Young Euro Classic Festival – Ensemble Olivinn und Nils Landgren

Konzerthaus Berlin

 

Der bekannte schwedische Posaunist und Sänger  Nils Landgren, alias Mr Redhorn, trifft beim diesjährigen Young Euro Classic Festival auf das junge Ensemble Olivinn, das die türkische Komponistin und Pianistin gegründet hat.

Mit viel Charme und fabelhaften Arrangements nehmen sie das Publikum auf eine anregende und spannende Reise von Anatolien bis an die finnische Grenze mit. Hier vermischen sich anatolische Liebeslieder mit schwedischen nostalgischen Wintersongs, denen das Licht fehlt, Klassik und zeitgenössische Musik.

Der aus Ostanatolien stammenden Multiinstrumentalisten Özgür Ersoy, die Sopranistin aus Istanbul Begüm Tüzemen mit ihrer unglaublichen und belastbar-variablen Stimme und ausgezeichnete Instrumentalisten wie Susanna Risberg, Lisa Wulff, Axel Meier oder Robert Ikiz bilden dieses Ensemble. Klassik, Jazz und Volksmusik tun sich hier zu einem crossover zusammen, bei dem die Grenzen nicht immer gleich zu erkennen sind, aber dann hört man hört Franz Lehars Leiermann oder Schuberttöne heraus. Sinem Altan hat schon viele Preise gewonnen. Von ihr selber präsentiert sie uns ihr erstes Klaviertrio, das sie als 13-jährige komponierte. „Bosporus Brahms“ nennt Altan ihr witziges und unterhaltsames Arrangement von Brahms‘ Ungarischem Tanz Nr. 5.  Zum Schluss verabschiedet sich  Begüm Tüzemen mit rhythmischen Farben und mit Summertime.

Vielfältig und ohne Berührungsängste dieses Ensemble, dessen Name man sich merken sollte! Das Publikum war begeistert.

Der Musikproduzent Siggi Loch stand als Pate für diesen Abend.

Das Festival Young Euro Classic findet noch bis zum 3. September 2016 in Berlin statt.

Christa Blenk

 

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Ausstellung: Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopie

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Josef Beuys Installation

 

Die Fußfessel und ein altbabylonischer Kaufvertrag einer Sklavin, eine Karettschildkröte, Andy Warhol, Pasolini, Bob Dylan, Martin Luther oder Goldman Sax? Was diese Konzepte oder Künstler verbindet, kann man zur Zeit in einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin erleben.

„Lasset sie fahren! Sie sind blinde Blindenleiter. Wenn aber ein Blinder den anderen leitet, so fallen sie beide in die Grube“. (biblisches Gleichnis)

Das Kapital Raum 1970-1977 ist ein Schlüsselwerk von Josef Beuys. Er hat es 1980 für die Biennale von Venedig geschaffen. Der Sammler Erich Marx hat es 2014 erworben.

Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof Das Kapital – Schuld, Territorium, Utopie hat diese Beuys-Installation als Ausgangs- und Mittelpunkt für dieses kuriose, Jahrhunderte übergreifende Sammelsurium erkoren und stellt den Besucher manchmal vor große Rätsel.

Kunst = Kapital

Joseph Beuys hat in den 70er Jahren den Begriff Kapital neu definiert. Er hatte den Anspruch, den Begriff Kapital wegzubringen von Finanztransaktionen und von allem was mit Geld zusammen hängt.

 

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Peter Buggenhout – The blind leading the blind

Die Finanzkrise von 2007 haben ihrerseits die Kuratoren Eugen Blume und Catherine Nichols als Anhaltspunkt definiert, um dieses Ansinnen von Joseph Beuys zu erweitern und zu untersuchen. Kunst, Poesie und Literatur in unterschiedlichen Darstellungsweisen aus allen Epochen sollten helfen. Blume und Nichols haben also ganz unterschiedliche Kunstannäherungen aufeinander prallen lassen und sie denen zum Teil in den Staatlichen Museen zu Berlin vorhandenen Kunstwerken aus unterschiedlichen Epochen und Kategorien unter den Schlagwörtern Schuld, Territorium und Utopie gegenüber zu stellen. Was bedeutet Kapital heute im Vergleich zu früher, oder was könnte es alles bedeuten?

Eine Heidenarbeit und ein nicht immer nachzuvollziehendes weites Feld. Wo ist der Grenze, was geht und was geht nicht? Wieso gerade diese Zeichnung oder dieses Video? Die Erforschungs- und Entdeckungsreise mit vielen Fallen aber auch Hilfestellungen beginnt.

Schon bevor man die lange Halle betritt muss man an Peter Buggenhouts Installation „The Blind Leading the Blind“ (2015) vorbei. 250 x 240 x 335 cm ist sie groß und besteht aus Holz, Eisen, Pappe, Schaumstoff, Aluminium, Kunststoff und Hausstaub. Alltagsmüll und Bauschutt für die Ewigkeit. Basis dieser Arbeit ist das Gemälde von Pieter Bruegel d.Ä. aus 1568. Wäre Kapital hier das Augenlicht oder die gegenseitige Hilfestellung?

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Direkt danach kommt man zur Karettschildkröte, die aus dem Naturkundemuseum ausgeliehen wurde, ein Trockenpräparat in den Maßen 28x69x94 cm. So hantelt wir uns dann von einem Gegenstand oder Video zum anderen. Vorbei an Andy Warhol Lithografien, mittelalterlichen Holzskulpturen, immer wieder die niederländische Malerei, auf der man sich viel und sichtbar mit Geld und Wohlstand befasst, ganz im Gegensatz zur katholischen Malerei, bei der über Geld nicht geredet wird. Ein paar Meter weiter ein Ausschnitt aus Pasolinis „Il Vangelo secondo Matteo“ und Charly Chaplin „Dogs Life“ von 1918. Marcel Broodthaers Schreibheft und Briefumschlag mit 100-DM-Banknote und daneben ein Video „Working at Goldman Sachs“. Der geniale und sehr kritische Goya darf natürlich nicht fehlen. Seine Radierung „Asta su abuelo“ (1797) verurteilt Aberglauben und Gewalt und kritisiert die Doppelzüngigkeit der katholischen Kirche, ihrer Pädophilie-  und Prostitutionsansätze. Gleich nach der Veröffentlichung bekam er aber doch kalte Füße und vor allem Angst vor der Inquisition und zog diesen Zyklus wieder aus dem Verkehr. Die Entstehung einer Shopping Mall von Harun Farocki,  das Video mit Hannah Arendt im Gespräch mit Günter Gaus und mit einem Ohr hört man schon Carmen Miranda die „The Lady in the Tutti Frutti Hat“ singen. Hier geht es indirekt der Chiquita Banane und der United Fruit Company und ihrer Monopolstellung an den Kragen. Immer das Konzept Kunst = Kapital vor Augen und Ohren, ist das eine leichte Übung. Objekt Nummer 127 ist schließlich Beuys Rauminstallation von Venedig Das Kapital Raum 1970-1977, abgelöst von Anselm Kiefers Großarbeit Lilith am roten Meer. Bob Dylan schließt die Ausstellung mit dem 37. Studienalbum „Fallen Angels“, erschienen im Mai 2016.

 

Urs Fischer (2000) readymade
Urs Fischer – readymade (2000)

 

Oft fühlt man sich verloren in der Schau und die Aufsichtspersonen haben jede Menge Arbeit die müden Besucher immer wieder von Jason Rhoades „Marble Box“ aufzuscheuchen, die diesen weißen übergroßen Schuhkarten versehentlich als Sitzgelegenheit ansehen.

