres zu Thun. Jeder Dienstmann kann leben“. Hier spricht er von einem Ganzkörperportrait, das ebenfalls zu den Exponaten gehört. Ein paar Stunden später ging er abends in Hauptmanns „Weber“, das auf der Freien Bühne im Neuen Theater aufgeführt wurde und war entzückt von dem zierlich, zart und luxuriös ausgestatteten Theater, das bis auf den letzten Platz von einem elegant gekleideten überraffinierten, frenetisch klatschenden Publikum und dem Stück, dessen hohlwangige fieberäugige Hungergestalten all diesen zarten mittels Raubbau gezüchteten Culturblumen den Untergang verkünden. In dem großen Drama das sich abspielte waren die Hauptpersonen das Publik u. die Tendenz des Stückes; und das Drama war vielleicht fast weltgeschichtlich. Über Josephine Baker schrieb er am 13.2.1926 „Die Baker tanzte mit äusserster Grotesk Kunst und Stilreinheit; wie eine ägyptische oder archaische Figur, die Akrobatik treibt …..“ Man denkt bei ihr an Erotik ebenso wie bei einem schönen Raubtier.“

Im Mai 1912 besuchte er in Paris mit Reinhardt Sarah Bernhardt (sie war zu diesem Zeitpunkt 68 Jahre alt), „ein Gemisch von Neugier und Ehrfurcht, erfüllte ihn und er schrieb : „Sie kam uns vom Fenster aus entgegen in einem fließenden weisseidenem Negligé, an den Stühlen sich stützend, mit schlaffer Haut und Figur aber wundervollen Augen,, die Lionardesk durch das Halbdunkel unter einer wilden blonden Mähne hervorstrahlten, alt und jung zugleich wie eine junge uralte Zauberin (…) Reinhardt sass marmorn vor ihr und sah sie an; nur zweimal öffnete er den Mund: einmal., ich möchte ihr übersetzten, dass die zweitausendjährige Rolle der Jokaste eigentlich erst von ihr „créiert“ werden würde, dann, um hinzuzusetzen, erst sie werde die zwei Haupterfordernisse der Rolle vereinigen, weiblichen „Charme  und großen Stil:“

1916 traf er in Berlin Becher und schrieb auf, was dieser ihm über die leichtlebige Schriftstellerin und Kabarettistin Emmy Hennings erzählte.  Tratsch und Gerede gehörten fanden ebenfalls Eingang in seine Tagebücher wie Intellektuelles und Politisches! George Grosz hält er für eine mimosenhafte, empfindliche Natur, die aus Empfindsamkeit unerhört brutal wird und die Gestaltungsgabe zu dieser Brutalität besitzt.

1926 war er wieder in New York und reiste im Februar nach Berlin. „Morgens fort aus New York: ungern, bei jedem Abschied von einem Orte, an dem wir gelebt haben, lassen wir Etwas von uns zurück, die Menschen, die wir kennen gelernt haben, selbst die Gebäude, an denen wir täglich vorbeigegangen sind, sind zu einem Teil unseres Ich geworden, von dem wir uns beim Weggehen trenne müssen, ein jeder Abschied ist eine Art von Tod, Etwas von unserem ich, von unserer Persönlichkeit, geht unwiederbringlich unter, stirbt„.

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Frühstück mit Frau Förster-Nietzsche oder mit Diaghilev, Beerdigung von Hugo, Bericht über Spenglers Vortrag über „Nietzsche und das 20. Jahrhundert“ oder Anekdoten. Schwärmen und lästern, bissig und bewundernd. Es ist sicher schwieriger jemanden zu finden, den er nicht kannte als umgekehrt.

Auf vier verschiedenen Toninseln werden Auszüge aus seinen Tagebüchern gelesen und man ist fasziniert von der Freiheit  seiner Worte, der selbstsicheren und feinen Beobachtung, der Vielseitigkeit seiner Interessen. Geschlafen hat er sicher nicht viel.

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Europäer, Menschensammler, Diplomat, Weltbürger und Weltreisender, Verleger und Salonlöwe, geboren in Paris wuchs Kessler an vielen Plätzen in Europa auf und wurde mit vielen unterschiedlichen Kulturen konfrontiert. Er selber sah sich als Mitglied der europäischen Gesellschaft.

12 000 Personen werden in seinen Tagebüchern erwähnt. Er kannte alle bedeutenden, den ton-angebenden und den fin de siècle definierenden Persönlichkeiten, Künstler oder Politiker. Alles und Alle haben ihn interessiert und seine Tagebücher füllte er mit den Erkenntnissen die er als Flanierender durch die Welt und durch die Kunstszenen erfuhr und erlebte: 15.000 eng bis an den Rand beschriebene Seiten, die er ab dem 12. Lebensjahr aufzeichnete und nun neun dicke Bände füllen.

