Palazzo Ricci in Berlin

P1010662
Palazzo Ricci nach dem Konzert

 

Intime Begegnungen

Das Ensemble Palazzo Ricci hat seinen Sitz in Montepulciano, mitten in der Toscana, im Renaissance-Palast Palazzo Ricci.

Die Europäische Akademie für Musik und Darstellende Kunst Palazzo Ricci ist ein bedeutendes deutsches Kulturprojekt in Italien, das sich vor allem der Musik widmet.  Seit dem Jahre 2000 sitzt die Hochschule für Musik und Tanz Köln in diesem Palast, der nach umfangreichen Renovierungsarbeiten im Jahre 2001 als Europäische Akademie wieder eröffnet wurde. Und damit sind wir auch schon beim Anlass des gestrigen Abends: das 15-jährige Jubiläum. Die Akademie feierte ihren Geburtstag mit einem Konzert, das  mit einem ganz besonders sorgfältig ausgesuchten Programm am Gendarmenmarkt im Berliner Konzerthaus bestach.

Wenn man an die schöne Weinstadt in der Toscana, Montepulciano,  denkt, darf natürlich Hans-Werner Henze nicht fehlen. Hat er doch 1976 die Stadt, die Menschen dort und den Vino Nobile entdeckt und den Cantiere Internazionale d’Arte (eine Internationale Kunstwerkstatt) gegründet, eine  italienische Sommerakademie und ein Kultur-Treffpunkt für junge Sänger, Musiker, Regisseure, Künstler und Komponisten, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Die enge Verbindung zu Köln entstand, da Henze in der Enstehungszeit an der Hochschule für Musik und Tanz Köln lehrte.

Henze selber hatte beim Cantiere auch einige seiner Werke zur Uraufführung gebracht, wie die Kinderoper Pollicino (1980) aus der gestern die Sonatine für Violine und Klavier, glänzend vorgetragen von Gustavo Vergara und Anthony Spiri, aufgeführt wurde. Aber vorher durften wir an den Selbst- und Zwiegesprächen für Viola und Klavier (1984) teilnehmen. Die Serenade für Cello solo, gespielt von Leonid Gorokhov, diente anschließend als Brücke für eine Gegenüberstellung von Henzes Musik zu Luigi Nonos Komposition für zwei Violinen Hay que caminar (sognando). Nono entdeckte diesen Spruch zufällig 1980 im spanischen Toledo an einer Hauswand. Er stammt aus einem Gedicht von Antonio Machado „Caminantes, no hay caminos, hay que caminar“ (Wanderer, es gibt keine Wege, man muss gehen). Die Solisten sind im Parkett von Notenständer zu Notenständer gewandert und haben sich „unterhalten“. Stilmäßig waren sich die beiden Musikerkollegen und ursprüngliche Freunde hier sehr nahe. Im  Verlauf ihres Komponistenlebens hatten beide durchaus Unstimmigkeiten auszufechten, da Nono Henzes Musik nicht zeitgenössisch genug war, nachdem Henze sich dem Zwang der seriellen Musik der Darmstädter Ferienkurse nicht unterwerfen wollte und eigene Musik-Wege sucht und die Henze-Musik erfand. Bei dieser Begegnung gestern haben sie sich jedenfalls prächtig verstanden, was natürlich auch der ausgezeichneten Interpretation zu verdanken war!

Eingeleitet wurde das Konzert von einer Fantazia von Henry Purcell (1659-1695) „Upon one Note“ F-Dur Z 745; den Schluß bildete ein Kammerkonzert-Klassiker von Brahms (1833-1897) das Klavierquintett f-Moll o. 34 , ebenfalls wunderbar und in rasanten, brahmschen Galopp lebendig und mitreissend interpretiert von dem internationalen Ensemble dem der Amerikaner Anthony Spiri (Klavier), die griechisch-US Musikerin Ariadne Daskalakis (Violine), der Chilene Gustavo Vergara (Violine), der Hamburger Matthias Buchholz (Viola) und  Leonid Gorokhov (Violoncello), der aus St. Peterburg kommt, angehören. Brahms schrieb dieses Klavierquintett 1862 ursprünglich für zwei Celli und brachte nach Rücksprache mit Clara Schumann und Joseph Joachim so einige Änderungen an, bis es schließlich ein Klavier und Streichquartett wurde. Der Dirigent Hermann Levi schrieb im November 1864 an Brahms: „Das Quintett ist über alle Massen schön; wer es nicht unter den früheren Firmen: Streichquintett und Sonate gekannt hat, der wird nicht glauben, dass es für andere Instrumente gedacht und geschrieben ist.“

Seit 2012 Jahren gibt es in Montepulciano jährlich eine internationale Kammermusikwoche; Palazzo Ricci organisiert aber auch Meisterkurse und  Festivals, bei denen international bekannte und renommierte Dozenten mit Ensembles und Solisten ein Kammermusik Programm erarbeiten.

Wenn man im Sommer durch Montepulciano spaziert, kann man den Zauber hören. An jeder Ecke macht jemand Musik und Töne und Noten fliegen aus fast jedem Haus durch die flirrende toscanische Sommerhitze und hüllen die Besucher ein!

13697000_581331482045758_2642985487897142934_n

Bravi!

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Spectrum – Eröffnungskonzert im Kammermusiksaal der Philharmonie

kammermusiksaal mit Notenständern

 

Gestern Abend  fand das 29. Eröffnungskonzert in Kammermusiksaal der Philharmonie vor einem sehr reduzierten Publikum statt – was sehr schade war!.
Auf dem Programm standen drei gut ausgesuchte Werke für Streicher und Klavier.

Der erkrankte Pianist Igor Tchetuev wurde glänzend von der koreanischen Pianisten Yeol Eum Son vertreten. Gemeinsam mit Geige und Cello eröffneten sie den Abend mit Schostakowitschs Trio Nr. 1 für Klavier, Violine und Violoncello c Moll, op 8. Dmitri Schostakowitsch hat es 1906 für Tatjana Gliwenko komponiert während eines Kuraufenthaltes auf der Krim. Es war die Zeit, in der er sich seinen Lebensunterhalt (und den seiner Familie, nachdem sein Vater den Winter nicht überlebte) auch als Begleitmusiker für Stummfilme verdiente, was dem Trio durchaus anzuhören ist. Viel Bewegung und ungleiche Abschnitte und nervöse Noten bzw. Wörter zeichnen es aus.

Weiter ging es mit der Serenade für Violine, Viola und Violoncello in C-Dur, op 19 von Ernst von Dohnányi (1877-1960). Sie entstand 1902 als von Dohnányi 25 Jahre alt und gehört noch der spätromantischen Zeit an. Sie plätschert eher schön so dahin.

Nach der Pause folgte das beeindruckende Klavierquintett mit zwei Violinen, Viola und Violoncello in f-Moll von César Franck (1822-1890). Franck hat es 1879 komponiert als die französische Musik (und die Kunst)  gerade dabei war, in die Modernität einzutreten. Franck, beeinflusst von Wagner,  hat einen wichtigen Beitrag geleistet, um die französische Musik aus der Spätromantik hin zum Impressionismus  zu führen. Das Quintett zählt zu seinen besten kammermusikalischen Kompositionen lässt aber durchaus die Bedeutung der Orgel für Francks Musik erkennen.

Ausgezeichnete Interpretation von Boris Brovtsyn (Geige), Clara Jumi-Kang (Geige), Maxim Rysanov (Viola), Alexander Chaushian (Cello) und natürlich Yel Eum Son am Klavier.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Reden ist nicht immer die Lösung – Omer Fast

Reden ist nicht immer die Lösung.

P1010637

 

Vorhersehbare Überraschung

Im Rahmen des Programms „Immersion. Analoge Künste im digitalen Zeitalter“ sind zur Zeit im Martin-Gropius Bau sieben Filmprojekte von Omer Fast zu sehen. Der israelisch-amerikanische Videokünstler verarbeitet in seinen Projekten Krieg, Gewalt, Sex, Erziehung und Zusammenleben.

Continuity entstand 2012, wurde auf der dOCUMENTA 13 gezeigt und dauert 40 geheimnisvolle, paradoxale Minuten. Ist der aus Afghanistan Heimgekehrte wirklich der Sohn, ober beginnt hier schon das kranke Ritual der immer wieder wechselnden Söhne (oder Liebhaber), die eigentlich bezahlte callboys sind und nach dem Auftrag verschwinden? Eine Bäckerei spielt eine bedeutende Rolle und ein tödlicher Unfall mit Unfallflucht (mit dem Auto der Eltern) verwirrt alles noch ein wenig mehr. Und dann fahren sie wieder die lange Waldstraße entlang bis zum Bahnhof, wo der nächste in den Wagen steigt. Irgendwie will man begreifen, was Sache ist und hofft auf den Schluss, der aber keine Klärung bringt.

Iris Böhm und André Hennicke spielen auch bei Spring die Eltern. Auf fünf  miteinander verbundenen Monitoren läuft der 44 Minuten-Thriller, bei dem sich die Geschehnisse mit Continuity vermischen. Ist es die Vorgeschichte, oder die Fortsetzung, der Film springt durch die Zeit. Omer Fast manipuliert uns hier und treibt den Zuschauer zu Vermutungen, die nicht bestätigt werden. Trotz brutalen Szenen ist es ein Film, der den beunruhigenden Frieden herbeisehnen soll.

Verlässliche Informationen gibt er uns – bewusst –  nicht, lockt aber den Besucher ständig auf falsche Fährten, um sich dann doch anders zu entscheiden. Es kommt eigentlich nie so wie man es erwartet und deshalb sind die Filme wieder vorhersehbar. Omer Fast ist sehr viel mehr Filmemacher als Videokünstler, jedenfalls in dieser Ausstellung.

Im Wartezimmer der Ausländerbehörde verarbeitet er Eigenerfahrungen und Selbsterlebtes. Vor den typischen Stühlen der deutschen öffentlichen Verwaltung und einem Getränkeautomat der außer Betrieb ist, laufen die Nachrichten über den Bildschirm. Den Sinn holt man aber nicht heraus, da es sich um zusammengestückelte Collagen aus Reportagen nach dem 9/11 handelt. Ein verwirrender „Information Overflow“ ohne Zusammenhang, der den Betrachter zur Konzentration zwingt, um nichts zu verpassen. CNN Concatenated entstand 2002 und dauert 18 Minuten.

Zwischen den Filmsequenzen je ein Warteraum, heller und erholsamer. In der Abflughalle steht ein verlorener Koffer in der Ecke, zu groß eigentlich für Handgepäck, geht uns durch den Kopf. Auf den Stühlen liegen verstreut zurückgelassene Zeitungen und das Journal des Martin-Gropius-Bau über die Ausstellung. Die Anzeigentafel informiert, dass der Flug nach Rom schon wieder gestrichen ist! Dafür läuft hier zur Unterhaltung der wartenden Passagiere der Film „5000 Fuß ist am besten“. Ein US Drohnenpilot wird über seinen Middle East Einsatz interviewt. Er hat Probleme damit, am Tod von Menschen schuld zu sein und muss auch wohl deshalb gleich zu seinem Arzttermin.