Interessant ist die Ausstellung allemal und man stellt bewusst viele Verbindungen her und lernt eine Menge dazu. Aber bitte immer schön den Titel im Auge behalten sonst wird es schnell langweilig!

Nach 130 so unterschiedlichen Annäherungen an Kunst oder Kapital oder Schuld und Anklage schwirrt dann doch der Kopf und mit Carmen Miranda Tutti Frutti Hat-Ohrwurm verlassen wir das Museum.

Bis zum 6. November ist die Schau noch zu erleben.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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11. Internationaler Orgelsommer im Berliner Dom

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Es ist schon Tradition, dass im Juli und August die große Sauer-Orgel im Berliner Dom regelmäßig von bekannten und talentierten Organisten gespielt wird. Tradition ist auch die Kooperation mit dem Orgelwettbewerb Chartres. Dieses Jahr war das Festival dem 100. Todestag von Max Reger gewidmet.

Der Gewinner des diesjährigen Chartres-Wettbewerbes, Dexter Kennedy, kam zum Eröffnungskonzert am 1. Juli nach Berlin. Desweiteren traten der Starorganist aus den USA, Nathan Laube, auf sowie Daniel Zaretsky, Ute Gremmel-Geuchen und der Italiener Eugenio Maria Fagiano. Der junge Franzose Jean-Baptiste Monnot (*1984) spielte am 19. August ein rein französisches Programm mit dem Titel „Tour de France“. Er interpretierte Sagas I und VI von von Jean Guillou (*1944). Die Six Sagas sind 1971 entstanden und eine Hommage an die altisländische Sagenwelt. Eine Flucht, ein sich Überschlagen; es geht wild her in diesen Legenden und Guillou hat immer wieder Strawinsky zitiert. Giullou kennen wir aus der Pariser Zeit, genauer gesagt, aus den sonntäglichen Abendkonzerten in der wunderbaren Saint Eustache Kirche. Dort hat er immer um 18.00 Uhr für 30 Minuten Orgelwerke gespielt, manchmal auch seine eigenen, spannenden Kompositionen.

Weiterhin standen Werke von César Franck (1922-1890) auf dem Programm. Der französische Organist und Komponist Franck hat als erster sinfonische Werke für Orgel geschrieben; übrigens für den Orgelbauer Cavaillé-Coll, von dem u.a. auch der Berliner Domorgelbauer Wilhelm Sauer lernte. Monnet interpretierte den Choral in E-Dur, einen der drei Choräle, die Franck kurz vor seinem Tod 1890 komponierte.

Nicolas De Grigny (1672-1703) trug den Barockteil zum Konzert bei. Hier ließen sich Bach-Referenzen nicht vermeiden.

Weiterhin auf dem Programm stand das Prélude aus der Suite op. 5 von Maurice Duruflé (1902-1986). Hier hat Duruflé die ganze Dramatik des beginnenden 20. Jahrhunderts und der Zwei Weltkriege verarbeitet.

Die zweite Symphonie von Marcel Dupré (1886-1971) bringt die Orgelmusik an ihre Grenzen und in den Konzertsaal. Klangfarben, spielerische Passagen sowie Rhythmus stehen im Vordergrund; die Symphonie, aus der Monnot das Preludio, Intermezzo und die Toccata vortrug, entstand 1929 und gehört zu den mutigsten und innovativsten Werken Duprés.

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Jean-Baptiste Monnot begann mit 12 Jahren das Orgelstudium. Er lernte u.a. bei Bernhard Haas in Stuttgart und nahm an Meisterkursen von Jean Guillou teil. Von 2004-2014 war er Assistent von Jean Guillou in der Kirche St. Eustache. Zurzeit arbeitet er als Professor für Orgel am Konservatorium von Mantes-en-Yvelines (Paris)

Schöner und reicher Konzertabend!

Das letzte Konzert dieses Orgelsommers findet am 26. August um 20.00 Uhr statt; mit Musik u.a.  von Muffat, Bach, Reger; Interpret wird Andreas Sieling sein.

Christa Blenk

 

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Die Liebermann Villa am Wannsee

blick in den Garten
Foto vom Garten am Wannsee

 

Ausflug an den Wannsee

Max Liebermann (1847-1935) gehört zu den wichtigsten deutschen Wegbereitern der Moderne. Von Anfang an hat er gegen die Akademiker gekämpft und mit der Gründung der Berliner Secession, bei der er eine wichtige Rolle gespielt hat, die Hauptstadt in den künsterlischen und kulturellen Vordergrund gerückt. Geboren im Zentrum von Berlin wo heute das Liebermann-Haus steht (in dem gerade eine Ausstellung über Harry Graf Kessler zu sehen ist) hat er sich 1909 ein Sommerhaus am Wannsee bauen lassen. Sein „Schloss am See“, wie er es nannte. Mit Anfang 60 hat er sich gerne hierher in die Ruhe zurück gezogen und über 200 Gemälde sind dort entstanden. Ab 1914 bis zu seinem einsamen Tod 1935 verbrachte er viele Monate dort. Von den Nationalsozialisten verfemt, zwangen diese seine Witwe Martha 1940 zum Verkauf des Hauses. Sie entzog sich 1943 durch Selbstmord einer Deportation. Nach dem Krieg allerdings ging das Haus an die Erben zurück, die es an die Stadt Berlin verkauften. Einmal Krankenhaus dann Tauchclub, erfuhr das Haus viele Veränderungen und der Garten wurde zerstört.

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Marta Liebermann (1922)  und Enkelin, Selbstportrait (1923), Raum in der Villa

Erst 1995 wurde die Max-Liebermann-Gesellschaft gegründet und die Villa unter Denkmalschutz gestellt. Spenden und Privatinitiativen brachten den Garten wieder in seinen ursprünglichen Zustand und das Gebäude konnte renoviert werden. Heute ist es ein Museum, in dem eine beeindruckende beeindruckenden Dauerausstellung, in der vor allem seine Wannsee- und Biergartenbildern zu sehen sind. Seit 1870, der Münchner Zeit, bis zu seinem Lebensende, waren das ohnehin seine Lieblingsmotive, die er immer wieder aufnahm. Sonnendurchflutete Baumlandschaften oder Ausflugslokale, die von leicht platzierten Personen besetzt sind. Winter oder graue Tage scheint es in seinem Wannsee-Leben nicht gegeben zu haben.

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Der Blick von der Terrasse auf den See ist traumhaft.

Christa Blenk

 

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BALD GEHT ES WEITER

Liebe Leserinnen und Leser

umzugs- und technikbedingt ist eine längere Publikationspause entstanden!

Aber bald geht es wieder weiter – mit Berichterstattung vor allem aus Berlin!

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41. Cantiere Montepulciano – Dido und Aeneas

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Schicksalhaftes Mittelmeer

Ursprünglich hatte Hans-Werner Henze es 1975 abgelehnt,  Präsident des sich in Planung befindlichen Festivals in Montepulciano zu werden. Hingefahren ist er im Frühsommer dann doch und hat sich gleich von der Architektur, den Menschen und dem Vino Nobile verzaubern lassen. Offener dafür, kehrte er Ende August zu einem ersten Treffen mit dem Bürgermeister und den Stadträten zurück. Der ganze Ort sollte kreativ-aktiv in dieses Festival eingebunden werden. Damals konnte Hans-Werner Henze noch nicht ahnen, wie prominent und wichtig für die italienische und europäische Musikszene dieses Festival werden sollte.

