Napoleon-Museum in Rom

P1290594 P1290596P1290605
Museum Napoleon in Rom

Ein Wohnhaus-Museum direkt am Tiber

100 Jahre Geschichte werden in diesem Museum dokumentiert. Portraits von Napoleon und seiner Familie, zum Teil von eher unbekannten Malern, die sich ja zu dieser Zeit zuhauff in Rom aufhielten,  Möbel, Gegenstände, Kleider und Schuhe, Schmuck und Porzellan. Die Liege von Paolina, auf der – oder auf einer ähnlichen – sie gelegen hat,als Canova die Skulptur von ihr machte, die heute in der Villa Borghese steht bzw. liegt oder Alltagsleben, Gebrauchsgegenstände und Persönliches. Offizielle Portraits und Carlotta als Landmädchen, Napoleons Mutter Letizia, Josephine und seine Geschwister. Es ist von allem etwas da.

Drei Zeitabschnitte sind dokumentiert: da ist einmal die Zeit Napoleons, dann die « römische » Periode, die vom Fall Napoleons bis zum Aufstieg von Napoleon III geht und die Zeit danach. Stiländerungen sind erkennbar und der Beginn einer neuen Zeit.

Die Einrichtung bzw. Organisation beruht fast ausschießlich auf Giuseppe Primolis Angaben, dessen Familie im 19. Jahrhundert diesen  Palazzo übernahm.

Ein schöner Spaziergang durch eine Zeit, als man in Rom Französisch sprach. Der Eintritt ist  gratis!

P1290602

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Jenseits der Zeit – Ausstellung Voth/Amslinger

en el desiertovotho.jpg
Emanuel Borja 2003 nach einem Besuch bei ihm in der Wüste

Ausstellungshinweis:

Vom 14.02. – 12.06.2016 sind im Kunstmuseum Bayreuth Zeichnungen und Fotos des Künstlerpaares Hannsjörg Voth und Ingrid Amslinger zu sehen.

Seit über 40 Jahren fotografiert Ingrid Amslinger Voths primordiale Projekte, sei es ein Boot aus Stein und das Floß mit der brennenden Mumie, das Richtung Nordsee fährt.

Über 20 Jahre hat Hannsjörg Voth drei Monumentalprojekte in der Marha-Ebene installiert (Himmelstreppe, Goldene Spirale und Stadt im Orion), die Ingrid Amslinger konsequent fotografisch festgehalten hat.

In der Ausstellung ist auch – u.a. – der Film über die Stadt im Orion zu sehen; Voths letztes Marha-Ebene-Projekt.

Hannsjörg Voth - Foto: Ingrid AmslingervothHannsjörg Voth
Arbeiten von Voth; Fotos: Amslinger und Tagebuchaufzeichnung

Mehr über Hannsjörg Voth

 Mehr über Emanuel Borja

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Rosa Quint – Sites

Kabel, Sichtweisen und Harmonie

Noch bis Mitte März 2016 sind die neueres Plexiglas-Arbeiten von Rosa Quint im Kulturhaus Milbertshofen (München) zu sehen.

« Sites » (Orte) hat sie sie genannt – und es handelt sich hier um das Aufarbeiten ihrer Aufzeichnungen, die sie auf ihren unzähligen Reisen macht und in einem Notizbuch festhält. Blicke vom Zug auf die vorbeiziehende Landschaft, Gefühle und Durcheinander in der Londoner U-Bahn oder Markierungen auf einem Stadtplan sind für Rosa Quint genauso inspirierend wie ein Kabelsalat hinterm Fernseher oder in Peking.  Und so kommt es, dass Genua für sie Lila ist, die Londoner U-Bahn Blau und finnische Landschaften Grün. Sie malt das, was man sieht, wenn man die Augen fast ganz zumacht und nur noch eine Linie bleibt; eine Mischung aus Erinnerung, Empfindung, Fantasie und Farbe.Das Ergebnis sind dann diese umwerfenden, ja sprechenden und poetischen Arbeiten.

Ihre persönliche Grand Tour führt sie durch die ganze Welt, natürlich auch durch Italien, denn hier lebt sie teilweise.

Warten wir also auf die nächsten Arbeiten, die nach der Kuba-Reise entstehen werden; in drei Tagen geht es los!

Karelian train 1_100pKarelian train 3_100pKarelian train 2_100pRosa at work
Karelian-Train ( (s. oben) heisst eine der neueren Öl auf Plexiglas-Serien (Fotos: Rosa Quint) r.u. Rosa Quint in ihrem Atelier

Mehr über Rosa Quint:

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Barbara Klemm auf den Spuren des Zeichners Goethe

P1290532P1290545P129052812565377_507223819456525_9084619049197119683_n
Cestius Pyramide (Zeichung Goethe/Radierung Piranesi/Foto Klemm/Foto cmb 2016)

Reisenotizen – appunti di viaggio – heisst die Fotoserie von Barbara Klemm, die zur Zeit in der Casa di Goethe ausgestellt ist.  2012 hat Barbara Klemm im Auftrag der ALTANA Kulturstitung begonnen, die Landschaften, die Goethe auf seiner Italienreise zeichnete, zu fotografieren. Klemm hat sich ihrerseits mit den Orten oder Landschaften  auseinandergesetzt und sie interpretiert.  Poetische und auf den ersten Blick unscheinbare und vollkommen unnostalgische schwarz-weiß Fotos auf der Suche nach Vorbildern von vor 200 Jahren und nach Worten, genau so  wie Goethe gemeinsame Projekte mit den 1786 in Rom anwesenden Poeten plante.  Dazu schreibt er unter dem 20.11. 1786 « Da uns die Erfahrung genugsam belehrt, dass man zu Gedichten jeder Art Zeichnungen und Kupfer wünscht, ja der Maler selber seine ausführlichsten Bilder der Stelle irgendeines Dichters widmet, so ist Tischbein Gedanke höchst beifallswürdig, dass Dichter und Künstler zusammenarbeiten sollten, um gleich vom Ursprunge heraus eine Einheit zu bilden …. «  

Einige Aquarelle von ihm sind Klemms Fotos gegenüber gestellt. Bescheiden, zurückhaltend, hauchzart und blass-getuscht – etwas zu wässrig sogar – wirken sie auf uns, Goethes Aquarelle, die in seiner Italienzeit unter Einfluss seines Mitbewohners Tischbein, Winkelsmanns Kunstgeschichte und den anderen unzähligen Malern, bei denen er Unterricht nahm, entstanden sind. Er selber glaubte nicht an sein Talent, es war ein Spaß, ein Abenteuer und er erfand sich wieder mal neu damit.

Italienreise GoetheP1290563
Reiseroute und Deckblatt der ersten Ausgabe (da hieß es noch « Aus meinem Leben »)
 

Vor 200 Jahren, 1816, also 30 Jahre nach Beginn seiner Reise nach Italien, hat Johann Wolfang von Goethe(1749 – 1832) mit der Veröffentlichung seiner Aufzeichnungen begonnen und dazu auch seine Briefe nach Deutschland  hinzugezogen. Das Weltgeschehen um die Französische Revolution und der Wiener Kongress hatten mittlerweile die Welt verändert und die Perücken (und Mieder – nicht nur politische) fallen lassen. Goethe war mittlerweile fast 70 Jahre alt und seine Erinnerungen und Notizen vermischten sich mit der Nostalgie über die verlorene Jugend. Einige seiner handschriftlichen Aufzeichnungen hat er nach der Veröffentlichung sogar vernichtet. So kam es zu einer – für die damalige Zeit – etwas anachronistische Betrachtungsweise. Der damalige preußische Gesandte in Rom, Niebuhr, beschwerte sich sogar, wie Goethe derartiges hätte drucken lassen können…..

Mit Ende 30 macht Goethe sich über Karlsbad auf den Weg nach Rom, noch nicht wissend, dass er damit als Trendsetter fungieren und eine nicht enden wollenden Pilgerfahrt sich in Bewegung setzen würde. In diesem Jahr wurde übrigens in Wien Mozarts Hochzeit des Figaro uraufführt. Es geht Goethe einfach nicht schnell genug!« Über das Tiroler Gebirg bin ich gleichsam hinweggeflogen. Verona, Vicenz, Padua ,Venedig habe ich gut Ferrara, Cento, Bolonga flüchtig und Florenz kaum gesehen. Die Begierde nach Rom zu kommen, war so groß, wuchs so sehr mit jedem Augenblicke, dass kein Bleiben mehr war und ich mich nur drei Stunden in Florenz aufhielt ». Ja, ich bin endlich in dieser Hauptstadt der Welt angelangt » lautet der erste Satz in den Rom-Aufzeichnungen, wo er am 1. November 1786 ankam. Es ist nicht so, dass ihn die Renaissance oder die Gotik nicht interessierte,  Kommentare wie « Noch mehr erstaunte ich vor einem Bilde von Tizian. Es überleuchtet alle, die ich gesehen habe. Ob mein Sinn schon geübter, oder ob es wirklich das vortrefflichste weiß ich nicht zu unterscheiden » oder seine Verehrung für Palladio sagen uns das, aber das Zugpferd Rom war einfach zu stark.

Zwei Jahre später, 1788, fährt er vollgepumpt mit Eindrücken, Erfahrungen, Inspirationen und Aquarellen im Gepäck wieder nach Hause und geht bald danach mit Christiane Vulpius eine Verbindung ein. Ein paar Jahre später beginnt die Französische Revolution, erstmals von allen Intellektuellen befürwortet und bedichtet und Beethoven komponiert die Eroica. Mit dem Tod seines Freundes Schiller 1805 tut sich ein großes Loch für ihn auf und Austerlitz lässt Europa wieder Mal Wanken. Als dann 1816 Christiane stirbt, fängt er an, die Notizen seiner Reise nach Italien, die mittlerweile 30 Jahre zurückliegt, aufzuarbeiten.  Das ist die Zeit, in der Niépce zum ersten Mal die Camera obscura benutzt und damit den Weg zur Neuinterpretation der Malerei ebnet. Nochmals fünf Jahre später sollte der Faust II entstehen, die längste Pferdeeisenbahn der Welt von Budweis nach Linz fahren, der Maler Manet geboren werden und die Erfindung der Dampfmaschine die Industrialisierung einleiten. 

