Giorgio Morandi

Giorgio Morandi

Giorgio Morandi: Formen – Farben – Stille (auch für KULTURA EXTRA)

Die Unmöglichkeit der Veränderung im Genuss der Langsamkeit

Giorgio Morandi steht für Stillleben, Ruhe und Stetigkeit. Wieder und immer wieder malte er  die gleichen Flaschen, Gefäße und Kannen, die er oft selber herstellte und hielt es nicht für nötig, deren Inhalt zu verraten. Die Gegenstände auf seinen Bildern  vermitteln den Eindruck aus Gips zu sein, es sind massive Fast-Skulpturen, nicht dafür gedacht, Flüssigkeit oder etwas anderes aufzunehmen.  Der Inhalt interessiert den Betrachter auch gar nicht. Form und Farbe ziehen ihn derart in Bann, dass für so etwas Triviales wie Substanzen gar kein Platz bleibt.

Seit Ende Februar 2015 findet im Complesso del Vittoriano in Rom die große Restrospektive Giorgio Morandi statt. Er hat damit seinen Zeitgenossen Mario Sironi abgelöst.

Am Eingang hängen kleine Radierungen, die fast ausschließlich aus Privatsammlungen stammen und deshalb so gut wie nie zu sehen sind, ergänzt und bereichert durch die dazu gehörenden Kupferplatten. Die thematisch- chronologisch organisierte Ausstellung unterstreicht die Treue Morandis seinen Formen gegenüber. Nach einem kurzen Exkurs zur Landschaftsmalerei, wie er sie bei Cezanne entdeckt hatte und einen Abstecher zu den italienischen Futuristen, kehrte er ganz schnell wieder bis ans Ende seiner Tage zu seinen beschaulichen, anspruchslosen und harmonischen Flaschen zurück. Die größten Veränderungen seines Lebens reduzieren sich auf Farbnuancen, Pinselstriche und die Höhe der Flaschenhälse.

Giorgio Morandi, der 1890 in Bologna geboren wurde, arbeitete zunächst im Kaufmannsbüro seines Vaters und irgendwie hat sich wohl das Büro-Stillleben vor ihm auf dem Schreibtisch in seinem Kopf festgesetzt. Erst mit 18 Jahren durfte er Mal- und Zeichenunterricht nehmen. Morandis Faszination für Cezanne taucht in seinen Bildern, vor allem in den Landschaften, immer wieder auf. Seine Werke sind selten groß, aber zurückhaltend und von stiller Poesie,  so als ob die Sonne die Gegenstände leicht zum Flimmern brächte. Minimal und beige-grau-blau oder hell-rostig sind seine unverkennbaren Lieblingsfarben. Um die Perspektive hat er sich genau so wenig gekümmert wie um Tendenzen oder Politik. 1918 wurde er mit dem Kubismus, Futurismus und der metaphysischen Malerei von De Chirico konfrontiert, die ihn auch eine Zeitlang beschäftigte. Sein Leben bestand aus Küchengebrauchsgegenständen in stumpf-flachen und statisch-vibrierenden cremigen Farben. Er hasste Veränderungen oder Unstetigkeit und damit auch die gerade aufkommende  Philosophie der schnellen und kriegsbejahenden Futuristen. 1938 hat er aber dann doch mit diesen Künstlern, die damals so etwas wie ein Aushängeschild des italienischen Faschismus waren, auf der Biennale in Venedig ausgestellt, was ihm kurzfristig den Ruf eines stillen Mussolini-Mitläufers einbrachte. Dabei hatte er mit Politik nichts am Hut, sie war ihm zu anstrengend, zu laut und zu wuselig-rastlos. Als er 1915 eingezogen wurde erkrankte er so schwer, dass er nach kurzer Zeit wieder entlassen werden musste.

Der unverkennbare Morandi zählt heute zu den bedeutendsten Stillleben-Maler, wobei er weder Obst noch Essen malte, Blumen ab und zu. Man spürt die Konsistenz seiner Bilder schon von weitem. Niemand kann wie er eine einfache grau-weiße Flasche mit so viel majestätischer Gelassenheit und  Würde malen, aus ihr so viel Schönheit herausholen. Seine Bilder oder die Gegenstände auf ihnen haben etwas Langsames, etwas das die Zeit anhält, etwas Einsames und Traurig-melancholisches, etwas autoportraitistisches und renaissanceartiges. Ein Maler der Stille, ein Sonderling, ein Mönch, ein Außenseiter und Einzelgänger.

Nur vielleicht noch die Franzosen Paul Cezanne, Jean Siméon Chardin aber vor allem der aus Neapel kommende spanische Maler Luis Eugenio Meléndez brachten Stillleben so zum Reden wie er. Der von permanentem Hunger geplante  Meléndez besaß die Köstlichkeiten, die er sich nicht leisten konnte, wenigsten auf der Leinwand.

Der spanische Kritiker Julián Gallego hat einmal geschrieben, dass seine Stillleben wie kleine Dörfer wären, die uns einladen würden, sie doch zu besuchen. Das ist schön, und wenn man wie wir hier in der Ausstellung zuerst die kleinen Dörfer, die er eine Zeitlang gemalt hat betrachtet, ist der Übergang zu den Flaschendörfern ganz nahe.

Der fast 1,90 m große und kettenrauchende Morandi, der sein Leben lang unverheiratet mit seinen Schwestern lebte, arbeitete im Wohnzimmer, was vielleicht auch auf das eher reduzierte Format seiner Bilder einen Einfluss hatte. Trotz seiner Zurückgezogenheit erlangte der „Flaschenmaler“, wie man ihn manchmal nannte, schon in den 30er Jahren einen gewissen Bekanntheitsgrad und bekam bald als Meister der Radierung einen Lehrstuhl an der Universität von Bologna. Im Gegensatz zu den anderen Malern Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts verreiste er so gut wie nie. Viermal war Morandi auf der Documenta vertreten, darunter auf der ersten und auf der letzten und sechsmal nahm er an  der Biennale di Venezia teil. 1964 starb der starke Raucher an Lungenkrebs. Seine Bilder sind heute in allen wichtigen Museen der Welt zu finden.

Die Ausstellung umfasst an die 150 Exponate, darunter auch ein ausgiebiger Briefwechsel Morandis mit den beiden Kunsthistorikern Roberto Longhi und Cesare Brandi, die schon früh und als Erste seine Bedeutung für die Malerei erkannten. Diese Briefe in regelmäßiger und unauffällig-schöner Schrift geschrieben, legen in Verbindung mit den Druckplatten, Radierungen, Aquarellen, Ölbildern, Zeichnungen ein Zeugnis von Morandis  Leben ab, das als  langsamer, behäbiger  Strom ruhig und bedächtig  vor sich hin floss,  aufgerüttelt dann und wann von unbequemen durch zufließende, reißende Bäche aus den Bergen verursachte Stromschnellen, die kurzfristig Richtung, Form und Farbe des Wassers bestimmen wollten, bis endlich wieder Ruhe einkehrte und der Fluss in seine phlegmatische Gemächlichkeit zurückfallen konnte. Eine heilig-schweigende Stimmung herrscht hier, man traut sich gar nicht zu reden in der Ausstellung. Wenn man sich auf ihn einlässt, entdeckt man ein ganzes Universum von Sinnen, Feinheiten und Nuancen. Menschen hat er fast nie gemalt, in der Ausstellung hängt ein Selbstbildnis das ihn als knapp Dreißigjährigen, schüchtern und zerbrechlich-durchsichtig zeigt.

Etwas ganz besonders sind wie gesagt, die Kupferplatten die ausnahmsweise das ’Istituto Nazionale per la Grafica zur Verfügung gestellt hat. Die Exponate kommen aus vielen verschiedenen Museen und Privatsammlungen. Kuratiert hat die Ausstellung die Morandi-Spezialistin Maria Cristina Bandera und bis zum 21. Juni 2015 ist sie noch im Complesso del Vittoriani zu sehen.

Christa Blenk

 

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Gisela di Hans-Werner Henze al Teatro Massimo

 

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Il testamento scherzoso e spiritoso di Henze

 

Gisela! – o le strane e memorabili vie per la felicità

Henze diceva: “L’opera è una forma particolare, artificiosa dell’arte, nella quale niente corrisponde a fatti concreti. La musica deve rispondere ai dettami della credibilità, ai più strani ed insoliti stati d’animo. Deve coinvolgere, incantare, stregare, spaventare, intrattenere, sedurre; deve prenderti per mano e portarti nei giardini incantati notturni o spingerti nella luce accecante del giorno” (da “Reisebilder und Böhmische Quinten” immagini di viaggio e quinte boeme). Poi proseguiva: “la mia musica vive di contraddizioni, è piena di sterpaglie spinose, aculei e disagi. E’ velenosa come i morsi dei serpenti, i suoi abbracci possono diventare pericolosi, rivelarsi ingannatori, non corrispondenti alle aspettative“ (questo lo scrisse nel 1991).

 Lo splendido Teatro Massimo di Palermo ha aperto la stagione 2015 con Gisela ! oppure le vie strane e memorabili per la felicità di Hans Werner Henze.

Questo “Musiktheaterstück für Sänger, Mimen, Ballett, kleinen gemischten Chor und Instrumente” (pezzo di teatro musicale per cantanti, mimi, balletto, piccolo coro misto e strumenti) è l’ultima grande fatica di Henze.

 Lui appositamente non l’ha chiamata “opera”. Ai tempi di Mozart si sarebbe chiamato “Singspiel”. Un grande regalo d’addio pieno di riflessioni e di umorismo.

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 Ancora a sipario chiuso lo spettatore inizia ad interrogarsi. E’ un Vesuvio bianco oppure un uovo gigantesco trasformato? Ad ogni buon conto, la “cosa” si apre e salta fuori Pulcinella (Gennaro), per presentarsi in lingua italiana al pubblico (naturalmente il testo di tutta l’opera è stato presentato in lingua tedesca). Poi il sipario si alza e il gruppo di viaggiatori proveniente da Oberhausen può arrivare alla stazione di Napoli. Tutti sono di buon umore e vestono abbigliamento estivo. La guida turistica, Gennaro – il nostro Pulcinella clonato in copia multiforme – saluta il gruppo e offre i suoi servigi. Gisela (si noti il punto d’esclamazione nel titolo) con le sue belle scarpe rosse a tacchi alti, vuole andare subito al museo nazionale per ammirare i quadri di Angelika Kauffmann. Mentre il vulcanologo Hanspeter Schluckebier (ingoia-birra), bravo, tedesco, serio, scrupoloso, aspetta con gioia il Vesuvio per fare le sue meticolose ricerche nella maniera di Humboldt, il resto dei viaggiatori non vede l’ora di visitare la costa Amalfitana. “Il Parsival è stato creato non lontano da qui. Richard Wagner era felice a Ravello!” si esprimono ed elargiscono luoghi comuni, e – simile alle persone della commedia dell’arte – la realtà e la fiction si mescolano con la rapidità con cui Pulcinella si mette e si toglie la nera maschera dagli occhi.

 Ma prima Henze e Dante ci conducono a uno spettacolo napoletano di ballo e baccano, una parodia simile a Stanlio ed Olio, nel quale non solo i costumi rossi costituiscono un omaggio al Sacré du Printemps di Strawinsky. Gisela e Gennaro stanno entrando in confidenza, e Hanspeter diventa geloso, come si vede dai simbolici alberelli di rose gialle.

Questa scena è meravigliosa e tanto leggera e spumeggiante, quanto è difficile per i cantanti (Gennaro/Pulcinella è Marcello Nardi). Centinaia di questi alberelli di rose, alti quasi come una persona, vengono spostati dagli accompagnatori di Pulcinella in modo tale che prima indicano a Gisela la strada per la felicità, poi accennano a due stanze separate nelle quali lei e lui si possono sdraiare per riposarsi, fino a quando i neo-innamorati abbattono insieme il muro di fiori per congiungersi. Gisela minimizza le riserve (dovute al clima) espresse da Gennaro di andare con lei a Oberhausen: “da noi effettivamente piove spesso, ma ognuno ha un ombrello”. Naturalmente, a questo punto lui non può più fare obiezioni. Nel frattempo Hanspeter sogna ancora le imminenti nozze con Gisela ed iniziano i preparativi per il menù, mentre un membro della comitiva annuncia che Gisela e Gennaro sono partiti. E’ sogno o realtà? Il primo atto finisce nelle sfumature del grigio, e i due amanti ballano, nei loro trenchcoats grigi, sotto due ombrelli grigi e dalle scene Napoletane multicolori riamgono soltanto le scarpe rosse e la musica!

 Nel secondo atto la sensazione di grigio rimane e indica a noi e ai protagonisti la via strana e memorabile per la felicità, e naturalmente qualcosa del genere funziona soltanto nel sogno! Scene di balletto con tutù fanno capitombolo attraverso il mondo variopinto dei fratelli Grimm. I sette nani proteggono Biancaneve dalla cattiva regina mascolina, fino a quando appare un cacciatore che minaccia tutti, uno dopo l’altro.  Il fucile va di mano in mano e il sogno si trasforma in incubo. Siamo forse già nella zona della Ruhr? Un caos di un’allegria angosciante, come può esistere soltanto in un mondo immaginario, incluso il risveglio con un respiro di sollievo. Qui sembra che finisca il sogno (oppure no?). S’ indossano di nuovo i vesti della commedia dell’arte che ricordano un po’ quelli dei dervisci. Il grigio e gli ombrelli di Oberhausen spariscono. “Libera e felice” si muove la coppia tedesco-italiana, mano nella mano, verso il Vesuvio focoso che nel frattempo rumoreggia da lontano. “Oh, bel Vesuvio, tu sei testimone: la libertà e la virtù saranno sempre con noi”. Sembra che San Gennaro non abbia risparmiato a Napoli lo scoppio del Vesuvio, ma il happy end c’è comunque. Altrimenti Henze non avrebbe indicato le vie strane e memorabili per la felicità. Emma Dante lo ha senz’altro capito.

 Mentre il primo atto è spumeggiante, veloce e appassionato, la musica nel secondo atto rallenta e diventa più seria; ed è più che mai piena di richiami ad altri compositori che erano significativi per la musica e la vita di Henze. Continuamente viene citato Bach, interrotto da Mozart, Hindemith, Mahler, Strawinsky, e addirittura Wagner e la musica popolare napoletana. C’è anche uno sguardo indietro alle proprie composizioni numerose.

A Napoli Henze è stato felice e, settantenne, scrive, quanto gli manchi il periodo napoletano. La fine è l’inizio e si ricomincia a cercare la felicità. Henze, il romantico, ha scritto dopo la sua grave malattia nel 2006/2007 ancora tre opere importanti! Incredibile!

 “Gisela !” è un grande regalo d’addio simbolico, pieno di riferimenti, ma non proprio un’opera della vecchiaia. E’ destinata a giovani musicisti e cantanti.

Gisela Geldmaier, la studentessa d’arte romantica e sensibile è senz’altro un ricordo alla migliore amica di Henze, Ingeborg Bachmann, con la quale visse per anni a Napoli. Gisela Geldmaier viene da Oberhausen, città vicinissima al proprio luogo di nascita, e sua madre si chiamava “Geldmacher” con il cognome da ragazza. Forse l’opera poteva essere anche un omaggio a Margot Fontayn che Henze venerava. La vide ballare per la prima volta negli anni cinquanta in “Giselle”. Il fidanzato di Gisela si chiama Hanspeter, simile al suo nome. Hanspeter viene dalla Vestfalia, pignolo e preciso, piuttosto timido nelle relazioni umane. Pure Henze ha sofferto per tutta la vita del complesso di essere un provinciale (a suo dire un “Provinzkomplex”).

