Geburtstagskonzert für Maestro Henze

Michael Kerstan hat in Ariccia – zusammen mit dem Bürgermeister -  ein außergewöhnliches Geburtstagskonzert für den großen Maestro Hans Werner Henze organisiert.

 10986496_1607947859486704_5882928243228826593_o
Konzertplakat

 

Ariccia ist eine sehr alte Stadt 26 km südöstlich von Rom im Gebiet der Castelli Romani.  Ariccia liegt auch am Nemi-See und genau auf der anderen Seite, dort  wo die  Göttin Diana zu jagen pflegte und ihr Sanktuarium steht, befindet sich der Ort Marino ( hier spielt übrigens auch der zweite Teil von Henzes Oper Phädra). In Marino hat Henze über 50 Jahre gelebt und dort, in der Villa Leprara, ist  nach seinem Tod die Hans Werner Henze Stiftung entstanden.

Gestern Abend haben sich also das Daegu MBC Symphony Orchestra, Mitglieder des Phorminx  Ensembles Darmstadt, der Dirigent Kushtrim Gashi, Michael Kerstan, der Geschäftsführer und künstlerische Berater der Hans Werner Henze Stiftung (er hat das Konzert auch organisiert) und vier Komponisten dort getroffen, um dem 2012 verstorbenen Maestro ein grandioses, überraschendes und ganz besonders Geburtstagskonzert zu schenken. Hans Werner Henze wäre am 1. Juli 89 Jahre geworden!

Sieben neue Kompositionen von sieben Komponisten, von denen vier gestern Abend auch anwesend waren, wurden aufgeführt.

Volker Blumenthaler (*1951) war 1977 und 1982 Teilnehmer an den von Hans Werner Henze organisierten Cantiere Internazionale d’arte in Montepulciano. Seine kurze Komposition early colours in memorium Hans Werner Henzeist 2015 entstanden. Er schickt seine Musik vom nebeligen Morgengrauen ängstlich durch den Wald dem Licht und den Sonnenaufgangsfarben entgegen. Die nötige Chromatik kam von einer einfühlsamen Solo-Klarinette. Wir hören Geigen-Vögel, vielleicht sogar den Wiedehopf, Henzes Lieblingsvogel, dem er sogar eine Oper gewidmet hat!

Das zweite Stück In the Moment (before the tears flow) für Solo-Cello (Wolfgang Lessing) und Ensemble hat die junge Koreanerin Sungmi Parks , die beim Konzert anwesend war, ebenfalls 2015 für dieses Konzert komponiert.  Eine traurige, manchmal weinende Komposition, die durch Rhythmus und Dynamik immer mehr an Kraft gewinnt und die Trauer so überwindet. Harmonisches Flöten-Klarinetten-Finale.

Der Südkoreaner Kyu-Yung Chin hat das dritte Werk komponiert.   From the Orient für Altflöte und Streichorchester versetzte uns in die Mitte einer Schlangenbeschwörung. Die immer wieder eingebauten Gong-Töne lähmen die Schlange für ein paar Sekunden, bis sie sich wieder in Bewegung setzt.  Kyu-Yung Chin hat in Karlsruhe studiert.  Angelika Bender  ist eine wunderbare Flötistin, die schon seit fast 20 Jahren beim Phorminx Ensemble spielt.

Der Niederländer Cord Meijering, von dem das folgende Stück stammte,  ist Mitbegründer des Ensemble Phorminx und lebt heute in Darmstadt. Er hat auch die Verbindung zu dem koreanischen Orchester hergestellt. Von 1983 – 1986 hat er bei Hans Werner Henze an der Musikhochschule Köln studiert und dem Maestro schon zu dessen 80. Geburtstag 2006 das Werk « Neue Lieder aus Italien und Deutschland » dediziert.  Tombeau de Hans Werner Henzeper violoncello e 13 strumenti, ist ebenfalls 2015 entstanden. Nach dem Konzert erzählte Meijering, dass er dabei an eine Komposition des französischen Komponisten Gaultier dachte, der seinem Lehrer Mézangeau (Le tombeau de Mézangeau) gleichfalls eine Komposition widmete, inspiriert.  Eine Trauermusik, lyrisch und fast post-romantisch, die den Schmerz über den Tod seines Maestro beschreibt. Die Trompete beginnt mit einem Tusch bis eine Art Trauermarch, obwohl es kein Marsch ist, einsetzt. Man denkt ganz kurz an ein Staatsbegräbnis, oder jedenfalls an das Begräbnis eines großen Mannes, schubertianische Hommagen und symphonische Ansätze werden mit einem ausatmenden Seufzer beendet – die Musiker senken den Kopf und es folgt eine gefühlte Trauerminute. Sehr gelungene Komposition, ganz im Sinne von Henze, der sicher sehr stolz auf seinen Schüler gewesen wäre.

Auch Myung-Whun Chois Komposition entstand 2015 zu Ehren des Meisters. Mo-rahms II für Klarinette und Ensemble ist ein Augenzwinkern auf das abrupte Zusammentreffen zweier Kulturen, eine Suche nach dem Ich. Myung-Whun Choi hat in Deutschland studiert und die Klarinette in diesem köstlichen Werk zitiert permanent Mozart und Brahms. Thomas Löffler hat sich auch richtig amüsiert damit – wir auch!

Da es kein Programmheft gab, hat Michael Kerstan jedes Stück immer vorher angekündigt und ein wenig über den Komponisten erzählt. Das war sehr angenehm und hat die Luft für die folgende Stück gereinigt.

Als nächster kam der Maestro selber an die Reihe. Hans Werner Henzes Fantasia für Streicher ist 1966 entstanden; Schlöndorff bat Henze um die Musik zu seinem ersten Film nach Musils „Törless“.  Henze war 40 Jahre alt und befand sich in einer unheimlich produktiven Phase, nachdem er beschlossen hatte, sich nur noch aufs Komponieren zu beschränken. Sein junger Partner Fausto Moroni kümmerte sich um den seit 1963 immer wieder unterbrochenen Hausbau in Marino. Weihnachten desselben Jahres konnten sie aber dann schon zusammen mit Ingeborg Bachmann in – La Leprara feiern – mit einem nicht mehr rauchendem Kamin (wie Henze selber in den Reisebildern und Böhmischen Quinten schreibt) feiern.

Die Törless-Streichersuite war die perfekte Ergänzung und hob zugleich diesen großen Komponisten hervor. Henze hat hierfür  Renaissance-Instrumente vorgegeben,  um das komplizierte dekadent-morbide Innenleben des Studenten Törless zu beschreiben.  Elegisch-spätromantisch und energisch. Wunderbar präsentiert  von 9 Streichern des Daegu MBC Orchesters unter dem Dirigenten aus dem Kosovo, Kushtrum Gashi.

Den Abschluss machte Sung-Ho Hwang mit Cliché (2015) . Es ist ein Dialog zwischen Klarinette und Querflöte, ein ständiges hin und her und sich nicht entscheiden wollen. Die keifende Klarinette antwortet der eher kompromissbereiten Querflöte, schnell und lebhaft, beschwingt und mit vielen klassischen Referenzen versetzt. Sehr schwer zu spielen, sagte uns die Flötistin später.

nachdem Ariccia-Konzert-klein
Sung-Ho Hwang, Angelika Bender im Refektorium nach dem Konzert

Das Ensemble Phorminx wurde 1993 von Musikerinnen, Musikern und Komponisten in Darmstadt gegründet und die drei Solisten, Thomas Löffler (Klarinette), Angelika Bender (Flöte) und Wolfgang Lessing (Cello), sind schon so gut wie seit der Gründung dabei und haben gemeinsam studiert.

Alle Werke hatten eines gemeinsam, sie sind im Sinne von Henze entstanden und waren geprägt von einem nicht zu überhörenden Mut zur Lyrik! Uraufgeführt wurden diese Kompositionen vor ein paar Tagen in Darmstadt und in Daegue.

Ich möchte gerne, dass meine Musik in Zukunft (d.h. nach meinem Ableben) die gleiche Wirkung ausübt wie heute und dass sie weiterhin zu einer Hörerschaft sprechen kann, die mit den kulturellen und sozialen Belangen der Zeit vertraut ist …..“ (Hans Werner Henze)

Genau das ist gestern Abend in Ariccia der Fall gewesen.

Am Freitag reisen sie alle Richtung Deutschland, um in Nürnberg am Samstag dieses außergewöhnliche Konzert zu wiederholen.

Palazzo Chigi in Ariccia
Palazzo Chigi, Ariccia

auch auf KULTURA EXTRA

Christa Blenk

 

http://www.hans-werner-henze-stiftung.de/home/

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Musica Svelata – i giardini della Filarmonica

Espelhos (Spiegel)

P1240717
Baltar Cassola Guitar Duo (Foto: Christa Blenk)

Vom 27. Juni bis 12. Juli 2015 findet in den Gärten der Filarmonica Romana dieses Festival statt, bei dem sich einige Länder musikalisch vorstellen. Das Eröffnungskonzert organisierte die Botschaft von Portugal. Das Baltar Cassola Guitar Duo (Eduardo Baltar und Tiago Cassola). Die laue Sommernacht und das Prestige der Musiker haben so viele  Zuhörer angezogen, dass in dem recht großen Saal noch Stühle aufgestellt werden mussten.

Das Programm bestand aus portugiesischen (und brasilianischen) Kompositionen wie Carinhoso, Lisboa ao Entardecer oder Senhorinha von Guinga, bis auf einen klassischen Exkurs zu Domenico Scarlattis Due Sonate. Natürlich geht portugiesische Musik nicht ohne Saudade und deshalb spielten sie als letztes ein Stück von Casimiro Ramos, Balada da Saudade und als Zugabe dann nochmals Carinhoso von Pixinguinha. Melancholisch, atlantisch-traurig und mit viel Expertise haben sie uns vom Norden bis in den portugiesischen Süden geführt und dafür mit ausführlichen Erklärungen gesorgt, dass wir ihnen auch folgen konnten. Ohne Berührungsängste und mit verschiedenen Gitarrren wurden hier auf originelle Weise Fado, klassische und populäre portugiesische Musik  miteinander verbunden.

Organisiert wurde das Konzert in Zusammenarbeit der Filarmonica Romana mit der portugiesischen Botschaft (Danke Isabella!) und die nächsten Tage geht es dann weiter mit Präsentationen von Japan, Iran, Slowakai, Malta,  Norwegen und Spanien. Zwischendurch werden drei Konzerte im Rahmen des Artescienza Festival mit zeitgenössischer und elektronischer Musik in der Sala Casella stattfinden.

Abgesehen davon, dass der Garten der Accademia Filarmonica Romana einfach umwerfend schön ist, lohnt auf jeden Fall ein Besuch dieses Festivals, das ein sehr abwechslungsreiches und interessantes Programm bietet.

Am Sonntag fährt das Duo weiter nach Assisi, um dort im Rahmen des « Festival Internazionale di Musica per il dialogo interculturale tra i Popoli » aufzutreten.

Christa Blenk

P1240720 während des Festivals sind im Garten Arbeiten con Claudio Palmieri zu sehen.

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

Audio-visuelle Installation – l’Ombra della Luce

nasantur-casinonobile
Casino Nobile – Villa Torlonia (Foto: Christa Blenk)

Eine Audio-visuelle Installation von Nasan Tur in der Villa Torlonia (auch für KULTURA EXTRA)

Im Jahre 2014 war der deutsche Künstler Nasan Tur Stipendiat der namhaften Villa Massimo in Rom. In unmittelbarer Nähe zu ihr liegt die Villa Torlonia, eine Parkanlage mit verschiedenen Bauten unterschiedlicher Stilepochen, die Anfang des 19. Jahrhunderts von der römischen Adelsfamilie Torlonia errichtet wurde. Das größte Gebäude und das eleganteste, das Casino Nobile, war in den Jahren 1925-1943 offizielle Residenz von Benito Mussolini. 1942 wurde auf seinen Wunsch der Keller als Bunker ausgebaut. Nach dem Krieg ging der komplette Torlonia-Komplex an die Stadt Rom, die später aus den Bauten Museen und Ausstellungsräum machte,  in denen auch Konzerte aufgeführt werden. Ansonsten ist die Villa Torlonia der Lieblingspark der Römer – nicht nur in heissen Sommertagen. Seit 2014 ist nach Voranmeldung auch der Bunker als Teil des Museums zu besichtigen.

Nasan Tur (*1974), der sich schon seit längerem mit der Macht auf und der Faszination von politischen Reden auf die Bevölkerung auseinandersetzt, ist vom italienischen Kurator und Kunstkritiker Pier Paolo Pancotto eingeladen worden, ein Projekt dort zu realisieren. Hierbei geht es um eine audio-visuelle Installation, die Nasan Tur zusammen mit einem Musiker konzipiert hat und die auf der Auseinadersetzutng mit der Selbstdarstellung des italienischen Diktators Mussolini und  seinen medienwirksamen Volksreden basiert, die die Grundlage für das Erlangen und den Erhalt seiner Macht darstellten.  Nasan Tur hat sich anhand von Filmaufzeichnungen mit dem Dramaturgieaufbau, der Artikulation, der Intonation und Lautstärke dieser Reden befasst und sie unter Zuhilfenahme einer speziellen Sound-Software in Musik umgesetzt.  Der Inhalt der Rede ist durch diese Bearbeitung  sekundär geworden, es geht hier nur noch um Noten und Töne. Verschiedene Musiker präsentieren also an unterschiedlichen Stellen im Gebäude und im Bunker diese Kompositionen, die dann während der Ausstellungszeit bis zum 2. August in vorher festgelegten Zeitabständen abgespielt werden und im kompletten Gebäude zu hören sind. Man folgt sozusagen den Tönen. Livemusik gab es nur bei der Eröffnung gestern Abend.

Am Anfang fühlt man sich ein wenig verloren und hat Mühe, das Konzept zu erfassen. Wenn man aber der Musik folgt, immer vorbei an römischen und Renaissance-Skulpturen oder Gemälden aus dem 19. Jahrhundert und die Videoinstallation auf sich wirken lässt, hört man nur noch sehr schöne Musik, diskret, leise und beruhigend. Es hat nichts mehr mit Propagandareden gemein und es wäre das Letzte an das man denken würde, wüsste man nicht, dass diese Musik-Performance eigentlich einen unschönen und manipulierenden Hintergrund hat. Man muss also die Gebrauchsanleitung gut lesen!

Musikalisch haben ihm Walter Cianciusi und Enzo Filippeti sowie  die Musikstudenen des  Konservatoriums Santa Cecilia assistiert. Realisiert und technisch umgesetzt wurde das Ganze vom CRM (Centro Ricerche Musicali). Spannender Nachmittag.

Nasan Turs Performance hat das Festival „Artescienza 2015“ eingeleitet, das bis zum 30. September noch viel Interessantes, Neues und Beschreibenswertes hervorbringen wird.

Nasan Tur ist 1974 in Offenbach geboren und es ist nicht das erste Mal, dass politische oder soziale  Ideologien sein Wirken prägen. Symbole der Macht, hier sind es Propagandareden, faszinieren und beschäftigen ihn in alle Richtungen. Nasan Tur hat u.a. in London, Mailand und Nürnberg unterrichtet. Heute lebt und arbeitet er in Berlin.