Heute ist die Lesart der Italienreise eine andere. Sie ist die wunderbare Beschreibung einer Reise unter für uns heute schwierigen, komplizierten Umständen, abenteuerlich, zeitaufwendig und auch langatmig. Vieles findet man so nicht mehr, anderes hat sich nicht verändert. Nicht zu vergleichen mit den Reiseführern der low-cost Touristen, die ein Wochenende nach Rom kommen, am Kolloseum vorbeigehen, die Schreibmaschine öfter fotografieren als das Forum Romanum, shopping den Corso rauf und runter machen, um sich am nächsten Tag stundenlang an den Vatikanischen Museen anzustellen. Es fehlt die Zeit, etwas zu empfinden oder gar zu verarbeiten.

Und: Die Zitronen sind – jedenfalls im Zentrum – schwarz von den Abgasen und wenn man nicht permanent auf den Boden sieht, verstaucht man sich sehr leicht einen Knöchel aufgrund der vielen fehlenden St. Pietri- Steine. Die Welt zwischen 1786 und 2012 ist eine ganz andere und kann nicht verglichen werden, aber Bäume, weite Felder, römische Bauten und Ruinen haben sich (fast) nicht verändert, nur dass die Pyramide zur Zeit ganz weiß ist. Und selbstverständlich steht die Casa di Goethe immer noch schön und gepflegt am Corso.

Genauso bescheiden wie Goethes Aquarelle wirken auch Klemms Fotos. Kleinformatik und schwarz-weiß, die zur Zeit in der Casa die Goethe – noch bis 27. Mai 2016 – zu sehen sind. Kuratiert hat die Ausstellung Dr Maria Gazzetti, die Leiterin der Casa di Goethe, .

P1290538P1290534
In der Ausstellung (Fotos Klemm – Aquarelle Goethe)

Christa Blenk

 

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Toulouse-Lautrec

Toulouse Lautrec
Ara Pacis Museum Rom

Die umfangreiche Sammlung aus dem Kunstmuseum in Budapest ist zur Zeit (noch bis 8. Mai2016)  im Ara Pacis Museum zu sehen.

An die 170 Exponate(vor allem grafische Arbeiten, Radierungen, Poster, Illustrationen etc) entstanden zwischen 1891 und 1900, sind dazu aus der ungarischen Hauptstadt angereist.

Die Ausstellung ist in fünf Themen unterteilt und wird von Filmen und didaktischem Material begleitet.

Henri de Toulouse-Lautrec wurde 1864 in Albi geboren, Graf eines alten Adelsgeschlechtes. Er war einer der großen Grafiker des Post-Impressionismus. Bekannt bei uns ist er vor allem durch die Plakate, die er für das Varieté Moulin Rouge am Montmatre fertigte. Eine Erbkrankheit und zwei Unfälle als Kind waren Verursacher seines Kleinwuchses und fesselten ihn oft lange Zeit ans Bett, was ihn aber nicht daran hinderte, ein Leben als Bohemien mit Degas, Renoir, van Gogh oder Bonnard zu führen. Um den Montmatre, in kleinen Cafés oder Ateliers stellte er zuerst seine grafischen Arbeiten aus. La Belle Époque war wie geschaffen dafür. Aristide Bruant, der Besitzer des Cabaret Le Mirliton, war eine wichtige Bezugsperson oder Auftraggeber für ihn. Das Markenzeichen von Bruant ist und war der rote Schal! Die Malerin Suzanne Valadon war eines seiner Modelle, er lernte sie 1887 kennen; die starb zwei Jahre später durch Selbstmord.

Toulouse-Lautrec ist 1901 im Alter von 37 Jahren in Paris verstorben.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

 

GNAM : Echaurren – Antonioni – Lupone und mehr

P1290448P1290459P1290452
Pablo Echaurren: Holzkiste 1974 « sono un triste Papagallo »;aus der Serie 69 Zeichnungen (1977-78); große Wandmalerei 2014 – Fotos: Christa Blenk

Pablo Echaurren ist 1951 in Rom geboren. In Italien arbeiteten wieder Künstler wie Giuseppe Capogrossi oder Alberto Burri. Er begann seine künstlerische Tätigkeit in der Zeit der postmoderner italienischen Transavantgarde von Enzo Cucchi, Mimmo Paladino oder Francesco Clemente ohne jedoch deren Bekanntheitsgrad zu erreichen.

Die GNAM widmet Echaurren nun eine Ausstellung die zeigt, warum das so ist. Echaurrens Arbeiten sind sehr geprägt vom Surrealismus oder mehr noch vom DADA. Seine Arbeiten aus den 70er oder 80er Jahren greifen immer wieder auf Marcel Duchamps oder dessen Zeitgenossen zurück und haben durchaus Charme und Humor. Er kreierte Collagen wie Schwitters und kleine Boxen wie Cornell oder Max Ernst und experimentierte mit den Kubisten. Immer wieder kommt er jedoch auf Duchamps zurück! Comics und Karikaturen sprechen weiter von seiner Vielseitigkeit.  Seine neueres Arbeiten, die in den letzten Jahren entstanden sind, werden jedoch sehr schnell langweilig und unspannend und erinnern an die informellen Arbeiten von Capogrossi, aber ohne Barock!

Beim Betrachten dieser Ausstellung wird uns jedoch klar, dass Echaurren noch nicht seinen Stil gefunden hat oder ihn noch nicht finden wollte.

Abgesehen von der ausgezeicheten permanenten Sammlung (es gibt ein paar echte ready mades) in der GNAM ist in zwei Räumen – nur noch bis heute – eine Hommage an den italienischen Regisseur Michelangelo Antonioni und seine Muse Monica Vitti zu sehen.

P1290498

Bevor man geht, ist es ein must, die Musikinstallation « Forme Immateriali » von Michelangelo Lupone im Innenhof des Museums zu besuchen und mit dem Zauberstab selber Musik zu komponieren!

P1290513
Maestro JNP

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Guillermo Lledó – Ausstellung in Alicante 2016

Guillermo Lledó – Minimalista Español – ultimas obras

Folie19 Folie2 Folie3 Folie4 Folie5 Folie6 Folie7 Folie8 Folie9 Folie10 Folie11 Folie12 Folie13 Folie14 Folie15 Folie16 Folie17 Folie18 Folie19

 

mehr über Guillermo Lledó

 

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Aschenblumen, Trauerhalme und Wunderkammern: Retrospektive Anselm Kiefer im Centre Pompidou

kiefer-Innenseite steigend...KieferP1280710P1280768P1280769P1280735

 

Aschenblumen, Trauerhalme und Wunderkammern

Anselm Kiefer ist ein Romantiker, ein trauernder Poet, der mit schwarzer Asche auf grauem Blei und weißem Gips schreibt und dazu gelb-braune Strohhalme benutzt. Seine bedrückenden, post-nuklearen und perspektivlosen, kargen und verbrannten Winterlandschaften schreien nach Licht und Sonne. Der Acker ist bestellt, aber die verbrannte Erde will die zart keimenden Halme nicht an die Oberfläche lassen.

Kiefer-Innenperspektive steigend ....
Teil der Installation Steigend, steigend, sinke nieder

Noch fast schwindelig von seiner beeindruckenden dreistöckigen Installation im Eingangsbereich des Centre Pompidou „Steigend, steigend, sinke nieder“ (2011), die aus seinem Atelier in Barjac nach Paris kam, geht es in den 6. Stock und man betritt Kiefers eigenwilligen, ganz persönlichen beeindruckenden und bedrückenden Kosmos mit einem kriegsrhetorischen Donnerschlag. Auf 2000 qm werden Leben und Leiden von Kiefer ausgebreitet und man macht Bekanntschaft mit seiner umfangreichen ausartenden grau-schwarz-braunen Monumentalwelt und mit seiner umfassenden Intellektualität und seinem Hang zur Poesie. Man lässt sich auf seine Auseinandersetzung mit der Geschichte, der alten und der neueren, ein. Sämtliche Schaffensperioden seit 1967 sind repräsentiert.

Kiefer
Heroisches Sinnbild IV

Kiefer nimmt, wie sonst keiner, die Arbeit der Vergangenheitsbewältigung nach 1945 sehr ernst. Provozierend einmal, dann wieder erforschend. Er baut auf den verbrannten Ruinen und holt sich die dazu notwendigen Bausteine aus der alten und neuen Geschichte, von zeitgenössischen Dichtern wie Bachmann und Celan oder aus unterschiedlichen Mythologien.  Ambivalent, wenn er auch auf Celine zurückgreift, aber das gehört dazu wie der Hitlergruß in Vaters Wehrmachtsuniform, die ihn in einer Serie von Autoportraits (Heroische Sinnbilder -1969-1970), zeigen, einsam in der Landschaft als Hommage an Kaspar David Friedrich. Nur blickt er uns direkt ins Gesicht und ent-romantisiert damit das Gemälde.

P1280654
Varus (1976)

Kiefers Themen sind immer wieder die deutsche Vergangenheit, der Beginn und das Ende der Geschichte.  Er dokumentiert das mit Gemälden wie Varus (1976 – 200 x 270 cm), es entstand in seiner Anfangszeit im Odenwald. Kiefer beschreibt hier das Thema der Schlacht im Teutoburger Wald. Varus unterliegt Hermann, der mit Schnee bedeckte und sich nach hinten verengende Wald ist blutbespritzt und leer.

Ein weiteres Thema, dessen er sich seit 1973 immer wieder annimmt, ist die germanische Mythologie. Brünhildes Tod (1976), eine Leihgabe aus dem Lenbachhaus München, in verschiedenen Grautönen und weiß-roten Flammen. Sämtliche Wagnerhelden haben ihren Einzug in seine Malerei gefunden. Notung, das Schwert, das den braunen Raum dominiert und Parsifal-Referenzen. Immer wieder beschreibt er seine Bilder.

P1280652
Wege der Weltweisheit

Mit Wege der Weltweisheit (1976-1977) hat er 1980 bei der Biennale in Venedig die Büchse der Pandora geöffnet und die Kriegsjahre wieder auf die Leinwand gebracht, um ja ein zu schnelles Vergessen zu verhindern. In seiner Waldlandschaft sitzen Intellektuelle neben Nazihelden, die mit schlangen- oder stammbaumähnlichen Armen miteinander verbunden sind.