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Tagebücher in der Ausstellung

Vom leichtherzigen Flaneur zum kritischen Intellektuellen

Widersprüche, Unsicherheit, Anklagen, Vorwürfe, Verwunderungen, Anekdoten. Ein Flaneur ist immer unterwegs, sein zu Hause sind die Boulevards und die Wohnungen von Künstlern, Theater, Gallerien, Museen. Ein Flaneur beobachtet und hält fest. Kunsttendenzen, Premieren, Zeitungsartikel, Fotografien, Unterhaltungen. Der Flaneur steht im Mittelpunkt des Geschehens, ist gepflegt und kann jede Unterhaltung bestreiten. Sehen und gesehen werden.

Über sich selber hat er wenig geschrieben.

Im Laufe der Jahre ist er gewachsen, die Frivolität, der Dandy ist von ihm abgefallen. Er war Diplomat, Verleger, Museumsdirektor und Kunstsammler.

Die Ausstellung im Liebermann-Haus ist eine Hörausstellung. Im Eingangsbereich versetzt der Kurator den Besucher in die Zeit um die Jahrhundertwende. Klassische Portraits, Impressionisten, Expressionisten, Maillol- und Rodin Skulpturen, Nietzsches Totenmaske, ein paar Gemälde. Nicht viel, aber es reicht grad, um den Besucher in Graf Kesslers Zeit zu versetzen. Im ersten Stock geht es nur noch um Wörter, um Geschriebenes. Graf Kesslers Tagebücher sind im Original ausgestellt, säuberlich geschrieben mit Zeitungsartikeln oder Fotos dokumentiert. Es geht um Kunst, um Krieg, um Menschen.

1937 ist er verarmt bei seiner Schwester in der Nähe von Lyon verstorben. Es bleibt nur ein Koffer, ein wenig Besteck und ein Kerzenleuchter von ihm übrig!

Christoph Stölzl hat die Ausstellung im Berliner Liebermann Haus kuratiert.  Ein Blick in seinen « Kopfkosmos » nennt er sie.

Christa Blenk

 

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Festival Internazionale di Canto Sacro – Ensemble Nobiles

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Vom 27.-29. Mai 2016 fand in Rom das VII Festival Internazionale di Canto Sacro in der Basilica di Santa Maria in Aracoeli statt.

Das deutsche ENSEMBLE NOBILES war mit einem besonderen Programm nach Rom gereist und hat am 29. Mai in dieser prächtigen Kirche ihre „Musical Mass“ aufgeführt.

Das Vokal-Ensemble (Paul Heller, Christian Pohlers, Felix Hübner, Lukas Lomtscher, Lucas Heller) baute gestern Abend viele Brücken vom gregorianischen Gesang bis in unsere Zeit und glitt samtig, perfekt und dynamisch durch die Jahrhunderte der Kirchenmusik. Ein Kyrie von Vincenzo Ruffo (1508-1587) leitete zu einem dramatischen Gloria von Berthold Hummel (1925-2002). Vom 15. Jahrhundert über Josquin des Prez (1450-1521) ging es weiter in die deutsche Romantik mit dem Sanctus aus der Deutschen Messe von Franz Schuberts und nochmal ein Jahrhundert weiter zu Francis Poulencs (1899-1963) Laudes des Saint Antoine de Padoue. Wieder ein Abstecher zum Gregorianischen Gesang und ins 16. Jahrhundert zu William Byrds delikaten Ave verum corpus, welches von einem Ave Maria von Christian Pohlers abgelöst wurde. Mit einem weiteren Werk von Paul Heller, von dem auch der liturgische Einzug stammt, ging diese originelle Messe zu Ende. Eine brillante und abwechslungsreiche Zusammenstellung, die in 90 Minuten fast 1000 Jahre umspannte.

Genaueste Präzision, große Sensibilität, perfektes und harmonisches Zusammenspiel, volle und doch transparente, reine Klänge, zarteste pianissimi und cremige, impressionistische Farben, zeichnen dieses großartige Ensemble aus. Sie machten „bellissima figura“ am letzten Festival-Tag. Man wird noch sehr viel von ihnen hören!

Das Vokal Ensemble Nobiles entstand 2006, als sich die fünf jungen Sänger aus dem Chor der bekannten Thomaskirche in Leipzig zusammentaten. Sie arbeiten zurzeit mit Werner Schüssler und John Potter, dem Hilliard Ensemble und dem Ensemble Amarcord. Ihr Repertoire schließt die komplette Musikgeschichte ein, angefangen vom gregorianischen Gesang, Mittelalter zur deutschen Romantik ins 21. Jahrhundert.

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und zum Schluss noch ein Geschenk vom Organisator des Festivals

Christa Blenk

 

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My virtual gallery – blog collection N° 13

June Papineau ist eine US-schweizerische Künstlerin und Fotografin, die in Genf lebt und arbeitet. Studiert hat sie in den USA, in Paris und in Madrid.