 Villa Torlonia 016
Villa Torlonia im Frühling (Foto: Christa Blenk)

hier geht es zu weiteren Konzerten und Projekten des CRM

Michelangelo Lupone

CRM

Feed Drum

Licht und Power Game

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

 

 

Ritratto di Spagna – spanisches Portraitkonzert

Gerardo Aparicio 
Gerardo Aparicio – muerte española

Ritratto di Spagna

Französischer Impressionismus fusioniert mit spanischer Folklore

Das Sinfonieorchester und der Chor der Universität Roma Tre haben gestern Abend unter Leitung der italienischen Dirigentin Isabella Ambrosini ein “spanisches” Konzert im Teatro Palladium gegeben. Auf dem Programm standen Stücke von den großen iberischen Komponisten wie Falla oder Turina sowie vom spanisch-geprägten französischen Komponisten Maurice Ravel und Gabriel Fauré. Außer Fauré (1845-1924) sind die drei anderen zwischen 1874 und 1876 geboren.

Das Konzert begann – mit einer 30-minütigen Verspätung – mit zwei Werken von Gabriel Fauré (1845-1924): eine sehr langsame und bedächtige aber sehr schön und sauber, vor allem gesungene, Version von Cantique de Jean Racine (Fauré hat es als 19jähriger geschrieben) gefolgt von seiner  Pavane op 50 (entstanden 1887) für Orchester und Chor.  Im Anschluss wagte man sich an Manuel de Fallas El amor brujo.  Wie gesgt, man wagte sich. ,Diese Konzertsuite hört sich  anders an, was zum Teil aber auch an der Sängerin, Amalia Dustin, lag. Einfach unverständlich, warum man in Rom sie dafür ausgesucht hat.! Sie hat eine kleine Stimme (oder war das Orchester zu dominant!) und kein Temperament für diese Rolle, die sonst leidenschaftlich von Vollblut-Sängerinnen wie Rocio Jurado präsentiert und dargestellt wird. Uns blieb also nichts anderes übrig, als ihr wunderschönes, spanisch anheimelndes Kleid und ihre verzweifelten Versuche,  mit ihrem roten Schal Passion, Rituell oder Leidenschaft zu mimen, zu betrachten. Schade und peinlich! Sie hat dieses Konzert heruntergerissen.

Manuel de Falla komponierte El Amor Brujo (Der Liebeszauber) während des ersten Weltkrieges auch unter Einfluss der französischen Komponisten, die er während seines Paris-Aufenthaltes ab 1907 kennen gelernt hatte. 1915 wurde diese “Gitaneria” (Zigeunerei) schließlich in Madrid uraufgeführt. Erst später hat er das Werk zum Ballet umgearbeitet und ich verstehe gar nicht, warum es nicht viel öfter von großen Ballettgruppen aufgegriffen wird.

Manuel de Falla ist wahrscheinlich der bedeutendste spanische Komponist des 20. Jahrhunderts. Sein Liebeszauber ist feurig und spritzig und beinhaltet die Folklore seines Heimatlandes ohne die musikalischen Tendenzen Anfang des 20. Jahrhunderts in Paris zu vergessen. Zarzuelamäßig lösen sich Gesang,Tanz und Musik ab. Finsterer Aberglaube, bebende Leidenschaft, Zigeunerritual und rasende Ekstase verbindet Falla in seiner Musik mit schüchterner Zärtlichkeit, asketischer Sehnsucht und wildem Lokalkororit.

Nach einer kleinen Umbaupause wurden wir aber belohnt mit dem wirklich sehr guten Pianisten Massimo Spada der Joaquin Turinas Rapsodia sinfonica op 66 und Ravels Concerto in Sol Major spielte. Auch Turina lebte zwischen 1905 und 1913 in Paris und lernte dort seine Landsmänner Falla und Albéniz kennen, aber auch er wurde geprägt von den Impressionisten wie Debussy oder Ravel und auch er kehrte – wie Falla – vor dem Krieg nach Madrid zurück. Die Werke von Turina werden sehr selten außerhalb von Spanien aufgeführt. Dafür gebührt Ambrosini Dank. Sie gräbt gerne verborgene Schätze aus. Im März 2015 hat sie das Publikum mit einer glänzenden Version „semi-circolo“ von „La Serva Padrona“ überrascht.

Spada spielte im Anschluss Ravels zweites wichtiges Klavierepos in G-Dur (und das Abschalten der vielen Handys um uns herum zeigte, dass die meisten wegen diesem Stück gekommen waren; bei mir war eher El Amor brujo das Zugpferd). Die Komposition entstand 1930 und besteht aus drei Sätzen, von denen jeder sein absolutes Eigenleben hat.

Allegramente beginnt mit einem  Knall und verfällt dann direkt in spanische oder baskische Folklore, die Ravel an der spanisch-französischen Grenze in seiner Jugend aufschnappte, dazu gesellen sich  die neu entdeckten Jazzklänge die irgendwann in Blues ausarten und plötzlich Gershwins 8 Jahre früher aufgeführte Rhapsody in Blue eine Hommage zollen. Der erste Satz endet mit einer schnellen Akkordfolge (die bekannteste Stelle wahrscheinlich).

Adagio assai beginnt ruhig, bedächtig und mozartig. Hört sich so leicht an aber Ravel sagte darüber, dass dieser Satz in beinahe ins Grab gebracht hätte. Zuerst nur das Klavier, später setzt dann das gesamte Orchester ein. Dissonantes harmonisches Ende.

Presto schließt an die schnelle Intensität und laute Stärke des ersten Satzes an und geht schnell melodisch zu Ende. Dieser Satz hat schon oft Anlass zur Kritik gegeben.

Spada hat sich sehr gut geschlagen und viel Applaus bekommen.

gerardo_aparicio
Gerardo Aparicio

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Arturo Noci

La belle époque – römische Jahre des eher unbekannten Malers Arturo Noci (1876 -1953)

Die Galleria d’Arte Moderna zeigt zur Zeit Portraits und Gemälde aus der Zeit zwischen 1897 und 1923, die römischen Jahren von Noci. Es  ist die erste Ausstellung in einem Museum dieses  italienischen Malers der Belle Epoque. Ein Großteil der Exponate stammt aus  privaten Sammlungen. Noci war um die Jahrhundertwende bis zu einer Ausreise in die USA ziemlich bekannt, ein allseits gefragter Portraitist  und hat viele Persönlichkeiten des Jet sets, darunter Kinostars wie Pina Menichelli gemalt. Hier posiert sie als femme fatale und zieht den Betrachter wie ein Magnet in ihren Bann.

ritratto di Pina Menichelli - 1920 - Privatsammlung
ritratto di Pina Menichelli – 1920 – Privatsammlung

Anfang des 20. Jahrhunderts schon  gab es in Trastevere das Restaurant « La Cisterna » (es wurde 2014 nach dem Tod des Sammlers und Besitzers Fausto Simmi geschlossen). Simmi, der im Alter von 92 Jahren letztes Jahr verstarb,  hatte das Restaurant, die Sammlung und den Geist von seinem Vater geerbt, der in Nocis römischen Jahren eine Art Salon für Intellektuelle und Künstler in seinem Restaurant betrieb.

Nocis Portraits sind auf den ersten Blick durchaus akademisch oder sind dem Divisionismus zuzuordnen (wie eines seiner bekanntesten Portrait « L’arancio » aus 1917). Konzentriert man sich allerdings auf die Gesichter oder auf die Art wie er den Pinsel ansetzt, hat er durchaus expressionistische Ansätze, wie z.B. das Portrait der Pina Menichelli oder das Ganzkörperportrait von Soava Gallone aus 1916. Ich musste an Nolde denken (der übrigens im gleichen Jahr, 1874, wie Noci geboren wurde).  Unzweideutig hat er die deutschen Expressionisten gekannt oder natürlich die Frühwerke der italienischen Futuristen, die ihn – allen voran Gino Severini  – der ihn allerdings eher verachtete und seine Gemälde  ranzig und anachronistisch schimpfte.

Geboren in die Belle Epoque hinein, beeinflusst vom Dandyismus, geprägt von der akademinischen Malerei des 19. Jahrhunderts, belächelt von den Futuristen war  Noci einer der Begründer der  Römischen Sezession. Viele der Exponate werden zum ersten Mal ausgestellt. Sie stellen eine  wunderbare Chronik der mondänen römischen Gesellschaft  im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts das, während in Frankreich der Kubismus Furore machte und die Italiener den Futurismus erfanden und bei uns die Expressionisten wüteten.

Arturo Noci kam aus einer Künstlerfamilie und durfte schon früh mit dem Kunststudium beginnen. Obwohl er sich ursprünglich sehr für die Landschaftsmalerei interessierte (1904 schloss er sich der Gruppe XXV della campagna romana an), entdeckte er um die Jahrhundertwende das Portrait. Er wurde so etwas wie der Starfotograf in Rom und in Europa – sogar der König von Siam ließ sich von ihm portraitieren, dazu reiste Noci extra nach Baden Baden. Eines seiner Hauptwerke, entstanden in der römischen Sezession, ist ein Portrait des Kinostars Lyda Borelli, sogar  Enrico Caruso hat sich ihm anvertraut. Dieses Portrait ist aber in der Ausstellung nicht zu sehen.

Bis zu seiner Ausreise in die USA 1923 hat Arturo Noci regelmäßig an der Biennale di Venezia teilgenommen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat er dann weiterhin „the rich and the beautiful“ portraitiert. 1953 kam er durch einen Unfall ums Leben.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

L’età dell’angoscia

 P1240243Portrait des Comodius als Herkules-Kapitolinische Museen RomReiterstatue Marc Aurel- Kapitolinische Museen Rom
Ausstellungsplakat; Commodus als Herkules, Marc Aurel, Reiterstatue,  Fotos: Christa Blenk

Zeitalter der Angst – Ausstellung in den Kapitolinischen Museen über die Epoche zwischen Commodus und Diokletian (180 – 205 n.C.)

Konstantin der Große wurde 306 von seinen Soldaten zum Kaiser ausgerufen;  nur 18 Jahre später wurde im Jahre 324 das Christentum durch die konstantinische Wende zur wichtigsten Religion im Römischen Reich.

In Rom gab es zu diesem Zeitpunkt  1352 Quellen, 19 Aquädukte, 39 Stadttore, 9 Brücken, 12 Basiliken, 45 Triumpfbögen aus Marmor, 28 Bibliotheken (für alle geöffnet), 2 Amphitheater, 5 Zirkusarenen, 200 Tempel, 22 Kasernen, 144 öffentliche Latrinen, 46 offizielle Lupanare, 3000 Statuen (ohne die Skulpturen zu erwähnen), davon 22 vergoldete, Reiterstandbilder (Quelle: Gilles Chaillet – Das Rom der Kaiserzeit). Die ewige Stadt erstreckte sich auf 2000 Hektar und hatte ca 1 Million Einwohner, die in 1790 Villen (domus) und 46602 Mietshäusern (insulae) lebten – ein mehrstöckiger, ziemlich gut erhaltener Wohnblock liegt übrigens genau am Aufgang zum Kapitol. Unzählige Beamte, darunter Freigelassene und Sklaven, waren mit der Verwaltung der Hauptstadt beschäftigt, die in 14 große Regionen unterteilt war.

We would rather be ruined than changed – We would rather die in our dread  – Than climb the cross of the moment – And let our illusions die.” (WH Auden, The Age of Anxiety)

1947 hat W.H. Auden sein genial-schönes Gedicht « The Age of Anxiety » veröffentlicht. Es passt so gut  auf die Zeit zwischen dem Paganismus und dem Christianismus und den damit verbundenen Untergang des Römischen Reichs übertragen; die Kuratoren der Ausstellung haben sich Audens Titel „Das Zeitalter der Angst“ für diese Ausstellung, die zur Zeit in den Kapitolinischen Museen gezeigt wird, geborgt.

Die römische Ausstellung hört da auf wo Konstantin anfängt und beschreibt das erste Kapitel des Untergangs, die Zeit der Gegen- und Soldatenkaiser. Das Jahr 180 nC war das Todesjahr des letzten (Adoptiv)-Kaisers Marc Aurelio. Mit seinem Tod vergingen ebenso Civitas, Stabilität und Wohlstand und schleichend und gemein installierten sich die ersten Symptome, die knapp 200 Jahre später den Untergang des römischen Reiches herbeiführen sollten.

Das Christentum stand unwiderruflich vor der Tür und ein Wandel war auf  lange Sicht nicht mehr abzuwenden. Die Kaiser waren längst keine Adeligen mehr sondern kamen irgendwo  aus der Provinz und die Führungsschicht hatte nur noch einen Gedanken: den erreichten Wohlstand zu beschützen und zu verteidigen. Die Armen wurden immer ärmer, die Soldaten waren  gekaufte Legionäre,  nicht mehr als Kanonenfutter,  der Limes,  die afrikanischen oder die gallischen Provinzen gingen nach und nach verloren, die (Theater)-Kultur verschwand gänzlich so auch das know how der römischen Baumeister und Künstler.  Leere und Pfusch nehmen den Platz von Schönheit und Perfektion der Antike ein. Epidemien, begleitet von materieller und sozialer Unsicherheit breiteten sich aus, Entbehrung und Knappheit regierte und die Menschen setzten sich allmählich in Bewegung, entweder auf der Flucht oder auf der Suche nach den neuen Religionen, die aus dem Boden  schossen. Der Verwesungsprozess hatte eingesetzt.

Wieso kommt uns das so bekannt vor?

Erst in der Renaissance sollte die Expertise und das künstlerische Geschick zurückkommen und Michelangelo würde Statuen schaffen, die es mit denen der Römer oder Griechen allemal  aufnehmen können.

Das Zepter übernahm also Marc Aurels legitimer Sohn Commodus und nannte sich in der Folge Imperator Caesar Marcus Aurelius Commodus Antoninus Augustus, dem er später noch den Siegesnamen Germanicus Maximus hinzufügte  (sein Vater Marc Aurel starb 180 an der Donau). Beliebt beim römischen Volk, verhasst beim Adel, führte er ganz populistisch panem et circenses wieder ein und suchte die belasteten Staatsfinanzen seines Vaters zu verbessern was sein Verhältnis zu den Senatoren belastete, vor allem auch weil er wichtige Aufgaben eher Männern aus dem Volk oder Freigelassenen und keinen Senatoren mehr übertrug. Aufwendige Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe, sollen sein Hobby gewesen sein und Herkules sein Idol. Seine 13 Jahre dauernde Herrschaft war geprägt von Aufruhr, Putsch,  Attentaten, Misstrauen und

Sein verspielter Größenwahn ging so weit, dass er alle Monate des Jahres nach seinen Ehrennahmen umbenennen ließ, seine carruca (Reisewagen) soll sogar mit einem Drehstuhl ausgestattet gewesen sein, damit er auf seinen Reisen die Landschaft besser betrachten konnte.  

Denn gereist wurde viel in dieser Zeit. Viele der Kaiser oder Soldatenkaiser kamen nicht aus Rom sondern aus den Provinzen.  So wurde z.B. das 1000-jährige Bestehen des Römischen Reiches im Jahre 247 von Philippus Arabs organisiert und gefeiert. Er kam aus Syrien und konnte sich immerhin 5 Jahre an der Macht halten. Maximinus Thrax kam aus Thrakien, Caracalla wurde in Frankreich geboren und ist in Mesopotamien verstorben. Probus kam vom Balkan und Diokletian aus Dalmatien.

192 wurde Commodus von dem Athleten Narcissus erwürgt.