 San Gennaro è il santo protettore di Napoli, solo lui può impedire che il Vesuvio erutti di nuovo (cosa che comunque succede lo stesso secondo Emma). Gennaro è intraprendente, una testa calda, ma anche piuttosto superficiale. I due protagonisti sono un tale contrasto, come lo è la città di Oberhausen grigio-nera nei confronti dell’eruzione impetuosa del vulcano Vesuvio.

 Negli anni cinquanta Henze stesso è stato alla ricerca strana e memorabile per la felicità, soprattutto alla ricerca della sua musica. Non volle sottomettersi ai dogmi del corso estivo a Darmstadt. In Germania non si sentiva libero di respirare e di trovare il suo proprio stile (stile Henze). E’ stato emarginato da Stockhausen; Luigi Nono (Gigi) che lui venerava, alle prime di Henze lasciava il teatro già prima dell’intervallo. Pertanto, nel 1953 Henze andò ad Ischia, dove incontrò la coppia Wystan Hugh Auden e Kallmann, con la quale più tardi realizzò alcuni progetti. Nel 1956 si trasferì a Napoli dove restò fino a quando negli anni sessanta si stabilì nei pressi di Roma (a Marino, nei monti albani), con il suo partner Fausto, con cui stava ormai da molti anni.

 Emma Dante l’ha compreso bene e ha realizzato il libretto con molta creatività e libertà. Lei è nata e cresciuta a Palermo. Il berretto di Pulcinella/Gennaro rassomiglia alla cornucopia dell’oratorio di San Lorenzo o a una parte della decorazione sul tetto della chiesa di San Giovanni. Tutto si fonde e tutto è collegato.

 Nel 1950, Henze elaborò a Wiesbaden una pièce di Molière “Jack Pudding”. Non è mai stata rappresentata. Solo nel 1995 l’ha ripresa, ha trasformato Pierrot in Pulcinella, ha portato la storia nel variopinto mondo appassionato di Napoli e ha dato all’opera il titolo “Pulcinella alla ricerca della fortuna per le strade di Napoli” (Pulcinella auf der Suche nach dem Glück in den Straßen von Neapel). E’ nata forse così la storia di “Gisela !”? Pulcinella e Schluckebier (ingoia-birra), già questi nomi rappresentano le sue due anime, quella della Vestfalia e quella italiana. A Napoli è stato molto felice e lì è il luogo della sua opera. Il libretto era stato scritto da Christian Lehnert e Michael Kerstan.

 L’accustica straordinaria del teatro di Palermo ha sottolineato ancora la bravura dei cantanti, e il pubblico è stato coinvolto visibilmente dall’euforia dei protagonisti. Constantin Trinks ha condotto l’orchestra del teatro e i solisti (nomi vedi  a margine) attraverso questo sogno variopinto. I costumi originali sono stati creati da Vanessa Sannino, la coreografia è di Sabino Civilleri e Manuela Lo Sicco.

 “Proprio così il maestro avrebbe voluto la sua Gisela” Quest’è stata la frase che uno dei librettisti, Michael Kerstan, ha detto dopo la prova generale. Nel 2010 Gisela ! è stata rappresentata con breve intervallo come opera d’arte commissionata alla Ruhrtriennale e alla Semperoper in due messe in scena differenti. Henze, allora 84enne, ancora il giorno della prima ha inviato via e-mail delle modifiche per la messa in scena di Dresda. Tipico per Henze, che nel corso della sua vita ha scritto e riscritto tante volte lo stesso lavoro.

 Il Teatro Massimo di Palermo (che ha il terzo palcoscenico per grandezza di tutti i teatri europei e la migliore accustica grazie a una costruzione del palcoscenico che corrisponde alla bocca di una maschera teatrale greca) ha scelto di osare nel rappresentare Gisela ! e tutti sono molto fieri, considerando anche il fatto che il maestro ha passato la massima parte della sua vita nell’Italia meridionale. Un vero peccato che non si possa mandare questa rappresentazione in giro. E’ un vero spreco, mandare in archivio queste idee e queste trovate.

(versione italiana – tradotto da Brigitte Mayer)

 Titolo en tedesco: Gisela! oder die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks

chi anche la Version originale en tedesco per KULTURA EXTRA

Christa Blenk, 30 gennaio 2015

Gisela ! – Teatro Massimo – Palermo 27. 1. 2015
Direzione musicale: Piero Monti
Messa in scena: Emma Dante
Palcoscenico: Carmine Maringola
Costumi: Vanessa Sannino
Coreografia: Sabina Civilleri e Manuela Lo Sicco
Luci: Cristian Zucaro
Interpreti
Gisela: Vanessa Golkoetxea
Gennaro Esposito: Roberto de Blasio
Hanspeter Schluckebier: Lucio Gallo
Orchestra, coro e corpo di ballo del Teatro Massimo
La prima assoluta in occasione della Ruhrtriennale il 25. 9. 2010
 

Terra e Motus

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Nando Citarella und seine Gruppe « I Tamburi del Vesuvio » im Auditorium Paco della Musica am 21.02.2015

Die meisten Mitglieder seiner großen Musik-Familie gehören  sicher schon seit 1994, seit der Gründung seines Ensembles, mit dazu. Jedenfalls vermitteln sie den Eindruck, dass sie Ihr Leben und Ihre Kunst miteinander verbringen.

1959 ist Nando Citarella in der Provinz von Salerno geboren, in Kampanien, und dort beginnt auch die Reise, auf die er uns einlädt, ihn zu begleiten. Es geht von Neapel  durch Kampanien, Kalabrien, Sizilien, Italien und Sardinien, über das Meer nach Afrika und in die ganze Welt – vielleicht sogar ins Universum! Er hat keine Berührungsängste die unterschiedlichsten Rhythmen und Klänge zu fusionieren und: sie passen immer zusammen.

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Antike Lieder und neue Einflüsse gehen ineinander über. Der Sound der südafrikanischen Djembe passt genau so gut zum Klang eines Dudelsackes wie die Geige zum Klavier. Die Tänzerinnen (wunderbar und beeindruckend Anna Cirigliano) wurden vom Klang der Instrumente und vom Rhythmus getrieben und wenn es nicht so perfekt gewesen wären, hätte man es als pure Improvisation ansehen können, so frei und gelöst und glücklich schienen sie.

Neapel, Kalabrien und Sizilien haben eine italienisch-französisch-spanisch-arabische Vergangenheit  (nicht nur musikalisch gesehen) und dementsprechend ist die Volksmusik in Süditalien geprägt. Sehr beeinflusst vom spanischen Flamenco, der gewisse arabische Wurzeln nicht verleugnen kann, von der Musik aus der „Neuen Welt“ wie Brasilien,  Kuba oder Indien und natürlich von den genialen afrikanischen Trommeln. In diese religiös-pagane und rituelle Mittelmeerraum-Welt schleicht sich noch die Musik der Renaissance ein und wenn dieser explosive und rauschende Cocktail dann um den Vesuv herum mit seinen beunruhigenden Eruptionsgeräuschen und Pulsationen gemischt wird, reicht das Wort Enthusiasmus nicht mehr aus um zu beschreiben, was gestern Abend im Auditoirum Parco della Musica veranstaltet wurde.

Diese Großfamilie, mit Nando Citarella als Motor, ist auf der permanenten Suche nach neuen und alten Musik-Tendenzen und Rhythmen, sammelt und saugt  Melodien auf und verbindet diese mit modernen Klängen und Experimenten. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die populäre Musik zu erhalten, zu erneuern und zu verbreiten. Gestern Abend jedenfalls mit einem riesigen Erfolg. Trommeln und Perkussion in allen Varianten, ein Dudelsack, eine Laute, eine Maultrommel, klassische Instrumente, Sänger und Tänzer und ein Zeremonienmeister, der eine sehr eigenwillige Art zu dirigieren hatte.  Dabei sah alles so leicht aus und aus diesem Grunde hat das Publikum auch ohne Probleme mitgespielt (ich bin aber sicher, dass die meisten der Anwesenden aus Süditalien kamen und diese Tänze schon einmal selber getanzt oder wenigstens gesehen hatten).  Irgendwann hat sich das Publikum nicht mehr halten können und hat ebenfalls angefangen zu tanzen. Es war unglaublich  natürlich und so sympathisch!

Gestern  mit von der Partie waren: Nando Citarella – Gabriella Aiello – Valerio Perla – Carlo »Olaf »Cossu, Pietro Cernuto – Claudio Monteleoni – Pietro Pisano, Raffaella Coppola – Nathalie Leclerc als Sänger und Tänzer und außerdem  Badù ‘Ndiaje – Massimo Carrano, Giovanni Imparato, Arnaldo Vacca, Umberto Vitiello, Valerio Perla, Raniero Bassano, Andrea Caroselli, Ernesto ‘o duttore,  Roberto Giummarra, Gabriele Gagliarini, Simone Pulvano, U Papadia, Micaela Bernardini, Paolo Modugno, Maurizio Trippitelli, Les Cymbaluse und viele mehr.

Der Musiker, Schauspieler und Fachmann für traditionelle und populäre Musik  Nando Citarella hat u.a. auch bei Linsday Kemp und Dario Fo gelernt und mit ihnen zusammen gearbeitet.  Aber was er hat, kann man nicht lernen – so wird man geboren!

Fast drei Stunden Rhythmus, Energie und Lebensfreunde. Zum Schluss artete das Ganze in ein Gemeinschaftsprodukt mit dem tobenden Publikum aus! Wir haben uns selten so amüsiert.

P1210667 das Publikum tanzt mit

Christa Blenk

 

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Musik sehen – Bilder hören

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Musik sehen – Bilder hören (Bericht für KULTURA EXTRA)

Konzert in der Aula Magna della Sapienza am 17. Februar 2015

Der Maler, Lichtdesigner und Bühnenbildner Gabriele Amadori und die Jazz-Musiker Stefano Battaglia und Michele Rabbia bemalten und betonten in 80 Minuten eine fast bühnenausfüllende riesige weiße Leinwand.

Neun Farben für Neun Sätz oder Bewegungen:

Vor einer 16 qm  großen weißen Leinwand stehen neun Farbtöpfe. Kobaltblau, Hell-türkis, Gelb, Rot, Azurblau, Orange, Hellorange, Hellgrün und Dunkelgrün.

Jede Farbe ist dem Klang eines bestimmten Instrumentes zugeordnet. Die drei Künstler-Musiker verwandelten durch gesten- und bewegungsgesteuerte Musikfragmente  den weißen leeren Leinwand-Raum in eine dreidimensionale Farb-Partitur. Diese Performance brachte unser Gehirn dazu, in den individuell und ungeplant platzierten Farbklecksen und Strichen dann und wann  Noten und Musiksprache zu erkennen  (ich habe z.B.  bei der Farbe Blau ganz klar eine C-Dur Passage erkannt und die Kringel als „C“ interpretiert).

Die Angst vor dem weißen Blatt vertreibt Amadori, indem er ganz zu Anfang mit einem großen Pinselstab ohne Farbe über die Leinwand fährt und das Feld erforscht, ja fast ertastet.

Parallel zum hellen Kobaltblau begann eine moderate, kristalline Pianomusik, die Percussion bestand vor allem aus Wind, die der geniale Musiker Michele Rabbia mit langen Gummistäben erzeugte. Das Piano gab den Ton an, die Musiker schauten auf den Künstler und der Maler auf die Musiker und  Letzterer trug nach und nach die Farben auf, wobei jede Farbe auch durch eine bestimmte Bewegung begleitet wurde. Bei der Farbe Gelb z.B. verteilte Rabbia vier Metronome auf der Bühne, die alle unterschiedlich tickten. Bei Rot kippte er sie wieder um und die bemalte Fläche, die bis jetzt an seltsame Kulturen unter einem Reagenzglas erinnerte, wurde -  über einen Umweg über Jackson Pollock, Cy Twombly  und die Tachismus Künstler – plötzlich zur impressionistischen Blumenwiese und zu einer Hommage an Matisse. Amadori, der sich anfangs fast wie in Trance vor seiner großen Leinwand bewegte, fing bei Orange an, den Rhythmus mitzubestimmen. Die grüne Farbe wurde im Dialog mit Rabbia an der Trommel, auf die Leinwand geknallt. Schließlich kam noch die dunkelgrüne Farbe zum Einsatz und der Künstler zeichnete  vier unregelmäßige Quadrate auf die Leinwand, entfernte zum Schluss die weißen Klebebänder  und unterteilte das Ganze somit nochmals in weiße regelmäßige Gitter. Dieses Happening hatte fast etwas Rituell-religiöses wie da auf enigmatische Weise  vor unsern Augen und Ohren dieses nicht vorhersehbare Kunstwerk entstand.

Schon seit 1998 organisiert der italienische Maler, Bildhauer und Lichtdesigner Gabriele Amadori (*1945) diese Music Action Paintings bei denen er abstrakte Musik, gestern Abend war es Free Jazz, in Materie, Bewegung, Farben verwandelt und wild und fremdbestimmt  Farbkleckse, Linien und Halbkreise auf der Leinwand zusammenbringt. Amadori, der heute in Mailand lebt, hat in den Jahren 1972 und 1976  an der Biennale von Venedig teilgenommen.

1998 entstand mit Unterstützung der UNESCO eine Wanderinstallation mit dem Titel « Tableau vivant – magic flute ».

Der italienische Free-Jazzer und Komponist Stefano Battaglia gibt Konzerte auf der ganzen Welt und hat schon viele Preise gewonnen. Der Perkussionist Michele Rabbia spielte und wirkte auf mehr als 15 unterschiedlichsten Instrumenten oder Gegenständen. Er war umwerfend gut. Rabbia hat lange in den USA gelebt, bevor er in den 90er Jahren wieder nach Italien zurückkam.  Am Ende standen sie alle Drei vor einem Art Brut à la Matisse Gemälde und das Publikum hat sich gar nicht mehr beruhigen wollen (obwohl während der Aufführung immer wieder jemand entnervt den Saal verließ!)

Christa Blenk

Zusatz: der Künstler Antonio Passa hat mit dem Musiker Riccardo Santoboni vor ein paar Jahren auch ein sehr interessantes Musik-Kunst-Projekt vorbereitet.

Diese Artikel gibt es auch in Italienischer Sprache auf diesem blog.

Passa

Santoboni

 

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Le chant du Rossignol und Carmina Burana in der Oper Rom

 Le chant du rossignol_Cor.Lorca Massine_Un momento del balletto_©Yasuko Kageyama-Opera Roma 2014-15_0242
 Le chant du rossignol_Cor.Lorca Massine_Un momento del balletto_©Yasuko Kageyama-Opera Roma 2014-15_0242
 

Le Chant du Rossignol und Carmina Burana an der Oper Rom

Die Oper Rom, die jedes Jahr wenigstens ein selten gespieltes Werk aufgreift (im letzten Jahr waren es zwei kurze Ravel-Werke, darüber hat KE auch berichtet), hat nun zwischen einem Rigoletto (im Januar 2015) und der Tosca (im März 2015) Strawinskys kurzes Nachtigallen-Ballet inszeniert und dieses mit Orffs Carmina Burana kombiniert.