 

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 June Papineau – Mantic Skin

June Papineau kann man keiner Kunstrichtung zuordnen. Sie ist eine zarte, barocke Konzeptkünstlerin, die Themen aufgreift, die sonst nie behandelt werden. Sie verbringt viel Zeit damit, die Natur zu beobachten und zu verarbeiten. Sie ist eine Zauberin, geheimnisvoll und eigenwillig, die monatelang gefallene Bäume im französischen Jura ankleidete, ihnen später diese aus einer geheimem und von ihr entwickelten Tinktur selbstgeschneiderten Kleider wieder auszog und sie ausstellte. Diese Skulpturen erinnern an Monster aus einer anderen Zeit oder versteinerte Wesen.

Zur Zeit befasst sie sich mit Salicorne, dem kleinen Salzgemüse, das am Rande von Salinen zu bestimmten Zeiten wächst. Ihr Salicorn kommt aus Griechenland und deshalb stellt sie im Mai 2016 Projekte und Gemälde zu diesem Thema in Athen aus.

Und hier eine Kurzgeschichte über das Jura-Moor-Abenteuer mit June Papineau :  von Moorgeistern und Laubfrauen

Christa Blenk

 

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Deutsches Musiktheater beim Fast Forward Festival – Schwarz auf Weiss

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auch für KULTURA EXTRA

Maßgeschneidertes Musiktheater als Metapher der kollektiven Erinnerung

„Und da fuhren wir, die Sieben, voll Schreck von unseren Sitzen auf und standen schaudernd. Denn die Stimme des Schattens war nicht die Stimme eines Wesens, sondern die Stimme vieler, und ihr Tonfall, der von Silbe zu Silbe wechselte, schlug düster an unser Ohr mit einem Stimmklang, den wir wohl kannten – mit dem Stimmklang von vielen tausend abgeschiedenen Freunden“ (Edgar Allan Poe, „Schatten“)

Es ist Nacht und die Sieben sitzen in einem hohen Saale in der Stadt Ptolemais. Es wird zwar nicht extra erwähnt, aber wir wissen es trotzdem: sie können nicht entkommen, sie sind isoliert. Einer von ihnen, der junge Zoilus, ist schon tot.

Eingeschlossen sind auch die 18 Protagonisten von Heiner Goebbels Stück Schwarz auf Weiß. Schon zehn Minuten vor Beginn füllen sich langsam und gleichmäßig Theater und Bühne. Als wir unsere Plätze einnehmen, sitzt nur ein Darsteller auf einer den langen einfachen Bänke, die zuhauf auf der Bühne stehen. In sich versunken schreibt er etwas, wohl französisch, denn er liest laut mit, was er schreibt. Nach zehn Minuten haben die meisten Zuschauer und Protagonisten ihren Platz eingenommen und in unserem Kopf schließt sich nun auch die Tür der Bühne. Die Panik, die sie wohl empfinden müssen, bekämpfen sie nicht mit (blut)rotem Wein wie bei E.A.Poe, sondern mit Beschäftigung. Sie spielen Federball, werfen Bälle auf die Perkussionsinstrumente am anderen Ende der Bühne, die ein unruhiges Donnern erzeugen, welches aber von einer Karten spielenden Gruppe gleich wieder relativiert wird. Sie scheinen sich zu amüsieren. Eine immer lauter werdende Sirene bringt aber die scheinbare Harmonie ins Schwanken, Feuerleitern werden aufgestellt oder wird vielleicht ein anderer Ausgang gesucht? Es herrscht Chaos und sie machen Musik. Wohl nicht die Pest, aber eine andere Katastrophe hat die Männer und Frauen des Ensemble Modern hier zusammen geführt.

Töne, Wörter, Körper, Formen, Instrumente, Choreografie, Licht und Schatten. Im Verlauf der nächsten ca. 80 Minuten werden Jazztöne und Trompetensoli, Sirenen und Teekesselpfeifen, weinende Geigen, schreiende Aktionsgeräusche und anstrengende Klänge, hörbare und regelmäßige Jazzpassagen gleichberechtigt eingesetzt, so konzentrieren wir uns immer wieder auf etwas Neues und können uns wieder neu sammeln. Ein Sampler sorgt für unbestechliche und redliche Verteilung. Eine ausgezeichnete New Orleans Trauermarsch-Improvisation mit glanzhaftem Auszug wird auf der Leinwand als Scherenschnittschatten wider gegeben und wir denken an Platons Höhlengleichnis. Die Leinwand fällt später elegant und manieristisch zu Boden. Überhaupt fällt Vieles zu Boden, es gibt aber gleich wieder Jemanden, der aufräumt. Man will den Ort an dem man eingeschlossen ist, sauber und ordentlich halten.

Heiner Müllers Stimme auf Band liest E.A.Poes „Schatten“ auf Deutsch, in englischer oder französischer Sprache werden an anderen Stellen Texte von T.S. Eliot und Maurice Blanchot gesungen oder gesprochen. Wörter, die direkt vom Ensemble Modern in Töne umgesetzt werden die Freude, Panik, Angst, Glück, Trauer verkünden.