Mit Hauptwerken wie Margarethe (1981 – 280 x 400 cm) oder  Sulamith (1983 – 290 x 370 cm) gesteht er seine Verehrung für Paul Celans Poesie. 2006 entstand, ebenfalls nach Celans Gedicht „Ich bin allein“ das melancholische Materialbild Aschenblume..(330 x 760 x 40 cm), eine Erinnerung an die Shoah. Eine weitere Inspirationsquelle ist Ingeborg Bachmann, sie nach entgegen jeder Polemik, einen Weg für das Fortleben der Poesie nach 1945 gefunden.

 aschenblume
Aschenblume (2006)

In den 80er Jahren reist Kiefer nach Israel und beginnt sich für die Kabbala zu interessieren. Es entstehen später Werke wie „Liliths Töchter “ (1998) oder Merkaba – die Sieben Himmelspaläste (2007). Aber Kiefer ist noch nicht fertig und verschreibt sich in den 90er Jahren selber eine Art Reinwaschtheorie, verlässt den Odenwald, um drei Jahre durch Nepal, Thailand und China, Australien und Mexiko zu reisen – ohne zu Malen, nur Schreiben und Fotografieren waren erlaubt. Nach dieser Zäsur ging er auf Einladung von Jack Lang direkt nach Südfrankreich, wo er immer noch lebt. 1996 entstand das Gemälde „Die Orden der Nacht“ (356 x 463 cm). Es kam aus Seattle nach Paris und zeigt verbrannte, fast greifbare Sonnenblumen, die trauernd über einer auf dem Boden liegenden Person schweben. Dem Philosophen Rubert Fludd aus dem 17. Jahrhundert hat er dieses Gemälde gewidmet. Mensch, Blume, Himmel und Sonne überschüttet von Zweifel, Passivität, Nihilismus und Trauer.

P1280710
Die Orden der Nacht

Und so wandert man weiter von einem umwerfenden Raum in den nächsten und durchquert einen sehr gelungen Saal mit seinen Vitrinen. Sie wirken auf den ersten Blick wie Wunderkammern und beinhalten Materialien, die zur Realisierung der großen Arbeiten entweder geistig oder materiell nötig waren. Unglaublich, er hat sie für die Ausstellung geschaffen.

P1280695
Vitrine – Der verlorene Buchstabe

Plötzlich wird man mit dem großen Finale konfrontiert. Eine Rauminstallation „Für Mme de Stael: Über Deutschland“ (2006). Ein Stammbaum in Form eines großen Pilzes (+ Babypilz) und Vater ist der Revolutionsbefürworter Johann Gottlieb Fichte. Ironisch, musste doch Mme de Stael, Adelige, Frau eines Diplomaten, Schriftstellerin und Deutschlandkennerin von Frankreich ins Ausland fliehen. Ihr Roman „De l’Allemagne“ wurde 1810 sofort nach dem Druck wieder eingestampft, weil es ein Deutschlandbild zeigte, das nicht ins Bild passte: zu idealisiert, zu musisch, zu philosophisch, zu gefühlsbetont. Es  hat trotzdem wie kein anderes Buch das Bild der Deutschen in Frankreich geprägt. Gegenüber, wie eine Art Friedhof, liegen die Personen vom Stammbaum begraben und die Pilze gedeihen nur so. Das große Bett aus Blei hat er Ulrike Meinhoff vermacht!

P1280781P1280768
Für Mme de Stahl De l’Allemagne

500 Exponate, darunter 60 seiner wichtigsten Gemälde, präsentiert diese Ausstellung, wobei die großen Gemälde im vorletzten Raum mit dick aufgetragenen bunten Farben etwas verwirren. Der Alchimist Kiefer verlässt plötzlich die Farbe Schwarz und seine grausamen Märchenbücher und wird bunt-kitschig. Irgendwie will man ihn so nicht, so voller blumiger Ironie! Um den Exkurs zur Polychromie aber etwas abzuschwächen, heißen sie dann „Böse Blumen“ (2001-2015). Ein „Künstler der Unterwelt“, wie er sich selber nennt, darf nicht zu viel Farbe auftragen. 

Die große Retrospektive von Anselm Kiefer, die seit Dezember dort zu sehen ist, zeigt deutlich, dass es im Moment keinen Künstler gibt, der auch nur in die Nähe von Kiefer kommt. Kiefer ist ein künstlerischer Riese!

Anselm Kiefer wurde im März 1945 im Luftschutzkeller eines Donaueschinger Krankenhauses geboren. Diese Zerstörungen durch die Bomben, sind in seinen Bildern immer wieder zu finden. Sein Vater war Kunstlehrer und erkannte sehr schnell die Notwendigkeit seines Sohnes sich künstlerisch auszudrücken. Schon seine Abschlussarbeit 1969 befasste sich mit dem Nationalsozialismus. Seine Hitlergruß-Performance fiel durch und wurde von den Akademikern abgelehnt. Kiefer ging zu Josef Beuys nach Düsseldorf, wenigstens geistig. Spätestens seit seinem Biennale-Auftritt 1980 gehört er zur Künstlerweltelite und – wie die Ausstellung zeigt – hat jedes Museum das etwas auf sich hält – wenigstens eines seiner Werke.

Ausgezeichnete Ausstellung, fast eine Jahrhundertausstellung, die die Franzosen ihm hier bieten. Bei uns hat man ihn immer noch nicht richtig verstanden, dazu muss man jetzt – noch bis Mitte April -  nach Paris fahren!

Wenn man dann nach der Ausstellung auf der Autobahn Richtung Süden fährt – wohlgemerkt es ist Januar – sieht man sie überall, die Kieferlandschaften.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

La Traviata – texte en langue française

Traviata-Dorothée Lorthiois
 Dorothée Lorthiois sous les applaudissements de la salle (photo: Christa Blenk)

La Traviata ou le bonheur fragile

Le rideau se lève. Violetta est allongée sur son lit de souffrance, habillée d’une robe incolore d’hôpital. Le reste de la scène est encore dans l’obscurité. Elle se lève et se déplace difficilement, appuyée sur sa canne, sur le sol de la scène faite d’un miroir craquelé. Violetta se remémore sa vie passée et se revoit telle qu’elle était (entrée en scène et en voix de ) le jour où elle donna un bal à ses amis et où elle rencontra le drôle, l’impétueux et le charmant Alfredo. Ce jour-là, où elle était encore en bonne santé et dansait entourée d’amies dans leurs robes élégantes. Ce jour-là, où Alfredo lui déclara sa flamme et l’invita à venir passer des jours heureux chez lui à la campagne.

Puis, une première craquelure dans le miroir et dans son destin annonce la première attaque de faiblesse de la maladie. La quiétude et le bonheur de Violetta sont mis en pièces  par l’arrivée de Germont, le père d’Alfredo,  qui lui reproche le scandale de cette liaison et finit par la convaincre de rompre.

Violetta nous fait voir,  à l’occasion d’un bal donné par son amie Flora, comment, anéantie  par la douleur d’avoir sacrifié son amour,  elle annonce à Alfredo  qu’elle le quitte, et comment celui-ci, malade de chagrin lui jette à la tête l’argent qu’il vient de gagner au jeu. Alors Violetta troque son élégante robe de bal avec la robe incolore de l’hôpital, et nous comprenons qu’elle entreprend les dernières heures de sa vie. La mémoire et la réalité se rejoignent.  La moribonde Violetta sera accompagnée seulement par le regret d’Alfredo de retour de voyage et les regards inquiets d’Annina. Un cortège de pleureuses grecques se penchent sur elle  et se transforment en anges de la Mort.  Cette scène est très réussie. Isabelle Huchet a mis sur scène des vautours de deuil aux costumes démoniaques, rappelant celui de Darth Vador. La chorégraphie de Delphine Huchet, excitante et agressive crée par cette digression futuriste un contraste avec les costumes fantaisistes, mais autrement classiques des visiteurs du bal.

Le miroir, était-il craquelé dès le lever du rideau de cette histoire, pour nous rappeler que  la relation fidèle merveilleuse, mais si éphémère et passionnée de Violetta présentait dès le début des fissures et pas d’avenir ?

Opéra Côté Choeur a mis en scène cette magnifique La Traviata, en la montrant sous un jour nouveau, et a amplifié tout ce que peut offrir cette œuvre si souvent jouée.
Les excellents solistes étaient accompagnés par un très bon chœur et petit orchestre sous la direction subtile et discrète de Frédéric Rouillon, qui a trouvé et mis en lumière des  petites références mozartiennes dans cette Traviata  que vous n’entendriez pas autrement.  Et voilà une toute nouvelle expérience de la Traviata!

Notons bien le nom de l’interprète de Violetta, Dorothée Lorthiois. Elle a été la star de la soirée. Facile et confiante, elle est une Violetta qui, légère et presque ludique,  danse les yeux bandés sur la table et jouit de son bref bonheur. Elle a été convaincante dans toutes les émotions, la tristesse, la peur et l’euphorie. Mais les autres solistes ont aussi grandement contribué à ce succès. Le père d’Alfredo (Kristian Paul), un baryton merveilleux  nous a offert une grande performance malgré  un début de rhume.  Il n’a débuté le chant qu’à l’âge de 30 ans et est très à l’aise chez Verdi. Rémy Poulakis est un Alfredo très lyrique, nostalgique et chante ses airs sans le moindre effort apparent. La radieuse Flora est Karine Godefroy et Annina est Marie Soubestre. Richard Delestre et Florian Westphal sont Gastone et le Dr Grenvil. Christelle Tallon joue le double de Violetta. Le chœur était fantastique.  Précis, et dans leurs rôles drôles, menaçants, suppliants, ils ont également fait vraiment Bella Figura dans leur performance d’acteurs.

Isabelle Huchet a conçu les costumes originaux et le jeu de scène, Bernard Jourdain, fondateur de l’Opéra Côté Choeur a dirigé le tout avec excellence. Le pianiste et chanteur Loïc Mignon a pris en 2014 le chœur dirigé par Opera Côté Choeur et a élevé son niveau vers de très hauts sommets.  Frédéric Rouillon a travaillé entre autres au Théâtre du Châtelet, le Theater an der Wien à l’Opéra de Francfort et avec des grands noms tels que Peter Mussbach ou Robert Carson.

Bravo! Bravissimo !! Peut-on dire. Nous espérons que cette Traviata sera bientôt montrée dans d’autres salles ne disparaîtra pas rapidement de la scène!

