Mario Sironi

sironi1Mario Sironi (1885-1961) im Complesso del Vittoriano

Seit dem 4. Oktober ist im Complesso del Vittoriano eine sehr komplexe und vielseitige Ausstellung des italienischen Künstlers Mario Sironi zu sehen.

Als Sohn eines Ingenieurs wurde Mario Sironi 1885 in Sardinien geboren. Sein Großvater mütterlicherseits war der Architekt Ignazio Villa. Monet arbeitete gerade an seiner Kathedralen-Serie, Picasso war vier Jahre als und Giorgio de Chirico wird zwei Jahre später geboren werden. Die Fotografie hatte sich schon einen Platz im täglichen Leben gesichert und Maschinen begleiteten die Industrialisierung. Politische Unruhen, der erste Weltkrieg und der Faschismus sollten Sironi künstlerisch wie menschlich prägen und ihn begleiten. Später wird er auf der falschen Seite stehen, aber gerade deshalb viele große Aufträge erhalten, die zum Teil jetzt noch in Rom zu sehen sind.

Der Maler aus Sardinien kam um die Jahrhundertwende nach Rom, um von 1896-1902 ein Ingenieurstudium zu machen. Depressionen hinderten ihn daran, als solcher tätig zu sein. Er fühlte sich als Künstler, Farben und Formen bewegten ihn. So schrieb er sich denn gleich nach Ende seines Studiums in einer privaten Kunstschule ein. 1908 reiste er mit Boccioni nach Frankreich und Deutschland und entdeckte den Kubismus und die Abstraktion. 1913 unternahm er eine weitere Studienreise nach Paris und – wieder zurück in Rom – schloss er sich der Futuristenbewegung an, die u.a. von Boccioni, Severini und Marinetti gegründet wurde, mit der er 1916 zum ersten Mal  in Rom ausstellte. Im selben Jahr veröffentliche Sironi Kriegszeichnungen in der Zeitschrift Avvenimenti die entstanden, nachdem er sich freiwillig zum Militär gemeldet hatte und dort als Fahrer eingesetzt wurde. Aus dieser Zeit stammt  „Die Lampe“, ein kleines Ölbild auf dem eine androgyne Person mit Stöckelschuhen und ohne Gesicht eine Lampe anschaltet oder diverse „no future“ Fabrikgelände und architektonische Kompositionen, die eine ähnliche Einsamkeit ausstrahlen wie es später die Hopper Bilder tun. Nachhaltig beeinflusst von seiner Chauffeur-Zeit im Krieg, sind in seinen Bildern aus dieser Zeit Autos oder Fahrzeuge fast so häufig wie Personen zu entdecken. Nach Kriegsende arbeitete er weiter ander pittura metafisica und seine Werke ähnelnd denen von Giorgio  de Chirico. Jener, obwohl jünger, war ihm einen Schritt voraus. De Chirico lebte installierte sich  1911 im Kunst-Trubel von Paris und stand mit allen Großen der Zeit in Kontakt.

Sironi war einer der außergewöhnlichsten Maler im Italien der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hin- und Hergerissen zwischen den verschiedenen Stilen und der Politik machte er viele Konzessionen an die Kunst.

Nach dem Krieg zog Sironi nach Mailand und gründete mit den Künstlern Funi, Oppi, Malerba  und anderen die Bewegung „Novecento Italiano“. 1922 stellten sie zum ersten Mal in Mailand aus. Diese Retro-Gruppe wollte sich vor allem von der Moderne distanzieren. Die Rückkehr zur Ordnung suchten sie und als Thema diente wieder mal die Renaissance, ähnlich erging es ca 100 Jahre vorher den Nazarenern! Die Geliebte von Mussolini, die Schriftstellerin Margherita Sarfatti, war sehr aktiv, man kann fast sagen, dass sie diese Bewegung koordinierte und sie „verkaufte“. 1924 wurden Werke der Bewegung Novecento – darunter eines der Meisterwerke von Sironi, „Der Architekt“ auf der Biennale von Venedig ausgestellt.  Unterstützt und gefördert durch Mussolini erlangte diese Bewegung auch im Ausland ziemlichen Ruhm.

Schon in den 30er und 40er Jahren bekam er immer wieder Aufträge vom Autohersteller Fiat für Werbeplakate und Werkdesign, die sehr an die russischen Konstruktivisten erinnern. Fiat blieb ihm immer treu und erteilte ihm auch in den 40er und 50er Jahre Aufträge.

Nicht nur sein Talent sondern auch seine Nähe zum faschistischen Regime privilegierten ihn und Sironi war eine Zeit lang der einzige und gefragteste « Hofmaler ». Es regnete nur so an Aufträgen für Wandmalereien, Reliefs, Mosaiken etc. ein. Und obwohl sie ihm nach dem Krieg jede Menge Kritik einbrachten und er zeitweise auf Eis gelegt wurde, sind sie alle noch in Rom zu sehen. In den 50er Jahren durfte er dann trotzdem zweimal bei der Documenta mitmachen.

Ein Film über sein Leben und seine wichtigsten Werke bereitet auf die über 90 Bilder, Entwürfe, Zeitschriften von der Anfangszeit bis zu seinem Tode vor. Picasso soll über ihn gesagt haben „Ihr habt hier einen großen Künstler, vielleicht sogar den größten zur Zeit und seid Euch dessen nicht bewusst.!“

sironi4Die Ausstellung zieht wie ein Film an uns vorüber und erzählt vom symbolistischen Anfang und vom Landschaftsmaler Siorni, wie er zum Futurismus kommt und nach ein paar Jahren zwei Schritte zurück geht und Mitbegründer der Bewegung Novecento Italiano wird. Seine Wandmalereien und monumentalen Figuren und Bauern- oder Familiengruppen erinnern dann wieder an den sozialistischen Realismus, während die Designer-Arbeit u.a. für Fiat an die Konstruktivisten denken lässt. Am bekanntesten sind natürlich seine riesigen Wandmalereien wie „Il Lavoratore oder, l’Impero“ aus 1936, die viele öffentliche Gebäude aus den 30er Jahren in Rom zieren und seine Bewunderung für Raffael oder Michelangelo preisgeben. Sironis letzte expressionistische Bilder, weisen auf seinen Tod hin (Apocalypse) oder sprechen von Bedauern.

Ein Großteil der Exponate stammt aus der Privatsammlung Sironis Schwester Cristina, aus der Galleria Breda in Mailand, aus der GNAM in Rom oder dem MART Museum aus Trento und Rovereto.

2012 hat eine Ausstellungsreihe im Complesso del Vittoriano über Künstler des 20. Jahrhunderts mit Renato Guttuso begonnen, wurde mit den Kubisten und einer Ausstellung über Cezanne und die Italiener fortgesetzt und wird mit einer Ausstellung über Morandi im nächsten Jahr zu Ende gehen.

Die von Elena Pontiggia in Zusammenarbeit mit den Sironi Archiven in Rom kuratierte Ausstellung ist noch bis zum 8. Februar 2015 zu sehen.

sironiAula Magna della Sapienza – Mario Sironi

Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival 2014 : Cabaret Songs – Benjamin Britten

San Lorenzo

Cabaret Songs – Benjamin Britten

Wysten H. Auden und Benjamin Britten haben sich 1935 während der Dreharbeiten einer Dokumentarfilmreihe kennen gelernt; dies war der Beginn einer wunderbaren und fruchtbaren Zusammenarbeit und Freundschaft. Werke wie der Orchesterliederzyklus „Our Hunting Fathers“ oder „On this Island“ entstanden in dieser Zeit. Ihre persönliche Beziehung glich mehr einer Achterbahnfahrt. Der schüchterne und junge Britten bewunderte den Intellektuellen und freien Auden, fühlte sich aber auch verunsichert oder überfordert dadurch. 1937 ereigneten sich zwei fundamentale Begebenheiten in seinem Leben: Brittens Mutter, an der er sehr hing, verstarb und er lernte den Sänger Peter Pears kennen. Es wird manchmal behauptet, dass Letzterer eine Art Mutterstelle bei ihm einnahm – jedenfalls soll er eine ähnliche Stimme gehabt haben. Wie auch immer: die beiden blieben bis zu Britten Tod 1976 zusammen. Auden starb 3 Jahre vorher.

Im Rahmen des Romaeuropa-Festivals wurden gestern Abend im Teatro Eliseo – zum ersten Mal in Rom – Brittens Cabaret Songs, die er zwischen 1937-1939 komponierte, aufgeführt. (Veröffentlicht wurden diese Kompositionen übrigens zum ersten mal 1980.) Britten zeigt sich hier unbeschwert und fliegend-amüsant, geht aber auch auf die persönliche Beziehung mit Auden ein, die gerade dabei war zu Ende zu gehen, z.B. mit Give up love:

Für das Aldeburgh Festival und aus Anlass von Brittens 100. Geburtstag 2013 hat der irische zeitgenössische Komponist Conor Mitchell das Repertoire um acht Songs erweitert und die zum Teil verloren gegangene Musik von Britten ergänzt. Die Texte stammen auch wieder von Wyston Auden oder vertonen die Lyrik von Mark Ravenhill.

Die charismatische Pop-Ikone, Bandleader und Gitarrist der britischen Pop-Gruppe „The Irrepressibles“ Jamie McDermott ist gestern über die Bühne gewirbelt. McDermott hat jetzt nicht unbedingt eine Jazzstimme und dies war auch sein erster Auftritt als Jazzsänger, erzählt er uns kurz. Aber mit seinem Charme, seiner alles könnenden Stimme, sehr textverständlich und mit viel britischem Witz hat er uns dann doch in seinem Bann gezogen.

Den ersten Teil widmet er Auden-Britten bzw. Mitchell-Ravenhill und tänzelt im „Falling out of love“ und „Tell me the truth about love“ trällernd im weißen Dandy-Anzug und mit schwarz-weißen Lackschuhen durch das Publikum auf die Bühne. Homosexualität, sagt er, ist ein Problem, wenn der Angebetete es nicht ist. Bei „mad about a boy“ geht das Pathos ein wenig mit ihm durch, er fängt sich aber gleich wieder. Zwischendurch erzählt er die Geschichte der Homosexualität in Europa und während der Nazi-Zeit, als die Freiheit der gay community der roaring twenties in Berlin dramatisch verloren ging. Dann überlässt er die Bühne dem Pianisten Stephen Higgens, der die Zeit nutzte und „Lets fall in love“ (kurzerhand in einer italienischen Version was zu Begeisterungsausbrüchen des römischen Publikums führte) präsentiert, bis dann McDermott als pseudo- Frank Sinatra wieder auf die Bühne rennt und mit Cole Porter Songs oder Evergreens von Richard Rodgers, Kurt Weil oder Bart Howard in allen Tonlagen wie „I’ve got you under my skin“, „Muy funny Valentine“, „Moon of Alabama“ und „Fly me to the moon“ weiterjazzt. McDermotts Auftritt führt uns vor, wie sich Auden und Britten bei der Ausarbeitung dieser Cabaret Songs amüsiert haben müssen.

Rome is beautiful, sagt er, but so hot! er bittet, doch die Klimaanlage anzuschalten, schnappt sich eine Falsche Wasser, die er ohne abzusetzen austrinkt und legt eine Superperformance von „It’s too damn (darn) hot“ hin, die glatt an Ella erinnert. So wie er herumturnt verstehen wir, warum er über die Hitze stöhnt!

Den „Funeral Blues“ vermasselt er allerdings – vielleicht bewusst!

