My virtual gallery (blog collection N° 9)

Diese Woche ist der Spanier Guillermo Lledó der Künstler der Woche – Minimalist und Konstruktivist

 

Guillermo Lledó
Guillermo Lledó

 

Material – Farbe – Form – Raum

Der spanische Minimal-Künstler Guillermo Lledó wurde 1946 in Madrid geboren, und dort hat er auch Kunst studiert. Mit hyperrealistischen Visionen aus dem täglichen Leben in seiner Stadt Madrid begann Lledó seine Künstlerlaufbahn. Er malte maßstab- oder farbengerecht Briefkästen, Verkehrsschilder, Kanaldeckel oder Bauschuttcontainer. In den 80er Jahren fing er an, sich für der Dreidimensionalität zu interessieren und baute nun das, was er früher malte. Pseudo „ready mades“ nennt er seine Werke.

Wie viele Dinge es doch gibt, die ich nicht brauche; Sokrates soll das gesagt haben. Er hatte um 450 v.C. wohl nicht an Kunst gedacht, eher vielleicht an eine Art persönlicher Entschlackung oder Reduzierung auf das Wesentliche – als vorausschauende Definition des Minimalismus könnte es gleichwohl betrachtet sein.

Guillermo Lledó war Professor für Kunst an der Complutense Universität von Madrid. Seine Doktorarbeit hat er über die Grenzen der Darstellung geschrieben. Er wohnt und wirkt seit über 40 Jahren in einem Madrider Vorort mit Blick auf die schöne Sierra, und die Geometrie in der Natur ist seine permanente und nie versagende Inspirationsquelle. Er beherrscht die Kunst des Entsorgens, und nach 35 Jahren in seinem Haus gibt es dort nicht ein unnötiges Stück Papier, und jeder Gegenstand hat seine Funktion. Genial-erstrebenswerter Zustand!

Guillermo Lledó Portrait 2013
Guillermo Lledó

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Christa Blenk

 

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Dall’oggi al Domani

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Alighiero Boetti -  dall’oggi a domani (1988)

 

Sekunden – Minuten – Stunden – Tag und Nacht:

Ein Tag hat laut dem Gregorianischen Kalender 24 Stunden, eine Stunde 60 Minunten und eine Minute 60 Sekunden.

Immer wenn den Ausstellungsmachern nichts mehr einfällt, dann organisieren sie eine Kollektiv-Ausstellung. Bei der Ausstellung « Dall’oggi al Domani. 24 ore nell’arte contemporanea » die heute abend im MACRO Rom eröffnet wurde, geht es um Zeit und um das Vergehen von Zeit. Basiernd auf einem gleichnamigen Werk von Alighieri Boetti hat man Werke, Installationen, Filme u.a. von Giacomo Balla, Mario Ceroli, Hanne Darboven, On Kawara, Roman Opalka und viele andere zusammengestellt, die eines gemein haben: Zeit!

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Mario Ceroli (1972); On Kanawa, Ben Vautier (1972); Maurizio Catttelan (1989); und JN (zeitlos)

Zeit ist das, was man an der Uhr abliest (Albert Einstein)

Der Spaziergang durch die Kunst des 20. Jahrhunderts endet mit einer sehr beeindruckenden Videoinstallation  von Daniele Puppi « Psychedelic Look » (2016). Alfred Hitchkock hat 1960 den Film « Psycho » gedreht. Gus van Sant 1998 ein remake davon. Puppi läßt beide Filme auf einer Leinwand laufen und – dirigiert durch einen regelmäßigen Hammerschlag – wird abwechselnd eine Szene nach der anderen eingeblendet. Immer nur ganz kurz, aber es reicht aus um Janet Leigh zu erkennen, Norman Bates Haus, den Schlüssel etc.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. Oktober 2016 zu sehen.

Christa Blenk

 

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Umberto Eco – Nullnummer

eco

 

Giovanni di Lorenzo hat im Oktober 2015 Umberto Eco für Die Zeit interviewt und während des Gesprächs erwähnte Eco, dass Nullnummer sein letztes Buch sein werde: « Aber ja, jetzt reicht’s, zumal ich mehrere große nicht narrative Projekte habe, denen ich mich voll und ganz widmen möchte. Ich habe mir gesagt: Wieso packe ich das Thema nicht in einen Roman? »

Fünf Monate später war Umberto Eco tot.

Die Idee zu dem Buch Nullnummer hatte Eco schon in den 70er oder 80er Jahren, als er permanent mit der Werbung für eine Zeitung namens „Oggi“ (Heute) konfrontiert war; ein Blatt, das nie das Licht der Druckerpresse erblickte.

Bei Eco heißt die Zeitung „Domani“  (Morgen) und er setzt noch eines drauf. Denn hier entsteht eine Zeitung die in der Gegenwart Ereignisse der Zukunft, die in der Vergangenheit passiert sind, beschreibt. Es gibt ein Redaktionsbüro und sechs Redakteure, von denen nur einer, Colonna, weiß, dass alles Fake ist und dass alle, ohne es zu wissen, in einem Theaterstück mitspielen, das auch nie aufgeführt werden wird.

Sehr schnell und fesselnd, wunderbar strukturiert, erzählt Eco die Kriminalgeschichte auf weniger als 250 Seiten. Fiktion und Realität vermischen sich permanent aber er schafft es trotzdem irgendwie spielend, dass der Leser nicht aus dem Film fällt.  Vielleicht passiert aber alles nur im Kopf des Erzählers!

Juni 1992: Mit einem zugedrehten Wasserhandrad kommt das ganze in Schwung. Der zweitklassige Journalist Colonna gerät in Panik und erzählt die Begebenheiten zwischen April und Mai desselben Jahres. Spionage, Verrat, Korruption, Mord, Erpressung, Verschwörung und viel Manipulation.

Der Zynismus, mit dem er dem Journalismus begegnet ist genau so schmerzhaft und ekelerregend wie die Beschreibung der gerichtsmedizinischen Untersuchung der Mussolini-Leiche, die vielleicht gar nicht die Leiche des Duce war.  Ein ernüchternder Illusionsverlust auf allen Ebenen und eine niederschmetterende Wahrheit über sein Italien und die politischen Begebenheiten in den 90er Jahren.

Es ist sicher nicht sein profundestes oder bestes Buch. Billige Schlagzeilen, Gemeinplätze und Verschwörungstheorien, eine flache Liebesgeschichte und Vermutungen über Mussolinis Verbleib nach dem er eben nicht wie alle dachten am 25. April zu Tode kam und die Niedrigkeit der Masse sind die Hauptprotagonisten. Fragen wie hat der Duce in Argentinien oder im Vatikan auf eine Rückkehr gewartet oder hat die Mondlandung wirklich stattgefunden werden genauso behandelt wie eine ausführliche Gebrauchsanleitung für einen Autokauf.

Colonna ist ein gewinnender Looser, er ist sympathisch, mehr oder wenig anständig und  phlegmatisch. Er erkennt resignierend, dass er es mit seinen 50 Jahren wohl nicht mehr zu etwas Großem bringen wird, will – mit der verlässlichen Bequemlichkeit in das ruhige Misstrauen in die Welt – zurückkehren zu seinen Übersetzungen und mit Maia am Wochenende auf den See schauen und abends Filme ansehen.

Mit diesem Roman wollte er eindeutig die italienische Presse bestrafen, aber die Ohrfeige geht genauso an die Politiker, an den Leser seiner Bücher, den konsumierenden und schnell vergessenden Zeitungsleser, den Bestechlichen und demjenigen, der sein Schäfchen immer ins Trockene bringt.

Und so kommt man am Ende an und muss die erste Seite nochmals lesen, weil dann alles viel klarer wird!

Trotzdem eine schöne und unterhaltsame Lektüre. Schließlich lesen wir das Buch ja auch in der Gegenwart und er schafft es, uns mit  den Geschichten der Vergangenheit zu manipulieren.

Christa Blenk

 

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TraNsfusioni #4

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Il critico d’arte italiano Filiberto Menna si trova davanti a un’opera di Michelangelo Pistoletto. La foto accanto è di Diane Arbus, vi sono rappresentate due bambine. L’artista italiana di body art e language Ketty La Rocca (1938-1976) ha scattato la fotografia creando un altro, nuovo oggetto artistico e da qui parte la mostra inaugurata ieri con opere di Tommaso Binga, Paola Romoli Venturi e Silvia Stucky; un doppio trittico concettuale à la DaDa. Questo happening tratta di relazioni interpersonali, di lutto, di fantasmi, di perdita, di sogni (perduti, passati e futuri) nonché di migrazione e dei modi diversi, giusti o sbagliati, di affrontarla.

 

Atto 1: Silvia Stucky

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L’artista crea un collegamento tra la foto di Diane Arbus e sua madre Maria, nata gemella. La sorella gemella, Magdalena, morì durante il parto. Attraverso l’arte Stucky ha fatto ora rinascere le due bambine. Si vedono nella foto, all’età di 2-3 anni. Nella foto accanto le due sono rappresentate in look serigrafico. Davanti a questa parete ci sono due seggiole da asilo e a un certo momento Stucky si siede su una di queste sedie; vicino a lei prende posto la sua gemella. Stanno così ad aspettare, immobili, unite dignitosamente nel dolore e assorte nel ricordo della zia morta o di qualcun altro, in attesa. Je est une autre – questa frase di Rimbaud accompagna l’installazione.

 

Atto 2: Tommaso Binga

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Mentre Stucky e la sua gemella stanno sedute una di fronte all’altra, immobili e silenziose, in commovente cordoglio, Binga si reca dietro la tenda di stoffa trasparente dell’installazione di Paola Romoli e recita la sua poesia dadaista composta proprio per quest’evento: You – tu sei tu. Anch’essa tratta di legami e della conferma che tu sei tu. Il lavoro qui esposto risale al 1973 e descrive la scrupolosa inutilità di parole e scritti. Il testo delle sue lettere, che fanno pensare a una fila di lapidi, è illeggibile. Dà solo l’impressione di esser composto da lettere ed è scritto sul lato esterno della busta, non cela quindi alcun segreto. L’insormontabile burocrazia viene rappresentata con un timbro.