Mittlerweile klingt und singt es in diesem kleinen Ort in der südlichen Toskana über zwei Wochen im Juli praktisch Tag und Nacht aus allen Palästen, Museen, Plätzen oder Loggias. 3-4 Konzerte täglich sind es mindestens, die die jungen und engagierten Musiker und Solisten dem Besucher bieten. Es ist wie ein Rausch, der die Hitze durchbricht und nicht mal vor der Siestazeit Respekt hat. Still ist es nur morgens um 8.00 Uhr.

Eines der großen Ereignisse oder vielleicht sogar das Hauptereignis dieses Jahr war Purcells Dido und Aeneas unter der Regie von Michael Kerstan. Mit wenig Mitteln und ausgezeichneten Solisten, unterstützt von einem perfekten Chor und dem diskreten Modus Ensemble Roma unter Mauro Marchetti, haben die Protagonisten das Publikum im Tempio di San Biagio – der übrigens auf einen Bauplan von Bramante zurückgeht und ein perfektes Beispiel einer römischen Basilika ist – regelrecht verzaubert.

Das Gefolge von Dido (ausgezeichnet Sabrina Cortese) und Belinda (wunderbar Giulia Manzini), ganz in keusches und unschuldiges Weiß gewandet, ist mit Kreuzen bewaffnet und zieht,  das spätere Drama prophezeiend,  in den Kirchenmittelpunkt unter die herrliche Kuppel. Die Matrosen in blau-gestreiften Seemannshemden kommen von der anderen Seite und ziehen die Papierschiffe von Aeneas (Antonio Orsini)  ans Land. Diese Schiffe brachten beim Publikum ein déjà-vu hervor, hat doch jeder von uns schon mal in Gedanken versunken so ein Schiff aus einem Stück alten Papier gefaltet. Die Segel sollten später noch zum Schutz vor den Hexen und zum Winken benutzt werden; die Kreuze verwandelten sich in Leid bringende Dolche und brachten starke und beeindruckende Bilder hervor. Mehr Requisiten brauchte diese Produktion gar.  Den Rest taten Enthusiasmus, Ideenreichtum, Mimik, Gesten und gute neue Stimmen. Die Truppe hatte mindestens so viel Spass wie die Zuschauer Glück hatten, dabei gewesen zu sein.

 

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Dido – Aeneas – Belinda

 

Königin Dido zögert und kann sich nur schwer durchringen, ihren Gefühlen für den aus Troya kommenden und in Karthago gestrandeten Aeneas freien Lauf zu lassen. Auf Belindas Drängen gibt sie nach, als es eigentlich schon zu spät ist. Denn die durchtriebene und eifersüchtige Hexe (sehr gut und witzig der Countertenor Stefano Guadagnini, der mit seinen zwei Nebenhexen Lucia Filaci, Caterina Meldolesi, alle in schwarz gekleidet und grell geschminkt  den fröhlich-schelmischen Teil übernahm)  hat schon ihr Intrigennetz gesponnen und damit Didos Glück zum Scheitern verurteilt.  Aeneas wurde überredet abzureisen und Rom wartete darauf, gegründet zu werden. Kerstan lässt Dido blutlos und makellos mit dem wohl schönsten Lamento der Musikgeschichte « When I am laid in earth » dahin sterben. Die Dolchkreuze landeten dafür in den Papierschiffen und versanken im Licht eines Zurbarán-Gemäldes im Mittelmeer.  Spätestens hier brachte Kerstan das Publikum unweigerlich zu den aktuellen Nachrichten der täglichen Schiffs-Katastrophen im Mittelmeer.

 

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 Aeneas Papierschiffe

 

Kerstan hat die Rolle der Hexe mit einem Countertenor besetzt, was nicht üblich aber durchaus originell ist. Purcell komponierte dieses geniale 60-Minuten-Opus wahrscheinlich für ein Mädchenpensionat, wo es in Chelsea 1689 – nur von Mädchen gesungen – uraufgeführt wurde. Es könnte aber auch sein, dass er es für den englischen Hof komponierte.  Nahum Tate hat das Libretto geschrieben.

Die Produktion erfolgte in Zusammenarbeit mit der Accademia Europa di Musica e Arte Palazzo Ricci, machte bella figura und erntete – zurecht – viel Applaus!

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nach der Vorstellung

 

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Christa Blenk

 

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41. Cantiere Montepulciano – Ensemble 3X3

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Am 15. Juli begann der diesjährige 41. Cantiere Internazionale d’Arte a Montepulciano und seit diesem Tag passieren – noch bis 31. Juli – jeden Tag unzählige Konzerte, Ausstellungseröffnungen, Balletabende oder Opernaufführungen, wie am Eröffnungsabend Icarus, eine Oper von David Blade und Keith Warner.

Das Ensemble 3X3, das wir am 22. Juli im Museo Civico Pinacoteca Crociani hörten, ist auch schon am 19.7. mit dem gleichen Programm in den Chianciano Thermen, ein paar km von Montepulciano entfernt, aufgetreten.

Sie interpretierten die Pastorale op 147 von Darius Milhaud (1892-1974)  für Oboe, Klarinette und Fagott. Ausgezeichnet die Holzbläser, die auch 5 Pièce en trio (1935) von Jacques Ibert (1890-1962) spielten und die Sonata FP 33a in Sol maggiore (1922) von Francis Poulenc (1899-1963) für Horn, Posaune und Trompete. Aufgelockert wurde das Programm durch ein wenig Mozart und Vivaldi von Streichern.

 

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Ensemble 3X3 im Museo Civico am 22.7.2016

 

Der Regisseur und ehemalige Henze-Assistent Michael Kerstan, der am 22.7. eine sehr originelle und unvergessliche Dido und Aeneas-Aufführung in der Kirche San Biagio (dazu kommt ein gesonderter Bericht) inszenierte, hat außerdem am 23.7. im Teatro Poliziano die Ausstellung von Theater-Projekten aus der Hans-Werner-Henze Sammlung « Scenografie » eröffnet. Hier werden Bilder und Zeichnungen gezeigt, die dem Publikum Henzes umfangreiches Werk künstlerisch ein wenig näher bringen.

 

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Michael Kerstan und der künstlerische Leiter des Festivals Roland Boer während der Eröffnung

Christa Blenk

 

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Summertime – Casa del Jazz

summertime

Direkt an der Aurelianischen Mauer in Rom findet zur Zeit – noch bis zum 15. August – ein Jazz-Festival mit täglichen Konzerten statt.

Gestern abend spielten John Dejohnnette (Schlagzeug und Klavier), Ravi Coltrane (Saxophon) und Matt Garrison (Bassguitarre), vor allem Freejazz im gut besuchten Garten der Casa de Jazz. Heute abend treten Antonio Sanchez und Migration auf und hervorzuheben vielleicht noch das Konzert am 3. August, wenn das Kurt Rosenwinkel Standards Trio die heissen römischen Sommerabende musikalisch begleiten.

Am letzten Abend ist Swing Night!  Musik zum Tanzen und Zuhören mit der Swing Valley Band. Der Eintritt kostet an diesem Abend 10 Euro; die anderen zwischen 15 und 20 Euro.

Christa Blenk

 

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My virtual gallery – blog collection N° 19

Guille Caivano – junger spanischer Künstler, lebt und arbeitet zur Zeit in Barcelona.

 

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Etoso, mixed media on canvas, 65x100cm, 2013

 

Caivanos neueste Arbeiten befassen sich mit der Gegenwart, mit Europa, mit undefinierten Grenzen und mit Sprachen.

