Festival Internazionale di Canto Sacro – Ensemble Nobiles

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Vom 27.-29. Mai 2016 fand in Rom das VII Festival Internazionale di Canto Sacro in der Basilica di Santa Maria in Aracoeli statt.

Das deutsche ENSEMBLE NOBILES war mit einem besonderen Programm nach Rom gereist und hat am 29. Mai in dieser prächtigen Kirche ihre „Musical Mass“ aufgeführt.

Das Vokal-Ensemble (Paul Heller, Christian Pohlers, Felix Hübner, Lukas Lomtscher, Lucas Heller) baute gestern Abend viele Brücken vom gregorianischen Gesang bis in unsere Zeit und glitt samtig, perfekt und dynamisch durch die Jahrhunderte der Kirchenmusik. Ein Kyrie von Vincenzo Ruffo (1508-1587) leitete zu einem dramatischen Gloria von Berthold Hummel (1925-2002). Vom 15. Jahrhundert über Josquin des Prez (1450-1521) ging es weiter in die deutsche Romantik mit dem Sanctus aus der Deutschen Messe von Franz Schuberts und nochmal ein Jahrhundert weiter zu Francis Poulencs (1899-1963) Laudes des Saint Antoine de Padoue. Wieder ein Abstecher zum Gregorianischen Gesang und ins 16. Jahrhundert zu William Byrds delikaten Ave verum corpus, welches von einem Ave Maria von Christian Pohlers abgelöst wurde. Mit einem weiteren Werk von Paul Heller, von dem auch der liturgische Einzug stammt, ging diese originelle Messe zu Ende. Eine brillante und abwechslungsreiche Zusammenstellung, die in 90 Minuten fast 1000 Jahre umspannte.

Genaueste Präzision, große Sensibilität, perfektes und harmonisches Zusammenspiel, volle und doch transparente, reine Klänge, zarteste pianissimi und cremige, impressionistische Farben, zeichnen dieses großartige Ensemble aus. Sie machten „bellissima figura“ am letzten Festival-Tag. Man wird noch sehr viel von ihnen hören!

Das Vokal Ensemble Nobiles entstand 2006, als sich die fünf jungen Sänger aus dem Chor der bekannten Thomaskirche in Leipzig zusammentaten. Sie arbeiten zurzeit mit Werner Schüssler und John Potter, dem Hilliard Ensemble und dem Ensemble Amarcord. Ihr Repertoire schließt die komplette Musikgeschichte ein, angefangen vom gregorianischen Gesang, Mittelalter zur deutschen Romantik ins 21. Jahrhundert.

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und zum Schluss noch ein Geschenk vom Organisator des Festivals

Christa Blenk

 

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My virtual gallery – blog collection N° 13

June Papineau ist eine US-schweizerische Künstlerin und Fotografin, die in Genf lebt und arbeitet. Studiert hat sie in den USA, in Paris und in Madrid.

 

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 June Papineau – Mantic Skin

June Papineau kann man keiner Kunstrichtung zuordnen. Sie ist eine zarte, barocke Konzeptkünstlerin, die Themen aufgreift, die sonst nie behandelt werden. Sie verbringt viel Zeit damit, die Natur zu beobachten und zu verarbeiten. Sie ist eine Zauberin, geheimnisvoll und eigenwillig, die monatelang gefallene Bäume im französischen Jura ankleidete, ihnen später diese aus einer geheimem und von ihr entwickelten Tinktur selbstgeschneiderten Kleider wieder auszog und sie ausstellte. Diese Skulpturen erinnern an Monster aus einer anderen Zeit oder versteinerte Wesen.

Zur Zeit befasst sie sich mit Salicorne, dem kleinen Salzgemüse, das am Rande von Salinen zu bestimmten Zeiten wächst. Ihr Salicorn kommt aus Griechenland und deshalb stellt sie im Mai 2016 Projekte und Gemälde zu diesem Thema in Athen aus.

Und hier eine Kurzgeschichte über das Jura-Moor-Abenteuer mit June Papineau :  von Moorgeistern und Laubfrauen

Christa Blenk

 

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Deutsches Musiktheater beim Fast Forward Festival – Schwarz auf Weiss

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auch für KULTURA EXTRA

Maßgeschneidertes Musiktheater als Metapher der kollektiven Erinnerung

„Und da fuhren wir, die Sieben, voll Schreck von unseren Sitzen auf und standen schaudernd. Denn die Stimme des Schattens war nicht die Stimme eines Wesens, sondern die Stimme vieler, und ihr Tonfall, der von Silbe zu Silbe wechselte, schlug düster an unser Ohr mit einem Stimmklang, den wir wohl kannten – mit dem Stimmklang von vielen tausend abgeschiedenen Freunden“ (Edgar Allan Poe, „Schatten“)

Es ist Nacht und die Sieben sitzen in einem hohen Saale in der Stadt Ptolemais. Es wird zwar nicht extra erwähnt, aber wir wissen es trotzdem: sie können nicht entkommen, sie sind isoliert. Einer von ihnen, der junge Zoilus, ist schon tot.

Eingeschlossen sind auch die 18 Protagonisten von Heiner Goebbels Stück Schwarz auf Weiß. Schon zehn Minuten vor Beginn füllen sich langsam und gleichmäßig Theater und Bühne. Als wir unsere Plätze einnehmen, sitzt nur ein Darsteller auf einer den langen einfachen Bänke, die zuhauf auf der Bühne stehen. In sich versunken schreibt er etwas, wohl französisch, denn er liest laut mit, was er schreibt. Nach zehn Minuten haben die meisten Zuschauer und Protagonisten ihren Platz eingenommen und in unserem Kopf schließt sich nun auch die Tür der Bühne. Die Panik, die sie wohl empfinden müssen, bekämpfen sie nicht mit (blut)rotem Wein wie bei E.A.Poe, sondern mit Beschäftigung. Sie spielen Federball, werfen Bälle auf die Perkussionsinstrumente am anderen Ende der Bühne, die ein unruhiges Donnern erzeugen, welches aber von einer Karten spielenden Gruppe gleich wieder relativiert wird. Sie scheinen sich zu amüsieren. Eine immer lauter werdende Sirene bringt aber die scheinbare Harmonie ins Schwanken, Feuerleitern werden aufgestellt oder wird vielleicht ein anderer Ausgang gesucht? Es herrscht Chaos und sie machen Musik. Wohl nicht die Pest, aber eine andere Katastrophe hat die Männer und Frauen des Ensemble Modern hier zusammen geführt.

Töne, Wörter, Körper, Formen, Instrumente, Choreografie, Licht und Schatten. Im Verlauf der nächsten ca. 80 Minuten werden Jazztöne und Trompetensoli, Sirenen und Teekesselpfeifen, weinende Geigen, schreiende Aktionsgeräusche und anstrengende Klänge, hörbare und regelmäßige Jazzpassagen gleichberechtigt eingesetzt, so konzentrieren wir uns immer wieder auf etwas Neues und können uns wieder neu sammeln. Ein Sampler sorgt für unbestechliche und redliche Verteilung. Eine ausgezeichnete New Orleans Trauermarsch-Improvisation mit glanzhaftem Auszug wird auf der Leinwand als Scherenschnittschatten wider gegeben und wir denken an Platons Höhlengleichnis. Die Leinwand fällt später elegant und manieristisch zu Boden. Überhaupt fällt Vieles zu Boden, es gibt aber gleich wieder Jemanden, der aufräumt. Man will den Ort an dem man eingeschlossen ist, sauber und ordentlich halten.

Heiner Müllers Stimme auf Band liest E.A.Poes „Schatten“ auf Deutsch, in englischer oder französischer Sprache werden an anderen Stellen Texte von T.S. Eliot und Maurice Blanchot gesungen oder gesprochen. Wörter, die direkt vom Ensemble Modern in Töne umgesetzt werden die Freude, Panik, Angst, Glück, Trauer verkünden.

Dann Finsternis und man wagt nicht zu applaudieren, um die Totenstille ja nicht zu stören. Vielleicht sollte vor der nächsten Aufführung das Publikum darum gebeten werden, vor dem Sturm wenigstens eine Schweigeminute einzulegen!

Schwarz auf Weiß hat Heiner Goebbels vor über 20 Jahren für und mit dem Ensemble Modern konzipiert, es ist auf sie zugeschneidert und kann auch nicht von einem anderen Orchester oder Ensemble aufgeführt werden. Bis jetzt kam es ca. 100 Mal zur Aufführung u.a. in Berlin, Brüssel. Dresden, Paris, Sevilla, Luzern, Taipeh, Moskau, Wien, Prag, München und Salzburg und fast alle Beteiligten sind schon seit der Uraufführung 1996 im Frankfurter Bockenheimer Depot mit dabei.

Diese Tonbandaufnahme von Heiner Müller, die Goebbels kurz nach Müllers Tod hörte, nimmt eine Schlüsselstellung in diesem Werk ein, d.h. der Text und Müllers Interpretation waren ausschlaggebend für die Fertigstellung und Aufführung. Zuerst kam die Vision, dann die Bewegungen, die Bilder, später der Text und nach der Premiere entstand schließlich die Partitur. Virtuosität und Perfektion sind nicht Goebbels Streben. Allerdings muss man natürlich sehr gut sein, um etwas Schwieriges amateurhaft so zu interpretieren, dass es perfekt und richtig, wie von Profis gespielt, wirkt. Einige der Musiker spielen bis zu sechs Instrumente, die sie nicht alle gleich gut beherrschen oder auch gar nicht beherrschen, sie singen und tanzen. Sie sind einfach nur umwerfend!

Improvisation, Umfeld, Publikum, Tagesform der Darsteller und die von Goebbels eingebauten und zu überwindenden Probleme geben der Aufführung etwas Lebendiges, sie erfindet sich jedes Mal wieder neu.

