Repercussion

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Repercussion in Brüssel – Theater Vaudeville

 

Den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstlerinnen und Künstler gibt es seit 1957. Er wird jährlich an überdurchschnittlich begabte junge Menschen im Bereich der Kunst verliehen. Der Gewinner 2018 ist das Ensemble Repercussion (Johannes Wippermann, Veith Kloeters, Simon Bernstein, Rafael Sars). Gestern Abend sind sie zum ersten Mal in Brüssel in einem wunderschönen Theater aus dem 19. Jahrhundert, im Theater Vaudeville, aufgetreten. Auf den ersten Blick passt dieses Haus in der eleganten Galerie de la Reine gar nicht zu Perkussionsmusik. Aber nur auf den ersten Blick! Der Raum hat die Musiker und die Musik sehr gut aufgenommen.

Repercussion produziert klassische Töne, modern eingepackt, mit Elektronik versetzt und garniert die Auftritte mit einer exzellenten Performance. Sie verstehen es, schwierige Abläufe ganz leicht aussehen zu lassen und die Bewegungen der Marimba-Schlegel sind so schnell, dass sie unscharf werden und sich verflüchtigen. Berührungsängste gibt es nicht, das Ensemble spielt Bach genauso leidenschaftlich wie Steve Reich.

Sympathisch und unkompliziert führen sie durch den fulminanten Perkussions-Abend, der mit einer Komposition des Minimal-Komponisten Steve Reich beginnt.  „Music for Pieces of Wood“ ist ein Arrangement von Repercussion und wird auf vier kleinen Hölzern gespielt. Die Musik von Steve Reich ist wie eine Reise mit dem Zug durch eine Landschaft, die sich offensichtlich nicht verändert und trotzdem bei jedem Blick aus dem Fenster anders ist.

Weiter geht es mit einem weiteren Arrangement des Ensembles von „Sculture in Wood“ von Rüdiger Pawasser. Das Stück „Kyoto“  des Neuseeländers John Psathas ist für Schlagzeug und Elektronik und kommt sehr melodisch daher. Gleich darauf folgt eine echte Performance der Schnelligkeit von drei  Spielern auf einer Trommel. „Trio per Uno“ ist von Nebosja Zivkovic.

Im Anschluss eine Eigenkomposition von Repercussion mit dem Arbeitstitel „Sonic Space“. Hier lädt das Ensemble ein, einen neuen Namen für das Stück zu finden. Wir schlagen – nach dem Hören – vor, es „Conversation with a sonic ghost“  zu nennen.

Das Konzert endet mit einem concertino der Japanerin Keiko Abe. Sie hat die Marimba salonfähig gemacht. « The Wave » ist das längste und interessanteste Stück des Abends in vier Sätzen mit Gesten und Worten. Hier geht es um eine schwierige Verhandlung, mit streitsüchtigen, lauten Dialogen, Einlenkungsversuchen, ruhigem Nachdenken das wohl in Einvernehmen ausartet.

Großartiger Konzertabend mit Repercussion, die sicher eine bedeutende musikalische Zukunft vor sich haben, wie übrigens viele der Förderpreisträger NRW . Darunter sind u.a. Peter Schamoni , Günther Uecker , Pina Bausch, das Auryn Quartett, Isabelle Faust oder Lars Vogt.

Christa Blenk

 

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Chamber Music for Europe – Biennale – Mieczyslaw Weinberg

Zerrupfte Töne auf der Flucht

1996 ist der polnische Komponist Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) verstorben. Im Westen kannten ihn nur wenige. Die Konzerte anlässlich seines 100. Geburtstages sollen dies hoffentlich ändern. In Brüssel wurden im Rahmen der Biennale « Chamber Music for Europe » – in Zusammenarbeit mit dem polnischen Kulturinstitut in Brüssel -  vom 6. – 8. Dezember 2019  mehrere Werke des polnischen Komponisten an drei unterschiedlichen, sehr schönen, Orten (Chapelle Protestante, Palais des Académies, Conservatoire royal de Bruxelles)  aufgeführt.

Schneestürme, Klirrende Kälte, leises Rieseln, lustiges Schneetreiben, vorsichtige Eisbegehung, turbulente Schlittschuhe auf dem dicken Eis und temperamentvolle, unkontrollierbare Schneeflocken und viel Trauer. Das empfindet man bei Weinbergs Klavier- und Streicherkompositionen.

Am 8. Dezember spielte das Trio Khaldei im Brüsseler « Palais des Académies“ Weinbergs Klaviertrio op. 24. Im Anschluss stand das Klavierquintett op 18 (1944) auf dem Programm. Ausgezeichnet interpretiert vom Silesian Quartett mit Victor Chestopal am Klavier.

 

Silesian quartet
Silesian Quartet

 

Das Klavierquintett ist ein Meisterwerk und besteht aus fünf Sätzen, die im Schlagabtausch zwischen Klavier und Streicher versuchen, Chaos und Unsicherheit in Ordnung und Frieden zu verwandeln. Im Entstehungsjahr 1944 lebte Mieczyslaw Weinberg schon in der Sowjetunion. Weinberg, der Sohn eines jüdischen Musikers, hatte kurz vor Kriegsende eine unruhige Zeit, geprägt von Flucht und Verlust, Verfolgung und Neubeginn hinter sich.  Seine Musik ist geprägt von dramatisch-wütenden Verfolgungsszenen, die in schwermütige, tänzerisch-seidige Melancholie übergeben. Existenzialistische Jazzelemente leiten zu pastoralen Walzertakten. Das Piano donnert, die Geigen klirren und erzählen von Kälte, Angst und Furcht. Komponieren war seine Lösung, mit Trauer umzugehen oder zu trauern. Jede Note erzählt eine Geschichte, die meist nicht gut ausgeht. Große Emotionen werden hier freigelegt und Verzweiflung mündet immer wieder in unschlagbare Hoffnung. Aber dann braucht er wieder ein wenig Erholung und lässt einen irischen Squaredance der Streicher in wirbelnden Rock n’Roll des Klaviers münden.

Und dann  andächtige Stille. Die Streicher lassen ihre Bögen langen nicht sinken.