Sehr erfolgversprechend: Carmina Burana ist ein Dauerbrenner und seit ihrer Uraufführung 1937 in Frankfurt/Main von wiederholtem Erfolg gekrönt.

Igor Strawinsky 1882-1971) hat sich 1908 für das Libretto seiner ersten Oper beim Andersen-Märchen Nattergallen (1843) bedient, das er als Kind vielleicht schon kannte. Manchmal kündigt sich hier noch blitzhaft der Einfluss eines Spätwerkes seines Lehrers Rimski Korsakov „Der Goldenen Hahn“, an. Auf Bitten von Diaghilev, ließ er diese Komposition nach dem ersten Akt liegen und machte sich an die Musik für das Ballett Der Feuervogel die Diaghilev für Paris wollte.  Es entstanden außerdem Petrouchka und das Skandalerfolgsstück Le Sacre du Printemps und Strawinsky dachte nicht mehr an seinen „altmodischen“ Rossignol. 1913, auf Bitten des Moskauer Freien Theaters (wohl aus finanziellen Gründen) willigste Strawinsky ein, das Stück zu vollenden. Mit Petrouchka und dem Sacre im Gepäck, konnte er natürlich den Stil von 1908 nicht wieder aufnehmen  und so stehen sich die konventionellen Naturszenen, beeinflusst von Debussy und dem spätromantischen Impressionismus und der Post-Sacre-Strawinsky krass gegenüber. Es beginnt dementsprechend wie ein spätromantisches Märchen und endet als unpsychologisches und nicht idealisierendes Experiment und wie schon beim Frühlingsopfer zerrüttelte und überforderte er die Zuhörer mit einem permanenten Rhythmuswechsel,  zwischendurch versetzt mit orientalischen Gong-Elementen.

Strawinsky sagte einmal über seine Musik: Naturgemäss kann Musik nichts erklären: weder Emozionen, noch Ansichten, weder Gefühle, noch Naturphänomene. Sie erklärt nur sich selber.

Wir hatten gestern Abend das Glück eine Aufführung zu sehen, die auf einem ursprünglichen Projekt von Serge Diaghilev und Léonide Massine basiert. Sie haben es 1917 für das Ballet Russe in Zusammenarbeit mit dem italienischen Futuristen Fortunato Depero entwickelt.

Und das kam so: Diaghilev besuchte 1916 Rom und sah eine Goldoni-Scarlatti-Tommasini Aufführung, inszeniert von Giacomo Balla, die ihn dermaßen beeindruckte, dass er sofort Feuer und Flamme für diese neue Kunstrichtung war und eine Bearbeitung des Rossignol mit den Futuristen, vor allem mit dem Balla-Schüler Depero, aufnahm. Leider kam diese Inszenierung aber nie zur Aufführung.

Rom hat nun das Bühnenbild und die Kostüme nachgebildet und den Sohn von Léonide Massine, den Amerikaner Lorca Massine verpflichtet, die Choreografie zu übernehmen. Es war umwerfend, diese romantische Nachtigallenstory kombiniert mit den mechanischen Bewegungen und futuristischen Farben (die Entscheidung des Kaiser dem mechanischen Vogel den Vorrang zu geben, dürfte ganz im Sinne der „es-leben-die Maschinen-Philosophie der Futuristen gewesen sein). Ein Spaziergang durch die Futuristenabteilung im hiesigen Museum für Moderne Kunst, bei dem man ab und zu eine Figur aus dem Triadischen Ballet traf.

Die Geschichte ist ganz einfach: Der Kaiser von China hört den wunderbaren Gesang einer Nachtigall, bekommt vom japanischen Kaiser aber einen mechanischen Zaubervogel geschenkt, dem er den Vorzug gibt. Die echte Nachtigall schmollt und zieht sich traurig zurück. Der Tod erscheint und will den Kaiser holen, der mechanische Vogel gibt den Geist auf was den Kaiser noch kränker werden lässt. Aber auf die Natur kann man sich halt verlassen und irgendwann tänzelt die lebendige Nachtigall wieder aufs Parkett und bezirzt zuerst den Tod mit ihrem Gesang  bis dieser verzückt abzieht, um in der Folge den Kaiser ins Leben zurückzuholen.

Die Balletversion dauert nur knappe 30 wundervolle Minuten und ist wie ein Wettstreit zwischen Technik und Leben, zwischen Oboe und Querflöte. Allerdings hat das Orchester dies meiner Meinung nach nicht gut genug herausgeholt. Die Tänzer waren großartig.

 

Nach der Pause kam Carmina Burana

Gut 20 Jahre nach der dritten Fassung der Nachtigall, also 1936, entstand Carmina Burana. Carl Orff (1895-1982) entdeckte 1934 durch einen glücklichen  Zufall (deshalb heißt wohl die Hauptperson und Zeremonienmeisterin auch Fortuna) in einem Würzburger Antiquariatskatalog eine Handschrift aus dem 12. Jahrhundert (Cantoribus et choris cantandae comitantibus instrumentibus atque imaginibus magicis)und fühlte sich sofort von dem mysteriösen Namen Carmina Burana und vom Thema überhaupt angezogen: Schon 1935 machte er sich mit einem Studenten an das Libretto in Latein und Mittelhochdeutsch und Altfranzösisch, wählte 24 Verse aus und so entstand dieses monumentale Opus über Wein, Weib und Gesang. In dieser Neukomposition nach Stilmerkmalen des Mittelalters geht es um Weltlich-Paganes: Glück, Wohlstand, Frühling und dessen Freuden, Wein, Völlerei, Spiel und die Frauen natürlich. Das Werk ist zeitlos und weder Oper, noch Oratorium noch Kantate.  Orff war der einzige von den bekannten Komponisten, der – warum auch immer – Atonaltes oder Schräges nicht in seine Musik einbezog. Er hat seine eigene farblose Ästhetik entwickelt und so – vor allem durch Carmina Burana – Weltruhm erlangt.

Der Chor in griechischer Theater-Manier, ist links und rechts der Bühne angeordnet (an die 100 Sänger). Im Hintergrund ein graues, simples Eisengerüst aus dem die Tänzer sich – manchmal sehr lüstern – herausschälten. Die schwarzen Männer im Obergeschoß der Struktur gaben dem Ganzen etwas Martialisches. Fortuna war seltsamerweise auch in schwarz gekleidet. An Farben gab es außer grau-schwarz/weiß nur hautfarbene Töne, die eine Nacktheit vortäuschen sollten, vor allem bei den Paarungs-Versen, bis dann mit der Verführung das Blutrote hinzukam. Außer ein paar weißen Hockern, die aber vor allem Accessoires der Tänzer waren, gehörte die Bühne den Tänzern und Sängern.  Das ganze Spektakel war beeindruckend und mitreißend.

Der Belgier Micha van Hoecke (*1944)  hat diese Carmina inszeniert – für Chor, Ballet und Solisten. Es ist nicht seine erste Carmina Burana aber diese hier ist anders, sie stützt sich sehr auf individuelle Darsteller und Solisten. Und er hat sich seinen Traum erfülllt, mit dem Modeschöpfer Emanuel Ungaro zusammen zu arbeiten. Van Hoecke hat bei Maurice Bejart gelernt und ist nicht das erste Mal in Italien. In den letzten Jahren  hat u.a. Choreografien für die Scala entwickelt und eine weitere Carmina Burana für Pisa.

Es geht – wie auch sonst – bombastisch los. Fortuna taucht auf und kündigt das Ankommen des Frühlings an was ein Synonym für das Erwachen der Liebe (und Leidenschaft) ist. Die Geschichte artet in einem deftigen Saufgelage aus bis die Liebesstunde gekommen ist. Eingepackt ist diese banale Handlung in  gewaltige Chorarien zu Ehren Fortunas, die für das Schicksal der Erdenbürger zuständig ist.

Orff ging sehr frei mit der Handhabung der Verse oder Strophen um, holte Personen hier weg um sie dort einzubauen. Die schöne Helena wird in einem Atemzug mit Blanziflor, eine Gestalt aus einer altfranzösischen Rittersage erwähnt. Konventionell, traditionell und gewaltig-archaisch die Musik und der Chor.

Die Sopranistin Kathleen Kim, Filippo Mineccia, Countertenor und der Bariton Jonathan McGovern waren die drei Solisten, wobei es Fortuna mit den Männern nicht immer gut meinte, ihnen fehlte es manchmal an Kraft. Aber bei eine Tanzfassung hört man auch die Musik anders. Kim war ziemlich gut.

Van Hoecke fuhr mit allem auf, was die römische Oper zu bieten hat, der ganz große Aufmarsch von Chor, Orchester und Ballet des Teatro dell’Opera di Roma. Am Pult David Coelman, manchmal etwas zaghaft; der Chorleiter ist Roberto Gabbiani.

Wenn man bedenkt, dass die Oper Rom im Sommer für ein paar Wochen ihr Haus aus Geldmangel schließen musste und Vorstellungen ausfielen oder nur mit Klavierbegleitung stattfanden, war das ein Teil eines ziemlich guten Neuanfanges!  

Carmina Burana_Cor.Micha van Hoecke_Un insieme,a sinistra Jonathan McGovern, a destra Kathleen Kim_©Yasuko Kageyama-Opera Roma
 Carmina Burana_Cor.Micha van Hoecke_Un insieme,a sinistra Jonathan McGovern, a destra Kathleen Kim_©Yasuko Kageyama-Opera Roma

Christa Blenk

 

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Grünes Gewölbe und die Barockmusik

P1190190 Barockkirche in Rom

Pretiosen der Dresdner Hof-Musik

Als der Kurfürst Friedrich August I (1670-1733) , auch bekannt unter dem Namen August der Starke, schließlich die behütete Schatzkammer « Das Grüne Gewölbe » im Dresdner Residenzschloss öffnen ließ, quollen prachtvolle Schätze hervor, was den  ohnehin schon passionierten Sammler dazu anspornte, unzählige Goldschmiedearbeiten anfertigen zu lassen, um diesen ungeheuren Schatz noch zu vergrößern. Die Vorliebe dieses eitlen und schillernden Herrschers für die französische Comédie war Auslöser für großartige Ausführungen.  Dresden sollte neben Venedig und Wien ein weiterer – oder besser gesagt  der – Mittelpunkt der Musik werden. Dafür brauchte er Musiker und  viel (neue) Musik, die er schon  Anfang des 18. Jahrhunderts in Form von Komponisten und Interpreten, vor allem aus Italien,  an seinen Hof holte, obwohl  die italienische Musik ihm zuerst weniger zusagte.  Als einer der ersten, kam 1717 der Venezianer Antonio Lotti, der gleich seine Frau, die  Sängerin Santa Stella mitbrachate  nach Dresden. Insgesamt sollte er drei Opern inszenieren und aufführen, hierbei unterstützte ihn das bereits vorhandene und ziemlich gut besetzte Orchester mit vielen französischen Musikern.  In der Folge kamen Johann Georg Pisendel, Johann David Heinichen und Silvius Leoold Weiss als Musiker bzw. Hof-Kapellmeister nach Sachsen; zusammen mit den ausgezeichneten Musikern bildeten sie so etwas wie ein « dream team ». Als Johann Adolf Hasse 1733 an den Hof kam, übernahm er eines der besten Orchester in Europa.

Unter dem absolutistisch und  egozentrischen August I, der zeitweise auch König von Polen war,  blühten sowohl Dresden als auch Warschau zu den prächtigsten Höfen in Europa auf und wurden zu  kulturellen und wirtschaftlichen barocken Metropolen. Große Feste à la Versaille wurden im Zwinger und in den Gärten gefeiert und nicht nur Musiker und Komponisten wie Hasse, Heinichen, Lotti, Zelenka sowie Mitglieder der Bach-Familie kamen an seinen Hof, auch Dichter, Maler, Bildhauer Philosophen, Kupferstecher und Ärzte gaben sich dort ein Stelldichein. Es wimmelte nur so von Prominenz und Kulturschaffenden.

Pedal

Für die prunkvolle  Hochzeit seines Sohnes 1719 komponierte Lotti z.B. die Opera seria Giove in Argo. Von dieser Komposition und noch vielen anderen aus dieser Glanzzeit erzählt  die CD Sonderausgabe « Das neu eröffnete musikalische Schatzkästlein – Pretiosen der Dresdner Hof-Musik ». Regelrechte, zum Teil nicht sehr bekannte, Schmankerl werden hier vorgestellt.

Antonio Lottis Sinfonia zum Melodrama Pastorale Giove in Argo entspricht mit veloce- lento- veloce der damaligen Mode einer Opernouvertüre. Diese Aufnahme ist in der Lukaskirche in Dresden 2004  – extra für diese CD – entstanden.  Komponiert wurde sie 1717 ganz im Vivaldi-Stil.  (Händel lebte zu diesem Zeitpunkt schon in London).

Das  Concerto c-Moll RV 5 hat Antonio Vivaldi um  1720 eigens für das Dresdner Orchester geschrieben. Vivaldi hatte sich gerade mit  Venedig zerstritten und lebte in Mantua, wo er in den Diensten von Philipp von Hessen-Darmstadt stand und als Opernkomponist arbeitete. Dieses Concerto ist ein unverkennbarer Vivaldi und ein Vorläufer der vier Stationen, interpretiert hier vom Ensemble Virtuosi Saxoniale unter Ludwig Güttler 1993. Dieses ausgezeichnete Dresdner Kammerorchester, das hauptsächlich aus Musikern der Dresdner Staatskapelle besteht, wurde 1985 von Ludwig Güttler ins Leben gerufen mit dem Ziel, sich hauptsächlich mit der Dresdner Hofmusik im 18. Jahrhundert zu befassen, deshalb sind auch viele der Stücke auf dieser CD aus deren Fundus. Dieses Ensemble holte Stücke von Musikern wie Johann David Heinichen oder Johann Adolf Hasse und Antonio Lotti oder Johann Joachim Quantz und Georg Benda aus der Schublade.

Eine weitere Ersteinspielung ist ein Auszug aus der Suite C-dur von Silvius Leopold Weiss (1686-1750); komponiert 1717, ein wunderbares, sehr französisches, Lautenstück.  Weiß hat vor allem Suiten und Sonaten komponiert, war am Dresdner Hof sehr angesehen und hat dann und wann auch mit Bach zusammen gearbeitet.

Dann geht es wieder frisch und fröhlich weiter mit  einer Sinfonia von Johann Georg Pisendel (1687-1755) für 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Corni, Streicher und Basso continuo – das Allegro di molto könnte auch von  einem sehr frühen Haydn oder Mozart sein. Er, Piesendel, war ein Schüler von Vivaldi und die Sinfonia B-Dur ist eines seiner Spätwerke hat aber auch sehr französischen Charakter. Auch wieder vorgetragen vom Ensemble Virtuosi Saxoniae.

Die nächste Ersteinspielung stammt aus der Feder von Johann Joachim Quantz (1698-1773), Sonate F-dur für Flöte und Cembalo. Quantz war ursprünglich Oboist und nahm erst später in Wien Kompositionsunterricht. Die Sonate, sehr geometrisch und schlicht mit Caroline Schulz an der Querflöte, entstand ebenfalls in Dresden und wurde später sogar von Pisendel für Viola und Cembalo bearbeitet.

Kaffee war eine Delikatesse, den die Türken hinterlassen hatten und Johann Sebastian Bachs Kaffee-Kantate erzählt von den Verführungen, Wünschen und Sehnsüchten ihn zu trinken. Wunderbar vorgetragen von Juliane Claus, Georg Christoph Biller und Marin Krumbiegel.