Was wir heute hören, ist nicht nur meine Musik, es ist auch all die Musik und die Geschichten dazu, die ich in meinem Leben gehört und gelesen habe (Zitat Heiner Goebbels vor der Vorstellung am Eröffnungsabend).

Beeindruckender erster Festival Abend im Teatro Argentina.  Fast Forward Festivals hat der italienische Komponist und künstlerische Leiter der Oper Rom Giorgio Battistelli erst dieses Jahr ins Leben gerufen. Es findet seit dem 27. Mai in Rom an unterschiedlichen Konzertorten statt und endet am 9. Juni mit Wolfgang Rihms Proserpina im Teatro Nazionale. Von den zehn Produktionen kommen zwei aus Deutschland, die das Goethe Institut Rom hierher geholt hat.

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Ensemble Modern nach der Vorstellung

Christa Blenk 

mehr über das Festival

 

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Mito e Natura – Von Griechenland bis Pompeji

Mito e Natura – Von Griechenland bis Pompeji

Hercolanum
Fresken in Herculaneum

Wer in der nächsten Zeit eine Reise nach Pompeij oder Herculaneum plant sollte nicht versäumen, die Ausstellung „Mito e Natura“ im Archäologischen Museum in Neapel im Anschluss zu besuchen. Im Museum, das über eine ausgezeichnete Sammlung verfügt, sind zwar fast permanent die Hälfte der Räume geschlossen (wegen Personalmangel) aber es reicht schon ein kleiner Teil, um einen Besuch lohnenswert zu machen.

Demeter mit Getreide oder Athena mit dem Ölbaum zieren die Vasen die zwischen 600 vC bis 200 nC vertreten sind. Dionisos steht in Trauben gekleidet vor dem Vesuv, wahrscheinlich nur kurze Zeit vor dessen Ausbruch 79 n.C. jedenfalls soll diese Wandmalerei in den 70er Jahren nC entstanden sein. Er ahnte natürlich nicht, dass kurze Zeit später die komplette Stadt in Lava, Asche und Bimssteinregen für die nächsten Jahrhunderte verschwinden würde. Ca. 35 nC soll eines der schönes Exponate entstanden sein: Ein friedlicher Garten in Blautönen, Vögel fliegen durch die Luft oder trinken in einem kleinen Brunnen, der Hausherr und die Hausdame sind portraitiert und vom Himmel herab kommen Theatermasken. Es ist Sommer und auch hier die Welt noch in Ordnung.

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Dionisos vor dem Vesuv (und Detail) kurz vor dem Ausbruch 79nC

Die Ausstellung behandelt Mensch und Natur anhand von umwerfenden Fresken von Lustgärten oder Episoden aus der griechischen Mythologie.

Dass die Landschaft an sich eine Erfindung der Romantik ist, ist eine Legende. Neben der Darstellung von mythologischen Szenen waren Gästen, Bäume, Pflanzen das wichtigste Motiv, mit denen die Paläste der römischen Villen in Pompeji, Herculaneum oder Rom von oben bis unten mit den allerschönsten, romantischsten und mysteriösesten Landschaften bedeckt waren. In den Ruinen selber sieht man davon dann und wann ein wenig, die meisten sind allerdings im Archäologischen Museum in Neapel, in Paestum oder in Rom zu bewundern und man kann nur staunen, wie gut sie erhalten sind! Die Griechen und die Römer haben die Darstellung von Landschaften und Gärten erfunden, diese wurde dann im Barock und in der Romantik kräftig ausgebaut und ausdrucksstark mächtige Felsen, reißende Flüsse oder tobendes Meer gemalt.

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Wandmalerei in Pompeji – Garten

Neben Vasen und Trinkgefäßen, Tonkrügen, Glas oder Bronze sind Schmuckstücke, goldene Lorbeerkronen, Votive oder Tafeln und sogar exklusiven Nahrungsmitteln und eben diese unglaublichen Fresken zu sehen. Immer wieder wird die Faszination aber auch der Respekt vor dem Meer hervorgehoben und nicht selten ist der Vesus – der viele Jahre vor dem großen Ausbruch friedlich und ungefährlich einfach nur da stand, so dass die Gefahr, die von ihm ausging, nicht mehr wahrgenommen wurde  – im Mittelpunkt des Geschehens. Ein Frauenkopf umgeben von fliegenden Blättern ist von einer frappierenden Modernität was Raumaufteilung angeht  Das bekannteste Ausstellungsstück ist der Taucher aus Paestum. Mutig und elegant springt er ins ungewiss wogende Blau.

 
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 Der Springer – Paestum

Bis September ist diese Ausstellung noch zu sehen, die während der Expo Mailand dort gezeigt wurde. Nach Neapel passt sie entschieden besser, da die meisten Exponate aus den vom Vesuv 79 n.C. zerstörten Städten stammen.

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Jagd auf die Kinder der Niobe – Wandmalerei Pompeji
 

Gemma Sena Chiesa, Angela Pontrandolfo, Valeria Sampaolo haben zusammen mit dem Archäologischen Museum Neapel diese Ausstellung kuratiert.

Christa Blenk

 

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Cavalleria Rusticana – Orchestra Roma Sinfonica

Applausi tutti
Foto: ©Marco Nardo

 L’appassionato incontro d’amore tra Lola e Turiddu sulla poltrona rossa anni sessanta è scrutato dalla chiesa e dal popolo, almeno così ci fa pensare il regista Stinchelli quando fa salire sul palco prima un prete e poi due donne vestite con un abito nero siciliano tipico del Verismo, che contemplano per breve tempo lo spettacolo e poi, probabilmente con disapprovazione, tornano tra il pubblico. Turiddu (Manrico Carta) canta a squarciagola la sua aria e gli abitanti del villaggio si riuniscono con gioia di fronte alla chiesa prima della messa del Lunedì di Pasqua in un villaggio siciliano.

Con questa scena finisce la parte allegra e gioiosa di questa breve opera ad un atto e la tragedia melodrammatica prende il suo prevedibile e inevitabile corso.

Santuzza (Silvia Pasini, che all’inizio era un po’ insicura, ma poi è riuscita sempre più a incantare il pubblico) appare ed evoca la mamma Lucia (Francesca Romana Cassanelli) che, distante e piuttosto brusca, prepara il suo piccolo bar per l’affollamento previsto dopo la messa. Il regista romano Enrico Stinchelli risolve l’intramontabilità del concetto amore-tradimento-passione con i costumi dei protagonisti. Di conseguenza, le donne anziane sono vestite con lunghi abiti neri presi dal Verismo (l’epoca del dramma), mentre le pie donne più giovani si presentano con caste gonne al ginocchio e Lola compare prima in mini abito e poi con un vestito da sera sexy rosso, scollato e con un lungo spacco, come se dovesse sfilare sul tappeto rosso di Cannes, per sedurre Turiddu e tutta la folla. L’ingannato Alfio, (Alessio Quaresima Escobar) convince con il suo talento di attore ed è costantemente accompagnato da due guardie del corpo che ricordano con i loro abiti neri e occhiali scuri il film Men in Black. La regia di Stinchelli è piuttosto convenzionale e semplice, ma alla fine della tragedia si trasforma improvvisamente in un quadro espressionista-manierista che sembra preso dalla serie di pittura nera di Goya. La Vespa Guzzi, con la quale Turiddu era sceso sul palco a Taormina nel 2002 ieri sera non c’era! Ma il grido della galleria vicino a noi « Hanno ammazzato Turiddu » ci fa sobbalzare sulla poltrona.

Grandi applausi

Scena e orchestra 3
Foto: ©Marco Nardo

L’Orchestra Sinfonica di Roma e il Coro di Roma Tre sotto la direzione del Maestro Isabella Ambrosini hanno fatto bella figura durante la rappresentazione della Cavalleria Rusticana di Mascagni il 19 maggio al Teatro Palladium. Turiddu, Santuzza e Lucia hanno assunto la parte all’ultimo momento e ciononostante si sono esibiti con maestria grazie anche a una guida personale molto discreta. Il Teatro della Garbatella è stato riorganizzato per questa serata. Hanno tolto le prime quattro file in platea per trasformarlo in una fossa d’orchestra. Non si può che elogiare l’esibizione, soprattutto sul piano musicale. La grande orchestra di giovani musicisti si è esibita in una performance impeccabile, cremosa e corposa, della più famosa opera di Mascagni, che si basa su una delle « novelle siciliane » di Giovanni Verga e dura quasi settanta minuti.

Christa Blenk

 

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My virtual gallery – (blog collection N° 12)

Die Malerin und Grafikerin Schirin Fatemi ist in Würzburg geboren; sie lebt und arbeitet zur Zeit in Hannover und in Rom.

 

Am Flusssklein
 Am Fluss – Schirin Fatemi

Am Fluss nennt sie eine ihrer letzten Arbeiten und dieser, der Fluß, bringt sie von ihrem bisherigen Weg ab und führt sie in eine neue Ära. Schirins frühere Arbeiten, meist Landschaftsszenen, waren geprägt von purer Geometrie und klar umgrenzten Farbfeldern. Bilder, die man sehen kann, wenn man durch die römische Kampagne oder durch das sommerliche Umbrien fährt. Ihren Farben,  Rot, Blau, Grün, Braun, oft Pastell, ist sie erstmals treu geblieben, hat der Landschaft aber farblich prominent eine linkisch wirkende Person hinzugefügt, die eigentlich, so scheint es, gar nicht dort stehen will aber trotzdem gleich unsere Blicke auf sich zieht und von der Landschaft ablenkt. Sie vermittelt dem Betrachter das Gefühl, noch nicht ihren Platz gefunden zu haben. Unschuld und Idylle sind gebrochen. Ob es ein Autoportrait ist, wissen wir nicht.

Radierungen sind Schirin Fatemis zweites Arbeitsfeld und wenn sie in Rom ist entstehen diese römischen Veduten, die in die Vergangenheit zurückgreifen und mit denen sich die Künstlerin in die lange Liste der Bildungsreisenden einreiht.