1939 musste Weinberg sein Studium in Warschau abbrechen und kam auf Umwegen über Minsk nach Moskau. 1941 musste er erneut wegen des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion fliehen und landete in Taschkent. In dieser Zeit entstand seine Freundschaft mit Schostakowitsch, der ihn auch nach Moskau holte, ihn immer unterstützte und sein großes Talent erkannte. Viele Mitglieder von Weinbergs Familie kamen im KZ ums Leben. Bekannt wurde Weinberg vor allem mit der Musik für den Film „Die Kraniche ziehen“ (1957). Das Durchgemachte während des NS Zeit hat immer wieder Einzug in seine Musik gefunden. In der Oper Die Passagierin, die als sein Hauptwerk gilt, arbeitete Weinberg das Thema Auschwitz auf. Sie wurde vor ein paar Jahren  als Weltpremiere bei den Bregenzer Festspielen aufgeführt. Die Passagierin darf durchaus mit den großen Opern des 20. Jahrhunderts wie Wozzeck, Billy Budd oder Elegie für junge Liebende verglichen werden. Man versteht sowieso nicht, wieso Weinberg solange praktisch « unentdeckt » bleiben konnte.

 

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Trio Khaldai

 

Das junge Brüsseler Trio Khaldei (Barbara Baltussen, Piano; Pieter Jansen, Geige; Francis Mourey, Cello) überzeugte mit Perfektion und Einfühlsamkeit.

Star der Matinee war allerdings das polnische Ensemble “Silesian Quartet” (Piotr Janosik, Cello; Szymon Krzeszowiec, Geige; Arkadiusz Kubica, Geige; Łukasz Syrnicki ,viola). Es ist eines der renommiertesten Kammermusikensembles in Polen, aber auch im Ausland sehr bekannt. Sie haben vor allem zeitgenössische und moderne Musik in ihrem Repertoire. Durchdringend, angespannt, ausdrucksstark, voll von gedeckten Farben und technisch perfekt hat das Silesian Quartett das Klavierquintett vorgetragen und mitgefühlt.

Der finnische Pianist und Musikologe russischen Ursprungs Victor Chestopal (*1975) hat in Finnland, Italien und Deutschland studiert und sich auf Kammermusik spezialisiert.

Weiterhin standen in diesen vier Weinberg-Tagen unterschiedliche Quartette  sowie das Concertino für Cello und Streichorchester op 43 und die Fantasie für Cello und Orchester op 52 auf dem Programm.

 

Winter Oberbayern
(c) Sebastian Blenk
 

s.a. Besprechung Noga Quartett bei den Zehlendorfer Hauskonzerten

 

Christa Blenk

 

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George Kaplan – Theater

balsamine Theater
Balsamine Theater in Schaerbeek

 

Mit „Pink boys and old ladies“ hat das Theater Balsamine in Schaerbeek Ende September 2019 die Saison eröffnet. Ausverkauft war das Haus auch bei einer Kurz-Oper mit beeindruckenden Stimmen  „Ce qui vit en nous“ Anfang November.

Die Dezember-Produktion heisst „George Kaplan“ und warum bloß kommt uns der Name so bekannt vor?

Fünf schwarz gekleidete Personen mit Masken, die an das griechische Theater denken lassen, befinden sich inmitten des Publikums und diskutieren. Dann nehmen sie nacheinander die Masken ab. Worum geht es hier?

Eine von einer Identitätskrise geschüttelte im Untergrund agierende politische Gruppe, die unter dem Namen RZ1GK agiert, versucht die Welt zu verbessern. Ihr Hauptproblem hat sich darauf reduziert, warum der Kaffee so schlecht und billig ist und wer die Tassen spült. Vielleicht wohnen wir aber auch einer Versammlung von Gewerkschaftlern teil, die – um Gerechtigkeit auf der Welt zu erreichen – sich dafür einsetzen, der gesamten Weltbevölkerung den Namen George Kaplan zu verleihen. Aber schon nach kurzer Zeit will eine der fünf Personen ausbrechen und nicht mehr George heißen. Die Probleme der Gruppe, ihr Projekt zu definieren, sind offensichtlich und unlösbar.

Im zweiten Akt vereint sich eine Gruppe von Sriptschreibern auf der Suche nach einem neuen Konzept und präsentiert einer gegenüber sitzenden Jury Projekte und Ideen. Aber kein Vorschlag kann sich wirklich durchsetzen. Auch sie sind von hoffnungslosen Entscheidungsblockaden gehemmt. Ach ja, und so nebenbei erfährt man noch, dass einer der Fünf Georges wohl versehentlich das Verteidigungsministerium eingeschaltet hat. Die Paranoia kann beginnen.

Ja und dann geht uns natürlich das bekannte Licht auf, als plötzlich Cary Grant auf der Flucht vor einem Flugzeug vor uns erscheint. Das ist es!  Letzterer schlittert als George Kaplan in dem Hichkock Film « North by Northwest » (auf deutsch: « Der unsichtbare Dritte ») von einem Abenteuer ins nächste, auch ohne zu wissen, warum alles was passiert, passiert.  

« George Kaplan » ist noch bis zum 4.12. im Theater Balsamine in Schaerbeek zu sehen und unbedingt empfehlenswert.

Der Text stammt von Frédéric Sonntag. Stückgerecht heißen die Protagonisten des Abends George Cagna, George Cheverry, George Dehasseler, George Garnier-Fourniguet und George Texier – aber schließlich befinden wir uns ja im Land der Surrealisten.

Christa Blenk

 

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GIER – Weimar – Die erhitzte Republik

flyer Gier

 

Babylon Hamburg oder die Gier nach Freiheit

Theater geht überall: Sagt sich das Axensprung Theater und reist zum Publikum.  Viermal schon ist die kleine Theatergruppe in Brüssel aufgetreten, jedes Mal mit einer neuen Produktion. Dieses Mal haben sie „Gier:  Weimar – die erhitzte Republik“ mitgebracht. Die Premiere dieses brandneuen Stückes hat am 31. Oktober 2019 im Museum für Hamburgische Geschichte stattgefunden.

Die fünf Schauspieler Oliver Hermann, Angelina Kamp, Mignon Remé, Erik Schäffler und Markus Voigt schlüpfen im Verlauf der Vorstellung in unterschiedliche Rollen und so wird aus der oberflächlichen Lucy eine Journalistin oder eine politische Aktivistin und aus dem kriegsverletzten Architekten Paul ein Völkischer. Das kommunistische Geschrei unterscheidet sich nur in der Wortwahl von dem der Rechtsradikalen. In 90 Minuten wird die Geschichte eine Gruppe unterschiedlicher Personen gespielt, erzählt und mit  Song-Einlagen erklärt und die Welt beschrieben. Politisch, poetisch, intelligent, feinfühlig, voller Leidenschaft und Freude am Theater. Man kauft ihnen jedes Wort ab.