Johann David Heinichen (1683-1729) Concerto F-dur. Er hatte seine Grand Tour in Venedig absolviert befor er 1717 – auf Lebenszeit – Hofkapellmeister in Dresden wurde.

Der böhmische Komponist Jan Dismas Zelenda, einer der Interessantesten am Hof, hatte wahrscheinlich  keine italienische oder venezianische Ausbildung und hoffte, nach dem Tode von Heinichen, dessen Stelle als Kapellmeister am Hof zu bekommen, er hatte aber Hasse gegenüber das Nachsehen und durfte deshalb nur als Hofkomponist agieren und als Hof – oder Kirchenkomponist starb er 1745 in Dresden. Das war ungerecht ihm gegenüber, denn er war einer der originellsten und einfallsreichsten aber auch unkonventionellsten Komponisten seiner Zeit. Das Capriccio G-Dur ZWV 183 für 2 Corni da caccia, 2 Oboen, Streicher, Fagott und Basso continuo – auch eine Aufnahme der Virtuosi Saxionae – beweist das unbedingt. Allegro – Canarie alternativement avec l’Air – Gavotte – Rondeau – Minuetto – Trio. Sehr schön!

Zum Schluß nochmals ein Auszug aus einer weltlichen Huldigungskantate von Bach Lasst uns sorgen lasst uns wachen (Herkules auf dem Scheidewege), gesungen von Peter Schreier (Aufnahme aus 1981). Dieses dramma per musica,  nach einem Text von Picander, das 1733 in Leipzig uraufgeführt wurde, ist eine Art von Erinnerungsakt Bachs  gegenüber Friedrich August I und wurde zum 11. Geburtstag des Kurprinzen Friedrich Christian komponiert. (Teile davon können Sie im Weihnachtsoratorium wieder finden).

2006 hat Ludwig Güttler mit den Virtuosi Saxoniae eine CD « Dresden Barock » herausgebracht, die auch das Thema Musik am Hof von August des Starken aufgenommen hat.

marcello nardis napoli

 Marcello Nardis in einer (Barock)-Rolle

Christa Blenk

 

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Deus in machina – Rom

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Licht- und Musikinstallation von Laura Bianchini und Michelangelo Lupone Anfang Januar 2015 an den Trajans Märkten
 

Ewige Theaterbühne Rom

« Die  Welt  eine Bühne » (und hier in Rom wird der Satz von Shakespeare noch ergänzt mit : “und der Papst ist der Hauptdarsteller”)

Die Ewige Stadt im Gepäck: Wie Goethe, Humboldt und andere das Italienbild der Deutschen prägten.

Arnold Esch und Roberto Zapperi haben sich gestern Abend im Rahmen der Internationalen Begegnungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung – zum ersten Mal gestern im Ausland – in der Casa di Goethe über die ewige Stadt, über deren Renaissancen und über das Phänomen eines Nachlebens der Antike, wie es dazu kam und wie man damit umgegangen ist und immer noch umgehen soll/kann oder muss, ausgetauscht.

Während der Rom-Kenner und ehemalige Direktor der DHI, Arnold Esch, über europäische Gemeinsamkeiten und Rom-Erwartungen referierte und Erfahrungen bzw. Aufzeichnungen von z.B. von Niebuhr und von Bonstetten von Anfang des 19. Jahrhunderts  und vor allem vom Historiker  Gregorovius Mitte des 19. Jahrhundert weitergab –  er zitierte z.B. aus einer Vorlesung an der Uni Göttingen über praktische Hinweise für Rom-Reisende (im 19.Jahrhundert) – widmete sich der italienische Kunsthistoriker und Dichter Roberto Zapperi hauptsächlich Goethes Italienreise und vor allem Karl Philipp Moritz’  „Reisen eines Deutschen in Italien“.

Als gemeinsamer Nenner Aller  ist auf jeden Fall, die Liebe zur Antike festzuhalten. All diese Reisenden haben sich absolut nicht für das neue Rom interessiert. Alles was Rom in der Renaissance oder im Barock errungen hat, war viel zu neu und schon deshalb uninteressant oder nicht beachtenswert. Wilhelm von Humboldt war zum Beispiel ein großer Verfechter der Erhaltung der römischen Anarchie. Hier war all  das erlaubt, ja erwünscht, was er zu Hause in Berlin auf das Heftigste verurteilt hätte.

Keine Stadt macht so hochmütig als Königsberg, keine Stadt macht so demütig als Rom“ das sagte der ostpreußische Protestant Ferdinand Gregorovius, der sich nach dem Scheitern der Revolution von 1848 ins Exil nach Rom begab und hier unter anderem die wichtigste Geschichte des mittelalterlichen Roms schrieb.

Die Welt eine Bühne. Das Leben ein Auftritt. Du kommst, siehst, gehst (ab).

Die Entdeckung für mich persönlich waren die Aufzeichnungen von Moritz. Ich habe daraufhin das Buch sofort bestellt, allein die Erzählungen von einer Hinrichtung eines 20jährigen, sehr schönen Maler-Modells (vor allem der deutschen Maler), der einen Mord begangen hatte, hörte sich wie griechisches Theater pur an. Der bedauernde Henker und der mitfühlende und eine Maske tragende Tröster! Auch oder vor allem seine juristischen Beobachtungen sind genial und wenn ich  den Unterton von Zapperi richtig interpretiert habe, dann darf man  Moritz mit Goethe – jedenfalls wenn es um die Italien-Berichte geht, ruhig  in eine Reihe stellen.

Am Tiber

Am 20. November 1787 schrieb  also Carl Philipp Moritz an Philipp Seidel:

Wer aus einer Stadt hicher kömmt, wo eine strenge Polizei beobachtet wird, dem fällt es sehr sonderbar auf, daß man hier am hellen Tage mitten in der Stadt ein Pi~stol aus dem Fenster abfeuern darf.

Von Polizei findet hier nun wirklich gar keine Idee statt; ein jeder tut auf öffentlicher Straße, was ihm beliebt; und durch Zwang und Ordnung ist man wohl nicht leicht an einem Orte weniger eingeschränkt als hier.

Die unzähligen Bettler bedienen sich denn auch insbe­sondere dieser Freiheit, die öffentlichen Straßen auf alle Weise zu ihrer Bequemlichkeit zu brauchen; welches denn freilich für die feine Welt keinen angenehmen Anblick gibt und für feine Nasen kein Weihrauch ist.

Man duldet dies aber und gewöhnt sich daran, weil man es nicht wagt, dem Armen, dem man alles genommen hat, auch noch die öffentlichen Straßen zu verweigern, die er ,sich zu seiner Behausung und zu seiner Lagerstatt wählt und also auch dasjenige hier verrichten muß, was man sonst nur in seiner Wohnung tut. „

Nur bei Kardinal Ratzinger hat es nicht funktioniert, war so etwas wie der Schlußsatz, dieser, sagte Zapperi, wird von den Römern vor allem dafür bewundert, dass er zurück getreten ist.

Moderiert hat Heinrich Detering, der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Sant' Andrea della Valle Radierung: Schirin Fatemi

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Sacred Music for the Poor – CD Entdeckung

chiesa nueva Chiesa Nuova

CD-Entdeckung: Sacred Music for the Poor – Geistliche Armenmusik in Rom um 1600

La Vallicella heißt das Viertel zwischen der heute sehr eleganten und teuren Via Giulia und der Uferstraße Lungotevere Tor di Nona. In der Reformation und Gegenreformation lebte dort die ärmere und einfachere Bevölkerung und es herrschte ein ziemlich rauer Ton (da half dann der Blick auf die direkt gegenüber liegende Engelsburg und auf den Petersdom auch nicht immer!). Der Priester und spätere – gegen seinen Willen – heilig gesprochene Filippo Neri (1515-1595) siedelte gerade aus diesem Grund dort den Sitz seiner Kirche Santa Maria in Vallicella – heute bekannt als Chiesa Nuova an. Im direkt anschließenden Oratorium (das später Borromini umbauen sollte) entstand so eine Art Musikzentrum, deren Ziel es war, die frohen Botschaften auf eine andere Weise zu verbreiten. Die Aufführungen dieser Liturgien für die kleinen Leute unter den Philippinischen Brüdern erlangten großen Zuspruch und wurden immer bekannter. Alte populäre Lieder, Madrigale, Sinfonien oder Lauden aus der Renaissance- und Frührenaissance wurden hervorgeholt und die Straße wurde zum Konzert- und Beetsaal. Der römische, teilweise  geächtete, Maler Caravaggio,  pflegte sich seine Modelle aus der Vallicella zu holen. Sein großes Gemälde Die Madonna der Pilger (1606) wurde damals von der Kirche abgelehnt, weil die vor der Madonna knienden Pilger schmutzige Füße hatten und die Madonna mit ihrem ausgiebigen Dekollté viel zu attraktiv war (inoffiziell stritten sich die Kardinäle natürlich um diese Werke).

Mit viel Enthusiasmus und Arbeit gelang es dieser Sub-Gemeinde bis zu dreistimmige Werke (meistens a cappella) einzustudieren und vorzutragen und gerade diese Einfachheit ist wunderschön und attraktiv. Die Werke waren nicht immer religiösen Ursprung. Oft wurden weltliche oder pagane Lieder religiös-korrekt umgeschrieben, Nymphen wurden zu Heiligen oder Diebe zu Wohltätern. Mit der Zeit erlangte  diese Musik auch im offiziellen Rom einen Ruf und sorgte dementsprechend für Aufruhr, da das Oratorium eigentlich nur zu gewissen fest gelegten Zeiten (bei nächtlicher Stunde) aufgeführt oder gesungen werden durfte. Viele Komponisten, die nicht aus der Oberschicht stammten, fingen an, derartige Oratorien oder Lauden zu schreiben. Der Florentiner Giovanni Animuccia (der bis 1571 Kapellmeister im Petersdom war und gut mit Filippo Neri bekannt war), der Spanier  Francisco Soto de Langa (er sang von 1562 bis 1611 in der päpstlichen Kapelle) und der Römer Giovanni Francesco Anerio (ein Schüler von Palestrina) sowie Emilio de’Cavalieri und Luca Marenzio  waren einige der Hauptprotagonisten dieses Musikgenres. (Informationen stammen zum Teil aus dem umfangreichen und sehr informativen Begleitheft dieser CD).

Die CD pendelt zwischen anonymen Kompositionen und Werken von den oben erwähnten Komponisten hin und her. Deh, venitene pastori von Animuccia ist eine Art Weihnachts-Madrigal, bei der die Hirten angerufen werden, den schönen Messias aufzusuchen. Cor mio dolente e tristo von Soto de Langa (1583) hat mich an John Dowlands Musik denken lassen, die von einer zarten und sehr bewegenden anonymen Instrumental-Sinfonia (1600) abgelöst wird. Zwischendurch eine etwas jüngere Instrumentalkomposition von Johann Hieronymus Kapsberger (1640) Canario für Gitarre und Theorbe. Weiter mit einem Madrigal, das Giacomo Carissimi zugeschrieben wird Fuggi fuggi quel ben (1659); hier kann man schon die ankommende Barockmusik oder wenigstens Monteverdi hören. Als Zugabe spielen und singen sie eine neapolitanische Tarantella La santa allegrezza aus dem 18. Jahrhundert. Manche Lauden oder Madrigale werden im volkstümlichen Charakter vorgetragen, andere wieder ganz klassisch. Jede einzelne der 21 Melodien ist einzigartig.

Die CD ist eine abwechslungsreiche und sehr gelungene Zusammenstellung von geistlicher und paganer Musik aus der Zeit zwischen Renaissance und Frühbarock in Mittelitalien, vor allem Rom.

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Alessandro Quarta, der sich sonst eher mit Barockmusik befasst (wir denken an die unglaubliche Aufführung von vor zwei Monaten in Rom von Scarlattis Giuditta)  bewegt sich hier auf den Spuren von Jordi Savall. 2011 hat er mit seinem Ensemble Concerto Romano die CD Sacred Music for the Poor produziert. Diese Musik für die Armen des 16. und 17. Jahrhundert im alten Rom, die von der offiziellen Kirche vergessen wurden, ist eine wahre Kostbarkeit.

Die Sopranistinnen Monica Piccini und Lucia Napoli, die Tenöre Baltazar Zuniga, Luca Cervoni, Vincenzi Di Donato und der Bass Giacomo Farioli singen abwechselnd. Begleitet werden sie zart und diskret von den ausgezeichneten Musikern des Ensembles Paolo Perrone (Violine); Serena Bellini (Flöten); Andrea Inghisciano (Zink), Luca Marconato und Francesco Tomani (Gitarre und Theorbe); Alfonso Marin (Cello).

Der junge italienische Dirigent und Komponist Alessandro Quarta hat das Ensemble Concerto Romano 2006 gegründet; 2009 nahmen sie bereits mit großem Erfolg am Festival Tage Alter Musik in Herne teil und treten seitdem regelmäßig in Wien,  in Rom und in ganz Europa auf.

Die CD heisst: Sacred Music for the Poor at Santa Maria in Vallicella, Rome/ Populäre geistliche Musik aus der Armenkirche Roms um 1600 – Christophorus – Concerto Romano – Alessandro Quarta (aufgenommen wurde diese CD im November 2011 in der Aula Magna del Convento di S.Isidoro, Rom).

(Hinweis auf eine weitere CD von Concerto Romano und Alessandro Quarta: Luther in Rom Der Klang der Ewigen Stadt anno 1511 – ebenfalls bei Christophorus)

Christa Blenk

PS: Das Concerto Romano hat im Dezember 2014 in Rom eine wunderbare Aufführung von Scarlattis « Giuditta » präsentiert und jetzt warten wir sehnsüchtig auf diese CD!

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hier das Concerto Romano nach der Giuditta Aufführung

 

 

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Forme Immateriali – Musikskulptur von Michelangelo Lupone in der GNAM

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Elektronisch-zeitgenössischer Zauberlehrling

Walle! walle – manche Strecke – dass, zum Zwecke – Wasser fließe – und mit reichem, vollem Schwalle – zu dem Bade sich ergieße…   und weiter unten  …. schon zum zweiten Male! – Wie das Becken schwillt ! – Wie sich jede Schale – Voll mit Wasser füllt! (aus Goethe, Der Zauberlehrling)

Forme immateriali von Michelangelo Lupone. Die GNAM besitzt seit heute das erste musikalische Kunstwerk und das Publikum durfte eröffnen.

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Lupone bei der Pressekonferenz und anschließend beim Interview vor seiner
Musik-Kunst-Installation « forme immateriali »

Forme immateriali opera musicale adattive permanente.

Immaterielle Formen heißt die Musik-Skulptur, die Michelangelo Lupone für die GNAM als Auftragswerk geschaffen hat und die gestern Abend (06/02/2015) dort eingeweiht wurde. Und dort, in dieser Ruhezone im Museum, soll sie auch permanent verbleiben – in und zwischen den zwei Brunnen im  Cortile del Partigiano (ein Innenhof im Museum).

Je nach Jahreszeit und Wetterbedingung wird das Wasser in den beiden Brunnen in einer anderen Stimmlage singen oder ein anderes Instrument wird in diesem Wasser-Orchester die erste Geige spielen. Um am Leben zu bleiben, braucht diese Elemente-, Gesten- und emotionsbestimmte Skulptur Regen, Hitze, Kälte und Einflüsse bzw. Interventionen von aussen, d.h. von den Museums-Besuchern, die mit dem  Aluminium-Zauberstab das Wasser in Bewegung bringen wollen.