August ist sein neuestes Werk. Er hat den Film für diese Ausstellung im Gropius-Bau gedreht. Hier erzählt Omer Fast vom Leben des Kölner Fotografen August Sander, der von 1876 bis 1964 arbeitete und dessen Sohn in einem KZ ums Leben kam. Für diesen 3D-Film stehen Brillen zur Verfügung, die surreal durch Sanders Fotografen-Leben führen. Ein alter einsamer, fast blinder Mann tastet sich auf Schnüren mit Glöckchen durch seine Wohnung ins Freie. Nachts im Wald holt ihn immer wieder die Erinnerung ein. Unser Mitleidspotenzial wird hier strapaziert. Angeblich ist sein Sohn an einer Blinddarmentzündung gestorben, sagt ihm der Nazi-Offizier, den er portraitieren soll und der ihm versichert, wie sehr er sein Talent bewundere.  „In einer perfekten Gesellschaft würden wir sie alle herausschneiden, bevor sie aufmüpfig werden können“.  Er meint wohl die Blinddärme! Trost spendet ihm dieser Satz aber trotzdem nicht. Dieser Film ist seine poetischste und auch seine romantischste Arbeit; leidende Schubert-Musik begleitet die Szenen einer tristen Biografie.

Eine gut berechnete Gratwanderung zwischen Kunst und Kino, zwischen Fiktion und Realität, zwischen Dokumentation und Unterhaltungsfilm mit permanenten Zitaten der alten und neueren Kinogeschichte. Situationen wie sie Lars van Trier oder Pasolini hätten erfinden können, die uns aufgewühlt aus dem Saal entlassen. Momente der Erinnerung dringen in die Gegenwart ein, werden von verschiedenen Seiten dokumentiert und präsentiert und was letztendlich Wirklichkeit ist und was nicht, vermag man nicht zu unterscheiden, obwohl man instinktiv überzeugt ist, dass es wichtig wäre.

Die Filme laufen im loop und es ist ziemlich egal ob man sie von der Mitte oder aber irgendeiner Minute sieht.

Ach ja, der Titel ist der Ausstellung ist ein Satz aus einem der Filme; die Interpretation bleibt jedem selber überlassen – aber Reden ist nicht immer die Lösung!

 Omer Fast ist 1972 in Jerusalem geboren und in New York aufgewachsen. Auf der dOCUMENTA 13 und auf der 54. Biennale von Venedig wurden Arbeiten vom ihm gezeigt. Nach Einzelausstellungen  in New York, Amsterdam, in Stockholm, Montreal oder Barcelona ist dies seine erste große Schau in Berlin.

Omer Fast ist zusammen mit Clemens von Wedemeyer, der zur Zeit in Hamburg zu sehen ist, sicher einer der interessantesten, aktuellen Video- und Installationskünstler, wobei Fast noch einen Schritt weiter geht!

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Orte und Einfluß – Clemens von Wedemeyer

Orte und Einfluss

 

P1010594
Ausstellungsplakat

Erst beim zweiten Hinsehen bemerkt man, dass das, was man sieht, kein Foto ist.  100 Meter Entfernung machen aus den über einen Platz gehenden oder hetzenden Menschen wuselnde Lebewesen. Ene Drohne hat das fotografiert. Die nicht identifizierbaren Menschen bewegen sich, bleiben stehen, gehen weiter, warten auf Jemanden, versammeln sich. Wir wissen nicht woher sie kommen oder wohin sie gehen und es interessiert uns auch nicht. Handlungsort ist der Verbindungsplatz zwischen Alt- und Neubau der Hamburger Kunsthalle. Square heißt dieser Film von Clemens von Wedemeyer im ersten Saal der Hamburger Kunsthalle, wo seit dem 30. September seine wichtigsten und neuesten Film-Videoarbeiten aus den Jahren 2002-2016 zu sehen sind. Sie alle lösen auf ihre Weise eine Beklemmung aus und ersticken jedes Wohlfühlgefühl. Zukunftsvisionen oder Anlehnungen an Science Fiction Verfilmungen von Philipp K. Dick. Einsamkeit und Überwachung, Totalkontrolle in Grautönen.

Von Wedemeyer beschreibt in Filmen mit unterschiedlicher Länge die Geschichten von reellen Orten in der Gegenwart, Vergangenheit und in der Zukunft.  Esiod dauert 38 Minuten und ist eine Vision der Zukunft, genauer gesagt man schreibt das Jahr 2051. Eine junge Frau kommt nach vielen Jahren von irgendwo her zurück. Eine Computerstimme heißt sie Willkommen. Sie scheint verloren und erkennt ihr Umfeld wohl nicht mehr, kann sich nicht an alles erinnern. Aus einer Art U-Bahn kommend überquert sie einen Platz, der schon mal bessere Zeiten gekannt hatte. Sie wird von maskentragenden Polizisten kontrolliert und gelangt schließlich zu ihrer ehemaligen Bank. Dort findet sie nicht gleich den Eingang und zeigt – zum Glück – eine menschliche Regung: Ärger! Die Tür ist verschlossen. Aber kurz darauf trifft sie auf den Manager. Sie will ihre Identität und ihre Erinnerung zurück haben, ihr Persönlichkeitskonto auflösen, dazu muss sie sich anhand eines choreografischen Bewegungscodes – wie viele andere Bankkunden auch – identifizieren. Es geht also nicht nur um Geld, es geht vor allem um persönliche Daten, die sie der Bank anvertraute. Wie es scheint, hat die Digitalisierung sie hinter sich gelassen, sie war zu lange weg. Ein Space-Soundtrack unterstützt eine dumpfe Mahr, aber eher beim Zuschauer. Sie scheint relativ ruhig und gedopt den Problemen und Machtgefilden gegenüber zu stehen. Der Identifizierungsprozess endet in ihrer Defragmentation. Sie löst sich in staubähnliche Hologrammpartikel auf.

Eine Wiener Bank hat den Film in Auftrag gegeben und deshalb spielt er auch in Wien, allerdings ist der Wiener Schmäh nicht mehr auszumachen und blauer, nicht greifbarer Kälte gewichen.

 

P1010615
Esiod 2015 (2016)

Für Clemens von Wedemeyer (*1974)  ist es seine erste bedeutende und umfassende Ausstellung. Man muss viel Zeit mitbringen, denn die Filme sind alle relativ lang. Sun Cinema Projekt entstand 2010 und dauert eine knappe Stunde. Wedemeyers Beitrag für die  dOCUMENTA XIII, Muster, mit dem er 2012 international bekannt wurde läuft 3 x 27 Minuten und zeigt in drei Sequenzen Geschichte und Nutzung in den Jahren  1945, 1970 und 1994 des  ehemaligen Breitenau-Kloster bei Kassel. Die filmische Installation Basel Podest (2006) spielt in einem Fernsehstudio, in dem so einiges schief gelaufen sein dürfte. Umgefallene Möbel und Blutstropfen – aber alles ist Fake, wie bei der Truman Show.

Heute lebt und arbeitet von Wedemeyer in Berlin und Leipzig als Professor für Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. 2013/2014 war er Stipendiat der Villa Massimo in Rom und hat dort im MAXXI „The Cast“, eine Reise durch das italienische Kino und Cinecittà präsentiert. Die alten Kinoklassiker werden immer wieder zitiert in seinen Arbeiten.

Der Übergang von der Besucherrolle zur aktiven Beteiligung kann ganz schnell passieren. Oft reicht nur der Schritt über die Schwelle und man vergißt die Jahreszahl!.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Unerhörte Musik – Forseti Quartett

Unerhörte Musik – das Forseti-Quartett wirbelt durch das BKA

 

forset
Forseti Quartett im BKA

Das Saxophon-Programm gestern Abend im BKA Theater stand unter dem Motto „Macht Freiheit“!

Das Quartett eröffnete den unglaublichen Konzertabend mit einem Werk von H. Johannes Wallmann aus 1992 „Gleich den Vögeln – vergiss nicht, dass Du Flügel hast“ für vier voneinander weit entfernte Saxophone. Und wie der Titel schon sagt, ging es hier um Fliegen, Flattern, Schnabeln, Piepsen – eine ganze Waldfauna oder ein Gefiederzoo plapperte und disputierte im Vogeldialog fröhlich durcheinander.  In jeder Himmelsrichtung steht ein Musiker. Die Saxophonisten agieren, reagieren und interpretieren.  Es gibt keine festen Regeln und je nach Raum und Akustik hört es ich immer anders an. Brillant vorgetragen und der persönlich anwesende Wallmann war sichtlich zufrieden mit der Interpretation.

Im Anschluss das Saxophonquartett von Lisa Streichs Madonna del Prato. Es ist 2012 entstanden und basiert – sehr entfremdet -  auf der Bachkantate „Komm, o Tod, du Schlages Bruder“. Dekonstruktiv,  ruhig, meditativ und kontemplativ plätschern die Wassernoten dahin und setzen sich ab wo sie grad Lust haben. Lisa Streich hat es als Hommage an Giovanni Bellinis Gemälde gleichen Namens komponiert.

Nach der Pause ging es weiter mit einer Uraufführung. Das Stück So Be it von Thierry Tidrow entstand 2016 und wurde für das Forseti-Quartett geschrieben.  Diese Interpretation war die vollendete Umsetzung eines genialen Stückes. Forseti, ist der Name eines nordisch/germanischen Windgottes und hier kam er voll zum Einsatz, der Windgott mit seinen Kindern und Nebengöttern. Die Musiker sprechen zum Teil in ihr Instrument, die Wörter wollen aber nicht bei uns ankommen, sie bleiben drin oder werden beim Versuch zu entkommen abgewürgt oder vom Wind weggetragen. Wie ein politischer Diskurs über Lautsprecher, der lärmend und unkontrolliert im Nichts verläuft, vorher aber Häuser und Gegenden verwüstet. Grandios!

Anschließend wurde es poetisch. Der Bonner Komponist Hans Thomalla (*1975) hat sein Werk Albumblatt II 2012 geschrieben. Hier geht es um Nostalgie und um Festhalten dieser, um Nachhaltigkeit von dem was war. Rhythmisch haltbare, zarte Klänge werden zu Gedichten, zum Poesiealbum der 50er Jahre und wie der Altsaxophonist Frank Riedel so passend sagte: „In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken“!

Zweifeln Sie aber jetzt bloß nicht am Zeitgenössischen dieser Komposition!

Mit einem ihrer Lieblingsstücke ging das Konzert zu Ende. Reach Out von Dai Fujikura (*1977) entstand 2002. Permanenter  Saxophonwechsel hält die Musiker in Atem. Es beginnt ruhig und harmonisch, wird aber im Verlauf rockig und jazzig und man kann gut nachvollziehen, warum sie es gerne spielen. Dai Fujikura hat früher zur Gruppe Gruppe Guns N’Roses gehört.

Das Forseti Saxophonquartett ist 2005 entstanden. Alle vier Musiker, Magdalena Lapaj-Jagow, Sopransaxophon; Dom Childs, Sopran- und Altsaxophon; Enrico Taubmann, Sopran- und Tenorsaxophon; Frank Riedel, Sopran- , Alt- und Baritonsaxophon, waren Schüler bei Prof. Daniel Gauthier an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. In vielen Meisterkursen im In- und Ausland perfektionierten sie sich und setzen sich jetzt  hauptsächlich mit zeitgenössischer Musik auseinander.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Il trionfo del tempo e del Disinganno

P1010502

 

Enjoy yourself – It’s later than you think!