Hamburg 1922:   hoffnungslose Arbeitslosigkeit, Hyperinflation, politische Isolation, Hunger, Kriegsfolgen, Umsturzversuche münden in hoffnungsvolle, ausufernde Vergnügungssucht, Vergessen und umstürzlerische Freiheitsgedanken aber auch in Rechtsradikalismus. Frauen dürfen zum ersten Mal wählen und gesellschaftliche Hierarchien werden übersprungen. Experimentelle Kunst floriert und kann zensurfrei gedeihen. Die Kreativität von Maler, Schriftsteller und Musiker explodiert. Jazz- und Tanzlokale definierten die „Goldenen Zwanziger“ Jahre – jedenfalls für einen kleinen Teil der Gesellschaft – und bilden einen krassen Gegensatz zu den ausgedehnten Armenvierteln. Im Stück vermischen sich fiktive Personen mit real-historischen wie Walter Rathenau, Matthias Erzberger oder Fritz Schumacher.

Martha Knies (Mignon Remé) flüchtet sich mit ihren Kindern in eine kleine Wohnung in der Hamburger Problemzone, dem „Gängeviertel“. Die KPD, der sie sich anschließt, entdeckt ihr künstlerisches Talent  und ermöglicht ihr ein Studium an der Kunstgewerbeschule. Dort lernt sie die freigeistige, impulsive und politisch uninteressierte Jüdin und Nichte des Schriftstellers und Verlegers Herwarth Walden, Lucy (Angelina Kamp), kennen. Die Frauen freunden sich an, obwohl sie komplett unterschiedlich sind. Martha ist eine politische Aktivistin und Lucy liebt nur das Leben und die Liebe. Lucy und die Avantgarde faszinieren Martha. Ein wenig widerwillig, da nicht mit dem kommunistischen Gedankengut vereinbar, begleitet sie Lucy im luxuriösen Charleston-Kleid zum alljährlichen Künstlerfest ins Curiohaus. Dort treten u.a. der junge Gustaf Gründgens, Mary Wigman, Hans Hanny Jahnn oder Victor de Kowa auf. Dieser ungezügelte und liederliche Lebenswandel soll ihr später zum Verhängnis werden, denn ihr Mann Rudolf Knies (Markus Voigt),  den sie wegen allzu rechtsradikaler Gedanken verlassen hat, will dem gemeinsamen Sohn eine völkische Erziehung angedeihen lassen. Knie kommt wegen seiner Teilnahme am Kapp-Putsch ins Gefängnis und schließt sich später der geheimen, rechtsradikalen Organisation Consul an, die Jagd auf mutmaßliche Verräter an der deutschen Sache macht und die junge, fragile Republik destabilisieren will.  Ein weiterer Mann in Marthas Leben ist Andersen (Erik Schäffler). Ein ehemaliger Hilfskellner, der sich zum Drogenhändler und Spekulanten hochgearbeitet hat und der durch die Inflation reicht und mächtig wird. Martha erweckt seinen Beschützerinstinkt und den Gut-Menschen in ihm.

Dann gibt es noch den Jazzmusiker Karlo, der in bekannten Vergnügungspalästen wie dem „Kakadu“ auftritt und ansonsten Probleme mit kriminellen Geldverleihern hat, zu denen auch Andersen gehört.

Auch der vom Krieg stark entstellte Architekt Paul Schätzing (Oliver Hermann) gehört in die Geschichte. Er liebt Martha, soll aber das unruhige und auch gefährliche Gängeviertel, in dem sie lebt und sich dort vor ihrem Mann – ohne Erfolg – versteckt hält, abreißen. Später merkt er, dass auch diese vermeintliche Reformation zum Zeitgeist der Spekulation gehört. Thälmanns harter Kurs lässt Martha später zur SPD wechseln und sie zieht wahrscheinlich in die Wohnung, die Paul ihr mit dem Geld von Andersen gekauft hat.

Sehr viel Stoff für knappe 90 Minuten, aber die Fünf schaffen es, ihn locker und problemlos und mit souveräner Eleganz herüberzubringen ohne offene Fragezeichen zurückzulassen.

Das Bühnenbild besteht aus einer Kleiderstange mit unterschiedlichen Mänteln und Mützen, einer spanischen Wand, einem Sofa und ein paar Gläsern. Filme auf einer Leinwand hinter der Bühne zeigen Fotomaterial und Zeitungsausschnitte aus den 1920er Jahren. Ein wichtiger Faktor ist außerdem die Livemusik aus der Zeit.

Text und Regie von Gier stammen von Erik Schäffler, die Musik von Markus Voigt.

Der Produzent Oliver Hermann wollte in den 1990er Jahren vom Fernsehen wieder zum Theater zurück. Anlässlich einer Ausstellung in Hamburg über den Untergang der Titanic hat er sich die Frage gestellt:  „Was ging im Kopf eines Auswanderers vor, der damals auf einem dieser Schiffe nach Amerika ausreiste?“ Gemeinsam mit dem Musiker Markus Voigt entstand das Soloprogramm „Der Auswanderer“ .  Ein singender Schauspieler und ein schauspielender Musiker haben das Theater Axenprung aus der Wiege gehoben und sich auf diese historisch-realistischen und fiktiv-biografischen Reisen in die Weimarer Republik spezialisiert. 

Das generell reduzierte Bühnenbild ist dem Bewegungsprofil der Gruppe geschuldet. Denn sie treten in Schulen, in Museumsfoyers, in Gedenkstätten, auf Schiffen oder in öffentlichen Gebäuden auf. Den Anstoß kann eine Feldpostkarte, ein Zeitdokument,  Bilder von Otto Dix oder Fritz Ascher aber auch  die Lyrik von August Stramm geben.

Christa Blenk

www.axensprung-theater.de

 

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Paul Delvaux zu Gast in Train World

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 Paul Delvaux im Brüsseler Train World  für KULTURA EXTRA

Mit der Fusion von Eisenbahn und Malerei beschäftigt sich zurzeit das Brüsseler Museum Train World, Station Schaerbeek. Dort hängen seit Mitte Oktober ca. 50 Werke des belgischen Surrealisten Paul Delvaux (1897-1994) zwischen romantischen Dampflokomotiven, königlichen Zugabteilen, Bahnhofsuhren, Bahnsteigen und Hochgeschwindigkeitszügen. Warum gerade dort, wird man sich fragen? Delvaux liebte Züge, und eine schönere Hommage zu seinem 25. Todestag hätte die SNCB dem Künstler nicht anbieten können.