Wir sind gespannt, wie es weitergeht!

mehr: Schirin Fatemi

Christa Blenk

 

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Kulturspaziergang Bernini in Rom

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Der Bernini-Elefant vor dem Pantheon und der Bienenbrunnen

Thematische Kulturspaziergänge

Bericht für KULTURA EXTRA

Auf dem Weg zu Berninis Highlights im barocken Rom

Wenn man an Rom denkt, dann fällt einem zuerst der Kollosseum ein und dann der Vatikan. Dabei ist Rom erst im Barock wieder richtig groß und mächtig geworden und das spiegelt sich natürlich auch im Stadtbild wider. Rom ist eine barocke Stadt! Es gibt Künstler, wie Caravaggio zum Beispiel, die man nur in Rom entdecken und verstehen kann, Ein anderer ist der Bildhauer und Architekt Gian Lorenzo Bernini – dessen Werke über die Stadt verteilt und zu entdecken sind – und um ihn geht es in diesem Artikel.

Gian Lorenzo Bernini lebte vom 1598 bis 1680 und kann wohl als der bedeutendste italienische Bildhauer des Barock bezeichnet werden. Für Manche ist er sogar der Schöpfer des barocken Roms. Und wenn man in Rom auf seinen Spuren wandert, dann kommt man nicht umhin, dem zuzustimmen:

Berninis Karriere in Rom hat unter dem Borghese-Papst Paul V begonnen. In dieser Zeit war das Amt des höchsten Kirchenchefs ein Synonym für Reichtum und Macht – und das bezog sich nicht nur auf die Person des Papstes sondern auf seinen gesamten Klan! Ganz öffentlich und vor den Augen der Römer wurden lukrative Posten verschoben und man schröpfte wo man konnte. „Nach den Carafa, den Medici, Farnese – bereichert sich von nun an – das Haus Borghese“. So sprach die römische Bevölkerung und dieses spricht Bände. Oft reichte es schon, nur ein paar Monate Papst zu sein, um für sich und seine Familie ausgesorgt zu haben und in Luxus leben zu können. Das drei-Päpste Jahr 1605 fällt genau in diese Zeit. Obwohl Rom Anfang des 17. Jahrhunderts nur knapp 100 000 Einwohner hatte, also viel weniger als Neapel oder Venedig, stand es eben durch diese Kirchenverbindung, im Zentrum und war sozusagen „Königmacher“. Das positive an dieser Situation war, dass all diese Familien einem wahren Kultur- und Sammlerwahn verfallen waren und sie sich – ähnlich wie früher in Florenz – als Mäzen und Beschützer bzw. Förderer  von Künstlern fühlten und handelten. Bernini wurde also in diese Zeit hineingeboren und hat für Rom den Barock erfunden.

Als Sohn eines mittelmäßigen neapolitanischen Bildhauers, kam er 1605 mit seinem Vater nach Rom. Dieser erkannte sehr bald, was in seinem Sohn steckte, ließ seine Karriere liegen und förderte seinen Sprössling  (er wird oft mit Mozart verglichen). Als der Kunstliebhaber Kardinal Maffeo Barberini, der später für die lange Zeit von 1623 – 1644 als Papst Urban VIII (von 1623-1644) Berninis Hauptförderer werden sollte, Berninis Vater ins Gesicht sagte  dass sein Sohn ihn jetzt schon weit in den Schatten stellte, antwortete er mit sicherer Intelligenz und Voraussicht „Wer in diesem Spiel verliert, gewinnt“.

Intelligent, hochbegabt, opportunistisch, diplomatisch und aggressiv verfügte Bernini über alle Eigenschaften, um sich permanent in diesem Sumpf aus Beziehungen und Nepotismus (das Wort ist in dieser Zeit entstanden) ins rechte Licht zu setzen und alle anderen Konkurrenten auszuschalten oder erst gar nicht hochkommen zu lassen.

Unser Pilgerweg zu seinen Werken beginnt an der Kirche Santa Bibiana (1624) in der Nähe von Termini – außerhalb der Aurelianischen Mauer. Er hat sie im Auftrag von Papst Urban VIII geschaffen und dort ist sie geblieben, in dieser kleinen Kirche, in die fast nie einer kommt.

Dann gehen wir weiter Richtung Barberini-Platz zur Kirche der Hl. Vittoria, um der wunderbaren und sehr erotischen Skulptur der „Verzückung der Teresa de Avila“(ca 1650) einen Besuch abzustatten. Über drei Meter misst die Plastik und war lange Zeit ziemlich umstritten, denn sie zeigt eine vom Speer der Liebe und Leidenschaft getroffene Heilige, die durch ein wohl überirdisches Feuer in Verzückung gerät, eine Extase, die einer Heiligen einfach nicht zusteht. Ziemlich provokativ hat Bernini sich hier gezeigt. Erliegt Teresa der Erotik von Gott oder vielleicht von San Juan de la Cruz?

Nicht weit weg, am Beginn der Via Veneto an der Piazza Barberini steht der Bienen Brunnen (1644). Die Biene war das Wahrzeichen der Barberini-Familie und ihr hat Bernini viel zu verdanken; in der Mitte di Fontana del Tritone mit Neptun in der Mitte.

Unser nächstes Ziel ist der Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona, vorher kommen wir aber noch an der Kirche Sant’Andrea al Quirinale (1658-1676) vorbei. Bernini hat sie konzipiert, sie ist oval und sehr protzig. Weiter Richtung Corso mit einem kleinen Umweg geht es zum Brunnen Fontana di Trevi. Der ist zwar nicht von Bernini, aber man sagt, dass er sehr wohl die Entwürfe dafür entworfen hätte.

Aber nicht weit davon ist die Barock-Kirche Sant’Andrea delle Fratte in der sich zwei überdimensionale Bernini-Engel befinden (außerdem hat diese Kirche einen wunderbaren Kreuzgang und ist der Durchgang zur Musikakademie Santa Cecilia. Schließlich auf dem Corso geht es in die Galleria Pamphilij zur Büste von Innozenz X um 1650 (neben dem Wahnsinnsportrait von Velazquez, das dieser vom Papst Innozenz X gemalt hat). Wer möchte, geht dann noch schnell über die Piazza Venezia zu den Kapitolinischen Museen – aber natürlich nicht nur wegen der  Bernini-Medusa.

Der Vierströmebrunnen entstand ungefähr zur gleichen Zeit wie die Hl. Teresa und ist Hochbarock pur! Vier Männerfiguren thronen auf Felsbrocken. Sie stehen stellvertretend für die damals bekannten Weltströme und Kontinente: Donau (Europa), Nil (Afrika), Ganges (Asien)  und Rio de la Plata (Südamerika). Ein paar Schritte weiter, gleich hinter dem Pantheon vor der Kirche Santa Maria sopra Minerva steht ein Spätwerk, der Elefant mit Obelisk (1665). Er gilt als Glückbringer und muss deshalb natürlich berührt werden. In der Kirche, die eine der schönsten in Rom ist, befindet sich übrigens ein Christus von Michelangelo (1520), den Bernini sehr verehrte.

Unser Weg führt uns nun über die Brücke Richtung Petersdom, am besten über die Engelsbrücke begleitet von den Bernini Engel. Diese hat Bernini zwar nicht selber in Marmor gehauen, aber die Kolonnaden (1659-1672) um den Petersplatz sind von ihm und im Inneren des Doms der teuerste Baldachin (1633) aller Zeiten (den er zusammen mit dem anderen großen Barockmeister Borromini baute) sowie die Grabdenkmäler für Papst Urban VIII (1627-1647) und für Papst Alexander VII (1671-1678).

Eigentlich ist nun noch ein Abstecher nach Trastevere notwendig, in die Barockkirche San Francesco de Ripa, ganz in der Nähe von Porta Portese. Sie liegt nicht auf dem Weg, aber der Umweg lohnt sich. Dort liegt schmerzverzerrt eine andere Heilige, die Agonie der Heiligen Ludovica Albertoni.

Nun haben wir uns eine kleine Pause in einem der vielen Cafes in Trastevere verdient, bevor es zu den Bernini Highlights am anderen Ende der Stadt weiter geht.

Wieder über den Tiber gehen wir in Richtung Piazza del Popolo. In der Kirche Santa Maria del Popolo befindet sich die Chigi Kapelle, die spätestens seit dem Film „Illuminati“ auch Nicht-Kunstliebhabern bekannt ist. Sämtliche Skulpturen in dieser Kapelle, gleich links  neben dem Eingang, sind von Bernini. Immer noch in der Kirche verlassen wir für einen Moment Bernini und gehen schnell zu den beeindruckenden Caravaggio Fresken neben dem Hauptaltar – das ist ein Must.

Ein 15-minütiger Spaziergang durch den Park der Villa Borghese bringt uns zur Galleria Borghese. Hier befinden sich Berninis Hauptwerke. Scipione Borghese, ein Neffe (Nipote, hiervon kommt das Wort Nepotismus) des Papstes Paul V, hat sich diese Villa bauen lassen und alle Hauptwerke von Bernini dort vereint. Es ist wie ein Rausch. Ich erwähne nur die Hauptwerke wie den David mit der Schleuder (1623) « Ich werde es Euch zeigen » lässt der junge Bernini den David sagen; die Gruppe Aeneas, Anchises und Ascanius auf der Flucht aus Troja (1618) . Hier sind – auch physisch – die drei Generationen festgehalten, das pummelige Kind, der muskulöse Mann und der alte runzelige und magere Vater. Die angsteinflößende Skulptur der Raub der Proserpina (1621), zwei Büsten von Kardinal Scipione Borghese (1632). Es gibt sie zweimal, weil bei der ersten der Marmor auf der Stirn gesprungen war und der eitle Borghese Kardinal sich so nicht gefiel, also fertigte Bernini selber eine Kopie seiner Büste. Der Betrachter sieht den Unterschied nur, wenn er die Geschichte kennt. Und hier nun eines seiner Meisterwerke: Apollo und Daphne (1622). 24 Jahre war Bernini alt, als er dieses geniale Werk schuf. Er hat einen Moment aus der Metamorphose von Ovid festgehalten. Apollo entführt die schöne Daphne, die gleich ihre Mutter um Hilfe ruft, diese hat keine bessere Idee, als ihre schöne Tochter schnell in einen Baum zu verwandeln. Bernini hat die Verwandlung in Carrara Marmor eingefroren: Über zwei Meter ist die Skulpturengruppe und man kann um sie herumgehen. Freud, Leid, Schock, Falten, Haare, Blätter und Baumrinde. Im Sockel der ist folgender Spruch eingemeißelt: „Wer als Liebender den Freuden flüchtiger Form nachjagt, der füllt seine Hand mit Laub und erntet bittere Beeren“.