Metallsensoren oder Klanglinsen im Wasser verstärken den Ton, den der Museumsbesucher mit seinem Zauberstab auslöst. Dieser wird an einen Computer weitergegeben der die Fragmente, Tonsequenzen und Klangfarben  analysiert und umsetzt sie und – zusammen mit der vorgegebenen Background Musik – in eine Polyphonie verwandelt. Durch die Berührung des Wassers mit einem Aluminiumstab entstehen delikate, ständig wechselnde Formen und flüchtige Klänge oder Geschwindigkeiten mit permanent wechselnden Klangfarben und Rhythmen werden hervorgerufen. Diese Dynamik legt unendliche Variationen frei.  Kurzlebig und ephemer ist die subtile Vibration eines Wassertropfens und man muss gut aufpassen, um nichts zu verpassen. Das ständige Wechseln von Formen, Geschwindigkeiten,  Positionen, Tönen, Wellen, Rhythmen, Dynamik und Figuren eröffnet einen unendlichen  Weg von Variationen. Ruhig und langsam verläuft dieser Prozess im Winter, sagt Lupone, mal sehen was die nächsten Monate für Veränderungen hervorbringen.

Bei Wasser und Musik denken wir automatisch zuerst an Händel oder an Vivaldi. Es handelt sich hier aber nicht um eine Imitation oder um ein Nachahmen von Geräuschen oder Stimmungen  ähnlich Vivaldi oder Smetana bei den Jahreszeiten oder der Moldau. Bei Lupone führen die Zeit und die klimatischen Konditionen in Zusammenarbeit mit der Menschenhand, die den Zauberstab hält, Regie. Die unterschiedlichen Wasserströmungen in den beiden gegenüberliegenden Brunnen führen säuselnde Gespräche oder diskutieren lautstark.

Der italienische Musiker und Komponist Michelangelo Lupone ist hier zum darstellenden Künstler geworden und deshalb heißt die Premiere auch Vernissage. Lupone wird aber auch zum Hexenmeister oder Magier und seine Kompositions-Skulptur bringt ständig neue Melodien hervor und ändert eigenständig die Partitur. Kein Ton ist – jedenfalls bewusst – nachvollziehbar oder wiederholbar. Jeder Protagonist gibt seine eigene Energie, Zurückhaltung, Sensibilität oder Aggression über den Stab ans Wasser ab und dementsprechend konnte man an diesem Abend sehen, wie unterschiedlich jeder neue Initiation eines Zauberlehrlings vonstatten ging. Der Meister führte es uns vor und ging dann weg. Der Innenhof des Partigiano in der GNAM ist somit zum Konzertsaal geworden. Lupone und Bianchini haben Ähnliches schon  vor vier Wochen an den Trajans Märkten mit ihrer Performance ludi multifonici unter Beweis gestellt.

Vor 27 Jahren hat Lupone mit der Komponistin Laura Bianchini das CRM (Centro Ricerche Musicali) gegründet und seit dieser Zeit arbeiten sie – eigentlich wie Wissenschaftler – daran, Musik (Klang) mit Wissenschaft mit Poesie zu verbinden. Musik kann man weder riechen, noch sehen noch spüren, aber sie kann zu Wasser werden, sagte Prof. Sandro Cappelletto vor der Einweihung.

Lupone selber erzählte von der großen Herausforderung und der Begeisterung, dieses Auftragswerk zu realisieren. Die Idee war, das Museum um ein akustisches Kunstwerk  zu bereichern, das die Atmosphäre in seinen Räumen aufnimmt oder unterstützt und das Publikum interaktiv mit einbezieht. Die GNAM hat somit die erste musikalische „site specific“ Skulptur in Italien oder vielleicht sogar überhaupt.

Kuratiert wurde diese Produktion des Centro Ricerche Musicale (CRM) für die Galleria Nazionale d’Arte Moderna (GNAM) von Martina De Luca. Organisiert und Koordiniert von der Direktorin des CRM, Laura Bianchini.

Christa Blenk

weitere Installationen oder Performances von Michelangelo Lupone oder Laura Bianchini

Feed Drum

Über eine weitere Performance im Sommer 2014 hat KE schon berichtet. 

 

 

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Speaking Drums

eötvös und grubinger nachdem Konzert Speaking Drums – Eötvös und Grubinger nach dem Konzert

Auditorium – Parco della Musica – Sala Santa Cecilia – 31/1/2015

Speaking Drums

Gestern Abend hat der ungarische Dirigent und Komponist Peter Eötvös das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia geleitet und dem römischen Publikum sein Perkussions-opus „Speaking Drums“ – Vier Gedichte für Solo-Schlagzeuger und Orchester nach Texten von Sándor Weöres vorgestellt. Begleitet dabei hat ihn der junge Österreicher Martin Grubinger.

22 Minuten dauert diese Perkussion-Theater-Show und wie der Titel schon ankündigt, wird dazu auch gesprochen. Sieben unterschiedliche Schlagzeug-Kombinationen sind vor dem (kleinen) Orchester aufgebaut. Zwischen diesen, schrille Schreie von sich gebend, turnt der Grubinger virtuos hin- und her. Es hört sich an wie eine Mischung aus geister beschwörendem Voodoo-Kriegsgeschrei und die Performances einer Maori-Rugby Mannschaft, wenn die ihre Gegner schon vor dem Spiel mit Gebrüll fertig machen wollen. Gebannt schauen wir auf die Bühne, ob Grubinger die Musiker (oder das Publikum) evtl. auch noch physisch angreifen wird. Jeder Satz lässt Spielraum für Improvisationen. Für das Publikum allerdings nicht erkennbar, was Partition und was Improvisation ist – wahrscheinlich für Grubinger auch nicht, denn er geht voll darin auf.

Dance Song heißt der erste Satz und Grubinger schreit den rhythmischen Pattern angepasst  Wörter (4, 3, 2, 1-silbig) wie Panyigai – Kudora – Kotta – Ü und beendet dieses  mit einem Glockenspiel und japanischen Trommeln. Das Orchester antwortet harmonisch und transparent und fast unauffällig. Der zweite Teil trägt den Namen Nonsense Songs. Hier bearbeitete Eötvös Teile von Kriegsgedichten von Weöres (barbarisches Lied heißt eines) und es fehlt nur noch das Messer zwischen den Zähnen bis es dann eine Zeitlang  ruhiger wird.  Hier brüllt er die Wörter Naur und Glainre und das Orchester antwortet mit einem gesprochenen, friedlichen Jamam. Der dritte Satz ist eine Passacaglia, als siebenteilige Suite aufgebaut (Entrée, Saltarello, Bourrée, Passepied, Gigue, Allemande, Finale) und basiert zum Teil auf Versen des indischen mittelalterlichen Dichters, Jayadeva. Die etwas schleppenden Rhythmen werden hier vom Wort Harir und vom Brüllen eines Löwen begleitet. Der dritte Teil ist sehr Marimba-lastig (auf ihr ist Martin Grubinger der Großmeister) und unterbricht sich selber (oder war es gleichzeitig?) von einer Art schnellem Rap-Gespräch Lalitala vangala tápari sílana kómala malaja szamiré. Die Gigue ist eine Form von Charleston Duett mit Trompete, wozu der Trompeter aus dem Orchester zu ihm nach vorne gerannt kam, wieder abzog um Platz für zwei weitere Musiker zu machen, die ihm Pfannen und eine Art große Thermoskanne hinhielten, auf die Grubinger dann einschlug. Begleitet wieder vom Orchester und den traditionellen Perkussionsinstrumenten hinter den Musikern. Tam-Tam, Holz, Finale, Ende, Applaus und begeisterter Jubel!

Peter Eötvös (*1944) hat dieses Werk 2012 als Auftragswerk für die Stiftung Prinz Pierre von Monaco komponiert; es wurde 2013 in Monte Carlo uraufgeführt mit Andrey Boreyko am Pult und Daniel Ciampolini an der Perkussionsinstallation.

Der Salzburger Martin Grubinger (*1983) gehört spätestens seit dem vierstündigen Perkussionsmarathon The Percussive Planet (2010) zu den Schlagzeug-Stars. Er hat sich gestern voll ausgetobt und viel Spaß dabei gehabt und sicher 2 Kilo abgenommen.

Als Begleitprogramm gab es ein zartes 13 Minuten Stück von György Ligeti  Melodien, komponiert 1971 als Auftragswerk der Stadt Nürnberg zum 500. Geburtstag von Albert Dürer (1471-1528); eine eher langweilige, aber umso amerikanischere Komposition von Charles Ives (1874-1954) Three Places in New England, das dieser in Gedanken an die miniberockten US girls bei der  Parade zum 4. Juli (US Nationalfeiertag) komponiert hat  und George Gershwins (1898-1937) Dauerbrenner An American in Paris. Komponiert schon 1928 aber seit Vincente Minellis gleichnamigen Film von 1951 in aller Ohren und Munde. Es ließ sich nicht vermeiden, hier in Gedanken Gene Kelly und Leslie Caron durch die Straßen von Paris schweben zu sehen. Schöner wuchtiger Ausklang.

Christa Blenk

Auditorium 002 Sala Santa Cecilia

 

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A cento metri cominica il bosco (versione italiana)

 

Giancarlo Schiaffini und Silvia Schiavoni erklären ihr ProjektGiancarlo Schiaffini e Silvia Schiavoni parlano del loro progetto nello studio della RAI

A cento metri  cominica il bosco

Guerra, memoria, natura

Lo studio della RAI si trova in Via Asiago, quartiere Prati, a Roma. Asiago è soprattutto una località in Veneto che è stata rasa al suolo nella prima guerra mondiale. La cosiddetta linea delle dolomiti, attraversava sette comuni, gli abitanti dei quali furono costretti ad allontanarsi. Nella loro nuova “patria”, la pianura padana, gli era stato vietato di esprimersi nella loro lingua madre, un’ idioma derivante dal tedesco. La maggioranza di loro, dopo la guerra, non tornò più a casa e così questa lingua si è quasi persa. Lo scrittore Mario Rigoni Stern, che era nato nel 1921 ad Asiago e che lì vi morì nel 2008, è stato uno dei rari autori che inseriva nelle sue opere letterarie alcune parole o frammenti di questa lingua.

Asiago è uno dei sette comuni nei quali è stato parlato il cimbro, una lingua tradizionale di alto tedesco, una variante del bavarese. Fino al diciottesimo secolo era lingua ufficiale e lingua ecclesiastica. Oggi sono appena 1000 persone che parlano ancora tale lingua.

Nel 2008 Silvia Schiavoni e Giancarlo Schiaffini hanno concepito la Cantata grandiosa e sensibile, in memoria di Asiago, di Rigoni Stern e della Prima Guerra Mondiale. Una fusione tra orchestra (ottoni, violoncello e percussioni), canti, Sprechgesang e video. Uno spettacolo con immagini, come loro stesso lo chiamano.

Palle Odar Spete de Leute Allesamont

Sterben – Sterben – Sterben

Giancarlo Schiaffini dirige l’orchestra Phantabrass, mentre sullo sfondo scorrono delle foto d’archivio, funeste, piene d’angoscia. E’ anche sua la musica che Silvia Schiavone interpreta oggi, cantando e declamando. Trincee e feriti, alpini che marciano attraverso le montagne innevate, lasciando orme nere sulla neve, ritagli di giornali che annunciano l’inizio della guerra, il manifesto futurista, dipinti di Giacomo Balla, Boccioni o Otto Dix, xilografie drammatiche, una carta geografica di Trieste che ricorda l’eterno dramma del Mitteleuropa, a volte intervallate invece d’immagini serene e pacifiche della natura, poi di nuovo treni strapieni, bombe che cadono, madri che salutano piangendo…in breve: la guerra e il desiderio di pace.

“Come madre si serve solo per piangere” lamenta Silvia Schiavoni. Ha adeguato vari testi di Mario Rigoni Stern, Ugo Betti, Gabriele d’Annunzio, Robert Musil, Giovanni Papini per il suo Sprechgesang schönberghiano, intercalato da un Lied di Brecht e da suoni onomatopeici, fino a quando quasi piange e commenta con delle accuse.

Normalmente, per una tale mole d’immagini e suoni, ci sarebbe stato bisogno di almeno tre cantanti sul palcoscenico. Silvia Schiavone, piena di temperamento e con molte sfumature attraversa senza fatica le ottave. E quando la musica di Schiaffini muta improvvisamente in una marcia funebre stile New Orleans, la segue anche in questa circostanza senza alcuna fatica.

Improvvisamente Schiaffini si gira e prende un trombone per accompagnare i soldati morenti sullo sfondo con un lamento commovente. Lotta e morte, speranza e rassegnazione si alternano. “Soldati marciano attraverso la città” e Silvia Schiavone riesce addirittura di marciarci insieme con la sua voce raffinata.

“La casa la rifaremo”

Avevamo la grande fortuna di esserci nello studio di RAI-3, ma la diretta è anche stata trasmessa in streaming.

Viadeoloch Asiago ha assemblato le immagini sullo sfondo. Luca Calabrese, Flavio Davanzo, Alberto Mandarini, Martin Mayes, Lauro Rossi, Sebi Tramontana, Massimo Zanotti e Beppe Caruso ai vari ottoni, Giovanni Maier al violoncello e Luca Colussi alle percussioni.

Il compositore e musicista italiano Giancarlo Schiaffini (nato 1942) dirigeva. E’ anche molto noto come trombonista del modern creative Jazz e della musica Nuova. Già da 40 anni fa parte dell’avanguardia di primo piano della musica contemporanea in Italia. Schiaffini in realtà è un fisico e ha iniziato la sua carriera musicale come autodidatta in un gruppo di Fee Jazz. Nel 1970 ha partecipato ai corsi estivi a Darmstadt e lì si era iscritto per i corsi di Stockhausen e Ligety. Dopodiché ha fondato il gruppo sperimentale di musica da camera Nuove Forme Sonore e il gruppo Romano di Ottone che oltre alla musica contemporanea suonava anche musica rinascimentale. Seguiva un periodo di studio della musica elettronica e nel 1983 si è aggregato alla Nuova Consonanza e ha iniziato con la nuova musica d’improvvisazione. Luciano Berio e Luigi Nono fanno tra l’altro parte del suo repertorio e con loro lavorava anche a stretto contatto. Nel 2000 è stato a Monaco di Baviera Composer in Residente presso il Composers & Improvisers Forum.

 E poi Silvia Schiavoni: nella scena romana è lei la star della musica elettronica contemporanea. La prima volta che l’abbiamo vista, ci ha impressionati con una performance di musica di John Cage in occasione del Romaneuropa Festival. Qui è stata ancora più intensa ed impressionante, grazie alla sua attività di cooperazione al progetto e si avverte la sua partecipazione emotiva alla storia. E’ romana, ha studiato letteratura, è esperta di Shakespeare e traduttrice di lingua inglese. E’ molto attiva nel lavoro del Centro Ricerche Musicali  (CRM) e lavora con tutti i compositori contemporanei qui presenti, come Santoboni o Battistelli.

Con il BIS ha dimostrato che regge il paragone con Ella Fitzgerald, quando ha cantato a pieni polmoni e anche danzato un brano di Gershwin, adattato da Schiaffini “embraceable you”.