 

Atto 3: Paola Romoli Venturi

Virtual Gallery N° 6 - Performance Vernissage il 4 aprile

Virtual Gallery N° 6 – Performance Vernissage il 4 aprile

We (have a dream): Su una tenda trasparente l’artista ha scritto ripetutamente la parola We in forme arrotondate. Sul pavimento vediamo un cerchio la cui circonferenza è contrassegnata da due piedi. Esso si sviluppa come il gesto che corrisponde alla parola Noi nella lingua dei segni. L’installazione di Romoli si basa su un discorso di Papa Francesco pronunciato circa un anno fa: “Siamo tutti sulla stessa barca” – guarda cosa succede – uomini, donne, bambini – popolazioni che emigrano – ai confini vi sono soldati con il fucile – non posso credere a quello che vedo – noi abbiamo un sogno.Il suo testo termina con la citazione leggermente modificata di Martin Luther King. La performance di Romoli consiste nel rappresentare il testo nella lingua dei segni coinvolgendo poi interattivamente il pubblico. Alla fine chiama tutti i visitatori del vernissage dietro la tenda: porta tutti sulla stessa barca e sulla stessa foto!

Silvia Stucky, Tommaso Binga e Paola Romoli intrattengono un dialogo – ciascuno a modo suo – con Ketty La Rocca, Filiberto Menna e Pistoletto, interpretando un’opera d’arte già esistente, sperimentando, riflettendo su di essa e presentandola al pubblico come sintesi della loro anima, dei loro desideri e dei loro sogni.

Questo suggestivo happening presso l’Archivio Menna/Binga, curato da Anna D’Elia, chiude il 29 aprile 2016.

E ora ci si chiede seriamente perché una mostra così importante non si veda al MAXXI o al MACRO a Testaccio.

 

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testo originale in tedesco

tradotto da Fiorella Pavan

Christa Blenk

 

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Kammermusikabend im Teatro Palladium

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Ottorino Respighi (1879 – 1936) hat sein Klavierquintett in f-Moll um 1902 komponiert; Robert Schumanns (1810-1956) Klavierquintett Es-Dur entstand in Leipzig im Herbst 1842, dieses gilt allgemein als Schumanns « Kammermusikjahr ». Kurz hintereinander komponierte er die drei Streichquartette op 41, op 44 und op 47 sowie Phantasiestücke für Klavier, Violine und Violoncello. Die intensive Arbeit am Klavierquintett hat ihn körperlich sehr erschöpft, aber die geniale Pianistin Clara, der er sein Werk widmete, und mit der er seit 1839 verheiratet war, fand es « Voller brillanter und effektvoller Kraft und Frische ». Sogar Richard Wagner äusserte eine Begeisterung dafür. Noch heute zählt es zu den Paradestücken der Kammermusik.

Respighi hat sein Quintett  dem italienischen Pianisten Bruno Mugellini (1871-1912) gewidmet. Ursprünglich eher ein klassizistischer Komponist, schloss sich Respighi der Generazione dell’ottanta an, die sich vor allem gegen eine Überbewertung der veristischen Oper aussprachen. 1902 ging er an die Opera Italiana nach Sankt Petersburg und lernte bei Rimsky-Korsakow, später im Jahr kam er zu Max Bruch nach Berlin, wo er 1908/09 ein zweites Mal hinfuhr und sich als Pianist an einer Gesangschule seinen Lebensunterhalt verdiente.

Eine perfekte, saubere und ausgezeichnete Performance der Solisten Carlo Maria Parazzoli und Lorenzo Fabiani (Geige), Leonardo Li Vecchi (Viola), Luca Peverini (Cello) und Michelangelo Carbonara (Klavier) heute Abend im Teatro Palladium.  Außer Parazzoli, er ist der erste Geiger von Santa Cecilia, gehören alle anderen Solisten zum Orchestra Roma Sinfonica, das von Maestro Isabella Ambrosini geleitet wird.

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Viel verdienter Applaus und eine Fuge als Zugabe.

Christa Blenk

 

 

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Paula Modersohn-Becker in Paris

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„Mein Leben ist ein Fest, ein kurzes, intensives Fest“

Paula Becker (1876-2007) kam, Silvester 1899, 23-jährig, in Paris an. Der Beginn des neuen Jahrtausends sollte auch für sie der Beginn einer kurzen, aber sehr intensiven und freien Schaffensperiode werden. Weitere drei längere Aufenthalte zwischen 1900 und 1906 sollten folgen. Umgeben vom Geist der sich ankündigenden Moderne, vom in der Luft liegenden Kubismus, vom persönlichen Bilderbad und vom Flair der Freiheit der damaligen Kunstmetropole, entstanden ihre starken Bilder, über 700 an der Zahl, die mit der akademischen Malerei komplett abgeschlossen hatten. Ja, man fragt sich sogar, ob sie sich überhaupt jemals mit dem Studium des Akademischen befasst hat. Wenn man ihre Zeichnungen betrachtet, ist davon nichts zu erkennen. Ihre Modelle sind holprig, eckig, kugelrund, unförmig und ihre Körper gleichen manchmal knochenlosen, nackten und unerotischen Flächen. PMB (so signierte sie viele ihrer Bilder) malte keine Mütter, keine Madonnen, keine Kurtisanen, sie malte Frauen, vor allem sich selber, immer wieder und immer wieder anders. Kritisch, anklagend, gnadenlos. Paula Modersohn-Becker hat als erste Frau ein nacktes Autoportrait gemalt.

Paula Modersohn-Becker, die französischste der deutschen Künstlerinnen, ist in Frankreich so gut wie unbekannt. Das wird sich nun ändern! Seit dem 8. April ist im Pariser Museum für Moderne Kunst diese bedeutende Worpswede-Künstlerin ausgestellt. Die ausgezeichnete Schau mit über 120 Bildern dokumentiert acht oder neun sehr intensive Jahre auf einem (vorzeitigen und rasenden) Weg in die Moderne. Die Briefe aus Paris an die Familie, an Ottos Eltern oder an ihren Mann Otto Modersohn sind eine einzige Liebeserklärung an Paris.

Die Schau zeigt einige wichtige Frühwerke aus Paulas Worpsweder Zeit. Gruselige Portraits, entstanden in den Armenvierteln im kalten Norden, verhärmte, stillende Frauen, Kinderportraits und wunderbare Landschaften, darunter die Kirche von Worpswede. Portraits und Selbstportraits, immer wieder Mutter-und-Kind-Szenen. Während ihres dritten Aufenthaltes hat sie sich immer mehr mit dem Stillleben befasst, Chardin und Cezanne entdeckt und Matisses rote Fische kopiert. In der Akademie Colarossi nahm sie Unterricht in der Aktmalerei, worauf ihre Portraits noch aggressiver und strafender wurden. Durch Clara Westhoff, die sie schon aus Worpswede kannte und die eine Schülerin von Rodin in Paris war, lernte sie die Arbeiten von Cezanne kennen. Es war auch Clara, die sie in den Louvre mitnahm und die ihr den Bildhauer Rodin vorstellte. Von dessen Freiheit und forscher künstlerischer Frechheit Paula fasziniert war, die Unabhängigkeit und Persönlichkeit von Rodins Zeichnungen beeinflusste und prägte sie enorm.

Die Hälfte von PMBs Bilder sind Selbstbildnisse, auf denen sie nicht immer zu erkennen ist, kritische Blicke auf sich selber. Die krude Nacktheit schmückt sie mit einem Apfel oder einer Blume oder mit Schmuck, ähnlich den oberägyptischen Mumienportraits, die sie im Louvre entdeckte. Das Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag ist 1906 entstanden und ist erschütternd. Ihr Oberkörper, abgesehen von einer Bernsteinkette im selben Ton ihrer zurück gekämmten Haare, ist nackt. Mit beiden Armen rahmt sie ihren schwangeren Bauch ein, darunter hat sie ein helles Tuch drapiert. Sie blickt uns an – oder betrachtet sie sich selber im Spiegel? – provozierend, mutig mit einem leichten Schmunzeln. Will sie uns etwas vormachen? Paula hat dieses Bild in Paris gemalt und war zu diesem Zeitpunkt nicht schwanger. Sie war vielmehr auf ihrer vierten Flucht vor Worpswede, vor den ehelichen Pflichten und vor dem Kalbsbraten.

Hin- und hergerissen zwischen der Freiheit in Paris und Worpswede mit der Aufgabe, sich um Otto und um Elsbeth, dessen Tochter aus erster Ehe, zu kümmern, reist sie wieder nach Paris und schreibt ihm begeisterte Briefe. Immer wieder ist sie umgezogen und nachdem ihre kleine Erbschaft verbraucht war, plagten sie auch Geldsorgen, Essen war teuer in Paris und die Portionen klein, schrieb sie einmal ihren Eltern.

An Art Brut erinnernde Formen und Motive vermischt sie mit Gauguins rebellischen Nabis und Haiti-Impressionen und ihre freimütige, fast plumpe Art sich an die Darstellung eines Körper zu machen, lassen diese Werke oberflächlich betrachtet simpel erscheinen, wie von Kinderhand gemalt. Paulas Arbeit war ein „work in progress“. 1899 schrieb sie « Denn ich will aus mir machen das Feinste, was sich überhaupt machen lässt“.

Lange Jahre ließ die Anerkennung auf sich warten. Die Nazis werden ihre Kunst in die Kategorie „entartet“ einstufen und auch später freundete man sich nicht so richtig mit den hässlichen und so unästhetischen Repräsentationen ihres ganz persönlichen Realismus’ an. Schön ist relativ und subjektiv. Sie hatte nicht das Bedürfnis  sich begehrenswert zu präsentieren. Intensive oder in sich gekehrte Kinderblicke in die Ferne, ins Leere oder primitive Südsee-Nacktheit, weit weg von westlichen Schönheitsidealen: es ist was es ist und noch viel mehr!