Christa Blenk

traduction en langue française: Jean-Noel Pettit

traviata-alle
metteur-en-scène et chanteurs après la representation (photo: Christa Blenk)
 

lien vers la version originale en allemand

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Wifredo Lam

P1280819

 

 

Im Centre Pompidou sind zurzeit an die 300 Arbeiten des kubanisch-französischen Malers der Moderne Wifredo Lam zu sehen. 1902 auf Kuba geboren, kam Lam als Jugendlicher noch vor dem spanischen Bürgerkrieg zuerst auf die Iberische Halbinsel, studierte die Klassiker im Prado und war beeindruckt von Gauguin und von den deutschen Expressionisten. In Madrid hat Lam Frau und Kind an die Tuberkulose verloren und kämpfte während des Bürgerkrieges auf Seiten der Republikaner. 1938 ging er nach Paris, wo er Pablo Picasso traf, der ihn in den Kreis um André Breton einführte. Auf der Flucht vor den deutschen Truppen geriet er nach Marseille.

jungle
The Jungle – Ausstellung Centre Pompidou (Foto: Christa Blenk)

 

Lam war hauptsächlich Surrealist und Grafiker, allerdings sind seine Gemälde auch stark von  Kubismus- und Fauvismuseinflüssen geprägt. Ein Mediator der Modernität zwischen Europa und Amerika, ständig unterwegs. Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und zeigt Werke aus der Spanienzeit, geht auf die Einflüsse der Franzosen um Matisse und Picassos Masken ein und zeugt von der farbenprächtigen Welt der Karibik und von Inspirationen, die er von seinen zahlreichen Reisen nach Thailand, Ägypten oder Mexiko mitbrachte. Die letzten Jahre verbrachte Lam wieder in Europa, in Paris und in Albissola, wo er sich vor allem mit Ton und der Töpferei auseinander setzte.

Sehr bekannt ist sein Werk „The Jungle“ (Der Urwald). Er hat es 1943, wieder zurück in Kuba, gemalt und es wurde 1944 in New York mit großem Erfolg ausgestellt. The Jungle ist seine Demoiselles d’Avignon, sein Guernica. Das New Yorker MoMa hat es schon bald nach der ersten Ausstellung gekauft.

Wifredo Lam war bei der documenta II (1959)  und documenta III (1964) in Kassel dabei.  1982 verstarb er in Paris.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

La Traviata

Traviata-Dorothée LorthioisTraviata-mit Dirigentalle-applaus
Nach der Vorstellung: Dorothée Lorthiois Mitte Chor und Ensemble, links Regisseur und Truppe

 

La Traviata oder das zerbrechliche Glück

Violetta kauert auf Ihrem Krankenbett und der Vorhang hebt sich. Der Rest der Bühne verharrt noch im Dunkeln als sich zur Ouvertüre eine farblose Violetta mühsam mit ihrem Gehstock über den zersprungenen Spiegelboden schleift. Sie sieht ihr trauriges Leben Revue passieren und beobachtet sich selber, wie die lustige, ungestüme, bezaubernde und gesunde Violetta einen rauschenden Ball für ihre Freunde gibt, elegante Kleider trägt, Alfredo kennen und lieben lernt und glückliche Tage mit ihm auf dem Land verbringt.

Schleichend breitet sich der Sprung im Spiegel aus, als Violetta ihren ersten, kleinen Schwächeanfall hat. Das kurze Glück hat schon angefangen aufzuhören, als sie sich von Alfredos Vater überreden lässt, von ihm zu lassen. Sie beobachtet weiter, wie der Schmerz über den Verlust der Liebe an ihr zehrt, wie sie unglücklich Alfredo zurückweist, wie er ihr das gewonnene Geld vor die Füße wirft, wie sie vor  Schmerz über den Verlust krank wird. Im Moment, in dem Violetta ihr elegantes Ballkleid mit einem farblosen Krankengewand vertauscht,  fusionieren Erinnerung und Wirklichkeit und die letzten Stunden haben begonnen. Die moribunde Violetta wird nun nur noch vom Bedauern des zurückgekehrten Alfredo und von den besorgten Blicken von Annita begleitet. Es erscheinen die griechischen Klageweiber, die sich nach bedächtigem Vortrauern in raffgierige, todbringende Racheengel verwandeln. Sehr gelungen, diese Szene. Isabell Huchet hat die Trauergeier in dämonische Kostüme gesteckt, die an Darth Vader denken lassen. Spannend und aggressiv die Choreografie von Delphine Huchet, die mit diesem Exkurs in die Zukunft, einen Gegensatz zu den sonst fantasievollen aber konventionellen Kostümen der Ballbesucher herstellt.

Soll uns der zersprungene Spiegel, auf dem diese Geschichte passiert, daran erinnern, dass der Beginn von Violettas wunderbarer aber so ephemer und leidenschaftlich-treuen Beziehung von Anfang an Risse und keine Zukunft hatte?

Opera Côté Choeur hat diese herrliche La Traviata inszeniert, sie in ein neues Licht gesetzt und alles was diese so oft gespielte Oper hergeben kann,  aus ihr herausgeholt.

Begleitet wurden die ausgezeichneten Solisten, von einem sehr gut klingenden Chor und dem exklusiven kleinen Orchester unter der feinsinnig-diskreten Leitung von Frédéric Rouillon, der immer wieder kleine Mozart-Referenzen aus dieser Traviata holte, die man sonst nicht hört. Ein ganz neues Traviata Erlebnis!

Diesen Namen, Dorothée Lorthiois (Violetta), sollten wir uns merken. Sie war der Star des Abends. Leicht und selbstbewusst ist sie eine fast spielerische Violetta, die mit verbundenen Augen auf dem Tisch tanzt und das kurze Glück genießt. Man nimmt ihr jede Gefühlsregung ab, Trauer, Angst und Euphorie. Aber auch die anderen Solisten haben einen großen Teil zu diesem Erfolg beigetragen. Alfredos Vater (Kristian Paul), ein wunderbarer Bariton, hat trotz Erkältung eine großartige Performance hingelegt. Paul hat erst mit 30 Jahren zu singen angefangen und ist bei Verdi sehr zu Hause. Rémy Poulakis ist ein sehr lyrischer, nostalgischer Alfredo und singt seine Arien  ohne Anstrengung. Flora ist Karine Godefroy und Annina Marie Soubestre. Richard Delestre und Florian Westphal sind Gastone und Dr. Grenvil. Violettas Double wird von Christelle Tallon dargestellt. Der Chor war fantastisch. Sauber, witzig, drohend, bittend haben sie auch schauspielerisch eine bella figura gemacht.

Isabelle Huchet hat die originellen Kostüme und das Bühnenbild entworfen, Bernard Jourdain, der Gründer von Opera Côté Choeur , hat Regie geführt. Der Pianist und Sänger Loïc Mignon, hat 2014 die Chorleitung von Opera Côté Choeur übernommen und diesen Richtung erste Liga gepuscht. Frédéric Rouillon hat u.a. am Théâtre du Châtelet, am Theater an der Wien und an der Frankfurt Oper gearbeitet und mit Größen wie Peter Mussbach oder Robert Carson gearbeitet.

Bravo!  Bravissimo!! Mehr kann man von einem Opernabend nicht erwarten! Hoffentlicht wird diese Traviata auf Tournée gehen und nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden.!

 

traviata-alle
v.l.n.r. Loic Mignon, Delphine Huchet, Bernard Jourdin, Kristina Paul,
Rémy Poulaiks, Isabell Huchet, Frédéric Rouillon, Dorothée Lorthiois, Florian Westphal

Fotos: Christa Blenk

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Massensuizid und Hochzeitstorte: Emma Dante inszeniert in Rom die Cenerentola

P1280537P1280542P1280541
nach der Vorstellung – Cenerentola von Rossini (Foto: Christa Blenk)

 

Massensuizid und Hochzeitstorte

Türkise Cremeschnitten und Rokoko-Aufziehpuppen à la Hoffmanns Erzählungen: so sieht Emma Dante Rossinis Cenerentola; ihre erste Arbeit an der Oper Rom.
Außer einigen spanischen Wänden, die mit den eitlen und herzlosen Schwestern « Spieglein, Spieglein an der Wand » spielen, einer verschnörkelten Hochzeitstcremetortenkutsche in Weiß und einem Sessel hat Dante auf weiteres bewegliches oder unbewegliches Gut gänzlich verzichtet, dafür hat sie bei den Kostümen aus dem Vollen geschöpft. Fantasie- und Märchengebilde in Blau-Weiß-Türkistönen und über die Bühne zuckende Aufziehpuppen, die immer wieder  durch gegenseitiges Aufziehen neu zum Leben erweckt werden, Cenerentola bei ihrer schweren Arbeit entlasten und sie beschützen – so eine Art Taubenersatz! Witzige Idee!

Über 300 Versionen gibt es von Cenerentola und das erste Mal soll es um das 5. Jahrhundert herum aufgeschrieben worden sein und zwar in China! Bei uns kennen wir vor allem das Märchen Aschenputtel von Andersen oder Grimm, die wiederum auf der Version des Franzosen Perrault basieren und auf die Rossinis Librettist Jacopo Ferretti zurückgegriffen hatte. Dantes Cenerentola ist also nicht allein, sie hat fünf treue Aufziehpuppen-Helferinnen, die sich nur durch die Schraube am Rücken von ihr unterscheiden. Die grausamen Schwestern sehen aus wie Nina Hagen in ihrer besten Zeit und so bewegen sie sich auch. Sie rocken zu Rossinis presti und prestissimi-tempi. Alidoro ist ein gerechter Philosoph (und vielleicht auch ihr Vater), er ist  gleichzeitig so etwas wie ein Geburtenregister und öffnet seinen  Mantel wie ein Exhibitionist! Er will Don Ramiro und seinem Diener, schon in vertauschten Rollen, beweisen,  dass der heruntergekommene Don Magnifico drei Töchter hat. Die dritte sei tot, singt er weinerlich und lässt Cenerentola in der Küche anketten, damit sie endlich Ruhe gibt. Sie kommt aber trotzdem auf die Bühne aber nicht bis in Don Ramiros Arme. Die List der Schwiegerfamilie nützt aber nichts, denn wir sind ja im Märchen und Cenerentola darf natürlich trotzdem zum Ball und bringt als geheimnisvolle Schönheit alle zum Schweigen und zum Zittern. Die zickigen Schwestern kapieren es als Letzte, dass der Versuch, sich diesen Prinzen zu angeln,  ein no go ist. Kurz vor der Pause erschießen sich alle Anwärterinnen in Spe auf den Thron beim Anblick der Schönen, die doch so viel Ähnlichkeit mit dem Aschenputtel hat. Diese Szene hätte leicht schiefgehen können, als all die weißen Bräute sich der schon im Prinzenkleid befindlichen Angelina mit erhobener Waffe nähern, diese kurz auf sie richten, verzweifelt und hoffnungslos die Schulter heben und sich dann in einer Art Massenzwang – eine nach der anderen – dem Suizid hingeben. Aber wir sind ja krimi-erprobt und fanden das sehr lustig. Die Choreografie ist einfallsreich und federleicht. Der Boden ist nun auch weiß mit all den Nicht-Mehr-Bräuten und der Vorhang fällt nach 140 Minuten.