Raramente abbiamo visto qualcosa di così sconvolgente ed emozionante. Geniale!!

tradotto da Brigitte Mayer

und hier zur Originalversion in deutscher Sprache

Christa Blenk

phantabrass-mit Schiaffini und Schiavoni

 

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Gisela! Oder: die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks

gisela3

« Gisela! oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks“

Augenzwinkernder, testamentarischer Abschiedsstreich!

Oper, sagte Henze, ist eine besonders künstliche Kunstform, bei der nichts den Tatsachen entspricht und die Musik für die Glaubwürdigkeit auch der seltamsten und ungewöhnlichsten Seelenzustände geradestehen muss. Sie muss ihre Hörer betören, verzaubern, verschrecken, beschwören, verführen, unterhalten, bei der Hand nehmen und in nächtliche Zaubergärten einlassen oder in gleissendes Tageslicht stoßen (aus Reisebilder und Böhmische Quinten). Dann sagt er weiter: « meine Musik lebt von ihren Widersprüchen, steckt voller Dornengestrüpp, Stacheln und Unannehmlichkeiten. Sie ist giftig wie Schlangenbisse, ihre Umarmungen können gefährlich werden, sich als Betrug Herausstellungen, den Erwartungen nicht entsprechen (das schrieb er 1991). 

Das großartige Teatro Massimo in Palermo hat die Saison 2015 mit Hans Werner Henzes « Gisela! oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks“ eröffnet. Dieses „Musiktheaterstück für Sänger, Mimen, Ballett, kleinen gemischten Chor und Instrumente ist Henzes letztes großes Werk. Er hat es ganz bewusst nicht „Oper“ genannt. Zur Mozarts Zeiten hätte es die Bezeichnung „Singspiel“ bekommen. Ein großes und humorvoll-besinnliches Abschiedsgeschenk. 

Der Vorhang ist noch zu und doch beginnt beim Reingehen schon das Rätseln. Soll das ein weißer Vesuv sein oder eine Art mutiertes Riesenei? Jedenfalls bricht es plötzlich auf und Pulcinella (Gennaro) schießt heraus, um sich  in italienischer Sprache (der Rest des Werkes wurde natürlich in deutscher Sprache aufgeführt) dem Publikum vorzustellen. Dann hebt sich der Vorhang und die Reisegruppe aus Oberhausen kann am Bahnhof in Neapel ankommen. Sie sind gut gelaunt und tragen Sommerkleidung. Der Reiseleiter Gennaro, unser Pulcinella in geklonter, vielfacher Ausfertigung, begrüßt die Gruppe und bietet seine Dienste an. Gisela (man bemerke das Ausrufezeichen im Titel) mit ihren schönen hochhackigen roten Schuhen will dann auch gleich ins Nationalmuseum und Angelikas Kaufmanns Bilder bestaunen. Während der Vulkanologe Hanspeter Schluckebier, bieder, deutsch, ernst, gewissenhaft, mit grüner Jeans und Jackett sich schon auf den Vesuv freut, um ihn, in Humboldt-Manier, gründlich zu erforschen fiebern die restlichen Mitreisenden in Vorfreude dem Trip zur Amalfiküste entgegen. „Nicht weit von hier ist der Parsifal entstanden.  Richard Wagner war glücklich in Ravello“!. Allgemeinplätze werden verkündet und verbreitet und, ähnlich wie bei den Personen der Commedia dell’Arte, vermischen sich Realität mit Fiktion genau so schnell, wie man die schwarze Augenmaske aufsetzen und wieder abnehmen kann. 

Aber zuerst führen uns Henze und Dante zu einer neapolitanischen Prozession und gleich im Anschluss zu einem neapolitanischen Spektakel mit Tanz und Klamauk, eine Parodie à la Laurel und Hardy, bei der nicht nur die roten Kostüme eine Hommage an Strawinkys „Sacré du Printemps“ verkünden. Gisela und Gennaro kommen sich näher und Hanspeter wird eifersüchtig,  symbolisiert  mit gelben Rosenstöcken. Diese Szene ist herrlich und sieht so leicht und spritzig aus wie sie, laut Gennaro/Pulcinella Marcello Nardis schwierig für die Sänger war. Hunderte von diesen, fast personengroßen Rosenstöcken werden vom Pulcinella-Stamm so bewegt, dass sie zuerst den Weg von Gisela ins Glück markieren, dann zwei getrennte Zimmer andeuten, in denen die beiden  sich zur Ruhe legen können, bis die  frisch Verliebten gemeinsam die Blumenmauer einreissen und sich vereinen. Gennaros (wetterbedingte) Bedenken mit Gisela nach Oberhausen zu gehen, wischt sie kurzerhand weg „bei uns regnet es zwar oft, aber jeder hat einen Regenschirm!“  Dem kann er natürlich nichts mehr entgegensetzen. Derweil Hanspeter immer noch an die bevorstehende Hochzeit mit Gisela denkt und die Menü-Vorbereitungen anlaufen, verkündet eine andere Reiseteilnehmerin, dass Gisela und Gennaro abgereist seien. Ist es Traum oder Wirklichkeit! Der erste Akt endet grau in grau und die beiden Liebenden tanzen in grauen Trench gekleidet unter zwei grauen Regenschirmen und von der farbenprächtigen Neapelstimmung bleiben nur noch Giselas rote Schuhe und die Musik!

« Dem heiligen Januarius, durch das Wunder seines Blutes vor Hunger, Krieg, Pest und dem Feuer des Vesuvs gerettet, Neapel, seinem Mitbürger, Patron, Beschützer. » (Spruch im Dom)

Im zweiten Akt wird diese Graustimmung fortgesetzt und weist uns und die Protagonisten den  merk- und denkwürdigen Weg zum Glück und so etwas geht natürlich nur im Traum! Ironische Tutu-Balletteinlagen purzeln durch eine farbige Grimmsche Märchenwelt. Die sieben Zwerge beschützen Schneewittchen vor der bösen mann-artigen Königin, bis dann ein Jäger auftaucht und nacheinander alle bedroht, das Gewehr ständig den Besitzer wechselt und der Traum kurzzeitig zum Alptraum wird, oder sind wir vielleicht doch im Ruhrgebiet? Ein beklemmend-fröhliches Durcheinander, wie es nur in einer Scheinwelt existieren kann inklusive dem erleichterten Erwachen. Dann ist der Traum anscheinend zu Ende (oder auch nicht) und  man legt wieder die hell-fröhlichen Commedia dell’Arte- Gewänder, die ein wenig an Derwische erinnern, an. Oberhausener Regenschirme und Grau verschwinden und „Frei und glücklich“ bewegt sich das deutsch-italienische Paar Hand in Hand auf den feurigen Vesuv zu, der mittlerweile im Hintergrund rumort. „Oh, du schöner Vesuv, du bist Zeuge: Freiheit und Tugend werden immer mit uns sein“. Gennaro scheint aber Neapel dann doch nicht vor dem Ausbruch bewahrt zu haben. Ein Happy End ist es allemal, sonst hätte Henze ja nicht auf die merk- und denkwürdigen Wege zum Glück verwiesen. Emma Dante hat das jedenfalls verstanden. 

michael und Marcello ein sichtlich gerührter Michael Kerstan (er hat zusammen mit Christian Lehnert das Libretto geschrieben)  mit dem « Gennero »-Darsteller  Marcello Nardis bei der Generalprobe (Foto: Claudia Bilotti Augsdörfer)

Während der erste Akt spritzig, schnell und leidenschaftlich ist, wird die Musik im zweiten Akt langsamer, auch ernster und ist nun mehr denn je gespickt mit meisterhaften Referenzen an alle Komponisten, die für Henzes Musik und Leben wichtig waren. Immer wieder Bach-Zitate, unterbrochen von Mozart, Hindemith, Mahler, Strawinsky, ja sogar Wagner und neapolitanischer Volksmusik und natürlich Rückblicke auf sein eigenes so umfangreiches Werk.

In Neapel war er glücklich und noch als 70-jähriger schreibt Henze, wie sehr er die Neapelzeit vermisse. Das Ende ist der Anfang und der Beginn der Suche nach dem Glück. Henze der Romantiker, er hat nach schwerer Krankheit 2006/2007 nochmals 3 wichtige Werke geschrieben – unglaublich!

„Gisela“ ist ein großes zitatenreiches und symbolisches Abschiedsgeschenk aber nicht unbedingt ein Alterswerk, gedacht für junge Musiker und Sänger. Die romantische und sensible Kunststudentin Gisela Geldmaier ist sicher ein Gedanke an Henzes beste Freundin, Ingeborg Bachmann, mit der er lange Jahre in Neapel lebte. Gisela Geldmaier kommt aus Oberhausen, das liegt  um die Ecke seines Geburtsortes und seine Mutter hieß mit Mädchennamen Geldmacher.  Vielleicht war es aber auch eine Hommage an Margot Fonteyn, die Henze verehrte und die er zum ersten Mal in „Giselle“ in den 50er Jahren hat Tanzen sehen. Giselas Verlobter heißt Hanspeter, fast so wie er selber. Hanspeter ist ein gewissenhafter und akkurater Westfale, eher schüchtern im Umgang, wie Henze sein Leben lang unter einem Provinzkomplex (seine Worte) gelitten hat. Gennaro ist der Schutzheilige von Neapel, nur er kann verhindern, dass der Vesuv wieder ausbricht (was er laut Emma Dante dann aber doch tut!). Er ist draufgängerisch, hitzig und wahrscheinlich eher oberflächlich. Die beiden sind so gegensätzlich wie es das grau-schwarze Oberhausen im Vergleich zum stürmischen Vulkanausbruch eines Vesuv nur sein kann.

Henze war in den 50er Jahren selber auf  einer merk- und denkwürdigen Suche nach dem Glück und vor allem auf der Suche nach seiner Musik, nachdem er sich den Dogmen der Darmstädter Ferienkurse nicht unterwerfen wollte. In Deutschland konnte er weder atmen noch seinen späteren  „Henze-Stil“ finden. Er wurde von Stockhausen gemieden und Luigi Nono (Gigi), den er verehrte und respektierte, verließ bei der Premiere zu « Elegy for Young Lovers » das Theater schon vor der Pause (Henze berichtet darüber in seinen « Reisebildern und Böhmische Quinten »).  Schon 1953 kam er auch deshalb  nach Ischia wo er u.a. auf das Paar Wystan Hugh Auden und Chester Kallmann, mit denen er später einige Projekte durchführen würde, traf. 1956 zog er nach Neapel und schrieb fast leidenschaftliche Briefe an die Bachmann, um sie nach Neapel zu holen (wie am 15. April 1957 ein Telegramm „BITTE DICH ZU KOMMEN AUCH NUR FUER WENIGE TAGE = HANS“). Anfang der 60er Jahre ging er schließlich mit seinem langjährigen Partner Fausto nach Rom und ließ sich definitiv in Marino, in den Albaner Bergen, in der Nähe von Nemi, nieder (hier sollte später, 2006,  seine Phädra eine wichtige Rolle bekommen).

Emma Dante hat ihn verstanden und ging sehr frei und kreativ mit dem Libretto um. Sie ist in Palermo geboren und aufgewachsen. Die Mütze von Pulcinella/Gennaro sieht aus wie das Füllhorn im Oratorio di San Lorenzo oder wie ein Teil der Dachdekoration der Kirche des Hl. Giovanni. Alles greift ineinander über und alles ist im allem verbunden.

1950, in Wiesbaden, arbeitete Henze an einem Stück von Moliere « Jack Pudding ». Es kam nie zur Aufführung, erst 1995  holte er es wieder hervor, machte aus dem Pierrot einen Pulcinella, verlegte die Geschichte in die farbige und leidenschaftliche Welt von Neapel und nannte es « Pulcinella alla ricerca della Fortuna per le strade die Napoli » (Pulcinella auf der Suche nach dem Glück in den Straßen von Neapel) - ist die Gisela vielleicht hieraus entstanden? Pulcinella und Schluckebier, allein schon die Namen sprechen von seinen beiden Seelen, der westfälischen und der italienischen. In Neapel war er sehr glücklich und dort lässt er nun sein letztes Werk spielen.

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Das Libretto haben Christian Lehnert und Michael Kerstan geschrieben.  Die außergewöhnliche Akkustik in diesem  Theaters unterstrich nochmals das Können der Sänger und das Publikum  wurde von der Euphorie, die die Protagonisten untereinander hatten, angesteckt. Constantin Trinks hat das Hausorchester und die Solisten wunderbar durch diesen bunten seltsamen Traum geführt. Vanessa Goikoetxea (wir haben sie gesehen und sie war zauberhaft, verträumt und doch entschieden und bewegte sich mit großer Grazie in ihren hochhackigen roten Schuhen) und Arianna Vendittelli sangen Gisela, Lucio Gallo  und Szymon Komasa waren Hanspeter und Gennaro Esposito wurde abwechselnd von Roberto De Biasio (im Bild – auch er war ein verführerischer und charmanter Pulcinello-Reiseleiter) und Marcello Nardis gesungen. Das sind dann auch schon die drei Hauptpersonen, die allerdings so gut wie immer präsent sind (vor allem Gisela und Gennaro). Die originellen Kostüme hat Vanessa Sannino entworfen, die Choreografie Sabino Civilleri und Manuela Lo Sicco. 

„Genau so hätte der Maestro sich seine Gisela gewünscht!“   Diesen Satz gab einer der Librettisten, Michael Kerstan, nach der Generalprobe von sich.

Als gemeinsames Auftragswerk der Ruhrtriennale und der Semperoper Dresden wurde Gisela 2010 kurz hintereinander in unterschiedlichen Versionen aufgeführt. Der damals 84jährige Henze hat für die Dresdner-Version  noch am Tag der Premiere per Email Änderungen geschickt! Typisch für Henze, der im Laufe seines Lebens, sehr oft ein Stück wieder und wieder umgeschrieben hat. 

Das Teatro Massimo in Palermo, das übrigens die drittgrößte Bühne aller europäischen Theater hat und die beste Akkustik aufgrund einer Konstruktion der Bühne, die dem Maul einer griechischen Theatermaske entspricht,  hat sich nun daran gewagt und ist stolz darauf, hat doch der Maestro den Großteil seines Lebens im Süden von Italien verbracht. 

Schade ist nur, dass man diese Version nicht ein wenig auf die Reise schicken kann! Es kommt einer Verschwendung gleich, diese Ideen und Einfälle wieder wegzusperren.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

Nachklapp: Am nächsten Morgen hatten wir dann das große Glück und wurden vom Stage Director Ludovico Rajata durch das Theater geführt und konnten beim Abbau von « Gisela » ein wenig – fast bedauernd es nicht nochmals sehen zu können - dabei sein.

abbau giselaHier sieht man noch den Verlobungskuchen (der ja nicht gegessen wurde weil die Verlobung nicht stattgefunden hat) und im Hintergrund die religiösen Prozessionsfiguren, mit denen am Anfang des Singspiels die  ankommenden Ruhrgebietler gleich mit dem religiös-paganen Neapel konfrontiert wurden. Der ganze Zauber dieses Opernhauses sprang hier auf uns über als auf der einen Seite « Gisela » verschwand und im nächsten Raum schon für die nächste Veranstaltung geprobt wurde oder die Tänzer für Orpheus und Euridice von Gluck probten (es wirde Ende Februar aufgeführt). Treppen rauf, Treppen runten kommen wir in den Keller und dann in die Königsloge. Dank an den Stage Direktor Ludovico Rajata, der uns netterweise durch das Theater geführt hat.