Die Werbung greift immer noch und immer wieder auf die Abbildung von Frauen zurück, wenn es darum geht, schnelle Autos oder sonstige fahrbare Untersätze zu vermarkten. Die Modelle räkeln sich in gestellten Posen auf dem glänzenden, teuren Metall oder stützen lässig ihre Hand auf die offene Autotür. Bei den Bildern von Paul Delvaux ist keine Werbung im Spiel, bei ihm ist es pure Leidenschaft für alles, was mit weißem Dampf, Lokomotiven, Schienen, Bahnhofsgebäuden und Gepäck auf Bahnsteigen zu tun hat – mit Fortbewegung.

Paul Delvaux hat fast 100 Jahre gelebt und eine rasende Veränderung in der Eisenbahngeschichte miterlebt. Diese Evolution allerdings sieht man seinen Bildern nicht an. Sie haben die Epoche der IC oder ICC nicht erreicht.  Die Frauen von Delvaux sind emotionslos, unbeteiligt, meist unbekleidet und unerotisch. Sie stehen oder liegen neben oder meist vor blankpolierten Zugelementen, Bahnhofshallen oder Eisenschien und blicken mit großen Augen nicht mal auf die Züge. Die mysteriöse, verhaltene Erotik der Delvaux-Frauen erinnert an Manets Olympia, an Ingres Odaliske oder an die surreal-naiven Landschaften des Douanier Rousseau. Die gleichgültige, tickende Kälte ist dem Surrealismus seines Landsmannes René Magritte und der metaphysischen Malerei des Italieners Giorgio de Chirico geschuldet. Beide waren es, die ihn zur Malerei und 1920 mit dem Zug nach Brüssel brachten.
Train World hat seine Türen für die Öffentlichkeit erst 2015 geöffnet. Der belgische Comic-Künstler François Schuiten hat das Museum mitkonzipiert und seine Handschrift hinterlassen. Den königlichen Wagon mit seinem plüschigen Wohnzimmer kann man nur durch das Fenster betrachten, alle anderen Züge oder Loks dürfen betreten und begangen werden. Koffer und Holzschier warten auf dem Bahnsteig, und das Werbeplakat der Bahn verspricht den geneigten Sportler an einem Tag in die oberbayerischen Bergen zu bringen oder in drei Stunden an die Nordsee. Eisenbahnromantik zum Anfassen wie der Wagon, der unmittelbar an Agatha Christies Klassiker Mord im Orient-Express denken lässt. Und für die zukünftigen, jungen Lokführer gibt es sogar einen Fahrsimulator.

Im 1. Stock soll man vor dem Betreten der dunklen Eisenbahnhallen die vorbereitenden Zeichnungen oder Aquarelle von Delvaux besichtigen, immer wieder sieht man den Gare du Luxembourg, wo er vor knapp 100 Jahren ankam; heute ist das der Bahnhof direkt neben dem Europäischen Parlament, von dem aus die EU Beamten schnell zum Flughafen kommen, allerdings nicht mehr mit einer Dampflok!
Die Schau Paul Delvaux. De man die van treinen hield [dt.: Der Mann, der Züge liebte] zeigt u.a. Meisterwerker wie Le voyage légendaire (1974), La gare forestière (1960) oder L’âge de fer (1951) und kam durch die Kooperation mit Train World und der Stiftung Paul Delvaux zusammen, die die weltweit größte Sammlung des Surrealisten besitzt. Viele dieser Exponate sind sonst in Sint-Idesbald bei Koksijde an der belgischen Küste zu betrachten.

Auf dem Platz vor dem Bahnhof von Schaerbeek steht ein Güterzuggepäckwagen vom Type Flamme, den Paul Delvau mehrmals in seinen Werken abbildete. | Foto: Christa Blenk
Der Besuch dieses Museums ist großer Spaß, auch wenn man sich nicht für Malerei interessiert – oder umgekehrt. Der Eintritt kostet 12 Euro und schon mit dem Erwerb eines Tickets betritt man eine andere Welt.

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Christa Blenk

 

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Jeanne d’Arc au Bûcher

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Ida Rubinstein von Cristina Crespo 

 

Jeanne d’Arc au Bûcher von Arthur Honegger in der Brüsseler Oper La Monnaie   für KULTURA EXTRA

Ida Rubinstein, die russische Tänzerin und Schauspielerin, unterstützte oder produzierte des Öfteren Aufführungen, immer unter der Bedingung, dass sie selber auch eine Rolle darin übernehmen konnte. Angeregt durch die Aufführung eines Mysterienspiels an der Pariser Sorbonne gab sie 1934 bei  Arthur Honegger ein Musikwerk in Auftrag, das die Geschichte der Johanna von Orleans behandeln sollte. Als Librettisten hatte sie den gläubigen Katholiken und Poeten Paul Claudel ins Auge gefasst, der aber – aufgrund des heiklen Themas – erst einmal ablehnte. Claudel war zu der Zeit gerade französischer Botschafter in Brüssel. Im Zug von Paris nach Brüssel überkam ihn allerdings eine Vision und er nahm den Auftrag an. Es hat dann nur ein paar Wochen gedauert, bis das Libretto fertiggestellt war. 

Die Produktion von Castellucci, die bei der Uraufführung vor zwei Jahren in Lyon schon bei einigen Katholiken für Polemik sorge, wird gerade an der Brüsseler Monnaie Oper aufgeführt und hier haben religiöse Gruppen sogar gefordert, alle sechs – komplett ausverkauften Vorstellungen – abzusagen. Grund ist vor allem die Metamorphose des männlichen Hausmeisters zur Heiligen Johanna. Dass diese auch meist nackt auf der Bühne ist, hat sicher diese Forderung noch verstärkt.

Der italienische Regisseurs Romeo Castellucci verlegt die Handlung in ein Klassenzimmer der 1960er Jahre. Die Neonbeleuchtung flackert, die Wände sind angeschmuddelt, an der Wand die typischen Kleiderhaken und Landkarten. Es findet gerade eine Prüfung statt und die Mädchen lassen keine Gelegenheit aus, voneinander abzuschreiben oder sich gegenseitig Spickzettel zuzuwerfen. Es klingelt, die Zeit ist um, und Alle rennen aus dem Raum. Die Musik hat noch nicht eingesetzt. Dann humpelt der Hausmeister in den Raum und fängt an, die Stühle und Schulbänke aus dem Raum zu schaffen. Er arbeitet immer schneller, atmet heftig und die letzten Möbelstücke fliegen praktisch in den Gang, so als ob er einen Zeitplan einzuhalten hätte. Er nimmt dem Zimmer alles, was es als Unterrichtsraum identifizieren könnte und reißt sogar das Linoleum heraus, bis er auf Erde stößt und mit den Händen zu graben anfängt. Dann verriegelt er die Tür von innen. Immer noch herrscht Stille, sie dauert ca  10 Minuten, bis schließlich Musik und Chor einsetzen. Die Sänger und der Chor befinden sich in unterschiedlichen Logen und sind nicht zu sehen.