Rilke, mit dem sie in Paris sehr eng befreundet war, porträtierte sie als Philosophen. Bart, Haare und Hintergrund sind grau-grünlich, Die Farbe der Lippen spiegelt sich in den Augenringen wider.  Der weiße Kragen auf der schwarzen Jacke gibt ihm etwas religiös-meisterhaftes. Daneben ein sehr schönes Portrait von Clara Westhoff, die er nach Paulas Hochzeit mit Otto Modersohn überstürzt heiratete. Nach dem zweiten Parisaufenthalt wurde ihr Kinderwunsch größer und Rilke kaufte das Bild „Säugling mit der Hand der Mutter“ was ihm die Bemerkung Die Farbe ist famos, aber die Form? Der Ausdruck! Hände wie Löffel, Nasen wie Kolben, Münder wie Wunden, Ausdruck wie Cretins entlockte.

Der kräftige, mutige und intensive Pinselstrich, ein neues Körper- und Naturverständnis, das sie in Worpswede aber auch in Barbizon entdeckte, großer vorausdenkender Mut rückten sie weit ab von den Vertretern der akademischen Kunst. Ihre Mitstreiterinnen in der Kunstakademie fragten sich, ob Paulas Interpretation von Gegenständen oder Personen wirklich ihrem Empfinden entspräche oder woher diese Art zu Malen käme. „Von meinem Mann“ war ihre Antwort, was natürlich nicht der Wahrheit entsprach. Das wusste Otto Modersohn und respektierte sie dafür umso mehr. In einem Tagebucheintrag von 1902 schrieb er: „Wundervoll ist dies wechselseitige Geben und Nehmen; ich fühle wie ich lerne an ihr und mit ihr. Unser Verhältnis ist zu schön, schöner als ich je gedacht, ich bin wahrhaft glücklich, sie ist eine echte Künstlerin, wie es wenige gibt in der Welt, sie hat etwas ganz Seltenes. […] Keiner kennt sie, keiner schätzt sie – das wird anders werden.“

Paula Modersohn-Becker war eine Vorreiterin der Expressionisten und der Moderne. Die früheren Landschaften aus 1898 lassen kurz an Munch denken oder später an die Bilder, die Nolde nach seinem Südseeaufenthalt malte. Sie war so gesehen, der Kunstwelt voraus und wurde dementsprechend schlecht von der Kritik aufgenommen. Unförmige Füße, Hände wie Bratpfannen, unbeholfene, schlecht proportionierte oder unförmige Körper und ein beeindruckender expressionistischer Umgang mit Farben (halb Aquarell, halb Öl). Die subjektive und konventionslose Sorglosigkeit der Gruppe der Neuen Wilden oder die der Transavantgarde, die in den 1980er Jahren – allen voran Baselitz – stilwidrig, farbbetont und obsessiv malte, ist eine Hommage an ihren Stil.

Kantige Gesichter lassen den Kubismus erahnen. Hat sie in Paris auch die afrikanischen Masken gesehen, die Picasso – der ebenfalls 1900 anlässlich der Weltausstellung zum ersten Mal nach Paris kam – 1907 zu einem der Wendepunkte der westlichen Kunstgeschichte Les Demoiselles d’Avignon inspirierte? Ein weiteres Frühwerk aus 1899, das noch vor ihrem ersten Parisaufenthalt, in Worpswede entstand Nacktes junges Mädchen im Profil von links mit verschränkten Armen insinuiert Picassos Rosa Periode. Ob sie den jungen revolutionären Spanier jemals getroffen hat, ist nicht dokumentiert, gesehen hat sie seine Bilder sicherlich, obwohl Paula nicht wie die Kunst-Bohemien auf dem Montmatre / Bateau Lavoir sondern immer in der Nähe von Montparnasse wohnte, wo es Picasso und seine Kollegen erst ein paar Jahre später hinzog.

Es ist gut, sich aus Verhältnissen zu lösen, die einem die Luft nehmen“

Während ihres vierten Paris-Aufenthaltes trennte sie sich von Otto, musste dann aber aus finanziellen Gründen wieder zu ihm zurück, wurde schließlich schwanger und starb drei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde an einer Embolie. Ihr letztes Wort war „Schade“!

Wichtige Ausstellungen ihrer Werke zu Lebzeiten haben nicht stattgefunden. Abgesehen von ihrem Mann schätzte und respektierte Rilke ihre Arbeiten. Der Bildhauer Bernhard Hoetger, den sie ihn Paris kennen lernte, war sehr begeistert von ihrer Malerei und hat sich nach Paulas Tod um die Verbreitung und Bewahrung ihrer Werke gekümmert.

Ein Großteil der Exponate kommt aus Bremen, aus den Museen im Ruhrgebiet oder aus Privatsammlungen.

Die kommissarische Leiterin dieser wunderbaren Ausstellung ist Julia Garimorth, die zusammen mit der Biografin von Paula Moderbohn-Becker,  Marie Darrieussecq, die Ausstellung kuratiert, die noch bis 21. August im Musée d’Art Moderne in Paris zu sehen ist.

Detail Ausstellungsplakat - Paula Modersohn-Becker
Detail Ausstellungsplakat

Christa Blenk

 

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My virtual gallery (blog collection N° 8)

This week: Carlos de Gredos – spanischer Künstler, Poet, Gründer und Leiter des Kunst- und Naturparkes El Cerro Galllinero in (Avila/Spanien)

 

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Fuego Alquímico (Alchimiefeuer)

Alchimiefeuer heißt seine Landart-Installation (2014)  im Cerro Gallinero. Sie besteht aus einem Dreieck im Dreieck. Carlos de Gredos hat dafür auf der einen Seite des Feldweges einen kleinen, dort vorgefundenen,  Felsbrocken gelb angemalt und in perspektivistischer Verbindung ca 200 m gegenüber ein Dreieck in den Ginster geschnitten, eine Dekonstruktion. Das Gelb ist eine Huldigung an die Piornos, eine Ginsterart, die ab Mai erblüht und den Cerro zum Strahlen bringt.

Carlos de Gredos ist ein konzeptueller Künstler. Er ist der Initiator und Koordinator des Kunst- und Skulpturenparks El Cerro Gallinero. Künstler (oder Besucher) sollen oder dürfen dort die von der Natur vorgegebenen und manchmal kaschierten (zukünftigen) Werke finden, erkennen, sie enthüllen oder vervollständigen. Carlos ist 1958  in der Gegend von Avila geboren und aufgewachsen und hat auch künstlerisch den Grundstein gelegt. La Nube (die Wolke) oder Parajes nuncios de Infinito heisst sein erstes Projekt. Ein großer weißer Stein ist so platziert, dass er manchmal zur zusätzlichen Wolke am Himmel wird. Poetisch und fast transparent schwerelos schwebt die Steinwolke zwischen Himmel und Erde. Ein weiteres Werk von ihm  Desde mi atalaya (von meinem Wachturm aus) – ein Oxymoron; der Aussichtspunkt ist nämlich in die Erde eingelassen und en miniature.

« Denn wahrhaftig steckt die Kunst in der Natur, wer sie heraus kann reißen, der hat sie » (Albrecht Dürer). Mehr kann man dazu nicht sagen!

Faszinierend und wunderschön ein Ausflug in den Cerro!

Christa Blenk

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My virtual gallery (blog collection N°7)

This week: Rosa Quint – deutsche Künstlerin und Kunstpädagogin, lebt und arbeitet in München

 

Das Werk (Karelian Train) unten war Teil ihrer letzten Ausstellung « Sites » (Orte)  und es handelt sich hier um das Auf- und Verarbeiten ihrer Aufzeichnungen, die sie auf ihren unzähligen Reisen macht und in einem Notizbuch festhält. Blicke vom Zug auf die vorbeiziehende Landschaft, Gefühle und Durcheinander in der Londoner U-Bahn oder Markierungen auf einem Stadtplan sind für Rosa Quint genauso inspirierend wie ein Kabelsalat hinterm Fernseher oder in Peking.  Und so kommt es, dass Genua für sie Lila ist, die Londoner U-Bahn Blau und finnische Landschaften Grün. Sie malt das, was man sieht, wenn man die Augen fast ganz zumacht und nur noch eine Linie bleibt; eine Mischung aus Erinnerung, Empfindung, Fantasie und Farbe. Das Ergebnis sind dann diese umwerfenden, ja sprechenden und poetischen Arbeiten.

 

Rosa Quint - Virtual Gallery - N°7

Rosa Quint – Virtual Gallery – N°7

 

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Vertrauen ist eine Zier, …..

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nach der Vorstellung von Cosí fan Tutte in Bonn

 

In der letzten der drei Da-Ponte-Opern, Cosi fan Tutte,  die 1790  in Wien uraufgeführt wurde, gibt es nur sechs Darsteller, d.h. drei Paare. Einmal die sehr jungen und etwas naiv-unbedarften Schwestern,  die in ein paar Stunden ihre Moral verlieren und kapitulieren – aus Mitleid hauptsächlich, manipuliert vom prinzipienlosen Gespann Despina und Don Alfonso und die  jungen Offiziere, verlobt mit den Schwestern, verlieren sie innerhalb ein paar Stunden das Vertrauen in die Frauen und die Wette.

Nichts, was einmal sicher schien, ist es wirklich und verlassen kann man sich auch auf Niemanden und Nichts. Nicht einmal auf das C-Dur und so wird das fortunato zum infortunato. Don Alfonso ist der Regisseur, Despina ist Librettistin und hat obendrein zwei Rollen in dieser Oper in der Oper, die Schauspieler sind die beiden jungen Männer und die Mädchen merken gar nicht, dass sie in einem Theaterstück mitspielen. Aber: Ende gut alles gut – das unvermeidliche  lieto fine bringt sie alle wieder dorthin wo sie zu Anfang standen, nur etwas abgehärteter und skeptischer bestimmt. Vergessen und verziehen sind die diabolischen Ideen des Zyniker Don Alfonso, es ist ja eh nur ein Spiel!