Nach fast 80 Minuten ohne Pause schenkt er uns zwei Zugaben, darunter nochmals „Johnny“. Nun lässt ihn allerdings seine „souffleuse“ im Stich und er sucht seinen Text, fängt das aber genial und professionell auf, in dem er mit dem angefangenen „My“ einfach mit „My funny Valentine“ weitermacht und sich selber als „gatecrasher“ bezeichnet.

Benjamin Britten hat diese witzig-ironischen und dann wieder verzweifelten Cabaret Songs, die in seinem wichtigen Gesamtwerk oft unter gehen, für die Sängerin Hedli Anderson zu Texten von Auden geschrieben, der hierin seine Erlebnisse aus dem Berliner Kabarett-Nachtleben mit Chester Callmann Ende der 20er /Anfang der 30er Jahre aufarbeitete. Sie sind so gar nicht britisch und weder sperrig noch erhaben, was man sonst seiner Musik oft (fälschlicherweise) nachsagt.

Orpheus Britannicus wird Britten genannt und nimmt seinen Platz gleich in Purcell ein. Brittens Opern wie Peter Grimes und seine Musik ab den 40er Jahren – nach seiner Rückkehr aus den Staaten, wo der Pazifist Britten von 1939-1942 gelebt hat – haben das Vereinigte Königreich wieder in die erste Liga der klassischen Musik geholt. Obwohl Britten von der Avantgarde nicht ernst genommen und vom Publikum zum Teil nicht verstanden wurde.

Wir haben uns zwar den Britten-Liederabend etwas anders vorgestellt, aber uns prächtig amüsiert.

jamieMcdermottinRom

Christa Blenk

 

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Rom und die Unterwelt

In der Villa Medici wird seit vorgestern die Ausstellung « La Roma dei Bassifondi » gezeigt. Ca. 50 Exponate, die die Zustände und Verhältnisse im barocken Rom beschreiben sollen. Heimliche Liebschaften, Betrügereien beim Kartenspiel, Spiel, Trunk und Freud in finsteren Kneipen. Die Thematik ist interessant, die Qualität der Bilder nicht so sehr. Die meisten Werke sind im Manierismus entstanden und versuchen sich im chiaro-scuro von Caravaggio – bestens geeignet, um das Finstere und das Verbotete zu zeigen: ob mit camera obscura, Spiegeln oder natürlichem Licht. Die Werke von Simon Vouet, Giovanni Lanfranco und Giuseppe Ribeira stechen hervor sowie eine Reihe von interessanten flämischen Zeichnungen aus der Schule von Rembrandt und Pieter van Laar.

In Rom, wo es an jeder Ecke ein Museum mit Gemälden aus eben dieser Zeit gibt – mit wahren Meisterwerken, geht diese doch flache Zusammenstellung ein wenig unter. Aber sehen Sie selber.

Nach Rom soll die Ausstellung, die von Francesca Cappelletti und Annick Lemoine kuratiert wurde,  ins Petit Palais nach Paris.

Sie ist noch bis 18. Januar 2015 zu sehen.

Villa Medici Garten Villa Medici in Rom

cb

 

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M.C. Escher im Chiostro del Bramante

escher plakat Ausstellungsplakat
 
Bericht über die Ausstellung auf KULTURA EXTRA
 
Zwischen Geometrie, op-Art  und Surrealismus – M.C. Escher (1898 – 1972) -
 
 
P1180729P1180722P1180768 
Optische Täuschung, Spiegelkabinett, geometrische Ornamente

 

Appia Antica 043 Spiegelung in einem Überwachungsspiegel auf der Appia Antica

Fotos: Christa Blenk

Zwischen Geometrie, Op-Art, Spiegelkabinetten  und Surrealismus

Die Escher Sammlung MiCROTEC in Rom

« Are you really sure that a floor can’t be a ceiling? » (Sind sie wirklich sicher, dass ein Fußboden nicht auch Zimmerdecke sein kann? (Escher)

Optische Täuschungen,  umgedrehte Logik, peinlich-präzise mathematische oder geometrische Problemstellungen,  un-mögliche paradoxale Perspektiven, traum- oder alptraumähnliche  Landschaften oder Städtebilder,  floreale  Formen und Ornamente: das sind die Arbeiten,  Lithografien oder  Holzschnitte von M.C. Escher.

Ein Besuch dieser Ausstellung führt durch das Kino von Luis Bunuel, durch einen Kafka-Traum oder durch das deutsche expressionistische Kino, erinnert an die Kleinsche Flasche und an die Möbius-Schleife. Die Wachowskis haben sich für den Film Matrix von diesem Meister der Illusion Einfälle und Ideen ausgeliehen und die Popkultur hat ihn zum Idol erklärt. Ich nehme keine Drogen, sagte er einmal, meine Träume sind schon angsteinflößend genug. Geometrische und floreale Elemente finden bei ihm Einzug in den Surrealismus.  Escher hat sich der Natur anders genähert und viel mehr als alle anderen gesehen. Er hat hinter die Natur geblickt und Formen wahrgenommen oder interpretiert, die uns  irgendwie beunruhigen oder seltsam berühren.  Wir folgen ihm, wie er fasziniert von der fließenden Bewegung, dem perpetuum mobile und einer schwarz-weiß Schlichtheit dann plötzlich wieder an japanische Ästhetik oder Hokusei erinnert. Mit dieser orientalischen Kultur kam er über seinen Vater in Berührung. Seiner Liebe zur italienischen Landschaft hat er aber am meisten gefrönt.

Die Ausstellung  im verwinkelten Renaissance-Kreuzgang Chiostro del Bramante zeigt an die 150 Exponate dieses holländischen Grafikers und Holzstichkünstlers, die zum Großteil aus der Sammlung Giudiceandrea stammen. Darunter befinden sich  Hauptwerke  wie „Hand mit spiegelnder Glaskugel“. Dieses „selfie“ von ihm ist auch das Ausstellungsplakat.  Belvedere,  ein Renaissance-Pavillon der befremdet, da die Treppe im Inneren außen angelehnt scheint.  „Tag und Nacht ist eine negativ-Lithografie von schwarzen und weißen Vögel, die in die jeweils gegensätzliche Richtung fliegen. Auch zu sehen ist das Werk Relativität (1953), eine unendliche Penrose-Treppe: hier bewegt sich auf jeder Seite jemand auf der Stiege, die Stufen allerdings sind seitenverkehrt. Unmöglich für den Betrachter festzustellen, wo unten und oben ist.  Fliegende Fische, Küstenstädte und ein irrealer Petersdom etc.

Ein Großteil der Werke ist während seines Italien-Aufenthaltes entstanden. Er liebte diese Landschaft und hat sie mit seiner Blickweise, seinem  Ideenreichtum, seiner Logik oder Folgerichtigkeit interpretiert. Auch zu sehen ist eine Reproduktion des Transfomationsdruckes Metamorphosis.  Hier entwickelt sich das Wort Metamorphosis vom Rechteck zum Hexagon bis dieses irgendwann zu einer Vogelschar mutiert, die auf dem Weg zum Schachbrett noch Fische und Häuser darstellt (das ist die einfache Version). Das Original ist 58 Meter lang und Escher hat es für die Hauptpost in Den Haag gefertigt. Heute hängt es im Flughafen Schiphol. Zwischendurch darf das Publikum immer wieder mit schwarzen und weißen Streifen oder Quadraten optische Täuschungen enträtseln oder damit spielen (ich bin daran immer gescheitert)! oder wird aufgefordert, sich selber in einem runden Verkehrsüberwachungsspiegel, vor einer perspektivischen Täuschung oder im unendlichen  Spiegelkabinett zu fotografieren.

Der Sohn eines Wasserbauingenieurs Maurits Cornelis Escher (1898-1972) war ein schlechter Schüler und Mathematik lag ihm am allerwenigsten. Außerdem  ist zweimal sitzen geblieben und hat ein Architekturstudium nach einer Woche abgebrochen. Sein portugiesisch-stämmiger Lehrer Samuel Jessurun de Mesquita merkte jedoch bald, dass in ihm ein besonderes grafisches Talent und hohe Intelligenz steckte. Mit seiner Ausbildung, den seinen Landsmännern Bosch und Brueghel im Gepäck bereiste er auf dem Esel in den 20er Jahren Spanien und Italien,  heiratete eine Schweizerin und ließ sich in der Nähe von Rom nieder, wo er von 1922 – 1936 lebte und arbeitete. Italienische Landschaften und arabische Ornamente, die ihn in der Alhambra in Granada faszinierten und beschäftigten, prägten ihn besonders. Aus politischen Gründen ging er 1936 in die Schweiz, später nach Brüssel und zurück in die Niederlande. Schon bald erlangte er ziemlichen Ruhm und es interessierten sich sogar Mathematiker (und Esoteriker) für ihn. Escher der Grafiker, Zeichner und Buchillustrator schuf außerdem originelle Wandteppiche. In Nordeuropa ist er spätestens seit Hofstadter Buch GEB (Gödel, Escher und Bach) bekannt.

Kuratiert hat die Ausstellung Marco Bussagli in Zusammenarbeit mit  DART und Arthemisia Group sowie der Stiftung Escher. Die Leihgaben kommen fast ausschließlich aus der Sammlung Federico Giudiceandrea. Die Sammlung MiCROTEC gehört dem Südtiroler Geschäftsmann Federico Giudiceandera und befindet sich in Brixen. Sie ist übrigens die größte Escher-Sammlung weltweit.

Die einmalige Ausstellung dieses unabhängigen und unklassifizierbaren Grafikers und Künstlers ist noch bis zum 21. Februar 2015 im Chiostro del Bramante in Rom zu sehen.

Christa Blenk

 

 

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Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff

Ausstellungsplakat Architekt, Sammler und Zeichner

 

Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff in der Casa di Goethe

Auf dem Corso sind zur Zeit Zeichnungen aus der Sammlung von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736-1800) zu sehen. Dreimal insgesamt ist Erdmannsdorf in Rom gewesen und aus dieser Zeit stammen auch die meisten der ausgestellten Exponate. Einige Arbeiten sind von ihm selber, den Großteil allerdings hat er während seiner Aufenthalte erworben. Nach knapp 250 Jahren kehrten somit einige von den Zeichnungen oder Radierungen – für kurze Zeit -  wieder nach Rom zurück.

barocciP1180657Bei diesen Kostbarkeiten handelt es sich um Römische Veduten, Architekturprojekte, Hand- und Körperstudien, klassische Zeichnungen u.a. von Charles-Louis Clérisseau (1721-1820), Vincenzo Brenna (1741-1806?), Giuseppe Manocchi (1731-1782). Auch ausgestellt sind die zehn Handstudien von Federico Barocci (1535-1612), die Erdmannsdorff vom Bildhauer Cavaceppi kaufte, bei dem er ebenfalls Unterricht nahm.  Fundamental diese Aufenthalte in Rom für ihn und ausschlaggebend für seine Entscheidung, Architekt zu werden. Als solchen oder als Gartenanlagenkünstler hat von Erdmannsdorff seinen Platz in der Kunst/Architekturgeschichte; seine Zeichnungensammlung wird allerdings selten erwähnt.