Kazushi Ono dirigiert mit einer unglaublichen Leichtigkeit in alle Richtungen. Das Publikum ist von Tönen eingeschlossen. Auf der Bühne passiert sonst nicht viel, nur dass das Loch im Boden immer größer wird. Mittlerweile will Jeannes Bruder Dominique mit Polizisten und der Lehrerschaft die Tür einreißen, schließlich soll es ja eine Verhandlung geben. Sie erkennt ihn, macht aber nicht auf.  Mit der Verwandlung des  Hausmeisters in eine langhaarige Jeanne d’Arc verändert sich auch die Stimme, sie wird kräftiger, determinierter. Zwischendurch reitet Jeanne auf einem Besen über die Bühne bis sie nicht mehr kann, dafür legt sie das große Schwert weg.

Paul Claudel hat den Vorsitz in diesem Tierprozess dem cochon (Schwein) übertragen.  Der Bischof von Beauvais, der seinerzeit den Vorsitz im Prozess gegen Jeanne d’Arc innehatte, hieß Pierre Cauchon (Cauchon und cochon haben die gleiche Aussprache!).  Die Geschworenen sind Schafe, der Schreiber ist ein Esel.

Jeanne, mittlerweile nackt, gräbt immer weiter, reißt Pflanzen und Wurzeln heraus und schaufelt sich ihr eigenes Grab. Der Tod, in Form einer weiteren, viel älteren nackten Frau,  unterstützt sie bis Jeanne zuckend das Zeitliche segnet und vom Tod in das selbst gegrabenen Loch befördert wird. Feuer gibt es keines, allerdings scheint es nach Feuer zu riechen. Als alles vorbei ist, bekommen die Polizisten und Dominique endlich auch die Tür auf und finden nur noch Verwüstung vor.

Kazushi Ono, der auch vor zwei Jahren in Lyon dirigierte, hat am Pult vor einem großen Orchester de la Monnaie Wunderbares vollbracht. Unter den Instrumenten sind auch die Ondes Martenot, ein elektronisches Tasteninstrument, das zu Honeggers Zeit erfunden wurde. Die Ondes begleiten den Aufritt der Höllenhunde. Ono hat jede einzelne Stilart von Honeggers Musik – und das sind viele -  herausgearbeitet und ihr einen Platz gegeben. Gregorianische Chöre, Hofmusik aus der Renaissance bis hin zu Bach, Jazzfragmenten und Volksmusik. Letztere begleitet die Tiergerichts-Verhandlung.

Der Schweizer Komponist Arthur Honegger (1892 – 1955) gehörte zur „Groupe de Six“. Sein  szenisches Oratorium in 11 Bildern  „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ wurde konzertant kurz vor dem Zweiten Weltkrieg 1938 – mit Ida Rubinstein als Jeanne -  in Basel  mit großem Erfolg uraufgeführt. Diese Komposition ist eine perfekte Fusion von Schauspiel und Oratorium. 1939 bei der französischen Premiere in Orléans musste Ida Rubinstein sich vom reaktionären Publikum beschimpfen lassen. Als Jüdin hätte sie nicht das Recht, die Rolle einer französischen Katholikin und Nationalheldin zu spielen.  Zwei Jahr später machte Frankreich dies aber mit 40 erfolgreichen Auftritten durch das „Ensemble Chantier Orchestral „ landesweit wieder wett.

Audrey Bonnet ist eine umwerfende Jeanne d’Arc. Sie gibt alles und ist sichtlich am Ende physisch erschöpft. Bonnet hat – wie ihr Bruder Dominique (Sébastian Dutrieux) – eine Sprechrolle. Beide sind auch in Lyon aufgetreten.

Viel Applaus und Zustimmung.

Weitere Aufführungen finden am 10. Und 12. November statt.

Christa Blenk

 

 

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Bacon und die Literatur

Ausstellungsplakat -1

Centre Pompidou Paris

Bacon und die Literatur  (für KULTURA EXTRA)

Immer und immer wieder hat Francis Bacon den spanischen Papst Innozenz X nach Diego Velázquez gemalt. Die erste und sicher faszinierendste Version stammt aus dem Jahre 1953. Unverkennbar die Position der Velazquez-Vorlage und unverkennbar der Stil von Bacon. Der Papst schreit animalisch, würdelos und ganz unpäpstlich auf den Betrachter, auf die Welt. Der schwarze Schlund führt direkt in die Hölle. Ein käfigartiges, geometrisches Gestänge hält ihn gefangen. Lila-weiß-schwarz-gelb sind die Hauptfarben.  Diese Bacon-Wut manifestiert sich immer wieder in seinen Bildern. Übrigens hat auch der große spanische Maler dem Papst im 17. Jahrhundert mit seinem strengen, realistischen Portrait nicht schmeicheln wollen. „Troppo vero“ (allzu wahr) soll der Heilige Vater bei Betrachtung seines Konterfeis gesagt haben.

Die Ausstellung im Centre Pompidou beginnt mit  „Study of Red Pope“ (1962)  aus Bacons Innozenz  X-Serie. Die unterschiedlichen Interpretationen, warum Bacon immer wieder das Papstportrait aufnehmen wird, gehen von Rache an seinem Vater (im italienischen heißt der Papst „Papa“) bis hin zu Bacons Vorliebe für Spitzen und schöne Stoffe oder Travestie-Kleidung. Bacon widerspricht keiner der Theorien. Exzessiver Katholizismus dürfte es jedenfalls nicht gewesen sein.

In den folgenden Räumen gerät der  Betrachter immer weiter in Bacons Triptychon-Welt. Wutentbrannte, rachsüchtige Erinnyen jammern und klagen sich durch die Antike, bis sie dank Athene zu wohlgesinnten, aber schuldigen Eumeniden mutieren. Gewalt und Rache wird beendet, die Gerechtigkeit triumphiert und Chaos verwandelt sich in Ordnung.  Derwische sausen zwischen den geometrischen Konstruktionen im Bild umher, oder sind es vielleicht Kreaturen aus der Zukunft, aus dem All, aus der Meerestiefe? Die griechische Tragödie hat es Bacon angetan und  Aischylos gehört definitiv zu seinen Lieblingsdichtern. Er lernt ihn über T.S. Eliot schon in den 1930er Jahren kennen.