Die Bühne ist weiß, blassblau und unschuldig, den einzigen Farbkleks bildet später Despina, wenn sie als blinder Arzt hereinschlurft. Dietrich Hilsdorf hat diese Bonner Così fan Tutte sehr publikumsnah inszeniert. Über einen Steg, der weit ins Parkett läuft, bewegen sich die Protagonisten manchmal mitten im Publikum oder nehmen direkt auf Stühlen im Parkett Platz. Der komplette Verlauf ist so konstruiert, dass das Opernpublikum dann und wann vor ein Ausrufe- oder Fragezeichen gestellt wird. Immer wieder unterschiedlich lange musikalische Pausen nach einer Arie bringen die Zuschauer in die Verlegenheit, gemeinsam eine Lösung zu finden. Suchend blicken die Sänger ins Publikum und erwarten, dass wir ihnen mitteilen, wie es nun weiter gehen soll. Umgekehrt gibt Zeremonienmeister Don Alfonso auch schon mal einen Applaus-Befehl! Letzterer, wie der geneigte Operngänger weiß, gibt sowieso den Ton an und legt den Stab erst dann in die Hand der schlauen Despina ab, als ihm nichts mehr einfällt und sein Plan zu scheitern droht. Sie rettet seine Wette aber nicht die Ehre der Schwestern.

Unmoralisch ist sowieso alles in dieser Oper. Die von Don Alfonso gegenüber den jungen Männern vorgeschlagene Wette, die Treue der Zukunftügen auf die Probe stellen, die schnelle Akzeptanz der jungen Männer, dem Vorschlag zuzustimmen und sich in Don Alfonsos Hände zu begeben, die Mitleidsfalle, gepaart mit der Drohung für den Tod von zwei schönen jungen Fremden verantwortlich zu sein, das schließliche Schwachwerden der Schwestern und das verlogene status quo ante-Finale.

Die einzig ehrliche Person in dem Stück ist Despina. Sie denkt wirklich, dass Liebe und Treue nicht überzubewerten seien und man – sollte sich die Gelegenheit bieten – sich ruhig zweigleisig amüsieren dürfe. Deshalb bekommt wohl auch nur sie Prügel am Ende, das heißt sie wird mit dem mesmerischen Stein malträtiert, mit dem sie die offensichtlich vergifteten Fremden als Arzt verkleidet retten konnte. Despina handelt weder aus Machtbewustsein, noch aus finanziellen Gründen, ja, vielleicht meint sie es ja sogar gut mit den Mädchen. Sie hat die wichtigste Rolle im Stück; Despina ist die ideenreiche Kupplerin, sie ist der Notarzt und kuriert ganz schnell mit Hilfe eines mesmerischen Wundersteines die vermeintlich Vergifteten ehemaligen oder zukünftigen Verlobten. Franz Anton Mesmer,  ein großer Veehrer und Gönner Mozarts, war bei der Premiere übrigens ebenfalls anwesend.

Cosi fan Tutte ist also eine traurige Oper bei der man sich ziemlich amüsiert. Denn Mozarts Musik parodiert eine spritzig-witzige Tragik genauso komisch wie eine schwermütige Leichtigkeit, wenn er Guglielmo von der aura amorosa singen lässt und dieser vor allem ans Essen denkt.

Angeblich hat Mozart dieses Thema von Da Ponte nur aufgenommen, weil er wieder mal in Geldnot war und schnell einen Stoff brauchte. Martin Geck vermutet allerdings im Programmheft, dass Textdichter und Komponist sich sehr wohl  vergnügt haben dürften, diese deftige Buffa aus der Wiege zu heben.

Hilsdorfs Oper spielt im Biedermeier, alles ist weiß, hell, sauber, unschuldig: kleine Cremetörtchen mit Rüschen. Um die Verwirrung noch ein wenig zu verstärken, lässt er die Verlobten zuerst mit einem Bart auftreten, während die sogenannten Albaner und vermeintlichen Verführer glattrasiert sind und eher wie Dandys aussehen. Die Marionetten hingegen, mit denen sie den ersten Verführungsversuch starten, sehen aus, wie die überraschend in den Krieg jungen Offiziere, aber ohne Bart.

 

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Susanne Blattert und Priit Volmer

Susanne Blattert ist eine wunderbare, vielseitige und stimmlich sehr bewegliche Despina und singt von Pianissimo bis zur Piepstimme immer einwandfrei,  auch schauspielerisch ist sie unübertroffen.  Pritt Volmer gefällt sehr als selbstherrlicher Zyniker Don Alfonso; er steht ihr auch im Schauspielerischen in nichts nach.  Kathrin Leidig ist eine perfekte Dorabella, wandelbar und leicht zu überzeugen und Sumi Hwang sehr gewinnend als zerrissene Fiordiligi, sie ist diejenige, die am längsten standhaft bleibt. Giorgos Kanaris ist ein selbstbewusster, starker Guglielmo und Tamas Tarjanyi mit seinem lyrischen Tenor ein eher verträumter Ferrando.

Zurückhaltend und einwandfrei Christopher Sprenger am Pult.

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nach der Vorstellung

Und obwohl das Stück als zweiten Titel „Die Schule der Liebenden“ trägt, haben sie über die Liebe nur gelernt, dass man sie nicht ernst nehmen soll und dass es sich nicht lohnt, wegen ihr Kummer zu haben!

Viel Spaß und lang anhaltender Applaus!

Christa Blenk

 

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This week: Paola Romoli Venturi – italienische Aktions- und Installations-Künstlerin

Paola Romoli Venturi ist Kunstaktivistin, eine Konzept- und Happening-Künstlerin. Sie setzt sich mit aktuellen und akuten Themen weltweit auseinander. Sei es der ständig wachsende Plastikberg im Pazifik (Pacific Trash Vortex),  die Flüchtlingskrise oder innenpolitische italienische Themen. Zur Zeit ist eine sehr beeindruckende Installation von ihr im Archivio Menna/Binga in Rom zu sehen, die sich mit Migration, Träumen und Trauer befasst. Ohne Zweifel eine der interessantesten Künstlerinnen zur Zeit in Italien!

Die ehemalige Kostümbildnerin, die Stoffe und Garne liebt und die früher Fernsehstars in Kleider nähte, verstaut seit Jahren das sich bei ihr zuhause angesammelte Plastik und steckt es in die von ihr geschneiderten Walmägen aus tüllartigem Tarlatan.

Virtuell installiert sie übergroße Walmägen in europäischen Hauptstädten und an sonstigen Plätzen weltweit.

paola-Performance
PRV während ihrer neueten Performance – TraNsfusion #4

 

 

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Pina Bausch und das Tanztheater

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Detail Ausstellungsplakat
 
Work in Progress

In der Bundeskunsthalle in Bonn ist seit Anfang März eine Ausstellung über Pina Bausch und ihr Tanztheater zu sehen. Regieanweisungen, Fotos, Videos und Vorträge gruppieren sich um die sogenannte „Lichtburg“ im Zentrum der Ausstellung. Bei der Lichtburg handelt es sich um den Nachbau ihres Ateliers und gezeigt wird auf einer großen Leinwand das tägliche Leben einer Tanzgruppe, Pinas Anweisungen, Ideen, Kostümproben, Tanzschritte und Interviews, aber ganz anders als im Wim Wenders Film. Ansonsten hängen Kleider und Tanzschuhe an den Wänden und Tische stehen im Raum und die Anwesenden scheinen sich alle zu kennen.

Wir kamen gerade rechtzeitig zum 7 x 7 x 5 speed dating.

Sieben runde Bistrotische mit jeweils zwei Stühlen stehen in einer Linie schräg durch die Lichtburg (hier muss man gleich an Café Müller denken) und an jedem Tisch sitzt – mit glänzenden Augen – ein Mitarbeiter(in) oder eine Tänzerin der Truppe. Ein willkürlicher Besucher nimmt am Tisch Platz und stellt Fragen, nach fünf Minuten wechselt er den Tisch und das Gegenüber. Manchmal sind die Fragen vorgegeben, manchmal nicht. Die Besucher erfahren so aus erster Hand was sie immer schon über Pina Bausch und ihre Arbeit oder ihr Leben oder vom Verhältnis zu ihren Mitarbeitern wissen wollten.  So haben wir erfahren, dass zum Beispiel im letzten Jahr zum ersten Mal ein Gastchoreograf in Wuppertal mit dem Ensemble drei Stücke einstudierte, dass das Ensemble für eine Sacre du Printemps-Aufführung immer ihre eigene torfige Erde im Reisegepäck hat (außer nach Neuseeland, dort wurde die Einfuhr nicht gestattet, was große Probleme verursachte, weil sich bei der ersten Probe herausstellte, dass Glassplitter in der Erde waren und diese – es geht hier wohlgemerkt um Tonnen – vor der nächsten Probe gesiebt werden musste), dass Sacre immer mit Café Müller gemeinsam aufgeführt wird, dass Pina Bausch die Kostüme der 50er Jahre Fred Astaire und Ginger Roger Filme liebte, dass sich Pina Bausch immer  Fragen für die Tänzer(innen) ausdachte und jede(r) Ideen dazu ins Boot warf, dass bei ihr alles work in progress blieb und sie jede Vorstellung mit „das Stück ist noch nicht fertig“ einleitete und dass sie bei den Entscheidungskonferenzen bzw. Entstehungsprozessen von Neuproduktionen von unzähligen Zetteln umgeben war, die sie wie ein Puzzle ordnete.

Der Geist von ihr schwebt eindeutig durch dieses nachgebaute Atelier und die an diesem Sonntag anwesenden ehemaligen Mitarbeiter oder Tänzer(innen) haben ihn von Tisch zu Tisch weitergetragen.

Pina Bausch ist ohne Zweifel eine Ikone, ein Mythos, eine Pionierin des Modernen Tanztheaters. Sie hat mitbestimmt, wie wir Ballet und Tanz seit dem 20. Jahrhundert  sehen und empfinden. Die Elemente Wasser, Erde, Luft verbindet sie mit Menschen und auf der Bühne erlebt ma, wie sie die Welt von draußen nach drinnen holt und wie sich Dinge  je nachdem wo sie stehen oder was für eine Funktion sie haben verändern.

Als ehemalige Schülerin von Kurt Joos am Essener Folkwang Theater, führte sie dieses später weiter. Die ersten Jahre arbeitete sie mit ihrem Partner Rolf Borzik und nach dessen Tod, 1980, übernahm Peter Pabst die Bühnengestaltung. 2007 wurde ihr der Kypto-Preis verliehen.