Gegenkaiser – Mitkaiser – Soldatenkaiser

Commodus hatte keinen Nachfolger bestimmt, ein Zustand, der direkt zum sog. Vierkaiserjahr führte: Pertinax und Didius Julianus fielen nach kurzer Zeit an der Macht Mordanschlägen zum Opfer, Septimus Severus erstellte dafür einen neuen Rekord und konnte sich acht Jahre an der Spitze dieses wackelnden und von Krisen erschütterten  Imperiums halten. Das Durcheinander war unglaublich, kaum hatte man den Namen eines neuen Kaisers gelernt, wurde er auch schon wieder um die Ecke gebracht. Es kamen Caracalla, Macrinus, Elagabalus, Severus Alexander und 235 der erste Soldatenkaiser mit dem Namen Maximinus Thrak. Dieser machte seine Ignoranz (angeblich konnte er nicht mal lesen) mit Körperkraft wett und war laut der nicht unbedingt  zuverlässigen und mit Anekdoten gespickten Historia Augusta ein Riese, stark wie Herkules glich er eher einer Figur aus der griechischen Mythologie, ein wilder Kerl ohne Angst, ein unsterblicher Draufgänger, ein Rambo oder ein Terminator. Wenn der Werteverfall nicht mehr mit Intelligenz abzuwehren war, vielleicht tat es ja das Schmalz in den Armen. Maximinus Thrak überlebte immerhin 3 Jahre und leite 238 das Fünfkaiserjahr ein. Ob er wirklich Tuffstein zerbröckeln konnte, wollen wir mal dahingestellt lassen.  Zwischen Gordian III, der ihn ablöste und Diokletian, der ab 285 schließlich den Spieß wieder umdrehte und Rom erneut zu Frieden und Wohlstand führte, gab es immerhin 16 Kaiser, die im Durchschnitt  2-4 Jahre walteten.  (Ende des 16. Jahrhunderts gab es einen ähnlichen Zustand unter den permanent wechselnden Päpsten).

« Luxus ist ein süßes Gift, das man viel leichter anklagen als vermeiden kann » sagte Valerius Maximus.

Lifestyle, Kriegsmaschinerie, religiöse sowie pagane Kulte und Begräbnisriten sowie Kleidung und Mode oder Gebrauchsgegenstände, die diese nervöse und unruhige Epoche voller Angst und Unsicherheit begleiteten, werden anhand von zahlreichen Portraits von Herrschern, Frauen, Kindern, Göttern, Skulpturengruppen, Gefäßen, Gräbern dokumentiert.

Hier posieren sie, direkt vor den bezaubernden Fresken, die von der Rom-Gründung, vom Kampf der Horatier und Curatier oder vom Raub der Sabinerinnen erzählen. Marc Aurel, flankiert von seinem Sohn Commodus als Herkules (die Tatsache, dass Herkules permanent als deus ex macchina herhalten musste, spricht Bände). Die Reihe wird fortgesetzt mit Marmorbüsten von Caracalla als Kind, als Erwachsener, mit Militärumhang weiter dem Soldatenkaiser Elagabalo mit brutaler Lippe oder Abbilder von sensiblen Fast-Kindern im Kaiserkleid. An ihren Gesichtern kann man die Schwäche oder die Dummheit, aber auch die Aggressivität, Bestimmung oder die Haarmode ablesen.

Herausstechend eine nur 35 cm große Statue eines  dicklich-feisten Attis (eine Leihgabe aus Trier), mit aufgeschlitztem Gewand und erhobener Hand, in der man das Messer vermutet, das gerade für seine eigene Entmannung verantwortlich war. Skulpturen, die die Transition vom Paganismus oder vom Polytheismus zum Christianismus beleuchten oder mannigfaltig auftauchenden Religionskulte, die hier alle zum Konkurrenzkampf antraten wie Isis, Osiris, Cibele, Mithra oder Halbgötter wie Herkules und Dionisos. Eine umwerfende 255 cm große Bronzestatue des Treboniano Gallo aus dem MET New York, auffallend aufschlussreich der viel zu kleine Kopf auf dem enormen Körper. Außergewöhnlich auch die fast zwei Meter hohe Marmor-Skulpturengruppe „Artemis und Iphigenie“. Artemis, stark und groß, mit der Hirschkuh an ihrer Rechten und Iphigenie zu ihren Füßen – diese Gruppe ist in den Kapitolinischen Museen zuhause, wie ein Großteil der Exponate übrigens. Allerdings ist es doch sehr spannend, sie so thematisch  gebündelt zu sehen.

Der erste und einer der faszinierendsten Romane des römischen in Algerien geborenen Schriftstellers und Philosophen Apuleius „Der Goldene Esel“ ist um 170 entstanden. In der Ich-Form geschrieben, vermittelt er dem Lektor das unglaubliche religiöse und sonstige Chaos und den Überlebenskampf der Bewohner. Die Beschreibung einer paganen Prozession ist genial, greifbar und hörbar. Apuleius selber ist sehr viel gereist, hat einiges erlebt und  sehr intelligent  die Stimmungen und den Wandel im römischen Reich eingefangen.

Dank der energischen Maßnahmen von Diokletian herrschte im Jahre 285 wieder Frieden im Reich und die depressive Epoche, um die es in dieser Ausstellung geht, sah unter  eben diesem Kaiser wieder das Licht am Ende des Tunnels. Es entstand der letzte große beeindruckende Bau in Rom:  der Bogen des Konstantin! Das Blatt wendete sich endgültig, als die Regierung im vierten Jahrhundert an den Bosporus umsiedelte, wo Konstantin die Stadt Konstantinopel gründete. Die alte Hauptstadt und bis dahin caput mundi sollte in Zukunft den bald sich dort ansiedelnden Päpsten gehören und Rom fiel in das finstere und untalentierte Mittelalter, was konform mit dem Verlust des  know how ging, das die glänzenden und faszinierenden Gebäude und Aquädukte wie z.B.  das Pantheon entstehen ließ.

Auf dem Weg durch die Ausstellung kommt man immer wieder an Gegenständen vorbei, die nicht zur Ausstellung gehören aber einfach dazu passen, wie das Reiterstandbild des Marc Aurel oder Konstantins verschiedene Körperteile im Mega-Format:  Kopf, Fuß und Hand sind voneinander  getrennt –  zerrissen, wie die Zeit zwischen Orient und Occident!

L’età dell’angoscia – da Commodo a Diocleziano 180 – 305 d.C. ist der vierte Teil einer Ausstellungsserie unter dem Oberbegriff „Die Tage Roms“. Der Katalog ist sehr ausführlich und kostet 39 Euro. Die Ausstellung wird noch bis zum 4. Oktober 2015 in den Kapitolinischen Museen in Rom gezeigt.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

Il laboratorio del genio: Bernini als Zeichner

P1240008 
Ausstellungsplakat im Palazzo Barberini

Vom 25. März bis 24. Mai 2015 waren in der Galeria Barberini an die 200 Zeichnungen vom wichtigsten und bekanntesten römischen Bildhauer, Maler und Architekten Gian Lorenzo Bernini zu sehen.

Entstanden ist diese interessante Schau in Zusammenarbeit von Jeannette Stoschek, Sebastian Schütz und Giovanni Morello: Vor Rom war sie im Museum der bildenden Künste in Leipzig zu sehen.

Das hat einen Grund: 1715 hat der Leipziger Stadtrat einen Großteil dieser hier ausgestellten Zeichnungen erworben, die der Bibliothekar Christian Götze vom römischen Kunsthändler Francesco Antonio Renzi kaufte; ein Großteil dieser Preziosen stammte aus der Sammlung der Königin Cristina von Schweden. Jahrelang lagen diese Schätze in der Ratsbibliothek von Leipzig bis sie schließlich 1931 von Heinrich Bauer und Rudolf Wittkower aus dem Keller ans Tageslicht geholt und komplett archiviert wurden.   Diese Leipziger Zeichnungen dokumentieren das künstlerische Leben Berninis, die Projekte – die realisierten und nicht realisierten – dieses barocken Genies.  Unter den Karikaturen befindet sich eine genial-spöttische über den Kardinalnepoten Scipione Borghese. Mit nur fünf Linien hat er ihn komplett portraitiert und sieht seiner Büste (natürlich auch von Bernini) in der Galleria Borghese ähnlich.  

Projekte des Vierströmebrunnens auf der Piazza Navona, vom Daniel,  vom  Laokoon, die Petersdom-Projekte und die Kolonnaden etc. Viele Eigenportraits als junger und auch als alter Mann, Portraits von Kindern (die alle ihm irgendwie ähnlich sehen), die fruchtbarsten Jahre unter seinem Mäzen Papst Urban VIII und später unter Alessandro VII, dem Chigi Papst sind dokumentiert. 

Zu der eh schon ausgezeichneten Leipziger Sammlung gesellten sich Werke aus anderen römischen Museen und den Vatikanischen Museen aber auch aus der Kollektion von Königin Elisabeth II. und aus der Wiener Albertina.

Immer wieder bestätigt sich, wie nachhaltig und definitiv Bernini das barocke Rom – zusammen mit seinem Erzfeind und Kollegen Borromini – prägte. Nach Rom passen die Zeichnungen am besten, denn nur hier kann man Bernini wirklich kennen lernen, angefangen von einem Besuch in der Galleria Borghese, bis hin zu den Kirchen, in denen seine Werke stehen, wie z.B. die Verzückung der Hl. Teresa in der Kirche Santa Maria della Vittoria. Noch nie hat man dem grafischen Werk soviel Bedeutung beigemessen. Zusammen mit der zurzeit im Palazzo Cipolla stattfindenden Ausstellung über das barocke Rom, verschafft man sich ein perfektes Bild dieses Barockkünstlers. Purer Luxus!

 

In diesem Zusammenhang auch interessant die Ausstellung Barocco a Roma im Palazzo Cipolla

 

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Genius Noci

Genius Noci im Orto Botanico – Trastevere

Auch auf KULTURA EXTRA

 

Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)

 

Nussbaum mit Plastikinseln von Romoli Venturi und Betrachterstuhl von Stucky

 der große Nussbaum im Orto Botanico – Hauptprotagonist dieser Ausstellung und
Bestandteil des Beitrags von Silvia Stucky und PRVs Inselns –  Foto: Christa Blenk
 

2008 hat ein gewaltiges Unwetter in Rom im Orto Botanico in Trastevere (Botanischen Garten) einen  sehr alten, großen Nussbaum zum Stürzen gebracht. Ein Teil der Wurzeln blieb allerdings unter der Erde,  der Baum wuchs weiter und aus ihm sprossen weitere Bäume.

Die Kuratorin Anna D’Elia hat vor einem Jahr dieses Ausstellungskonzept konzipiert,  den gefallenen Baum zum Hauptprotagonisten und Mittelpunkt gemacht und sechs römische Künstlerinnen auf unterschiedliche Weise mit ihm eine Verbindung treten lassen.  Und das passierte gestern, am 16. Mai 2015.

Hermann Hesses Fabel  über den jungen Piktor, der ins Paradies kommt und durch einen Stein seinen Wunsch, ein Baum zu werden, erfüllt bekommt, der wächst, gedeiht und doch nicht vollständig glücklich ist, bis  das Erscheinen eines Mädchens, das durch den magischen  Zauber-Karbunkel ebenfalls zum  Baum beide im Glück vereint, hat dafür Pate gestanden.

Stella Gallas Installation Pura consepavolezza (reines Bewusstsein) besteht aus  53 unterschiedlich großen Vogelnestern aus weißer Keramik, die sie an den Baumspitzen des enormen Nussbaums installierte. In einem Nest sitzt eine Frau und meditiert, sie selber! Das Nest ist ein Symbol der Geborgenheit und der Besucher wird eingeladen, sein eigenes sicheres Zentrum oder Nest zu finden.

P1230889

Stella Gallas – Foto: Christa Blenk

Gleich daneben die Installation Totem 2015  von Claudia Chianese. Dort wo der Baum sich spaltet, oder wo Äste abgebrochen sind, entstanden Löcher, diese hat Claudia Chianese in Totems verwandelt und sie mit Querschnitten vom Baum verbunden. Die physische und metaphysische Beschaffenheit des großen Baumes bildet hier einen Kreis. Materiell und immateriell, Geist und Materie, Sonne und Schatten, schwarz und weiß, voll und leer stellt sie gegenüber. Von ihr angeordnete runde Strohflecken landen zur Meditation über diesen Mikro- und Makrokosmos ein.

P1230885
Claudia Chianese bei der Meditation ihrer Installation Foto: Christa Blenk

Auf der freien grünen Fläche vor dem schlafenden riesigen Baum hat Paola Romoli Venturi ihre Plastikinseln aufgestellt. Sie erinnert daran, dass 2008, das Jahr in dem der Baum fiel, vor der kalifornischen Küste ein Wal mit 250 kg Plastik im Magen, tot aufgefunden wurde. Ihre umweltpolitische Installation prangert wieder einmal den  PTV_Paficic Trash Vortex  an, diesen 8. Kontinent aus Plastik im Pazifik. 2012 hat Romoli Venturi angefangen, Plastik au dem eigenen Haushalt zu sammeln um daraus ihre Isole_Paola Trash Vortex zu fabrizieren.  Fünf von ihnen  standen schon als wir ankommen, die sechste und größte Insel hat sie vor dem Publikum gefüllt und mit dem italienischen Kinderreim „Molti, Molta, Molte“ (Viel) die zukünftigen Plasktikinselverursacher in ihr Happening mit einbezogen und vielleicht positiv beeinflusst. Aufmerksam waren die Kinder jedenfalls.

 
P1230976
Paola Romoli Venturi beim Füller einer ihrer Inselns

Silvia Stuckys konzeptionelle non-Installation heißt  opera senza io  (Kunstwerk ohne mich) und steht gleich neben den Inseln von Paola Romoli Venturi, also vor dem Baum. Stucky  hat vor einem Jahr angefangen, den Baum regelmäßig zu fotografieren. Sie hat vier weiße Plastikstühle aufgestellt und an den Lehnen einen kurzen Text angebracht,  in dem sie das Leben und Nicht-Sterben des Baumes erklärt. Nach der Lektüre lädt sie den Besucher ein, sich auf den Stuhl mit Blick auf den Baum zu setzen und das was man hört, sieht und riecht in sich aufzunehmen. Das Kunstwerk ist in diesem Fall der Ort zwischen Himmel und Erde oder das Betrachten der Besucher. Mit ihren wunderbaren Fotos durchwandert man alle Jahreszeiten und Momente des Baumes. Sie hat sie zusammen mit den Geschichten, die ihr ein alter Gärtner im Orto erzählt hat, in einem E-Buch veröffentlicht., in einem Buch veröffentlicht.

SilviaStucky Opera senza io 2015_134-klein
Silvia Stucky « Opera senza io » – Foto: Silvia Stucky

In Jasmine Pignatellis Rebirth 2012 – Semirefrattario 1250°  wird die verbindende Lymphe zwischen den Zweigen zum Protagonisten.  Sie berichtet von der Kraft der Natur, vom  Willen zu Überleben, von der Selbstverständlichkeit der Wiedereroberung des Platzes. Für Pignatelli sind es die stummen Worte des Baumes, die an die alte Sprache der Mutter Erde erinnern. Zarte, farbige in den Himmel wachsende Stäbe, sollen die unsichtbaren Verbindungen zwischen der Lymphe und der Ursprache dokumentieren.