Mit knapp 30 Jahren machte sich der Freiherr von Erdmannsdorff mit 11 Freunden in zwei Kutschen auf zu der standesgemäßen Bildungsreise. Die „ Grand Tour“ führte die Partie durch Deutschland dann weiter nach Österreich, Italien, Frankreich, England und Schottland mit dem Ziel, nicht nur die letzten Benimmregeln und Fechttechniken zu erlernen! Mit ihm reiste seine besondere Vorliebe für die stark von Palladio beeinflusste englische klassizistische Architektur, die ganz wild darauf war, von Rom beeinflusst zu werden. Eines seiner Vorbilder war der Schotte Adam. In den Monaten, die er in Rom und Umgebung verbrachte, suchte er den Kontakt zum einflussreichen Winckelmann  „Ich bin von Dessau, lieber Winckelmann und habe Ihres Beystands nöthig. » , traf den Baumeister und Kupferstecher Piranesi und lernte den Maler Hackert kennen, Zeichenunterricht erteilte ihm der französische Architekt und Maler Charles-Louis Clérisseau.

Erdmannsdorff zählt heute zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Frühklassizismus, kannte absolut keine Berührungsängste und saugte auf. Er lernte und notierte, exemplarisch wie Humboldt, Alles über Kunst, Politik, Philosophie und Naturwissenschaften, aber genauso faszinierten ihn politische und militärische Themen oder die Topografie einer Stadt. In Neapel traf er mit dem englischen Gesandten Hamilton zusammen, um sich über seine neuesten vulkanologischen Untersuchungen auf dem Laufenden zu halten. Winckelmann und seine römische Entourage verehrte die Antike und die hier ausgestellten Zeichnungen bestätigen und manifertieren den Wunsch, sie in der Moderne einzufangen oder wieder aufleben zu lassen. In der Ausstellung sind aber nicht nur Zeichnungen aus der Rom-Zeit, mir ist auch eine sehr schöne Zeichnung von Pietro da Cortona aufgefallen.

Vollgepackt mit Gelerntem, Ideen und Eindrücken kehrte von Erdmannsdorff nach Hause zurück wo er sich schnell zum Gründer der neoklassizistischen Architektur in Deutschland entwickelte. Sein wichtigstes Bauwerk  im sog. Anglo-Palladianismus, das Schloss Dessau-Wörlitz, entstand um 1770 und besticht mit klassischen Zitaten und englischer Gartenarchitektur und ist seit ein paar Jahren zum UNESCO Welterbestätte erklärt worden.

Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff ist 1736 als Sohn eines kursächsischen Beamten geboren worden. In Dresden besuchte er die sog. Ritterakademie und ging 1757 als Student nach Wittenberg wo er Franz von Anhalt-Dessau kennen lernte.

Er wurde Mitglied im Bund der Freimaurer und ist schon 1759 in die Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen in Leipzig aufgenommen worden.

Seine Architekturprojekte waren begleitet und hinterlegt von Essays und Schriften über Kunst und Architektur. Die Landschaft wollte er verschönern oder dem damaligen Schönheitsideal näher bringen aber seine Gärten sollten auch – ganz im Geiste der Aufklärungsimpulse – für alle zugänglich sein. „Jeglichen Beifall errang, wer Nützliches mischt mit dem Schönen“, schrieb der römische Dichter Horaz  - und das war ihm wichtig.

Nach dem Tod Friedrich des Großen 1786 holte ihn Friedrich Wilhelm II umgehend nach Preußen, wo er sich allerdings nicht sehr wohl fühlte. Zu kalt, zu oberflächlich, zu falsch fand er das Leben dort. Als Ehrenmitglied der Königlichen Akademie der Künste und mechanischen Wissenschaften gestaltete er die Gemächer des verstorbenen Königs im Sanssouci Schloss ganz im Stil der Klassik. 1790 kehrte er nach Italien zurück und lernte dieses Mal auch Angelika Kauffmann kennen sowie den Bildhauer Canova. Wieder zurück übernahm er die Leitung der Chalkografischen Gesellschaft in Dessau, wo er 1800 auch starb.

Kuratiert wurde diese Ausstellung von Karen Buttler. Sie ist noch bis 16. November in den schönen und andächtigen Räumen der Casa Goethe zu sehen. Anschließend wandert sie weiter in die Bauhaus-Stadt Dessau und wird dort in der Anhaltischen Gemäldegalerie zu sehen sein.

Christa Blenk

P1180666 Casa di Goethe – von diesem Fenster aus sah Goethe auf den Corso; Tischbein hat ihn so auch einmal gezeichnet;  daneben ein Werk von Via Lewandowski aus der vorherigen Ausstellung.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival 2014: Letizia Renzini

Loggia Loggia und Aufführungsort (teilweise) – Villa Medici Rom

 

Il ballo delle Ingrate oder Der Tanz der spröden Damen    – für KULTURA EXTRA

Mit einer Barock-Theater-Video-Oper-Skype-Show eröffnete Letizia Renzini das diesjährige Festival Romaeuropa.

Gebrauchsanleitung-balloingrate 
Gebrauchsanleitung und Programm des Abends

Il Ballo delle Ingrate (Der Tanz der spröden Damen) ist eine Oper von Claudio Monteverdi, die Claudio il Divino 1608 anlässlich der Hochzeit von Francesco Gonzaga, dem Sohn seines Auftraggebers in Mantua komponierte. Letizia Renzini und ihre Truppe inszenierten diese Barockoper auf eine sehr eigenwillige Weise und brachten viel Bewegung in den Ablauf: im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der von den Künstlern eigens angefertigten Skizze, die wir anstatt eines Programms ausgehändigt bekamen, waren u.a. die Aktionspunkte vermerkt.

Wir mussten alle unten an der schönen Treppe warten, bis uns eine antik-gekleidete Dame nach oben zur Loggia brachte. Dort wurden wir  mit Schellen, Pauken und Trompeten (und Ohrschutz für die Ausruferinnen) empfangen, die vielleicht die Hochzeit angekündigten; oder war es die Aufforderung von Pluto, der an der Decke hing und grölte, an die schon verblichenen und spröden, in seine Unterwelt verbannten Damen, sich doch nochmal schnell nach oben zu wagen, um sich nach einem Mann umzusehen? Eine Stimme gab zwischendurch gute Ratschläge, wie man es als Frau nicht machen soll, wenn man einen Mann haben und auf der Erde bleiben möchte. Sitzplätze gab es keine. Kurz darauf wurden wir in den Hauptsaal geleitet und durften uns um das Geschehen platzieren. Hier lagen ca. 50 Kissen verstreut am Boden, aber es wahrend sicher doppelt so viele Zuschauer.

Jetzt verstanden wir auch, warum die Cafeteria geschlossen war. Ganz à la Giorgio Battistelli, wurde direkt neben uns massenhaft,  sehr laut und leidenschaftlich Geschirr zerschmettert.  Das war natürlich das notwendige Klappern zu Ehren der Storchengöttin für Liebe und Kindersegen zu sorgen,  hatte aber auch etwas von  einem Polterabend (dieser ist sicher auch aus diesem Grunde entstanden!). Wir waren, stehend, sehr glücklich positioniert  und konnten mit dem rechten Auge im Nebenraum live die Geschirr-werfenden Damen erleben und mit dem Linken das auf eine transparente Leinwand projizierte Video verfolgen. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, spielten hinter der Leinwand zwei Musiker auf alten Instrumenten Monteverdis zauberhafte Musik bis schließlich Venus erschien Venus und zu singen anfing. Herzzerreißend ihre Arie, während sie wie bei einem gigantischen Tetris-Spiel ganz langsam eingemauert wurde, was das Publikum wieder über eine große Leinwand mit verfolgen konnte.  Diese Szene war umwerfend und wir vergaßen, dass wir stehen mussten und es ziemlich stickig im Raum war. Plötzlich sagte eine Stimme auf Französisch, dass das 19. Jahrhundert vorbei wäre  und wir hörten den Skype-Ton, der das Singen über den PC einleitete. Die Musiker wechselten in unsere Richtung und es wurde zeitgenössischer. Venus, die ebenfalls hinter uns auf  eine Leiter stieg, bleib bei ihren Monteverdi-Lamenti, und gab ihre Ratschläge nun von oben herab. Drei weißgekleidete junge Frauen zogen zeitgleich unsere Aufmerksamkeit auf sich, als sie hinter dem transparenten Vorhang zu tanzen anfingen:  eine von ihnen ist kurz vorher tanzend aus dem Kamin gestiegen. Die eingemauerte Sängerin auf der Leinwand wurde in der Folge von Buchstabenreihen abgelöst, die sich zu Sätzen wie „Cupid is no longer blind, non longer young…“ formten.

Nach diesem information overflow  durften wir wieder an die frische Luft auf die Loggia, auf der uns schon Amor erwartete, der mühsam zuerst sich und dann seinen Bogen hochzuheben versuchte. Dark Vader Schwerte leuchteten ihm dabei. Wie vorherzusehen, gelang es ihm aber nicht, also legte er hoffnungslos den Bogen wieder auf die Erde und verschwand traurig und niedergeschlagen im Garten.

Rasender, verdienter Applaus. Einfallsreich, witzig und originell.

Die Idee dazu war von Letizia Renzini. Sabina Meyer übernahm die musikalische Leitung und auch die Sopranrolle. Die Choreografie hat Marina Giovannini entwickelt, die Kamintänzerin.  Valentina  Nicolai spielte die Viola da Gamba und Andreas Arendt die Theorbe. Die zwei anderen Tänzerinnen waren Vanessa Geniali und Lisa Pazzagli.

Es wurde leider nur dreimal (zweimal am Donnerstag und einmal am Freitag) aufgeführt, sonst würden wir heute Abend nochmals hingehen.

Christa Blenk

 

P1180633 Während vor der Villa Medici gigantisch die Sonne unterging, fand innen ein gigantisches Spektakel statt

 

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August Sander und Helmar Lerski in der Villa Massimo

August Sander und Helmar Lerski in Rom

AugustSander_HelmarLerski(c)VillaMassimo_FotoAlbertoNovelli (3) 
Copyright ©VillaMassimo/FotoAlberto Novelli

 

« Seit ich vor zwölf Jahren die Leitung der Villa Massimo in Rom übernommen habe, geistert der Wunsch, August Sander hierher zu holen, durch meinen Kopf ». Mit diesen Worten begrüsste der Leiter der Villa Massimo, Joachim Blüher, seine Gäste am Eröffnungsabend der Ausstellung. Sander kommt aus Köln, wie er selber auch, worauf er sehr stolz sei, führte er fort.  Nun ist es soweit. Zusammen mit der Kuratorin Ute Eskildsen hat die Villa Massimo diese Ausstellung auf die Beine gestellt. August Sander mit Helmar Lerski zusammen zu bringen, ist eine geniale Idee, denn unterschiedlicher könnte man die Zeit zwischen den Kriegen nicht darstellen.

 

AugustSander_HelmarLerski(c)VillaMassimo_FotoAlbertoNovelli (2)
Copyright ©VillaMassimo/FotoAlberto Novelli

 

Dadurch, dass ich sowohl die einzelnen Schichten wie auch deren Umgebung durch absolute Photographien festlegte, hoffe ich eine wahre Psychologie unserer Zeit und unseres Volkes zu geben, schrieb Sander 1925 in einem  Brief an einen Verleger um sein Projekt bestehend aus 45 Mappen zu je 12 Fotografien: Menschen des 20. Jahrhunderts vorzustellen (Quelle Ausstellungskatalog).

Sander schuf mit dieser Bestandsaufnahme der damals existierenden Berufsstände ein Portrait der Gesellschaft das – zusammen mit der Philosophie der Neuen Sachlichkeit – die Sicht auf die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts definitiv und langfristig prägte!