Etoso ist das Wort für Europa in Esperanto. Das Bild könnte auch eine Landkarte aus dem 15. Jahrhundert repräsentieren. Die Grenzen und Formen stimmen nicht ganz, die Erde ist zu nah an der Küste, die Karte wirkt irgendwie verzogen (bewusst) und doch erkennt man es sofort. Der Seefahrer und Navigator Amerigo Vespucci und präzise Kartografen wie Fra Mauro hätten unseren Kontinent vor über 500 Jahren vielleicht so aufgezeichnet, mit ungenauen Geräten aber viel Wissen. Die Karte hätte vielleicht in Venedig oder Genua hergestellt werden können, in der der Renaissance.

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Christa Blenk

 

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El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez

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El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez: Katalog-Cover

 

El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez

Hochmut kommt vor dem Fall

Dunkel und furchterregend ist sie, die Malerei dieses Goldenen Zeitalters in dem herrschsüchtigen, strengen und selbstsicheren Spanien, wo es nicht viel zu lachen gab. Die Protagonisten auf den Bildern dieses kulturell so starken Jahrhunderts strahlen keine Freude oder Leichtigkeit aus. Direkt aus dem Manierismus herausgerissen, überbetont, streng ist sie noch lauernd vorhanden, la Santa Inquisición(die heilige Inquisition).

Sevilla, Valencia, Toledo und Madrid bildeten ein produktives Kunstdreieck, während das Land (und die Monarchie) politisch und wirtschaftlich langsam aber unaufhaltbar in den Untergang rutschte.

1492 schickten die Katholischen Könige Christoph Kolumbus in die Neue Welt, China sollte er erforschen, landete aber auf einer Bahamas-Insel. Diese Entdeckung Amerikas (den Namen gab letztendlich der Seefahrer und Kaufmann Amerigo Vespucci) katapultierte Spanien an die politische und wirtschaftliche Spitze Europas. Mit dem Gold aus der neuen Welt konnten Kriege und Eroberungen finanziert werden und eine geschickte Heiratspolitik tat den Rest. Die schönen Künste, Malerei und Literatur, florierten und der offene und optimistische Weltmann Karl V vergrößerte sein Reich vom Pferd aus, auf dem er sein Leben verbrachte. Ganz im Gegensatz zu seinem Sohn. Philipp II war er ein unfreundlicher, religiöser Mystiker, der sein Schloss, El Escorial, so gut wie nie verließ, ein sehr strenges Hofprotokoll verordnete und viel betete! Sein Tod leitete den Barock und das sog. Goldene Zeitalter ein.

Philipp III war ein Dummkopf und Philipp IV ein Verschwender, beide wollten oder konnten nicht sehen, wo es auf der Iberischen Halbinsel krankte. Schon 1601 gab es eine Inflation und mehr Münzen wurden geprägt. Das Land war praktisch bankrott, die Monarchie ignorierte dies und stürzte sich in weitere Kriege. Die Pest wütete und schlechte Ernten ließen das Volk leiden, die Einnahmen aus der neuen Welt wurden weniger und der immer stärker werdende Protestantismus machte dem erzkatholischen Land ebenfalls zu schaffen. 150 Jahre nach dem Fall von Granada wurden immer noch zwangskonvertierte Muslime vertrieben und know how ging verloren. Es ist kein fröhlicher Spaziergang durch dieses schwarz-goldene, stolze Spanien des 17. Jahrhunderts.

Velazquez, Zurbarán und Ribera sind alle drei um die Jahrhundertwende geboren, El Greco 50 Jahre früher und gehörte so eigentlich nicht recht in dieses Zeitalter.

Bartolomé Esteban Murillo (1618-1682) war der letzte dieser Malergenies. Er gründete die Schule von Sevilla. Murillo portraitierte das Leben, volkstümliche Genreszenen wie wir sie aus der flämischen Malerei kennen. Sie verwischen sich schon auch mal mit seinen Heiligengeschichten.Pastetenesser ist ein Spätwerk; er hat es um 1670 gemalt. Hier vereinigt er die Kunst des Stilllebens mit einer volkstümlichen Szene. Es zeigt zwei armselig gekleidete Kinder mit einem Hund, welcher sehnsüchtig auf einen Jungen blickt der sich gerade etwas in den Mund stopft. Im Vordergrund ein reich bestückter Picknickkorb, der irgendwie gar nicht zur Aufmachung der Kinder passt. Das Gemälde ist sonst in München in der Alten Pinakothek zu hause.

Fast 100 Jahre früher hat der aus Kreta stammende El Greco (1541-1614) das hier ausgestellte Bild Christus am Kreuz mit zwei Stiftern gemalt. Dunkelgrau und bedrohlich, spielt der Gründer der Schule von Toledo mit den Farben Schwarz und Weiß. Der weltliche Stifter betend mit weißer Halskrause auf schwarzem Umhang rechts stellt das Gleichgewicht zum kirchlichen Stifter mit schwarzem Priesterkragen auf weißem Gewand links her; gleiches passiert mit den Wolken, die sich auf beiden Seiten des Gekreuzigten bauschen und El Grecos spitze, schmal-leidende Gesichter einrahmen.

In Valencia arbeitete der ursprünglich aus Italien stammende José (Jusepe) de Ribera (1591-1652). Ribera war neben Caravaggio der bedeutendste Naturalist der Schule von Neapel. Sein chiaro-scuro ging tiefer als das von Caravaggio und seine knochigen, alten und ausgemergelten Modelle, die meist aus den Armenvierteln kamen, sind mitleidserregend und noch dramatischer. „Lo Spagnoletto“ (der kleine Spanier) nannte man ihn. Meisterhaft und bestechend und sehr modern ist seine hier gezeigte Zeichnung Kopf mit Verband, die um 1630 entstand. Sie lässt an die Nachkriegsszenen von Otto Dix denken. De Ribera war außerdem einer der ganz großen Druckgraphiker, der später nur noch von Goya übertroffen wurde. Viele Radierungen von ihm sind allerdings nicht erhalten. Man nimmt an, dass er sie vorallem fertige, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, als er noch in Italien lebte. Einige davon sind permanent im Berliner Kupferkabinett.

In Madrid brillierte der Hofmaler von Philipp IV, Diego Velázquez (1599-1660). Olivares, von dem auch ein Portrait zu sehen ist, holte ihn im Auftrag des König Philipp IV aus Sevilla nach Madrid, weil es Velázquez u.a. auch verstand, die Anzeichen der Dekadenz der spanischen Monarchie auf den königlichen Gemälden zu vertuschen. Philipp IV wusste das zu schätzen und machte Velazquez zu einem hochbezahlten Kultur-Beamten. Pinselstrich, Farbpalette, Motiv, Licht und Luft auf Velázquez‘ Werk sind nicht zu übertreffen. Leider sind von ihm nicht viele Meisterwerke gekommen. Die Dame mit der Hand am Stuhl, die uns recht kalt, aber unsicher-arrogant direkt ansieht, ist sonst auch in der Berlin zu sehen. Makellos vollendet ihr Kleid mit Goldbordüren, der Hintergrund wie von Turner gemalt. An Turner denkt man bei Veláquez‘ Bildern sowie immer wieder. Auch das Portrait aus dem Prado von Francisco Pacheco, Velázquez‘ Schwiegervater, hat es in sich. Hier entblößt der Meisterschüler die Seele seines strengen Lehrers. Die Halskrause ist ein vollkommenes Kunstwerk an sich. Weiß-grau-bläulich unterbricht sie die schwarzen Haare, das braune Bauerngesicht und das schwarze Kleid. Es entstand um 1620.