P1230898
Installation von Jasmine Pignatelli – Foto: Christa Blenk

Die Choreografin Alessandra Cristiani trat mit dem Baum mit einem primordial-rituellen Tanz in Verbindung. Mit ihrer Performance Esserenatura (Natur sein) feiert sie die Verwandlung ihres Körpers in eine Pflanze ähnlich Daphne, die aus Angst vor Apolls Verfolgung zum Lorbeerbaum wird. Sie zelebriert eine Vereinigung zwischen Natur und Mensch. Cristiani legt ihre Seele offen und ist mir hier schon öfter aufgefallen. Ihre individuellen Choreografien sind  beeindruckend, intensiv, beklemmend und außerordentlich und immer auf ein bestimmtes Projekt zugeschnitten. Vor ein paar Monaten hat sie uns mit einer Performance zu  elektronischer Musik von Michelangelo Lupone (Feed Drums)  tief beeindruckt.

 alessandracristiani-Baumtanz-Foto Silvia Stucky
Alessandra Cristiani während ihrer Performance – Foto: Silvia Stucky

Zwischendurch hat es immer wieder ein wenig zu regnen angefangen, nicht inszeniert, was aber den Baum durch die schwüle, schwere Luft sicher wieder ein wenig wachsen ließ oder ihm wenigstens ein neues Blatt bescherte.

Bemerkenswerte Schau in einem beeindruckenden Umfeld.

 

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Der Klang der Ewigen Stadt anno 1511 – Luther in Rom

Juli2013 140
Fresken Villa Farnesina

 

Musik in Rom zu Zeiten Luthers

Während Raffael 1511 seine Stanzen nach über 3 jähriger Arbeit beendete, Michelangelo noch in der Sixtinischen Kapelle arbeitete, Erasmus von Rotterdam seine Lehrrede Lob der Torheit in Druck gab, der große Künstlerbiograf und Maler Giorgio Vasari geboren wird,  Papst Julius II  sich in der Heiligen Liga  mit Kaiser Maximilian I verbindet, die Spanier zuerst Las Indias entdecken und später zum ersten Mal das Landesinnere von Panama erforschten, Portugal sich die Straße von Malakka und damit den Gewürzhandel sicherte wurden in Rom und  Italien diese Motetten, Lauden und Frottolen komponiert, die das römische Ensemble Concerto Romano auf dieser CD verewigte. Trendsetter in dieser Zeit waren vor allem Musiker aus Flandern und Nordfrankreich die sich zuerst in Florenz tummelten und dann zum Teil nach Rom kamen und eigene, italienische, Akzente setzen. Italien war auf dem Wege, eines der wichtigsten musikalischen Zentren in Europa zu werden.

Musiker und Komponisten wie Josquin des Préz oder Desprez, Petrus Roselli oder Costanzo Festa arbeiteten und komponierten hier. Eine der beliebtesten Musikarten war die Frottola, so nannte man die italienische höfische Vokalmusik, sie war das Produkt der Zusammenarbeit von Dichtern und Komponisten, eine Art Liebesgespräch der königlichen Gesellschaft. Diese Musikgattung verbreitete sich wie ein Lauffeuer in Italien und in Europa. Zwischen 1504 und 1520 verlegte Petruci in Venedig umfangreiche Sammlungen von Frottolen. Dichter-Musiker wie Serafino dell’Aquila und Petrarca « Musica sopra le canzoni di Petrarca » waren die Hauptlieferanten für die Frottola. Nach 1530 sackte dieser Boom wieder ein und die Madrigale kam in Mode.  Bei der ursprünglich aus der Toscana kommenden Laude hingegen handelte es sich um eine Art einfacher Kirchenmusik, die vom betenden Volk oder einfachen Nonnen gesungen, aber auch als Begleitung bei Prozessionen gespielt wurde.

Der 28-jährige Augustinerbruder Martin Luther begleitete im Jahre 1511 den Prior Johann von Mecheln auf seiner Pilgerreise in die ewige Stadt und hat diese Musik während seines Aufenthaltes sicher gehört. Was er in Rom sah, hätte er sich wohl in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen wollen. Rom war ein unmoralischer Sumpf, ein Sodom und Gomorrha, die Hölle auf Erden. Was Rom zu bieten hatte, Kunst und die lichte Schönheit der Renaissance-Produkte, interessierten ihn nicht im geringsten! Er legte aber trotzdem die Generalbeichte ab und sammelte – wie alle anderen Pilger auch – Ablässe. Natürlich spielte dieser fundamentale und entsetzliche Aufenthalt in Rom für ihn eine wichtige Rolle für seine zukünftigen Entscheidungen und bahnbrechenden Reformationen.

palazzo borgia roma
Renaissance-Gebäude in Rom

Detailllierte Informationen über seine Reise gibt es leider nicht, aber in einigen Abschriften oder Briefen kommuniziert er sein Entsetzen über Privatmessen mit Kurtisanen. Diese begleiteten in der Renaissance Kunst, Musik und Wissenschaft und lebten und wirkten im Rom des 16. Jahrhunderts hauptsächlich mit und von weltlicher und religiöser Macht. Es ging so weit, dass der Begriff „Roma, caput mundi“ zu „Roma, cauda mundi“ wurde. Die Kurtisane nahm eine wichtige Rolle im öffentlichen Leben ein, wie etwa die Hetäre im antiken Griechenland, und genoss hohes Ansehen. In Reiseberichten aus der Zeit kann man das nachlesen. Der Franzose  Villamont schrieb z.B. 1588: „Was ich am meisten bewundere ist, dass die vornehmen Herren von Rom,wenn sie an den Fenstern von Madame der Kurtisane vorbeikommen,sie mit solcher Unterwürfigkeit grüßen, ihr die Hände küssen und ihr die Aufwartung machen, als wären sie eine Prinzessin oder irgendeine große Dame“.

Pünktlich zum 500. Jahrestag von Luther in Rom hat das römische Ensemble Concerto Romano die CD “Luther in Rom – Der Klang der Ewigen Stadt  anno 1511” mit Motetten, Frottolen, Lauden und Kanzonen in der Zeit Luthers zusammen gestellt und herausgebracht und den Musikmarkt wieder mal um eine fantasievolle, wunderbar-bewegende, spielerische und abwechslungsreiche Preziose von religiöser aber auch paganer Tanz- und Spottmusik bereichert.  Ein musikalisches Stadtportrait von Rom, welches sich zu diesem Zeitpunkt in einem umgreifenden und wichtigen Veränderungsprozess – nicht nur musikalisch sondern auch architektonisch und künstlerisch – befand.

Petrus Rosellis Kyrie dalla messa Baysez moy eröffnet den Spaziergang. Ruhig, rein, besonnen und doch mit einem heiterem Ansatz wird es von einem tanzfähigen anonymen Instrumentalstück “Occelino” abgelöst. Luther hat auch den römischen Karneval erlebt und  Il canto delle Amazzoni von Filippo de Lurano, einer der Lieblingskomponisten der Papstfamilie Della Rovere, besingt die Freizügigkeit in den römischen Adelspalästen; eine weitere anonyme Kantate aus dem Medici-Florenz  Charitate amore Dei, verpönt sogar die Rom-Pilger, so wie Luther einer war. Abwechslungsreich geht es weiter mit Josquin Desprez’ (1450-1521) – Tu solus qui facis mirabilia oder mit dem  Ave Maria von Jean Mouton, erwähnenswert auch  eine festlich-ernste und zeremonielle Motette Hyrerusalem que occis von Costanzo Festa  (nach Matthäus 23.37)  im kontrapunktischen Stil nach flämischen Manier komponiert. Diese Kompositionstechnik hat eine wichtige Rolle in der Entwicklung der italienischen Polyphonie gespielt.  Mit einem fröhlichen und schon komplexen Lied für Chor, Solisten und Ensemble vom Veroneser Lautisten Michele Presenti Che faralla, che diralla endet die musikalische Reise. Wir schließen die Augen beim Zuhören und können sehen, wie sie fröhlich durch das Renaissance-Rom schwingen, tanzen, beten oder jemanden verspotten.

Für die polyphonen Werke hat Alessandro Quarta eine männliche Besetzung gewählt, Frottelen waren Frauenstimmen vorbehalten. Wobei natürlich die Interpretation eine persönliche Entscheidung der Musiker ist.

Im sehr informativen Begleitheft schreibt Alessandro Quarta dass er, um die Vokalität zu favorisieren, bewusst klassische Aspekte der Stimmbildung und Tongebung beiseite gelassen habe, um sich der Folkore Zentralitaliens anzunähern. Lirturgische Prozessionsgesänge, die  der Struktur der Laude ähneln, werden heute immer noch aufgeführt.

Die Vokal-Solisten Lucia Napoli (Mezzo-Soprano), Jacopo Facchini (Alt), Baltazar Zuniga (Tenor), Luca Cervoni (Tenor) und Giacomo Farioli (Bass) verzaubern  und das Ensemble Concerto Romano von Alessandro Quarta besticht mit Präzision und Einfühlsamkeit und bringt spielerisch diese so wenig bekannte Musik und seine Zeit dem Zuhörer so viel näher.

 Christa Blenk

PACOB2 Skulptur Paco Barón (Autoportrait)

 

und wie es 50 Jahre im römischen Sumpf weiter ging  – zu Beginn und des Barock- und Hochbarock  - können Sie hier lesen: Roma Barocca

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

Rom und Barock – Ausstellung im Palazzo Cipolla

palazzo Cipolla-klein

Palazzo Cipolla
 

Barocco a Roma – la meraviglia degli Arti

Wenn man auf der Straße XX Settembre in Rom Richtung Quirinalpalast geht kommt man zuerst an der kleinen bescheiden-bezaubernden Kirche San Carlino alle Quattro Fontane vorbei, die Borromini 1646  baute und trifft 50 Meter weiter auf die protzig-geniale Bernini-Kirche Sant’Andrea al Quirinale (1670). Damit hat man die Pflicht erfüllt, Charakter, Einfluss und Machtanteil dieser beiden Künstler am römischen Bau- und Kunstgeschehen im Barock verstanden und ist bereit für die Kür im Palazzo Cipolla.

Aber zuerst muss man sich mit der  Ausgangssituation von Rom nach dem Mittelalter auseinandersetzen:

In der Spätantike lebten in Rom an die 1,5 Millionen Menschen.  Ein politischer Bedeutungsverlust, Plünderungen durch die Westgoten und Vandalen und die Abwanderung der Kaiser in andere Städte verursachten den Untergang des römischen Reiches. Im 9. Jahrhundert lebten gerade mal 20.000 Personen in Rom.  Durch einen einsetzenden Pilgerreisen-Tourismus erwachte Rom schön langsam wieder aus seinem Dornröschenschlaf und verdoppelte bis ins 15. Jahrhundert  seine Einwohnerzahl. Gebäude und Straßen  befanden sich allerdings in Rom in einem katastrophalen  Zustand und die komplett unzureichende Wasserversorgung war unwürdig für die Stadt der Aquädukte. Erschwerend hinzu kam die weiter anhaltende Zerstörung antiker Bauten die als Steinbruch dienten oder als Selbstbedienungsläden für Neubauten herhalten mussten. Bereits unter  Papst Sixtus IV setzte ein architektonisches Aufrüsten sowie eine umfangreiche Stadtsanierung ein. Papst Julius II  (1443- 1513) holte 1496Michelangelo nach Rom und legte somit den Grundstein, Rom wieder zum Ausgangspunkt verschiedener Kunstrichtungen zu erheben, was zusammen mit einer  von Jesuiten dominierten mächtigen Kirche  Rom zum zweiten Mal Caput und  Theatrum Mundi werden ließ mit Päpsten, Adel und Künstler als Hauptdarsteller. Der nächste Papst beauftragte den Architekten Domenico Fontana einen Plan erstellen, der die sieben Hauptkirchen in einer möglichst geraden Linie für die Pilger verbinden sollte, ließ die antiken Obelisken wieder aufstellen und versah sie mit einem Kreuz, gab ein neues Aquädukt in Auftrag, das 27 öffentliche Brunnen speisen sollte, die eines der Hauptmerkmale des barocken Roms werden sollten.  Der bauliche Wettlauf hatte begonnen und das neue glänzende Rom konnte entstehen. Für die Realisierung wurden die  Hauptprotagonisten und Erzrivalen Gian Lorenzo Bernini (1598-1680),intelligent, hochbegabt, opportunistisch, diplomatisch und aggressiv und Francesco Borromini (1599-1667) begabt und genial,  verschlossen, griesgrämig, kauzig und depressiv geboren.  Diesen beiden Barockschöpfer sind in der Ausstellung auch am prominentesten vertreten. Mächtig, imposant, gigantisch, übernatürlich und übermenschlich -  so sollte das neue Rom werden und so sollte es in der Welt verbreitet werden, wofür auch die wieder anreisenden Künstler sorgten.  Kirche und Staat konnten gleichermaßen damit protzen und nutzten außerdem diese neuen Architekturprojekte  für die katholische Gegenreformation. 

kolonnadenP1190190Moses
Bernini Kolonaden, Barockkirche und Moses von Michelangelo

Einer der wichtigsten und einflussreichsten Vertreter war zum einen Papst Urban VIII und zum anderen der Papstneffe (Nepotismus kommt von ihm) Scipione Borghese.  Das Amt des höchsten Kirchenchefs war wie ein Hauptgewinn im Lotto und für ihn und den gesamten Clan ein Synonym für Reichtum, Macht, Mäzenatentum und Sammlerleidenschaft wovon die Künstler, allen voran, Gianlorenzo Bernini, ebenso aus dem Vollen schöpfte wie das jeweils sich an der Macht befindende Kirchenoberhaupt. Zu erreichen war das nur mit Intrigen, Gewalt  und Perversität.

Nach den Carafa, den Medici, Farnese – bereichert sich von nun an – das Haus Borghese“. So sprach die römische Bevölkerung und kommentierte resigniert die Machenschaften und die Geldverschwendung der Kirchenoberhäupter.

Die Architektur suchte neue Wege, die Harmonie der Renaissance zu durchdringen und die Malerei sollte realistisch sein aber gleichzeitig täuschen und vortäuschen. Mythologie und Religion waren die Lieblingsthemen der Künstler im Barock. Götter und Helden waren nackt, schön und erotisch und durften so dargestellt werden, wie Gott sie geschaffen hatte. Die  üppige Scheinheiligkeit und irre Chromatik kannte keine Grenzen.

200 Exponate hat die private Stiftung Fondazione Roma Museo – Palazzo Cipolla für diese Ausstellung aus vielen wichtigen Museen der Welt nach Rom geholt, darunter Gemälde, Zeichnungen, Radierungen, Architekturprojekte, Skulpturen, Musikinstrumente. Die Frühbarockgemälde der Caracci Brüder, allen voran Annibale Carraci, der mit seiner fast ungebildeten poetischen Naivität und viel Mut die knalligsten Farben auf die Leinwand brachte stehen den chiaro-scuro Bildern der Nachahmer des skandalumwitterten Caravaggio (1571-1610) gegenüber. Der Triumpf von Baccus von Pietro da Cortona oder Guido Renis geniales Gemälde aus Neapel Atalante und Hippomenes, eine Episode aus der griechischen Mythologie. Die berühmte Barockdiagonale verläuft hier gleich zweimal an den nackten und mit gehauchten Alibi-Schleiern bedeckten Körpern entlang.   Atalante, die jeden Freier besiegt und ihn deshalb tötet akzeptiert die Herausforderung von Hippomenes. Auf dem Bild bückt sich Atalante gerade nach einem der Äpfel, den Hippomenes auf Verlangen von Aphrodite fallen ließ und verliert den Kampf, aber gewinnt Hippomenes.