Eine sehr sensible, persönliche Ausstellung, die man mit dem Wunsch verlässt, alle 32 Stücke von ihr entwickelten und konzipierten Stücke nacheinander sehen zu können!  Pina Bausch starb 2009, nur ein paar Wochen nach der Uraufführung ihres letztes Werkes.

Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Juli 2016 zu sehen und geht anschließend  weiter nach Berlin in den Martin-Gropius-Bau.

Christa Blenk

 

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Alessandro Stradella – San Giovanni Battista

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Florentiner Schule /Vatikanische Museen – Salomé bringt Herodes den Kopf von Johannes

Alessandro Stradellas Leben ist von Geheimnissen umgeben. Nachdem ein erster Mordanschlag fehlschlug, wurde er 1682, im Alter von 42 Jahren, auf mysteriöse Weise von einem Unbekannten umgebracht. Die Gerüchte um dieses Mysterium gelangten sogar bis nach Frankreich, wo sie um 1715 in einer französischen Musikgeschichte erwähnt wurden.

Mythos Stradella. Schon zu Lebzeiten hatte er eine gewisse Fama und sein unkonventionelles von Gerüchten und Geheimnissen umspieltes Leben schuf Raum für Legenden. Stradella stammte aus einer gut gestellten, adeligen Familie (es soll sogar einen Bischof im Stradella Clan gegeben haben); er war aber alles andere als ein religiöses Vorbild.

Im Alter von 15 Jahren kam er nach Rom und fand sich schnell in der römischen Musikszene zurecht. Wie viele andere Musiker in dieser Zeit, wurde auch Stradella von Christina von Schweden gefördert, in dem sie ihm mehrere Kompositionsaufträge zukommen ließ. Durch sie fand er auch Zugang zum Hofe. Der Kuppelei angeklagt, musste er später nach Venedig fliehen, wo er im Palast eines venezianischen Adeligen unterkam. Aber auch dort konnte er nicht lange bleiben und floh wieder, dieses Mal mit einer jugendlichen Geliebten nach Turin wo er – mehr oder weniger unfreiwillig – heiratete. Nach einem vereitelten Mordanschlag suchte er in der französischen Botschaft Zuflucht und ging anschließend nach Genua, dort fand er eine gut bezahlte Stelle am Teatro Falcone. Stradella war ungewöhnlich produktiv und trat ebenfalls als Sänger und Violinist auf.

In seinem nicht sehr langen Leben komponierte er über 200 weltliche und geistliche Kantaten, sechs Oratorien und acht Opern, die sich in seiner Zeit beträchtlichem Erfolg erfreuten.

1675 gab die Brüderschaft der Kirche San Giovanni dei Fiorentini in Rom aus Anlass des Heiligen Jahres vierzehn Oratorien bei den besten Komponisten in Rom in Auftrag. Diese sollten von Januar bis April des selben Jahres aufgeführt werden. Alessandro Stradella (1639-1682) wurde beauftragt, über den Florentiner Schutzheiligen, Johannes den Täufer, zu schreiben. Die Uraufführung fand am Palmsonntag 1675 statt. Es ist das einzige noch erhaltene dieser Serie.

Man kann ruhig von einem Wendepunkt in der Musikgeschichte reden, da hier zum ersten Mal die Concerto Grosso-Technik angewandt wurde und Corelli der erste Violinist war. In dieser brodelden (Musik) Zeit hat Stradella, zusammen mit Pasquini, Vivaldi, Corelli oder Scarlatti, die Barockmusik erfunden.

Stradella war ein schneller, sicherer Schreiber, das beweisen seine Partituren auf denen fast nie etwas gestrichen wurde. Kontrapunktisches Talent, Phantasie und unglaublich spritzige Harmonie zeichnen sein Werk aus.

San Giovanni Battista ist eine wunderbare barocke Preziose, die Stradella selbst wohl als sein bestes Werk bezeichnete. Kein Wunder also, dass Händel und die späteren Zeitgenossen stark beeindruckt waren und in diesem Stil weiter machten.

Der Florentiner Ansaldo Ansaldi schrieb das Libretto auf der Basis der Geschichte von Johannes dem Täufer aus dem Neuen Testament. Es geht um die Erzählung, die immer wieder vor allem Maler inspirierte: Johannes trifft am Hofe von Herodes ein und fängt gleich an, sich in dessen Leben einzumischen. Er will Herodes sanft davon überzeugen, sein lüsternes Leben aufzugeben, was natürlich nicht funktioniert und Johannes landet im Gefängnis. Der von Salomes Tanz verzückte Herodes verspricht ihr jeden Wunsch und sie hat nichts besseres zu tun, als ihre Mutter zu fragen und was sie sich wünscht wissen wir: den Kopf von Johannes.

Das Concerto Romano unter Alessandro Quarta präsentierte gestern Abend im Teatro Argentina in Zusammenarbeit mit der Filarmonica Romana eine gut gelungene, runde und kompakte Interpretation von Stradellas unglaublichem Oratorium San Giovanni Battista. Der junge Venezolaner Andrés Montilla-Acurero (Quintus) deklarierte mit seiner gewöhnungsbedürftigen, zarten und – vor allem im ersten Akt – manchmal unsicheren aber durchaus flexiblen Stimme dieses Werk zum Oratorium. Die Sopranistin Sonia Tedla in der Rolle der Tochter (Salome) war sicher, kühl, sehr virtuos und expressiv-grausam, ohne Milde und stand selbstbewusst dem großartigen Bariton von Mauro Borgioni gegenüber. Er beherrschte, auch physisch, die Bühne und spielte den herrischen Herodes genauso überzeugend wie schließlich den schwachen, resignierend-bedauernden. Luca Cervoni, mit seinem unverwechselbaren Tenor in der Rolle des Beraters. Carla Nahadi Babelegoto als Salomés Mutter. Sie ist eigentlich nur bei den Chor-Rollen gefragt, deshalb hat ihr Quarta die erste Arie der Salomé singen lassen: Das hat etwas verwirrt und mit ihrem Mezzo kam sie mit dieser Sopranarie an ihre Grenzen.

Alle steigerten sich im zweiten Akt, wie es auch das Stück tut. Der zweite Teil ist einfach hinreißend. Grandiose und perfekt gesungene Duo-Partien zwischen Salomé und Johannes und Salomé und Herodes. Die Chorarien und mehrstimmigen Partien sind musikalisch eindeutig das Schönste in diesem Werk. Rhythmisch, dynamisch, vielfältig, lebendig, mit schwierigen Partien für die Sänger, ist das Werk auch instrumental sehr variabel und spannend, wie z.B. bei Salomés eindringlicher Überzeugungsarie, mit der sie die blutrünstige Horrortat ausspricht und Herodes’ Antwort.

Es endet mit einem Und Warum und dann geht das Licht aus!

Großes Konzerterlebnis!

 stradella
Concerto Romano mit Solisten – Foto: ©Stefano Tontini

Concerto Romano:

Paolo Perrone, Gabriele Politi, Laura Corolla, Mauro Massa, Antonio De Sarlo, Katarzyna Kmieciak, Katarzyna Solecka (Geige); Pietro Meldolesi, Teresa Ceccato, Boris Begelman (Viola); Rebeca Ferri, Ludovico Minasi (Cello); Luca Cola (Kontrabass); Giovanni Battista Graziadio (Fagott); Francesco Tomasi (Laute); Stefano Demicheli (Cembalo); Andrea Buccarella (Orgel);

Alessandro Quarta: Leitung und Dirigent

Carolyn Gianturco und Alessandro Quarta haben sehr ausführliche Texte über Leben und Werk im Programmheft veröffentlicht!

Christa Blenk

 

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Christa Linossi: Traum – Natur – Chaos – Alptraum

Wird hier ein Tagtraum zum Traumtag oder ein Traum zum Alptraum?

In der heutigen Zeit kommt ein Künstler nicht mehr daran vorbei, sind mit dem Thema Natur und ihrer Zerstörung auseinander zu setzen, ja Manche sind sogar der Meinung, dass Künstler und Intellektuelle unbedingt die Aufgabe haben, Stellung zu beziehen und Aufklärerisch tätig zu sein.

Die österreichische autodidaktische Fotokünstlerin Christa Linossi ist ein Naturkind. Berge und Seen sind ihre Heimat. Bäume und Landschaften, auch Stadtlandschaften, sind sehr oft das Thema ihrer Arbeiten. So verbindet sie die Kür mit der Pflicht und findet ihre Motive meistens in der Natur!

Die Natur definiert sich dadurch, dass der Mensch sie nicht geschaffen hat. Für seinen Traum ist er (der Mensch)  meistens auch nicht verantwortlich, denn diese physische Aktivität wird vom Schlafenden fabriziert, vom Menschen, und der gehört zur belebten Natur.

 Traum Chaos Kopie
Traum Chaos

Linossis neue Arbeiten handeln also von Natur und Traum, und davon, diese zu erhalten. Ihre neuen Arbeiten sind heller, grüner, weniger nüchtern – jedenfalls auf den ersten Blick. Das Gänseblümchen-Grün ist trügerisch und gaukelt uns nur etwas vor.

Bei Die Reise beginnt im Traum lässt sie die Elemente Wasser – Erde – Luft aufeinander prallen und der erste positive und beruhigende Grün-Eindruck wird beim zweiten Blick weggewaschen, denn die saftige Wiese ist überflutet, ohne dass der Himmel Gewitterwolken zeigt. Das Segelboot liegt gekentert auf dem Trockenen und die Person, die vor dem Boot liegt träumt das alles. Aber liegt sie noch auf der Wiese oder schon im Wasser? Die Person scheint gut zu schlafen und hat deshalb – jedenfalls laut Mme de Staël – langweilige Träume.

Die Reise beginnt im Traum Kopie
Die Reise beginnt im Traum

Ein weiteres Werk heisst Traum Chaos. Auch hier ist erstmals alles Grün, aber schon taucht vor unseren Augen eine Art kaputter Roboter auf, eine futuristische Figur von Boccioni vielleicht oder einfach nur Schrott der vom Himmel gefallen ist, ausrangierte Star War Gadgets? Auf jeden Fall bringt er die Blätter zum Glitzern. Verwirrend das Ganze.