Lesen Sie, wie Ovid die Verwandlung beschrieb, an die sich Bernini natürlich genau gehalten hat: …… befällt schwere Taubheit die Glieder. Die weichen Brüste werden von zarter Rinde umschlossen, die Haare werden zu Laub, die Arme wachsen als Äste; schon wird der flinke Fuß von trägen Wurzeln gehalten, ein Wipfel verbirgt das Gesicht ….. Man sagt, es sei eine beste Arbeit. Aber es ist schwer, sich zu entscheiden, denn sie sind alle faszinierend und erzählen Geschichten aus der Vergangenheit. Weiter geht es bis zum letzten Saal. Hier steht Die Wahrheit ein reiferes Werk in beige-bräunlichem Marmor (1650). Als er diese « Wahrheit » meißelte, hatte er schon einiges an Schlachten hinter sich, die Päpste haben gewechselt und er musste auch Niederlagen hinnehmen, die er natürlich meisterte. Nach seinem Tod allerdings, geriet er erstmals in Vergessenheit.

Außer dem sensiblen aber nicht weniger begabten hatte er so gut wie keine Gegenspieler. Gefördert von der Gunst der Päpste erreichte er eine Macht die soweit ging, dass er sogar für einen Mord nicht zur Rechenschaft gezogen wurde; die Päpste hingegen konnten mit seinen Arbeiten die Schäden der Reformation ausbessern und der Welt das neue, glänzende und aufsteigende Rom präsentieren.  Eine win-win-situation!

Berninis Grab hingegen, das in der Kirche Santa Maria Maggiore steht, ist eher schlicht und passt gar nicht zu seiner pompösen Barockkunst und seiner Megalomanie.

Christa Blenk

 

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Cavalleria Rusticana

 Applausi tutti
 nach der Aufführung Foto ©Marco Nardo

 

Lola (Serena Muscariello) wird beim geheimen Stelldichein mit Turiddu auf einem roten Knautschsessel von der Kirche und vom Volk beobachtet. Jedenfalls will Stinchelli, dass wir das denken, wenn er zuerst den Pfarrer und kurz darauf zwei ältere, schwarz gekleidete Sizilianerinnen auf die Bühne treten lässt, die sich kurz umschauen und vielleicht kopfschüttelnd wieder abtreten. Turiddu (Manrico Carta) schmettert seine Arie und die Dorfbewohner tummeln sich heiter, fidel und aufgeräumt vor der Messe am Ostermontag in einem sizilianischen Dorf.

Damit ist dann der fröhliche Teil dieser kurzen Einakter-Oper auch schon beendet und das Drama kann beginnen. Santuzza erscheint (Silvia Pasini, anfangs etwas unsicher, singt sie sich im Verlauf des Abends – zu Recht – in die Herzen des geneigten Publikums) und beschwört Mama Lucia (Francesca Romana Cassanelli) die gerade, eher abweisend und kühl, ihre kleine Bar auf den zu erwartenden Ansturm nach der Messe vorbereitet. Der Römer Enrico Stinchelli hat die Aktualität von Liebe-Verrat-Leidenschaft mit den Kostümen der Protagonisten erklärt. Dementsprechend sind die älteren  Frauen in lange schwarze Verismo-Zeit-Kleider gewandet, während die jüngeren Kirchgängerinnen  keusch kniebedeckt sind und Lola,  zuerst im Minikleid und später in einer schulterfreien und hochgeschlitzten roten Abendrobe, die Menge und Turiddu bezirzst. Der betrogene Alfio, (Alessio Quaresima Escobar) wird permanent von zwei Bodyguards begleitet, die mit ihren schwarzen Anzügen und dunklen Brillen an den Film Men in Black erinnern. Stinchellis eher konventionelle und schlichte Inszenierung wird plötzlich gegen Ende sehr expressionistisch-manieristisch und lässt an Goyas schwarze Bilder denken. Die Guzzi Vespa, mit der Turiddu 2002 in Taormina auf die Bühne gefahren kam, gab es gestern Abend nicht! Dafür lässt uns der Schrei von der Galerie, also direkt neben uns, « Sie haben Turiddu umgebracht » hochschrecken.

Scena e orchestra 3
Foto: © Marco Nardo

Das Orchester Roma Sinfonica und Chor von Roma Tre unter Leitung von Maestro Isabella Ambrosini haben am 19. Mai im Teatro Palladium Mascagnis Cavalleria Rusticana aufgeführt und bella figura gemacht. Turiddu, Santuzza und Lucia waren nicht geplant und sind im letzten Moment eingesprungen; dafür haben sie sich – mit Hilfe einer diskreten Führung -  gut geschlagen. Das Teatro in der Garbatella wurde extra dafür umgebaut, d.h. die ersten vier Reihen im Parkett wurden zum Orchestergraben. Man kann die Aufführung, vor allem musikalisch, nur loben. Das große Orchester der jungen Musiker gab eine einwandfreie, cremige und füllige Performance von Mascagnis bekanntestem Werk, das auf einer Geschichte aus Giovanni Vergas „Sizilianischen Novellen“ basiert und knapp 70 Minuten dauert.

Versione Italiana

 

Christa Blenk

 

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My virtual gallery – (blog collection N° 11)

Diese Woche wird eine große Kupferstecherin und Grafikerin vorgestellt: Natividad Gutierrez (1941 Puerto Rico – 2015 Madrid).

 

Natividad Gutierrez
fleischfressende Pflanze (Farbradierung 70er Jahre)

 

In den 60er Jahren kam Natividad von Puerto Rico nach Madrid, um Kunst zu studieren. Dort lernte sie ihren späteren Mann, den Künstler Gerardo Aparicio, kennen und heiratete ihn. Die folgenden Jahren sollten sie im Zentrum von Madrid leben. Im Keller installierten die beiden Künstler ihre Ateliers.

In Natis Werken vereinen sich auf der einen Seite die Vegetation ihrer Heimat, der Karibik, sowie ein Licht, das es nur in Madrid gibt.  Nati war die Königing der Radierung in Madrid. Licht, Lebensfreude und Farbe, aber auch beunruhigende pflanzenfressene Vegetation.

mehr über die Künsterlin:  Natividad Gutierrez

Bis jetzt befinden sich in meiner Virtual Gallery:

N° 1 – Veronique Pettit Laforet

N° 2 – Tiziana Morganti

N° 3 – Helena Aikin

N° 4 – Cesar Borja

N° 5 – Dominique Cozette

N° 6 – Paola Romoli Venturi

N° 7 – Rosa Quint

N° 8  – Carlos de Gredos

N° 9 – Guillermo Lledó

N° 10 – Christa Linossi

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Christa Blenk

 

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I Macchiaioli – le collezioni svelate

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Gustavo Sforni (1888-1939)- Ausstellungsplakat

 

Bei den Macchiaioli handelt es sich um eine Gruppe von italienischen Künstlern, die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, also mitten im Risorgimento,  in Florenz arbeiteten. Ihr Ziel war es, den Akademismus zum Realismus und später zum Impressionismus zu führen.

Macchiaoili kommt von macchia (Fleck) und die Presse hat den Begriff zum ersten Mal benutzt. Die Szenen auf den zum Teil naturalistischen Motiven sind Landschaften,  arbeitende, einfache Menschen, Fischer oder Bauern. Stille, fleckige Farbflächen, auch Innenansichten, die teilweise an die flämischen Malers des 17. und 18. Jahrhundert erinnern. Sehr wichtig und Hauptmerkmal war ein starker Kontrast zwischen Hell und Dunkel.

Der Gruppe gehörten u.a. die Maler Telemaco Signorini, Niccolò Cannicci, Giovanni Fattori, Oscar Ghiglia, Cristiano Banti, Orlando Borrani, Gustavo Sforni (Ausstellungsplakat), Mario Galli oder Giuseppe Abbati an und sie pflegten sich im Caffè Michelangiolo in Florenz zu treffen. Inspiriert haben sie sich an den Romantikern und vorwiegend an den Franzosen Courbet und Corot  oder an der Malerei des Spaniers Carlos de Haes. Eine Art Vor-Impressionismus; der Napolitaner und spätere Impressionist Giuseppe di Nittis gehörte ebenfalls teilweise zu ihnen.

Ein beeindruckendes Gemälde von Orlando Borrani Cucitrici di Camicie Rosse z.B. zeigt vier Näherinnen in einem lichtdurchfluteten Raum, die gerade an roten Hemden für Garibaldi und seine Truppen nähen. Ausgezeichnete Arbeit, in der Borrani das Rot der Hemden in den Kleidern der Frauen wieder aufnimmt. Und obwohl die Macchiaioli als Gruppe nur bis ca. Ende des 19. Jahrhunderts existierten, sind auch Bilder, u.a. von Oscar Ghiglia z.B ausgestellt, wie Sforni in veranda che legge (1914) – dieses interessante Gemälde in flachen kalten grün-weiß-Tönen, hat mit den « Fleckenmalern » nichts mehr zu tun, sondern nähert sich der Malerei von Hopper.