Dann Finsternis und man wagt nicht zu applaudieren, um die Totenstille ja nicht zu stören. Vielleicht sollte vor der nächsten Aufführung das Publikum darum gebeten werden, vor dem Sturm wenigstens eine Schweigeminute einzulegen!

Schwarz auf Weiß hat Heiner Goebbels vor über 20 Jahren für und mit dem Ensemble Modern konzipiert, es ist auf sie zugeschneidert und kann auch nicht von einem anderen Orchester oder Ensemble aufgeführt werden. Bis jetzt kam es ca. 100 Mal zur Aufführung u.a. in Berlin, Brüssel. Dresden, Paris, Sevilla, Luzern, Taipeh, Moskau, Wien, Prag, München und Salzburg und fast alle Beteiligten sind schon seit der Uraufführung 1996 im Frankfurter Bockenheimer Depot mit dabei.

Diese Tonbandaufnahme von Heiner Müller, die Goebbels kurz nach Müllers Tod hörte, nimmt eine Schlüsselstellung in diesem Werk ein, d.h. der Text und Müllers Interpretation waren ausschlaggebend für die Fertigstellung und Aufführung. Zuerst kam die Vision, dann die Bewegungen, die Bilder, später der Text und nach der Premiere entstand schließlich die Partitur. Virtuosität und Perfektion sind nicht Goebbels Streben. Allerdings muss man natürlich sehr gut sein, um etwas Schwieriges amateurhaft so zu interpretieren, dass es perfekt und richtig, wie von Profis gespielt, wirkt. Einige der Musiker spielen bis zu sechs Instrumente, die sie nicht alle gleich gut beherrschen oder auch gar nicht beherrschen, sie singen und tanzen. Sie sind einfach nur umwerfend!

Improvisation, Umfeld, Publikum, Tagesform der Darsteller und die von Goebbels eingebauten und zu überwindenden Probleme geben der Aufführung etwas Lebendiges, sie erfindet sich jedes Mal wieder neu.

Was wir heute hören, ist nicht nur meine Musik, es ist auch all die Musik und die Geschichten dazu, die ich in meinem Leben gehört und gelesen habe (Zitat Heiner Goebbels vor der Vorstellung am Eröffnungsabend).

Beeindruckender erster Festival Abend im Teatro Argentina.  Fast Forward Festivals hat der italienische Komponist und künstlerische Leiter der Oper Rom Giorgio Battistelli erst dieses Jahr ins Leben gerufen. Es findet seit dem 27. Mai in Rom an unterschiedlichen Konzertorten statt und endet am 9. Juni mit Wolfgang Rihms Proserpina im Teatro Nazionale. Von den zehn Produktionen kommen zwei aus Deutschland, die das Goethe Institut Rom hierher geholt hat.

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Ensemble Modern nach der Vorstellung

Christa Blenk 

mehr über das Festival

 

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Mito e Natura – Von Griechenland bis Pompeji

Mito e Natura – Von Griechenland bis Pompeji

Hercolanum
Fresken in Herculaneum

Wer in der nächsten Zeit eine Reise nach Pompeij oder Herculaneum plant sollte nicht versäumen, die Ausstellung „Mito e Natura“ im Archäologischen Museum in Neapel im Anschluss zu besuchen. Im Museum, das über eine ausgezeichnete Sammlung verfügt, sind zwar fast permanent die Hälfte der Räume geschlossen (wegen Personalmangel) aber es reicht schon ein kleiner Teil, um einen Besuch lohnenswert zu machen.

Demeter mit Getreide oder Athena mit dem Ölbaum zieren die Vasen die zwischen 600 vC bis 200 nC vertreten sind. Dionisos steht in Trauben gekleidet vor dem Vesuv, wahrscheinlich nur kurze Zeit vor dessen Ausbruch 79 n.C. jedenfalls soll diese Wandmalerei in den 70er Jahren nC entstanden sein. Er ahnte natürlich nicht, dass kurze Zeit später die komplette Stadt in Lava, Asche und Bimssteinregen für die nächsten Jahrhunderte verschwinden würde. Ca. 35 nC soll eines der schönes Exponate entstanden sein: Ein friedlicher Garten in Blautönen, Vögel fliegen durch die Luft oder trinken in einem kleinen Brunnen, der Hausherr und die Hausdame sind portraitiert und vom Himmel herab kommen Theatermasken. Es ist Sommer und auch hier die Welt noch in Ordnung.

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Dionisos vor dem Vesuv (und Detail) kurz vor dem Ausbruch 79nC

Die Ausstellung behandelt Mensch und Natur anhand von umwerfenden Fresken von Lustgärten oder Episoden aus der griechischen Mythologie.