Voller surrealistischer Symbole sind diese neuen Arbeiten.  Linossi hat verschwiegen, ob es sich bei der schlafenden oder träumenden Person um ein Autoportrait handelt.

Bambusstaat Traum besteht, wie der Name schon sagt, aus schönen knackigen, hellgrünen Bambuspflanzen, die zum Gefängnis werden, die Betrachter sind draußen und blicken auf eingesperrte Häuser. Bambuswurzeln sind gnadenlos, sie breiten sich schnell aus und verschlingen alles, was sich ihnen in den Weg stellt.

Christa Linossi manifestiert auch hier wieder ihre Verbundenheit mit der Natur und ihre Angst vor der Zerstörung. Sie will, dass der Mensch bescheidener lebt, die Natur in Ruhe lässt. Um dieses Gefühl zu haben, muss sie ab und zu im Berg verschwinden, muss sich regenerieren.

BambusstaatTraum Kopie
Bambusstaat Traum

Das Unwohlsein, das beim Betrachten dieser Landschaften entsteht, ist sicherlich gewollt und notwendig, und damit sind wir wieder beim Eingangssatz. Interessante Arbeiten!

Christa Blenk

 

Fotoarbeiten: Christa Linossi

Urheberrecht /Copyright:
Die Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte bleiben vorbehalten. Bilder dürfen ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung des Urhebers/Verfassers nicht veröffentlicht, vervielfältigt oder gesendet werden.

 

 

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My virtual gallery (blog collection – N°5)

This week: Dominique Cozette – französische Künstlerin

Dominique Cozette kam erst vor einigen Jahren zur Kunst, nach dem sie lange Zeit als Werbetexterin tätig war. Diese politische Komponente ist auch in ihren jetzigen Arbeiten wieder zu finden. Cozette hat einen wichtigen Preis für eine Fernsehwerbung bekommen, schreibt außerdem Bücher und Theaterstücke und hat Platten aufgenommen. Mit ihren sozial-politischen Neo-Pop-Arbeiten ist sie regelmässig Gast in Pariser Gallerien oder bei Kunstmessen.

 

Dominique Cozette
Dominique Cozette
 
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TraNsfusioni #4

2016-04-04 17.55.50

 

Der italienische Kunstkritiker Filiberto Menna steht vor einer Arbeit von Michelangelo Pistoletto. Das Foto daneben ist von Diane Arbus, zwei kleine Mädchen sind darauf abgebildet. Die italienische Body Art und Language-Künstlerin Ketty La Rocca (1938-1976) hat es fotografiert und daraus ein weiteres, neues Kunstobjekt geschaffen und ab hier geht es um die gestern eröffnete Ausstellung mit Arbeiten von Tomaso Binga, Paola Romoli Venturi und Silvia Stucky;  ein konzeptueller doppelter Dreiakter à la DaDa. Bei diesem happening geht es um Beziehungen zwischen Menschen, um Trauer, um Phantome, um Verlust, um Träume (verlorene, gewesene und zukünftige)  und um Migration und den unterschiedlichen, falschen oder richtigen Umgang damit.

Akt 1: Silvia Stucky

Sie baut eine Brücke vom Diane Arbus-Foto zu ihrer Mutter Maria, die als Zwilling geboren wurde. Der andere Zwilling, Magdalena, ist noch während der Geburt verstorben. In der Kunst hat Stucky die beiden Mädchen nun wieder aufleben lassen. Sie sind auf dem Foto zu sehen, als 2-3 jährige. Im Bild daneben die beiden im Siebdruck-look. Vor dieser Wand stehen zwei Kindergartenstühle und irgendwann setzt sich Stucky auf einen dieser Stühle; neben ihr nimmt ihr  Zwilling Platz. So harren sie, reglos, vereint im Kummer und mit  Würde, um die tote Tante oder um Irgendjemanden, andächtig, wartend. Je est une autre – dieser Satz von Rimbaud begleitet die Installation.

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Silvia Stucky

 

Akt 2: Tommaso Binga

Noch während Stucky und ihr Zwilling sich bewegungslos und stumm in bewegender Trauer gegenüber sitzen, tritt Binga hinter den durchsichtigen Stoffvorhang von Paola Romolis Installation und trägt ihr eigens für die Veranstaltung komponiertes DaDa-Gedicht You – tu sei tu vor. Hier geht es ebenfalls um Verbindungen und um die Bestätigung, dass Du Du bis. Ihre hier ausgestellte Arbeit stammt aus 1973 und beschreibt die sorgfältige Hoffnungslosigkeit von Wörtern und Geschriebenem. Der Text ihrer Briefe, die an aufgereihte Grabsteine denken lassen,  ist unleserlich. Er gibt nur vor, aus Buchstaben zu bestehen und ist auf der Außenseite des Umschlags geschrieben, birgt also keine Geheimnisse. Die unüberwindliche Bürokratie wird mit einem Stempel dargestellt.

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Tommaso Binga

 

Akt 3: Paola Romoli Venturi

We (have a dream):  Auf einen transparenten  Vorhang hat sie in runden Formen fortlaufend das Wort We geschrieben. Auf dem Boden sehen wir einen Kreis, dessen Einfang mit zwei Füßen gekennzeichnet ist. Er verläuft so, wie in der Zeichensprache das Wort Wir  gestikuliert würde. Romolis Installation basiert auf einer Rede von Papst Franciscus, die er vor ca 1 Jahr gehalten hat. Wir befinden uns alle im selben Boot – schau was passiert – Männer, Frauen, Kinder – Völker gehen auf Wanderschaft – An den Grenzen stehen Soldaten mit Gewehren – Ich kann nicht glauben was ich sehe – Wir haben einen Traum. Mit dem leicht abgewandelten Zitat von Martin Luther King endet ihr Text. Romolis Performance besteht darin, dass sie in Gebärdensprache den Text spielt und anschließend interaktiv das Publikum mit einbezieht.  Schließlich bittet sie alle Vernissage-Besucher hinter den Vorhang; sie holt Alle ins gleiche Boot und auf dasselbe Foto!

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Paola Romoli Venturi

 

Silvia Stucky, Tommaso Binga und Paola Romoli stehen – jede auf ihre Weise – im Dialog mit Ketty La Roca, Filiberto Menna und Pistoletto, in dem sie ein schon vorhandenes Kunstwerk interpretieren, damit experimentieren,  darüber reflektieren und als Synthese ihre Seele, ihre Wünsche und ihre Träume vor dem Publikum freilegen.

Die Ausstellung, kuratiert von Anna D’Elia, verbleibt noch bis Ende April im Archivio Menna/Binga und ist unbedingt sehens- und erlebenswert.

Und nun fragt mich sich ernsthaft, warum diese Ausstellung nicht im MAXXI oder im MACRO Testaccio stattfindet!

Testo in lingua italiana

Christa Blenk

Fotos: JNP

 

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Antonio Pappano dirigiert Panfili, Strawinsky und Tschaikowsky

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nach dem Konzert: Antonio Pappano mit Riccardo Panfili und der große Chor 

Neben Tschaikowskys Fünfter und Strawinskys Psalmensymphonie dirigierte Antonio Pappano an diesem ersten Wochenende im April die überarbeitete Fassung von Riccardo Panfilis l’Aurora probabilmente. Panfili hat dieses kurze, aber sehr heftige und aufregende Opus posthum dem großen Hans-Werner Henze (1926-2012) gewidmet.

Panfili, der aus einer ganz und gar unmusikalischen Familie kommt, entdeckte als 17-jähriger Henzes Musik, als er im Radio Fünf neapolitanische Lieder hörte. Zum einen seine Begegnung mit Hans-Werner Henze, der 2006 auf ihn aufmerksam wurde, als Panfili mit seinem Werk Danzario den ersten Preis des internationalen Kompositionswettbewerbs es Orchestra Nazionale di Santa Cecilia in Rom gewann, dann das Zusammentreffen mit Antonio Pappano, der seither schon mehrere seiner Kompositionen, darunter eben auch Danzario, in der Uraufführung dirigierte, fördern – abgesehen von seinem Talent – den gerade senkrecht in die junge zeitgenössische erste Komponistenliga eintretenden Panfili. Es war auch Panfili, der den 2012 verstorbenen Maestro Henze bei der Reinschrift von dessen letzten Werken An den Wind und Ouverture zu einem Theater unterstützte. Panfili war 2013 der erste Stipendiat der Hans-Werner Henze-Stiftung.

Gestern abend dirigierte der fabelhafte Antonio Pappano hier in Rom die leicht überarbeitete Version von L’Aurora probabilmente. Über der Partitur steht ein Zitat aus Nietzsches Morgenröhte. Es ist ein politisches Werk, das Panfili 2012 als  Auftragswerk der Mailänder Scala komponierte; u.a. eine Ausbeute unzähliger Unterhaltungen mit dem Maestro. Antonio Pappano stand bei der Uraufführung an der Scala wie auch gestern Abend am Pult.

In einem Interview, das Clemens Wolken mit Riccardo Panfili führte und das im Programmheft abgedruckt ist, sagt Panfili, dass er die Änderungen schon während der ersten Proben in Mailand beschlossen hatte, um einige Abschnitte der Komposition, die mit zu vielen metrischen Änderungen (à la Sacre di Strawinsky) vollgestopft war, spielbarer zu machen.

Das Werk beginnt mit einem gewittrig-aggressiven Donnerschlag, der das Publikum zehn cm vom Sessel hochhebt. Was dann kommt ist eine im permanenten Rhythmuswechsel voranschreitende schwierige Geburt eines elegisch-symbolischen Sonnenaufgangs, der orakelhaft die täglichen Tragödien aber auch Schönes prophezeit. Bisweilen ein Streit um die Vorherrschaft von Strawinsky, Ravel und Wagner aber dann in einem zarten Schluss Licht werden lässt! Kurze, beeindruckende, sehr klassische Komposition.