Die Schau im Chiostro del Bramante umfasst 110 Gemälde und ist in neun Abschnitte unterteilt, sie stellt vor allem die jeweiligen Sammler oder Besitzer in der Vordergrund, weshalb auch ausgesprochen akademische Portraits von schönen Adeligen darunter zu sehen sind, obwohl es für die Macchiaioli erstes Gebot war, gerade diesen abzuschaffen.

Kuratiert wurde die Schau von Francesca Dini in Zusammenarbeit mit der Arthemisia Group und sie ist noch bis Anfang September 2016 im Chiostro del Bramante in Rom zu sehen.

 Christa Blenk

 

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Guille Caivano

Etoso, mixed media on canvas, 65x100cm, 2013 copia 6  Selah ,85x115cm, oil on canvas,2015 copia  Untitled 3, 45x60 cm (aprox), serigraphy ink, oils, alcohol inks and watercolours on paper, 2016
 Etoso,Mischtechnik auf Leinen  (2013, 65×100 cm), Selah, Öl auf Leinen  (2015, 85×115 cm), ohne Titel, Serigrafie – Mischtechnik (2016 – 45×60 cm

Guille Caivano (*1977) spanischer Künstler. Lebt und arbeitet in Barcelona; studiert hat er in Brüssel und London.

Kunsthistorisch ist er im Moment nicht einzuordnen. Seine Frühwerke offenbaren eine figurative oder gegenständliche Phase, in der er sich mit dem Körperportrait befasste. Seine letzten Werke sind eher vom Pop geprägt und befassen sich mit Ursprung und Entwicklung von Kultur und Sprache. Deshalb gibt er seinen Werken oft Titel in in Esperanto wie z.B. seine Vision von Europa „Etoso“. Letzteres erinnert an alte, von Wind und Wetter gepeischte Häuserwände. Primordiale Zeichen, botanische Formationen, Piktogramme sind in den grafischen Arbeiten, die an den Pinselstrich von Sigmar Polke denken lassen, zu erkennen. Eine geheimnisvolle Stadt, eine bisher unbekannte Galaxis oder das Alphabet einer mysteriösen Sprache.

Caivano
ohne Titel – Frühwerk (1998)

Während seine aktuellen und früheren Arbeiten eher klein- oder mittelformatig sind, arbeitet Caivano zur Zeit an einem grafischen Collage-Monumentalwerk  zum Thema Dschungel.

 mehr über Guille Caivano

Christa Blenk

 

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My virtual gallery (blog collection N° 10)

Diese Woche wird die österreichische Autodidaktin und Fotokünstlerin Christa Linossi vorgestellt:

 

Land_Holz_Land
 Land-Holz-Land  – Christa Linossi

Die Fotokünstlerin Christa Linossi ist in der Steiermark/Österreich geboren. Daher kommt auch ihre Liebe zur Natur her.  Licht und Schatten, Steine und Berge, das sind ihre Themen. Die Schatten stehen alleine, auf der Suche nach einem Herren. Ist es das Licht im Berg? Christa Linossi, die sich selber eine « steierische Eiche » nennt, verbindet ihre beiden Leidenschaften miteinander und daraus entstehen dann diese beunruhigenden und schönen spannenden Fotoarbeiten. Immer wenn sie sich sammeln muss und vor neuen Schaffungsprozessen steht, geht sie erst mal in den Berg.

Computerkunst ist genau das richtige für sie. Eine Idee jagt die andere und legt sich über einen gerade abgeschlossenen Gedanken. Die gesamte „angesparte Bergruhe“, verwandelt sich – einmal zurück aus den Wolken – in pure Energie und Geschwindigkeit. « Bei mir muss alles wie bei einem Formel I Rennen gehen », sagt sie von sich selber.

Die oben abgebildete Arbeit ist – für mich – eine ihrer Schönsten!

Mehr über die neueren Arbeiten

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Hier könnt Ihr die anderen Künstler in meiner Virtual Gallery besuchen:

N° 1 – Veronique Pettit Laforet

N° 2 – Tiziana Morganti

N° 3 – Helena Aikin

N° 4 – Cesar Borja

N° 5 – Dominique Cozette

N° 6 – Paola Romoli Venturi

N° 7 – Rosa Quint

N° 8  – Carlos de Gredos

N° 9 – Guillermo Lledó

Christa Blenk

 

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Alphonse Mucha

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Ausstellungsplakat

 

Alfons Mucha – Liberaler Aufklärer und mystischer Nationalist

Alle haben wir schon einmal eine Ansichtskarte von Mucha gekauft, seine Illustrationen auf Omas Keksdose erkannt oder die lieblich-sauberen Motive im Vintage-Einwickelpapier einer chemiefreien Seife bewundert. Auf Parfümzerstäuber, Zigarettenpapier, Kindernahrung (ja, die gab es schon um die Jahrhundertwende!), Champagnerflaschen oder die des kleineren, bezahlbareren Bruders Cremant schnörkeln und ranken sich geometrische und pflanzliche Formen und Motive über die Fläche. Alfons Mucha hat sein Talent in alle Richtungen spielen lassen. Berührungsängste oder persönliche Hinderungsgründe kannte er nicht; er illustrierte die Produkte von Nestle, Job, Moet und Chandon mit der gleichen Hingabe oder Freude wie er Ideen für Vorlage-Bestecke, Karaffen, Fächer, Versicherungsgesellschaften oder ganze Pavillons entwickelte. Mucha war ein Designer, ein origineller und talentierter Kunsthandwerker, ein schneller und sicherer Plakatkünstler, der Aufträge ausführte – und dieses mit großem Erfolg. Der tschechische Maler und Grafiker Alfons Mucha (1860-1939) zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Jugendstils.

Er konnte früher Zeichnen als Gehen und nachdem ihn die Prager Akademie abgelehnt hatte, besuchte der eine Schule für Bühnendekoration in Wien und München und nahm Zeichenunterricht. Sein erster Auftrag kam vom Ringtheater in Wien. Leider fielen aber alle seine dort realisierten Arbeiten einem Feuer Anfang der 1880er Jahre zum Opfer.

Die Ausstellung in Rom im Complesso del Vittoriano zeigt sein Lebenswerk, die Anfangszeit in Mähren, sein Ankommen in Paris anlässlich der Weltausstellung – wo ihn sein Mäzen, Graf Khuen 1889 hinschickte, damit er seine Kunststudien in der Weltmetropole und im Mittelpunkt des Kunstgeschehens vervollständigen konnte -, den relativ schnellen Erfolg in Paris, die Arbeiten in den USA und wohl sein Hauptwerk nach seiner Rückkehr in die Heimat, das er dem slawischen Volke widmete. Gemälde, Fotos, Zeichnungen und über 150 Plakate sind ausgestellt.

In Paris lebte Mucha zuerst bescheiden und hielt sich mit Buchillustrationen über Wasser. Kurze Zeit teilte er sich mit dem Maler Gauguin eine Wohnung. Als die exzentrische, bekannte und gefeierte Pariser Schauspielerin Sarah Bernhardt für das Theaterstück Gismonda (1894) ein Plakat bei ihm in Auftrag gab, wurde er über Nacht berühmt.

Im ersten Raum hängen sie all die schönen, idealisierten jungen Frauen. Gismonda, Die Kameliendame, Medea, die Vier Jahreszeiten (1896) begleitet von den vorbereitenden Zeichnungen, die schnell sein großes Talent verraten – und verstrahlen diese frivole  Fin de Siècle Leichtigkeit. Das Plakat für Dumas Kameliendame zählt zu den bedeutendsten Plakaten dieser Zeit. Überall in Paris waren sie zu sehen, die Litfasssäulen im Much-Stil und nicht wenige Plakate wurden bei Nacht und Nebel aus dem Rahmen geschnitten und landeten bei den Mucha-Fans zu Hause.

Im nächsten Raum hängen seine Werbeplakate, u.a. eine rauchende Schöne, die für Job Zigarettenpapier wirbt und ein Mutter, die ihren bettelnden Kindern gerade die Pulverschokolade anrührt.

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Immer wieder illustrierte Mucha Bücher. Ein Exemplar von Ilsée, Princesse de Tripoli, das 1897 herauskam und mit 134 Farblithographien ausgestattet ist, kann ebenfalls in der Ausstellung betrachtet werden.

Paris fieberte der die Moderne einleitenden Weltausstellung entgegen und ein Großauftrag,  nämlich die Gestaltung des Hauptpavillons ging an Mucha; ebenso baute und dekorierte er den Pavillon von Bosnien.  Mucha, der ein Amateurfotograf war, nutze seine Fotos als Vorlagen für seine Grafiken, aber er arbeitete auch zeitweise mit Modellen und entwarf Kostüme und Bühnendekorationen. Einige Entwürfe sowie Schmuck dazu, sind ebenfalls ausgestellt.

Um die Jahrhundertwende reiste er mit dem Bildhauer Rodin nach Mähren und 1904 mit seiner um 20 Jahre jüngeren Frau in die USA, wo er genau so weiter machte. Nun zierte nicht mehr Sarah Bernhardt seine Plakate sondern Maud Adams oder Leslie Carter. Außerdem illustrierte er Sonderbeilagen für die New York Daily News.

Ein weiteres Thema der Ausstellung ist dem Freimaurer Mucha gewidmet. Er gilt als der Wiederbegründer der tschechischen Freimaurerei und malte sich selber dekoriert mit dem höchsten Rang.

Nur ein Bild einer türkischen Freiheitskämpferin manifestiert eine Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, die nicht zu den beautiful people gehörte oder eine Hommage an Jan Hus.