Nach der Pause liegen sie immer noch dort und die Tänzer müssen über sie springen oder sie umgehen. Der zweite Akt hat ein paar Längen (nicht nur die Musik) und Emma Dante greift auf die schon bei der Gisela von Hans-Werner Henze in Palermo vor genau einem Jahr erfolgreich eingesetzten Regenschirme zurück. Hier  haben sie allerdings die Aufgabe, die Sensibilität des Publikums zu respektieren als Vater und Töchter vor Wut, dass sie der Schönen vom Ball so ähnlich sieht, auf die am Boden liegende Cenerentola eintreten und sie schlagen.  Diese Szene fand ich persönlich einen Tick zu aggressiv und sie passte nicht zur blau-weißen Hochzeitstorteninszenierung. Auf der anderen Seite: « Märchen sind grausam » – das wissen wir Alle. Aber dann entdeckt der Prinz an Angelinas zweitem Knöchel das Fußkettchen und die zu lange Vereinigungs- und Vergebungsszene kann beginnen. Der zweite Akt sollte am besten mit dem genialen Sextett « Questo è un nodo avviluppato » enden.

Angelina hat alles was sie sich wünscht und verzeiht den ehemaligen Peinigern und jetzigen Neidern. Ihr Glück kann sie nur allerdings nur auf dem der anderen, d.h. der bösen Familie, aufbauen. Wenn das keine echte wohlwollende Herzensgüte ist.! Aber Emma Dante wollte die brutalen Fußtritte doch nicht ganz vergessen, greift kurz auf Grimm zurück und versieht die Drei für den Rest ihres Lebens mit den Aufziehschrauben der unteren Gesellschaftsschicht. Nun dürfen sie ebenfalls über die Bühne zucken, zwar noch ein wenig unsicher, aber mit der Zeit wird sich das auch legen! Rossini selber hat sich ja sein ewiges Heil später mit der Petite messe solennelle erkauft!

Im Großen und Ganzen war es eine witzige, spritzige, sehr kurzweilige, ästhetisch fein abgestimmte, risikofreie und originelle Cenerentola die Emma Dante mit viel Fantasie und Humor hier auf die Bühne brachte. Seit Stéphane Lissner sie 2009 an die Scala rief, um  die Carmen mit Daniel Barenboim und Jonas Kaufmann zu inszenieren, ist sie in Italien ein großer Star. In Rom hat die Sizilianerin zum ersten Mal gearbeitet und kam beim Publikum gut an.

Am Pult Alejo Pérez, der verlässliche Chorleiter in Rom wie immer Roberto Gabbiani und die originelle Choreografie hat Manuela lo Sicco entwickelt. Zur Regie von Emma Dante hat Vanessa Sannino die erfinderischen und phantasiereichen Kostüme entworfen; Vito Priante als Dandini war ausgezeichnet, so auch Serena Malfi als Angelina. Sie hat eine sehr sichere und warme Stimme, die nicht müde wird.  Juan Francisco Gatell als Don Ramiro hat weniger Persönlichkeit als sein Diener, aber einen angenehmen, gleichmäßigen und verlässlichen Tenor. Alessandro Crobelli hat mir gut als  hinterlistiger und opportunistischer Don Magnifico gefallen, seine Töchter Clorinda und Tisbe waren Damiana Mizzi und Annunziata Vestri, schauspielerisch sehr gut, aber  man hat sie nicht immer gehört, Alidoro war Ugo Guagliardo, der für den unpässlichen Marko Mimica einsprang, bekam viel Applaus, aber warum war nicht so ganz klar. Viel Freude am Spiel zeigten sie alle!

Gioachino Antonio Rossinis (1792-1868) Cenerentola ist neben dem Barbier von Sevilla  – vor 200 Jahren hat von letzterem in Rom die Uraufführung stattgefunden, und deshalb steht auch der Barbier  auf dem Spielplan dieser Saison – eines der Rossini-Hauptwerke,  ein Dauerbrenner und der Erfolg ist sicher auch hier gewährleistet.  Cenerentola hat Rossini direkt nach dem Othello in Neapel komponiert. Barbaja, seines Zeichens Direktor von San Carlo, musste ihn dazu mehr oder weniger einschließen, da der Lebemann Rossini es sonst nicht geschafft hätte, seinem Vertrag nachzukommen. Rossini selber sagte dazu:  « ich habe die Ouverture von Othello in einem kleinen Zimmer im Palazzo Barbaja komponiert, wo der glatzköpfigste und der grausamste aller Direktoren mich gezwungenermaßen eingeschlossen hatte. Ohne etwas anderes als einen Teller Maccaroni und mit der Drohung, dass ich auch lebenslänglich nicht das Zimmer verlassen könnte, bis ich die letzte Note geschrieben hätte“. Othello wurde dann aber nicht in San Carlo uraufgeführt, da dieses kurz darauf abbrannte! Seine Cenerentola,  vielleicht ein Ergebnis seines kargen Hungerlebens während der Othello-Zeit,  wurde 1917 im Teatro Valle in Rom uraufgeführt.

Diese Neuproduktion der Oper Rom feierte mit Erfolg war am 22. Januar Premiere und wurde in 64 Kinos in Europa direkt übertragen wurde.

Christa Blenk

Weitere Arbeiten von Emma Dante beim Romaeuropa Festival

Gisela übersetzts ins Italienische

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

Miriam Meghnagi – Ich wandre durch Theresienstadt

P1280430P1280431P1280445
Miriam Meghnagi mit ihren Musikern

Erinnerungskonzert – Klänge rund um das Mittelmeer

« Ich wandre durch Theresienstadt »

Aus Anlass des Tages der Erinnerung (Giorno della memoria)  am 27. Januar , hat Miriam Meghnagi im Österreichischen Kulturforum am 21. Januar  zu einer musikalischen Reise durch die jüdische musikalische und literarische Kultur rund ums Mittelmeer eingeladen. Von Nordafrika über Gibraltar durch Spanien, Italien, Österreich und vom Balkan in die Türkei.

Zurückblickend auf die dunkle Zeit unserer Geschichte erzählte sie Geschichten von zuhause, das war in Tripolis, wo Jiddisch gesprochen wurde, zitierte ihren Vater und sang oder sprach ihr umfangreiches Repertoire in Jiddisch, Spanisch, Arabisch oder Ladinisch. Traurig, melancholisch, rückblickend, fröhlich und zuversichtlich.

Begleitet wurde sie von den Musikern Gabriele Coen (Saxophon und Klarinette); Carlo Cossu (Geige, Gesang); Andrea Piccioni (Perkussion, Horn) und Nicola Puglielli (Gitarre).

Komponistin, Sängerin, Übersetzerin, Regisseurin und Musikforscherin. Meghnagi ist 1967 in Rom angekommen und arbeitet an der Universität La Sapienza. Sie ist eine Expertin der jüdischen Musik und viele der heute Abend vorgetragenen Lieder nach Texten von  Ilse Weber,  Hirsh Glick oder Leah Rudnitsk hat sie entweder selber komponiert oder neu arrangiert.

Ilse Weber hat « Ich wandre durch Theresienstadt » für ihren Sohn geschrieben; sie ist 1944 in Auschwitz umgekommen oder Lea Rudnicki, die litauische Journalistin, Poetin und Partisanin, kam zusammen mit Hirsh Glick in Treblinka ums Leben. Von ihm hat sie ein Partisanen Lied gesungen, das eine Situation 1942 im Ghetto von Vilnius beschreibt.« Juego de siempre » hat die typischen Merkmale der spanischen sephardischen Musik mit leichtem Flamenco-Einfluss. « Audili », ein Lied über die Migration, voller Kraft und Hoffnung.  „Papir und Tint“, ist ein anonymes jüdisches Liebeslied, das sie ihrem Vater widmete, der immer ein Büchlein bei sich trug.

Rhythmisch, fröhlich und rückblickend führte sie uns in vielen Sprachen und Melodien mit Herz und Seele durch diesen bewegend-nachdenklichen  Abend!

Christa Blenk

 

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Film: Quo Vado?

Achtung Glatteis!

schneerad

Wie soll man diesen Film nehmen: ist er witzig: ja zeitweise; rassistisch: ziemlich; peinlich: auf jeden Fall; politisch unkorrekt: sowieso; steht dahinter eine erzieherische Philosophie: nicht anzunehmen.

Der Film Quo Vado ist eine Komödie, er ist slapstick, mit vielen ausgelutschten aber auch neuen Gags, der den Italienern eigentlich nicht gefallen dürfte und doch hat er sämtliche Rekorde geschlagen und in den ersten 10 Tagen mehr eingebracht als Star Wars. Woran liegt das? Man geht in den Film und amüsiert sich kritiklos und lacht über sich selber. Dazu gehört auch Größe.

Die Italiener müssten eigentlich stinksauer auf Gennaro Nunziante sein, dass er sie so bloßstellt, sie als vertrottelte aber bauernschlaue Schwindler hinstellt, aber nichts dergleichen ist geschehen. Die Aufzählung der italienischen Gemeinplätze ist fast endlos. Mama ist die wichtigste Frau im Leben eines Mannes, die einzige die Kochen kann, der Macho, der unfaire Sportler, der Anarchist im Auto, der Falschparker, der ewige Vordrängler, unfähig und unmöglich sich in einer Schlange einzureihen, der korrupte Politiker, der Unzivilisierte usw.

Mit 38 Jahren lebt er noch zu Hause, irgendwo in Apulien,  bei Mama und Papa. Checco Zalone ist Beamter, er hat einen posto fisso, vergibt Fischereilizenzen, davon hat er schon als Kind geträumt, seit er seinen Vater zu dessen  posto fisso ins Büro begleitet durfte. Dann kommt eine Reform und da Checco auf keinen Fall seinen Beamtenstatus aufgeben will und deshalb alle Angebote von Dottoressa Sironi ablehnt, muss er an den Nordpol, um dort die Forscherin Valeria vor Eisbären zu beschützen. Checco verliebt sich, lebt sich ein, zivilisiert sich, lernt Bügeln und Kochen. Seine Eltern, die zu Besuch kommen, sind entsetzt über die Mutation ihres Lieblings zum Wikinger. Er lernt die neue Sprache und legt eine Vollbremsung hin, um ein Stück Papier auf der Straße aufzuheben. „Hier muss ein Italiener vorbeigekommen sein“, sagt er zu seinen Eltern und „Schnall Dich an, Mutter, in einem zivilisierten Land schnallt man sich auch auf der Rückbank an.“ Aber dann kommt der Winter und ihm fehlt das Licht, das geparkte Auto in der zweiten Reihe, der Lärm, das Hupen an der Ampel noch bevor sie auf Grün schaltet und natürlich die Pasta al dente. Checco geht zurück und wird nach Kalabrien versetzt, dort ist es gefährlicher als ein Kampf mit einem Eisbären.