Veláquez‘ müder und in Philosophenpose sitzender Mars entstand 1641 und kam aus dem Madrider Prado nach Berlin. Das Bild ist so unvelazquisch und zeigt durchaus Rubens-Charakter. 1628 kam Rubens nach Madrid und war für ein paar Monate Gast am spanischen Hof. Rubens hat Veláquez zwar nicht unbedingt beeindruckt, aber seinen Wunsch, die großen Italiener kennen zu lernen, bestärkt. Ein Jahr später, 1629, gewährte ihm der König dann bezahlten Urlaub und Velázquez machte sich mit großem Gefolge auf nach Italien und lernte die Bilder von Raffael, Michelangelo, Tizian und Tintoretto kennen.

Von Francisco de Zurbarán (1598-1664) hängt das Schweißtuch der Veronica in der Ausstellung, es ist ein minimales Meisterwerk. Zurbaráns Motive waren meist Mystiker oder Heilige mit verklärtem Blick, die Hintergründe oft düster und verschwommen und Details aufs minutiöseste ausgearbeitet. Die Heilige Margarete von Antiochien entstand um 1635 und kam aus der Londoner National Gallery nach Berlin.

Das Bücherstillleben entstand 1635 in der Madrider Schule und gehört zum Bestand der Gemäldegalerie; es ist eines der wenigen Zeugen, die auf die auch so blühende Literatur und Theaterlandschaft zu Beginn des 17. Jahrhunderts hinweisen. Die Bücher sind im Gebrauch, sie wurden oft aufgeschlagen und umgeblättert, gierig, lernfreudig. Fast tut es uns leid, dass sie so zerlesen sind. Ein Federkiel und eine Sanduhr als Symbol der Vergänglichkeitsind ebenfalls zu sehen.

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El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez
Ausstellungsansicht – © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Achim Kleuker

Von Büchern umgeben ist auch Velázquez‘ Hofnarr Diego de Acedo (1635). Aus dem Prado kam es nach Berlin und ist eines der Meisterwerke, von denen man gern noch mehr gesehen hätte. Schwarz-grünlich das Gemälde, Lichtfokus sind die weißen Blätter der Wälzer. Hilflos-traurig schaut er schräg nach unten, in die leere Velázquez-Luft.

Es geht hier schließlich um das Zeitalter von Miguel de Cervantes, Francisco de Quevedo, Lope de Vega oder Luis Gongora.1605 erschien der erste Teil von Cervantes‘ Don Quijote, nur 10 Jahre später der Zweite. Schon 1621 begann man mit einer deutschen Übersetzung, die ersten 23 Kapitel sind schließlich 1648 erschienen. Die Tieck-Übersetzung gab es dann erst 150 Jahre später.

Auch die Skulptur des 17. Jahrhunderts ist mit beeindruckenden Werken vertreten, darunter eine schmerzensreiche Mutter von Pedro Roldán. Die Madonna weint Glasperlentränen, die aus von Trauer verschleierten Augen fließen. Die Skulptur entstand 1670 und beschloss das Ende dieser segensreichen Periode, dem Siglo de Oro!

Nach dem Tod 1665 von Philipp IV kam sein Sohn Karl II an die Macht. Inzuchtgeschädigt und gesundheitlich sowie geistig schwer angegriffen starb dieser im Jahre 1700 ohne Nachfolger; die Person Karl II hat Dichter und Komponisten immer wieder inspiriert und bewegt. Mit ihm erstarb auch das Habsburgergeschlecht in Spanien und die französischen Borbonen übernahmen das Zepter.

An die 150 zum Teil bemerkenswerte Exponate aus großen Museen aber auch viel aus dem Berliner Fundus sind in der Ausstellung zu sehen, nicht nur von den fünf Großen. Man lernt auch einige weniger oder unbekannte Maler und Bildhauer kennen. Manche Leihgaben waren zum ersten Mal in Deutschland.

Und trotz Zurückgreifen auf die beachtliche Sammlung spanischer Kunst in der Gemäldegalerie hat die Spanierin Maria Lopez-Fanjulvier Jahre für diese Ausstellung gearbeitet.

Bis zum 30. Oktober ist sie noch zu sehen.

Christa Blenk

 

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Carl Andre – Sculpture as Place

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Carl Andre : Sculpture as Place, 1958-2010

In den Rieckhallen des Hamburger Bahnhofes sind seit dem 5. Mai über 300 Arbeiten dieses  amerikanischen Minimalisten zu sehen. Eine komplettere oder größere Ausstellung über diesen Künstler hat es noch nie gegeben.  Arbeiten aus 50 Jahren, Skulpturen, Installationen, Fotos, Gedichte, sogar seine Assemblagen „Dada Forgeries“ sind dabei.  Einen adäquateren Ort als die Rieckhallen hätte man für Carl Andre nicht finden können. Als ehemalige Lager- und Speditionshallen können diese Räume problemlos mit Andres Dimensionen umgehen bzw. sie beherbergen und wenn man aus dem Fenster sieht, blickt man auf Baumaterial und Container, die fast wie eine „schlampige“ Fortsetzung seiner Werke wirken. Der geneigte Besucher darf sogar über die Bodeninstallationen gehen, allerdings nicht mit nassen Schuhen!

Auf dem Weg zu den Rieckhallen geht es aber zuerst in die historische Halle des Museums. Dort  steht eine 1995 entstandene zehn Meter große Arbeit 6-Metal Fugue.  Andre hat  diese 1296 Quadrate aus verschiedenen Metallen dem Chemiker Dimitir Mendelejew  gewidmet. „Das Periodensystem der Elemente ist für mich das, was für den Maler das Farbspektrum ist“, beschreibt Andre seine Installation. Er selber sieht sich als Turner der Moderne und wenn man um die Skulptur herumflaniert, kann man dem nur zustimmen.

Die Skulptur Zeitlos 5-7 wurde für diese Halle 1988 anlässlich der Ausstellung Zeitlos. Kunst von heute im Hamburger Bahnhof gefertigt.

In den ersten Räumen der Rieckhallen befinden sich seine früheren Arbeiten. Langsam muss man an den Werken entlang oder über sie hinweg schreiten, sonst spürt man den Zauber des Einfachen, Unfertigen, Kruden nicht.  Die Anordnung der Werke hat er persönlich überwacht oder überwachen lassen. Da geht es um Millimeter und immer findet man die Verbindung von einem Block zum anderen und versteht, warum er gerade so und nicht anders liegen muss.

Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist seinen Gedichten gewidmet. Worte sind ebenfalls Werkzeuge, um eine Skulptur zu schaffen.  Von 1960 bis 1965 war er in einer sehr ausführlichen und produktiven dichterischen Phase.  Alles ging immer nach System und nach Pattern, obsessionell.

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Carl Andre – Historische Halle (Karlsplatz)
 

Und so geht es von einem Raum in den anderen, Filme sind zu sehen, zwischendurch immer wieder Gedichte oder kleinere Arbeiten, Dada Manches, minimal das Meiste.

„My work doesn’t mean anything, it’s just the presentation of materials in den clearest form I can make it“ (Carl Andre, 2013).

Passport ist ein Skizzenbuch, in dem er von ihm benutzte Materialien oder Meisterwerke der Kunstgeschichte festgehalten werden, wie Goya, Brancusi, Gorky, Lord Byron oder Frank Stella.