Der Franzose Simon Vouet, der vor seiner Ankunft in Rom in Venedig noch ein Chromatikseminar belegte,  glänzt mit seinem großartigen Gemälde Il Tempo vinto dall’amore e dalla Bellezza aus dem Prado. Verschwenderisch, farbenprächtig, dynamisch, ausschweifend und generös wird hier dargestellt, wie die Zeit  von der Hoffnung und Schönheit besiegt wird. Nicolas Poussins  Mose fanciullo calpesta la corona del faraone kam aus Paris. Dazwischen Werke von Van Dyck und Rubens, Giacinto Brandi, Baccicia und viele mehr.

Und natürlich trifft man immer wieder auf Bernini und Borromini. Man kann sich mit dem Gegenprojekt des Petersdoms auseinandersetzten oder Berninis Projekte für die Engelsbrücke bestaunen. Auch anwesend eine wunderbare Holz-Skizze der „Verzückung der heiligen Theresa“ aus der Hermitage. Das Original ist in der römischen Kirche  Santa Maria della Vittoria zu bestaunen.

Nicht zu vergessen die Büste von Berninis Geliebten Costanza Bonarelli, übrignes die einzige Büste die Bernini von einer Frau anfertige.

Die folgende  Anekdote zeigt, wie viel Macht der größenwahnsinnige und arbeitswütige Bernini schon 1638,  gerade mal 40 Jahre alt, besaß: Costanza  war die Frau eines Bildhauers der für ihn arbeitete und hatte wohl gleichzeitig eine Affaire mit ihm und mit seinem Bruder. Als Bernini davon erfuhr, brach er seinem Bruder Luigi zwei Rippen und  verfolgte ihn mit dem Dolch bis in die Kirche Santa Maria Maggioro wo er ihn und einen  Priester zu Boden schlug. Durch seinen Diener ließ Bernini  das Gesicht seiner großen Liebe Costanza mit einer Rasierklinge entstellen. Berninis Mutter schrieb daraufhin an den Kardinalnepoten Francesco Barberini er möge doch gegen die Gewalttätigkeit ihres Sohnes, der sich als Herr der Welt sähe weit weg von Herren oder Gesetzen, einschreiten. Bernini wurde daraufhin zwar zu einer  Strafe von 3000 scudi verurteilt, die ihm aber auf Veranlassung des Papstes erlassen wurde mit der Begründung er sei „ein seltener Mensch, von sublimer Begabung, durch göttliches Wirken geboren, um zum Ruhme Roms Licht in dieses Jahrhundert zu tragen“. Der Diener wurde aus Rom verbannt und Costanza verschwand im Hintergrund, der Gunst ihres zweimal gehörnten und verspotteten Ehemannes ausgesetzt.

Bernini wurde allerdings brutal von seinem Thron gestoßen, als nach dem Tod von Papst Urban VIII, der 21 Jahre sein Gönner war, der Kulturbanause, strenge und pro-spanische Jurist Kardinal Pamphilij als Innozenz X ans Ruder kam und sofort alle Kulturprojekte einstellte und sogar die von Bernini begonnenen Glockentürme am Petersdom abreißen ließ.  Allerdings hatte das auch technische Gründe. Die Beschreibungen aus dieser Zeit lesen sich wie in Krimi!

Die Ausstellung ist eine wunderbare Ergänzung zu dem was man in Rom tagaus tagein sieht, unzählige Barockkirchen, Bernini- und Borromini-Brunnen und Bauten, Skulpturen, Innenhöfe, Oratorien, Kreuzgänge, es hört gar nicht mehr auf.

Bis zum 26. Juli 2015 ist die Ausstellung noch zu sehen.  Unzählige Vorträge, Konferenzen und Führungen begleiten sie.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

 

  

Klavier- und Geigenkonzert in der Sala Palestrina

 

Gestern Abend fand im ehemaligen Palazzo Pamphilj in der Sala Palestrina ein spritziges Konzert mit Musik aus der neuen und der alten Welt statt.

In großer Abendrobe spielten sich die brasilianische Geigerin Tania Camargo Guarnieri und die Mailänder Pianistin Maria di Pasquale durch das 19. und 20. Jahrhundert mit Musik von Brahms, Bruch, De Falla, Villa-Lobos, Camargo Guarnieri und Paganini.

Ich war besonders auf Manual de Falla und seine Suite popular española gespannt, weil ich diese in Spanien sehr oft gehört habe und wirklich gut kenne – allerdings immer nur mit Klavier und Sopran (die wunderbare Victoria de los Angeles). Tania Camargo hat das gut hinbekommen, die temperamentvolle Pianistin hat sie aber zuweilen ein wenig überspielt. Die zarten und so schönen Zupftöne waren nicht immer oder nur teilweise zu hören. Ich bleibe deshalb bei der Stimmversion dieser schönen Suite.

Sehr schön die Bachianas Brasileiras von Heitor Villa-Lobos und entdeckt haben wir den brasilianischen Komponisten Mozart Camargo Guarnieri (1907-1993).

Als Kind italienischer Einwanderer 1907 in Sao Paulo geboren, ging er 1938 als Preisträger nach Paris und studierte u.a. bei Charles Koechlin und Nadia Boulanger Kontrapunkt, Komposition, Musikästhetik und Orchesterleitung. In den 40er Jahren reiste er in die USA, erhielt vielzählige Kompositionsaufträge und war als Dirigent sehr gefragt, ging aber später wieder nach Sao Paulo,  um Direktor des Konservatoriums zu werden. 1992 wurde er mit dem Titel « größter zeitgenössischer Komponist der drei Amerikas » ausgezeichnet.

Seine eher konventionelle, die Zwölftontechnik ablehnende Musik ist versetzt mit den klassischen Elementen der brasilianischen Volksmusik, aber auch sehr geprägt von der Spätromantik (ich habe bei dem Stück Sertaneja für Klavier und Geige eine klare Referenz auch an Wagner herausgehört). Mit dem vier-Minuten-Stück für Klavier  Dança Negra und Encantamento für Klavier und Geige hat er Jazz und Blues eine interessante Hommage gezollt.

Aber richtig begeistert waren die Italiener natürlich bei Niccolò Paganinis Sonata n. 6 in la Maggiore.

Sehr charmant und intensiv Tania Camargo Guarnieri, die alles ohne Noten gespielt hat;  sie ist übrigens die Tochter von Mozart Camargo Guarnieri und hat ein umfangreiches Repertoire der Musik im 19. und 20. Jahrhundert. Die temperamentvolle Italienerin Maria Di Pasquale hat sich auf südamerikanische Musik spezialisiert. Zusammen haben sie eine schöne Performance hingelegt. Das Publikum hat sie sehr gefeiert!

 

Christa Blenk

 

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

Apulien und Basilikata über Ostern

 

matera-ganzKreisMateral-detail

100% Regen in Matera, 80% Regen in Bari.

Das waren die Wettervorhersagen bei unserer Abreise am Karsamstag nach Apulien. Sollen wir vielleicht doch lieber hier bleiben? Matera, das vor ein paar Wochen zur Kulturhauptstadt 2019 ernannt wurde, war der Hauptgrund unserer Reise. Nach kurzem Zögern siegte dann die Überlegung, dass ja die Wettervorhersagen hier eh meistens nicht zuträfen und so war es dann auch, Regen gab es wenig, aber dafür umso mehr Kälte….und viele neue Erkenntnisse

Fortsetzung des Reiseberichts über die Apulienreise auf Artmore

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Mozarts Requiem im Auditorium

P1230484
Vokalsolisten Rachel Harnisch (Soprano), Marianna Pizzolato (Alt); David Ferri Durà (Tenor)
und Luca Tittolo (Bass) mit dem jungen Kolumbianer Andrés Orozco Estrada am Pult.

 

Gewaltiges Requiem am Tag der Befreiung

Ein mysteriöser Besucher gab 1791 bei Mozart ein Requiem in Auftrag. Mozart war in keiner guten gesundheitlichen Verfassung und sollte nur noch ein paar Monate zu leben haben.  Er war außerdem überzeugt davon, vergiftet worden zu sein und ahnte seinen Tod voraus – jedenfalls steht es  so in einigen Büchern. Mozart wusste, dass er dieses Requiem für seine eigene Beerdigung schreiben würde. Im Film von Milos Forman liefen ihm deswegen während der Arbeit an seinem letzten Werk Tränen über das Gesicht. Dann gibt es auch noch die Legende vom Grafen Franz von Walsegg, der evtl. der Auftraggeber war, und für seine Frau eine Totenmesse bestellen wollte.

Aber aller Anstrengungen und Kampfgeist zum Trotz, hat Mozart es nicht geschafft, sein Requiem zu vollenden. Lediglich den Eröffnungssatz des Introitus (Requiem aeternam) inklusive aller Orchester- und Vokalstimmen waren fertig und aufgeschrieben. Vom Kyrie zum Dies-irae bis zu Confutatis existierten die Gesangspartien. Der bezifferte Bass sowie einige Orchesterpartien wie z.B. das Posaunensolo im Tuba mirum standen im Konzept, waren aber nicht ausgearbeitet. Vom Lacrimosa gab es acht Takte (1960 entdeckte man eine Skizze für eine Armen-Fuge, die offenbar die Sequenz nach dem Lacrimosa hätte beenden können (Quelle: Wikipedia). Vom Offertorium, Domine Jesu Christie,  Ostias und von einem Teil vom Coninuo waren die Gesangstimmen ausgearbeitet. Sanctus, Benedictus, Agnus Dei und Communio fehlten komplett.

Auf Wunsch von Constanze Mozart vervollständigen u.a. Mozarts Schüler Joseph Eybler und Franz Xaver Süßmayr dieses Auftragswerk. Nachträglich wurden immer wieder kontroverse und diskutierte Ergänzungen angebracht, die zu umfangreicher Legendenbildung beigetragen haben.

Die Aufführungspraxen sind genauso unterschiedlich und variabel wie die rätselhafte Entstehungsgeschichte. Ohne Zweifel gehört Mozarts Requiem zu den meisterhaftesten und komplexesten Chorwerken überhaupt. Es ist kein Requiem wie andere. Es sollte keine „Ruhe in Frieden“-Stimmung schaffen, sondern eine aggressive, kämpferische, laute und aufschreiende Seelenlage wieder geben. Sein Requiem ist ein Resümee seiner kompositorischen Arbeit, der Bach- und Händels Schreibweise,  der von ihm geliebten neapolitanischen Musik und ein Fingerzeit in die Romantik.  Mit d-Moll Akkorden geht es los. Keine Strenge, keine religiöse Zelebration, hier (in Rom) nur Kraft und Lebenswille.

Die Sänger waren für diese Aufführung gut aufgestellt. Die schweizerische Sopranistin Rachel Harnisch hat schon alle Mozartopern gesungen. Sie verstand ihre Rolle hier sehr zart und innig und schlang bei jedem Ansatz immer die eigenen Arme um sich selbst. Die Altistin Marianna Pizzolato hat am Konservatorium Bellini in Palermo studiert. Mit ihrer schönen warmen Belcanto-Stimme hat sie gut zu dieser Aufführung gepasst. Der spanische Tenor David Ferri Durá, verstand seine Rolle eher lyrisch, wollte aber immer wieder ausbrechen. Sein  Repertoire geht von der italienischen Oper bis zu Mozart.  Das Bassist Luca Tittoto ist ebenfalls ein Mozartsänger, er hat schon den Leporello und in München vor kurzem den Don Alsonfo in  Cosí fan tutte gesungen. Als Osmin wäre er auch unschlagbar. Feierlich und zelebrierend waren sie alle Vier nicht, aber das war ja auch nicht gefragt und hätte nicht zum Orozco-Estradas Sturm-Aufführung gepasst. Im Gegenteil, alle Vier zusammen verfielen sie komplex und facettenreich  in ein Da Ponte-Quartett.

Der Dirigent Andrés Orozco-Estrada hatte es eilig, sympathisch und temperamentvoll ließ er den Musikern für die Übergänge von einem Satz zum anderen nur wenig Zeit. Das merkte man schon gleich am Anfang. Das Publikum war noch nicht mit dem Begrüssungsapplaus fertig, da legte er schon los.

Ich habe das Requiem nicht oft genug gehört, um es vergleichen zu können, erinnere mich aber an eine Aufführung in Salzburg vor ein paar Jahren, die mir sehr viel weniger gefallen hat und die ich viel langweiliger in Erinnerung habe. Gestern war das ein grandioser und gewaltiger Sturm und man könnte sich gut vorstellen, dass es Mozart so gut gefallen hätte

Der Kolumbianer Andrés Orozco Estrada hat in Wien studiert und ist zurzeit einer der gefragtesten jungen Dirigenten. Zurzeit ist er Musikdirektor in Frankfurt und beim Houston Symphonie Orchester. In der nächsten Saison soll er als Gastdirigent nach London gehen. Orozco Estrada brachte die römischen Musiker zu Höchstleistungen und Orchester, Chor und Solisten vereinten fast sich zur Perfektion.

Der 25. April ist in Italien ein Feiertag: Tag der Befreiung (von der Nazibrut).

Dieses Konzert war dem 70. Jahrestag der Befreiung gewidmet. Ausgesucht hat man sich dafür zwei deutsch(sprachige) Komponisten. Schuberts 1. Sinfonie und Mozarts Requiem standen auf dem Programm. Der 2700 Personen fassende Saal war komplett ausgebucht und  Andrés Orozco-Estrada brachte das hiesige Orchester mit dem hiesigen Chor Santa Cecilia zu Höchstleistungen wie selten. Großes Orchester und 50 Choristen.

Christa Blenk

Auditorium 001
Eingang in die Sala Santa Cecilia – Auditorium

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Noseda dirigiert Ravel und Casella

noseda 
Noseda nach dem Konzert

Casella kehrt nach über 100 Jahren nach Rom zurück

1910 wurde die 2. Symphonie von Alfredo Casella in Paris uraufgeführt. Dort studierte der Turiner Komponist Anfang des 20. Jahrhunderts und dort traf er auch auf die anderen musikalischen Zeitgenossen und entdeckte die Musik von Mahler, Falla oder Debussy.

Während des ersten Weltkrieges ging Casella nach Italien zurück, um in Rom das Liceo Musicale di Santa Cecilia zu übernehmen. 1930 gründete er das Trio Italiano. Viele Kompositionen aus dieser Zeit entstanden für die erfolgreichen Auftritte mit seinem Trio. In Rom ist Casella 1947 auch verstorben.

Aber erst jetzt, im April 2015 -  105 Jahre nach der Uraufführung in Paris -  fand seine 2. Symphonie  den Eingang in die römische Musikwelt und wurde am 18.04.2015 im Auditorium Parco della Musica zum ersten Mal aufgeführt. Eine kleine Premiere mit großer Resonanz. Genial und enthusiastisch am Pult Gianandrea Noseda.

Diese zweite Symphonie ist geprägt von vorausahnendem Entsetzen, dunkler Angst und lichter Hoffnung – sie ist wie eine aktuelle Zeitungslektüre. Mit dem Grauen des Krieges hat sich Ravel während des Krieges nochmals beschäftigt.  Elegia eroica ist 1916 entstanden und er hat es dem verstorbenen unbekannten Soldaten gewidmet. Er selber hat es im Krieg – wegen Untergewicht – nur zum Fahrer gebracht.

Der erste Satz, lento, grave, solenne, beginnt  mit einer glockigen Mahlerreferenz, um dann in die Tiefen der ankündigenden Kriegsmaschinerie einzutauchen. Die Melodie wechselt von einer Instrumentengruppe zur anderen und zitiert Wagners Walküre aber auch Marinettis kriegsverherrlichendes futuristisches Manifest. Interessante Perkussionspassagen.