Das Happy end ist aber natürlich auch vorprogrammiert und wie die Geschichte erzählt wird, ist originell.

Es gehört wirklich Mut dazu, alle Klischees so auf die Leinwand zu bringen und diese mit rassistischen oder (un)politischen Bemerkungen zu durchsetzen „Du bist weiß, Du gehörst zur Oberrasse aber Du bist jünger als er, der viel dunkler ist, also seid ihr quitt:“ sagt er zu den beiden Söhnen von Valeria als sie sich streiten. Valeria hat drei Kinder von drei verschiedenen Männern, auch das gehört zur nördlichen Zivilisation, genauso wie die Heirat ihres drittes Partners mit einem farbigen Mann. Checco hat übrigens ihr outfit für die Hochzeit gebügelt.

Mit dem Erfolg dieses Schinkens hat niemand gerechnet und nach dem Film verlassen alle das Kino durch den Haupteingang und nehmen nicht den vorgeschriebenen Seitenausgang und der Bus muss mitten auf der Straße anhalten, weil auf seinem Halteplatz ein Auto parkt.

Der Film lässt einen hin- und herschaukeln zwischen reaktionär und sozial- oder regierungskritisch. Checco Zalone, der auch im Film zu heißt, schlägt sich wirklich gut durch, man kauft ihm jede Situation ab, er bringt uns zum Lachen, aber es ist ein peinliches, irgendwie nicht korrektes, Lachen. Nach dem Film bleibt nichts, außer ungemütlicher Leere. Angeblich will die Lega Nord, sollte es mal soweit kommen, ihn als Kulturminister anheuern und mit einem gut zusammengestellten Kabinett bräuchten die Italiener dann gar nicht mehr ins Kino gehen.

Es bleibt aber immer noch die Hoffnung, dass der Film erzieherische Qualitäten haben wird, denn vielleicht wollen die Italiener ja nicht so sein, wie der Regisseur sie darstellt und wie die Welt (und wohl auch sie selber) sie sieht und parken in Zukunft nur noch auf vorgeschriebenen Plätzen und halten sogar am Zebrastreifen. Chi lo sa? Aber eines ist klar: So einen Film darf nur ein Italiener drehen!

Produzent und Verleih gehören übrigens zur Mediaset-Gruppe! Hoffentlich sieht so nicht die Zukunft des italienischen Films aus.

Christa Blenk

P.S. Ich habe allerdings noch niemanden (hier in Rom) getroffen, der den Film gut fand!!

11222459_482790795233161_2113324505270476943_n

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Ingres im Prado

P1280195
Die Baronin von Haussonville (1845) Ausstellungsplakat am Prado

Klassizistische Sinnlichkeit und kühle, knochenlose Schöne

Für Anatomie hat er sich offensichtlich nicht interessiert. Die Frauen auf den Gemälden von Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780-1867) sind biegsamer als andere, sie haben Gummi-Wirbelsäulen, um 360 Grad drehbare Köpfe, ja sie wirken irgendwie skelettlos. Weder Handknochen, noch Schlüsselbeine sind zu erahnen, nichts, nur weißes makelloses Fleisch. Ingres kümmerte sich wenig um Konventionen oder Moden und malte wozu er Lust hatte! Seine Portraits sind unverkennbar. Viele Jahre verbrachte er in Rom und in Italien, zum ersten Mal ab 1806 – Ingres erhielt erst 20 Jahre alt den begehrten Prix de Rome für sein Gemälde Achill empfängt die Bittgesandschaft des Agamemnon – und blieb gleich 18 Jahre in der ewigen Stadt; dann folgte von 1835 – 1841 ein weiterer Aufenthalt, dieses Mal als Direktor der Villa Medici. Raffael, Idol der Klassik und der Nazarener, Poussin aber auch Bronzino prägten vor allem seine Bilder oder Portraits. In Rom konnte er sie studieren, Raffaels idealisierten Perfektionismus und Bronzinos kalte, distanzierte Blassheit.

40 Jahre nach Ingres Tod hingegen stürzte sich Picasso, der 1904 nach Paris kam, auf ihn, mehr noch die Begegnung mit Ingres Malerei kam einer Zäsur gleich, die ihn direkt in seine blaue und rosa Periode pilgern ließ. Ruggiero befreit Angelika (1819) oder die Skizze dafür Angélica sind das beste Beispiel dafür und Ingres hat es Picasso in den Pinsel diktiert, der einfarbige Hintergrund, der fast eckige schon prä-kubistische Körper! Beeindruckend. Das Gemälde „Virgil ließt Augusto, Octavia und Livia aus der Aeneis vor“ (1819) hat Ingres 1819 in Rom gemalt und es hängt heute in Brüssel, oder Ossians Traum (1813) scheint sich ein anderer zum Vorbild genommen zu haben. Der Italiener Mario Sironi, dessen Fresken eine direkte Verbindung zu Ingres herstellen. Aber auch die italienischen metaphysischen Maler wie De Chirico kamen nicht an ihm vorbei.

P1280197P1280196
Ingres diskutierte mit seinen Modellen jedes Detail: Bänder, Ringe, Friseur – Kleidung auch, wenn es welche gab!

Alles ist rund und eines seiner letzten, wichtigen und auch bekanntesten Werke, Das türkische Bad (1863) hat er nach Fertigstellung sogar als Tondo zugeschnitten, damit es den sich lüstern präsentierenden Frauen im Bad harmoniert. Er hat diese Szene zweimal gemalt; dieses hier der Louvre ausgeliehen. Die hedonistische Chronik einer unermesslichen und satten Fertilität, eine Schlangengrube. Angeblich von Caroline Murat, ihres Zeichens Königin von Neapel und Schwester Napoleons in Auftrag gegeben, war es nur ein krönender Abschluss seiner unzähligen Badeszenen, die so im Gegensatz zu den Portraits stehen, wie die große Badende (1808) und die kleine Badende (1828) . Beim türkischen Bad hat Ingres sich an einer Erzählung aus dem 18. Jahrhundert inspiriert, die die Frau des englischen Botschafters, Lady Montagu, nach dem Besuch eines solchen Badevergnügens dokumentierte. Sie erzählt darin, wie die Frauen sich auf die Hochzeit von einer der Anwesenden vorbereiteten. Diese freudige Tummeln von Freundinnen in einem Hamam hat Ingres Männerauge in eine sinnliche und unglaublich erotische Szene dargestellt, die ihm erst mal einer nachmachen muss.

Immer wieder wurde er mit Delacroix verglichen und seine bewusst eingesetzte anatomische Unkenntnis legte man ihm gerne als fehlende Technik aus, aber vom Thron des Hofmalers wurde er trotzdem nicht gestoßen. Das passierte dann später einem anderen, seinem prominentesten Modell. Napoleon I krönte sich 1804 wie wir wissen höchstpersönlich, siegte 1805 ruhmreich bei der Schlacht von Austerlitz und Ingres malte ihn 1806 in voller anachronistischer Pracht. Das 260 x 163 cm große Gemälde Napoleon I auf dem Thron hat der Louvre ausgeliehen. Waterloo fand 1815 statt und als ob Ingres die Geschichte vorausgesehen hätte, hat er ihm, dem Kaiser,  einen abnehmbaren oder austauschbaren Kopf verpasst. Nicht zu haltender Prunk vor einem Volk, das mit der Revolution genau das abschaffen wollte.

Ein weiterer fundamentaler Teil ist Ingres Portraitmalerei gewidmet. Jeder böse schwarzseelige Gedanke oder listige Hintergedanke wird offenbart. Dummheit, Boshaftigkeit, Intelligenz und Macht, kein Modell rettet sich vor Ingres Wahrheit. Mit dem Portrait von Louis-Francois Bertin (1832), das ebenfalls aus dem Louvre kommt, zeigt er alle seine Ambitionen, es ist zwischen zwei Italien-Aufenthalten entstanden und ein psychologisches Schlüsselwerk, das durchaus einen Akademismus vortäuschen konnte, aber ohne Zweifel viel weiter ging und den notwendigen Anstoß für die einsetzende künstlerische Revolution Ende des 19. Jahrhunderts gab.

Das dritte Kapitel gehört Ingres Historienmalerei. „Franz I am Sterbebett beim letzten Atemzug von Leonardo da Vinci“ (1818) aus dem Petit Palais Paris oder Paolo und Francesca (1819) aus Angers. Bei letzterem malt er eine Szene aus Dantes Hölle. Es hat etwas voyeuristisches, wie der alte Malatesta hinter einer Wand hervorlugt, seine junge Frau mit Paolo beobachtet und dabei sein Schwert wetzt. Ein kleines Bild, eher unüblich für die Historienmalerei, ganz in leidenschaftlichem Rom.

Abgesehen von der Kunst war die Geige das Wichtigste für Ingres. Sein Hobby, mit dem er bei privaten Abendgesellschaften gerne seine Gäste erfreute und sich durchaus auch in Szene setzte. Wenn man heutzutage in Frankreich von violon d’Ingres redet, ist das eine Anspielung auf etwas was man gut kann.

In Zusammenarbeit mit dem Musée du Louvre präsentiert die Ausstellung an Hand von 70 Exponaten einen chronologischen Parcours des Werkes des Künstlers. Ein Großteil der Exponate kommt aus dem Museum Montauban, seinem Heimatort, ein weiterer aus dem Louvre und aus anderen großen Museen wie der Frick Collection oder Brüssel. Ein außergewöhnliches noch nie da gewesenes Ereignis in einem Land, in dem Maler wie Madrazo direkte Schüler von Ingres waren.

Bis Ende März 2016 ist die Ausstellung noch zu sehen und ist auf keinen Fall zu verpassen!

P1280194
Ausstellungsplakat am Cason del Buon Retiro

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Edvard Munch

P1280300
Eingang Thyssen Museum Madrid

 

Noch das grelle, blau-strahlende Madrider Winterlicht in den Augen, betreten wir die pessimistische, schwarz seherische und düstere Munch-Welt.