Carl Andre ist 1935 in Massachusetts/USA geboren und lebt und arbeitet in New York. Er hat unseren Umgang mit Skulptur oder den dazu verwendeten Materialien komplett verändert, unseren Blick geschärft. Andre hat uns gezeigt, wie schön eine verrostete Eisenplatte sein kann oder wie viel Poesie ein nicht abgeschliffener Holzblock ausstrahlen kann. Er ist ohne Zweifel der Mittelpunkt der Minimal Art. Seine Materialien sind Holzbarren, Stahl, Kupfer, Aluminium, Steine, Ziegel oder Platten. Andre ging als einer der ersten aus dem Atelier und arbeitete ortspezifisch. Der Ort an dem er etwas errichtet ist immer Teil der Skulptur (sculpture as a place).  Schon 1960 hörte er auf, seine Materialien zu bearbeiten und bewegte sich immer weiter weg von geschaffenen Formen oder Umrissen. Er zerschneidet nicht das Material als solches sondern zerschneidet mit dem Material den Raum (cut), den er gerade bearbeitet.

Die Ausstellung hat Lisa Marei Schmidt kuratiert; sie geht noch bis 21. September 2016.

Christa Blenk

 

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No it is! – William Kentridge in Berlin

Kentridge 015

Vergehen, Verwehen, Verändern, Verzaubern, Verlieren

Als die Bilder laufen lernten oder: die Massendemonstration, die von einer Kaffeekanne aufgesogen wird.

William Kentridge ist einer der interessantesten zeitgenössischen Künstler. Berlin widmet ihm in diesem Jahr einen Theater und Kunstsommer. Im Rahmen des Festivals Foreign Affairs  sind im Martin-Gropius-Bau Filme, Zeichnungen, Objekte und Rauminstallationen zu sehen, begleitet wird dies durch Lecture-Performances, Theater- und Musikveranstaltungen an anderen Orten in Berlin.

Im ersten Raum läuft die Videoinstallation, die Kentridge dem französischen Film-Pionier Goerges Méliès (1861-1938) widmete (Seven Fragments for Georges Méliès). Auch Méliès hat mit dem in seiner Zeit zur Verfügung stehenden Techniken experimentiert. Kentridge tut das gleiche und lässt die Aufnahmen rückwärts abspielen. Der Kaffee läuft in die Maschine und der Malpinsel nimmt die getätigten Striche wieder auf und Bücher schlagen sich umgekehrt zu oder auf. Welt und Zeit stehen auf dem Kopf. Und schon ist sie wieder da, Kentridges Obsession: DIE ZEIT! Wieder steht sie im Raum, die Frage, ob man sie, die Zeit, zurückdrehen kann.

Bei dem Film Day for Night vermischen sich Ameisen mit Sternbildern und Journey to the Moon ist der Schlüssel zu seiner ganz persönlichen Wunderkammer. Hier gehen wir auf seinen Spuren durch sein Atelier. Arbeitsprozesse werden vorgestellt und das Hilfsmaterial wird präsentiert.  

Weiter geht es mit seinen in Johannesburg 1989 begonnenen Animationsfilmen, die anhand von Kohle oder Kreide entstanden sind.  Drawings for Projection sind Filme wie Felix in Exile (1994) oder Tide Table (2005). Sein Hauptprotagonist ist Soho Eckstein, ein nicht sehr sympathischer weißer Minenbesitzer, der Im Nadelstreifenanzug vor seinem Schreibtisch sitzt und immer reicher wird.  Ms Eckstein, so wie es aussieht, ist jung und hübsch und hat wohl ein Verhältnis mit Felix Teitlebaum. Diese Produktion ist genial gemacht und verändert sich ebenfalls durch Überwischen oder Überlagerung bzw. Ausradierungen (24 Bilder pro Sekunde im Film).

More sweetly play the Dance (2015) ist eine 44 Meter lange Prozession wie man sie vielleicht in New Orleans sehen und hören kann. Lebensgroße trommelnde Figuren, singende Skelette, tanzende Geräte vereinen sich zu einem Totentanz nach dem Gedicht Todesfuge” von Paul Celan. Eine Allegorie der Mühe und der Vergänglichkeit.

Die Video-Installation The Refusal of time (2012) beschließt die Ausstellung, aber dem Besucher fällt es schwer, zu gehen. Sie lässt ihn nicht los. In der Mitte steht The Elephant, nach einer Metapher von Dickens Hard Times, die über die Monotonie der Industrialisierung philosophiert.  Sie spuckt Bilder und Fragmente aus, begleitet von Metronomen, die wieder den Faktor Zeit ins Spiel bringen. Die Musik dazu ist von Philip Miller; die Choreografie von Dada Masilo. Diese Installation wurde auf der dOCUMENTA (13) gezeigt.

Medienübergreifende Geschichte, Buschmagie aus den afrikanischen homelands, Goyas Schwarze Malerei  oder die surreal-expressionistischen und witzig-beunruhigenden  Zeichnungen und Radierungen von Gerardo Aparicio standen hier Pate.

Kentridge, der eigentlich Anwalt, wie sein Vater werden wollte, beeindruckt nun mit seinen sprudelnden sozialen oder kritischen Ideen als Künstlerbotschafter die Welt.

Kuratiert hat die Ausstellung Wulf Herzogenrath. Sie ist noch bis zum 21. August im Martin-Gropius-Bau zu bewundern.

Don’t miss it – die Zeit rennt!

Christa Blenk

Kentridge in Rom am Lungotevere

Refuse the Hour

 

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My virtual gallery – blog collection N° 18

Cristina Crespo – italienische Künstlerin, lebt und arbeitet in Rom.

Cristina Crespo ist eine nostalgische Romantikerin. Sie liebt die Liberty-Zeit, Blumen, Tanz, Theater und den Orient. Ihre letzten Arbeiten haben sich vor allem mit dem Tanzikonen der 20er und 30er Jahre befasst. Sie hat sie alle, Rubinstein, Duncan etc. in ihre ganz persönlichen Theaterinszenierungen eingebaut. Intensiv, delikat und einmalig.

cristina crespo

 

 

mehr über Cristina Crespo

Artikel in italiensicher Sprache

My virtual gallery – blog collection N°17

Anna Romanello – Italienische Malerin und Grafikerin, lebt und arbeitet in Rom.

Anna Romanello ist in Kalabrien geboren, hat in Mailand und Paris studiert und sich dann in Rom niedergelassen, wo sie an der römischen Kunstakadamie unterrichtete. Ihr großer Lehrer in Paris war SW Hayter und von ihm hat sie auch Alles über das Grafische in der Kunst gelernt. Sie selber hat im Laufe der Jahre neue und innovative Grafik- und Radierungstechniken entwickelt, über die sie sich in von ihr organisierten workshops mit anderen europäischen Größen der Radier- und Grafikkunst austauschte und die sie in ihren persönlichen Arbeiten ebenfalls anwandte. Ihre abstrakt-expressionistischen Arbeiten strahlen Energie und Licht aus. Orange, Rot, Grün sind auch ihre Lieblingsfarben, wenn es um Kleidung geht.

 

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Ovale Colonna (2016)

Das hier gezeigte Werk gehört schon zu ihren neuen Arbeiten, die im Herbst in Rom auf dem Celio Hügel (Case Romane al Celio) gezeigt werden. Die römische Säule steht im Dialog mit ihrer Arbeit, die sich von den Farben her vom römischen Rot-braun absetzt. Romanellos Farben erzählen von der grellen Sonne und dem flimmernden Licht das sie in Süditalien, wo Romanello aufwuchs, jahrelang in sich aufgesogen hat.

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Christa Blenk

 

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Mehr über Anna Romanello

William Kentridge – Triumphs and Laments – Rome project 2016

William Kentridge – “Triumphs and Laments”

Seit April 2016 präsentiert William Kentridge in Rom am Tiberufer, auf 500 Metern zwischen Ponte Sisto und Ponte Mazzini, seine persönliche Interpretation der Geschichte Roms. Aufstiege und Niederlagen, Krieg, Frieden, Flucht.