Und natürlich immer wieder George Dyer, sein Lieblingsmodell und Partner zwischen 1963 und 1971. Angeblich haben sie sich kennen gelernt, als Dyer bei ihm einbrechen wollte. Die stürmische und unsichere Beziehung der Beiden hält doch fast acht Jahre. George  Dyer wird sich am Vorabend der großen Bacon-Retrospektive im Pariser Grand Palais das Leben nehmen. Das Triptychon „In Memory of George Dyer“ entsteht kurz nach seinem Tod. Die Tragik manifestiert sich in großer Symbolik. Der Hintergrund ist lila und Bacon hat auf jedem Bild eine in sich stockende Bewegung dargestellt. Ein gebogener Balken links und rechts im Bild soll eine Kontinuität vermitteln. Auf ihm liegt einmal eine deformierte Figur, die sich über den Balken Richtung Mitte des Bildes schleifen muss. Im mittleren Teil bewegt sich ein Mann ohne Gesicht auf eine Treppe zu, die an eine Wand führt. Für den Fußboden nimmt er lila und kardinalviolette Farben. Unter einem Fuß liegt ein beschriebenes Blatt Papier. Die Figur wird von einem nackten Arm halb umschlungen. Im rechten Bild liegt ein Halbkörper auf dem Balken und ist mit dem Ebenbild darunter verbunden, unzertrennlich zusammengewachsen.  Keiner schafft es so wie Bacon, den Betrachter zu erschüttern.

„Bacon en toutes lettres“ titelt die Schau im Pariser Centre Pompidou. Sie widmet sich Bacons Spätwerk ab 1971 bis zu seinem Tod 1992 und verbindet Texte von Bacons Lieblingsdichtern mit Malerei. Aufgearbeitet hat er hier auch die Tragödie von Dyers Selbstmord.  Textauszüge von Aischylos, Joseph Conrad, T.S. Eliot, Nietzsche, Michel Leiris und Georges Bataille werden in abgetrennten Räumen zwischen den Exponaten in englischer und französischer Sprache gelesen. Jetzt darf man Bacon aber nicht auf die Schiene eines Illustrators stellen, das ist er ganz und gar nicht, es ist eher so, dass die Gedanken, die bei der Lektüre entstehen  blutrote Gewitter, herzzerreißende Schreie, rohe Gewalt und großes Unwohlsein mit der Welt und mit sich selber auslösen. Und ja: gut fühlt man sich bei Bacons Malerei nicht immer.  „Er wollte immer das Lächeln malen“. Nach dem Besuch der Ausstellung weiß man, dass ihm das nicht gelungen ist. Schutzschirme und Schleier will der Künstler zerreißen oder überwinden.  Das passiert auf sehr subtile Weise und die transparenten Gefängnisse scheinen dies herzugeben, jedenfalls ist meist ein Fuß oder ein anderes Köperteil schon „ausgebrochen“ und wurde vielleicht durch diesen Akt so grausam zugerichtet. Die Worte der Dichter und Literaten stimulierten ihn zu seinen  deformierten, obszönen, zerfleischten und malträtierten Körpern oder Körperteilen und öffnen ihm hypothetische Tore zu  Ekstase, Depression und Hochstimmung. Nietzsches „Geburt der Tragödie“ soll, laut dem Kurator Didier Ottinger, den Schlüssel zum Verständnis bringen. Eine Fusion von apollinischen und dionysischen Gedanken. Bacon bewegt sich ständig im Kampf zwischen Eros und Thanatos.

 

Der Schriftsteller und Ethnologe, Michel Leiris, der zwei Jahre vor Bacon stirbt, nimmt noch mal einen anderen Stellenwert in seinem Leben ein. Er wird Bacons Freund und ein wertvoller Gesprächspartner. Sein Buch  „ Spiegel der Tauromachie“ inspiriert Bacon zu den Stierkampfbildern. Matador und Poet stehen sich abschätzend gegenüber. Das letzte Bild in der Ausstellung ist das grandiose Meisterwerk „Study of a bull“ (1991) aus der Londoner Agnelli Sammlung. Das Gemälde entsteht  kurz vor seinem Tod. Kein Tropfen Blut ist sonderbarerweise darauf zu sehen.  Der Stier wirkt fast müde, lethargisch, steht in der oberen linken Ecke vor einem unifarbenen beigen Hintergrund und will – wie es scheint – aus der geometrischen Figur desertieren. Die beiden Vorderfüße und ein Horn haben es geschafft. Sie befinden sich bereits auf einem anderen Niveau in dem Bild.

Der Ausstellungsbesucher wird allerdings mit den gewaltigen Bildern recht allein gelassen. Es gibt nicht viele Erklärungstexte in den Sälen. Allerdings wollen die Exponate  gar nicht erklärt werden. Die gesprochenen Literatur-Texte  –  wenn auch manchmal sehr französisch-theatralisch – sollte man allerdings nicht verpassen.  Es ist auch nicht so, dass ein Text einem Triptychon zuzuordnen ist, manchmal beziehen sich unterschiedliche Texte auf ein Gemälde oder umgekehrt.

Bacons Triptychons aber vor allem seine Autoportraits bringen den Kubismus in Bewegung, haben die gefühlte und kreisende Schnelligkeit des Futurismus, die kräftigen Farben der Expressionisten, Velazquez, Rembrandt, Chaim Soutine und Van Gogh eingeatmet und brauchen die Konstruktivisten, um überleben zu können.  Die griechische Tragödie, Kriegserlebnisse, Gewalt, persönliche Niederlagen und diese unglückliche Hand bei seinen Liebesbeziehungen sind die Inhalte der meist großformatigen Gemälde. Sie haben genau das Format, das sein Atelier zulässt (knapp 200 cm x knapp 150 cm).  Abgesehen von Literatur und den Klassikern, ist auch seine Bewunderung für den Fotografen Edward Muybridge und für den Cineasten Serge Eisenstein offensichtlich. Die Bewegungsabläufe von Muybridge oder die der laufenden Bilder können in seinen Arbeiten wieder gefunden werden.

 

1909 kommt Francis Bacon als Sohn englischer Eltern in Dublin zur Welt. Sein Vater, ehemals in militärischen Diensten, autoritärer und unsensibler Zureiter von Rennpferden, wirft den 16-jährigen Sohn aus dem Haus, entsetzt und empört von dessen Homosexualität (Bacon hatte Unterwäsche seiner Mutter angezogen). Der eloquente und gebildete Autodidakt kommt nach London und von dort nach Berlin, wo ihn ein exzessives Nachtleben erwartet.  Bacon ist auf der Suche.  Immer mehr gibt er sich der Spielsucht und einem exzessiven Alkoholgenuss hin. 1992 stirbt Francis Bacon in Madrid.

Bacons umfangreiche Bibliothek ist heute in seiner Geburtsstadt Dublin untergebracht.