Il trionfo del Tempo e del Disinganno – Der Triumpf von Zeit und Enthüllung (der Wahrheit)

Papst Innozenz XII rief  im Jahre 1700 ein Heiliges Jahr aus. Eine der Konsequenzen daraus war ein totales Opernverbot im sumpfigen und unmoralischen Rom. Auch sein Nachfolger, Papst Clemens XI, achtete auf die Einhaltung dieses. Weil man aber in Rom ohne Oper, Theater oder Musik nicht leben konnte, erfand man kurzerhand das Oratorium. Alessandro Scarlatti soll daran maßgeblich beteiligt gewesen sein. Theologisch fundiert und oft sich auf biblische Themen stützend, konnte ein Oratorium trotz päpstlicher Strenge meistens zur Aufführung gelangen.

Der junge Sache, Georg Friedrich Händel kam 1706 nach Italien und 1707 nach Rom, wo er schnell Zugang zu der kulturellen und wohlhabenden Schicht fand und – auch wegen seiner Virtuosität an der Orgel – begeisterte. Noch im selben Jahr entstand « Il trionfo del Tempo e del Disinganno » . Ein kompositorisches Jugend-Meisterwerk, das an Perfektion und Schönheit fast nicht zu übertreffen ist. Den Text dazu bekam er von dem sehr begabten Benedetto Pamphilj, der sich wohl an Maria Magdalena orientiert hatte und später noch mehr Libretti für Händel schreiben sollte.

Vier allegorische Wesen bestreiten das Werk.

Bellezza,  selber von ihrer Schönheit fasziniert und flankiert von Piacere (Vergnügen), die trotz tickender Uhr darauf besteht, das Heute zu leben und nichts zu verpassen stehen Tempo (Zeit) und  Disinganno (Wahrheit  oder Enttäuschung) gegenüber. Ein geistreicher Disput zwischen Vergänglichkeit, Religion, Demut und Frivolität.  Jürgen Flimm lässt die Geschichte in einem schicken Restaurant wohl in Berlin Mitte spielen, die rich and beautiful people kommen selber gerade aus Händels Aufführung in der Staatsoper, was wir am Programmheft erkennen können.  Es war sicher eine Premiere, denn Alle sind in lange und sehr elegante Roben gewandet. Ein Kommen und Gehen von anderen Konzertbesuchern, die nur stumme Rollen haben, sich lebhaft unterhalten und zum Teil auch gar nicht auf den anspruchsvollen und philosophischen Disput unserer vier Allegorien achten.  Bellezza-Marilyn, auch physisch immer hin- und hergerissen zwischen dem Vergnügen und der Uhr, fühlt sich sichtlich bedroht von den knallharten Ermahnungen der ernüchternden Disinganno und schwört aber trotzdem Piacere ewige Treue, was sich als großer Fehler herausstellen wird.

 

P1010505
Tempo, Disinganno, Piacere und Bellezza

Händels musikalische Lösungen für jedes Bild sind dramatisch, beschreibend um umwerfend schön. Berauscht-verzückt, heißblütig,  vielfältig und amüsant-unterhaltsam dann wieder klagend-leidend, nachdenklich, unsicher und schwermütig-grüblerisch oder sinnlich oder komisch – Händel hat für jede Rolle den richtigen Ton gefunden. 

So gesehen entfernt sich Il Tionfo sehr weit vom herkömmlichen Oratorium. Der auch musikalisch stille und bescheiden hingenommene Stieg der Kirche hat es aber immer salonfähig bzw. kirchenfähig gemacht. Händel selber hat bestimmte Fragmente in spätere Werke, wie z.B. in Rinaldo, nochmals überarbeitet und eingebaut und einige Melodien wohl schon im Hamburger-Gepäck nach Rom gebracht.

Disinganno (ausgezeichnet Sara Mingardo) ist die einzige dunkle Stimme, erdverbunden und ernst-mahnend. Tempo  (Charles Workman, Tenor), war auch schauspielerisch ganz in seiner Rolle. Inga Kalna hat das Vergnügen mit Temperament, Ärger und Perfektion hingedonnert. Piacere hat wohl auch die aufregendsten Arien in dem Stück. Die Schöne war Hélène le Corre. Bemerkenswert und fast schon ein wenig pathetisch wie sie sich von einer aufgedonnerten Blondine in eine Büßerin verwandelt und sich demütig auf den Boden wirft; dies vor den Augen der müden Kellner die nach Hause wollen, die Stühle auf den Tisch stellen und die Tischdecken auf den Boden werden, was  das Restaurant irgendwie in ein Kirchenschiff verwandelt.

Und natürlich die Staatskapelle Berlin mit Sébastian Rouland am Pult – unverwechselbar dynamisch, einfühlsam und  perfekt!

Ach ja, und Händel selber hat sich in dem Stück auch eine Rolle gegeben und deshalb wird er zur Sonata im ersten Teil er als anmutiger Jüngling an der Orgel (Thomas Guggeis) begleitet von Corelli an der Geige (Wolfram Brandl) ins Restaurant geschoben.

Viel Applaus für alle aber vor allem für das Vergnügen!

 

P1010508
nach der Vorstellung

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Canova und der Tanz

P1010435
Ausstellungsplakat am Bode Museum
 

Alles schwebt

Terpsichore, Liebesgötter und kalte Schönheiten

Der italienische neoklassizistische Künstler Antonio Canova (1757-1822) zählt zusammen mit dem Dänen Thorvaldsen zu den bedeutendsten Bildhauern seiner Zeit.

Das Bode-Museum hat ihm anlässlich ihrer Wiedereröffnung vor 10 Jahren diese Ausstellung, die den Fokus auf Canovas Passion, den Tanz, richtet, organisiert.

Aus Canovas Reisetagebüchern weiß man, wie sehr er von Tanz und Theater angezogen wurde und wie sehr ihn Bewegung an sich faszinierte. Mit seinem Künstlerfreund Antonio D’Este hat er so einige Sommernachmittage im damals populären Trastevere-Viertel in Rom verbracht, um die Mädchen bei den Volkstänzen zu beobachten und sich ihre fliegenden, leichten Bewegungen einzuprägen, die er in Zeichnungen festhielt und später in Marmor einfror. Der Bleistift sei mit dem Meißel gleichzustellen, beides Werkzeuge, die zur Unsterblichkeit führen, schrieb sein Freund Missirini in einer Künstlerbiographie.

P1010449
Hauptsaal der Ausstellung

Canovas Arbeiten sind aber auch beeinflusst von griechischen Vasen und von den Fresken in Herculaneum, die er immer und immer wieder aufsuchte. 1749 wurde die Villa des Cicero in Pompeij entdeckt und auch diese antiken Wandmalereien waren wie eine Revelation für ihn.

Die Tänzerin mit dem Finger am Kinn ist nur als Gipsmodell (mit Bronzenägel) zu sehen. Seine Heimatstadt Possagno hat sie glücklicherweise ausgeliehen. Die Bronzemarkierungen  sollten dafür sorgen, das Original in Marmor maßstabsgetreu nachzubilden. Wo sich das Original heute befindet, weiß man nicht.

 

P1010457
Gipsmodell aus Possagno

 

Josephine de Beauharnais, Napoleons erste Frau, hat eine der bekanntesten Tänzerinnen, die mit den Händen in den Hüften, in Auftrag gegeben. 1815 landete sie mit zwei anderen Skulpturen von Canova  in der St. Peterburger Hermitage.

Eines der highlights in der Schau ist das Fries Markt der Putten; es entstand 1799, vierzig Jahre nachdem in Stabiae (Nähe Pompeij) ein Fresko freigelegt werden konnte, das den vielseitigen Gott Merkur als Amorino-Händler repräsentiert. Er übergibt ledigen und nicht-verliebten Mädchen einen Amorino, den sie solange behalten, bis der Liebespfeil sie trifft und der Liebesbote  muss bis zum nächsten Einsatz wieder  in den Käfig zurück.  Goethes Gedicht Die Liebesgötter auf dem Markte basiert übrigens auf dieser Geschichte. Das Fries von Canova lässt auf den ersten Blick an ein Ballet denken, alles fliegt und tanzt amüsiert durch die Geschichte. Das Exponat ist ebenfalls eine Leihgabe aus Possagno.

Die Kälte, die der deutsche Archäologe und geistige Erfinder des Klassizismus  Winckelmann, suchte oder diktierte verschwindet, wenn man sich mit dem tanzenden, reinen und makellosem Marmor konfrontiert. Canovas Tänzerinnen berühren den Boden fast nicht, sie schweben schwerelos wie Hebe, deren Fußspitze nur andeutungsweise den Boden berührt. Sie ist 1796 entstanden und eines seiner Meisterwerke. König Friedrich Wilhelm III erwarb die Skulptur 1825 für die Berliner Museen.

P1010446
fünf Tänzerinnen, Mischtechnik auf Leinwand aus Bassano del Grappa,
 

Als Kooperationsprojekt der Staatlichen Museen zu Berlin mit dem Museo Canova in Possagno und dem Museo Civico in Bassano del Grappa ist diese Ausstellung entstanden. Sie ist noch bis zum 22. Januar 2017 im Bode Museum zu sehen und darf nicht verpasst werden.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Kontraklang – Maulwerker und Rühm

Onomatopoesie-Abend

 

maulwerk
« Maulwerker » nach der Veranstaltung

 

Kontraklang: Lautdichtungen und Sprechduette

Gerhard Rühm, der bei der gestrigen Performance im Heimathafen Neukölln persönlich anwesend war, ist einer der bedeutendsten Künstler, ein Tausendsassa oder Wunderwurzi wie die Österreicher sagen. Er ist Schriftsteller, Lyriker, Schauspieler, Komponist, Performancekünstler, Maler und Poet. Gestern Abend hat er Gedichte oder Lautdichtungen aus seinem Repertoire vorgetragen – allein und Sprechduette er mit seiner Frau, der Musikpublizistin Monika Lichtenfeld. Dass er 86 Jahre alt ist würde man nicht vermuten. Temperamentvoll und witzig, ein einfallsreicher Sprachkünstler und Grenzgänger zwischen Noten, Buchstaben und Sprachexperimenten.

Das Programm begann mit der Kurzoper „Die Schwester“ (2016) von Christian Kesten (er gehört, wie auch Steffi Weismann, zu den Maulwerkern) nach einem Libretto von Gerhard Rühm und vorgetragen von dem Ensemble „Maulwerker“. Spannend, hauchend, schreiend, gestikulierend und Gegenstände verrückend hielt diese Performance das Publikum in Atem, wenn  man sich überhaupt traute zu atmen.

Die Künstler erzählen die Geschichte einer Person, die sich mit einer zweiten Person über eine Dritte unterhält. Sie spielt weit weg, vielleicht auf einem anderen Planeten. Die Sprache, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr; aber es gibt noch eine Wohlfühl-Verbindung zu früher, zum Bekannten. Das Radio, die unzähligen Frequenzstörungen lassen dann und wann ein Wort durch das wir verstehen und kennen, Musik  (von Ravel) ist zu hören und allgemeine Störgeräusche. Aber immerhin hat das ausgereicht, um am Ende zwei Sätze zustande zu bringen. „Es war schönes Wetter heute“.