 

Installazione_AugustSander_HelmarLerski'14(c)VillaMassimo_FotoAlbertoNovel (5)
Copyright ©VillaMassimo/FotoAlberto Novelli

 

Lerski näherte sich auf eine ganz persönliche und manieristische Weise den Menschen bzw. deren Gesichtern. Seine Fotografien stehen ganz im Zeichen des Expressionismus  und von Stumm- oder Tonfilmproduktionen wie  Das Kabinett der Dr. Caligari, der Golem, oder  Nosferatu. Seine  Nahaufnahmen sind beunruhigend und nicht bequem. In drei Räumen sind die Fotos ausgestellt und die Kuratorin hat Lerski in die Mitte genommen. So fällt man von Sanders harter und einfacher aber klar-geregelter Welt in die expressionistische Ungewissheit von Lerski, um dann wieder im dritten Saal zur Ruhe zu kommen.

Sanders Modelle kannten ihren Platz in der Gesellschaft und wussten wo sie hingehörten.  Da ist  der stolze rundliche Bäckermeister, die Dorfmusiker, die Burschen auf dem Weg zum Tanz mit einem hoffnungsvollen Blick vielleicht die Richtige zu finden, die  rauchenden Vamp-Ehefrau vom Maler Peter Abelen (diese provozierende Frau hat Sander 1928 fotografiert), dann der Bauer Schu aus Neitersen, die Bäuerin Frau Enders, und  ein frühes Foto aus 1912, das eine Serviererin mit kniefreiem Rock zeigt. Aber es gibt auch den eleganten  Bankdirektor mit sauberen Händen und übergeschlagenen Beinen im bequemen Sessel oder eine knallharte Maklerin mit langem Mantel sowie die Stenotypistin hinter ihrem Schreibtisch.  Herrliche Zeitdokumente und geniale Momente, die man lange betrachten kann, bis man zu jedem Klischee die richtige Geschichte gefunden hat. In Sanders Foto-Serie sind die  Dramen des Ersten Weltkrieges ausgeklammert. So als ob die Zeit für immer stehen geblieben wäre.

In den aufgewühlten und bewegten Jahren zwischen den beiden Kriegen wirkten seine Fotos allerdings anachronistisch und altmodisch. Die Welt des Kubismus, Dada und des Expressionismus verlangte auch eine neue Foto-Ästhetik, der Lerski sehr viel näher kam. Nichtsdestoweniger landete Sander in den 40er Jahren in der entarteten Künstlerecke.

Helmar Lerskis Arbeiten wurden noch nie in Italien gezeigt und kommen auch sonst wenig an die Öffentlichkeit, informierte uns die Kuratorin. Gezeigt werden an die 20 Fotografien aus einer Reihe, die Lerski 1936 in Tel Avis von dem  Bauzeichner Leo Uschatz gemacht hat.  « Verwandlungen durch das Licht » heißt die Serie, die 175 Fotografien umfasst. Lerski ließ an unterschiedlichen Stellen auf dem Dach Spiegel anbringen. Der Effekt des sich darin brechenden und verrückt spielenden Sonnenlichtes veränderte permanent die Mimik und den Charakter des Modells.  Sander hingegen machte seine Aufnahmen bei normalem Licht und ohne „Tricks“, obwohl er später auch viel im Atelier arbeitete. Die Fotos von Lerski wirken deshalb vielleicht künstlerischer und der Zeit angepasster und erinnern teilweise sogar an Bronzeskulpturen. Lerski war fasziniert von der möglichen Metamorphose der Personen; Sander Fotografien hingegen erzählten  das aktuelle Leben ohne Schnörkel oder prätentiösen Barock.   Ob Lerski  auf der Suche nach einem neuen Schönheitsideal war oder das Hässliche hervorheben wollte, bleibt dem Betrachter überlassen. Hier spielte natürlich  das Jahr 1936, das Jahr der Olympiade in Berlin mit seiner besonderen – politischen – Ästhetik eine Rolle.

Lerski (1871-1956) - das ist nicht sein richtiger Name - wurde als Sohn eines polnisch-jüdischen  Auswandererehepaars 1781 in Straßburg geboren.  Als Schweizer Staatsbürger ging er  1893 in die USA und trat als Helmar Lerski verschiedenen Schauspielbühnen bei, bis er sich 1910 sein erstes Fotoatelier in Milwaukee einrichtete und relativ schnell viel Erfolg als Porträtfotograf hatte. Die letzten Jahre vor seiner Rückkehr 1915 nach Deutschland, hatte er eine Anstellung als Gastdozent in Austin/Texas. In Berlin  versuchte er sich als  Kameramann und kam mit  Fritz Lang in Berührung. Das sieht man: seine Fotos ähneln Filmauszügen. Als 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, ging er endgültig nach Tel Aviv. Erst 1948 kehrte er wieder nach Zurück zurück wo er 1956 verstarb.

Der Sohn eines  Bergbauzimmermanns August Sander (1876-1964) ging als junger Soldat nach Trier, landete bei einem Fotografen und machte sich  um die Jahrhundertwende auf zu einer zweijähren Lehrwanderschaft, die ihn u.a. auch nach Berlin und Dresden brachte. 1904 eröffnete er ein Atelier in Linz, ging aber 1910 nach Köln zurück, wo er 1964 auch starb.

Diese Ausstellung soll der Beginn einer Serie von Ausstellungen über deutsche Fotografie in der Villa Massimo werden. Sie ist noch bis zum 7. November zu sehen.

Christa Blenk

mehr : http://www.villamassimo.de/it/attualita

 

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Protégé : Borromini Highlights in Rom – Rom-Spaziergänge

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Licht und Power_Game1 – Aufführung des CRM

Und immer lockt das Weib!

Artikel für KULTURA EXTRA

Elektronische Musik trifft auf zeitgenössische Choreografie 

 musikskulptur-crm CRM Musikinstallation

Das Centro Ricerche Musicale (Musikentwicklungszentrum – CRM) ließ das Sommerprogramm am 17.9. (und 18.9.) mit einem sehr außergewöhnlichen und spannenden Musik-Happening ausklingen. Eine ganze frische Kooperation (2014 entstanden) zwischen dem italienischen CRM (Musikentwicklungszentrum) und der Tanzkompanie Excursus unter Leitung von Ricky Bonavita.

Es darf sich einer nur für frei erklären, so fühlt er sich den Augenblick als bedingt. Wagt er es, sich für bedingt zu erklären, so fühlt er sich frei. Oder:„Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.“ (aus Goethes Wahlverwandtschaften Teil 2, Kap. 5) – das Motto des Abends.

Power_game 1 ist viel mehr als nur ein Dialog zwischen Körper, Körpersprache und Bewegung. Es ist ein akrobatischer und überirdischer Hexentanz, der Himmel und Hölle und Macht und Ohnmacht behandelt. Immer wieder sind Parallelen zu Stockhausens „Licht“ festzustellen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Huldigung der Macht und die dazu gehörenden Kniebeugen, symbolische Kämpfe und Mann-Frau-Mann Konflikte sowie die Auseinandersetzung damit bis hin zu Reue und Versöhnung und zur einsamen Meditation. Ricky Bonavita hat selber die Rolle von Ironie und Dramatik, vielleicht die des Luzifers, getanzt und sich dazu ein bös-zynisches Gesicht gemalt.

Vier Tänzer in zum Teil abgerissenen oder zerrissenen Straßenkleidern stürmen nacheinander auf die Bühne und beschnuppern sich – es ist ein Abtasten der Dominanzmöglichkeiten. In einem Hin- und Her versuchen sie sich kennen zu lernen. Bis plötzlich zwei Frauen auftauchen (vielleicht Charlotte und Ottilie), verführerisch, abweisend, schön, aus einer anderen Welt, stehen sie im krassen Gegensatz zu den herunter gekommenen Männern, die sie verachten und verstoßen und von denen sie sich dann wieder umgarnen lassen, um gleich darauf wieder auseinander zu gehen und sich dem Nächsten anbieten. Zum Schluss ist nicht mehr ganz klar, wer über wen Macht ausübt und wer wen verführen will oder kann. So geht das Spiel ca 40 harte Minuten lang – auch für uns faszinierte Zuschauer war es anstrengend, die Musik fordert viel und lässt einen immer wieder von Neuem die Geschichte erfinden. Irgendwann haucht sie aus bis nur noch das gewollte Knistern der Lautsprecher übrig ist und die Tänzer nacheinander und allein die Bühne verlassen. Eine bemerkenswerte Darbietung. Michelangelo Lupone hat eigenhändig seine Musik von der ersten Reihe aus geregelt und kontrolliert, was der Aufführung eine ganz persönliche Note gab.

crmpercussionVorbereitet darauf wurden wir durch « sound scenes » aus Stockhausens Licht-Zyklus (Freitag).Vibra Elufa, Perkussions-Zyklus und Tierkreis. Jonathan Faralli stand in einem Gefängnis aus Schlagzeugen, Vibraphonen und sonstigen Gegenständen, auf die man schlagen kann. Und über dieses Instrumenten-Lärm-Gefängnis war eine Art dicker Lüftungsschlauch drapiert (vielleicht eine Anspielung an das unendlich-Zeichen von „arte-e-scienca – segnoinfinito“), das auch zum Einsatz kam. Der Florentiner Faralli ist ein Meister, der sonst mit Berio oder Cage arbeitet, er war bis zum Äußersten gespannt, dynamisch, überlegen und ruhig – kurz: großartig. Das Eva-Versuchungs-Epos aus Freitag (wohlweislich an einem Mittwoch aufgeführt, um den Verfechtern des unglückbringenden Freitag gerecht zu werden) war die perfekte Einleitung zu power_game 1. Stefano Pirandello hat das Lichtdesign entworfen und die einzelnen Stücke abwechselnd in grünes, rotes, blaues oder gelbes Licht getaucht. Um etwas Passenderes zu finden, müsste man sicher lange suchen.

Zuerst fanden wir es schade, dass wir nicht mehr von der Freitags-Geschichte hören durften; das Elektromusik-Balletstück hat uns dann aber komplett entschädigt.

Karlheinz Stockhausen (1928-2007) hat fast 30 Jahre an „Licht“ gearbeitet. Die Aufführungspraxis in Deutschland oder in der Welt wird dem nicht gerecht. Es gibt Aufführungen von einzelnen Tagen wie Samstag in München vor nicht all zu langer Zeit oder Freitag in Leipzig 1996 (damals hat die Presse geschrieben, dass sich die Opernhäuser von Licht distanzierten – viel hat sich ja wohl nicht geändert). Köln hat sich vor zwei Jahren an den Sonntag gewagt. Ich weiß nicht, ob es schon mal irgendwo komplett aufgeführt wurde.

Der italienische Komponist Michelangelo Lupone (*1953) entwickelt elektronische Musik, die fast immer mit Kunst-Installationen kombiniert wird, so hat er z.B. mit Pistoletto, Uecker oder Paladino und vor kurzem mit Livia Galizia Projekte entwickelt (letzteres wurde im Frühjahr im MACRO ausgestellt). Außerdem kooperiert er mit verschiedenen Balletgruppen wie mit dem Tanzhaus in Düsseldorf. 1988 hat er mit der Komponistin Laura Bianchini, die auch diese Aufführungen koordinierte, das Musikentwicklungszentrum, CRM gegründet. Er ist z.Zt. der künstlerische Leiter der Abteilung für Musik und neue Technologien der Santa Cecilia.