Archetypen heißt die Ausstellung im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, die am 17. Januar 2016 zu Ende ging. 80 Exponate versuchten das bittere Leben des norwegischen Malers Edvard Munch (1863-1944) zu erklären. Munchs Bilder sind großartig, verzweifelt, schwermütig und einzigartig.

1863: Manet malt « Déjeuner sur l’herbe », die Fotografie entwickelte sich immer mehr, der Impressionismus stand vor der Tür, in London wurde die erste  U-Bahn Station Paddington eingeweiht und Jules Vernes veröffentlichte seinen Rom « Cinq  semaines en Ballon ». Die Welt änderte sich gerade wieder einmal und der Norweger Edvard Munch wird in den Symbolismus hinein geboren und sollte zum Bahnbrecher der Expressionisten und der Moderne werden.

P1280297
Ausstellungsplakat

« Ich erkenne alle Menschen hinter ihrer Maske », schrieb Munch einmal: « Ich sehe lächelnde, ruhige Gesichter, bleiche Gesichter, die rastlos davon eilen, auf einem gewundenen Weg, an dessen Ende das Grab lauert“. Conditio humana – für ihn verbunden mit Siechtum und Tod und die Kunst sollte ihn davor bewahren.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts malte man vor allem Innen,  im Atelier und die Malerei diente dem Zweck, etwas fest zu halten, zu dokumentieren, einen Zustand, eine Person, ein gesellschaftliches Ereignis oder Geschichtliches aber auch Landschaften. Diese Aufgabe wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts von der Fotografie übernommen und die Künstler gingen auf die Straße bzw. in die Landschaft und brachten das, was sie wirklich sahen oder was das Licht und die Natur vorspiegelten auf die Leinwand bzw. schauten hinter die Wirklichkeit.

Pissarro, Manet, Degas, Cezanne, Monet und Renoir waren die Vorreiter um Impressionismus, Van Gogh, Gauguin und natürlich Munch führten die Transition in die Moderne weiter. Während Van Goghs Bilder explodieren vor südlichem Licht, dicht aufgetragener Farbe und hungernder Aufgewühltheit, strotzen die von Munch vor Schrecken, Panik und ohnmächtiger Hoffnungslosigkeit. Der dritte Große, Cezanne, beschränkte sich immer mehr auf Farbe und Form. Getroffen haben Van Gogh und Munch sich nie, sind sich aber ähnlich und ihre Malerei trennt eigentlich nur die Interpretation des Lichtes.

P1280301
Ausschnitt aus Carmen (Ausstellungsplakat)

Melancholie, Krankheit, Tod, Panik, Frauen, Liebe, Nacht und Akte sind die Themen, mit denen sich die Ausstellung auseinander setzt und Munchs Schaffensweg beschreibt. Eigentlich erstellte er permanent Portraits der eigenen Familie. Der frühe Tod der Mutter, dann der der älteren Schwester, später die Depression der kleinen Schwester, der Bruder, der als einziger von fünf Geschwistern heiratete und kurz darauf ebenfalls starb und der Vater, ein religiöser Militärarzt, der all das nicht verhindern konnte. Immer wieder war Munch gezwungen, sich mit diesen dramatischen Szenen seiner näheren Umgebung zu konfrontieren. Der thematische Aufbau der Ausstellung führt dem Besucher vor Augen, dass es bei Munch so gut wie keinen Unterschied macht ob er einen Akt oder eine Trauerszene malt. Geweint und getrauert wird immer und das auf ausgesprochen geniale Weise. Melancholie - auf dem gleichnamigen Bild von 1892 sitzt ein junger Mann mit geschlossenen Augen in der rechten unteren Ecke des Gemäldes, im Hintergrund eine scheinbar friedliche Landschaft mit einem Bach, der auf einen Ort zufließt. Mindestens fünfmal – Munch hat sehr oft dasselbe Motiv immer und immer wieder gemalt – hat der dieses Bild gemalt und den Protagonisten  unterschiedliche Stellungen einnehmen lassen. Auf unserem hier scheint Winter zu sein, das tut aber nichts zur Sache. Dramatisch und erschütternd das Bild Mutter und Tochter aus 1897. Die Tochter in weiß gekleidet mit schwarzen Haaren steht vor der sitzenden versunkenen Mutter im Profil mit schwarzen Kleid. Ihr kalkweißes Gesicht zieht eine Linie zum weißen Kleid des Mädchens. Im Hintergrund die norwegische milchige Sonne. Beide sehen uns an. Vielleicht seine Mutter und Schwester, oder eine andere Frau aus seiner von Krankheit und Tod gezeichneten Familie, die von der Tuberkulose hingerafft wurde. Das Gemälde aus der Tate-Galerie „Das kranke Mädchen“ (1907) hat er in sechs Versionen zwischen 1886 und 1927 gemalt und auf vielen Blättern festgehalten, die fast alle mitgekommen sind. Die erste Version entstand schon während seines Paris-Aufenthaltes in den 1880er Jahren. Kurze Zeit nach seiner Ankunft in Paris starb auch noch sein Vater. Radikal verarbeitet er hier den Tod von Sophie und bricht komplett mit den Konventionen der realistischen Malerei. Die Welt konnte mit dieser neuen Art zu malen nichts anfangen und lehnte seine Bilder ab. Wohl traumatisiert von seinem komplizierten Verhältnis zu Tulla, seiner Geliebten, war die Frau für ihn ein Vampir, gierig, wankelmütig und beunruhigend. Sie heißen Madonna oder Carmen und sind im symbolistischen Stil und als leichte Mädchen gemalt, wie die „Frau „ (1925; 155×230 cm). Hier mal er einmal ein Wunschbild der keuschen und zarten, hilflosen Frau in keusches Weiß gekleidet, schüchtern-verschämt von der Seite im Gegensatz zur femme fatale,  die nackt und verführerisch das riesige Gemälde dominiert und uns mit hinter dem Kopf verschränkten Armen ansieht. Daneben, in Schwarz, die erwachsene Frau und die Vierte schwarz schon verwelkt. Der Themenraum „Melodrama“ versetzt uns kurz zu Matisse. Hier weinen die jeweiligen Frauen auf den Bildern, tun dies aber vor fröhlichen Farben und an Japonismus oder Orient erinnernden Bildhintergründen.  Mit verschiedenen Variationen von Der Kuss beschreibt er die Liebe. Hin – und hergerissen zwischen Anspannung und Schmerz, sind die zwei Personen so ineinander verwickelt, dass man nur noch einen Fleck sieht. Bei den Nachtbildern gleichen die Gesichter immer mehr Totenköpfen. Unter Sternen (1900-1905), ein Gemälde aus dem Osloer Museum, gewaltiger Himmel und beleuchtete Häuser im Hintergrund, aber die Person in der ersten Reihe sieht leidend oder sterbend oder schon tot aus.

Begegnungen mit den Fauvisten in Paris und mit der Künstlergruppe Brücke in Dresden oder mit Strindberg in Berlin prägten zeitweise seine kritisierten oder verfemten Bilder.  Nach 20 Jahren Abwesenheit aus Norwegen kehrte Munch in seine Heimat zurück und kurzzeitig ist eine gewisse Vitalität auszumachen, es wird heller, obwohl eine richtige Wohlfühlstimmung auch nicht aufkommen will. Die Mädchen auf der Brücke aus Fort Worth Texas oder Adam und Eva strahlen eine mögliche Zukunft aus. Munchs Akte sind mit kräftiger expressionistischer Farbe gemalt, aber auch nur ein Vorwand, um wieder alle weinend in Melancholie versinken zu lassen. Traurige Schönheiten.

Seine erheblichen Nerven- und Alkoholprobleme und seine komplizierte Beziehung zu Tulla die für ihn mit einer Schussverletzung  -„den Kampf zwischen Mann und Frau, den man Liebe nennen kann“ – an der Hand endet, lassen ihn nicht zur Ruhe kommen und er selber entscheidet sich zu einem langen Klinikaufenthalt.

Über 30 Jahre wurde Munch in Madrid nicht gezeigt. Diese Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Munch-Museum in Oslo das auch ca. die Hälfte der Exponate ausgeliehen hat. Sein Hauptwerk, Der Schrei, haben wir immerhin als Holzschnitt gesehen. Insgesamt hat er ungefähr 1700 Werke geschaffen, im Alter allerdings weniger.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

Helena Aikin – Das Labyrinth als Archetyp der Menschheit

helenaerklärttoltekisches LabyrinthegebärendeGöttinlabyrintheundfigurenmantrasunddiospensantecerro2_o
Helena Aikin mit ihren Labyrinthen, in der Mitte eine gebärende Göttin, daneben das kleine begehbare Labyrinth mit dem Dios Pensante, begehbares Labyrinth im Cerro Gallinero (Fotos: Christa Blenk)

 

Im Labyrinth durch die Geschichte der Menschheit

Zerebrale Geoden, Pentagramme, Labyrinthe und primordiale Fruchtbarkeitssymbole stellt Helena Aikin seit dem 15. Januar 2016 im Museum für populäre Kunst im Madrider Altstadtviertel La Latina in einer ehemaligen Corrala aus. Eine Sammlung, die sie in den letzten Jahren konzipiert und erschaffen hat. Eine wichtige Ausstellung der Arbeiten dieser spanischen Künstlerin.

Seit langem ist Helena Aikin fasziniert von alten Kulturen. Südamerika, Indien, Australien oder Afrika sind die Ursprungsländer vieler ihrer Exponate, es geht um Symbole, rituelle Figuren und Labyrinthe, die fast gleichzeitig im neolithischen Europa, bei den Aborigines in Australien oder im präkolumbischen Amerika entstanden sind. Die meisten stellen Fruchtbarkeitssymbole dar, primordiale Kalenderversionen oder die Reise vom Beginn bis zum Ende des Lebens oder dorthin was danach kommt.

Gleich am Anfang der Ausstellung hängt ihre Visitenkarte:  ihr Fingerabdruck als komplizierte und einzigartige Konstruktion. Und so geht es weiter, an die 50 Skulpturen, darunter ein einfaches toltekisches Labyrinth, das vielleicht die Migrationsrute von Asien nach Amerika (beschrieben im sog göttlichen Buch (Tecamoxtli, 7. Jahrh) erzählt. Das Auge einer Feuerschlange, Ur-Rituale, eine gebärende Göttin, minimale bildschöne Figuren, die an Oskar Schlemmer oder das Bauhaus denken lassen, eine levantinische Felsengöttin oder ein tibetanisches Labyrinth, das von den illusorischen Hindernissen spricht, die nach dem Tod überwunden werden müssen, um das Rad von Geburt und Tod zu verlassen. Jede Skulptur hat seine Geschichte, jeder Figur ihren Zweck. Abgesehen davon, dass die Exponate schön sind, ist die Ausstellung ungemein bereichernd und spannend.