Als Mucha 1908 in Boston Smetanas symphonische Dichtung „Die Moldau“ hörte, brach das durch viele Jahre Abwesenheit von der Heimat latent vorhandene fieberhafte Heimweh aus und er entschloss sich zur Realisierung seiner nationalistischen Idee, sein Leben der slawischen Geschichte und Kunst zu widmen; die Slawische Epopöe wurde konkret, als er mit dem amerikanischen Millionär Charles Crane einen Unterstützer und Verbündeten fand . Mucha ging in seine Heimat nach Westböhmen zurück und befasste sich zwischen 1910 und 1928 hauptsächlich mit der Realisierung der slawischen Epopöe, 20 monumentale Gemälde, die die Geschichte seiner Heimat bis ins 19. Jahrhundert beschreiben. Sie haben die Leichtigkeit seiner Theaterillustrationen eingebüßt und wirken schwerfälliger, nostalgischer. Die Präsentation fand 1928 in Prag statt. Das letzte Gemälde der Serie stellt das 20. Jahrhundert dar und unterscheidet sich von den anderen. Es ist eine Mischung aus Mythologie, Religion und sportlicher Antike, die Suche nach einer neuen Äthetik, die auf den ersten Blick an die Fresken von Sironi erinnert.  

Muchas größter Wunsch nach einer freien Tschechoslowakei sollte 1918 in Erfüllung gehen und er entwarf das Wappen des jungen Landes, die erste Banknote und Briefmarken. Als aber die deutschen Truppen 1939 Prag besetzten und ihn verhafteten starb er kurze Zeit später im Alter von 79 Jahren.

Alfons Mucha hat sich nie mit den anderen brennenden Kunsttendenzen in Paris um die Jahrhundertwende auseinandergesetzt und blieb seinem Stil treu. Er war immun gegen die brodelnde Aufbruchsstimmung in Kunst, Musik und Literatur in Paris und Europa und hat sich lieber der Vergangenheit gewidmet.

Die Ausstellung zeigt wie umfangreich und groß sein Werk war; ohne Zweifel ein harter und sehr talentierter Arbeiter, der sehr schnell die Gunst der Stunde nutzte aber sich nie von zuhause abnabelte. Die konkrete und schwungvolle, manchmal an die japanischen Mangas erinnernde Linienführung, der Umgang mit Farbe und die Sehnsucht nach perfekter Schönheit werden aber im Verlauf der Ausstellung dann doch etwas langweilig.

Diese Ausstellung wird sicher wieder eine do-it-like-Mucha-Welle hervorrufen, wie das im letzten Jahrhundert immer wieder vorkam, s. z.B. die psychedelische Kunst der Hippie-Jahre.

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Über 200 Exponate sind in der gut organisierten Ausstellung zu sehen, die Tomolo Sato in Zusammenarbeit mit Arthemisia Group kuratiert hat.  Am Anfang ist ein Film über sein Leben zu sehen, den man nicht übergehen sollte.

Christa Blenk

 

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My virtual gallery (blog collection N° 9)

Diese Woche ist der Spanier Guillermo Lledó der Künstler der Woche – Minimalist und Konstruktivist

 

Guillermo Lledó
Guillermo Lledó

 

Material – Farbe – Form – Raum

Der spanische Minimal-Künstler Guillermo Lledó wurde 1946 in Madrid geboren, und dort hat er auch Kunst studiert. Mit hyperrealistischen Visionen aus dem täglichen Leben in seiner Stadt Madrid begann Lledó seine Künstlerlaufbahn. Er malte maßstab- oder farbengerecht Briefkästen, Verkehrsschilder, Kanaldeckel oder Bauschuttcontainer. In den 80er Jahren fing er an, sich für der Dreidimensionalität zu interessieren und baute nun das, was er früher malte. Pseudo „ready mades“ nennt er seine Werke.

Wie viele Dinge es doch gibt, die ich nicht brauche; Sokrates soll das gesagt haben. Er hatte um 450 v.C. wohl nicht an Kunst gedacht, eher vielleicht an eine Art persönlicher Entschlackung oder Reduzierung auf das Wesentliche – als vorausschauende Definition des Minimalismus könnte es gleichwohl betrachtet sein.

Guillermo Lledó war Professor für Kunst an der Complutense Universität von Madrid. Seine Doktorarbeit hat er über die Grenzen der Darstellung geschrieben. Er wohnt und wirkt seit über 40 Jahren in einem Madrider Vorort mit Blick auf die schöne Sierra, und die Geometrie in der Natur ist seine permanente und nie versagende Inspirationsquelle. Er beherrscht die Kunst des Entsorgens, und nach 35 Jahren in seinem Haus gibt es dort nicht ein unnötiges Stück Papier, und jeder Gegenstand hat seine Funktion. Genial-erstrebenswerter Zustand!

Guillermo Lledó Portrait 2013
Guillermo Lledó

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Christa Blenk

 

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Dall’oggi al Domani

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Alighiero Boetti -  dall’oggi a domani (1988)

 

Sekunden – Minuten – Stunden – Tag und Nacht:

Ein Tag hat laut dem Gregorianischen Kalender 24 Stunden, eine Stunde 60 Minunten und eine Minute 60 Sekunden.

Immer wenn den Ausstellungsmachern nichts mehr einfällt, dann organisieren sie eine Kollektiv-Ausstellung. Bei der Ausstellung « Dall’oggi al Domani. 24 ore nell’arte contemporanea » die heute abend im MACRO Rom eröffnet wurde, geht es um Zeit und um das Vergehen von Zeit. Basiernd auf einem gleichnamigen Werk von Alighieri Boetti hat man Werke, Installationen, Filme u.a. von Giacomo Balla, Mario Ceroli, Hanne Darboven, On Kawara, Roman Opalka und viele andere zusammengestellt, die eines gemein haben: Zeit!

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Mario Ceroli (1972); On Kanawa, Ben Vautier (1972); Maurizio Catttelan (1989); und JN (zeitlos)

Zeit ist das, was man an der Uhr abliest (Albert Einstein)

Der Spaziergang durch die Kunst des 20. Jahrhunderts endet mit einer sehr beeindruckenden Videoinstallation  von Daniele Puppi « Psychedelic Look » (2016). Alfred Hitchkock hat 1960 den Film « Psycho » gedreht. Gus van Sant 1998 ein remake davon. Puppi läßt beide Filme auf einer Leinwand laufen und – dirigiert durch einen regelmäßigen Hammerschlag – wird abwechselnd eine Szene nach der anderen eingeblendet. Immer nur ganz kurz, aber es reicht aus um Janet Leigh zu erkennen, Norman Bates Haus, den Schlüssel etc.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. Oktober 2016 zu sehen.

Christa Blenk

 

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Umberto Eco – Nullnummer

eco

 

Giovanni di Lorenzo hat im Oktober 2015 Umberto Eco für Die Zeit interviewt und während des Gesprächs erwähnte Eco, dass Nullnummer sein letztes Buch sein werde: « Aber ja, jetzt reicht’s, zumal ich mehrere große nicht narrative Projekte habe, denen ich mich voll und ganz widmen möchte. Ich habe mir gesagt: Wieso packe ich das Thema nicht in einen Roman? »

Fünf Monate später war Umberto Eco tot.

Die Idee zu dem Buch Nullnummer hatte Eco schon in den 70er oder 80er Jahren, als er permanent mit der Werbung für eine Zeitung namens „Oggi“ (Heute) konfrontiert war; ein Blatt, das nie das Licht der Druckerpresse erblickte.

Bei Eco heißt die Zeitung „Domani“  (Morgen) und er setzt noch eines drauf. Denn hier entsteht eine Zeitung die in der Gegenwart Ereignisse der Zukunft, die in der Vergangenheit passiert sind, beschreibt. Es gibt ein Redaktionsbüro und sechs Redakteure, von denen nur einer, Colonna, weiß, dass alles Fake ist und dass alle, ohne es zu wissen, in einem Theaterstück mitspielen, das auch nie aufgeführt werden wird.

Sehr schnell und fesselnd, wunderbar strukturiert, erzählt Eco die Kriminalgeschichte auf weniger als 250 Seiten. Fiktion und Realität vermischen sich permanent aber er schafft es trotzdem irgendwie spielend, dass der Leser nicht aus dem Film fällt.  Vielleicht passiert aber alles nur im Kopf des Erzählers!

Juni 1992: Mit einem zugedrehten Wasserhandrad kommt das ganze in Schwung. Der zweitklassige Journalist Colonna gerät in Panik und erzählt die Begebenheiten zwischen April und Mai desselben Jahres. Spionage, Verrat, Korruption, Mord, Erpressung, Verschwörung und viel Manipulation.

Der Zynismus, mit dem er dem Journalismus begegnet ist genau so schmerzhaft und ekelerregend wie die Beschreibung der gerichtsmedizinischen Untersuchung der Mussolini-Leiche, die vielleicht gar nicht die Leiche des Duce war.  Ein ernüchternder Illusionsverlust auf allen Ebenen und eine niederschmetterende Wahrheit über sein Italien und die politischen Begebenheiten in den 90er Jahren.

Es ist sicher nicht sein profundestes oder bestes Buch. Billige Schlagzeilen, Gemeinplätze und Verschwörungstheorien, eine flache Liebesgeschichte und Vermutungen über Mussolinis Verbleib nach dem er eben nicht wie alle dachten am 25. April zu Tode kam und die Niedrigkeit der Masse sind die Hauptprotagonisten. Fragen wie hat der Duce in Argentinien oder im Vatikan auf eine Rückkehr gewartet oder hat die Mondlandung wirklich stattgefunden werden genauso behandelt wie eine ausführliche Gebrauchsanleitung für einen Autokauf.

Colonna ist ein gewinnender Looser, er ist sympathisch, mehr oder wenig anständig und  phlegmatisch. Er erkennt resignierend, dass er es mit seinen 50 Jahren wohl nicht mehr zu etwas Großem bringen wird, will – mit der verlässlichen Bequemlichkeit in das ruhige Misstrauen in die Welt – zurückkehren zu seinen Übersetzungen und mit Maia am Wochenende auf den See schauen und abends Filme ansehen.

Mit diesem Roman wollte er eindeutig die italienische Presse bestrafen, aber die Ohrfeige geht genauso an die Politiker, an den Leser seiner Bücher, den konsumierenden und schnell vergessenden Zeitungsleser, den Bestechlichen und demjenigen, der sein Schäfchen immer ins Trockene bringt.