Dass die Landschaft an sich eine Erfindung der Romantik ist, ist eine Legende. Neben der Darstellung von mythologischen Szenen waren Gästen, Bäume, Pflanzen das wichtigste Motiv, mit denen die Paläste der römischen Villen in Pompeji, Herculaneum oder Rom von oben bis unten mit den allerschönsten, romantischsten und mysteriösesten Landschaften bedeckt waren. In den Ruinen selber sieht man davon dann und wann ein wenig, die meisten sind allerdings im Archäologischen Museum in Neapel, in Paestum oder in Rom zu bewundern und man kann nur staunen, wie gut sie erhalten sind! Die Griechen und die Römer haben die Darstellung von Landschaften und Gärten erfunden, diese wurde dann im Barock und in der Romantik kräftig ausgebaut und ausdrucksstark mächtige Felsen, reißende Flüsse oder tobendes Meer gemalt.

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Wandmalerei in Pompeji – Garten

Neben Vasen und Trinkgefäßen, Tonkrügen, Glas oder Bronze sind Schmuckstücke, goldene Lorbeerkronen, Votive oder Tafeln und sogar exklusiven Nahrungsmitteln und eben diese unglaublichen Fresken zu sehen. Immer wieder wird die Faszination aber auch der Respekt vor dem Meer hervorgehoben und nicht selten ist der Vesus – der viele Jahre vor dem großen Ausbruch friedlich und ungefährlich einfach nur da stand, so dass die Gefahr, die von ihm ausging, nicht mehr wahrgenommen wurde  – im Mittelpunkt des Geschehens. Ein Frauenkopf umgeben von fliegenden Blättern ist von einer frappierenden Modernität was Raumaufteilung angeht  Das bekannteste Ausstellungsstück ist der Taucher aus Paestum. Mutig und elegant springt er ins ungewiss wogende Blau.

 
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 Der Springer – Paestum

Bis September ist diese Ausstellung noch zu sehen, die während der Expo Mailand dort gezeigt wurde. Nach Neapel passt sie entschieden besser, da die meisten Exponate aus den vom Vesuv 79 n.C. zerstörten Städten stammen.

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Jagd auf die Kinder der Niobe – Wandmalerei Pompeji
 

Gemma Sena Chiesa, Angela Pontrandolfo, Valeria Sampaolo haben zusammen mit dem Archäologischen Museum Neapel diese Ausstellung kuratiert.

Christa Blenk

 

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Cavalleria Rusticana – Orchestra Roma Sinfonica

Applausi tutti
Foto: ©Marco Nardo

 L’appassionato incontro d’amore tra Lola e Turiddu sulla poltrona rossa anni sessanta è scrutato dalla chiesa e dal popolo, almeno così ci fa pensare il regista Stinchelli quando fa salire sul palco prima un prete e poi due donne vestite con un abito nero siciliano tipico del Verismo, che contemplano per breve tempo lo spettacolo e poi, probabilmente con disapprovazione, tornano tra il pubblico. Turiddu (Manrico Carta) canta a squarciagola la sua aria e gli abitanti del villaggio si riuniscono con gioia di fronte alla chiesa prima della messa del Lunedì di Pasqua in un villaggio siciliano.

Con questa scena finisce la parte allegra e gioiosa di questa breve opera ad un atto e la tragedia melodrammatica prende il suo prevedibile e inevitabile corso.

Santuzza (Silvia Pasini, che all’inizio era un po’ insicura, ma poi è riuscita sempre più a incantare il pubblico) appare ed evoca la mamma Lucia (Francesca Romana Cassanelli) che, distante e piuttosto brusca, prepara il suo piccolo bar per l’affollamento previsto dopo la messa. Il regista romano Enrico Stinchelli risolve l’intramontabilità del concetto amore-tradimento-passione con i costumi dei protagonisti. Di conseguenza, le donne anziane sono vestite con lunghi abiti neri presi dal Verismo (l’epoca del dramma), mentre le pie donne più giovani si presentano con caste gonne al ginocchio e Lola compare prima in mini abito e poi con un vestito da sera sexy rosso, scollato e con un lungo spacco, come se dovesse sfilare sul tappeto rosso di Cannes, per sedurre Turiddu e tutta la folla. L’ingannato Alfio, (Alessio Quaresima Escobar) convince con il suo talento di attore ed è costantemente accompagnato da due guardie del corpo che ricordano con i loro abiti neri e occhiali scuri il film Men in Black. La regia di Stinchelli è piuttosto convenzionale e semplice, ma alla fine della tragedia si trasforma improvvisamente in un quadro espressionista-manierista che sembra preso dalla serie di pittura nera di Goya. La Vespa Guzzi, con la quale Turiddu era sceso sul palco a Taormina nel 2002 ieri sera non c’era! Ma il grido della galleria vicino a noi « Hanno ammazzato Turiddu » ci fa sobbalzare sulla poltrona.