Aikins Inspirationsquelle sind Höhlenzeichnungen, alte Stempel oder sakral-rituelle oder archaische Gegenstände, die sie z.T. auf ihren Reisen entdeckte,  fotografierte oder Zeichnungen anfertigte, um sie später zu interpretieren oder zu realisieren. Wobei Verwirklichung, Größe oder Farbgebung von ihr stammen. Jedes Exponat wird von einem Abbild des Originallabyrinthes begleitet. Mit Lehm, Pigmenten, Wachs oder Mineralien hat sie nach nachgebildet. Manche glitzern und man muss unweigerlich an Geoden denken.

Eine Hommage an die ewig unbekannten Künstler der Frühzeit, die diese faszinierenden Gebilde geschaffen oder hinterlassen haben.

Ein kleines begehbares Labyrinth befindet sich am Ende der Ausstellung mit dem Dios pensante, dem einzig männlichen Wesen in der Ausstellung. Er thront in der Mitte und kontrolliert; hinter ihm hat sie aber vorsorglich ihre Mantras angebracht!

Helena Aikin hat in den letzten Jahren in Portugal und Spanien große begehbare Labyrinthe gebaut. Eines davon, das Labyrinth Mogor-Hoyocasero  befindet sich als permanente Installation im Centro de Arte y Naturaleza Cerro Gallinero. Der Cerro ist ein traumhaft-schöner Naturparkt ungefähr 100 km von Madrid entfernt, in den Gredos, in dem seit ein paar Jahren Künstler auf Einladung von Carlos de Gredos Kunstwerke oder Interventionen in vorhandenen Formationen, hinterlassen. Mogor ist eine sehr alte Felszeichnung, die Helena Aikin in Pontevedra (Galizien) entdeckte und mit Steinen aus dem Cerro nachbaute.

 cerro_o
 Labyrinth von Helena Aikin im Cerro Gallinero (Foto: Christa Blenk Mai 2014)

Die Ausstellung führt den Besucher in nur einem Raum durch die komplette archaische Geschichte der Menschheit. Sie geht noch bis zum 15. Februar 2016.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Mord im Orient Express

Winter

 

Mord im Orient Express

Sidney Lumets Film ist ein Klassiker. Aber ist ein Film ein Klassiker wenn er schlecht altert? Wahrscheinlich nicht. 1975 wurde er mit einer absoluten und seltenen Starbesetzung (Albert Finney, Lauren Bacall, Ingrid Bergmann, Michael York, Jacqueline Bisset, Sean Connery, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Richard Widmark) gedreht und sechs Mal für einen Oskar nominiert. Bekommen hat ihn schließlich dann nur Ingrid Bergmann für die Rolle einer dümmlichen Afrika-Missionarin, die eigentlich ein Kindermädchen war. Nicht mal sie hat überzeugt!

Was hat sich Lumet dabei gedacht, aus Albert Finney einen dümmlichen, uneleganten, schlecht englisch und schlecht französisch sprechenden und ständig parodierenden Hercule Poirot zu machen, ihn wie einen lauten Wadenbeißer durch den Wagon zu hetzen, immer den Verdächtigen – und davon gab es wie immer viele – zu Nahe kommend. Wie sehr vermissen wir Peter Ustinov, seine Außenseiter-Eleganz und den klugen Blick. Nicht mal Sean Connery oder Vanessa Redgrave konnten das noch retten; dafür ist der italienische Autohändler so wie sich das Publikum einen italienischen, permanent Unsinn quatschenden Autohändler wünscht. Klischee auf der ganzen Linie!

Fast unerträglich dieser Schinken, der höchstens noch Komödienstadl-Niveau aufweist und hätte er nicht diese Starbesetzung, würde heute kein Hahn mehr nach ihm krähen. So schade, ist doch die ironische Geschichte mit einem zweifelhaften vielleicht nicht ganz moralischen Ende von Agatha Christie (1890-1976) geradezu genial!

In diesem Film waren die weniger bekannten Nebendarsteller eindeutig überzeugender wie z.B. der Butler Mr. Beddoes (John Gilgud) oder der Zugbegleiter (Jean-Pierre Cassel). Und übrigens: den „Pick me up“ Drink gibt es wirklich. Es ist ein Cocktail aus Tabasco, Whisky und einem rohen Ei. Gelungen allerdings die Szene mit dem Zug im Schnee und das Freischaufeln (zum Glück hat der viele Schnell eine Aufklärplause nötig gemacht). Wunderbar die Kostüme.

Am 1. Januar habe ich hier in Rom eine Aufführung von Tod auf dem Nil genau aus diesem Grund kritisiert. Laut, hektisch, keine überlegene Ruhe, die nötig ist, um den oder die Täter ausfinden zu machen.  Hat sich der Regisseur vielleicht an Lumets Mord im Orient Express orientiert?

Christa Blenk

IMG_0969
Cesar Borja – hommage an Sir Richard Francis Burton

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Stolpersteine in Rom – la suite

 

IMG_20160111_162914
Portico d’Ottavia

Am 11. Januar 2016 hat Gunter Demnig – in Anwesenheiten von Familienangehörigen der Opfer – weitere Stolpersteine in Rom verlegt und zwar in den Munizipien XIII, II, VII und I. In Rom war Gunter Demnig schon zum 7. Mal auf Einladung von ARTEINMEMORIA.

bild3tfilm2
work in progress – Demnig beim Verlegen der neuen Stolpersteine 2016 in Rom

Zur Zeit liegen 55.000 Stolpersteine an 1600 Orten, die Demnig fast alle persönlich verlegt hat.

Siehe dazu auch Artikel über Stolpersteine in Rom.

Album Stolpersteine auf Artmore über die ich selber schon gestolpert bin.

IMG_20160111_161825IMG_20160111_162728IMG_20160111_160114IMG_20160111_161311IMG_20160111_155648IMG_20160111_155555
Municipio I

Christa Blenk

Fotos: Jean Noel Pettit

 

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Impressionisti – Tête á tête

P1280137 (1)

Claude Monet hat 1872 das Bild « Impressionen » gemalt und dieses war der Auslöser und der Namesgeber des Impressionismus. 1874 fand die erste gemeinsame Ausstellung einer Gruppe junger, zum Teil wohlhabender oder adeliger Maler statt und dort wurde Monets Bild gezeigt. Zuerst war es nur « sans titre ». Camille Pissarro war der geistige Anführer im Kampf um die Abschaffung der alten Zöpfe, die  im Salon de Paris jährlich vorgestellt wurden. Das Pariser Publikum – wie immer – protestierte und wollte diese Bilder nicht sehen. Eine Spezialistät der Pariser, sei es Kunst, Literatur, Musik oder Ballet. Ohne Aufschrei ging in Paris gar nichts. Und trotzdem war die Stadt über Jahrzehnte hinweg Anziehungspunkt für Künstler und Musiker.

1874 fand auch die erste Gruppenausstellung im Atelier des französischen Fotografen Nadar statt. Aber schon ca. 10 Jahre früher waren in Edouard Manets Werken Tendenzen und der Wunsch nach Neuem zu entdecken. Der Bruch mit den Akademikern war nicht mehr aufzuhalten. Wie stellt man Licht dar? Wie die Atmosphäre? Was ist Farbe und wie wird sie durch das Licht modifiziert?

Die Farbe Schwarz wurde salonunfähig und verschwand von der Farbpalette. Mit der Entdeckung der Fotografie, machte es keinen Sinn mehr, Personen, Gegenstände oder Landschaften naturgetreu zu malen.

Die Ausstellung entwirft ein Portrait der rich and beautiful people in Paris. Hier sitzen wohlhabende und adeligen Franzosen, Freunde oder Familienmitglieder der Künstler Modell, einige von ihnen haben sicher bei Monets Impressionen laut aufgeschrien.  Schöne, gepflegte Frauen tragen elegante Kleider und stehen vor einem gepflegten Garten. Kinder und Jugendliche in bunten Gewändern. Das Paris von Zola wird hier nicht gezeigt. Der akademische Stil ist noch latent vorhanden. Die Gesellschaft war im Umbruch, die Literatur, Musik  und Kunst auch.

Gezeigt werden hier  hauptsächlich pre-impressionistische Werke wie Portraits von Degas, Renoir, Bazille oder Berthe Morisot. Sogesehen ist der Titel nicht glücklich gewählt, obwohl die Exponate – die alle aus dem Musée d’Orsay kommen – durchaus sehenswert sind.

Drei ausgezeichnete Werke von Cezanne, der immer Cezanne war und keiner Stilrichtung zuzuordnen ist, lohnen auf jeden Fall den Besuch. Mme Cezanne, die aussieht wie ein kleiner Junge, die Frau mit der Kaffeekanne (1890) und eine Variante des Kartenspielers. Cezannes’ Bilder sind auch die einzigen, die sich nicht mit den Reichen und Schönen beschäftigen.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

12345...33

Karelian train 2

Karelian train 2_100p

Rosa Quint

Michelangelo Lupone

Michelangelo Lupone

Installation in der GNAM

Aktuelles

- Cenerentola in der Oper Rom - Regie Emma Dante
- und am 11.2. Rossinis Barbier von Sevilla

- Botero. Via Crucis. La Passione di Cristo
Palazzo delle Esposizioni - ab 13.2.
- CoBrA: una grande avanguardia europea (1948-1951)
Palazzo Cipolla
- Toulouse-Lautrec in Ara Pacis
- Impressionisten im Complesso Vittoriano
- James Tissot im Chiostro del Bramante
- Pablo Echaurren. Contropittura- GNAM
- Leonardo Da Vinci - Il genio e le macchine - Palazzo della Cancelleria
- Barbara Klemm - Fotos - Casa di Goethe bis 27. Mai

upcoming: Andy Warhol

Die Orden der Nacht

P1280710

Ausstellung Anselm Kiefer im Centre Pompidou

Archives

Visiteurs

Il y a 3 visiteurs en ligne

LES PEINTURES ACRYLIQUES DE... |
ma passion la peinture |
Tom et Louisa |
Unblog.fr | Créer un blog | Annuaire | Signaler un abus | L'oiseau jongleur et les oi...
| les tableaux de marie
| création