Und so kommt man am Ende an und muss die erste Seite nochmals lesen, weil dann alles viel klarer wird!

Trotzdem eine schöne und unterhaltsame Lektüre. Schließlich lesen wir das Buch ja auch in der Gegenwart und er schafft es, uns mit  den Geschichten der Vergangenheit zu manipulieren.

Christa Blenk

 

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TraNsfusioni #4

2016-04-04 17.55.50

 

Il critico d’arte italiano Filiberto Menna si trova davanti a un’opera di Michelangelo Pistoletto. La foto accanto è di Diane Arbus, vi sono rappresentate due bambine. L’artista italiana di body art e language Ketty La Rocca (1938-1976) ha scattato la fotografia creando un altro, nuovo oggetto artistico e da qui parte la mostra inaugurata ieri con opere di Tommaso Binga, Paola Romoli Venturi e Silvia Stucky; un doppio trittico concettuale à la DaDa. Questo happening tratta di relazioni interpersonali, di lutto, di fantasmi, di perdita, di sogni (perduti, passati e futuri) nonché di migrazione e dei modi diversi, giusti o sbagliati, di affrontarla.

 

Atto 1: Silvia Stucky

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L’artista crea un collegamento tra la foto di Diane Arbus e sua madre Maria, nata gemella. La sorella gemella, Magdalena, morì durante il parto. Attraverso l’arte Stucky ha fatto ora rinascere le due bambine. Si vedono nella foto, all’età di 2-3 anni. Nella foto accanto le due sono rappresentate in look serigrafico. Davanti a questa parete ci sono due seggiole da asilo e a un certo momento Stucky si siede su una di queste sedie; vicino a lei prende posto la sua gemella. Stanno così ad aspettare, immobili, unite dignitosamente nel dolore e assorte nel ricordo della zia morta o di qualcun altro, in attesa. Je est une autre – questa frase di Rimbaud accompagna l’installazione.

 

Atto 2: Tommaso Binga

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Mentre Stucky e la sua gemella stanno sedute una di fronte all’altra, immobili e silenziose, in commovente cordoglio, Binga si reca dietro la tenda di stoffa trasparente dell’installazione di Paola Romoli e recita la sua poesia dadaista composta proprio per quest’evento: You – tu sei tu. Anch’essa tratta di legami e della conferma che tu sei tu. Il lavoro qui esposto risale al 1973 e descrive la scrupolosa inutilità di parole e scritti. Il testo delle sue lettere, che fanno pensare a una fila di lapidi, è illeggibile. Dà solo l’impressione di esser composto da lettere ed è scritto sul lato esterno della busta, non cela quindi alcun segreto. L’insormontabile burocrazia viene rappresentata con un timbro.

 

Atto 3: Paola Romoli Venturi

Virtual Gallery N° 6 - Performance Vernissage il 4 aprile

Virtual Gallery N° 6 – Performance Vernissage il 4 aprile

We (have a dream): Su una tenda trasparente l’artista ha scritto ripetutamente la parola We in forme arrotondate. Sul pavimento vediamo un cerchio la cui circonferenza è contrassegnata da due piedi. Esso si sviluppa come il gesto che corrisponde alla parola Noi nella lingua dei segni. L’installazione di Romoli si basa su un discorso di Papa Francesco pronunciato circa un anno fa: “Siamo tutti sulla stessa barca” – guarda cosa succede – uomini, donne, bambini – popolazioni che emigrano – ai confini vi sono soldati con il fucile – non posso credere a quello che vedo – noi abbiamo un sogno.Il suo testo termina con la citazione leggermente modificata di Martin Luther King. La performance di Romoli consiste nel rappresentare il testo nella lingua dei segni coinvolgendo poi interattivamente il pubblico. Alla fine chiama tutti i visitatori del vernissage dietro la tenda: porta tutti sulla stessa barca e sulla stessa foto!

Silvia Stucky, Tommaso Binga e Paola Romoli intrattengono un dialogo – ciascuno a modo suo – con Ketty La Rocca, Filiberto Menna e Pistoletto, interpretando un’opera d’arte già esistente, sperimentando, riflettendo su di essa e presentandola al pubblico come sintesi della loro anima, dei loro desideri e dei loro sogni.

Questo suggestivo happening presso l’Archivio Menna/Binga, curato da Anna D’Elia, chiude il 29 aprile 2016.

E ora ci si chiede seriamente perché una mostra così importante non si veda al MAXXI o al MACRO a Testaccio.

 

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testo originale in tedesco

tradotto da Fiorella Pavan

Christa Blenk

 

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Kammermusikabend im Teatro Palladium

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Ottorino Respighi (1879 – 1936) hat sein Klavierquintett in f-Moll um 1902 komponiert; Robert Schumanns (1810-1956) Klavierquintett Es-Dur entstand in Leipzig im Herbst 1842, dieses gilt allgemein als Schumanns « Kammermusikjahr ». Kurz hintereinander komponierte er die drei Streichquartette op 41, op 44 und op 47 sowie Phantasiestücke für Klavier, Violine und Violoncello. Die intensive Arbeit am Klavierquintett hat ihn körperlich sehr erschöpft, aber die geniale Pianistin Clara, der er sein Werk widmete, und mit der er seit 1839 verheiratet war, fand es « Voller brillanter und effektvoller Kraft und Frische ». Sogar Richard Wagner äusserte eine Begeisterung dafür. Noch heute zählt es zu den Paradestücken der Kammermusik.

Respighi hat sein Quintett  dem italienischen Pianisten Bruno Mugellini (1871-1912) gewidmet. Ursprünglich eher ein klassizistischer Komponist, schloss sich Respighi der Generazione dell’ottanta an, die sich vor allem gegen eine Überbewertung der veristischen Oper aussprachen. 1902 ging er an die Opera Italiana nach Sankt Petersburg und lernte bei Rimsky-Korsakow, später im Jahr kam er zu Max Bruch nach Berlin, wo er 1908/09 ein zweites Mal hinfuhr und sich als Pianist an einer Gesangschule seinen Lebensunterhalt verdiente.

Eine perfekte, saubere und ausgezeichnete Performance der Solisten Carlo Maria Parazzoli und Lorenzo Fabiani (Geige), Leonardo Li Vecchi (Viola), Luca Peverini (Cello) und Michelangelo Carbonara (Klavier) heute Abend im Teatro Palladium.  Außer Parazzoli, er ist der erste Geiger von Santa Cecilia, gehören alle anderen Solisten zum Orchestra Roma Sinfonica, das von Maestro Isabella Ambrosini geleitet wird.

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Viel verdienter Applaus und eine Fuge als Zugabe.

Christa Blenk

 

 

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Paula Modersohn-Becker in Paris

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„Mein Leben ist ein Fest, ein kurzes, intensives Fest“

Paula Becker (1876-2007) kam, Silvester 1899, 23-jährig, in Paris an. Der Beginn des neuen Jahrtausends sollte auch für sie der Beginn einer kurzen, aber sehr intensiven und freien Schaffensperiode werden. Weitere drei längere Aufenthalte zwischen 1900 und 1906 sollten folgen. Umgeben vom Geist der sich ankündigenden Moderne, vom in der Luft liegenden Kubismus, vom persönlichen Bilderbad und vom Flair der Freiheit der damaligen Kunstmetropole, entstanden ihre starken Bilder, über 700 an der Zahl, die mit der akademischen Malerei komplett abgeschlossen hatten. Ja, man fragt sich sogar, ob sie sich überhaupt jemals mit dem Studium des Akademischen befasst hat. Wenn man ihre Zeichnungen betrachtet, ist davon nichts zu erkennen. Ihre Modelle sind holprig, eckig, kugelrund, unförmig und ihre Körper gleichen manchmal knochenlosen, nackten und unerotischen Flächen. PMB (so signierte sie viele ihrer Bilder) malte keine Mütter, keine Madonnen, keine Kurtisanen, sie malte Frauen, vor allem sich selber, immer wieder und immer wieder anders. Kritisch, anklagend, gnadenlos. Paula Modersohn-Becker hat als erste Frau ein nacktes Autoportrait gemalt.

Paula Modersohn-Becker, die französischste der deutschen Künstlerinnen, ist in Frankreich so gut wie unbekannt. Das wird sich nun ändern! Seit dem 8. April ist im Pariser Museum für Moderne Kunst diese bedeutende Worpswede-Künstlerin ausgestellt. Die ausgezeichnete Schau mit über 120 Bildern dokumentiert acht oder neun sehr intensive Jahre auf einem (vorzeitigen und rasenden) Weg in die Moderne. Die Briefe aus Paris an die Familie, an Ottos Eltern oder an ihren Mann Otto Modersohn sind eine einzige Liebeserklärung an Paris.

Die Schau zeigt einige wichtige Frühwerke aus Paulas Worpsweder Zeit. Gruselige Portraits, entstanden in den Armenvierteln im kalten Norden, verhärmte, stillende Frauen, Kinderportraits und wunderbare Landschaften, darunter die Kirche von Worpswede. Portraits und Selbstportraits, immer wieder Mutter-und-Kind-Szenen. Während ihres dritten Aufenthaltes hat sie sich immer mehr mit dem Stillleben befasst, Chardin und Cezanne entdeckt und Matisses rote Fische kopiert. In der Akademie Colarossi nahm sie Unterricht in der Aktmalerei, worauf ihre Portraits noch aggressiver und strafender wurden. Durch Clara Westhoff, die sie schon aus Worpswede kannte und die eine Schülerin von Rodin in Paris war, lernte sie die Arbeiten von Cezanne kennen. Es war auch Clara, die sie in den Louvre mitnahm und die ihr den Bildhauer Rodin vorstellte. Von dessen Freiheit und forscher künstlerischer Frechheit Paula fasziniert war, die Unabhängigkeit und Persönlichkeit von Rodins Zeichnungen beeinflusste und prägte sie enorm.