Dann kam Rühm auf die Bühne und las vier Soli (Seufzerprozession (2009), Lautgedicht (2000), Verlautbarung, eine Sprechstunde in Amtsdeutsch (2006) und Josephslegende (2007). Weiter ging es mit den Sprechduetten und dazu kam kam Monika Lichtenfeld zu ihm auf die Bühne und es wurde sehr lustig. Anschließend  wissen wir also, dass ein Mann den Rekord an gesprochenen Wörtern innehat und Frauen erst ab 30 Jahren mehr reden, um ihren vor ihnen sterbenden Männern auch alles noch mitteilen zu können. Köstlich die Beiden!

Nach der Pause wieder die Maulwerker mit einem frühen, sehr minimalem, Werk von Rühm aus 1962 sowie einem Beitrag von Sven-Ake Johannson (Stereo für 8 aus 2005). Johannson war übrigens auch persönlich anwesend.

Antje Vowinckel lebt als  Radio – und Klangkünstlerin, Performerin und Regisseurin in Berlin. Sie ließ Amy Walker in 21 Dialekten oder Akzenten ihren Kurz-CV auf Video herunterplattern  (das Video 21 accents gibt es auf Youtube) – es lohnt sich!

Steffi Weismanns „folie (2016) hat uns sehr berührt und mit Panik überschüttet. Fünf Maulwerker befanden sich auf der dunklen Bühne und hatten Plastikfolien auf dem Gesicht. Wir konnten die Atembewegungen und angsterfüllte Atemveränderungen  hören und sehen. Ein weiteres Mitglied hat diesen Schauer-Prozess mit einer lauten und monotonen Ratsche begleitet.

Rühms Väter sind u.a. auch die Dadaisten und wie er zerlegt er Sprachmaterial und baut Buchstabenmusik oder Gedichte daraus. Hugo Ball und Emmy Hennings praktizierten dies zum ersten Mal im Februar 1916, im Jahr der Erfindung der Dada-Bewegung als sie im Cabaret Voltaire in Zürich Unsinnsgedichte vortrugen und viel Erfolg verzeichnen konnten. Der Österreicher Rühm lebt seit den 60er Jahren in Berlin und Köln, in Wien hat man ihn nicht verstanden und es gab sogar ein Publikationsverbot.

Die Maulwerker haben sich in der jetzigen Formation 1988 gegründet und sind aus musiktheatralen Werken unseres Jahrhunderts nicht wegzudenken. Zu Ihnen gehören  Michael  Hirsch, Ariane Jeßulat, Henrik Kairies, Christan Kesten, Katarina Rasinksi, Tilmann Walzer, Steffi  Weismann. Sie sind Sänger, Performer, Künstler, Schauspieler oder Komponisten  und dementsprechend auch ihre Spannbreite als experimentelles Vokalensemble oder Musik-Raum-Klang-Architekten die sich mit Cage und Fluxus befassen.

Interessanter Abend!

Das nächste Konzert organisiert durch Kontraklang „Nach Kagel“ findet am 15. Dezember 2016  auch wieder im Heimathafen Neukölln statt.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Deutschland – Erinnerungen einer Nation – Ausstellung

Deutschland – Erinnerungen einer Nation

 

P1010413
 Ausstellungsplakat

 

Der Britische Blick: Deutschland – Erinnerungen einer Nation

Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden(Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, Xenien, 1796)

Seit dem 9. Oktober 2016 ist im Martin Gropius-Bau eine Ausstellung zu sehen, die das Deutschlandbild beschreiben soll – aus Sicht der Briten wohlgemerkt. Der Historiker Neil McGregor, Intendant des sich gerade im Aufbau befindenden Humboldt-Forums und ehemaliger Direktor des British Museum, hat sie 2014/2015 für eben dieses Londoner Museum organisiert. Ziel sollte sein, das vor allem vom 20. Jahrhundert geprägte Deutschlandbild der Briten auf die Vergangenheit auszudehnen und deren Geschichtshorizont zu erweitern. Das Interesse war groß, denn rund 115000 Besucher konnte die Schau in dieses kulturgeschichtlich außerordentlich bedeutende Museum locken.

Mit 200 Exponaten, von denen sehr viele aus dem British Museum kommen, werden 600 sehr bewegte Jahre unseres Landes dokumentiert. Ein Land, das sich immer wieder neu erfinden musste, ein Land, das permanent seine Grenzposten verrückte und seine Zollschranken versetzte, ein Land, das mit unzähligen unterschiedlichen Währungen und Sprachen umzugehen hatte. Ganz anders als bei unseren britischen Nachbarn. Londinium wurde bereits im Jahre 50 n.C. von den Römern gegründet und ist seit 1066 Hauptstadt des Königreichs England; das englische Pfund Sterling wird schon im 11. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt.Eine Informationstafel aus dem 17. Jahrhundert gleich in den ersten Räumen dokumentiert das sehr er- und einleuchtend.

Die Schau beginnt mit der Presseberichterstattung zum Mauerfall 1989 und wandert durch die Themenbereiche „Deutschland – Erinnerungen einer Nation“, „Fließende Grenzen“, „Reicht und Nation“, „Made in Germany“, „Krise und Erinnerung“.

Didaktisch und abwechslungsreich werden Kultur, Wirtschaft und Politik von der Frührenaissance bis zum Mauerfall behandelt. Dichter, Philosophen, Künstler, Erfinder und Politiker kommen zu Wort. Maximilian I, ab 1508 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, gab bei Dürer so Manches in Auftrag. Von Ihm sind einige Arbeiten ausgestellt, darunter die Rhinozeros-Radierung von 1515 (die er übrigens nur nach einer Beschreibung eines solchen fertigte); im selben Raum steht  das Porzellan-Pendant von Johann Gottlieb Kirchner. Tischbeins wandfüllendes Goethe-Portrait in der Römischen Campagna, die deutsche Landschaftsromantik repräsentiert u.a. durch  Caspar David Friedrich, filigrane astronomische Gerätschaften,  Gutenbergs Buchdruck, Luthers Bibel, Heinrich-Heine und ein Neoprenanzug.

Am Brezel-Käfer von 1952 vorbei hat sie uns eingeholt, unsere  finstere Geschichte des 20. Jahrhundert. Dort steht das Lagertor (eine Replik) von Buchenwald.  Das KZ Buchenwald wurde 1937 praktisch vor der Haustür der Bauhaus-Stadt Weimar, der Stadt, in der Goethe und Schiller wirkten, errichtet. Franz Ehrlich, Bauhaus-Schüler und Inhaftierter in Buchenwald hat es entworfen. Von innen lesbar steht dort in Bauhausschriftzügen „Jedem das Seine“. Daneben an der Wand springt uns der Satz von  Paul Celan.„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ ins Gesicht; Anselm Kiefer hat die Todesfuge in Kunst umgesetzt. Erschütternd die Skulptur « Schwebender“. Ernst Barlach hat sie 1927 für den Dom zu Güstrow gefertigt. Ein in der Luft hängender und in Ketten gelegter Engel mit gebieterischem Kinn, vor der Brust gekreuzten Armen und mit den Gesichtszügen seiner Künstlerkollegin Käthe Kollwitz scheint er wie eine Rakete auf uns zuzuschwingen. Barlach kam als Pazifist aus dem Krieg zurück und hat mit diesem Werk das Drama des Ersten Weltkrieges verarbeitet. Die Schau verabschiedet sich mit einem Offset-Druck einer der Meisterwerke von Gerhard Richters, Betty , sie hängt gegenüber einem  Modell des  neuen Reichstags, schaut ihn aber nicht an, da sie uns und ihm den Rücken zudreht.

« Die Ausstellung öffnet uns den Blick zurück und gibt uns unsere eigene Geschichte wieder“so der künstlerische Direktor und Intendant der Berliner Festspiele, Thomas Oberender.

Das Konzept ist seltsam und hatte natürlich auf der britischen Insel einen ganz anderen Stellenwert. Wir wissen ja, dass es außer Sauerkraut, Fußballhelden, dem Oktoberfest, den romantischen und  bei rieselndem Schnee Glühwein-schlürfenden Weihnachtsmarktbesuchern und der Kuckucksuhr noch Anderes – Schönes und Unschönes, Gutes und Schlechtes  – bei uns gibt.

Auf Interesse scheint die Ausstellung in Berlin aber trotzdem zu stoßen, wenn man die vollen Ausstellungsräume als Maßstab nimmt und beobachtet, wie andächtig die deutschen Gruppen den Ausführungen ihrer Museumsführer zuhören, wenn dieser ihnen Deutschland erklärt!

Sehenswert allemal!

Bis zum 9. Januar 2017 ist sie noch im Walter-Gropius-Bau zu sehen.

 

P1290552
Foto in der Casa di Goethe / Rom (Goethe von Tischbein in der Campagna Romana)

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Göttlich Golden Genial – Der Goldene Schnitt

Göttlich Golden Genial

P1010401

 

Weltformel – Goldener Schnitt?

Was ist Schönheit? Was ist Perfektion? Ist es mystischer Zauber? Wer oder was definiert es?

Das Museum für Kommunikation in Berlin setzt sich zur Zeit in einer Ausstellung mit diesem Thema auseinander.

Der Goldene Schnitt oder das perfekte Verhältnis. Sei es in der Natur, Mathematik, Architektur, Malerei oder Mode, der Goldene Schnitt ist überall versteckt und man braucht dazu in keiner Zaubewerkstatt verschwinden.  In der Fibonaccio-Folge, einer Stradivari-Geige, den Arbeiten der russischen Konstruktivisten, Rothkos Bildern, in Leonardos Zeichnungen und Intarsien, in der Goldenen Spirale vom deuschen Künstler Hansjörg Voth, die er in der marokkanischen Wüste gebaut hat oder in einem Gebäude von Le Corbusiers. Angeblich soll das Gesicht von Marilyn Monroe ein Beispiel davon sein, der wunderschön geformte Broccoli Romano fällt darunter oder eine Sonnenblume. Schon die Griechen haben sich mit diesem Wunder befasst und natürlich die Renaissance; aber erst im 19. Jahrhundert wurde der Goldene Schnitt bewusst zum Inbegriff des Harmonischen.

 

P1010365P1010397P1010375P1010373P1010369P1010367

 

Multimedial und interaktiv versucht die Ausstellung dieses Phänomen zu hinterfragen, bzw. es verständlich zu machen. Was in der Ausstellung leider nicht immer gelingt. Der Zuschauer steht vor wohlgeformten Muscheln, Früchten oder Häusern und sucht Erklärungen die fehlen, um der Sache wirklich auf den Grund gehen zu können. Der Besucher kann seine Gesichtszüge holografisch mit den goldenen Proportionen vergleichen oder auf der Gorschel-Orgel goldene Musik spielen.

Interessant ist die Ausstellung allemal!

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Petite Messe Solennelle

P1040290
 nach dem Konzert

Gestern Abend hat es sich wieder einmal gezeigt, dass man nicht unbedingt die großen und bekannten Chöre und Sänger braucht, um eine prächtige und schöne Aufführung von Rossinis kleiner und doch so großer, genialer, schwieriger und mit über 80 Minuten gar nicht so kleiner Messe zu hören.  