Grandi applausi

Scena e orchestra 3
Foto: ©Marco Nardo

L’Orchestra Sinfonica di Roma e il Coro di Roma Tre sotto la direzione del Maestro Isabella Ambrosini hanno fatto bella figura durante la rappresentazione della Cavalleria Rusticana di Mascagni il 19 maggio al Teatro Palladium. Turiddu, Santuzza e Lucia hanno assunto la parte all’ultimo momento e ciononostante si sono esibiti con maestria grazie anche a una guida personale molto discreta. Il Teatro della Garbatella è stato riorganizzato per questa serata. Hanno tolto le prime quattro file in platea per trasformarlo in una fossa d’orchestra. Non si può che elogiare l’esibizione, soprattutto sul piano musicale. La grande orchestra di giovani musicisti si è esibita in una performance impeccabile, cremosa e corposa, della più famosa opera di Mascagni, che si basa su una delle « novelle siciliane » di Giovanni Verga e dura quasi settanta minuti.

Christa Blenk

 

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My virtual gallery – (blog collection N° 12)

Die Malerin und Grafikerin Schirin Fatemi ist in Würzburg geboren; sie lebt und arbeitet zur Zeit in Hannover und in Rom.

 

Am Flusssklein
 Am Fluss – Schirin Fatemi

Am Fluss nennt sie eine ihrer letzten Arbeiten und dieser, der Fluß, bringt sie von ihrem bisherigen Weg ab und führt sie in eine neue Ära. Schirins frühere Arbeiten, meist Landschaftsszenen, waren geprägt von purer Geometrie und klar umgrenzten Farbfeldern. Bilder, die man sehen kann, wenn man durch die römische Kampagne oder durch das sommerliche Umbrien fährt. Ihren Farben,  Rot, Blau, Grün, Braun, oft Pastell, ist sie erstmals treu geblieben, hat der Landschaft aber farblich prominent eine linkisch wirkende Person hinzugefügt, die eigentlich, so scheint es, gar nicht dort stehen will aber trotzdem gleich unsere Blicke auf sich zieht und von der Landschaft ablenkt. Sie vermittelt dem Betrachter das Gefühl, noch nicht ihren Platz gefunden zu haben. Unschuld und Idylle sind gebrochen. Ob es ein Autoportrait ist, wissen wir nicht.

Radierungen sind Schirin Fatemis zweites Arbeitsfeld und wenn sie in Rom ist entstehen diese römischen Veduten, die in die Vergangenheit zurückgreifen und mit denen sich die Künstlerin in die lange Liste der Bildungsreisenden einreiht.

Wir sind gespannt, wie es weitergeht!

mehr: Schirin Fatemi

Christa Blenk

 

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Kulturspaziergang Bernini in Rom

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Der Bernini-Elefant vor dem Pantheon und der Bienenbrunnen

Thematische Kulturspaziergänge

Bericht für KULTURA EXTRA

Auf dem Weg zu Berninis Highlights im barocken Rom

Wenn man an Rom denkt, dann fällt einem zuerst der Kollosseum ein und dann der Vatikan. Dabei ist Rom erst im Barock wieder richtig groß und mächtig geworden und das spiegelt sich natürlich auch im Stadtbild wider. Rom ist eine barocke Stadt! Es gibt Künstler, wie Caravaggio zum Beispiel, die man nur in Rom entdecken und verstehen kann, Ein anderer ist der Bildhauer und Architekt Gian Lorenzo Bernini – dessen Werke über die Stadt verteilt und zu entdecken sind – und um ihn geht es in diesem Artikel.

Gian Lorenzo Bernini lebte vom 1598 bis 1680 und kann wohl als der bedeutendste italienische Bildhauer des Barock bezeichnet werden. Für Manche ist er sogar der Schöpfer des barocken Roms. Und wenn man in Rom auf seinen Spuren wandert, dann kommt man nicht umhin, dem zuzustimmen:

Berninis Karriere in Rom hat unter dem Borghese-Papst Paul V begonnen. In dieser Zeit war das Amt des höchsten Kirchenchefs ein Synonym für Reichtum und Macht – und das bezog sich nicht nur auf die Person des Papstes sondern auf seinen gesamten Klan! Ganz öffentlich und vor den Augen der Römer wurden lukrative Posten verschoben und man schröpfte wo man konnte. „Nach den Carafa, den Medici, Farnese – bereichert sich von nun an – das Haus Borghese“. So sprach die römische Bevölkerung und dieses spricht Bände. Oft reichte es schon, nur ein paar Monate Papst zu sein, um für sich und seine Familie ausgesorgt zu haben und in Luxus leben zu können. Das drei-Päpste Jahr 1605 fällt genau in diese Zeit. Obwohl Rom Anfang des 17. Jahrhunderts nur knapp 100 000 Einwohner hatte, also viel weniger als Neapel oder Venedig, stand es eben durch diese Kirchenverbindung, im Zentrum und war sozusagen „Königmacher“. Das positive an dieser Situation war, dass all diese Familien einem wahren Kultur- und Sammlerwahn verfallen waren und sie sich – ähnlich wie früher in Florenz – als Mäzen und Beschützer bzw. Förderer  von Künstlern fühlten und handelten. Bernini wurde also in diese Zeit hineingeboren und hat für Rom den Barock erfunden.