Nach diesem stürmisch-philosophischen Gewitter war die Psalmensymphonie von Igor Strawinsky (1882-1971) geradezu eine reinigende Erholung. Pappano hat sie sehr rhythmisch und flott dirigiert, begleitet von einem mit über 200 Personen besetzten Chor. Großartiges Erlebnis.

1930 als neoklassizistisches Auftragswerk für das Boston Symphony Orchestra komponiert, hat Strawinksy die Symphonie 1948 überarbeitet (diese letztere Version wurde auch gestern gespielt). Sie besteht aus drei Sätzen, von denen jeder die Vertonung eines alttestamentarischen Psalmes darstellt. Interessant hier die ungewöhnliche Orchesterbesetzung (keine Geige, nur Cello und Kontrabass, große Holz-und Blechbläserbesetzung, zwei Pianos und Perkussion (der Schlagzeuger war umwerfend und seine Performance glich einem Tanz!). Strawinsky hat hier seinen orthodoxen Hintergrund mitspielen lassen.

Antonio Pappano, der 1959 in Nähe von London als Sohn eines italienischen Musiklehrers geboren wurde, ist Musikdirektor des Royal Opera House London und seit 2005 auch bei der Accademia Nazionale di Santa Cecilia. Das römische Publikum liebt ihn – zurecht! – und schenkt ihm generell einen lang-anhaltenden Applaus.

Schönes Konzert, ausgezeichnete Stimmung!

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Looking forward to FFF – Fast Forward Festival

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Die Oper Rom goes contemporary

Schon die Saisoneröffnung 2015/2016 mit Hans-Werner Henzes Bassariden kündigte eine Änderung der römischen Opern-Programmplanung an und es weht ein anderer, frischer, Wind.

Am 27. Mai ist es soweit und das Internationale Festival für Theater und Zeitgenössische Musik an der Oper Rom: FFF – Fast Forward Festival wird aus der Wiege gehoben.

Kurator Giorgio Battistelli, Römer und seines Zeichens künstlerischer Leiter an der Oper Rom sowie erfolgreicher italienischer Avantgarde-Komponist, hat ein Zehn-Tages-Programm zusammengestellt, das sich wirklich sehen lassen kann.

Vier Musiktheaterwerke, fünf Instrumental-Theaterstücke und ein Ballett werden an unterschiedlichen Orten u.a. an der Oper Rom selber, im Teatro Argentina, im Auditorium Parco della Musica oder in der Villa Medici aufgeführt. Der Intendant der Oper Rom will damit sein Haus und die ewige Stadt mit neuen Ideen und mehr Aufgeschlossenheit in den internationalen zeitgenössischen Musik-Mittelpunkt rücken und Rom in eine Reihe mit anderen europäischen Kulturzentren wie Berlin, Paris, Barcelona oder Wien stellen. Und wer könnte das besser als der künstlerischer Leiter der Oper, Giorgio Battistelli (*1953). Oper und Musiktheater sind Begriffe und Definitionen, die sich durch die Erfahrung der unterschiedlichen Möglichkeiten des Musiktheaters in unserer Zeit aufgelöst haben, sagt er über sein neues Festival-Projekt.

 
Schwarz auf Weiss_Composizione e regia di Heiner Goebbels_Credit Christian Schafferer
Schwarz auf Weiss_Composizione e regia di Heiner Goebbels_Credit Christian Schafferer

Mit Heiner Goebbels (*1952) Komposition Schwarz auf Weiss / Black on White (1996) wird das Festival am 27. Mai eröffnet. Dazu kommt das Ensemble Modern aus Frankfurt ins schöne Teatro Argentina. La Passion selon Sade hat der Italiener Sylvano Bussotti (*1931) im Jahre 1965 komponiert und es wird am Tag darauf im Auditorium Teatro Studio Borgna aufgeführt. Am 29. Mai tritt im Teatro India das Aleph Ensemble mit dem instrumentalen Theaterwerk Vie de Famille auf, das Georges Aperghis (*1945) 1999komponierte. Der darauf folgende Tag ist dem Ballett gewidmet. Angelin Preljocaj hat zu John Cages Tonkreation Empty Moves 1-2-3 die Choreografie entworfen. Am 31. Mai wird die Kammeroper des jungen Belgiers Michael van der Aa Blank Out (2016) im zur Oper gehörenden Teatro Nazionale aufgeführt. In der französischen Akademie, der Villa Medici, findet am 2. Juni gleich ein Doppelabend statt: Um 19.00 Uhr gastiert das Ensemble Dedalus mit dem elektronischen Musik-Spektakel Inevitable Music #5, das Sébastian Roux (*1977) nach Zeichnungen von Sol Lewitt in Töne umsetzte und im Anschluss, um 21.00 Uhr, spielt das ausgezeichnete italienische Ars Ludi Ensemble Werke von Maurizio Kagel, Francesco Filidei und John Cage. Jean Pierre Drouets One Man Show wird am 3. Juni im Teatro India mit Musik u.a. von Kagel, Aperghis und auch vom Kurator des Festivals, Giorgio Battistelli, zu hören und zu sehen sein. Francesco Prodes Miroirs / Ravel Projekthingegen findet im Teatro de Villa Torlonia am 4. Juni statt. Die letzten zwei Tage (am 7./8.6.) dieses noch ganz junge Festivals, betreitet Wolfgang Rihms (*1952) 8. Oper Proserpina. Rihm hat sie 2009 komponiert und Hans Neuenfels hat sie seinerzeit für Schwetzingen inszeniert.

 
bozzeto Proserpina - (c) Teatro dell'Opera di Roma
 Bozzeto Proserpina Regia Valentina Carrasco (c) Teatro dell’Opera di Roma

Neben den abwechslungsreichen Aufführungen sind Vorträge und Konferenzen mit den Komponisten sowie Meisterkurse geplant.

Die Programmgestaltung fand in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut Rom und der Villa Medici statt.

Der Kurator und Iniziator dieses Festivals, Giorgio Battistelli, war von 1993 bis 1996 künstlerischer Leiter des Cantiere Internazionale d’Arte in Montepulciano. 2002 hat er am Nationaltheater Mannheim Ernst Jüngers Auf den Marmorklippen musikalisch inszeniert und damit viel Aufmerksamkeit erregt. Aber vor allem bekannt wurde er mit dem Experimentum Mundi (Uraufführung in Rom 1981) – hier hat er die Alltagsgeräusche von Handwerker oder Bauarbeiten in die zeitgenössische Musik mit eingebunden.

Das lässt auf einen sehr spannenden musikalischen Frühsommer hoffen. Noch ein Grund mehr, Ende Mai/Anfang Juni nach Rom zu fahren!

Christa Blenk

 

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This week: César Borja Planes – spanischer Künstler

2014 - ohne Titel

2014 – ohne Titel

 

César Borja (*1976 Madrid) befasst sich in seinen Arbeiten mit Bewegung im Raum bzw. das Vortäuschen dieser.  Seine früheren Arbeiten spielen mit der Perspektive und der Tiefenwirkung und rufen Assoziationen mit dem expressionistischen Film hervor. Trieste ist eine Hommage an Sir Richard Francis Burton; hier nahm Borja erneut die an Labyrinthe erinnernde Unendlichkeit seiner geschlossenen Schlangenhäute auf.  César Borjas letzte Arbeiten setzen sich erneut mit Bewegungsabläufen oder die Vortäuschung dieser auseinander.

 

Cesar2

Cesar Borja Planes hat in Brüssel und Genf gelebt und in Madrid studiert, wo er jetzt auch lebt und arbeitet.

 

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Benvenuto Cellini an der Oper Rom

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Päpstlicher Perseo und Karneval

Benvenuto Cellini (1500 – 1571)  hat in der Mitte des 16. Jahrhunderts sein oder eines der Meisterwerke der Renaissance Perseus mit der Medusa für die Loggia dei Lanzi in Florenz,– wo sie auch heute noch steht – im Auftrag des Herzogs Cosimo I von Medici geschaffen. Der Guss war damals eine technische Herausforderung und die Arbeiten bis zur Enthüllung zogen sich über 10 Jahre hin.

Nach der griechischen Mythologie tötet Perseus die schreckliche Gorgone Medusa mit Hilfe einer Tarnkappe, Flügelschuhen und einer Zaubertasche. Dazu bekam er eine Waffe von Hermes und von Athene einen spiegelnden Bronze-Schild.

Cellini, der eigentlich am französischen Hof des Kaisers Franz I mit Goldschmiedearbeiten beschäftigt war, kehrte aus familiären Gründen nach Florenz zurück. Er sah die Herausforderungen vom Goldschmied zum Bildhauer aufzuzeigen, nahm den Auftrag der Medici an und reihte sich somit neben Größen wie Donatello und Michelangelo ein. Cosimo wollte damit, symbolisch, die Macht der herzoglichen Familie demonstrieren.

In Rom war Cellini auch und zwar genau in der Zeit, in der sein Gönner Giulio de Medici als Papst Clemens VII inthronisiert wurde, besser gesagt er musste dorthin als Mönch verkleidet fliehen, da er permanent in Streitigkeiten und Schlägereien involviert war. All dies hielt er später selber in einem autobiografischen Buch fest, das übrigens von Johann Wolfgang von Goethe übersetzt worden war und Berlioz angeblich inspirierte (später sollte er dann nach Goethe die Oper Damnation du Faust komponieren).

Berlioz, der selber auch in Rom gelebt hat, und seine Librettisten Léon de Wailly und Henri Auguste Barbier haben die Geschichte von Florenz nach Rom verlegt, aus dem Herzog einen Papst gemacht und die Handlung in den römischen, gauklerischen Karneval und den darauf folgenden Aschermittwoch verlegt.

Und wer könnte aus diesen Ingredienzien besser einen Commedia dell’Arte-Peplum-Slapstick machen als Terry Gilliam, seines Zeichens Mitbegründer und Mitspieler der Monty Python Gruppe. Gewöhnungsbedürftiger Humor, hintergründig, taktlos und provozierend, skurril und respektlos und so gut! Zusammen mit Leah Hausmann, die auch die Choreografie entwickelte, stellten die beiden hier eine total schräge,  farbenfrohe, pompöse Inszenierung auf die Beine, die nicht eine Sekunde Langeweile aufkommen ließ, dafür sorgt aber auch die Musik natürlich schon. Der Kopf der Medusa in goldener Übergröße dominiert die ganze Zeit die Bühne und Spiegel überall vergrößern diese.