Der Bonvivant Rossini musste ja etwas tun, um sich sein Plätzchen im Himmel zu sichern und hat 1863 die Musikwelt mit diesem bedeutenden sakralen Werk überrascht: über 30 Jahre nach dem Erfolg von Wilhelm Tell und seinem ersten kirchlichen Werk, dem Stabat Mater (1832). Ganz bescheiden – wie der Bittsteller Rossini vor Gott – ist sie. (Rossini: Hier ist sie, die arme kleine Messe. Ist es wirklich heilige Musik (musique sacrée) oder doch vermaledeite Musik (sacrée musique?) Ich bin für die Opera buffa geboren. Du weißt es wohl! Ein bisschen Können, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.)  Zwei Instrumente (Klavier und Harmonium), vier Solisten und ein Dutzend Sänger, mehr braucht sie nicht, diese wuchtige und so abwechslungsreiche Opern-Messe.

 

Rossini in Rom

 

Er hat sie in Paris geschrieben, für ein französisches oder italienisches Publikum. Uns Deutsche wollte er damit eher verschonen. „Das ist keine Kirchenmusik für Euch Deutsche, meine heiligste Messe ist doch nur immer semi seria“ soll er gesagt haben. Er konnte ja nicht die Erfolge seiner Opern wie der Barbier von Sevilla und der Cenerentola aufs Spiel setzen. Übertreiben brauchte man es ja schließlich auch nicht!

Der Charlottenburger Kammerchor hat gestern in der Osterkirche in Berlin-Wedding mit über 20 Sängern, vier ausgezeichneten Solisten und zwei Instrumenten die Petite Messe Solennelle ihrem Namen gerecht aufgeführt. Feierlich und nobel. Die Pianissimi haben Chor und Leiter Stefan Schmidt wunderbar hervorgezaubert. Er hat den Chor durch die dynamisch-lebhafte Eröffnung, das transparente Kyrie über Gloria und Amen zum temperamentvollen Cum sancto Spiritu geführt und es mit einem sehr gelungenen, dezentem Dona nobis pacem ausflüstern lassen.

Dann und wann trat das Harmonium (Sebastian Glöckner) zu stark in den Hintergrund weil das Piano (Anders Mansson)  schon mal zu übermütig wurde und die Sänger verwirrte,  aber rundum war es eine beachtenswerte Aufführung. Die Sopranistin Adriane Queiroz gehört zum festen Ensemble der Staatsoper. Sie hat ein sehr schönes, volles Opern-Timbre und ist sicher genau das, was Rossini sich gewünscht hätte, feierlich-ernst und opernhaft-frivol. Friederike Harmsen hat ihre Alt-Arien sehr sicher und kraftvoll gesungen. Sie ist übrigens auch die Stimmbildnerin des Chores und ansonsten sehr mit zeitgenössischen und experimentellen Musik- oder Theaterproduktionen befasst. Makellos auch der Tenor Harmut Schröder, obwohl er am meisten unter dem manchmal zu lauten Piano zu leiden schien. Sebastian Bluth hat als Bass unbedingt überzeugt. Er war Meisterschüler von Dietrich Fischer-Dieskau und Peter Schreier und hat schon viele Preise gewonnen.

Stefan Schmidt ist Pädagoge und leitet den Charlottenburger Kammerchor seit 2003 Er hat das Projekt „Straßenchor“ ins Leben gerufen und gibt regelmäßig Meisterkurse in Spanien und Asien.

1868 ist Rossini in Paris-Passy verstorben. Ob er es in den Himmel geschafft hat wissen wir nicht, aber in die Riege der großen Messen, die heute zum Standard-Repertoire gehören, ist die Petite Messe Solennelle auf jeden Fall eingetreten.

Wir haben den Chor zum ersten Mal aber sicher nicht zum letzten Mal gehört.

Bravo!

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Festkonzert der Berliner Symphoniker

Von Planeten, Göttern, Belcanto und viel Leidenschaft

 

P1010342
nach « Die  Planeten »

 

Gestern feierten die Berliner Symphoniker ihren 50. Geburtstag und eröffneten mit einem Jubiläumskonzert im großen Saal der Philharmonie die Konzertsaison. Am Pult der langjährige Chefdirigenten Lior Shambadal.

Vor einem begeisterten Publikum und mit leicht verdaulichen aber trotzdem ansprechenden und anspruchsvollen Schmankerl des 19. Jahrhunderts, stellten die jungen Solisten mit den Symphonikern die Bandbreite ihres Repertoires unter Beweis.

 

S/W Ver: A0.03.43R
Helena Aikins Planet-Installation (Foto: Christa Blenk)

 

Mit dem bekanntesten Werk des Engländers Gustav Holst (1874-1934), der 50-minütigen Reise durch das Universum der Planeten oder über den umfangreichen Götterhimmel der griechischen Mythologie wurde dieser Konzertnachmittag eröffnet.  

Holsts Orchestersuite „Die Planeten“ entstand zu Beginn des Ersten Weltkrieges und beginnt entgegen der Reihenfolge der Planeten im Sonnensystem mit einer herausfordernden Beschreibung des Planeten Mars. Mit mächtiger Musikgewalt katapultiert er uns durch das All. Die Komposition besteht (nur) aus sieben Teilen, da der Planet Pluto zur Zeit der Entstehung noch nicht entdeckt war. Holst hat jedem Planeten/Gott gewissen Attribute bereits mit in den Partitur gelegt.

Nach Mars‘ heißblütigem Wüten, säbelwetzenden Soldaten und Kanonendonner der Kriegswirren muss die liebliche Venus  versuchen, die Wogen wieder zu glätten und das Unheil abzuwenden.  Alles schwebt vor den immer noch von  Angst und Schrecken verschlossenen Augen. Aber wie wir Alle wissen, hat Venus versagt, denn der Krieg ging trotz vielfachen diplomatischen Versöhnungsreisen des quirligen Götterboten Merkur weiter. Mit blitzenden und donnernden Temperamentsausbrüchen des Jupiter (oder vielleicht eher mit denen seiner Frau Juno nach einem heftigen Ehestreit zwischen dem ewig Untreuen und seiner Gattin)  reisen wir fröhlich im Gefolge des Göttervaters durch die brodelnde Welt bis uns der alternde und weise Bringer des hohen Alters Saturn wieder etwas Ruhe finden lässt. Der Saturn-Part ist Holst ausgesprochen gut gelungen. Das Zögern des alten Kronos, sein Fast-Nicht-mehr-Sein, sein selbstsicheres Schwanken und das permanente sich wieder Aufrappeln hat er musikalisch in Adagio-Andante Passagen glänzend umgesetzt. Aber dann sind wir schon bei Uranus; er ist ein Riese aus Gas, umgeben von Ringen und von vielen kleinen magischen Teilchen und Elementen. Aus ihm hat Holst einen durchs All stiebenden, besenfliegenden Magier gemacht. Der geheimnisvolle Mystiker Neptun verdrängt den Zauberlehrung und tritt als Letzter auf. Er wird – als Einziger – von einem weihevollen, eleusinischen sechsstimmigen Frauenchor begleitet. Erde, Mond und Sonne dürfen nicht mitspielen.

Gigantische Tonfarben und unglaubliche Klangeffekte lassen keine Langeweile aufkommen und haben die Filmmusik kräftig inspiriert; trotzdem wird die Suite bei uns sehr wenig gespielt.

 

Villa Farnesina
Die Götterwelt in der Villa Farnesina

 

Aufgeführt wurden Die Planeten allerdings erst nach dem Krieg, 1918 im privaten Kreis in London und offiziell erst 1920 in Birmingham.  

Nach der Pause spielte zuerst die junge Pianistin Anna Karasawa Chopins Grand Rondeau de Concert op 14 „Krakowiak“. Anschließend wurde vor aller Augen der Flügel versenkt und die Bühne frei gemacht für die Solisten. Natürlich darf bei so einem Festtagskonzert der Belcanto nicht fehlen. Deshalb schmetterte der österreichischer Tenor Martin Piskorski „La donna è mobile“ aus Verdis Rigoletto und eine Arie aus Gounods Romeo und Julia. Die belgische Mezzo Sara Jo Benoot sang eine Arie von Francesco Cilea und die Arie der Azecena aus Verdis Il Trovatore. Highlight im zweiten Teil war ohne Zweifel die Violinistin Zhi-Jong Wang mit Camille Saint-Saens Introduktion und Rondo capriccioso op 28.

Nach einer weiteren kurzen Pause ging es ins Finale, das ganz sachte mit dem eher undramatischen und leidenschaftslosen, ja sogar ein wenig langweiligen Madrider Rückzug vom italienischen Frühklassiker Luigi Boccherini anfing. In den 70er Jahren hat es Luciano Berio für Orchester bearbeitet – was es aber nicht lebhafter machte. Übergangslos ging es in die ersten  Noten zu Maurice Ravels (1875-1937) Bolero.

Ravel selber war überzeugt davon, dass die 15-16 Bolero-Minuten auch die spannungsgeladensten seines musikalischen Werkes sind. « Mein Meisterwerk? Der Bolero natürlich. Schade nur, daß er überhaupt keine Musik enthält. »(soll Ravel einmal gesagt haben). Ursprünglich war es eine Komposition für die androgyne Tänzerin Ida Rubenstein und inspiriert dazu hat er sich an einer spanischen Melodie. In 18 Variationen steigert sich dieser Bolero zu einem progressiv rauschend-pfiffigen und ekstatischen-eruptiven Orchestercrescendo mit einem verblüffenden Schluss. Als eine Konzertbesucherin Ravel nach der Uraufführung 1928 in der Pariser Oper ansprach und ihm sagte er wäre ja wohl verrückt, konnte der Komponist nur schmunzeln und ihr gratulieren, denn sie hätte das Stück verstanden. Ganz präzise wird es nicht schneller sondern immer nur lauter!

Die Berliner Symphoniker sind ein Produkt des Mauerbaus. Um die plötzlich arbeitslos gewordenen musikalischen Grenzgänger unter zu bringen hat der Senat kurzerhand ein drittes staatlichen Klassikensemble in Berlin eingerichtet.  Das Orchester hat schon viele  Höhen und Tiefen erfolgreich überwunden und ist und war immer wieder von Subventionsstreichungen betroffen und schlagen sich seit 2004 als frei finanziertes Projektorchester durch.

Schöner Konzertnachmittag!

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Die Geisterbraut

Gruseliger Hochzeitsweg!

 P1040281
Solisten und Dirigent nach der Aufführung

 

Die Geisterbraut, opernhafte und selten aufgeführte spätromantisch-wagnerianische Ballade von Antonín Dvořák (1841-1904) wurde  gestern Abend aus Anlass des 175. Geburtstags  dieses böhmischen Komponisten von der Berliner Singakademie und dem Konzerthausorchester unter Achim Zimmermann im Konzerthaus in Berlin aufgeführt.

Dvořák hat es nach einem Text von Karl Jaromír Erben für Sopran, Tenor, Bass, Chor und Orchester komponiert.  Der ursprüngliche Titel lautete „Die Brauthemden“. Bei uns hat sich Gottfried August Bürger in seiner Lenore 1773 mit diesem Schauermärchen befasst.

Die Geisterbraut spielt im böhmischen Land der Mythen und Legenden und  es geht um Liebe und Tod, und ist spooky. Das Stück wurde 1883  mit großem Erfolg zuerst in Pilsen und ein paar Monate später beim Birmingham Festival aufgeführt; diese hatten das Mammutgroßwerk auch in Auftrag gegeben.