Die Tänzer Enrica Felici, Francesca Schipani, Valerio De Vita, Yari Molinari, Emiliano Perazzini und wie gesagt der Chef der Gruppe, Ricky Bonavita waren sehr überzeugend, mit Kraft, leidenschaftlichem Können und kalter Anmut sind sie dieser ansprechenden Choreografie gerecht geworden. Ricky Bonavita hat mit den Großen der Balletwelt wie Martha Graham getanzt und gearbeitet und 1988 angefangen, sich auch mit Choreografie zu befassen bis er dann 1994 mit Theodor Rawyler seine eigene Gruppe Excursus gründete.

Wir sind schon sehr auf die heutige Produktion (eine Hommage an Jiri Kylián) gespannt, die ebenfalls wieder aus Tanz und neuen Kompositionen des CRM bestehen soll. Mehr wurde aber nicht verraten. Bedauernswert allerdings, dass nur ca 90 Personen diesen kleinen highlights der zeitgenössischen Musikszene folgen können, aber mehr Zuhörer passen nicht in das Teatro Ruskaja, das seinen Sitz in der Nationalen Tanzakademie auf dem Aventin hat.

Ein bemerkenswerter Abend!

Christa Blenk

http://www.crm-music.it/

 

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Aus der Serie Rom-Spaziergänge: Bernini

Borghese 016

 

Auf den Spuren des Erfinders des barocken Roms: Gianolorenzo Bernini

 

Gianlorenzo Bernini ist in ein Rom hineingeboren worden, das – vor allem durch die Päpste – wieder die alte Macht, die durch die Reformation gelitten hat, herzustellen versuchte. Er hatte einen nicht geringen Anteil daran …….

mehr: Berninis barocke Rom

 

 

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Marcello Morandini

P1180376 Marcello Morandini

Keine Kompromisse: die schwarz-weiße Welt von Marcello Morandini

Haifischzähne, Kaffeekanne oder Wolkenkratzer! Plastik, Acryl und Holz versus Strenge, Vertrauen, Dynamik und Nachhaltigkeit.

Die GNAM (Galleria Nazionale d’Arte Moderna) füllte das Sommerloch mit einer Ausstellung über Marcello Morandini. Das Leben des 1940 in Mantua geborenen italienischen Designer und Architekten  besteht aus schwarz-weißer Geometrie: Streifen, Kreise, Linien, op-art. Kunst studierte er in Varese und arbeitete anschließend als Designer und Grafiker in einem Werbebüro in Mailand.

P1180370Beeinflusst von der Op-art Ikone Victor Vasarely (1906-1997)  und von den russischen Konstruktivisten, die Anfang des 20. Jahrhunderts alle ursprünglichen und über Jahrhunderte gewachsene Formen und Bilder sowie die geschriebene Kunstgeschichte ablehnten, schloß er sich der neo- konstruktivistischen Stilrichtung an und schaffte ab 1964 die ersten dreidimensionalen Strukturen. Später fand Morandini über das Industrie-Design einen persönlichen fast ausschließlich schwarz-weißen Weg. Diese Mischung zwischen Op-art  und Konstruktivismus – zwischen statisch und in Bewegung sein, ist sehr attraktiv und begeisternd. Alles ist klar und man betrachtet beruhigt die Gegenstände oder Skulpturen, geht um sie herum, bis sie im nuancenreichen Licht und in der Bewegung dann Farbe wechseln und trotzdem schwarz-weiß bleiben. Geometrische Strukturen werden bewegt und miteinander in Verbindung gebracht bis uns unser Gehirn eine andere Form vor spielgelt.

Die einzigen Farbklekse in seinen Kreationen hat er dem Rosenthal Kaffee-Geschirr gegönnt. Seine s/w-Konsequenz ist erstaunlich (und streckt sich auch auf seine Kleidung aus).

1968 nahm er zum ersten Mal an der Biennale in Venedig teil. Eine Ausstellung 1972 in Hannover führte zu einer intensiven Zusammenarbeit mit der Firma Rosenthal in Selb und zur Teilnahme an der Documenta 6. Seit den 80er Jahren arbeitet er mit verschiedenen Architekturbüros zusammen und befasste sich mehr mit Raumplanung und Städtebau. Eine wichtige Retrospektive über Kunst und Design 1993 in München machte ihn dann endgültig auch in Deutschland bekannt. Ende der 90er Jahre unterrichtete er Kunst und Design an der Sommerakademie in Salzburg und in Plauen, später in Lausanne. Seine Arbeiten zieren Plätze in verschiedenen Städten in ganz Europa. Heute lebt und arbeitet er hauptsächlich in Varese.

Morandini gehört zu den wichtigsten Vertretern in Italien der neo-konstruktivistischen Kunst in Verbindung mit Design und Architektur.

Seit Ende der 70er Jahre arbeitet er für Rosenthal und hat für sie einige sehr erfolgreiche limitierte Serien, Skulpturen und Vasen entwickelt, u.a. das Schachspiel „Morandini“, das es 99 mal gibt, aber auch  raumgestaltende Objekte wie  Möbel und den bekannten Paravent. In Deutschland betrachtet man ihn ohne Zweifel als Nachreiter des Bauhaus’, Das ist vielleicht auch der Grund, warum er gerade bei uns so beliebt ist.

P1180375Die Ausstellung in Rom zeigt Exponate aus all seinen Schaffensperioden sowie realisierte und nicht-realisierte Architekturprojekte und Aktionsgeometrie. Darunter ist z.B. ein Projekt, den Petersplatz in schwarz-weiß auszulegen.

Die Ausstellung geht noch bis Ende September.

Christa Blenk

 

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Weißes Gold aus dem Atlantik

P1170951 SalinenimHerbst
Saline im Sommer und im Herbst

 

Dieser Sommer war und ist für die Salzherstellung sehr schwer, zu viel Regen und zu wenig Sonne. Deshalb vermissen wir auch die kleinen weißen Salzhäufchen neben den Erntebecken, die normalerweise das Landschaftsbild prägen und von weiten wie kleine Schneehaufen aussehen. Dann, in dem kleinen Ort l’Epine, tauchen sie aber doch noch vor uns auf und wir halten an. William, der Besitzer, spricht über die Salzgewinnung und  die Abhängigkeit vom Wetter, wie sich das Wasser immer zwei Wochen vor Vollmond in den Becken sammelt (man muss bedenken, dass das ganze Marais Poldergebiet ist). Die Becken und die Wasserkanäle sind mit dem kargen Lehmboden, der dort überall zu finden ist, hergestellt. Der Wind und die Sonne sorgen normalerweise dafür, dass das  Wasser verdunstet und die Salzkonzentration steigt bis das Salz kristallisiert. Das Fleur de Sel (die Blume) treibt an der Oberfläche und wird mit einem extra Werkzeug abgeschöpft. Die Werkzeuge und Karren werden immer noch aus Holz wie eh und je gefertigt …..

Zwischen Guérande und Noirmoutier auf der Salzstrasse

 

salz 

Christa Blenk

 

 

Cavalleria Rusticana

cavalleria2 Zum dritten Mal findet zur Zeit in Albano das „Anfiteatro Festival“ statt. Gestern Abend wurde Mascagnis Cavalleria Rusticana aufgeführt. Diese Verismus Oper würde man heute eine „soap opera“ nennen, auch wenn sie nur eine knappe Stunde dauert. Aber man weiß, dass wir nur eine Szene zu sehen bekommen aus dieser leidenschaftlichen Sizilianischen Bauernehre Geschichte. Sie erzählt die nie sterbende Posse von Ehre und Stolz, Vertrauen und Verrat, flammender Liebe und glühendem Hass, bohrendem Neid und galliger Missgunst und zu viel Wein und das alles eingebettet in religiös-rituell-pagane südländische Ostersonntags-Tragik.

Das Libretto erinnert an Garcia Lorca Tragödien und Ford Coppolas Sizilien Epos und stammt vom naturalistischen Dichter Giovanni Vega, basierend auf einer der Sizilianischen Novellen. 1890 wurde das Werk in Rom uraufgeführt.

Abstecher in das Sizilien des 19. Jahrhunderts. Die Frauen sind alle schwarz aber sonntäglich gekleidet und tragen ein Tuch oder einen Umhang mit Spitzen, bis auf Lola, sie darf kokett in Rot singend auf die Bühne kommen, passend zu Turiddus rotem kecken Halstüchlein. Auf der Bühne ist mit Pappe sehr gelungen ein sizilianisches Dorf nachgebaut. Mit Barockkirche und mittelalterlichen Häusern, einem Marktplatz auf dem ein großes Kreuz mit einem weißen Tuch (wie auf einer flämischen Kreuzabnahme) befindet. Links auf der Bühne Mamma Lucias Haus mit einem Tisch davor, auf dem Weinflaschen und Gläser stehen. Santuzza läuft leidend auf die Bühne und fragt sorgenvoll Mamma Lucia nach Turiddu. Sie vermutet, dass ihr Liebster nach seiner Rückkehr vom Militärdienst sich wieder von leichtfertigen Lola, mit der er früher mal zusammen war, hat verführen lassen. Lola allerdings ist nun mit Alfio verheiratet, der als fliegender Händler durch die Gegend zieht. Alfio kommt von seiner Tour zurück und erzählt, wie schön sein Leben auf der Straße und mit seiner treuen Frau ist. Alle, außer Santuzza, die exkommuniziert ist, gehen sie in die Kirche zur Ostermesse. Als letzte tänzelt Lola singend auf den Platz und dann hinein in Allerheiligste. Turiddu hinter hier her aber Santuzza hält ihn auf, um ihn zur Rede zu stellen. Er wirft sie zu Boden und aus Rache über die verschmähte Liebe erzählt sie alles Alfio. Das Drama nimmt seinen Lauf und nach dem lustigen Liedchen von Alfio wird es nun dramatisch, unterbrochen nur noch einmal von einem friedlichen Ostersonntag intermezzo sinfonico und dem sehr gelungen Trinklied, bei dem dann aber alles eskaliert. Turiddo lädt die Kirchgänger nach der Messe zum Umtrunk, aber Alfio lehnt den Becher ab und fordert ihn heraus. Herzzerreißende Abschiedsszene von Turiddu mit seiner Mutter, in der er sie anfleht, Santuzza – sollte er nicht zurückkommen – wie eine Tochter zu behandeln. Und dann hört man nur noch „Sie haben Gevatter Turiddu umgebracht!.

cavalleria1 Musikalisch ging es gerade noch so. Das Orchester hat nicht gemeinsam angefangen und die Lautsprecher waren viel zu stark eingestellt, was einen Eindruck von Harfenplayback vermittelte. Irgendwann ist es dann ein wenig unter Kontrolle geraten und im Lauf der Vorstellung sind sie alle sehr viel besser geworden. Der Chor, der wunderbar, wichtige und schwierige Partien hat, war manchmal ziemlich gut, aber ein oder zwei Proben mehr hätten geholfen. Santuzza, (Paola Di Gregorio) hat sich gut geschlagen. Sie muss den Hauptteil leisten und es war dann ab 22.00 Uhr sehr frisch und sehr feucht. Turiddu war Gianluca Zampieri, Mamma Lucia Stefania Scolastici. Alfio Stefano Meo und Lola Monica Cucca. Korrekt waren sie alle. Mamma Lucia hat mir gefallen, sie hatte etwas herbes, abweisendes in der Stimme – perfekt für die Rolle. Den Chor leitete Renzo Reni, der auch das Festival mitorganisiert. Am Pult vor dem Orchestra Sinfonica Europa Musica stand Stefano Seghedoni.

Maurizio Marchini hat Regie geführt. Das Bühnenbild war genau so, wie es diese Oper braucht und wie es das Publikum mochte!