Nach über 20 Jahren wurde dieses für Chor, Solisten und Musiker sehr anspruchsvolle Erstlingswerk von Berlioz wieder in Rom aufgeführt, am Pult elegant und sicher Robert Abbado. John Osborne singt den Cellini. Sein Auftritt ist makellos und untadelig und er bekam viel Applaus. Teresa ist Mariangela Sicilia. Sie besticht mit einem koloratursicheren Sopran und war auch schauspielerisch wunderbar in der Rolle einer etwas aufmüpfigen Tochter. Nicola Uliviere ist Balducci, der Schatzmeister des Papstes. Alessandro Luongo ist Fieramosca, Cellinis Rivale und offizieller-angepasster Bildhauer des Papstes, ausgezeichnet Marco Spotti als komischer und irgendwie lächerlicher Sarastro-Papst Clemens XII. Sehr gut und witzig in der Hosenrolle des Ascanio, Cellinis Lehrling, gesungen von Varduhi Abrahamyan.

P1310040P1310031Benvenutuo Cellini
nach der Aufführung: John Osborne, Marco Spotti, Akrobaten

Im ersten Akt werden die Personen vorgestellt und man begibt sich auf die Piazza Colonna, um dem Spektakel, der Oper in der Oper, anlässlich des römischen Karnevals zuzusehen. Cellini ist als Mönch verkleidet und es passiert ein Mord. Gilliam nimmt einfach nichts ernst und setzt dem ganzen Klamauk noch die Krone auf, indem er zu Beginn des zweites Aktes den Papst auf einer Leiter auf die Bühne schieben lässt. Bevor er diese, ganz in Weiß als Sarastro-Verschnitt,  herunter auf die Bühne klettert, muss er sich aber zuerst noch aus einer glänzenden Babuschka-Form schälen. Sein lächerlicher Hut wird später eine Zehe des Perseo hervorbringen. Die Papstwachen tragen rote Gewänder wie die Römer, die sich am Kollosseum mit den Touristen fotografieren lassen. Den zweiten Akt hat Berlioz vielleicht Mozart gewidmet, jedenfalls hat Gilliam das beschlossen. Der Papst schaukelt zwischen Sarastro und dem Comendatore, wenn er die wüstesten Drohungen ausspricht und Cellini an den Galgen bringen will und Teresas Hand nicht bekommen, sollte er bis zum Abend sein Werk nicht beendet haben.  Gleichzeitig wird auf der rechten Bühnenseite schon der Galgen aufgebaut. Personalschwierigkeiten – die Arbeiter streiken, weil sie kein Geld bekommen haben – und Materialprobleme, es reicht nämlich nicht, um den Ganzkörper-Perseo zu gießen, verstärken die problematische Situation. Der schlaue Hallodri Cellini meistert aber auch diese Herausforderung und lässt kurzerhand alles was glänzt und aus Metall ist – darunter auch die Hutspitze des Papstes – ins Feuer werfen (die Wachen können ihre Helme gerade noch retten). Ende und  Alles wird Gut!

Als Komische Oper gedacht, ist die Struktur leicht und luftig. Berlioz hat allerdings viele spannende Rezitative eingebaut und vielleicht gerade weil es keine großen Arien darin gibt, ist es so unterhaltsam und anregend, da das Warten auf die nächste „wichtige“ Arie wie so oft im Belcanto, wegfällt. Ein wichtiger Teil der Oper ist die grandiose Karnevalsszene im ersten Akt.

Die Uraufführung in Paris war ein Reinfall, aber das ist ja bei Uraufführungen in Paris nichts Neues. Erfolg hatte die Oper erst nach einer Aufführung in Weimar, von Liszt dirigiert (1852), der Berlioz einige Änderungen vorgeschlagen hatte.

Diese römische Produktion ist eine Ko-Produktion mit der English National Opera und der Nationale Opera Amsterdam. Die Kostüme hat Katrina Lindsay entworfen. Der Leiter des ausgezeichneten römischen Chores ist Roberto Gabbiani.

Viel Spaß und gute Laune. Ein herrliches Spektakel!

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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La sete di Christo – CD Besprechung

La sete di Christo

Concerto Romano hat Anfang Februar 2016 den klassischen Musikmarkt erneut um ein vor-barockes und seltenes Schmankerl bereichert.

Nach der originellen CD Sacred Music for the Poor oder die schöne Zusammenstellung von Musik, die Martin Luther in Rom umgeben hat, hat Alessandro Quarta nun mit seinem Ensemble Concerto Romano  Bernardo Pasquinis (1637-1710) Oratorium La sete di Christo aufgenommen.

In La Sete di Christo (Das Dürsten Christi) wird das fünfte der sieben Kreuzesworte „Mich dürstet“ (Joh 19,28) behandelt.   Ein Vier-Personen-Stück auf dem Kalvarienberg, unter dem Kreuz von Jesu. Die Protagonisten sind einmal eine selbstlos-ergebene und von Trauer geprägte Mutter Maria, ein heißblütiger und impulsiver Johannes, ein eher untertäniger und ergebener Josef von Arimathäa und ein hitzig-entbrannter Nikodemus. Dieses Aufeinanderprallen von Leidenschaft, Trauer, Schmerz und Euphorie prägen das abwechslungsreiche Werk und lassen es ebenso lebhaft und farbenfroh wie philosophisch-schlicht erscheinen. Beim Hören dieser Musik zieht die religiöse Kunstgeschichte an unseren Augen vorbei und Kreuzabnahmeszenen wie bei Girolamo, Rubens oder bei den innig-stillen Flamen oder Botero, dessen Via Crucis gerade in Rom zu sehen ist.

Pasquini hat dieses Oratorium 1689 zu einem verbal lebendigen Libretto von Nicolò Minato komponiert. Gefördert von Kardinal Pietro Ottoboni, der  gerade dem Höhepunkt seines Wirkens entgegenstrebte. Im 16. Jahrhundert hatten einige Familienmitglieder der Ottoboni  bedeutende Ämter inne, u.a. auch in der Diplomatie und bei der Kurie.  Der erste, der in die Prälatenlaufbahn eintrat war also Pietro Vitto Ottoboni, selbst dichtend und musizierend, wurde er 1652 Kardinal und 1689, als Nachfolger des asketischen Innozenz XI, zu Papst  Alexander VIII. Unter ihm lebte der römische Karneval neu auf und Opern- oder Theateraufführungen durften wieder stattfinden. Begleitet wurde diese kulturelle Renaissance auch von einem Wiederaufleben des Nepotismus‘ („ Beeilen wir uns, denn es hat schon die dreiundzwanzigste Stunde geschlagen“, pflegte er zu sagen; aber das ist eine andere Geschichte).

Nun zu dem schönen Werk: Es beginnt mit einer zarten Adagio Sinfonia, die mit einem  an die Renaissance erinnernden Allegro direkt zu Marias klagender Eröffnung führt. Johannes, Josef und Nikodemus antworten ihr. Es folgt ein Aufzählen von quälenden und hoffenden  Qualen bis sich die zwei Paare Maria und Johannes sowie Joseph von Arimathea und Nikodemus herauskristallisieren und jeder auf seine Weise lamentierend die Tat beschreibt und seine Beziehung zu Jesus darlegt. Hier wird ein Bogen gespannt zwischen Leid, Schmerz, Schuldgefühl, Hoffnung, die mit dramatisch, abwechslungsreichen und harmonisch-aufregenden Arien, Duo und Triopartien und mit wunderbarem Instrumenteneinsatz auf einen Höhepunkt und in den zweiten Teil führen. Dieser beginnt mit der Stimme von Jesus, die auch nur ein einziges Mal zu hören. Sein  „Mich dürstet“ kommt direkt aus dem Keller. Diese zwei Wörter haben  dem Werk auch den Namen gegeben und sorgen im Verlauf der Geschichte für eine musikalisch und textlich fantasievolle Aufzählung von Gleichnissen und Bildern, die allesamt mit Wasser und Trinken zu tun haben. Überraschungsmomente,  fast wie bei Mozart,  auf Seite der vier Trauernden unterm Kreuz. Pasquini hat hier eine erstklassige Barockkantate geschaffen.

Der italienische Bariton Mauro Borgioni ist auf Renaissance- und Barockmusik spezialisiert und ist ebenso wie Alessandro Quarta an der Aufspürung von unbekannten Partituren und deren Interpretation interessiert. Er singt mit seinem schönen Bariton,  Hingabe und Temperament  den Pharisäer Nikodemus, die einzig dunkle Stimme in dem Werk (bei seinen Arien muss man unweigerlich an Vivaldis Tito Manlio denken). Der Spanier Francisco Fernández-Rueda ist ein Barocktenor. Er ist ein überzeugender junger Johannes. Rueda  spielt in der internationalen Oberliga und singt u.a. mit William Christies Les Arts Florissants. Die Sopranistin und Mutter Jesu, Francesca Aspromonte und der italienische Tenor Luca Cervoni, der den bedächtigen Josef von Arimathäa singt, sind Dauergäste bei Concerto Romano und haben  u.a. bei der wunderbaren Scarlatti Produktion „Giuditta“, mitgewirkt, die 2014 in Rom mit großem Erfolg aufgeführt wurde.

Bernardo Pasquini, Zeitgenosse von Corelli und Scarlatti, hat mit dieser Komposition die differenzierte Auseinandersetzung der Anwesenden bei der Kreuzigung von Jesu  ausgesprochen melodiös und klangvoll verarbeitet. Er ist 1710 verstorben, da hielt sich der junge Georg Friedrich Händel gerade in Rom auf und sog alles auf, was an ihm vorbeizog. Unzweifelhaft hat das seinen späteren Stil geprägt. Seine italienischen Kantaten klingen wie eine Fortsetzung dieses Oratoriums.

Man kann Alessandro Quarta nicht genug rühmen für seine Arbeit und nur Gutes über diese Aufnahme und ihre Interpreten sagen.

Christa Blenk

 

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