Die römische Wölfin oder der Tod von Remus stehen den Taten von Herkules gegenüber. Ciceros Kopf, der Engel auf der Trajansäule, Papst Gregor VII und der Antipapst gleich neben dem abtrünnigen Mönch Giordano Bruno, dem von der Inquisition zuerst die Zunge herausgerissen wurde, und der anschließend bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung und Garibaldis Soldaten neben Anita Ekberg und Marcello Mastroianni umarmt im Trevi Brunnen. Alle Ereignisse, ob dramatisch oder erfolgreich sind gleichberechtigt und trotzen der Zeit, sind weder vergessen noch verdrängt. Der Kopf von Berninis Heiliger Theresa in Ekstase und der tote Körper Pasolinis am Strand von Ostia in einem Atemzug mit Benito Mussolini als stolzer Reiter. Nicht fehlen darf natürlich die Bialetti Kaffeemaschine. Über 80 Figuren an der Zahl. Vom gegenüber liegenden Ufer hat man einen besseren Gesamteindruck, aber die Nähe zu den überdimensionalen Werken wenn man direkt darunter steht und nur schwer erkennen kann, worum es geht, ist fast gespenstig.  

Minuaturmauer im Museum

Eine Ausstellung im Museum für Zeitgenössische Kunst in Rom (MACRO) bereitet den Zuschauer auf das ikonographische Mammutwerk vor. Zwei Projekträume bringen uns die Idee näher. Auf einem Film kann man Kentridge im Dialog mit seinem Alter Ego zuhören, wie er sein Projekt vorstellt oder mit ihm diskutiert. Die Idee zu dieser idiosynkratischen Präsentation ist schon vor ein paar Jahren entstanden. Zuerst zeichnete Kentridge mit Kohle und Tusche auf alte Bögen, die aus einer Buchhaltung stammen könnten, dann werden diese, aleatorisch scheint es, zerschnitten oder zerrissen und wenn die Schnipsel sich wieder finden oder auch nicht finden, kommt Bewegung in die Figuren und es entstehen Engel oder Pferde. In Miniatur- und Scherenschnitttechnik werden die 500 Meter auf 5 Meter reduziert gezeigt.

Schon Weihnachten 2015 hat er mit den Arbeiten am Mauerfresko begonnen. Mit Hilfe riesiger Schablonen, die mit Spezialmaschinen angefertigt wurden, ließ er die Farbe im Negativ auf die Mauer auftragen. Den Schmutz an der Ufermauer hat er gleich in sein monumental-schwarz-weiß-Fresko mit einbezogen. Ein weiterer Film in der Ausstellung dokumentiert die aufwendigen Arbeiten des Anbringens.

Die Zeit ist für Kentridge eine fundamentale Inspiration und immer wieder befasst er sich in seinen Werken damit. Zeitlos und aktuell ist auch dieses, sein letztes Werk und man versucht gar nicht, die Personen einer Epoche zuzuordnen. Sie verwischen sich oder gehen ineinander über. Eine Geschichte bringt uns zur nächsten.

Schwarz-weiß sind seine Arbeiten, Licht und Schatten, Scherenschnitte und Zeichenkohle. Schwarz-weiß ist er auch immer gekleidet, dieser große Kentridge.

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Die Fresken hat er nicht für die Ewigkeit gemalt. Wie lange sie halten werden Zeit und Wetter bestimmen – und natürlich die römischen Bürger. Vor ein paar Tagen hat nämlich der Aufbau von Markt- und Essständen direkt vor der Mauermalerei begonnen (zum großen Ärger von Kentridge), die den Sommer über die Besucher an das sonst eher nicht so belebte und beliebte Tiberufer locken sollen. Die römische Geschichte muss dann hinter Pizza, Bier, Zuckerwatte und Eis zurücktreten! Hier werden ganz klar Prioritäten gesetzt!

Der südafrikanische Künstler und Theatermann, William Kentridge, gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Kunstwelt. 1955 in Johannisburg geboren, studierte er in Südafrika und Europa. Kentridge hat viele Preise gewonnen und ist Ehrendoktor der Yale University. Er ist außerdem Dauergast bei der Documenta und bei der Biennale von Venedig und das Welttheater reißt sich darum, mit ihm zusammen zu arbeiten.

Die Ausstellung ist noch bis 2. Oktober 2016 zu sehen (ob allerdings die Fresken so lange halten!). Die Ausstellung Projekt Room #1 und #2 hat Federica Pirani mit Unterstützung von Claudio Crescentini kuratiert und ist in Zusammenarbeit mit der Galleria Lia Romma Mailand entstanden.  

Mehr: triumphs and laments

Christa Blenk

Hauskonzert bei Elizabeth Sombart

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Elizabeth Sombart – Sala Résonnance

 

Ca einmal im Monat lädt Elisabeth Sombart zu ihrem Hauskonzert in die Sala Résonnance in Trastevere ein. Das Programm kennt man vorher nie und meistens spielt sie nicht alleine. Heute abend boten zuerst zwei ihrer Masterclass Schüler eine ziemlich gute Aufführung von Schumanns Klavierkonzert dar. Sie selber spielte im Anschluss ein wenig Brahms und Saint-Saëns, Werke die schon zu ihrem nächsten Album gehören, das im September in London aufgenommen werden soll. Nach dem kostenlosen Konzert bleiben  die Besucher noch zu einem kleinen Imbiss. Dieser Ort ist sicher einer der originellsten Konzertorte in Rom, gleich am Einfang rechts eine filigrane Kappelle und links ein wunderschöner Privatgarten.

Wo die Musik sonst nie hinkommt!

Elizabeth Sombart ist Gründerin und Präsidentin der « Fondation Resonnance », die 1998 entstand und in Frankreich, Italien, Belgien, Rumänien, Spanien und im Libanon aktiv ist. Es geht hier hauptsächlich darum, klassische Musik an Orten aufzuführen, an denen sonst keine Musik gemacht wird wie Krankenhäuser, Pflegeheime, Strafanstalten etc.  Außerdem gehören Klavierschulen zum Programm, die frei und ohne Prüfung oder Altergrenze unterrichten. Schließlich war Franz von Sales der Patron der Intellektuellen und Gehörlosen!

Sombart ist keine typische Pianistin, die im strengen schwarzen Abendkleid auftritt. Heute abend hat sie ohne Schuhe gespielt!

Elizabeth Sombart ist 1958 in Straßburg geboren, dort hat sie auch Klavierunterricht bekommen. Später studierte sie in Buenos Aires und in London, später in Wien, u.a. auch bei Celibidache. Musik-Phänomenologie gehört zu ihrem Spezialgebiet.

Christa Blenk

 

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My virtual gallery – blog collection N°16

Antonio Passa – italienischer Minimalist; lebt und arbeitet in Rom

Der italienische Künstler und Kunstanalytiker Antonio Passa befasst sich seit über 40 Jahren mit dem Zusammenspiel von Malerei und Mathematik. Sein Auftragswerk « Il Ri-tratto di Antonio » wurde sogar in Musik von Riccardo Santoboni umgesetzt. Der Titel ist ein Wortspiel und bedeutet einmal Selbstportrait (ritratto) aber auch die Wörter Gerade-Linie sowie Abhandlung sind darin versteckt.