Pierro Mascagni wurde 1863 in Livorno geboren und starb 1945 in Rom. Er war einer der Hauptvertreter des Verismo. Obwohl er noch mehrere Opern geschrieben hat, wird eigentlich meistens nur die Cavalleria aufgeführt und die auch nicht sehr oft. Sein lebenslanger Neid auf Puccini plagte ihn enorm, obwohl er von der Cavalleria sehr gut leben konnte.

Das Amphitheater Albano stammt aus dem Jahre 202 n.C. – aber abgesehen von ein paar Seitenmauern (allerdings sehr beeindruckende) ist nicht mehr viel davon übrig. Nur die Form erinnert noch an ein Theater.

Ein gelungener Bauernabend – obwohl sich die Zuhörer fast wie bei einem Picknick benahmen, kamen und gingen wann es ihnen passte und ständig sehr laut redeten – allemal.

Wir kommen wieder.

ruinestromboli Sizilianisches Dorf

Christa Blenk

 

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Wie sich von der Kunst befreien – Ausstellung in der Villa Medici

Villa Medici Garten Garten Villa Medici

Wie sich von der Kunst befreien oder Sommer in Rom - Bericht für KULTURA EXTRA

Ausstellung in der Villa Medici – im Sommer

Während sich die Römer den 15. August (Fer agosto) herbeisehnen und ihn erwarten wie die Kinder den Weihnachtsmann, wird die glühende und dampfende Stadt immer leerer. Es bleiben dann nur noch die schwitzenden und apathisch vor sich hin stierenden Touristenströme und die Taschendiebe. Restaurants schließen und sogar einige Eisdielen. Dafür gibt es überall Parkplätze und niemanden der kontrolliert.

Wir machen uns auf zur Villa Medici und erfahren beim Ticket lösen, dass die bequeme und stilvolle Cafetería mit Blick auf die Stadt geschlossen hat, gehen aber trotzdem in die Ausstellung.

Eine Kollektivausstellung riecht ja immer ein wenig nach einem Kompromiss. Wenn man nichts anzubieten hat, dann sucht  man halt ein paar Künstler zusammen und erfindet  einen Titel. « La pittura o come sbarazzarsene » (Die Malerei oder wie sich von ihr befreien bzw. sie auszumisten). Interessante Annäherung. Der Franzose Martin Barré (*1924), die Amerikanerin Marica Hafif (*1929), der Italiener Fabio Mauri (*1926-2009) und der Schweizer Olivier Mosset (*1944) haben gemeinsam einige Werke hier ausgestellt. Ihr Berührungspunkt ist ein längerer Rom-Aufenthalt  (bei diesem Kriterium hätte man natürlich noch viel mehr Künstler ins Boot holen können). Aber die Vier passen dann doch sehr gut zusammen, mehr oder weniger sind sie alle konzeptionell-konstruktivistische Minimal-Künstler.

Olivier Mosset-WingangshalleDer jüngste unter ihnen, Olivier Mosset, gehört auch zu den späteren monochrom-Künstlern wie Gotthard Graubner. 1965 ging er nach Paris und lernte Daniel Buren kennen. Seine Arbeiten in den Jahren von 1966 – 1974 reduzieren sich auf  Kreise – meistens schwarz auf weißem Hintergrund. 1967  sollte er zusammen mit Buren, Parmentier und Toroni, im   »Salon der jungen Malerei » in Paris ausstellen. Um  allerdings den Akt der Kreation zu trivialisieren, entfernten  sie nach dem Aufbau umgehend ihre Exponate wieder und brachten  dafür die  Banderole « Buren, Mosset, Parmentier und Toroni stellen hier nicht aus »  an (die hier ausgestellte Banderole ist eine Replik).

Marcia Hafif hat von 1961 – 1969 in Rom gelebt und hier ihre « Italienischen Bilder » erfunden. Sie schwebt zwischen  Poliakoff und  Louise Bourgeois hin und her, aber weniger originell. Ihre Bilder wirken irgendwie abgemalt oder haben mich wenigstens nicht angesprochen.

Martin Barré ist der Informalist. Ich habe bei seinen Bildern an Lucio Fontana gedacht aber auch an die US Künstler in den 60er Jahren wie Frank Stella. Vielleicht muss man mehr von ihm sehen, um ihn besser beurteilen zu können aber seine Werke sind durchaus ansprechend.

Fabri Mauri war auch  als Schriftsteller und Dramaturg tätig und gehörte vor allem zur italienischen (römischen) Avantgarde der 60er und 70er Jahre. Er ist der Star unter den vier Anwesenden. Fünfmal  Biennale di Venezia -Teilnehmer, das letzte Mal 2003 und international bekannter als die anderen (außer Mosset). Mit Umberto Eco und Edoardo Sanguineti hat er 1967 die Zeitschrift « Quindici » gegründet. Bekannt geworden ist er vor allem durch seine Installationen und politischen Performance-Akte, einige davon hat er mit  Pasolini realisiert. Emblematisch und seht Zeitgeist sein Happening 1971 « Was ist der Faschismus? ». Es wurde 1979 sogar in New York gezeigt.

Eine Ausstellung,  die man jetzt nicht unbedingt gesehen haben muss, aber sie hat uns vier  Künstler näher gebracht, die nicht jeden Tag in der Zeitung stehen oder in allen Museen zu finden sind und trotzdem ihren Beitrag zur Kunst im 20. Jahrhundert geleistet haben. Aber in den Räumen der Villa Medici ist es sowie fast unmöglich, dass irgendetwas nicht beeindruckt.

Christa Blenk

 

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Rom im August

romimaugustIn der Nähe vom Bahnhof Termini

Rom im August

Morgens um 7.00 Uhr weht schon oder besser noch eine frische Brise, der Himmel ist klar und blau, die Vögel singen und man könnte das Auto vor der Haustür parken. Auf dem Weg ins Büro kommen wir an duftenden Jasminblüten vorbeit und es fallen nahezu alle Kämpfe und Diskussionen mit aggressiven Autofahrern oder frechen motorini weg und man sich kann beruhigt (trotzdem immer nach rechts und links schielend) dem Zebrastreifen anvertrauen. Was in den verbleibenden elf Monaten lebensgefährlich ist. Da stört es dann auch nicht, wenn man ab und zu die Straßenseite oder die Straße wechseln muss, da natürlich der August für Straßenarbeiten und Reparaturarbeiten benutzt wird. Bis 15. August (Fer agosto) geht das so, und dann wird es noch ruhiger. Restaurants, die nicht im Aktionsradius der Touristenherden liegen, schließen und so tun es Friseure und Reinigungen, der Copy shop macht auch zu – sogar die Eisdiele in San Lorenzo, das ist nun sehr schade. Der unfreundliche Barbesitzer überlässt sein Reich für ein paar Tage den viel netteren Angestellten und wir trinken wieder unseren Cappuccino bei ihm. Im letzten Jahr habe ich gelernt, dass ich das Auto im August nicht willkürlich aus der Garage abholen kann – denn der Garagenmann, der im August alleine ist, macht eine sehr lange Mittagspause und schließt das Parkhaus schon um 23. 00 Uhr abends, anstatt üblicherweise um 1.00 Uhr früh. Nach einem Konzert in einem der vielen römischen Vororte, die im Sommer stattfinden, bleibt das Auto dann über Nacht draussen – aber es gibt es Platz, wie gesagt. Dafür sind die dumpfen und monotonen, fast einschläferenden Rhythmen der Konzerte in der Bar im Park an der Tibertina oder auf dem Platz davor zu hören. Die Villa Torlonia, San Ivo alla Sapienza, Teatro Marcello, Villa Giulia und die Engelsburg bieten außerdem fast täglich Freilichtkonzerte an, mit sehr unterschiedlichem Programm und die Oper ist in die Caracalla Thermen gezogen.

Nach dem abendlichen Balkonpflanzen gießen (obwohl das bei uns nicht viel zu helfen scheint) wird es dann auch wieder ein wenig frischer und wir können auf dem kleinen Balkon unsere Nudeln essen. Eigentlich ist es schade, in so einem Monat Rom zu verlassen.

kühleinseln eine kühle Insel

Christa Blenk

 

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Anfiteatro Festival di Albano

p1170567 Vom 27.7. bis 16.8.2014 findet zum dritten Mal das Anfiteatro Festival di Albano im Amphitheater von Albano Laziale (Nähe Rom) unter der künstlerischen Leitung von Maestro Renzo Renzi statt. Das Festival ist dieses Jahr sehr vielseitig und hat von Klassik, Jazz, Latino-Musik und Theater alles auf dem Programm.

Die Solisti Veneti eröffneten unter Maestro Claudio Scimone mit einem Programm, das von Vivaldi über Paganini zu Rossini ging. Das meist erwartete Spektakel dürfte allerdings am 14.8. stattfinden. Dann ist die italienische Theater-Ikone und der Shakespeare Start Giorgio Albertazi mit dem Kaufmann von Venedig zu erleben – und er wird Shylock sein.

Wir haben uns auch noch für eine Aufführung der Cavalleria Rusticana zwei Tage vorher, am 12.8., entschieden. Gianluca Zampiere, Paola Di Gregorio, Stefano Meo und Stefania Scolastici werden das einstündige Hauptwerk von Pietro Mascagni aufführen.

Wer aber viel Zeit und Lust hat kann sich auch die Gruppe con Compay Segundo mit einem Programm aus dem Film „Buena Vista Social Club“ anhören oder La Bohème (die in Caracalla musste ja leider ausfallen), den Pianisten Michele Campanella oder das Tanzspektakel Carmen und Carmina Burana bis dann am 16.8. ein Konzert mit den Sorelle Marinetti das Festival beendet.

Über die Aufführungen Cavalleria Rusticana und Den Kaufmann von Venedig wird es dann extra-Berichte geben.

#Mehr über den netten Ort

Christa Blenk

 

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Auf dem Stromboli

Bericht auf artmore über ein umwerfendes Wochenende auf der Insel Stromboli und einer Vulkanbesteigung.

feuerrutsche Feuerrutsche – sciara di fuoco – Stromboli

Feuertheater im Mittelmeer

…Wir hatten uns jedoch für eine Reise zum Stromboli entschieden. Angeregt u.a. durch Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, der ja, wie der geneigte Leser weiß, seine Protagonisten in Island in den Snoeffels (Snæfellsjökulsteigen) steigen lässt, um sie  nach langer Wanderung durch Dantes Höllentrichter und Luzifers Sitz bis zum Erdmittelpunkt über den Krater des Stromboli wieder auf die Erde zurückholte. Allerdings waren der Hamburger Professor und sein Expeditionsteam nicht auf der Suche nach den Poeten der Antike, sondern folgten einer Runen-Geheimschrift aus dem 12. Jahrhundert von Snorri Sturluson, die sie nach viel Mühe entzifferten. Das war 1864 und hat vielleicht auch Mark Twain animiert, auf seiner zweijährigen Europareise 1867-69, die Äolischen Inseln und den Stromboli zu besuchen…..

 

vulkan4

Fotos: Christa Blenk

 

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Buena Vista Social Club – Gastspiel in Rom

auditoriumkleinCavea vor dem Konzert

1999 hat Wim Wenders einen Dokumentarfilm über das Musikprojekt « Buena Vista Social Club » gedreht, der mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. Hierbei konnte das Publikum auf einer Reise durch ein charmantes aber dem Verfall preis gegebenes Havana den kubanischen Musikern folgen, wie sie über ihre Musik und über ihr Leben erzählen. Mit einem Auftritt in der Carnegie Hall in New York endete diese wunderbare Werk.