Bei der Geschichte geht es um ein junges, frommes Waisen-Mädchen das allein in einem Zimmer sitzt und Brauthemden näht. Seit Jahren wartet sie auf die Rückkehr ihres plötzlich kurz vor der Hochzeit verschwundenen Bräutigams. Sie betet und plötzlich, um Mitternacht, geht die Tür auf und er tritt ein, um sie endlich zu holen. Sie versteht zuerst nicht, dass er schon tot ist. Erst auf dem Weg zum neuen Heim und zur Hochzeitsgesellschaft kommt sie ins Wanken.  Auf dem langen, ungemütlichen Pfad – man muss 100 Meilen zurücklegen – versucht sie ihre  Angst mit Fragen über die Familie zu minimieren und folgt ihm nur mühsam über Stock und Stein, Waldstrüpp und Hinternissen. Des Bräutigams einziger Beitrag zur Konversation ist die permanente Aufforderung – und dabei wird er kräftig unterstützt vom Bass-Erzähler und vom Chor – sich doch endlich von der Last der religiösen Reliquien zu befreien, um leichter durch die Zeit zu fliegen. So landet nach und nach Gebetsbuch, Rosenkranz und Kreuz im Gestrüpp.

Wald Niederbayern

Angekommen an der Friedhofsmauer, weigerst sie sich, als erste drüber zu springen. Sie ahnt nun Schreckliches und flüchtet in ein Leichenhaus. Der dort aufgebahrte Leichnam fängt an sich zu bewegen; sie fleht wieder die Muttergottes Maria an und dann wird es Tag und der Spuk ist vorbei.Was bleibt ist ein verängstigtes Mädchen, das von den Kirchgängern befreit wird.

Große gestalterische Dramatik und tonmalerisch sehr spannende Musik zeichnet diese Geisterbraut aus. Der Chor spielt eine sehr bedeudente Rolle, da er – zusammen mit dem Bass – die Erzählerrolle über hat.  Hoffnung, Schrecken, Mutlosigkeit, Schauer, Unsicherheit, Erleichterung, undefinierbare, fremde und unbändige Tierlaute, Glockenklänge führen  den Zuhörer von Gänsehaut begleitet durch den Abend. Die Harfe, als Himmelsinstrument, mischt sich immer ein, wenn es ans Beten geht. Das Stück ist gruselig aber auch wieder witzig und sehr abwechslungsreich.

Die Anforderungen an die Sänger sind hoch. Sie müssen sich permanent gegen das Orchester und den großen Chor durchsetzen und obendrein sehr textverständlich singen können.  Diesem kam vor allem der Tenor Lothar Odinius glänzend nach. Wenn er sang, musste man nicht mitlesen.  Aber auch die Sopranistin Martina Rüping und der Erzähler Philipp Kaven haben sich meistens gut geschlagen. Für letzteren war es noch schwerer, denn er musste gegen Chor und Orchester ansingen.  

Langer und begeisterter und verdienter Applaus für diese originelle Kantate!

Vielen Dank!

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Unheimlich – Innenräume von Edvard Munch bis Max Beckmann

Ausstellungsplakat
Ausstellungsplakat zwischen Bonner Straßen

 

Unheimlich – Innenräume von Edvard Munch bis Max Beckmann

Gemütlicher Schauder

Unheimlich ist der Titel der Ausstellung im Kunstmuseum in Bonn, die seit 20. Oktober 2016 zu sehen ist. Unheimlich bedeutet schauerlich, gruselig oder furchtregend. Der Titel ist deshalb nicht sehr aussagekräftig, denn hier geht es auch viel um Angst und Einsamkeit, um Unwohlsein, um Hinweise auf Gewalt, versteckte und offensichtliche und um Traum und Wirklichkeit.

Kein Entkommen, Dinge, Totenhaus, Alpträume, Einsamkeit, die Anderen,  Verschwinden, Tatorte sind die Schlagwörter und in diese ist die Ausstellung unterteilt.

Der Impressionismus hat die Maler auf die Straße und in die Landschaft geschickt, um das Licht zu suchen, zu verstehen, zu kopieren und zu interpretieren. Die Sonne durchflutet Land und Leute und die Farbe Schwarz verschwindet fast gänzlich. Die Gegen- oder Folgebewegungen, angefangen mit den Nabis-Vertretern wie Edouard Vuillard, und Strömungen vor allem in den nordischen Ländern suchten wieder das Dunkle, das Unheimliche, das Zurückgezogene, das Abgeschlossene und damit sind wir auch schon bei der Ausstellung. Dänemark, Norwegen, Belgien, Frankreich und Deutschland sind die Protagonisten. Die im Winter sonnenarmen Gegenden, deren Bewohner verpflichtet sind, sich ins eigene Heim zurückzuziehen, was paradoxerweise aber nicht gleichbedeutend mit gemütlich ist. Und diese Stimmungen, die klammen, feuchten, finsteren, befremdlichen und unbehaglichen werden in der Ausstellung analysiert. Es spukt und es fremdelt und man friert.

Der Untertitel Innenräume von Edvard Munch bis Max Beckmann relativiert ein wenig den Ausstellungtitel Unheimlich. Aber das macht ihn dann auch wieder unheimlich! Und bei Auguste Chabrauds Hotelflur (1907) könnte man durchaus an Psycho denken.

Die Treppe vom Genter Maler Eugène Laermans  (1896) ruft Assoziationen an die Radierungen von Hugo Steiner-Prags Golem-Illustrationen hervor. Steiner-Prag fehlt leider in der Ausstellung. Höchstens Goya oder das Kino übertreffen ihn, wenn es darum geht, Angst in Räumen zu erzeugen. Athanasius Pernath kann ein Lied davon singen.

In der Zugluft hängende Kleider können zu Gespenstern werden und das Zwielicht Möbel in Bewegung setzen. Man ist diesen Geschehnissen hilflos ausgeliefert und kann sie nicht verhindern. Der dunkle Raum ist geschlossen und bekommt nur noch etwas Licht von draußen, von der leichten und gefahrfrei- hellen Freiheit.

James Ensors Pierrot und Skelett zeigt einen gedeckten Tisch; zwischen Weinkrug und Brotkorb thronen ein Totenkopf und der lustige Kasperl. James Ensor ist sowieso prominent vertreten in der Ausstellung, wie viele seiner belgischen Landsleute. Ensor war ein Meister des Versteckten und hat all das was man nicht sehen kann in seine Bilder gepackt.

Eine große Bereicherung für die Schau und eine Entdeckung überhaupt sind die Werke der belgisches Surrealisten Léon Spillaert (1881-1946). Das Selbstportrait 3, entstand 1908 und ist das Ausstellungsplakat. Es ist mit Aquarell, Farbkreide und Tinte gemalt, 50 x 65 cm groß und kommt aus einer Privatsammlung. Spillaert sitzt, irgendwie ertappt, in einem grau-braun-schwarzen Raum oder Vorraum blickt schräg auf uns und hat wohl eine blonde, auftoupierte Perücke oder ein Haarteil auf dem Kopf. Was er genau macht oder wo er genau ist kann man nicht feststellen. Von diesem Künstler hängen einige interessante Werke in der Ausstellung, darunter auch das Aquarell Allein (1909). Es zeigt ein kleines fast gesichtsloses Mädchen mit blauem Kleid und gelben Haaren in einem seltsam verwinkelten Raum. Sie schaut uns an und tut uns leid, aber wir wissen nicht warum. Der Stuhl auf dem sie sitzt kippt oder hat ein fehlendes Stuhlbein.

 

Raum der Einsamkeit
Raum der Einsamkeit – E.Munch (Foto: jnp)

 

Und natürlich immer wieder Munch, der Traurigste von Allen. Seine Bilder sind nicht unbedingt unheimlich, sie berühren durch Einsamkeit und soviel Gram, dass man wegsehen muss. Munch hatte keinen Schutzengel, nichts Helles in seinem Umfeld.  In dem Bild Leichengeruch malt er den Geruch des Todes. Munchs Familie ist fast komplett der Tuberkulose zum Opfer gefallen und immer liegt irgendjemand im Bett und stirbt gerade, so auch bei Tod im Krankenzimmer (1893) aus dem Munch Museum in Oslo. Befremdend dafür am Ende der Ausstellung unter dem Thema Tatorte Munchs Mord (1906) Hier scheint keine Trauer zu herrschen. Die Wände um den Toten sind Van Gogh-Gelb und fast fröhlich und nur der rote Fleck auf dem Hemd des Darniederliegenden spricht von Tod. Sonst könnte man auch einen Siesta-haltenden Mann vermuten. In der Ausstellung geht es jedenfalls der Gemütlichkeit und des Geborgenheitsgefühls im eigenen Heime kräftig an den Kragen, was sicher von Allen nachvollzogen werden kann! Denn wer kennt nicht die plötzliche Panik wenn ein Luftzug die Vorhänge bewegt, man früher eine finstere Kellertreppe runter gehen musste oder ungewohnte Geräusche sich nachts in den Halbschlaf mischen. Der deutsche expressionistische Film oder natürlich Alfred Hitchcock haben solche Ideen und Situationen bis zum Letzten ausgeschöpft.

Über 100 Gemälde, Zeichnungen und Drucke von u.a. Munch, Beckmann, Ensor, Spilleart,  Vuillard, Redon, Hammershoi, Kubin, Heckel, Hofer aus zahlreichen internationalen und nationalen Museen oder Privatsammlungen zwischen Ende des 19. bis in die Hälfte das 20. Jahrhunderts sind zu sehen. Die Künstler gehörten zu den Metaphysikern, dem Symbolismus oder dem Expressionsmus oder der Nabis-Gruppe an.

Bis zum 29. Januar 2017 ist die Ausstellung noch zu sehen. Sie wird gefördert durch die Hans-Fries-Stiftung, das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, den Landschaftsverband Rheinland und Jürgen Hall.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Ernst Ludwig Kirchner – Hieroglyphen

P1010178
Ausstellungsplakat

 

Seit dem 23. September sind im Hamburger Bahnhof sämtliche Werke des wichtigsten deutschen Expressionisten um die Jahrhundertwende aus dem Bestand der Neuen Nationalgalerie ausgestellt.

Ernst Ludwig Kirchner – Hieroglyphen

 

P1010217
Skizze eines Briefes an Erich Heckel mit Skizze nach afrikanischer Skulptur
- 1910 – Stiftung Historische Museen Hamburg

 

„Hieroglyphen“ ist eine Kirchnersche Art und Weise sich auszudrücken. Überbleibsel aus seinem Architekturstudium vielleicht. Die Ekstase der nervösen Großstadt, das Treiben, Gehen, Laufen, Hetzen, und das Umsetzten in Striche, Formen und Farben hat er damit verbunden. Die Großstadtbilder sind schlanker und filigraner als die Produktion seiner Bergland-Aufenthalte. Oft ist nur Zeit,  ein paar Linien oder Farbklekse aufs Papier zu bringen, weil ein Eindruck den nächsten jagt und der Adrenalinspiegel ganz hoch ist.

Die eleganten Damen am „Potsdamer Platz“ mit ihren Hüten, Federn, spitzen Schuhen und Ellenbogen oder « Rheinbrücke in Köln »  (1914) sind Symbole in Kirchners überfüllten und schnellen Tabletten-Welt. Lange hat er die Stadt auch nicht ausgehalten, aber ohne sie ging es auch nicht. Der Nachhall hielt an.