 Reisebericht

 

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Arteinmemoria8

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Auf dem Weg zur Ausstellung

Zum achten Mal findet seit heute die Biennale Zeitgenössischer Kunst in den Ruinen der Synagoge in Ostia Antica statt.

 

P1200890 “Sinergia” Stih & Schnock

Man muss sich diesen Besuch erarbeiten oder ergehen, da sich die verbleibenden Reste der Synagoge am hinteren Ende, d.h. ca. 1,5 km vom Haupteingang dieser archäologischen Anlage entfert, befinden. Manchmal vermisst man eine notwendige Infotafel, kommt aber dann gleich wieder auf den richtigen Weg, obwohl der Wächter am Einfang uns lieber mit dem Shuttle geschickt hätte, der aber grad nicht da war. Dabei kann man sich gar kein schöneres Annähern vorstellen, als über den Decumanus Maximum.

Die bis jetzt dort installierten Kunstwerke integrieren sich so perfekt in ihr Umfeld, dass man sie nicht immer gleich als solche erkennen kann. Man muss sich mit Ihnen auseinandersetzten.  Die « Gheniza per Ostia », die Michael Rakowitz 2013 dort zwischen Steinen und Pinien gepflanzt hat, entpuppt sich erst beim zweiten Hinsehen als Kunstwerk! Ähnlich ging es uns mit der Stella Polare.

Dieses Jahr kamen Werke von Ludovica Carbotta, Enrico Castellani und von den deutschen Künstlern Stih & Schnock dazu.

Der US Künstler Sol Lewitt hat 2002 das erste Objekt dort errichtet: Die runde Halbmauer aus dem rötlichen Ton der Ruinen ist perfekt integriert. Diese Mauer sowie der Ziegelbaumwald des portugiesischen Künstlers Pedro Cabrita Reis, sind die interessantestes Werke.

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Sol Lewitt (Untitled, 2002); vorne Michael Rakowitz 2013); dahinter Ziegelbaumwald von Pedro Cabrita Reis (Untitled, 2005); Liliana Moro (Stella Polare, 2011)

P1200895 Mosaik mit einem Salomon-Knoten

1961 hat man am Rande dieser Archäologischen Anlage  die Synagoge entdeckt – schon außerhalb der Stadtmauern. Im ersten 1. Jahrhundert n.Chr. (noch bevor das ursprünglich als Militärlager gedachte Ostia entstand) wurde sie errichtet und das macht sie zu einem der ältesten bekannten Bethäuser der jüdischen Diaspora. Die Backstube, der Betplatz  und das Bad sind  ziemlich gut zu erkennen und man sieht noch einige intakte Mosaike, wie das mit dem Salomon-Knoten. Der Rest ist im nahe gelegenen Museum zu besichtigen.

(Bemerkenswert ist übrigens auch die Entdeckung durch das Deutsche Archäologische Institut Ende der 90er Jahre einer Kirche oder Basilika, es handelt sich hierbei wahrscheinlich umd ie Bischofskirche von Ostia aus dem 4. Jahrhundert.)

In Ostia sollen zeitweise bis zu 100 000 Leute gelebt haben; allein das Amphitheater fasste an die 4000 Besucher. Die Anlage ist nach Pompeji und Herculanum eine der am besten  erhaltenen.

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vorne: Ludovica Carbotta « Plenum » 2015, im Hintergrund « Fuor di Metafora » von Enrico Castellani (2015)
 

Die Kunsthistorikerin Adachiara Zevi kuratierte diese Ausstellung und hat das Projekt 2002  in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut Rom und der Casa della Memoria e Historia, Rom ins Leben gerufen. Die Ausstellung läuft noch bis Mitte April, wobei einige Arbeiten permanent dort verbleiben. Arteinmemoria è un progetto curato da Adachiara Zevi.

mehr:

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Fiorenzo Zaffina

P1200825P1200857mauerstück
Kunstwerk und römische Mauer (Muro torto) – Trastevere

Italienischer Künstler – zwischen Konzeptkunst und Popskulptur

Fiorenzo Zaffina kommt aus Kalabrien, aber wenn man durch Rom spaziert, sieht man seine Werke überall. Mittlerweile lebt er in Rom, im Herzen von San Lorenzo hat er stein Studie. Zaffina ist Architekt und Journalist und war jahrelang künstlerischer Direktor von l’Espresso. In seinem Atelier in San Lorenzo spürt man den Zwang zur Ordnung, den ein Architekt braucht. Umso beeindruckender ist es, dass er baut und zerstört. Zaffina legt Mauern frei, d.h. seine Kunstwerke sind gerade das, was den Mauern nach der Bearbeitung fehlt.  Sie sind lebendige Abbilder seiner Stadt Rom.

P1200826 P1200831 Die Skulptur rechts heisst Yoga und stellt einen Yogaturner dar, der aus Yoga-Saftkonserven (die er vorher alle trinken musste) hergestellt ist (auf dem Bild die römische Künstlerlin und Expertin für Radierungen an der Kunstakademie Rom,  Anna Romanello und Jean Noel)

Zaffina hat viele Preise gewonnen und an unzähligen Biennalen in Italien teilgenommen.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk aufgenommen in seinem Atelier in San Lorenzo

 

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Cristina Crespo – Garten der tanzenden Musen

Im Atelier von Cristina Crespo

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Artikel über Cristina Crespo auf KULTURA EXTRA

 

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Christa Blenk

 

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Ludi multifonici – Klang-Licht-Installation

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Finale Ludi Multifonici

 

Vom Frühbarock zur elektronischen Musik

Laura Bianchini und Michelangelo Lupone haben zum Jahresbeginn die Trajansmärkte mit einer Licht-Klang-Installation in ein anderes Licht gerückt. Schauplatz sind die Trajansmärkte in der römischen Altstadt. Gespielt wurden jeweils kurze Stück von  Komponisten, die in Rom gelebt haben, angefangen vom römischen Frühbarock über Corelli, Händel, Mozart, Mendelssohn-Bartholdy, Berlioz, Puccini, Debussy bis zur elektronischen Musik von Bianchini und Lupone. Die Überleitung von einem Stück zum anderen wurde mit ein paar Takten elektronischer Musik von den beiden italienischen Komponisten Lupone und Bianchini angedeutet. Wobei die elektronischen Sequenzen immer länger wurden bis es keine Unterbrechung mit der Klassik mehr gab.  Die letzten Minuten tanzten dann, bewegt von den elektronischen Tönen, die Noten in verschiedenen Farben über die die Vorderfront der Trajans-Märkte, bis sie sich im Turm der dahinter liegenden Kirche sammelten und dann – direkt neben dem Vollmond, der passender Weise pünktlich erschien – als Licht-Klang-Feuerwerk in den Himmel stiegen. Aus! Dieses letzte und prächtigste Kaiserforum, das der damalige Stararchitekt Apollodor von Damaskus 107 n.C. erbaute, bekam durch die abwechselnden Lichtprojektionen eine neue, interessante Dimension und Tiefenperspektive. Es wirkte noch größer und beeindruckender. Ein ästhetisch und akustisch beeindruckendes  Erlebnis. Die klare kalte Nacht war ein perfekter Begleiter für dieses „astrale“ Kunstwerk, das man von den Fori Imperiali oder von der Via Alessandrina aus perfekt und in aller Ruhe nachverfolgen konnte. Sehr interessant die Erfahrung, wie sehr die elektronische-zeitgenössische Musik  ein Kind der Barockmusik ist. Manchmal brauchte man ein paar Sekunden um zu merken, dass der Musikstil sich geändert hatte und dann ging es auch schon wieder mit einer Puccini-Arie weiter. Im Rahmen der „Feste de Roma“ haben die beiden zeitgenössischen Komponisten Laura Bianchini und Michelangelo Lupone dieses Happening konzipiert und ausgearbeitet, organisiert und realisiert mit  Holophonen wurde es durch das CRM (Centro Ricerche Musicali) in Zusammenarbeit mit Roma Capitale. Die Künstlerin Sivia Lanzalone hat  das Licht-Design entworfen. Projektassistenz unterlag Emanuela Mentuccia. Heute Abend, 6.1. wird es zum letzten Mal ab 19 Uhr (und dann jede Stunde bis 23 Uhr) stattfinden. Also nichts wie hin!

Christa Blenk

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Oasis


        

 

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Klinghoffers Tod

TYR3 Gerardo Aparicio (Das Wörterbuch des Tyrannen)

The death of Klinghoffer ist John Adams (*1947) zweite Oper. Wie auch schon bei seinem ersten Werk « Nixon in China » hat er hier wieder ein aktuelles (politisches) Thema aufgegriffen.

Das eher poetische Libretto von Alice Goodman lässt an das Alte Testament oder an den Koran denken – Goodman kannte beides. Hin und wieder wird es romantisch und erscheint etwas weltfremd. Adams und sie wollten aber eben keine Position einnehmen und nur eine Begebenheit dokumentieren. „Die Träume und Sorgen nicht nur der Israelis, sondern auch des palästinensischen Volkes werden in dem Werk gewürdigt, das in keiner Weise Gewalt, Terrorismus oder Antisemitismus akzeptiert oder fördert.“  (Adams in einem Interview)

John Adams lässt in seinem Werk beide Seiten zu Wort kommen, er teilt die Zeit, in der sich die beiden Lager präsentieren und rechtfertigen, gerecht auf. Die Choreinlagen der je exilierten Palästinenser und Juden sind gleich lang. Der Zuhörer spürt das, ohne die Zeit zu stoppen. Aufgebaut ist das ganze als große Kantate im Erzählmodus. Manchmal sind es Interviews, die der Kapitän oder Passagiere nach der Rettung der Presse geben dann wieder persönliche Schicksale, Ermahnungen, gute Ratschläge oder Angstdemonstrationen. Adams selber hat an die Passionen von Bach gedacht.

Erzählt wird eine wahre Begebenheit. 1985 übernahmen palästinensische Terroristen das italienische Kreuzfahrtschiff Achille Lauro. Der amerikanische querschnittgelähmte Jude Leon Klinghoffer wird von ihnen getötet und samt Rollstuhl ins Meer geworfen. Nach langen Verhandlungen lassen die Terroristen unter der Bedingung, dass sie ebenfalls frei gelassen werden, die Geiseln gehen.

Als Zuschauer wird man permanent hin- und hergerissen zwischen Sympathien und Antipathien allen (Palästinenser, Juden, Kapitän, Passagiere) Parteien gegenüber.

Seit der Welturaufführung 1991 in Brüssel gab es bis jetzt bei jeder Aufführung Demonstrationen der Jewish Information League. Seit der Erstaufführung in den 90er Jahren wurde die Oper in den USA über 20 Jahre nicht mehr aufgeführt. 2003 entstand die Version, die wir gehört haben, für das Fernsehen. Letztes Jahr stand es auf dem Programm der Met. Die geplante  Kinoübertragung aus der Metropolitan Oper New York hingegen wurde wieder annulliert.

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Zum Werk: Es beginnt mit einem Film über die Vertreibung der Palästinenser 1948 durch die aus dem zerstören Westen ankommenden Juden. Ein kleines Mädchen wird von ihrem Onkel gerade noch gerettet, später erfahren wir, dass sie die Mutter einer der Terroristen sein wird. Dann schwenkt die Kamera und wir machen einen Zeitsprung nach 1985, als die glücklichen und vor Vorfreunde strahlenden Passagiere das Schiff Achille Lauro in Genua besteigen. Unter ihnen auch der Mann (wir erkennen ihn an den Striemen auf dem Rücken, die ihm offensichtlich die Nazis zugefügt hatten), der von dem kleinen palästinensischen Mädchen gebissen wurde, bevor der Onkel sie in Sicherheit brachte. Er trägt eine Kippa und ist in Begleitung seiner Frau, sie auf der Todesliste die nächste gewesen wäre, hätte der Kapitän es nicht geschafft, die Terroristen zu überreden, niemanden mehr zu töten.

Der  Prolog besteht aus zwei Chören der jeweils exilierten Palästinenser und Juden, die von der Vertreibung erzählen. Griechisches Theater pur. Im ersten Bild des ersten Aktes lässt Adams zuerst den Kapitän zu Wort kommen. Später sieht man, wie die meisten der Passagiere in Alessandria an Land gehen. Die Geschichte wird von den an Bord Verbliebenen erzählt, während die Musik jede Stimmung begleitet und sehr aufgeregt wird, als der Erste Offizier zu Wort kommt. Anschließend meldet sich der erste Terrorist Molqi zu Wort und eine Schweizerin erzählt, warum sie mit ihrem Enkel an Bord geblieben war. Mamoud besingt seine Bereitschaft zu sterben und der Kapitän bestellt Sandwiches.

cesar Borja Cesar Borja (Hommage à Sir Francis Richard Burton)

Im zweiten Bild des ersten Aktes schließen der Kapitän und der jüngste und sensibelste Entführer fast so etwas wie Freundschaft und erzählen sich aus ihrem Leben. Die Terroristen werben für ihre Tat und bestätigen immer wieder, dass sie gute Menschen seien. Mamoud erzählt von seiner ersten Spielzeugpistole. Plötzlich mischt sich eine andere Passagierin, die sich im Bad eingeschlossen hatte, ein und spricht von ihrer Angst und von der Schokolade aus Griechenland, die sie sich nun einteilen müsse. Der erste Akt endet mit dem Nachtchor. Klinghoffer ist bis jetzt noch nicht so richtig in Erscheinung getreten, obwohl die Oper seinen Namen trägt.

Das erste Bild im zweiten Akt beginnt mit den Fernsehnachrichten. Ein Sprecher berichtet über die Tat und erzählt dann etwas ironisch die Geschichte aus dem Alten Testament von Abraham, Sara und Hagar und den Kindern Ismael und  Isaak. Mittlerweile ich die Achille Lauro an der syrischen Küste angekommen und wartet auf Erlaubnis, einlaufen zu dürfen. Das Ultimatum läuft. Und während die Entführer im ersten Akt noch eher umgänglich waren, drohen sie nun, alle zu töten. Die Kidnapper sind sich nicht mehr einig, wie weit sie gehen wollen. Nun übernimmt Klinghoffer die Hauptrolle. Er verbleibt allein im unteren Deck, wird erniedrigt und bedroht, tröstet aber noch seine Frau, die kurz zu ihm darf: „Ich hätte einen Hut aufsetzten sollen“ singt er zweimal leicht verzweifelt und vom Thema ablenkend! Seine Frau muss gehen. Zwischendurch wieder ein Interview mit einer jüngeren Passagierin, das ein Stockholm Syndrom andeutet, wenn sie vom gutaussehenden Omar spricht. Dann sehen wir, wie er, Omar – zuhause in Palästina -, mit seinen Freunden seine Freundin steinigt und ihr dann Säure ins Gesicht schüttet, weil sie es wagte, ohne Kopfbedeckung aus dem Haus zu gehen. Ein klagender Frauenchor begleitet diese Szene. Im zweiten Bild singt schließlich Mrs. Klinghoffer von ihrer Krankheit während ihr Mann erschossen und ins Meer geworfen wird, ohne dass die anderen Passagiere oder seine Frau etwas davon erfahren. Im Film wird diese Szene sehr dramatisch ausgeführt, er fällt ganz langsam – wie bei einem Video von Bruce Naumann – ins Wasser und der Rollstuhl hinterher. Der Tagchor löst diese Szene ab. Im 3. Bild muss der Kapitän Frau Klinghoffer über den Tod ihres Mannes informieren, worauf sie mit Verachtung und Zorn ihm gegenüber reagiert und dem Bedauern, dass nicht sie getötet worden sei.