Als Sohn eines mittelmäßigen neapolitanischen Bildhauers, kam er 1605 mit seinem Vater nach Rom. Dieser erkannte sehr bald, was in seinem Sohn steckte, ließ seine Karriere liegen und förderte seinen Sprössling  (er wird oft mit Mozart verglichen). Als der Kunstliebhaber Kardinal Maffeo Barberini, der später für die lange Zeit von 1623 – 1644 als Papst Urban VIII (von 1623-1644) Berninis Hauptförderer werden sollte, Berninis Vater ins Gesicht sagte  dass sein Sohn ihn jetzt schon weit in den Schatten stellte, antwortete er mit sicherer Intelligenz und Voraussicht „Wer in diesem Spiel verliert, gewinnt“.

Intelligent, hochbegabt, opportunistisch, diplomatisch und aggressiv verfügte Bernini über alle Eigenschaften, um sich permanent in diesem Sumpf aus Beziehungen und Nepotismus (das Wort ist in dieser Zeit entstanden) ins rechte Licht zu setzen und alle anderen Konkurrenten auszuschalten oder erst gar nicht hochkommen zu lassen.

Unser Pilgerweg zu seinen Werken beginnt an der Kirche Santa Bibiana (1624) in der Nähe von Termini – außerhalb der Aurelianischen Mauer. Er hat sie im Auftrag von Papst Urban VIII geschaffen und dort ist sie geblieben, in dieser kleinen Kirche, in die fast nie einer kommt.

Dann gehen wir weiter Richtung Barberini-Platz zur Kirche der Hl. Vittoria, um der wunderbaren und sehr erotischen Skulptur der „Verzückung der Teresa de Avila“(ca 1650) einen Besuch abzustatten. Über drei Meter misst die Plastik und war lange Zeit ziemlich umstritten, denn sie zeigt eine vom Speer der Liebe und Leidenschaft getroffene Heilige, die durch ein wohl überirdisches Feuer in Verzückung gerät, eine Extase, die einer Heiligen einfach nicht zusteht. Ziemlich provokativ hat Bernini sich hier gezeigt. Erliegt Teresa der Erotik von Gott oder vielleicht von San Juan de la Cruz?

Nicht weit weg, am Beginn der Via Veneto an der Piazza Barberini steht der Bienen Brunnen (1644). Die Biene war das Wahrzeichen der Barberini-Familie und ihr hat Bernini viel zu verdanken; in der Mitte di Fontana del Tritone mit Neptun in der Mitte.

Unser nächstes Ziel ist der Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona, vorher kommen wir aber noch an der Kirche Sant’Andrea al Quirinale (1658-1676) vorbei. Bernini hat sie konzipiert, sie ist oval und sehr protzig. Weiter Richtung Corso mit einem kleinen Umweg geht es zum Brunnen Fontana di Trevi. Der ist zwar nicht von Bernini, aber man sagt, dass er sehr wohl die Entwürfe dafür entworfen hätte.

Aber nicht weit davon ist die Barock-Kirche Sant’Andrea delle Fratte in der sich zwei überdimensionale Bernini-Engel befinden (außerdem hat diese Kirche einen wunderbaren Kreuzgang und ist der Durchgang zur Musikakademie Santa Cecilia. Schließlich auf dem Corso geht es in die Galleria Pamphilij zur Büste von Innozenz X um 1650 (neben dem Wahnsinnsportrait von Velazquez, das dieser vom Papst Innozenz X gemalt hat). Wer möchte, geht dann noch schnell über die Piazza Venezia zu den Kapitolinischen Museen – aber natürlich nicht nur wegen der  Bernini-Medusa.

Der Vierströmebrunnen entstand ungefähr zur gleichen Zeit wie die Hl. Teresa und ist Hochbarock pur! Vier Männerfiguren thronen auf Felsbrocken. Sie stehen stellvertretend für die damals bekannten Weltströme und Kontinente: Donau (Europa), Nil (Afrika), Ganges (Asien)  und Rio de la Plata (Südamerika). Ein paar Schritte weiter, gleich hinter dem Pantheon vor der Kirche Santa Maria sopra Minerva steht ein Spätwerk, der Elefant mit Obelisk (1665). Er gilt als Glückbringer und muss deshalb natürlich berührt werden. In der Kirche, die eine der schönsten in Rom ist, befindet sich übrigens ein Christus von Michelangelo (1520), den Bernini sehr verehrte.

Unser Weg führt uns nun über die Brücke Richtung Petersdom, am besten über die Engelsbrücke begleitet von den Bernini Engel. Diese hat Bernini zwar nicht selber in Marmor gehauen, aber die Kolonnaden (1659-1672) um den Petersplatz sind von ihm und im Inneren des Doms der teuerste Baldachin (1633) aller Zeiten (den er zusammen mit dem anderen großen Barockmeister Borromini baute) sowie die Grabdenkmäler für Papst Urban VIII (1627-1647) und für Papst Alexander VII (1671-1678).