Die Ausstellung im 6. Stock des Pariser Centre Pompidou lässt den Bildern viel Raum, um sich auszubreiten und ist noch bis 20. Januar 2020 zu sehen und setzt die monografische Reihe von Marcel Duchamp, René Magritte, André Derain und Henri Matisse fort.

Christa Blenk

 

https://www.centrepompidou.fr/

 

Opern – und Festivalführer Merian

für KULTURA EXTRA

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« Dans le jardin de William Christie »

Opernfestspiele & Klassikfestivals – 50 musikalische Erlebnisse, die eine Reise wert sind.

Von Musikoasen, großen Stimmen, ungewöhnlichen Orten, Industriehallen, Trüffelsuchern und Festspielromantik

Spritzig wie eine Opernarie und informativ wie ein Opernführer. Anekdoten, Geschichten und Gründungsideen  schicken den Leser schon beim ersten Durchblättern auf eine Reise an  50 unterschiedlichen „Musik“-Orte, die mit  der Prüfung des Terminkalenders 2020 beginnt. Eine gedämpfte Nervosität und eine Art Festivalfieber gesellen sich dazu.  Das Tableau auf der letzten Seite des Buches zeigt, dass die kommenden Winter-Monate eine eher festivallose Zeit und die langen Abende perfekt sind, um ins nächste Festival-Jahr hineinzuträumen.

Der Musikreiseführer ist in Kapitel unterteilt und unterscheidet etwa zwischen monothematischen Festspielen, neuer oder alter Musik, Operettenfestivals oder Festivals, die von  Musikpersönlichkeiten initiiert wurden. Es endet mit dem Kapitel  „Meeresstille und glückliche Philharmonikerfahrt“ – Musikkreuzfahrten.

Nach der Reise ist vor der Reise. Der Stewart in der VIP-Lounge der „Mein Schiff 3“ öffnet unbeeindruckt die nächste Flasche Champagner. Längst sind neue Gäste an Bord. Nach der mit 2500 Mitfahrern ausverkauften Udo Lindenberg-Rockliner-Cruise stehen jetzt merkwürdige Kisten im Laderaum, auf der Passagierliste befindet sich ein Klavierstimmer, und das Publikum ist internationaler: Man startet für zehn Tage zur Kreuzfahrt „Meer & Musik“. Mit dabei ein Starorchester, das teuer ist, als launisch gilt und eigentlich nie Zeit für eine Ferienreise hat: die Wiener Philharmoniker. ….  Nur ein Gast nimmt Anfassen wörtlich und reißt dem Dirigenten Zubin Mehta bei der Autogrammstunde – Schwups! – mit der Pinzette ein Haar aus! „ (Fortsetzung auf Seite 222)

Abgesehen von den Klassikern wie Salzburg, Bayreuth oder Verona werden hier lebhaft, witzig und informativ auch weniger bekannte Festivals vom  finnischen Savonlinna bis hin ins andalusische Granada besprochen.  Sitzt man bei dem 1912 von einer Opernsängerin gegründeten Festival im Innenhof der mittelalterlichen Wasserburg Olavinlinna, kann der Musikenthusiast und Glückspliz in Granada den Aufführungen mitten in der Weltkulturerbestätte Alhambra, umgeben von Jasmin-Duft, folgen. Dieser Ort gilt als einer der schönsten Open-Air-Plätze für Kammermusik und kann nur 350 Personen aufnehmen.  Ganz im Gegenteil zum antiken Amphitheater in Verona, das über 20.000 Zuschauer unterbringen kann und somit zum Massentourismus-Festival wird.

Um moderne und zeitgenössische Musik geht es „in Englands sprödem Osten“,  in Aldeburgh. Der „British Orpheus“, Benjamin Britten, liegt dort begraben. Neben ihm sein langjähriger Partner, der Tenor Peter Pears, für seine Stimme hat Brittan viele Opern-Rollen und Lieder geschrieben. 1947 hat Britten das Aldeburgh Festival gegründet, war es doch der Ort, der ihn auch oft zu seiner Musik inspiriert hat, dort am Fluss Alde.

Wie sich ein Luxushotel in eine Klassikfestival Oase verwandeln kann, beschreibt das Kapitel über das Al Bustan Festival in Beirut. 1994 wurde es von der libanesischen Millionärin Myrna Bustani gegründet;  seitdem finden jedes  Jahr im Februar/März ca. 20 Konzerte statt.

Aber auch Operetten-Liebhaber kommen nicht zu kurz. „Kaiserschmarrn und Operettenzauber“ heißt der Artikel über das Lehár Festival Bad Ischl. Ganz weit weg vom K+K-Pomp findet die  Ruhrtriennale statt. Hochofenkultur vom Feinsten, gegründet von  Gerard Mortier.

Die Artikel über die einzelnen Spielorte sind nie länger als 1-3 Seiten und werden von Kunstfotos ergänzt. Manchmal gibt es auch noch touristische und kulinarische Informationen oder Vorschläge, wo man übernachten könnte.

Dieses gerade frisch erschienene Festival-Buch, das ein gutes Kilo auf die Waage bringt, ist nicht für die Handtasche gedacht. Es dient dem Vorstudium und vor allem der Vorfreude. Es will den Musik-Festival-Horizont der Musik-Melomanen erweitern, aber ihn auch für zukünftige Festivalbesucher öffnen.

Die Autoren (Franz Willnauer, Manuel Brug, Georg Etscheit, Franziska Stürz, Klaus Kalchschmid, Beate Kuhn-Delestre, Stefan Frey, Stefan Fricke, Sabine Radermacher) sind selber Opern- und Festival-Besucher, Musikjournalisten oder Musiker.

Herausgeberin des Merian-Buches „Opernfestspiele & Klassikfestivals – 50 musikalische Erlebnisse, die eine Reise wert sind“ ist Birgit Chlupacek.

Christa Blenk

 

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Dalí + Magritte

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Dalí + Magritte im Brüsseler Musée des Beaux Art

 

Ausstellungsbericht für KULTURA EXTRA

 

Dalí & Magritte

Flammen züngeln zwischen den glänzenden Ventilen und verschlungenen Röhren der Tuba, die auf einem Tisch steht. Prometheus‘  rot-braun-bronzenes Feuermeer wird zu Mund, Nase, Augen und Haaren. Magritte hat  „La découverte du feu“ („Die Entdeckung des Feuers“)  1934 gemalt. Man sagt, dass ihn eine Eisenschmiede in seinem Geburtsort Lessines  inspiriert haben soll, brennendes Metall zu malen.