Ry Cooder, der ursprünglich ein Soloalbum mit Ibrahim Ferrer aufnehmen wollte, reise nach dem Erfolg einer ersten CD mit Wim Windres und dem Doku-Team nach Havana, um diesen Film zu drehen. Allerdings ist die schrecklich penetrante elektrische Gitarre und Omnipräsenz in dem Film von Ry Cooder eher störend. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich ihn mir weggewünscht habe. Aber gut, immerhin hat er die ganze Realisierung in Gang gebracht und wollte dann eben auch im Mittelpunkt stehen.

buenavistaOmara Portuondo, Eliades Ochoa, Guajiro Mirabal, Barbarito Torres und Jesus « Aguaje » Ramos sind praktisch seit 16 Jahren auf Tournee und gaben hier in Rom eine bewegende Abschiedsvorstellung in der Cavea (die Freilichtbühne) von Renzo Pianos Auditorium im Parco della Musica. Omara ist die einzige, die im Film mitgewirkt hat, der auch für den Durchbruch dieses « Orchesters » verantwortlich war. Als sie am Donnerstag abend, 84jährig, einen Cha Cha Cha singend die Bühne trat, gerieten die knapp 3000 Zuhörer fast in Extase und feierten stehend und tanzend die kubanische Sängerin.

buenavista2Ansonsten hätten wir uns gewünscht, einige Klassiker eben aus dieser Zeit zu hören. Das Orchester hat sich aber entschieden, ältere Dauerbrenner wie Quiza Quiza oder Dos Gardenias para ti ins Programm zu nehmen – auch wieder verständlich, denn die großen Stars wie Ibrahim Ferrer, Rubén Gonzalez oder Compay Segundo wären eh nicht zu überrreffen gewesen. Sie durften wie dann in Form von Filmen oder Fotos auf der Leinwand im Hintergrund  der Bühne sehen. Obwohl es ein schönes Konzert war, blieb es doch nur ein Abschlatsch eines fantastischen Momentes der Entdeckung dieser kubanischen Musiker, die alle erst mit ca. 60 Jahren gekannt wurden. Ibrahim Ferrer ist 2005 vertorben, Compay Segundo und Rubén Gonzalez 2003.
Christa Blenk

 

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Nederlands Dans Theater

thermepicknick 
Große Therme in der Villa Adriana, Tivoli (Foto: Christa Blenk)

Gastspiel des NDT 2 beim Festival Villa Adriana(Bericht auf KULTURA EXTRA)

Es ist 20.00 Uhr, die Besucher sitzen auf den Ruinen (was man eigentlich gar nicht darf) und essen ein mitgebrachtes Tramezzino oder sitzen locker und gelöst, trotzdem ab und zu einen Blick gen Himmel werfend,  zwischen den Ruinen an kleinen Tischen beim Spritz. Vor 20 Minuten hat ein blauer Himmel den Wolkenbruch abgelöst, der uns die 30 Minutenfahrt von Rom nach Tivoli erschwert hat und dafür verantwortlich ist, dass wir nun einen riesigen Regenschirm mit uns herumtragen. Der Abend ist gerettet und bis zu Beginn der Vorstellung um 21.00 Uhr laut Programm (21.30 Uhr reell) werden auch die Sitze wieder trocken sein und wir können unbeschwert dem dritten Tanz-Highlight – das auch das heimliche  Highlight des Festivals der Villa Adriana ist – entgegen sehen. Nach Martha Graham am 25.6. und Carolyn Carlson am 3.7. gastierte am 10. und 11. Juli  das Nederlands Dans Theater 2  (NDT 2) in der Großen Therme der Sommerresidenz von Kaiser Hadrian.

Vier unzusammenhängende und ganz unterschiedliche Choreografien hat das niederländische Ensemble nach Rom mitgebracht und damit die unglaubliche Spannweite ihres Repertoires unter Beweis gestellt. Die Bühnenbildutensilien reduzierten sich auf eine größere Anzahl von table-dance Lichtpfosten, einen roten Teppich, auf 16 weiße quadratische Podeste und einen kreativen Einsatz von Licht.

I new then ist der Titel des ersten Stückes, das der Schwede Johan Inger choreografiert hat. Begleitet von Van Morrisons Country-Musik (Madame George, The way young lovers do, I’ll be your lover too und crazy love) sind die Tänzer auf der Suche nach ihrer Identität und ihrem Weg, der irgendwo im Wilden Westen beginnt. Prüde, gewagt und sich vortastend finden sich Paare, um aus der vorherrschenden Langeweile auszubrechen ohne sich zu verraten. Manchmal wird auch gesprochen und das, was sich hinter den Lichtpfosten abspielt, kritisiert. Die Tänzer tragen alle Straßenkleidung und sind keiner gewissen Schicht zuzuordnen.

NDT2Kurzer Umbau bis zum Vier-Minuten-Stück  Shutters Shut (2003), auf das wir schon sehr gespannt waren. Die Kunst- und Literaturikone Gertrude Stein hat dieses surrealistisch-kubistische Gedicht If I told him: a completed portrait of Picasso 1923 geschrieben und damit die Poesie neu erfunden. Sol León und Paul Lightfoot haben die Choreografie hierzu entworfen. Ein Pas de deux im Dominoanzug (ein Tänzer in weiß/schwarz, der andere in schwarz/weiß). Der Originalton von Gertrude Stein begleitet die Bewegungen oder umgekehrt? Und wer dem englischen Text nicht folgen konnte, hat ihn von der Gestik der beiden fantastischen Solisten ablesen können. Mit elf Jahren ist das Stück fast schon ein Klassiker, der immer aktuell bleiben wird – so wie #Gertrude Steins Gedicht.

Anschließend wird ein quadratischer, ca. 50 qm großer roter Teppich, hereingerollt. Er ist die wichtigste Requisite für  Subject to change. Wieder eine Choreografie von Sol León und Paul Lightfoot (was für ein perfekter Name für einen Choreografen!).  Zu Schuberts  Der Tod und das Mädchen in der Orchesterversion von Gustav Mahler (1894), rollen vier schwarz gekleidete geschlechterlose Personen vor einem fünften Tänzer den roten Teppich aus, springen drüber und lassen ihn liegen. Ein Mädchen, das ein weißes Toten-Spitzenhemd trägt, tanzt sich über den Teppich, wird mit ihm gedreht, der Mann kommt dazu, sie tanzen gemeinsam, sie flieht, sie kommt wieder. Voller Emotionen und Eleganz diese beiden, immer eingerahmt von den vier schwarzen Personen. Es ist ein geniales Werk und besser könnten Musik, Choreografie und Optik nicht zusammen arbeiten. 2003 hat dieses Stück den Zwaan Award für die beste Produktion gewonnen.

monduebervillaadriana Während der kurzen Pause können wir einem zweiten Spektakel folgen. Als  Effekt des Fast-Vollmondes und der Beleuchtung rund um die Bühne beobachten wir auf der Mauer hinter der offenen Bühne wie riesige gespensterhafte Schatten tragen etwas von links nach rechts oder umgekehrt tragen. Später lernen wird, dass es Kakteen in unterschiedlichen Größen und Formen waren, die zum Einsatz kamen.   Alexander Ekman hat hier die Choreografie, das Bühnenbild und die Kostüme für Cacti entwickelt. Hier kommen die vorher erwähnten weißen ca. 2 qm großen Podeste und alle 16 Tänzer zum Einsatz. Jeder steht in einer anderen Pose auf seinem Podest. Der erste Eindruck versetzt uns direkt in die Centrale Montemartini, ein Skulpturenmuseum in einem alten E-Werk in Rom. Cacti ist viel mehr als nur Tanz. Es ist auch Theater, Slapstick und Kino (die letzte Sequenz hat mich an die fotografischen Bewegungsabläufe von  Eadweard Muybridge erinnert). Irgendwann werden die Legobausteine zu einer Art Bauhaus- oder Stummfilm-Konstruktion zusammengestellt.  Vor diesem Bau nun fängt ein Pärchen an, die schwierigen Bewegungen und Posen für Cacti nochmals zu proben. Sie animieren sich gegenseitig und analysieren  Schwachstellen, machen sich aber auch ein wenig lustig über sich selber und das Stück.  Ein geniales Zwischenspiel, bis dann wieder alle tanzen und die Kakteen auf die Bühne bringen, die in der Folge in den Ablauf mit einbezogen werden. Ekman will uns wohl davon überzeugen, dass Tanz auf keinen Fall trocken und stachelig sein muss. 2010 wurde er für den Zwaan Award nominiert. Die Musik zu dieser Kreation ist von Haydn, Beethoven und wieder Schubert. Mit ihrer hautfarbenen Oberkörperbekleidung wirken sie auf den ersten Blick nackt und wie kleine flinke Aliens – befremdend und faszinierend-betörend. Vollkommen sind sie, unverwechselbar-anmutig und natürlich-perfekt.

taenzerndt1 Ob die Tänzer absichtlich anonym blieben oder das Programm nur schlampig gemacht war, habe ich nicht herausgefunden. Den Solisten wurde jedenfalls kein Name zugeordnet; nicht mal beim Pas de Deux von Shutters Shut. Ist auch nicht unbedingt tragisch, weil sie alle genial waren und eine große Tanzzukunft vor sich haben werden. Zur Zeit besteht aus Ensemble jedenfalls  aus :  David Ledger, Dévi Selly, Clara Villalba, Olivier Coeffard,  Chuck Jones, Fernando Troya, Spencer Dickhaus, Clement Haenen, Imre van Opstal, Casia Vengoechea, Richel Wieles, Xanthe van Opstal, Violet Broersma, Daan van der Laar, Luke Cinque-White, Gregory Lau, Luna Mertens, Yukino Takaura, Katarina van den Wouwer.

Standig ovations und nicht enden wollender rasender Applaus für diese einzigartigen und außergewöhnlichen Tänzer, die federleicht, elegant und mit spielerischer, stressfreier und hochkonzentrierter Perfektion über die Bühne huschten. Permanent und immer wieder aufs Neue überrascht folgten wir ihnen, wie sie sich faltend, rollend, auf das Podest trommelnd, von einer Ecke in die andere schmissen.

Das Nederlands Dans Theater wurde schon 1959 gegründet, u.a. von Hans van Manen, der lange Jahre dessen Leiter war bis 1975 Jiri Kilián für 20 Jahre die Regie übernahm. Das NDT 2 entstand 1978 als Sprungbrett auf das Welt-Tanzparkett für besonders junge und begabte Tänzer und Hochschulabsolventen (die jüngsten sind 17 Jahre, die ältesten 22).  John Lightfoot und Sol Léon haben 2001 die künstlerische Leitung des NDT 2 übernommen.

Das Nederlands Dans Theater wird übrigens die Internationalen Tanzwochen in Neuss 2014/15 eröffnen.

Christa Blenk

 

 

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Albicocche rosse – versione italiana

 Prima rappresentazione a San Gusmè il 4 luglio 2014

 San Gusmè eli 1 copia 

San Gusmè – Foto: ©Lorenzo Vanni

 

Si dice che le grandi cose hanno bisogno di tempo per crescere. Ciò è dimostrato dal progetto teatrale del regista tedesco, Ulrich Waller, direttore del Teatro St. Pauli a Amburgo, che, insieme a Matteo Marsan e Dania Hohmann ha realizzato un impressionante spettacolo in occasione del 70° anniversario dell’eccidio di „Palazzaccio“, un piccolo podere ubicato in provincia di Siena.