Der zweite Satz, Allegro molto vivace,  ist Bewegung pur.  Aufrüstung und schneller werdende Züge mit viel Horn definieren ihn, zwischendurch immer wieder die helle (spanische) Querflöte bis die Glocken wieder – allerdings dunkler – erklingen.

Adagio, quasi andante, der dritte Satz. Er beginnt mit den Trommeln, ist elegant und sehr melodisch, ein wenig romantisch und Casella zitiert die Musik seines Landes aber auch Strauß und pathetisch Wagner.

Finale und Epilog beginnen mit einem resoluten Marsch, ironisch und positiv, Streicher und Posaune begleiten die müden Geigen, die sich aber schnell wieder aufraffen, um mit lauten, mächtigen Panzern direkt in Dantes Hölle und in einem intensiven und genialen Trauermarsch zu fahren bis dann ein mystischer Epilog doch noch etwas expressionistische Hoffnung und positives Zukunftsdenken verspricht.

Noseda hat uns vor der Aufführung geholfen, das alles zu verstehen. In 50 Minuten Schwerstarbeit  hat er sich genial durch dieses kompakte Werk gekämpft. Noseda hat die vielen und unterschiedlichen, lautmalerischen Farben, Referenzen und Hommagen so wunderbar herausgeholt, dass immer wieder ein Mahler, Strauss, Wagner oder Strawinsky durchblitzte, aber die Musik seines Heimatlandes, Italien, auch ihren Platz darin fand.

Der Italiener Alfredo Casella (1883-1947), der auch ein bedeutender Musikwissenschaftler und Pädagoge war, gilt eher als neoklassizistischer Komponist. Abgesehen von drei Symphonien gibt es sehr viel Klavier- und Vokalwerke von ihm.

P1230401

Aber vor Casellas Donnergrollen ging es erstmals um andere Machtspiele, griechisches Drama, Intrigen und pastorale Bukolik.

Noseda dirigierte Casellas Zweite mit Ravels Daphnis und Chloe. Die Werke von Ravel und Casella sind mehr oder weniger im gleichen Zeitraum entstanden. Unterschiedlicher und farbiger kann man die Zeit zwischen 1909 und 1912 nicht beschreiben.

Was lange währt wird gut!

Die Entstehungs- und Aufführungsgeschichte von Daphnis und Chloe ist kompliziert und mühselig!

Schon 1904 entdeckte der Solo-Startänzer Michail Fokine  in St. Petersburg  die Geschichte des griechischen Poeten  über den Schäfer Daphnis und seine Geliebte, die Nymphe Choe. Sie hat ihn so begeistert, dass er kurzerhand ein Ballettlibretto dazu schrieb. Für das kaiserliche klassische Theater allerdings war es zu fortschrittlich und es fehlten die klassischen Standards. So wurde es abgelehnt.

Maurice Ravel (1875-1937), der es trotz fünffacher Bewerbung nie geschafft hat, den Preis von Rom zu erhalten, wurde 1909 von Diagheliv beauftragt, eben diesen, Longus’ Hirtenroman für ein Ballet zu vertonen und obwohl Ravel sich vorher noch nie mit Ballettmusik befasste hatte, nahm er den Auftrag an. Fokine war zu diesem Zeitpunkt schon Chefchoreograf bei Diaghilevs Ballet Russe und sollte also mit Ravel zusammen arbeiten. Letzterer hatte große Probleme mit diesem Auftragswerk,  kam nur langsam voran und widmete sich zwischendurch immer wieder anderen Projekten. Erschwerend hinzu kam, dass Fokine kein Französisch sprach und die beiden nur über den Theatermaler Leo Bakst kommunizieren konnten.

Ravel schwebte ein gewaltiges Musik-Freskos vor  – ein Gemälde, wie es Ende des 18. Jahrhunderts von den französischen Malern gemalt wurde. Fokine hingegen dachte eher an eine archaische antike Vase mit erotischen Motiven oder vielleicht an die Illustration, die den Einband seines Buches von 1904 zierte.

In den ersten beiden Szenen Nocturne, Interlude, danse guerrière werden Daphnis und seine Geliebte  vorgestellt und Chloe wird von den Piraten entführt und entkommt wieder.  Die dritte Szene, also Suite 2, Lever du jour, Pantomine, danse générale  findet in einem Gral beim Gott Pan statt und beginnt mit der schönsten Szene, einem genialen Sonnenaufgang.

Der Saisonbeginn 1910 stand vor der Tür und Ravels Werk war nicht fertig.   Diaghilev bestellte deshalb zwischendurch bei dem jungen Strawinsky den Feuervogel. Strawinsky war damals so gut wie unbekannt (das Frühlingsopfer entstand erst 1913 und sollte ebenfalls einen Riesenskandal auslösen) aber er war schnell. 1911 wiederholte sich das Drama, Ravel war immer noch nicht fertig und Diaghilev beauftragte dieses Mal des Musiker Tscherpnin  das Ballet „Narcisse“ zu komponieren.

Als Ravel den ersten Satz fertig gestellt hatte, ließ er ihn bereits vorab – zum Ärger von Diaghilev – aufführen. Die Resonanz des Publikums war gemischt. Fokin hingegen war von der Musik begeistert. Im April 1912 war Ravel schließlich fertig und die Proben – und Probleme – konnten beginnen. Fokin und Nijinksy verbreiteten Spannungen und schlechte Laune u.a. weil der bereits verpflichtete Startänzer, Ninjinsky,  sich mittlerweile ebenfalls in der Choreografie versuchte und sich zwischen Tanz und Cohoregraf aufteilen musste und kurzerhand Tänzer abzog, um sie für seine Aufführung von Debussys L’après-midi d’un Faune tanzen zu lassen. Man muss sich diesen Schlagabtausch von genialen Aufführungen im fast Wochentakt einmal vorstellen. Und wie wir alle wissen, wurde Nijinskys Aufführung im Mai 1912 das Skandalevent des Jahres während Daphnis und Chloe vier Wochen später, nur eine lauwarme Aufnahme durch das Publikum in Thèâtre Châtelet erfuhr.

Das ging so weit, dass der auch nicht gerade als harmoniesüchtig verschriene Ravel selber hinter die Bühne ging, um mit den Tänzern die schwierigen und permanenten Rhythmusänderungen einzustudieren und komplizierte Passagen durchzuarbeiten. Die Primaballeria Tamara Karsavina hatte nur positive Worte für ihn, da er nicht von den üblichen Starallüren von mimosigen Tänzern oder kapriziösen Choreografen befallen war.  Klangvoll, erhaben und transparent, einem kristallreinen Quell vergleichbar und doch  überreich an heimtückischen Fallen, nannte die Primaballeria und erste Chloe 1912 Ravels Musik. Eine wunderbare Beschreibung, der nichts hinzuzufügen ist.

Die Uraufführung fand nur knapp vier Wochen nach der kontroversen Aufführung von Prélude de l’après midi d’un faune statt und wurde nach nur einer weiteren  Vorstellung in die Schublage gesteckt. Zwei Jahre später war Nijinksy nicht mehr  bei der Truppe und Fokin, der kurzfristig nach dem Ärger bei der Premiere die Truppe verlassen hatte, tanzte den Daphnis.  1913 wurde auf Drängen des enttäuschten Ravel über den Nicht-Erfolg der Balletts, die Suite Nr. 2 aus Daphnis und Chloe in Druck gegeben.  Die lichte und reizende Farbpalette von Pantomime und Sonnenaufgang sorgten allerdings in den Konzertsälen für viel Erfolg.

Die wohlkalkulierte Monotonie des Bolero (1928), eigentlich nur ein kleiner Streich von Ravel, war zwar noch weit weg, aber dann und wann hörte man doch Bolero-Takte heraus.

Heute gehört diese Komposition zu den wichtigsten Balletwerken und Strawinsky nannte es sogar eines der schönsten Produkte der gesamten französischen Musik. Das ganz große Orchester ist hier gefragt. Allein  15 verschiedene Perkussionsinstrumente sind dabei und ein großer  nicht sprechenden Chor. Orchestral werden meistens die zwei Suiten wie oben beschrieben gespielt.

Ausgezeichnet Noseda, er ist zur Zeit am Theater Turin und ist dieses Jahr zum « Dirigenten des Jahres » ernannt worden, wunderbarer Instrumenteneinsatz und  gut wie immer auch der hiesige Chor! Viel und lange anhaltender Applaus vor dem leider nicht sehr vollen Haus!

auditorium Auditorium Parco della Musica

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Arp Museum Bahnhof Rolandseck

 

arpund blick vom Museum auf den Rhein

Uns schwebten Meditationstafeln, Mandalas, Wegweiser vor. Unsere Wegweiser sollten in die Weite, in die Tiefe, in die Unendlichkeit zeigen (Hans Arp)

Hans Arp hat hier visionär den zukünftigen Standort viele seiner Werke beschrieben. Richard Meier hat das Arp-Museum  so konzipiert, dass Arps Arbeiten in Verbindung mit Meiers schlichter und klarer Architektur Besucher wie Exponate in Weite, Tiefe und Unendlichkeit versinken lassen.

An einem sonnigen Tag ist es natürlich noch viel schöner, dort hinzufahren. Richard Meier hat dieses Museum für die Sonnentage gebaut. Davon gibt es ja hier am romantischen Rhein auch recht viele. Ferienstimmung und Ausflugskultur wurden hier immer schon groß geschrieben und die deutschen Dichter und Romantiker hielten sich alle gerne am Rhein auf. Sagen und Geschichten um ihn und um das Siebengebirge gibt es ja genug.

Der Bahnhof Rolandseck war ursprünglich die Endhaltestelle oder besser gesagt das  Eisenbahnempfangsgebäude eines Privatzuges von Köln nach Remagen. 1858 entstand er, knapp 20 km von Bonn entfernt, direkt am Rhein. Einmal angekommen, konnte der verwöhnte Reisende gleich in einen Ausflugsdampfer der Köln-Düsseldorfer umsteigen, per Kutsche weiter den Rhein entlang fahren oder den Drachenfels auf der anderen Rheinseite besteigen. Manche sagen ja, dass sich der Nibelungen-Siegfried dort herumgetrieben haben soll, obwohl Drachenfels eigentlich vom Quarz-Trachyt abstammen soll, aber vielleicht gab es ja doch den Drachen. Wer weiß das schon!

In der Romantik entwickelte sich eine Europa-übergreifende kulturelle Bewegung, eine Art Grand Tour um die Siebengebirgs-Rhein-Loreley Gegend und Lord Byron erklomm 1816 den Drachenfels. Sein Gedicht Der turmgekrönte Drachenfels (1816) löste in England eine wahre Reisewut an den Rhein aus. Ein Modetrend, der von nun an die Reise zu den Stätten der Antike über einen Umweg an den Rhein vorschrieb. Damals wurde man mit Eseln auf den Drachenfels bracht und sogar 1937 sollen noch 30 Esel im Einsatz gewesen sein, erst 1883 wurde die Drachenfelsbahn eröffnet; die älteste Zahnradbahn Deutschlands. Heinrich Heine hat 1830 Die Nacht auf dem Drachenfels verbracht.

Gegenüber, also auf der Museumsseite, steht der Rolandsbogen, oder das was von ihm übrig ist. Und weil ja früher alles möglich war, gibt es hier eine Variante der französischen Rolandssage, demnach lässt der Ritter Roland, ein Vasall Karls des Großen, seine verlassene Hildegunde am Drachenfels zurück, woraufhin diese sich in das Kloster Nonnenwerth zurückzieht.

In den 60er Jahren hat der Bonner Galerist Johannes Wasmuth dieses schöne klassizistische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert  vor dem Abriss gerettet und ihn kurzerhand in einen internationalen Kulturbahnhof umfunktioniert. Musiker, Literaten, Künstler, Bildhauer lebten und arbeiteten zum Teil dort, organisierten fortan Happenings, Theaterlesungen und Ausstellungen und machten den alten Bahnhof zum „the place to be“.

 Nach dem Tode der Antriebsmaschine Wasmuth geriet der Kulturbahnhof in eine Krise und ziemlich in Vergessenheit, bis er 2004  als Arp-Museum Bahnhof Rolandseck erneut mit einem geänderten Konzept eröffnet werden konnte. Die Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Art e.V. sollten gemeinsam mit dem Land Rheinland-Pfalz das Museum betreiben. So gelangte die Sammlung der Stiftung dort hin. Diese nur kurz anhaltende win-win-Situation endete allerdings in einem großen Streit und die Stiftung zog die Sammlung wieder ab, so dass das Museum nun mit Leihgaben und den Beständen des Landes Rheinland-Pfalz auskommen muss (was aber auch nicht schlecht ist, zumal ständig neue Werke erworben werden). 

 2005 wurde schließlich der Neubau des US Star-Architekten Richard Meier eingeweiht. So gut im Berg getarnt, dass man den Bau vom Parkplatz gar nicht sieht. Dort sieht man nur – wie immer – den alten (Kultur)Bahnhof. 33 Mio hat das Gesamtprojekt gekostet, die Ausstellungsfläche beträgt knapp 3000 qm, den ehemaliger Bahnhof mit eingeschlossen. Den dunklen, breiten Tunnel unter den Gleisen erhellt eine 17 m lange Skulptur von Barbara Trautmann. Kaa, gleich der Schlange im Dschungelbuch, wühlt sie sich im 19. Jahrhundert durch den Berg und kommt im 21. Jahrhundert am Ende des Tunnels wieder heraus. Dann fährt man mit einem Aufzug – mit Blick auf den Fels – nach oben und wird umhüllt von Helligkeit und sonnendurchfluteter Luft und ist hingerissen von diesem Wahnsinnsausblick. Alexander von Humboldt soll ihn als den 7. schönsten Ausblick der Welt bezeichnet haben -  und er ist ja nun wirklich viel herumgereist.

Richard Meier schaffte eine perfekte Symbiose zwischen Natur und Kunst, indem er bei der Planung  die geografischen Gegebenheiten mit einbezog. Die Verbindung dort oben von Arps Traumanatomie-Skulpturen mit Meiers klarer Geometrie ist einfach perfekt.

Im ersten Stock,  dort wo der Lift ankommt, wird man aber erstmal von großen, von der Decke herabhängenden duftenden weißen Tränen empfangen, die zu individuell gestalteten und modellierbaren Knautschsesseln führen. Hier treffen wir auf die sinnlichen und lavendeligen Rauminstallationen des brasilianischen Künstlers Ernesto Neto. Mensch und Natur  vereinen sich und es entsteht eine Wohlfühlsituation wie im Wellnesscenter, wenn die Sonnenstrahlen durch Meiers Bau gleiten, wir mit der Hand im Lavendel wühlen und der Duft unsere Nase erreicht. Haux Haux heisst die Ausstellung – das kommt aus einem Indianer-Gedicht und heißt soviel wie Anfang, Ende, Harmonie und soll schlechte Gedanken und böse Geister vertreiben. Huni Kuin hat es gedichtet. Es funktioniert!

besucherin fühlt den Lavendel
Besucherin beim Lavendeltest

Bis 25. Mai haben Sie noch Zeit, es auszuprobieren.

Ernesto Neto passt gut zu Taeber-Arp.  Das Licht, die Farben, der Ausblick, die Freiheit,  Stoff und Tüll der Installation: auch Sophie Täuber-Arp befasste sich viel mit Textilien und einige ihrer Wandteppiche sind ebenfalls im Obergeschoss zu sehen. Hier steht auch der Hauptteil der Arp-Sammlung und man lernt über sein Leben und das Zusamenleben- und arbeiten mit Sophie Taeuber-Arp.