Die Hälfte von PMBs Bilder sind Selbstbildnisse, auf denen sie nicht immer zu erkennen ist, kritische Blicke auf sich selber. Die krude Nacktheit schmückt sie mit einem Apfel oder einer Blume oder mit Schmuck, ähnlich den oberägyptischen Mumienportraits, die sie im Louvre entdeckte. Das Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag ist 1906 entstanden und ist erschütternd. Ihr Oberkörper, abgesehen von einer Bernsteinkette im selben Ton ihrer zurück gekämmten Haare, ist nackt. Mit beiden Armen rahmt sie ihren schwangeren Bauch ein, darunter hat sie ein helles Tuch drapiert. Sie blickt uns an – oder betrachtet sie sich selber im Spiegel? – provozierend, mutig mit einem leichten Schmunzeln. Will sie uns etwas vormachen? Paula hat dieses Bild in Paris gemalt und war zu diesem Zeitpunkt nicht schwanger. Sie war vielmehr auf ihrer vierten Flucht vor Worpswede, vor den ehelichen Pflichten und vor dem Kalbsbraten.

Hin- und hergerissen zwischen der Freiheit in Paris und Worpswede mit der Aufgabe, sich um Otto und um Elsbeth, dessen Tochter aus erster Ehe, zu kümmern, reist sie wieder nach Paris und schreibt ihm begeisterte Briefe. Immer wieder ist sie umgezogen und nachdem ihre kleine Erbschaft verbraucht war, plagten sie auch Geldsorgen, Essen war teuer in Paris und die Portionen klein, schrieb sie einmal ihren Eltern.

An Art Brut erinnernde Formen und Motive vermischt sie mit Gauguins rebellischen Nabis und Haiti-Impressionen und ihre freimütige, fast plumpe Art sich an die Darstellung eines Körper zu machen, lassen diese Werke oberflächlich betrachtet simpel erscheinen, wie von Kinderhand gemalt. Paulas Arbeit war ein „work in progress“. 1899 schrieb sie « Denn ich will aus mir machen das Feinste, was sich überhaupt machen lässt“.

Lange Jahre ließ die Anerkennung auf sich warten. Die Nazis werden ihre Kunst in die Kategorie „entartet“ einstufen und auch später freundete man sich nicht so richtig mit den hässlichen und so unästhetischen Repräsentationen ihres ganz persönlichen Realismus’ an. Schön ist relativ und subjektiv. Sie hatte nicht das Bedürfnis  sich begehrenswert zu präsentieren. Intensive oder in sich gekehrte Kinderblicke in die Ferne, ins Leere oder primitive Südsee-Nacktheit, weit weg von westlichen Schönheitsidealen: es ist was es ist und noch viel mehr!

Rilke, mit dem sie in Paris sehr eng befreundet war, porträtierte sie als Philosophen. Bart, Haare und Hintergrund sind grau-grünlich, Die Farbe der Lippen spiegelt sich in den Augenringen wider.  Der weiße Kragen auf der schwarzen Jacke gibt ihm etwas religiös-meisterhaftes. Daneben ein sehr schönes Portrait von Clara Westhoff, die er nach Paulas Hochzeit mit Otto Modersohn überstürzt heiratete. Nach dem zweiten Parisaufenthalt wurde ihr Kinderwunsch größer und Rilke kaufte das Bild „Säugling mit der Hand der Mutter“ was ihm die Bemerkung Die Farbe ist famos, aber die Form? Der Ausdruck! Hände wie Löffel, Nasen wie Kolben, Münder wie Wunden, Ausdruck wie Cretins entlockte.

Der kräftige, mutige und intensive Pinselstrich, ein neues Körper- und Naturverständnis, das sie in Worpswede aber auch in Barbizon entdeckte, großer vorausdenkender Mut rückten sie weit ab von den Vertretern der akademischen Kunst. Ihre Mitstreiterinnen in der Kunstakademie fragten sich, ob Paulas Interpretation von Gegenständen oder Personen wirklich ihrem Empfinden entspräche oder woher diese Art zu Malen käme. „Von meinem Mann“ war ihre Antwort, was natürlich nicht der Wahrheit entsprach. Das wusste Otto Modersohn und respektierte sie dafür umso mehr. In einem Tagebucheintrag von 1902 schrieb er: „Wundervoll ist dies wechselseitige Geben und Nehmen; ich fühle wie ich lerne an ihr und mit ihr. Unser Verhältnis ist zu schön, schöner als ich je gedacht, ich bin wahrhaft glücklich, sie ist eine echte Künstlerin, wie es wenige gibt in der Welt, sie hat etwas ganz Seltenes. […] Keiner kennt sie, keiner schätzt sie – das wird anders werden.“

Paula Modersohn-Becker war eine Vorreiterin der Expressionisten und der Moderne. Die früheren Landschaften aus 1898 lassen kurz an Munch denken oder später an die Bilder, die Nolde nach seinem Südseeaufenthalt malte. Sie war so gesehen, der Kunstwelt voraus und wurde dementsprechend schlecht von der Kritik aufgenommen. Unförmige Füße, Hände wie Bratpfannen, unbeholfene, schlecht proportionierte oder unförmige Körper und ein beeindruckender expressionistischer Umgang mit Farben (halb Aquarell, halb Öl). Die subjektive und konventionslose Sorglosigkeit der Gruppe der Neuen Wilden oder die der Transavantgarde, die in den 1980er Jahren – allen voran Baselitz – stilwidrig, farbbetont und obsessiv malte, ist eine Hommage an ihren Stil.

Kantige Gesichter lassen den Kubismus erahnen. Hat sie in Paris auch die afrikanischen Masken gesehen, die Picasso – der ebenfalls 1900 anlässlich der Weltausstellung zum ersten Mal nach Paris kam – 1907 zu einem der Wendepunkte der westlichen Kunstgeschichte Les Demoiselles d’Avignon inspirierte? Ein weiteres Frühwerk aus 1899, das noch vor ihrem ersten Parisaufenthalt, in Worpswede entstand Nacktes junges Mädchen im Profil von links mit verschränkten Armen insinuiert Picassos Rosa Periode. Ob sie den jungen revolutionären Spanier jemals getroffen hat, ist nicht dokumentiert, gesehen hat sie seine Bilder sicherlich, obwohl Paula nicht wie die Kunst-Bohemien auf dem Montmatre / Bateau Lavoir sondern immer in der Nähe von Montparnasse wohnte, wo es Picasso und seine Kollegen erst ein paar Jahre später hinzog.

Es ist gut, sich aus Verhältnissen zu lösen, die einem die Luft nehmen“

Während ihres vierten Paris-Aufenthaltes trennte sie sich von Otto, musste dann aber aus finanziellen Gründen wieder zu ihm zurück, wurde schließlich schwanger und starb drei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde an einer Embolie. Ihr letztes Wort war „Schade“!

Wichtige Ausstellungen ihrer Werke zu Lebzeiten haben nicht stattgefunden. Abgesehen von ihrem Mann schätzte und respektierte Rilke ihre Arbeiten. Der Bildhauer Bernhard Hoetger, den sie ihn Paris kennen lernte, war sehr begeistert von ihrer Malerei und hat sich nach Paulas Tod um die Verbreitung und Bewahrung ihrer Werke gekümmert.

Ein Großteil der Exponate kommt aus Bremen, aus den Museen im Ruhrgebiet oder aus Privatsammlungen.

Die kommissarische Leiterin dieser wunderbaren Ausstellung ist Julia Garimorth, die zusammen mit der Biografin von Paula Moderbohn-Becker,  Marie Darrieussecq, die Ausstellung kuratiert, die noch bis 21. August im Musée d’Art Moderne in Paris zu sehen ist.

Detail Ausstellungsplakat - Paula Modersohn-Becker
Detail Ausstellungsplakat

Christa Blenk

 

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This week: Carlos de Gredos – spanischer Künstler, Poet, Gründer und Leiter des Kunst- und Naturparkes El Cerro Galllinero in (Avila/Spanien)

 

alchimie
Fuego Alquímico (Alchimiefeuer)

Alchimiefeuer heißt seine Landart-Installation (2014)  im Cerro Gallinero. Sie besteht aus einem Dreieck im Dreieck. Carlos de Gredos hat dafür auf der einen Seite des Feldweges einen kleinen, dort vorgefundenen,  Felsbrocken gelb angemalt und in perspektivistischer Verbindung ca 200 m gegenüber ein Dreieck in den Ginster geschnitten, eine Dekonstruktion. Das Gelb ist eine Huldigung an die Piornos, eine Ginsterart, die ab Mai erblüht und den Cerro zum Strahlen bringt.

Carlos de Gredos ist ein konzeptueller Künstler. Er ist der Initiator und Koordinator des Kunst- und Skulpturenparks El Cerro Gallinero. Künstler (oder Besucher) sollen oder dürfen dort die von der Natur vorgegebenen und manchmal kaschierten (zukünftigen) Werke finden, erkennen, sie enthüllen oder vervollständigen. Carlos ist 1958  in der Gegend von Avila geboren und aufgewachsen und hat auch künstlerisch den Grundstein gelegt. La Nube (die Wolke) oder Parajes nuncios de Infinito heisst sein erstes Projekt. Ein großer weißer Stein ist so platziert, dass er manchmal zur zusätzlichen Wolke am Himmel wird. Poetisch und fast transparent schwerelos schwebt die Steinwolke zwischen Himmel und Erde. Ein weiteres Werk von ihm  Desde mi atalaya (von meinem Wachturm aus) – ein Oxymoron; der Aussichtspunkt ist nämlich in die Erde eingelassen und en miniature.

« Denn wahrhaftig steckt die Kunst in der Natur, wer sie heraus kann reißen, der hat sie » (Albrecht Dürer). Mehr kann man dazu nicht sagen!

Faszinierend und wunderschön ein Ausflug in den Cerro!

Christa Blenk

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