 

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Il Ri-tratto di Antonio (2008) 240 x 430 cm
 

1939 ist Antonio Passa am Tyrrhenischen Meer geboren. In Neapel hat er Kunst studiert und in Bologna seine Doktorarbeit über « Poesia Visiva » fertig gestellt. 1970 kam er nach Rom und setzt sich seitdem mit dem konzeptuellen Dialog in der Kunst auseinander, unterlegt hat er dieses Konzept 1973 mit der Serie Quadro Quadrato.1986 war der Teilnehmer bei der Biennale di Venezia; zweimal war er bei der Quadrienale in Rom vertreten.

Mehr über ihn und sein spannendes Werk

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Christa Blenk

 

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Römische Wandmalereien im Palazzo Massimo

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Casa Farnesina

 

Die Villa Iulia oder Casa della Farnesina stand um 20 v.C. am Ufer des Tibers. Man sagt, sie sei der Wohnsitz des Marcus Vipsanius Agrippa gewesen. Sie wurde seinerzeit zu nahe am Tiberurfer gebau und war deshalb vor Überschwemmungen nicht sicher. Als am Ende des 19. Jahrhunderts die Dammarbeiten begannen, wurde sie in den Gärten der Renaissance-Villa Farnesina entdeckt. Vier Räume und zwei Gänge sind fast vollständig erhalten. Die Wände waren reicht verziert mit typischen frühaugustischen Motiven. Ähnlich den Fresken der Casa di Livia sind auch diese im 2. und 3. Stil der römischen Wandmalerei entstanden. Heute zählen sie zu den wichtigsten Zeugen dieser Zeit um die den Beginn des Christentums.

Direkt nach ihrer Entdeckung wurden die Fresken abgenommen und sind heute im Palazzo Massimo, am Bahnhof Termini, zu bestaunen, ebenso wie die Malereien der Casa di Livia, die ursprünglich an der Prima Porta hingen.

 

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Casa di Livia

 

 

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Abschlusskonzert – Consorzio Liberi Musicisti

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Am 11. Juni 2016 fand in der Sala dell’Immacolata Santi Apostoli das letzte Konzert dieser Saison organisiert durch Consorzio Liberi Musicisti statt. Dieser Abend war der Musik des 20. Jahrhunderts gewidmet – großzügig ausgelegt! Die Pianistin Eunmi Ko spielte Werke von Ligeti, Ruggeri, Bartók, Biscione, Liberatore, Annunziata und Liptak. Sie alle (ausser Bartók) sind im 20. Jahrhundert geboren.

Es gab eine Welt-, eine Europa-, eine Italien- und eine Romuraufführung gestern Abend.  

Eunmi Ko eröffnete mit György Ligetis (1923-2006) Musica ricercata (1951-1953 entstanden). Es sollte sich als das zeitgenössischte von allen herausstellen. Obsessiv, rhytmisch, mathematisch und war sicher sehr schwer zu spielen, aber eigentlich nicht schwer zu hören. Es folgte Poesia senza parole von Guido Ruggeri (*1972), der auch anwesend war, spätromantisch und inspiriert von einem Gedicht von Alda Merini. Von Béla Bartók (1881-1956) spielte sie zwei der 10 Easy Pieces ( Evening in Transylvania und Bear Dance), die er um 1908 komponierte. Das kurze Werk Microsuite von Federico Biscione (*1965) war eine Welturaufführung und eine klare Bach-Referenz. Er war ebenfalls gestern Abend anwesend. Interessant und das spannendste Werk an diesem Abend die sehr intellektuelle Komposition des jungen Amerikaners John Liberatore (*1984), sie entstand dieses Jahr.   Line Drawing I-IV war italienische Uraufführung. Die vier Stücke für Piano (Preludio, Invenzione, Egloga, Danza) von Alessandro Annunziata (*1968) entstanden 2006 und wurden in Rom gestern zum ersten Mal gespielt. Annunziata hat sie für den italienischen Pianisten Fernando Rossano komponiert, ausdrucksstarke, farbenreiche und lyrische Bilder. Annunziata war gestern abend nicht nur als Komponist vertreten, er ist auch der Organisator dieser Konzertserie. Aus Constellations vom amerikanischen Komponisten David Liptak (*1949) wurden Cygnus, Cassiopeia und Lyra als europäische Uraufführungen  gespielt.

Interessantes Programm, die Akkustik in diesem Saal lässt allerdings zu wünschen übrig und die Pianistin hat nicht immer den richtigen Anschlag für den schwierigen Saal gefunden.

Christa Blenk

 

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Status of Lost Imagery – Antonia Low

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Die Stipendiatin der Casa Baldi in Olevano Romano, Antonia Low, präsentiert seit vorgestern im Palazzo Altemps in Rom ihre Installation « Status of Lost Imagery ».

Es geht hier um die Bombardierung des Palmyra-Museum. Low hat ein Zeitungsfoto von der Verwüstung des archäologischen Museums vergrößert und dieses gepixelte Bild auf Stoff gedruckt. Wir reden hier von der Fläche von ca. 80 qm, womit der Saal, ein Seitenflügel dieses römischen Museums, auch komplett ausgefüllt ist.  Mit Schutzschuhen darf man die Ruinen betreten, das heisst sich über und in  ihnen bewegen. Hier sieht man eine Statue ohne Kopf, dort kann man die Umrisse von Gebäudeteile ausmachen. Die installierten Abgrenzungen erinnern an die damals abgesperrten Zonen.

Low hat mit dieser Installation den Ruinen einen anderen Sinn gegeben, in dem sie sie als zeitgenössische Kunst präsentiert und sie so – verwandelt – wieder ins Geschehen und in die Kunstwelt zurückholt. Als Besucher fühlt man sich wie ein Zeitreisender, der nicht genau weiß, in welchem Jahrhundert er sich gerade aufhält. Eine Art Schwindelgefühl, da man gefühlt über kleine Anhöhen steigen oder Löchern ausweichen muss. Low hat das Riesenstoffposter so drapiert, dass eine unendliche Tiefe entsteht, es werden verschiedene Ebenen vorgetäuscht, ein trompe-l’oeil.

Man braucht ein wenig Fantasie; das Ausgangsfoto ist nicht ausgestellt. Sie hat es aber wohl bewusst weggelassen. Somit gibt es keinen Vergleich, kein Vorher / Nachher.

Die Zerstörung erfolgte im Frühjahr durch eine Bombe, sie könnte aber auch auf ein Erdbeben,  eine andere Katastrofe oder einfach nur auf zu viele Touristen zurückzuführen sein. Lediglich ein ausgelegter Zettel gibt ein wenig Info. Vielleicht wollte die Künstlerin das Publikum einfach nur mit der Zerstörung an sich konfrontieren und eine Auseinandersetzung damit herbeiführen.

Beeindruckende Installation, die man nur zögernd, ungern wieder verlässt, obwohl sie Beklemmung hervorruft.

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Rauminstallation Antonia Low im Palazzo Altemps (Fotos Christa Blenk)

Im  Palazzo Altemps befinden sich römische und griechische Skulpturen, alle älter als 2000 Jahre, so alt wie die zerstörten Tempel in Palmyra. Direkt daneben die Ruine eines römischen Palazzo, ihn hat die Zeit und die Nutzung zerstört.

Die Installation ist noch bis zum 3. Juli 2016 zu sehen.

Antonia Low ist 1972 in Liverpool geboren, lebt aber hauptsächlich in Berlin. Low befasst sich bei fast all ihren Arbeiten mit dem Raum oder abgeschlossenen, eingegrenzten Flächen.  So heißen ihre Installationen « Der verlorere Raum » oder « A Room recalls » etc.

Christa Blenk

 

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