Wie schon im ersten Stock flutet auch hier  alles in Weißtönen und sogar die seltsamen Formen von Arps neuer Anatomie wirken weich und laden zum Hinsetzen ein, das darf man aber natürlich nicht.

Bei so viel Licht verliert man jegliches Raumgefühl. Die individuelle Platzierung der Arbeiten entweder innen oder auf verschiedenen kleinen Terrassen katapultiert uns in einen – gefühlten – open-air-Skulpturenpark, und die Arbeiten bilden eine Verlängerung, um den Bergen auf den anderen Rheinseite näher zu kommen.

Vor genau 100 Jahren lernten sich  der Dadaist und Surrealist, Ablehner der bürgerlichen Kunst und Wegbereiter der Moderne  Hans Arp und Sophie Täuber in Zürich kennen. Arp war während des 1. Weltkrieges  dorthin geflüchtet.  Inmitten von Wirrnis und Tollheit von zwei Weltkriegen organisierten die beiden Künstler 27 Jahre lang ihr Leben um ihre Kunst und um sich selber. Das Museum hat diese Verbindung zum Themenjahr 2015 erklärt Zweiklang“ Rendez-vous des amis: Sophie Täuber – Hans Arp. In dieser eigens dafür geschaffenen Zusammenstellung wird das Werk der Malerin und Textilgestalterin Taeuber immer wieder  den seltsamen Gebilden von Arp gegenübergestellt. Fotos und viel Text begleiten und vertiefen. Erst durch Sophies tragischen Unfalltod wird diese enge Verbindung getrennt und Arp stürzt in eine große Depression.

Außer Ernesto Netos  Rauminstallationen im ersten Stock findet im ehemaligen Bahnhof, also vor dem Tunnel,  eine Ausstellung über die französische Malerei statt. „Revolution der Bilder: Von Poussin bis Monet“ mit Leihgaben aus Dublin und Werke aus der Kunstsammlung Rau. Sie geht noch bis 6. September.

 Nicht weit weg das Skulpturenufer Remagen. Eine Idee, die im Jahre 2000 entstand in Zusammenarbeit mit der Stadt Remagen. Bis jetzt gibt es dort 13 Skulpturen u.a. auch von Arp.

Christa Blenk

auch für KULTURA EXTRA

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Der Göttliche – Hommage an Michelangelo – in Bonn

P1230246Moses
Ausstellungsplakat und der Moses in Rom
 

!Dankt also dem Himmel dafür und bemüht euch nach Kräften, Michelangelo in allen Dingen nachzuahmen“ das hat Giorgio Vasari um 1550 geschrieben.

Der Göttliche – Hommage an Michelangelo ist der anspruchsvolle und vielversprechende Titel einer Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn.

Fünf Jahrhunderte Leben und Kunst unter dem Einfluss von Michelangelo (1475-1564). Seine bedeutenden Nachfolger, unter ihnen Caravaggio, Rubens, Rodin, Moore oder Cezanne, sind  zum Teil  mit wegweisenden und beachtlichen Werken in Bonn vertreten und lassen den göttlichen Meister hochleben. Genug ist es nie und die Tatsache, dass man während und nach der Ausstellung vor allem von ihm spricht, obwohl nicht ein Originalwerk des Göttlichen dort zu sehen ist, sagt ja schon alles!

Die Schau ist thematisch unterteilt, zementiert und verdeutlicht erneut, dass  die Kunstwelt sich ohne Michelangelo anders entwickelt hätte, banaler!

Durch den großen Biografen und Künstler Giorgio Vasari (1511-1574) wissen wir, dass die zerschlagene Nase und Filzhut so etwas wie sein Markenzeichen waren.  Vasari ist es zu verdanken, dass wir so viel über ihn und seine Vorgänger wissen. Michelangelo war der einzige Maler, über den Vasari geschrieben hat und ihn auch kannte.  Einmal sagte er zu ihm „Giorgio, wenn mein Geist etwas taugt, so ist es deshalb, weil ich in der feinen Luft eurer Arentiner Gegend geboren bin, wie ich auch mit der Milch meiner Amme Meissel und Hammer eingesogen habe, womit ich meine Figuren mache“. Der Vater von Michelangelo gab ihn als Kleinkind zu der Frau eines Steinmetzen, die ihn als Amme nährte. Schon als Lehrling bei Ghirlandaio übertrumpfte er in Allem seinen Lehrer. Im Garten von Lorenzo de Medici in Florenz durfte er üben und arbeiten.

Mythos Michelangelo und die Aktstatue

Dabei war sein Leben nicht immer nur vom Erfolg gekrönt und mit der zerschlagenen Nase ist er sicher nicht geboren worden. Intrigen, Probleme und Geldsorgen, hin- und hergerissen zwischen Rom und Florenz war auch sein Alltag. Michelangelo lebte in einer Zeit, der Renaissance, in der die Antike wieder sehr große Bedeutung bekam und männliche Aktstatuen, religiöse oder pagane, zum täglichen Handwerk gehörten und alle Künstler danach trachteten, den anderen zu übertreffen. Michelangelo hingegen wollte weiter, er wollte den Akt neu erfinden und wenn er jemanden übertreffen wollte, dann höchstens die Künstler der Antike.  Mit dem  David (ca. 1502) hat er die erste kolossale Aktstatue seit der Antike geschaffen. Sie wurde schon damals in Florenz auf der Piazza della Signoria aufgestellt und rief zum künstlerischen Wettstreit.  In der Ausstellung begleitet eine Skulptur von Rodin Das eherne Zeitalter (1876) seinen David sowie ein plumper und kriegsbemalter  Adonis von Lüpertz, ein klares Selbstbildnis  von ihm und damit man das auch merkt, hängt dahinter ein Foto, schön geschniegelt in Anzug und Sonntagskleidung. Prominent das Foto von Candida Höfer des David in der Accademia  und im Raum dahinter sind die Fotos von Thomas Struth zu sehen, der die Betrachter dort im  dem Jahre 2004 in den Mittelpunkt stellt und sich weniger um das zu Betrachtende kümmert. Ein schöner Torso von Fritz Wotruba ist auch unter den Exponaten.

Die Nacktheit und der Kosmos der Sixtinischen Kapelle

Michelangelo war fasziniert vom menschlichen Körper und ging in seinem Streben nach Perfektion und Studium der Muskelverläufe soweit,  Leichen zu sezieren.  Mapplethorne scheint das auch gemacht zu haben. Seine so ästhetisch-schöne Thomas-Serie  (1987) zeigt einen Mann, der in vier verschiedenen Posten in vier verschiedenen Rohren eingeschlossen ist und trotz gewaltiger Muskelkraft es nicht schafft, sich zu befreien, eventuell  bringt er die Rolle in Bewegung, aber er entkommt ihr nicht!  Genau so wenig wie Michelangelos Sklaven es nicht aus dem Marmor heraus schafften. Eine Ives Klein-Blau überpuderte Mini-Ausgabe eines Sterbenden Sklaven aus 1962 sticht ebenfalls gleich ins Auge.

Seine gemalten Aktszenen hingegen erzählen Geschichten. Die bekannteste natürlich ist das Jüngste Gericht in der Sixtinischen Kapelle. Ein „Must“ bei einem Rom-Besuch. 1508 im Auftrag von Papst Julius II hat er in vier Jahren diese  520 qm große Fläche bemalt.  Direkt nach der Eröffnung hergestellte Druckgrafiken sorgten für eine rasche Verbreitung in ganz Europa und wenn man an Adam denkt, dann ist es der von Michelangelo.  Caravaggios wunderbar sensuellen  Johannes der Täufer (1602) aus den Kapitolinischen Museen hat man dafür nach Bonn geholt. Da hört es sich wie purer Neid an, wenn Papst Hadrian die Sixtinische Kapelle mit einem türkischen Dampfbad vergleicht.

Das Moses-Thema nimmt ebenfalls einen wichtigen Platz ein. Eine meiner Lieblingsskulpturen ist der Moses (der mit den kleinen Hörnern) in der Kirche St. Pietro in Vincoli in Rom. Ursprünglich für das Grabmal eben jenes Papstes geschaffen, thront er weiß und glänzend im rechten hinteren Eck dieser Kirche und zieht den Betrachter völlig in seinen Bann.

Ein wichtiges Element der Ausstellung sind die Skulpturen der Medici Kapelle. Rodin-Zeichnungen, und ein bildschöner Henry Moore begleiten dieses Thema. Von Rodin sagt man ja, er hätte seine Modelle zu ganz unmöglichen Positionen gezwungen, ja sie hätten sogar geheult vor Anstrenung. Selbst das hat er von Michelangelo abgeschaut. Zu sehen sind Rodins  allegorischen Figuren Tag und Nacht als Zeichnung in Anlehnung an die vier Marmorskulpturen für die Medici Kapelle in Florenz.

Kämpfer, Sieger und religiöse virtuose Meisterwerke

Der Bildhauer Giambologna darf ihn hier vertreten mit Florenz triumphiert über Pisa (1565) und ein wenig weiter ein Werk vom Schweizer Symbolisten Johann Heinrich Füssli Dalila besucht Samson im Gefängnis von Gaza  (1800). Die Pietà von Annibale Caracci sowie die Strickmadonna aus 1976 dokumentieren eine religiöse Seite von Michelangelo  und hier hätte ich jetzt ein Augenzwinkern auf Pina Bauschs Cafè Müller erwartet.  Die Szene, in der ein Tänzer einem anderen in anschwellender Geschwindigkeit die weiße Schlafwandlerin auf die Arme drapiert, die dieser dann ebenfalls  immer schneller werdend wieder fallen lässt, ist direkt bei der Pietà ausgeliehen! Oder? „Si non è vero è ben trovato“ – wie man in Italien sagt.

Die Ausstellung dokumentiert mit Arbeiten von Künstlern aus fünf Jahrhunderten den ungeheuren Einfluss von Michelangelo auf die Kunst in Europa von der Renaissance bis heute. Aber das ist natürlich längst nicht genug und nur ein Versuch, ein gelungener und allemal lehrreicher allerdings. Wahrscheinlich waren auch nicht alle (notwendigen) gewünschten Bilder oder Objekte zu bekommen. Im Endeffekt können sie sich die Anwesenden von Caravaggio bis Lüpertz glücklich schätzen, mit dem „Göttlichen“ in einem Raum zu stehen oder zu hängen. Allein das macht sie ja schon groß und wahrscheinlich auch gut.

Der Besuch der Ausstellung bestätigt, was wir eh schon wussten: Michelangelo war der Modernste von Allen! Ein generöser Vorreiter und Verkünder wie man sich von Zwängen und ranzigen Vorgaben befreit.

Kuratiert haben die Ausstellung die Professoren Satzinger und Schütze, der Katalog kostet 29 Euro. Zu sehen ist sie noch bis 25. Mai. Ein umfangreiches Begleitprogramm vertieft das nun wieder erneut geweckte Interesse an  Michelangelo und seine Jünger.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Kammersonate von Hans-Werner Henze

Aus der Serie Henze-Aufführungen:

P1230328 Konzert im Spiegelsaal

Ein Wochenende in Bonn hat mich letzten Sonntag auf die Burg Namedy in der Nähe von Andernach geführt, wo u.a.  die Kammersonate, die Hans-Werner Henze 1948 für ein Klaviertrio komponierte, aufgeführt wurde. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Henze habe ich zweimal persönlich in Marino/Rom in seinem Haus getroffen und er ist einer meiner Lieblingskomponisten. Von Bonn aus mit dem Auto braucht man nicht mal eine Stunde und kommt direkt am Rhein zum Schloss Namedy. Bei herrlichem Frühlingssonnenschein hatten wir vor dem Konzert sogar noch Zeit für einen Spaziergang im Park.

P1230307 Schloss Namedy

Das französische Klaviertrio Karénine mit Fanny Robilliard (Violine), Louis Rodde (Violoncello) und Paloma Kouider am Klavier haben sie mit viel Enthusiasmus, Charme und Talent vorgetragen.

Henze hat diese Kammersonate 1948 in einer sehr produktiven Nachkriegsphase komponiert. In dieser Zeit nahm er gerade Unterricht in Kirchenmusik bei Fortner in Heidelberg, wo er – 23jährig – als bester Schüler gefeiert wurde. 1949 besuchte er die Darmstädter Ferienkurse, studierte bei  René Leibowitz und lernte Darius Milhaud kennen. Das war die Zeit, in der er sich mit der Zwölftontechnik auseinandersetzte und sie mit neoklassizistischen Elementen versetze. Henze suchte, um es mit seinen Worten auszudrücken, „Freiheit, wilder und schöner neuer Klang“. Obwohl Henze der  Reihentechnik sehr anarchistisch und unorthodox folgte und die musikalische Vergangenheit nie ganz zur Seite legte, war das Konzept „neuer Klang“ doch damit verbunden. Henze selber erklärte sein Werk als „Wechselspiel zwischen Kontrapunktik und akkordlich gestützer Cantabilità ». Allein der Titel „Kammersonate“ erweckt schon Barock-Gedanken.

Henze beschreibt das in « Reiselieder mit Böhmischen Quinten » so: Erstmals muss um die Mitte des Jahres 1947 ein noch ohne Anleitung sich vollziehender Umgang mit der Zwölftonmusik begonnen haben, und zwar in der Kammersonate für Geige, Cello und Klavier. ………. und ein paar Seiten später:  Die Kammersonate für Violine, Cello und Klavier wurde erst am 16. März 1950 in Köln uraufgeführt, und ich konnte nicht dabeisein, habe sie erst viele Jahre später einmal gehört. In ihr erscheinen Zwölftonreihen und -Strukturen, ohne dass sie als Basiselemente des ganzen Stücks gesehen werden könnten – sie kommen so von außer hereingeflattert wie blaue Bänder im Frühling. Es war klar zu erkennen, dass sich etwas bewegte und dass dauernd neue Möglichkeitne in Sicht kamen. 

1948 im August wurde in Pyrmont unter Leitung von Wolfgang Fortner Henzes erste Sinfonie (alle vier Sätze) aufgeführt und er beschloß schon bei den Proben, dass sie noch nicht fertig sei. Eine infantile Komposition nannte er sie und er traf 1948 seine erste große Liebe und zog ohne Geld und Engagement nach Göttingen zu Heinz Poll, Solotänzer und Schüler von Kurt Joos. Seine erste Oper für Schauspieler   »Das Wundertheater » entstand.

Die Kammersonate besteht aus fünf Sätzen.

Der ersten Satz, Allegro assai, lässt  ein barock-tänzerisches und doch ein wenig schroffes Leitmotiv erklingen und trotzdem kommt die von ihm gewollte und verteidigte Klangsinnlichkeit zum Tragen. Dolce, con tenerezza dauert ganze 3,5 impressionistische, lyrische Minuten und versöhnt mit der gewollten Brutalität von vorher. Lento beginnt erstmals dramatisch-polternt und wuchtig und drifted dann wieder in den lieblichen zweiten Satz zurück. Allegretto leitet ganz witzig mit viel Pizzicati und weinender Geige sanft zum Epilog über, der dann wieder die träumerische Wildheit des ersten Satzes zurückfällt und ihn sogar noch steigert. Es endet mit einem verträumten Piano.

Weiterhin auf dem Programm durch das Trio Karénine stand Robert Schumanns Klaviertrio Nr. 2 F dur op 80 und Franz Schuberts 50-Minuten Klaviertrio Nr.2  Es-Dur, op 100. Bei letzterem haben sich die drei Solisten übertroffen.