Eigentlich ist nun noch ein Abstecher nach Trastevere notwendig, in die Barockkirche San Francesco de Ripa, ganz in der Nähe von Porta Portese. Sie liegt nicht auf dem Weg, aber der Umweg lohnt sich. Dort liegt schmerzverzerrt eine andere Heilige, die Agonie der Heiligen Ludovica Albertoni.

Nun haben wir uns eine kleine Pause in einem der vielen Cafes in Trastevere verdient, bevor es zu den Bernini Highlights am anderen Ende der Stadt weiter geht.

Wieder über den Tiber gehen wir in Richtung Piazza del Popolo. In der Kirche Santa Maria del Popolo befindet sich die Chigi Kapelle, die spätestens seit dem Film „Illuminati“ auch Nicht-Kunstliebhabern bekannt ist. Sämtliche Skulpturen in dieser Kapelle, gleich links  neben dem Eingang, sind von Bernini. Immer noch in der Kirche verlassen wir für einen Moment Bernini und gehen schnell zu den beeindruckenden Caravaggio Fresken neben dem Hauptaltar – das ist ein Must.

Ein 15-minütiger Spaziergang durch den Park der Villa Borghese bringt uns zur Galleria Borghese. Hier befinden sich Berninis Hauptwerke. Scipione Borghese, ein Neffe (Nipote, hiervon kommt das Wort Nepotismus) des Papstes Paul V, hat sich diese Villa bauen lassen und alle Hauptwerke von Bernini dort vereint. Es ist wie ein Rausch. Ich erwähne nur die Hauptwerke wie den David mit der Schleuder (1623) « Ich werde es Euch zeigen » lässt der junge Bernini den David sagen; die Gruppe Aeneas, Anchises und Ascanius auf der Flucht aus Troja (1618) . Hier sind – auch physisch – die drei Generationen festgehalten, das pummelige Kind, der muskulöse Mann und der alte runzelige und magere Vater. Die angsteinflößende Skulptur der Raub der Proserpina (1621), zwei Büsten von Kardinal Scipione Borghese (1632). Es gibt sie zweimal, weil bei der ersten der Marmor auf der Stirn gesprungen war und der eitle Borghese Kardinal sich so nicht gefiel, also fertigte Bernini selber eine Kopie seiner Büste. Der Betrachter sieht den Unterschied nur, wenn er die Geschichte kennt. Und hier nun eines seiner Meisterwerke: Apollo und Daphne (1622). 24 Jahre war Bernini alt, als er dieses geniale Werk schuf. Er hat einen Moment aus der Metamorphose von Ovid festgehalten. Apollo entführt die schöne Daphne, die gleich ihre Mutter um Hilfe ruft, diese hat keine bessere Idee, als ihre schöne Tochter schnell in einen Baum zu verwandeln. Bernini hat die Verwandlung in Carrara Marmor eingefroren: Über zwei Meter ist die Skulpturengruppe und man kann um sie herumgehen. Freud, Leid, Schock, Falten, Haare, Blätter und Baumrinde. Im Sockel der ist folgender Spruch eingemeißelt: „Wer als Liebender den Freuden flüchtiger Form nachjagt, der füllt seine Hand mit Laub und erntet bittere Beeren“.

Lesen Sie, wie Ovid die Verwandlung beschrieb, an die sich Bernini natürlich genau gehalten hat: …… befällt schwere Taubheit die Glieder. Die weichen Brüste werden von zarter Rinde umschlossen, die Haare werden zu Laub, die Arme wachsen als Äste; schon wird der flinke Fuß von trägen Wurzeln gehalten, ein Wipfel verbirgt das Gesicht ….. Man sagt, es sei eine beste Arbeit. Aber es ist schwer, sich zu entscheiden, denn sie sind alle faszinierend und erzählen Geschichten aus der Vergangenheit. Weiter geht es bis zum letzten Saal. Hier steht Die Wahrheit ein reiferes Werk in beige-bräunlichem Marmor (1650). Als er diese « Wahrheit » meißelte, hatte er schon einiges an Schlachten hinter sich, die Päpste haben gewechselt und er musste auch Niederlagen hinnehmen, die er natürlich meisterte. Nach seinem Tod allerdings, geriet er erstmals in Vergessenheit.

Außer dem sensiblen aber nicht weniger begabten hatte er so gut wie keine Gegenspieler. Gefördert von der Gunst der Päpste erreichte er eine Macht die soweit ging, dass er sogar für einen Mord nicht zur Rechenschaft gezogen wurde; die Päpste hingegen konnten mit seinen Arbeiten die Schäden der Reformation ausbessern und der Welt das neue, glänzende und aufsteigende Rom präsentieren.  Eine win-win-situation!

Berninis Grab hingegen, das in der Kirche Santa Maria Maggiore steht, ist eher schlicht und passt gar nicht zu seiner pompösen Barockkunst und seiner Megalomanie.

Christa Blenk

 

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