Man muss ein paar mal um die Ecke denken und sich selber viel Spielraum geben um das Hieroglyphen-Konzept zu verstehen. Aber wenn man seine Bilder mit zugekniffenen Augen betrachtet, dann kann man sie sehen!

18 Werke aus der Sammlung werden präsentiert, repräsentativ genug, um den Maler, Zeichner und Bildhauer Kirchner zu verstehen und wieder zu erkennen. “Die Badenden am Strand (Fehmarn)“ und „Sitzender Akt“sind Bilder, die seine Nähe zu den Fauvisten und auch zum Orientalismus beschreiben, aber auch Fratzen und grelle Paare oder seine Befassung mit Max Liebermann sind zu sehen.

 

wiesenblume und kathe
in der Ausstellung/re: Wiesenblume und Katze

 

Fotos, Bücher, Zeichnungen ergänzen die kleine, aber komplette, Ausstellung.

Zwei Werke von zeitgenössischen Künstlern begleiten die Schau. Einmal der Film „Hidden Conference“ von Rosa Barba und eine Serie von Rudolf Stingel, der Kirchners Fotos der „Stafelalp“ aufarbeitete und hiermit die Vergangenheit in die Gegenwart holt.

Bis zum 26. Februar 2017 ist die Ausstellung noch in den Räumen des Hamburger Bahnhofs in Berlin zu sehen.

 

P1010215
In der Ausstellung

 

Den Expressionismus gab es schon lange vor den Kirchners und Noldes dieser Welt, es gibt ihn, seit die Menschheit sich ausdrückt und das war schon bei den Höhlenmalern in Lascaux oder Altamira so. Er steht stellvertretend für das Primordiale im Menschen, das Dunkle, das Verzerrte und Geheimnisvolle, das nicht Erklärbare.

Wir verbinden den Expressionismus mit einer Kunstbewegung die Ende des 19. Jahrhunderts anfing. Wilhelm Worringer hat 1911 in der Zeitung Der Sturm den Begriff zum ersten Mal verwabenutztndt,  vor allem um die „reaktionären“ Impressionisten zu kritisieren.  Expressionismus wurde zum Schlagwort von spirituellen Schriftstellern und Drogen nehmenden Malern und – unterstrichen durch die Grausamkeiten des ersten Weltkrieges – der Inbegriff des 20. Jahrhunderts. Egal ob es um die schwarzen Zeichnungen von Goya,  Dr. Calgari, Den Dritten Mann,  um Noldes verzerrte Frazzen, Kirchners Sicht von Max Liebermann oder Lüpertz’ grobschlächtige Holzskulpturen geht.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

 

 

 

 

 

20 Jahre Hamburger Bahnhof

20 Jahre Hamburger Bahnhof

 

100 Stuehle (2)
Christoph Büchel Installation Hamburger Bahnhof

 

Am 1. November 2016 feiert der Hamburger Bahnhof seinen 20. Geburtstag. Er entstand als  weiteres Haus der Nationalgalerie und dort werden während der Umbauarbeiten der Neuen Nationalgalerie abwechselnd Werke des deutschen Expressionismus – wie zurzeit Ernst Ludwig Kirchner HIEROGLYPHEN  – gezeigt.

Die Installation Training Ground for Training Ground for Democracy von Christoph Büchel in der Haupthalle ist extra für dieses kleine Jubiläum aufgebaut worden. Es ist Teil der Schenkung von Friedrich Christian Flick. Seit seiner Entstehung 2007 für die Art Basel Miami Beach ist sie nicht wieder gezeigt worden. Ein weiterer Grund dafür, diese Installation gerade jetzt aufzustellen, ist die bevorstehende Wahl in Amerika im November. Wir sehen also ein weihnachtlich geschmücktes, glitzernd-kitschiges Wellblech-Wahllokal, das vielleicht ein Jugendheim oder Kindergarten ist, umgeben von einem Gitterzaun und angefüllt mit dem Müll, den eine Konsumgesellschaft produziert oder die Habseligkeiten von Menschen, die auf der Straße leben. Diese politische „Skulptur“ von Büchel geht auf sein jahreslanges Sich-Auseinandersetzten mit der Politik zurück. Wahlkabinen inklusive Überwachungskameras zeigen die Wahlen im Jahre 2000; vom Dach aus kann Propagandamaterial in die Welt gestreut werden. 

Christoph Büchel (*1966) ist ein Schweizer Konzept – und Aktionskünstler, der sich vor allem mit Rauminstallationen beschäftigt und in der Vergangenheit öfter schon mal für Schlagzeilen gesorgt hat.

 

100 Stuehle (1)
Franz West – 100 Stühle

 

Ein krasser Gegensatz zu dieser « messie-Ansammlung » ist die Rauminstallation 100 Stühle des österreichischen Künstler Franz West (1947-2012) aufgestellt; auf diesen kann man wohl warten, bis man das Wahllokal – immer nur ein Person – betreten kann.  Der Performance- und Installationskünstler Franz West  war Biennale und Documenta-Teilnehmer und zählt zu den bedeutenden zeitgenössischen Künstlern Österreichs. West hat schon 1992 für die documenta IX Stühle installiert.

In den Rieckhallen wird ab 28. Oktober das Ausstellungs- und Konzertprojekt Scores zu sehen/hören sein. Hierbei geht es um Musikwerke Bildender Künstler, deren Partituren – meist Auftragsarbeiten – ausgestellt bzw. an drei Abenden Ende Oktober aufgeführt werden.  Die Arbeiten sind von Saâdane Afif (Frankreich, *1970), Christian Marcley (Schweiz, *1955) Ari Benjamin Meyers (USA, *1972) und Jorinde Voigt (Deutschland *1977).

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Deutschstunde – Aufführung im Berliner Ensemble

Die Freuden der Pflicht oder Die Grenzen der Freundschaft

 

P1000911

 

Siegfried Lenz ist 1926 als  Sohn eines Zollbeamten in Ostpreußen geboren. Mit 42 Jahren hat er seinen wichtigsten und einen der bedeutendsten deutschen Nachkriegsromane, Deutschstunde, veröffentlicht. Bei Deutschstunde geht es um Pflicht, Schuld, Macht, Freundschaft und Verlust und um das Nichtentkommen der Geschichte.

Der Schriftsteller Christoph Hein hat das Buch 2015 als Theaterstück für die das Berliner Ensemble aufbereitet; Regie  Philip Tiedemann. Die Premiere war am 6. Juni 2015.

 

Ostsee
Foto: Ines Kluwe-Thanel

 

Gestern Abend wurde das Stück etwas modifiziert aber mit denselben Schauspielern wie 2015 im Berliner Ensemble aufgeführt.

Wir befinden uns in den 50er Jahren und Siggi Jepsen (Peter Miklusz) sitzt im weiß-grauen Erziehungsheimambiente. Er gilt als Bilderdieb und muss wieder gerade gebogen werden.  Der Lehrer schreibt das Aufsatzthema „Die Freuden der Pflicht“ an die Tafel. Siggi sitzt, als einziger, mit dem Gesicht zum Publikum, von den Lehrern, Pflegern oder Erziehern sieht mit nur weiße Kittelrücken. Siggi erinnert sich an die Zeit zwischen 1943 und 1945 und die Verwandlung seines Vaters von einem Menschen zu einem hassenden Pflichterfüller. Alles begann mit der Überbringung des aus Berlin offiziell diktierten Malverbots an den am Ort lebenden Maler Max Ludwig Nansen (Martin Seifert).

Siggi ist permanent hin- und hergerissen,  zwischen seinem Vater, den er nicht verstehen kann, der dumm und gehorsam ist und für den alles was war nicht mehr zählt und Onkel Max (Nansen), den er bewundert und verehrt, dessen Bilder er versteckt. Er wirkt klein und unsicher, zögert aber keine Sekunde, sich für das « Gute » zu entscheiden.

Die Geräusche von Meer, Wind, Regen, Schüssen  werden von den Schauspielern ad hoc erzeugt und versetzen den Zuschauer an die raue Nordsee, wo der Wind stärker bläst als anderswo und wo die Seemöwen kreischen, wo der Dorfpolizist mit seinem Fahrrad gegen den Wind ankämpft aber in Ausführung seiner ihm von höchster Stelle auferlegten Aufgaben nicht aufgibt. Er erinnert sich an den  Pflichtenberg seines Vaters, den unerbittlichen Dorfpolizisten von Rugbül Jens Ole Jepsen (Joachim Mimtz). Er erinnert sich, wie sein Vater zuerst fast peinlich berührt das Schreiben übergibt mit dem Hinweis, ja nur seine Pflicht zu tun und die Freundschaft zu dem Maler, dessen Bilder eigentlich niemand im Dorf mag,  in die Brüche geht. Er schreibt, wie sein Vater immer strenger und pflichtgetreuer wird, ja wie er sogar seinen älteren Sohn opfert. Er erinnert sich an die anderen Dorfeinwohner, die Rolling home singen und Jazzrhythmen klopfen, aber die auch melden, wenn jemand Radio London hört.

Im Hintergrund wird eine Torfhütte gebaut, in der Jepsens ältester Sohn auf der Flucht sich beim Maler Nansen versteckt und dann bei einem Luftangriff umkommt. Später werden diese Torfziegel die Straßensperre, die Niemanden mehr aufhalten wird. Er erinnert sich auch wie sein Vater nach Kriegsende  immer noch Nansens ungemalte Bilder, weiße Blätter, wie den Unsichtbaren Sonnenuntergang mit Brandung, den er bei der Beschlagnahmung als ein wenig zu dekorativ bezeichnet hatte.

Wind, Krieg, Seeluft und Pflicht haben den Verstand begraben. Männer machen den Krieg, Männer machen die Gesetze und Männer aus Berlin befehlen und erheben das Malverbot. Hat Tiedemann deshalb alle Rollen mit Männern besetzt?

Berlin hatte gerade die erste Retrospektive von Emil Nolde im Brücke Museum in Dahlem gezeigt. Es spricht ja vieles dafür, dass Lenz ihn als Vorlage für den Maler Nansen genommen hat.

Eine im Ganzen gute Aufführung, die animiert, die Deutschstunde nachmals zu lesen.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

P1000919

Labyrinths of the World

expo onu 1

 

Vom 13. bis zum 21. Oktober werden im Palais des Nations in Genf die  Skulpturen-Labyrinthe von Helena Aikin präsentiert.

 

expo onu 6
Helena Aikin

Einen besseren Platz als die Vereinten Nationen hätte sie nicht finden können. Die Labyrinthe von Helena Aikin kommen aus der ganzen Welt wie die Menschen, die dort arbeiten. 

Der Völkerbundpalast wirde zwischen 1929 und 1938 in Genf erbaut und ist seit 1946 Teil der UNO und seit 1966 der europäische Hauptsitz der Vereinten Nationen. Über 100000 Menschen geben sich dort jahraus, jahrein die Tür in die Hand.

Die Ausstellung wird im öffentlichen Bereich des Palais des Nations gezeigt.

 

expo onu 2expo onu 5expo onu 7
 während der Ausstellungseröffnung

mehr über die Künstlerin

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Caravaggio-Spaziergang in Rom

CARA181
Die Bekehrung von Paulus – Zeichnung von Emanuel Borja

 

Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610)

Wer Caravaggio entdecken und kennenlernen will, muss nach Rom. Im Centro storico befinden sich die drei Kirchen mit seinen Hauptwerken sowie  das Phamphilij und Barberini Museum und die Kapitolonischen Museen. Nur für die Galeria Borghese muss man kurz durch den Park. Aber es lohnt sich!