Klinghoffers Töchter distanzieren sich auf das Heftigste von dem Werk.

Musikalisch ist es – wie immer bei Adams – ein sehr hörbares Stück, keine zeitgenössischen Experimente, aber viel Dramatik in der Musik und in den Choreinlagen.

Ursprünglich gedacht und arrangiert als Theaterstück von Peter Sellars, der fast permanent mit John Adams arbeitet. Penny Woolcock überarbeitete die Filmfassung. Die Rückblenden der Protagonisten und die Live-Aufnahmen am Mittelmeer geben dem Ganzen eine dokumentenhaften Realität. John Adams selber dirigierte das London Symphony Orchestra. Sie Sänger waren sehr gut ausgesucht, zumal sie ja auch schauspielern mussten. Sanford Sylvan singt Klinghoffer, Christopher Maltman ein sehr überzeugender Kapitän. Yvonne Howard ist Marilyn Klinghoffer. Tom Randle, Kamel Boutros, Leigh Melrose und Emil Marwa singen Molqi, Mamoud, Rambo und Omar. Sehr berührend und  gelungen!

Christa Blenk

vulkan4 Feuerrutsche auf Stromboli

 

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Passa, Pitagora e Santoboni (versione italiana)

ex_passaIl Ri-tratto di Antonio, 2008 (240 x 430 cm)

Passa, Pitagora e Santoboni

L’artista italiano e analitico d’arte Antonio Passa si occupa da oltre 40 anni dell’interazione tra pittura e matematica. La sua opera su commissione “Il Ri-tratto di Antonio” è stata addirittura tradotta in musica.

Il titolo è un gioco di parole e significa d’una parte autoritratto (ritratto), ma anche tratto (linea dritta) e trattato (saggio).

La prima mossa è stata la misurazione del vano(dello spazio/della sala) a disposizione presso la Galerie Hybrida. Il numero dei metri quadri è stato poi diviso tra 60 e in seguito è stata realizzato lo studio con i quattro colori giallo, rosso, blu, verde (in varie nuances di colore). I quadrati a prima vista sono messi senza un ordine prestabilito.

Il Ri-tratto di Antonio misura 240 x 430 cm e consiste in 60 quasi-quadrati (40 – 43 cm). 10 superfici di colore sono allineate in modo orizzontale; sei file sono sovrapposte l’una all’altra. La composizione inizia a sinistra in alto e termina a destra in basso. Il colore originale di ogni quadrato è una sfumatura di rosa. Il colore di ogni superficie rispettiva si crea mescolando i colori base giallo, rosso, blu, verde . E’ indicato – nel senso orario – su ogni immagine come trave (sbarra/tratto) e cresce rispettivamente di un cm. La prima immagine si chiama “Giallo A 1”, poi “Rosso A 2” , “Blu A 3” e “Verde A 4” ecc.  A partire dall’immagine numero 41 i tratti (le barre) di colore vengono messi in diagonale, per motivi di spazio. L’immagine numero 60 è un Carré rosso in un Carré rosa – il suo rosa originario! Le 60 immagini hanno tutto un DNA di parentela. Egli ha portato la sua famiglia di colore sulla tela!

Nel corso dell’esposizione della durata di quattro settimane il ri-tratto si trasformava in nuove creazioni: In un primo tempo ha messo in ordine cromatico i quadrati di colore, poi secondo (in ordine delle) le forme ed infine ha creato nuove immagini, p. e. togliendo le barre diagonali o eliminando tutto quanto era rosso.

Nelle nostre teste si alternano molti pensieri: La Farbenlehre (l’insegnamento dei colori) di Goethe, la musica di colori e luci nelle immagini di un’esposizione di Mussorgsky , gli esperimenti di Gerhard Richter e Boetti, Yves Klein e le sue sinfonie monotone, i minimalisti Sol Lewitt e Frank Stella e il DNA elaborato dal computer che si trasforma note musicali. L’autore di GEB, Douglas R. Hofstadter esulterebbe vedendo quest’opera.

 Passa con l’immagine numero 40 e numero 60.

Antonio Passa è nato nel 1939 sul mare tirrenico. Ha studiato arte a Napoli e ha terminato la sua tesi sulla “Poesia Visiva” a Bologna. Nel 1970 si è trasferito a Roma e da allora sostiene il suo dialogo concettuale con l’arte. Nel 1973 ha dotato tale concetto con la serie Quadro Quadrato e nel 1986 ha partecipato alla Biennale di Venezia; due volte è stato presente alla Quadriennale a Roma.

L’ex-direttore dell’Accademia delle Belle Arti di Roma oggi vive piuttosto ritirato. Noi siamo andati a trovarlo e l’abbiamo sollecitato di raccontare la storia affascinante della sua filosofia dell’arte. “L’arte non esiste”, dice. “E’ sempre lo specchio del nostro essere attuale”. Quando siamo arrivati, s’accingeva a ripassare con il pennello una tela fissata su una cornice tonda per la decima volta. Sarà un Hommage a Pitagora, spiegò e aggiunse che avremmo dovuto tenere i nostri cappotti, perché prima dovevamo prendere un caffè al bar.  Poi ci raccontò di Pitagora e questo filosofo che viveva prima di Socrate, era anche matematico e aveva contribuito all’invenzione dell’analisi matematica della musica. Aveva passato la maggior parte della sua vita nell’Italia del sud.

P1140633no 60P1140627

Cornice, tela, colore

Benché questo siano per lui gli ingredienti per un’immagine, si tratta prima di tutto del compasso, del regolo, della linea retta, dell’angolo, dell’assioma, del triangolo, del quadrato, del cono ecc. – Siamo veramente da un artista, o abbiamo sbagliato porta e siamo da un matematico? Basta uno sguardo sui quadri, sui recipienti dei colori e sui pennelli per smentire i nostri pensieri immediati.  Per lui esistono soltanto quattro colori – ma questi in sfumature infinite, di questo parla comunque soltanto in un secondo tempo. Impariamo anche, che per fissare la tela su un supporto tondo, si deve dividere la tela in 16 parti, altrimenti si sgrana da qualche parte. I suoi quadri possono essere guardati da due parti

(da dritto e da rovescio/dal davanti e dal dietro) e sono perfettamente rifiniti (niente viene nascosto sul retro!). Lui preferisce di esporle come oggetti/sculture.

L’accanito fumatore di sigari si confronta con le correnti attuali dell’arte in modo matematico, razionale e analitico. Difende appassionatamente gli artisti contemporanei italiani “che sono stati lasciati indietro”. Secondo lui, a Roma vengono considerati  troppo poco – e lui ha ragione.

Antonio Passa è un interlocutore severo che non lascia passare niente. Alla fine di una conversazione con lui si è un po’ più aggiornato e i 30 minuti previsti sono diventati 2 ore senza che ce ne fossimo accorti!

Il successo commerciale per lui è secondario. Di fondamentale importanza è il concetto e la sua realizzazione la più perfetta possibile. Egli produce poco. Ha lavorato due anni per il suo Ri-tratto.  Solo per noi ha ri-assemblato la sua “Foto di famiglia”, subito dopo le 60 superfici di colore dovevano essere riposte nelle loro scatole di cartone. Ha bisogno di spazio per il suo hommage a Pitagora al quale lavora da quasi due anni. E naturalmente i protagonisti saranno di nuovo le forme geometriche: il triangolo e un pentagramma. Sapete, quanto è difficile disegnare un pentagramma? Doveva addirittura consultarsi con un matematico al riguardo.

Nel 2009 ”Il Ri-tratto di Antonio” è stato presentato per la prima volta al pubblico nella Galleria Hybrida Contemporanea a Roma. Il Nabla Ensemble ha fatto il sottofondo musicale durante il vernissage con un pezzo di 15 minuti che era stato composto appositamente da Riccardo Santoboni (spettacolo multimediale-sinestetico).

La visita presso l’artista ci ha lasciato una profonda impressione.

Testo e foto: Christa Blenk

Post scriptum: Durante il suo viaggio in Italia (1786-1788) Goethe ha fatto delle osservazioni simili e ha iniziato lui stesso a dipingere degli acquarelli. Uno sguardo attraverso un prisma è stato determinante per svegliare il suo interesse alla Farbenlehre (scienza dei colori), ma il suo avvicinamento al tema era più romantico di quello matematico-analitico di Passa!

Nel 1810 ha pubblicato i “contributi alla cromatica”

“L’essere umano stesso, se si serve dei propri sensi sani, è l’apparecchio fisico (di fisica) più grande e più preciso che possa esistere, ed è la disgrazia più grande della fisica più recente, che le sperimentazioni siano stati separate dall’uomo e che si riconosca solo in quello che dimostrano gli strumenti, la natura; e si vuole limitare e dimostrare solo per questo, addirittura quello che possa raggiungere

(Maximen und Reflexionen in: Karl Otto Conrady : Goethe – Leben und Werk

massime e riflessioni in: Karl Otto Conrady:  Goethe – vita e opera, volume 2, pagina 265).

 

Riccardo Santoboni: Rosso – Giallo- Verde – Blu

P1140612 Il Ri-Tratto di Antonio

Strumento musicale = forma = colore

Oppure:

Un violoncello è una Porta ed è rosso

Il compositore Riccardo Santoboni (nato nel 1964) ha tradotto in musica lo studio dei colori e delle forme di Antonio Passa Il Ri-tratto di Antonio. Un’avventura auditiva e anche visuale affascinante per tutti: pittori – musicisti- pubblico. In occasione del vernissage nella Galerie Hybrida c’è stata la prima assoluta dell’opera, eseguita dal Nabla Ensemble. L’artista Passa ha utilizzato per il suo opus quattro colori (Rosso, giallo, verde, blu). Il suo Ri-tratto consiste in sessanta quadrati di colore; in seguito li ha trasformati in quattro forme (geometriche): Porta, T, Scala, Dolmen.

Risonanza della percezione emozionale oppure percezione dell’analogia. Santoboni ha abbinato ad ogni strumento un’immagine, che viene rappresentata attraverso i timbri. Lo strumento che porta la melodia domina per due minuti e mezzo e viene accompagnato da strumenti ritmici e di supporto. Spettri di luce e dinamica dei timbri portano il tono di colore e la forma in primo piano e cercano di rendere giustizia allo spessore e alle nuances di colore dell’opera d’arte, fino a  raggiungere lo stato d’equilibrio della rispettiva struttura. La moltitudine dei colori impegnati si riflette nella moltitudine dei timbri e negli spettri di luce e dell’acustica. Il linguaggio musicale è molto chiaro e comprensibile e si estende dal barocco francese fino al ventesimo secolo.

E’ così si vede l’intreccio di colori, forme e strumenti:

Violoncello = Rosso = Porta

Violino = Giallo = T

Oboe = Verde = Scala

Clarinetto di contrabasso = Blu = Dolmen

 

Porta – T – Scala – Dolmen

Rosso: Santoboni ha assegnato tale colore al violoncello scuro e nostalgico. E’ lo strumento principale e descrive la PORTA di Passa. La stessa contiene i quadrati e le linee nei colori rossi e rosa. Ne fa parte anche la sintesi – l’immagine rossa numero 60, qui è il protagonista principale a rappresentare anche la nota più bassa di questo spettro di luce che viene abbinata  alla tessitura del violoncello. La nota insinua misteriosamente la rottura e il rinnovamento e ci prepara a ciò che arriva.  Il violoncello, con lunghe arcate, rimane costantemente sullo sfondo, interrotto solo da piccoli tocchi di colore del violino. Un omaggio a Blaubarts Burg (il castello di barbablu).

Giallo: Questo colore è abbinato al violino, che dovrebbe costruire con i suoni un tempio greco. Antonio Passa lo chiama “la pianta in forma di T di un edificio greco”. Qui ci sono diagonali gialle. Il violino allegro genera spettri acustici stridenti e penetranti e può brillare nei suoni più alti, simboleggiando la stabilità e la balance, facendo delle capriole, gira vorticosamente, chiaro e dinamico, balla alla maniera del barocco francese attraverso il “T” cosicché gli altri strumenti impediscono che possa scappare attraverso l’unica apertura fuori, verso l’esterno. Alla fine tutti s’inchinano di buon umore davanti al re sole.

Verde: L’oboe intenso e penetrante è lo strumento principale per l’immagine SCALA. Timidamente monta la scala musicale cromatica, si raccoglie e fa dei capitomboli morbidi e agili per tutta la scala musicale. Passa ha previsto per la scala soltanto le tonalità verdi del mediterraneo, di percezione così sensibile per l’occhio umano. La mentalità e la vegetazione delle oasi del mediterraneo orientale sono le caratteristiche che risaltano, con tutti i loro suoni monotoni e tranquillizzanti e con le loro strutture ripetitive.

Blu: Freddo, siderale e rigido, inizia l’ultimo, il quarto round e il raro clarinetto da contrabbasso per appena tre minuti è l’eroe della scena e descrive il DOLMEN immobile e rassicurante. La musica giunge da molto lontano. Da quasi 3000 anni il Dolmen misterioso sta a Carnac o a Stonehenge. Suoni blu e violetti e le diagonali e le marcature dei colori rispettivi lo rappresentano. L’equilibrio ambito attraverso le fasi: rosso, giallo, verde e blu è raggiunto e il pezzo oscilla per raggiungere lo stato armonico. Il blu è il frammento più prominente (lo dice anche Santoboni) e sorregge l’intera costruzione. L’intervento degli strumenti che accompagnano è minimo, ed è costruito con rigore per sostenere e sottolineare i suoni profondi del clarinetto e del violoncello scuro con i loro rimbombi monotoni.

Le quattro composizioni sono molto diverse fra loro, con molte sfaccettature come lo sono i quattro colori che sono qui centrali. Ogni composizione ha una sua filosofia musicale e una sua costruzione alternativa che unendosi alla fine formano un’opera globale di dieci minuti, la cui purezza viene disturbata soltanto da piccole pause.

Riccardo Santoboni è un esperto di musica elettronica e musica per computer. Dedica la sua vita alla ricerca musicale (Human Computer Interaction). A Roma coopera ogni tanto con l’Accademia Musicale di Santa Cecilia ed è regolarmente ospite presso l’Accademia Musicale Chigiana. E’ professore di Armonia, Contrappunto, Fuga e Composizione presso i conservatori di Bari e Pescara. Inoltre insegna acustica e psico-acustica presso l’Università Tor Vergata a Roma. Nell’anno 2000 ha fondato il Nabla Ensemble, che è specializzato principalmente in musica contemporanea. Dal 2010 è professore di musica per computer al conservatorio di musica a Roma di Santa Cecilia. Possiede numerosi diplomi, tra l’altro in elettronica, direzione d’orchestra, direzione di coro e scienza del suono come pure un master come ingegnere del suono. Era sul podio tra l’altro a Roma, Napoli, New York con le orchestre di Napoli e Pescara. Lo scienziato di musica ha partecipato a numerosi concorsi e ha vinto vari premi.

ex_passa  Il Ri-Tratto di Antonio

Christa Blenk

testo originale = tedesco (tradotto da Brigitte Meyer)

 

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HAPPY NEW YEAR

2015

 

Mit den besten Wünschen für ein Neues Gesundes Glückliches Jahr

Hier die Highlights aus 2014

Idee und Foto: Christa Blenk

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