„BlutigeAprikosen“ – „Albicocche rosse“ è una pièce teatrale, documentario, italo-tedesca, la cui prima si è tenuta il 4 luglio a San Gusmè, fraz. di Castelnuovo Berardenga (SI), un piccolo Borgo vicino al luogo dell’eccidio, in presenza di circa 200 spettatori.

Si tratta della trasposizione teatrale di un’azione di ritorsione posta in essere dai soldati tedeschi della divisione „Hermann Göring“, nella mattinata del 4 luglio 1944, in conseguenza di un attacco da parte di partigiani, che costò la vita di nove civili nel podere Palazzaccio.

Il linguaggio narrativo usato dai registi, con il quale lo spettacolo si avvicina alla trasposizione della storia comune, è quello di un collage-teatrale, basato su documenti originali, messo in scena con attori, musica dal vivo, canzoni di un cantastorie, filmati e proiezioni di testi. L’opera si compone di 16 atti che si svolgono tra giugno 1940 e il 4 luglio 1944, giorno dell’eccidio: vengono presentati gli antefatti della guerra; il fascismo; la collaborazione italo-tedesca durante la guerra; l’occupazione dell’Italia da parte dei Tedeschi; le sofferenze causate dal conflitto; l’antisemitismo; la lotta partigiana, e, infine, la strage del Palazzaccio del 1944.

Il metodo stilistico teatrale è basato sui ricordi di Osvaldo, all’epoca ragazzo di 10 anni, testimone oculare di quel periodo, che rivive l’esperienza della guerra. E’ Osvaldo che, dopo l’eccidio, trovò i cadaveri delle vittime di Palazzaccio. Tutto ciò viene appreso dallo spettatore, nel corso del prologo, in maniera commovente direttamente dalle parole del sopravvissuto.

La rappresentazione inizia in maniera spettacolare con i rumori ed i bagliori provocati dai colpi dell’artiglieria; la popolazione impaurita si riunisce nella piazza e manifesta la propria paura circa il futuro che li attende.

Nella scena successiva, lo spettatore è testimone di una lezione di storia tenuta in una scuola elementare, dove gli alunni vengono indottrinati sul potere del fascismo e sul sogno dell’Italia di diventare un grande impero e di entrare in guerra a fianco dei Tedeschi. Si tratta di una delle scene più riuscite dello spettacolo.

Nel frattempo, l’Italia entra in guerra ed i primi abitanti del paese vengono reclutati per il conflitto: le scene dolorose di addio vengono recitate dagli attori in maniera sincera.

Albicocche rosse 1 Foto: Lorenzo Vanni

La guerra al fronte è in pieno svolgimento, le relazioni tra gli Italiani e i Tedeschi peggiorano. Questo particolare momento storico viene illustrato, in maniera emozionante, attraverso la lettura di una lettera che un padre, impegnato nella campagna di Russia, invia alla propria famiglia. La descrizione della situazione al fronte causa in alcuni bambini del paese sinceri dubbi sul Duce e provoca un litigio tra questi. Solamente la maestra, una fascista dal volto umano, riesce a pacificare il litigio tra i bambini.

L’atto seguente descrive il nascere di una relazione amorosa tra un tenente tedesco e una giovane ragazza italiana del paese. Il Tenente ha l’aria piuttosto mite e amabile: la bella ragazza ammalia completamente il Tenente. Nonostante i Tedeschi e gli Italiani, in quella fase della guerra, siano ancora alleati, la madre della giovane non tollera il nascere di questo sentimento e la coppia è costretta ad incontrarsi sempre di nascosto.

Quotidianità nei tempi di guerra: arrivano in paese notizie circa le dimissioni presentate da Mussolini al Re; la guerra continua; si hanno i primi problemi di approvvigionamento; il Re fugge da Roma; cominciano le deportazioni; soldati sbandati; viene costituita la Repubblica di Salò. L’appello del potestà al dovere dei cittadini di difendere la patria sotto i colori della neonata Repubblica fascista è il tema delle prossime scene.

Seguono descrizioni delle prime iniziative dei partigiani, la diserzione di un soldato tedesco e un’esibizione molto convincente di un’ebrea precedentemente internata in un campo di concentramento, salvata da Paolo, un sorvegliante del campo. La profuga viene nascosta in un solaio dagli abitanti del paese perché come ebrea è in pericolo nel piccolo borgo che è occupato dai Tedeschi. (Come racconta uno degli attori tedeschi si tratta di una scena autentica che era capitata proprio alla nonna dell’attrice).

La scena successiva, nella quale un capitano tedesco, – ostinato, troglodita e senza pietà con gli abitanti del paese – seleziona dei lavoratori forzati, inizia ad avvicinare gli spettatori al clima di dramma finale. Il Capitano ha un alterco con il Tenente tedesco che, a suo parere, si è rammollito ed italianizzato. Entrambi gli attori dimostrano in quella scena grande perizia tecnica nella recitazione. Nel quadro narrativo che segue, il Tenente chiede alla ragazza di scappare con lui, mentre lei lo prega di restare. Nessuno dei due è pronto a fare questo passo e, quindi, gli stessi saranno protagonisti di una scena di addio struggente, che viene recitata dai due attori in maniera molto convincente.

Le scene successive hanno ad oggetto l’estate del 1944, nel corso della quale si verificano nella zona degli scontri tra partigiani e i Tedeschi. Un abitante del paese racconta di un bagno di sangue subito dai Tedeschi e avverte i compaesani del pericolo di potenziali rappresaglie.

La rappresentazione giunge al momento culminante e tragico. Questa parte della narrazione viene messa in scena in maniera originale tramite un mutamento del mezzo stilistico: attori e cantatori Bruscellanti raccontano la storia dall’eccidio di Palazzaccio. Contemporaneamente vengono proiettati sui muri di pietra del borgo di S. Gusmè, che si trovano dietro il proscenio, una serie di immagini inframezzati a testi. Il contenuto di questa parte della rappresentazione è basata su interviste fatte con i testimoni oculari del massacro.

Si racconta di uno scontro a fuoco avvenuto tra partigiani e due soldati tedeschi, sorpresi mentre raccolgono e mangiano delle albicocche vicino al podere di Palazzaccio. Nonostante i due soldati tedeschi riportino solo delle lievi ferite, l’agguato viene vendicato poco dopo dall’esercito occupante con un eccidio nel podere di Palazzaccio, dove si nascondono gli abitanti della zona. Nove civili vengono uccisi, in gran parte donne e bambini: „BlutigeAprikosen“ / „Albicocche rosse“!

Albicocche rosse 5 Foto: Lorenzo Vanni

L’esibizione si conclude sulle note di una canzone che narra di un futuro senza guerra e odio: „la terra ci regala un fiore, senza una domanda, senza fare caso alle bandiere. Solo la guerra ci ha resi nemici, benché fossimo amici e fratelli. Ciao bella, ciao.“

Grandi applausi e standing ovation per un’eccezionale prestazione artistica degli attori, musicisti, registi, tecnici e per il paese San Gusmè! E’ stata in tutti sensi una collaborazione interculturale artistica di successo tra il Teatro di St. Pauli di Amburgo e il Teatro Comunale Alfieri a Castelnuovo  Berardenga e l’Associazione teatrale „Lo Stanzone delle Apparizioni“, che gestisce il teatro comunale.

Oltre a tanti attori amatoriali (inclusi gli abitanti del paese e dintorni) i registi hanno scritturato, per questo progetto, anche musicisti e attori di fama, dalla Germania e dall’Italia: Adriana Altaras, Cristiano Burgio, Gualtiero Burzi, Mauro Chechi, Peter Jordan, Jörg Kleemann, George Meyer-Goll, Daniela Morozzi, Luk Pfaff, Massimo Poggio, David Riondino, Angelo Romagnoli, HartmutSaam, Bebo Storti, Massimo Tarducci, Elisa Vitiello e il Cantiere del Bruscello di Castelnuovo Berardenga.

Il progetto teatrale è un esperimento unico, interattivo, interculturale fondato sulla trasposizione storica: alla realizzazione dello stesso hanno partecipato quattro generazioni di attori. E‘ un tentativo vissuto di analizzare, collocare storicamente e non dimenticare l’eccidio di Palazzaccio. E soprattutto è un contributo inconsueto e sicuramente molto efficace alla cultura della riconciliazione.

Anche il “party“ che si è tenuto alla fine della rappresentazione è stato un esempio di riconciliazione: fino a tarda notte gli attori tedeschi ed italiani unitamente agli abitanti del paese hanno mangiato dolci e bevuto vino, cantato e ballato insieme sulla piazza del paese di San Gusmè – allegri, amichevoli, riconciliati.

Standing ovation allora anche per il regista Ulrich Waller, iniziatore di questo progetto straordinario.

Grandi cose hanno bisogno di tempo per crescere. Come viene riferito all’“after-party” da uno degli attori tedeschi, l’idea di Waller era nata già 10 anni orsono. Il regista amburghese ha una casa vicino a San Gusmè e sembra che si senta legato a questo luogo in maniera particolare. La sua prima moglie, la defunta attrice e regista Elke Lang, è sepolta nel piccolo cimitero di San Gusmè.

Waller finalmente avrebbe colto l’occasione del 70° anniversario dell’eccidio di Palazzaccio per realizzare il suo sogno teatrale a San Gusmè. Il progetto è stato preceduto da ricerche storiche, un interminabile lavoro per convincere le pubbliche amministrazioni dell’idea e anche l’individuazione di sponsor senza i quali un tale progetto impegnativo non avrebbe potuto essere realizzato.

San Gusmè con le sue case antiche poste sotto la tutela dei Beni Culturali ha fatto da quinta impressionante per questa esibizione teatrale. Si tratta di un piccolo Borgo con una piazza adorabile sulla quale è stato messo in scena il teatro all’aperto. Il Borgo è circondato da mura medioevali ed è situato in mezzo al tipico dolce paesaggio toscano. Circondato da uliveti e vigne, questo luogo offre delle viste spettacolari su un tipico paesaggio di cultura toscana, contornato da lunghe vie delimitate dai cipressi e antichi poderi – con una vista che si estende fino a Siena.

Con questo spettacolo teatrale, Waller è riuscito a ricostruire la trasposizione storica di un intero paese, che al contempo fungeva anche da palcoscenico reale. Il suo impegno è un omaggio molto particolare a questo paese toscano, San Gusmè, nel quale il regista tedesco sembra essersi radicato.

E da supporre che grazie a questo progetto innovativo si parlerà ancora per molto tempo di questo fine settimana teatrale di San Gusmè e che ciò farà da cassa di risonanza anche in futuro a questo Borgo incantevole.

Da menzionare sono anche le discussioni sull’eccidio, sul fascismo in entrambi i paesi e sulla seconda guerra mondiale, che si potevano ascoltare tra alcuni abitanti del paese e spettatori italiani e tedeschi dopo l’esibizione. I registi hanno, quindi, ottenuto un obiettivo: finché ci si confronta con la storia, essa rimane indimenticata. Durante questo fine settimana di teatro a San Gusmè la storia è stata trasmessa in maniera prossima ed è stata una commemorazione di tutti coloro che hanno perso la vita nell’eccidio, dei loro familiari, dei sopravvissuti e di Osvaldo, il bambino di 10 anni di Palazzaccio che ha portato, come lo spettatore apprende durante il prologo, questa storia come un peso pesante sulle proprie spalle per tutta la vita.

Birgit Käppeler

image Foto: Birgit Käppeler

L’artista Lorenzo Vanni ha creato in San Gusmè un giardino artistico con le proprie sculture ed installazioni. Finestra sulla Toscana è una delle sue opere.

 

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