Allein schon die Fresken in der Französischen Kirche – Berufung des Hl. Matthäus Vocazione di San Matteo (1599 – 1600);  Martytium des Hl. Matthäus  Martirio di San Matteo (1600 – 1601) und Hl. Matthäus mit Engel San Matteo e l’angelo (1602) – und die Madonna dei Pellegrini ca 1604 in der Kirche Sant‘ Agostino oder in der Santa Maria del Popolo die Bekehrung von Paulus (1600 – 1601) und Kreuzigung des Petrus (1600 – 1601)) sind eine Reise wert. Diese Fresken gehen natürlich nie auf Reisen, so dass eine Caravaggio Ausstellung außerhalb Roms immer unvollendet bleiben wird. Ohne diese Werke ist Caravaggio nicht zu verstehen.

Mit Caravaggio verbinden wir Leidenschaft, unkontrollierbares Temperament, Talent, Mut und auch Verschlagenheit, Anderssein. Caravaggio heisst er, weil er in einem Ort im Norden Italiens  mit diesem Namen geboren wurde. 1592 kam er – knapp zwanzig-jährig – nach Rom und schlug bzw. malte sich durch unterschiedliche Ateliers. Unterstützt vom frommen und religiösen  Papst Clemens VIII und bei Meister Cesari lernte er, wie man Blumen und Früchte malt und es entstand eines seiner bekanntesten Früchte- und Blumenbilder Fanciullo con canestro di frutta (es ist in der Galleria Borghese zuhause,entstand 1594 und hängt im gleichen Raum wie der Kranke Bacchus). Später sollte er immer wieder auf diese Motive zurückkommen und der Betrachter kann den Duft dieser Früchte fast riechen. Das Chiaroscuro entstand ebenfalls schon in dieser Zeit, wird eine Epoche definieren und immer wieder nachgeahmt werden. Dieses edlen und prall-bunten  Früchte paart er mit einer knallharten hiperrealistisch-manieristischen Dramatik, wie die schwarzen Fingernägel auf dem Eidechsenbild zeigen.

 

P1310155
Die Pilgermadonna in der Kirche Sant’Agostino

 

In Rom entstanden fast alle seine Bilder und hier ist auch ein Großteil zu sehen. Im Palazzo Barberini hängen u.a.  Judith und Holofernes (1599); Narciso (1599), und  Franziskus in Medidation (1605). Der Johannes der Täufer (1602) hängt in den Kapitonilischen Mussen und die büßende Magdalena (1585) in der Galleria Doria Pamphilij. Auch die Ruhe während der Flucht nach Ägypten (1595) finden wir dort. Drei Bilder, die kurz vor seiner Flucht nach Neapel entstanden sind hängen ebenfalls in der Galleria Borghese, und zwar Madonna mit der Schlange (1605 – 1606, und  Heiliger Hieronymus  (1605 – 1606) sowie David mit dem Kopf von Goliath (1609 – 1610).

Caravaggio entfernte sich ganz schnell wieder von der Renaissance-Perspektive und seine Bilder vermitteln den Eindruck, dass es nur eine erste Reihe gibt. Seine Protagonisten treten aus dem Bild heraus und blicken uns zum Teil direkt an. Ein Realismus mit verfälschten Farben und hier macht er keinen Unterschied zwischen religiös und weltlich. Herrlich ist ihm dieses Verwischen bei der Madonna dei Pellegrini gelungen. Sie hängt in Sant’ Agostino und hat die Kirchenfürsten zuerst so schockiert, dass es gleich wieder aus den heiligen Häusern verbannt wurde. Die Pilger zeigen uns nämlich ihre schmutzigen Fußsohlen, die Madonna hat einen tiefen Ausschnitt und schwebt irgendwie zwischen Treppe, Luft und Flur.

Borghese 016
Galleria Borghese

 

14 Jahre nach seiner Ankunft in Rom, 1606, kam er ernsthaft mit dem Gesetz in Konflikt. Caravaggio verletzte Jemanden tödlich und musste bei Nacht und Nebel und in einer Kutsche der noblen Colonna Familien fliehen. Er wurde für vogelfrei erklärt und landete im damals spanischen Neapel. 

Mehrfach kontaktierte er in den darauf folgenden Jahren den seinerzeitigen Papst Paul V aber erst 1610 wurde das Todesurteil aufgehoben. Vorher aber fuhr er schon per Schiff von Neapel nach Palo in der Toscana um dort an Land zu gehen; Costanza Colonna hatte ihn eingeladen bei ihr zu wohnen bis er den Weg nach Rom antreten konnte. In Palo konnte er Kontrollen gerade noch entgehen, in dem er sich hinter einem Bild versteckte und musste weiter bis Porto Ercole fahren. Krank und geschwächt starb er dort 1610 und wurde in einem Massengrab beigesetzt.

Seine Spätwerke sprechen von der dunklen Zeit, sie sind unruhiger und dramatischer, schwärzer und verraucht. Caravaggio wurde zu einer Legende, vielfach kopiert und trendsetter und gab Stoff für unzählige Filme und Bücher.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Sinfoniekonzert mit Michael Francis und Ian Bostridge

Traum, Nacht, Alptraum

Von Kriegen, Nachteulen und Meeresungeheuern

 

P1270814

 

Midnight’s bell goes ting, ting, ting – …. but the nightingale, and she cries twit, twit, twit  …. and the cats cry mew, mew mew… (Thomas Middleton)

Der Brite Michael Francis gehört zur jungen Dirigenten-Generation: er dirigiert seit 2015 das Florida Orchestra.

In dieser Spielzeit ist er u.a. auch Gast beim Orchester der Komischen Oper Berlin und hat gestern Abend dort das erste Sinfoniekonzert dirigiert. Dazu hat er sich einen anderen Briten, den herrlichen Sänger Ian Bostridge, nach Berlin geholt. Bostridge ist einer der ganz Großen  und auf den bedeutenden Bühnen der Welt zu erleben. 2015 machte er obendrein noch von sich hören, als er über Schuberts Winterreise, die er nicht nur eigenwillig und genial singt, auch ein launiges und sehr originelles Buch herausbrachte.

Die Musik von Benjamin Britten (1913-1946) gehört auch zu seinem Repertoire und von ihm hat er gestern Abend in einem ausgezeichneten Zusammenspiel mit den Musikern Brittens Liederzyklus Nocture Op 60 vorgetragen. Britten hat den Liederzyklus 1958 für sieben obligate Instrumente und Streichorchester und für den britischen Tenor Peter Pears geschrieben. Nocturne liegt eine Reihe von Gedichten englischer Poeten der letzten 500 Jahre zugrunde. Flöte, Englischhorn, Klarinette, Fagott, Horn Harfe und Pauken leiten jeweils ein neues Gedichte/Lied ein. Wie ein Staffellauf, in dem ein Instrument an das andere übergibt.  Am Ende vereinen sich alle Instrumente zu einem concertino. Es geht hier um Träume, Alpträume, um Erinnerungen und Prophezeiungen und um das, was Bostridge daraus macht und das ist sehr viel!

On a Poet’s Lips I slept, nach einem Gedicht von Shelley (aus Prometheus Unbound -1820) macht den Anfang und figuriert in den folgenden 30 Minuten als Bindeglied. Die Streicher geben anschließend an das Fagott ab. In The Kraken, beschreibt Tennyson (1809-1892) ein auf dem Meeresgrund lebendes aber schlafendes Seeungeheuer. Der Einsatz der Harfe markiert den dritten Teil Encinctured with a Twine of leaves, ein Gedicht von  Colerdige (1797). Es ist Mitternacht, die Glocken schlagen. Das ist die Zeit der nächtlich streunenden Katzen. Midnight Bell ist wie ein Weck- oder Lockruf. Keiner mimt wie Bostride Nachtigallen, Eulen und Katzensprache so komisch, dramatisch und treffend nach, das  Horn unterstützt und unterstreicht. Thomas Middleton hat es um 1570 geschrieben.  Mit den Pauken ändert sich die Stimmung. But that Night when on my Bed I Lay von William Wordsworth (1770-1850) wird das September-Massaker in der Französischen Revolution erzählt; Britten Musik ist aber auch Musik, die nach dem zweiten Weltkrieg entstanden ist. Sleep no more! Das Englischhorn trauert zu The Kind Ghost nach einem Gedicht von Owen (1893-1918). Der Dichter erzählt seine Erlebnisse als Soldat im ersten Weltkrieg kurz bevor er an der Front fiel. Brittens War Requiem das er 1962 komponierte, geht ebenfalls auf Texte von Owen zurück. Flöte und Klarinette gehört der folgende Passus. Sleep and Poetry vom Romantiker Keats (1795-1821). Britten zieht hier ganz kurz den Hut vor Wagners Götterdämmerung. Natürlich darf bei so einer Zusammenstellung der britischen Dichter der allergrößte, William Shakespeare, nicht fehlen. Das Sonnet XLIII bildet den Schluss von Nocturne und die bisher nur sporadisch als Solisten eingesetzten Instrumente vereinen sich mit den Streichern.  Britten hat es, nicht nur musikalisch, der Mahler-Witwe Alma Mahler-Werfel gewidmet, die er in den USA zwischen 1939 und 1942, kennen gelernt hatte.

Bostridge ist ein moderner Manierist. Sehr beeindruckend wie der lange und schlaksige Sänger sich darauf einlässt, wie er in die Musik kriecht und wie sein Körper mitsingt, wie er leidet, sich erinnert, träumt und aufwacht. Von ganz unten nach ganz oben, begleitet aber nie übertönt von den Musikern. Einfach großartig!

Nach der Pause gab es aus der Oper Peter Grimes die Four Sea Interludes op 33 für großes Orchester.  Peter Grimes basiert auf einer Dichtung von 1810 des Schriftstellers und Pfarrers George Crabbe (1754-1832) und ist die Geschichte eines Fischers der beschuldigt wird, am Tod von zwei jungen Lehrlingen schuld zu sein und der von der  bigotten und grausamen Dorfgemeinschaft in den Tod getrieben wird. Peter Grimes wurde für Benjamin Britten und den Tenor Peter Pears, der die Titelrolle sang, schnell zu einem großen Erfolg. Britten selber hat einige Instrumentalpassagen für Konzertaufführungen umgearbeitet, darunter eben die Four Sea Interludes.

Eingebettet wurde die Britten Musik von zweimal Robert Schumann (1810-1956). Zu Beginn die Manfred-Ouvertüre op 115 und am Ende Schumanns glückliche und den Neubeginn ankündigende Rheinische.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 
12345...39

Aktuelles

ausgewählte Kulturvorschläge
Omer Fast - Reden ist nicht immer die Lösung im Gropius Bau
Der Britische Blick - Ausstellung im Gropius Bau
Canova und der Tanz - Bode Museum
am 15.12. "Nach Kagel" im Heimathafen Neukölln.

Archives

Visiteurs

Il y a 5 visiteurs en ligne

Auteur

eborja


LES PEINTURES ACRYLIQUES DE... |
ma passion la peinture |
Tom et Louisa |
Unblog.fr | Créer un blog | Annuaire | Signaler un abus | L'oiseau jongleur et les oi...
| les tableaux de marie
| création