Ausgezeichnete Performance von Allen und sehr schön ihr Verhältnis und ihr Abstimmen mit den Augen untereinander. Großartig und präzise der Cellist auch.

Auf der Burg Namedy (Rheinland-Pfalz), die im 14. Jahrhunderts als Wasserburg erbaut  und im Barock erweitert wurde, finden regelmäßig Konzerte, Theaterstücke und Lesungen  statt.

Zusatzinfo:

Michael Kerstan, eines der Gründungsmitglieder der Stiftung und jahrelanger Freund und Mitarbeiter von Henze schreibt auf der Eingangsseite der Stiftung:

„Ich möchte gerne“, so schrieb Henze im Frühjahr 2007, „dass meine Musik in Zukunft (d.h. auch nach meinem Ableben) die gleiche Wirkung ausübt wie heute und dass sie weiterhin zu einer Hörerschaft sprechen kann, die mit den kulturellen und sozialen Belangen der Zeit vertraut ist. Also müsste dafür gesorgt werden, dass Kontinuität auf eine Art und Weise gefördert wird, bei der Sinn und Form unseres europäischen Kulturbegriffs lebendig bleiben und im Bewusstsein kunstfreundlicher, musikliebender Menschen weiterentwickelt werden können.“

Dies sollte die Philosophie der Hans-Werner Henze-Stiftung werden. Ganz im Geiste des Maestro Kunst, Kultur und Musik zu fördern, wie er das sein Leben lang gemacht hat und weiter die Verbreitung des künstlerischen, musikalischen und literarischen Werkes von Henze sicher zu stellen und aktiv die Förderung von Nachwuchstalenten in den Vordergrund zu stellen.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Höhlenstadt Matera

matera-ganzMatera

 

And the Winner is?

La citta dei Sassi, das alte Matera ist vor ein paar Wochen  zur europäischen Kulturhauptstadt 2019 ernannt worden und wird sich diesen Titel – mit der bulgarischen Stadt Plowdiw – ein Jahr lang teilen. Matera hat sich hier gegen Bewerbungen von 21 Städten, darunter Ravenna, Perugia oder Siena, durchgesetzt.

Wir sind in knapp 5 Stunden am Osterwochenende von Rom aus in die Basilikata gefahren, um diesen mythischen Ort kennen zu lernen. Allein mit dieser Idee waren wir natürlich nicht.  Matera war in den 80er Jahren noch ein Geheimtipp. Seit sie aber 1993 in den edlen Kreis der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen wurde, ist diese bedeutende und alte Stadt in der Basilikata in die Reiserouten gen Süden aufgenommen worden. Mittlerweile hat sich dort eine bunte Künstlerkolonie angesiedelt und direkt am Ortseingang entsteht in einem stillgelegten Steinbruch ein der Skulpturen Skulpturenpark La Palomba.

Skulpturenpark La Palomba La Palomba – Skulpturenpark

Matera ist eine der ältesten, wenn nicht die älteste, Stadt Italiens. Die gewaltig faszinierenden und terrassenförmig  ansteigenden Grottenwohnungen aus weichem Kalktuff entstanden in der Spätantike, um 800 v.C.  Diese Art zu leben war nicht nur günstig und praktisch kostenlos, sie schütze die  damaligen Bewohner auch vor Wind, Sonne und  Feinden. Direkt in den Fels eines 400 m hohen Bergkegels aus Tuffsteinplateau gehauen, bilden diese Behausungen zusammen mit unterirdischen Labyrinthen, grau-braunen Konstruktionen aus allen Zeiten  und modernen Abwasser- und Regenwassernutzungssystemen ein sehr beeindruckendes Ensemble. Direkt davor tut sich eine grandiose und wilde Schlucht auf und gibt den unbeschreiblich schönen Panomarablick auf das Flusstal der Gravina frei.

Den italienischen Schriftsteller Carlo Levi erinnerten diese Höhlenwohnungen an die trichterförmige Hölle Dantes. Er schrieb in seinem 1945 erschienenen Roman „Christus kam nur bis Eboli“ über Matera folgendes: Die Türen der Behausungen standen wegen er Hitze offen und ich sah in das Innere der Höhlen, die Licht und Luft nur durch die Türen empfangen. Einige besitzen nicht einmal solche; man steigt von oben durch Falltüren und über Treppen hinein. In diesen schwarzen Löchern mit Wänden aus Erde sah ich Betten, elenden Hausrat und hingeworfene Lumpen. Auf dem Boden lagen Hunde, Schafe, Ziegen und Schweine. Im Allgemeinen verfügt jede Familie nur über eine solche Höhle und darin schlafen alle zusammen. Männer, Frauen, Kinder und Tiere.

Das hat sich natürlich geändert. Es gibt jetzt viele moderne Restaurants, ein Museum, Kunstgalerien, schicke Cafeterias und einige der Höhlen sind sogar zu schicken Hotels umfunktioniert worden. Aber der ursprünglich Charakter der Altstadt ist nicht verloren gegangen, das darf auch nicht passieren, sonst entzieht die UNESCO ihr ganz schnell den Titel (das haben wir ja in Dresden gesehen). Überall wird gearbeitet, gebaut und renoviert und viele Straßen sind – hoffentlich aus diesem Grund -  gesperrt.

60500 Einwohner hat diese Stadt, in der nun überall stolze Hinweise auf das Jahr 2019 hängen und mit einem großen Plakat am Museum, dem Palazzo Lanfranchi, steht  in schwarzen Buchstaben „Je suis Charly“, damit kommen die Bewohner auch schon einer der Verpflichtungen einer europäischen Kulturhauptstadt nach.

Auf der Suche nach einem Drehort für seinen kontroversen Film Das 1. Evangelium – Matthäus entdeckte1964 Pier Paolo Pasolini  Matera (eigentlich wollte er diesen Film in Palästina drehen, hat aber nach langen Reisen durchs Land  nicht das gefunden, was ihm vorschwebte – das erfährt man alles in der Ausstellung). Die intellektuelle Atmosphäre, die sich in den 60er Jahren in Italien um Persönlichkeiten wie Fellini, Moravia oder Elsa entwickelte, passte gut in das Konzept des homosexuellen und kommunistischen Pasolini, der plötzlich mit seinem eigenen, persönlichen Katholizismus auftrumpfte.

Materal-detail Matera Detail

Filme wurden seitdem immer wieder dort gedreht. Levis’ o.g. Buch wurde 1979 verfilmt und 1985 kamen die „Sassi“ (Felsen) mit dem Film King David erneut in die Kinos. 2002 setzte Mel Gibson mit dem  Film Die Passion Christi die (biblische) Kinokarriere von Matera  fort. Die drei Kreuze, die er auf der anderen Seite der Schlucht aufstellen ließ, sind immer noch zu sehen. Leider war die Einfahrt in den Naturpark, in dem viele Grotten und kleine Höhlenkirchen zu sehen sein sollen, gesperrt.

Matera hat eine lange und faszinierende Geschichte: Griechen, Römer, Langobarden,  Sarazenen,  Normannen haben im Laufe der Jahrhunderte Spuren und Angst hinterlassen. Seit 1927 ist Matera die Hauptstadt der Provinz.  Die Basilikata gehört zum Mezzogiorno und ist eine der ärmeren Regionen in Italien. Inmitten von nicht enden wollenden Bergketten, auf denen jetzt im April noch Schnee zu sehen war, liegt es eingekeilt zwischen Apulien, Kalabrien und Kampanien und hat nur einen kleinen Zugang zum Mittelmeer.

Die Einrichtung von Kulturhauptstädten geht auf eine Initiative der Europäischen Union, genauer gesagt der damaligen griechischen Kulturministerin Melina Mercouri  von 1985 zurück. Seit 2004 wird der Titel Kulturhauptstadt Europas an wenigstens zwei Städte in der EU vergeben.  Ziel sein soll allem, die Besonderheiten in europäischen Ländern besser kennen zu lernen,Toleranz und Verständnis zu fördern und kulturell-gesellschaftliche Events zu organisieren sowie die Region und das Umfeld nachhaltig zu fördern. Athen, wer auch sonst, machte den Anfang. Im Rotationsprinzip war Deutschland  zum letzten Mal 2009 mit dem Projekt Essen/Ruhr an der Reihe. Die Besucherzahl hat sich seitdem um die Hälfte verdoppelt. 

Dieses Jahr teilen sich das belgische Mons und Pilsen in der Tschechischen Republik den Titel. Wir sind dann wieder 2015 an die Reihe; beworben haben sich bis jetzt Dresden und Nürnberg.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Skulpturenpark La Palomba / Matera Basilicata

Höhlenwohnungen und Skulpturen

schildDirekt an der SS7 vor Matera liegt auf der linken Seite der Skulpturenpark La Palomba im Archäologiepark der Chiese Rupestre. Der italienische Bildhauer und Anthropologe Antonio Paradiso hat ihn ins Leben gerufen und von ihm sind auch – zur Zeit – die meisten Objekte. Außerdem haben in diesem non-profit-Park auch noch die Künstler Carrino, Coletta, Moinfoli, Mattiacci, Nagasawa, Sagnulo, Stracciolli und Trotta Werke hinterlassen.  Auf ca. 6 Hektar mit 1500 qm Ausstellungsfläche stehen diese umwerfenden und beeindruckenden Skulpturen aus Metall, Marmor oder Stein. Der ehemalige Tuff-Steinbruch soll eine fantastische Akustik besitzen und es finden dort regelmäßig Konzerte statt.

Skulpturenpark La Palomba

Paradiso hat die Fusion zwischen dem weichen Tuff und rostigem Metall gesucht. Seine Skulpturen stehen da wie ehemalige Riesenwerkzeuge oder erinnern an Kräne, obwohl sie z.B. Ikarus oder Flug  heißen. Die abgearbeitete Tuffwand sieht selber wie ein Kunstwerk aus.

detail Tuffwand Detail Tuffwand im Park

Der Park ist immer geöffnet und ist gratis. Allerdings kann am Haupttor einen freiwilligen Beitrag in eine Box werfen.

P1230189KreisAuto
Skulpturen von Paradiso

 

Fotos: Christa Blenk

matera-ganz Matera

Fotos: Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

 

 

Muse Dannunziane

villatorloniamusencristinacrespo
Eingang Ausstellungsraum, Innenansicht, Cristina Crespo während der Eröffnung
 

Bei traumhaften Musen-Wetter am 1. April präsentierte Cristina Crespo ihre Musen Dannunziane, an deren Verwicklichung sie seit über einem Jahr arbeitet. Sehr schön stehen sie da, im wie dafür geschaffenen Raum in der Casina delle Civette in der Villa Torlonia.

P1220842

Anläßlich der Eröffnung der Ausstellung hat Cristina Crespo auch zwei Tänzerinnen auftreten lassen, die dann – in Lois Fuller Manier – vor dem Publikum auftraten.

Die Musen sind in zwei verschiedenen Gebäuden untergebracht. Im ersten, dem Hauptraum, stehen u.a. Ida Rubinstein, Lois Fuller, Mata Hari,  Olga Koklova. Isadora Duncan hat im zweiten Gebäude einen Raum für sich allein bekommen. Die Musen tragen auf der Rückseite jeweils eine Hommage an die Zeit oder an den Musenträger, so Olga, die Picasso auf ihrem Rücken trägt.

P1220760 P1220804 Rückseiten der Musen

Hier nochmals ein Auszug aus dem Artikel über Cristina Crespo:

Im Garten der tanzenden Musen wohnen u.a. Olga Koklova, Picassos wichtigste Muse und erste Tänzerin im Ballet Russe sowie die Muse der radikalen Futuristen, die amerikanische Radium-Tänzerin Loïs Fuller, geladen. Die französisch-polnische Komponistin Elzbieta Sikora hat Fuller in ihrer letzten Oper „Madame Curie“ gewürdigt und ihr eine fatale Rolle zugeteilt. Man sagt, Fuller hätte sich bei den Curies mit Radium versorgt, um bei ihren aufwendigen und bahnbrechenden Performances hell zu erstrahlen. Unter Rosen verbirgt sich die andere Futurismus-Muse, die dramatische Isadora Duncan, sie erdrosselte sich praktisch selber, als sich beim Zu- schnell-Fahren im offenen Auto ihr Schal in den Autoreifen verhedderte. Mit dabei natürlich die bahnbrechende und exotische-erotische Tanz-Ikone der 30er Jahre Ida Rubinstein, Cristinas Lieblingstänzerin, die sie immer wieder in anderen Rollen darstellt, eine der schönsten ist eine schwarze, halbbekleidete Magdalena in der Wüste. Desweiteren finden sich dort die adelige Römerin Claudia Quinta, die mexikanische Kultikone Frida Kahlo, geschmückt mit Königsstrellizien, Manets Muse Lola aus Valencia und die Bauchtänzerin Sharon Kihara ein. Außerdem treffen wir auf die tanzende Stummfilmdarstellerin Brigitte Helm, die Muse von Fritz Lang in Metropolis und natürlich Mata Hari, die Abenteurerin sowie Cleo de Mérode, die schönste Ballerina überhaupt, wie man sagt. Die Liste der tanzenden Musen ist lang und ihr Garten sehr groß, aber irgendwann finden sie alle ihre Bestimmung.

Gabriele D’Annunzio (1863-1938) wurde vor 150 Jahren geboren. Cristina Crespo widmet ihm – aber vor allem seinen Musen – dieses Projekt. Fasziniert darüber, wie viele interessante und intelligente Frauen dieser eher kleine und nicht besonders attraktive militante Nationalist für sich gewinnen konnte, entstand die Idee eines Gartens der tanzenden Musen. Dass der plüschige, kitschige und bombastischen Pomp liebende d’Annunzio zwischen den Frauen, Autos, Pferden, Luxus, Kunst, Politik, Einkäufen (vor allem Schuhe) überhaupt noch Zeit zum Schreiben hatte, ist eigentlich ein Wunder. 1883 entführte er eine junge Herzogin und heiratete sie gegen den Willen der Eltern. Nachdem er drei Kinder mit ihr hatte und Eleonora Duse in sein Leben trat, verließ er die Familie. Die Duse war sicher die wichtigste Frau in seinem Leben, die ihn inspirierte und ihm obendrein auch den nötigen Luxus der er brauchte, verschaffen konnte. Später flüchtete er vor seinen Schuldnern nach Paris und dort tanzte Ida Rubinstein für ihn.

Die Ausstellung ist noch bis Ende Juni in der Villa Torlonia zu sehen.

Text komplett für Katalog in deutscher Sprache

testo catalogo completto in lingua italiana

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 
12345...29

Casino Nobile

P1240698

Villa Torlonia - Nasan Tur

Aktuell in Rom

Highlight: ARTESCIENZA 2015 “Nuova pratica ed ecosistema” (Roma, 26 giugno – 30 settembre), rassegna internazionale di musica, arte, scienza, organizzata dal Centro Ricerche Musicali (CRM
- Roma Barocca - Palazzo Cipolla
- „L’età del’Angoscia" -Kapitol
- Toti Scialoja - MACRO
- Matisse - Scuderie del Quirinale
- Chagall- Chiostro del Bramante
- Morandi - Complesso del Vittoriano
- Arturo Noci - Galleria d'Arte Moderna

Expo Kapitol

Expo Kapitol

Archives

Visiteurs

Il y a 1 visiteur en ligne

Forumromanum

Forumromanum


LES PEINTURES ACRYLIQUES DE... |
ma passion la peinture |
Tom et Louisa |
Unblog.fr | Créer un blog | Annuaire | Signaler un abus | L'oiseau jongleur et les oi...
| les tableaux de marie
| création