Im Bild daneben sind es Giraffen, die mit ihren in Flammen stehenden Hälsen ein elegantes Gala-Abendessen in der Wüste beleuchten. Die Gäste sitzen in feinem Zwirn an einer langen Tafel. Im Hintergrund ein Tor, ein Sichelmond, Sterne und Zypressen. „Dîner dans le désert éclairé par des girafes en feu“ („Abendessen in der Wüste von brennenden Giraffen beleuchtet“) entstand drei Jahre nach Magrittes Werk. Salvador Dalí hat es mitten im spanischen Bürgerkrieg gemalt. Gedacht wohl ursprünglich als Illustration für ein Filmprojekt mit den Marx Brothers.  Die Idee wurde aber als zu surrealistisch wieder verworfen und nie realisiert.

Die Ausstellung in Brüssel hat noch mehrere Beispiele dieser Art zu bieten. Mit interessanten Recherchen, Leihgaben und  großer Fachkenntnis erklärt sie, wie die beiden so unterschiedlichen Künstler sich gegenseitig inspiriert haben.  Oft ist es Dalí, der ein Motiv von Magritte ein paar Jahre später aufgreift und ihm noch eins drauf setzt. Es gibt niemanden, der sich seinerzeit besser vermarkten konnte als der exaltierte und wortgewandte Katalane. Im Vergleich zu ihm wirkt Magritte wie ein strenger Ingenieur oder ein pflichtbewusster Beamter, der nach Uhr und Plan arbeitet und Genauigkeit am meisten schätzt.  Aber es ist Magritte, der einen bedeutenden Einfluss auf die Kunst-Generationen nach ihm ausüben soll, vor allem auf die Konzeptkunst (hier z.B. sein Landsmann Marcel Broodthaers) und natürlich Pop-Art-Künstler wie Warhol, Rauschenberg, Jasper Johns oder Arman.

Die Werkschau in Brüssel ist in Themen unterteilt. Eines heißt natürlich Traum/Halluzination. Hier vergleicht der Kurator Magrittes   „L joueur secret „ („der heimliche Spieler“,  1927) mit Dalís „Wilhelm Tell“ (1930). Beide Werke haben etwas surreal Theatrales, Onirisches,  fallen in eine imaginäre Szene des  19. Jahrhundert.  Das Kapitel Formen/Figuren zieht eine Linie zwischen Magrittes  „Les jours gigantesques“  (1928) und Dalís „Couple aux têtes pleines de nuages“  (1936). bemerkenswert die Verbindung zu Jean-François Millets „L’Angélus“  (1858). Ohne Zweifel kennt Salvador Dalí, der als Kind eines angesehenen Notars aus der Oberschicht eine ausgezeichnete Ausbildung und Kunstausbildung bekommt,  die alten Meister sehr gut und beherrscht ebenso die traditionellen Maltechniken. Magritte hingegen wird in eine dunkle, von Protesten belebte Roheisen- und Kohlenlandschaft hineingeboren, die ihre besten Tage schon fast hinter sich hat, und als er 13 Jahre alt ist, ertränkt sich seine Mutter im nahen Fluss.

1929 begegnen sich die beiden Surrealismus-Ikonen  Salvador Dalí (1904-1989) und René Magritte (1898-1967) zum ersten Mal in Paris, wo Dalí sich auf Empfehlung von Joan Miró aufhält. Im Sommer des gleichen Jahres reist  Magritte mit seiner Frau Georgette zu Dalí nach Cadaqués. Luis Buñuel, Joan Miró, Paul Éluard und Gala sind ebenfalls mit von der Partie. Gala wird nach diesem Sommer Éluard verlassen, um Dalís Muse, Geliebte und Managerin zu werden.  Auch mit ihrer Hilfe und Geschäftstüchtigkeit wird er sehr schnell zu einem der bekanntesten und reichsten Maler seiner Zeit.

Und Magritte: Ohne seinen Cadaquéz Aufenthalt hätte er nie einen so wolkenlosen, blauen Himmel wie in „Le temps menaçant“  malen können.  Über einem azurblauen Mittelmeer schweben  ein weiblicher Torso ähnlich der Venus von Milo, eine ebenso große Tuba und ein Stuhl, wie es scheint schwerelos und friedlich. Ist es das Wetter, das umschlägt oder sind es stürmische Zeiten, die sich annähern? Das französische Wort „temps“ kann beides bedeuten.  Das Bild gehört der schottischen Nationalgalerie.

 „Was ist der Surrealismus? Das ist ein Kuckucksei, das unter Mitwissen von René Magritte ins Nest gelegt wird.“  ( André Breton)

Die Surrealismus-Bewegung entsteht gegen  Mitte der 1920er Jahre.  Die bahnbrechenden Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts wie Kubismus, Futurismus, Expressionismus und Dadaismus waren zu diesem Zeitpunkt schon erfunden und geben dem Surrealismus eine enorme Bandbreite an Tendenzen an die Hand. Um weitere, unbekannte oder verschlossene Türen zu öffnen, greift man auf Träume, Unbewusstes, Absurdes und auf die Psychoanalyse zurück.  Konventionelle Denkweisen  münden in eine Fusion von Realität und Illusion, Betrachter werden schockiert – man denke an  Dalís und Luis Buñuels surrealistischen Film „Ein andalusische Hund“ – und naturalistische Gegenstände entwaffnet, hier Magrittes Kommentar  „Ceci n’est pas une pipe“  („dies ist keine Pfeife“) auf dem kleinformatigen Gemälde „La trahison des images“ („der Verrat der Bilder“). Es handelt sich um eine seiner bekanntesten Arbeiten und  hängt heute im Los Angeles County Museum of Art. Leider ist das Bild, das 1929 entsteht und eine Pfeife zeigt, nicht nach Brüssel gekommen.  Magritte sagte darüber folgendes:    „Ein Bild ist nicht zu verwechseln mit einer Sache, die man berühren kann. Können Sie meine Pfeife stopfen? Natürlich nicht! Sie ist nur eine Darstellung. Hätte ich auf mein Bild geschrieben, dies ist eine Pfeife, so hätte ich gelogen. Das Abbild einer Marmeladenschnitte ist ganz gewiss nichts Essbares.“

Schon das Ausstellungsplakat spricht vom Unterschied zwischen dem minimalen Surrealismus von Magritte mit dem barocken von Dalí. Magritte malt denkend und denkt malend.  Sachlich und rationell glaubt er weder an das Unbewusste,  Symbole lehnt er ab. Der Belgier malt nur, was man unbedingt zum Verständnis braucht. Dalí hingegen stürzt sich und den Betrachter in ein Meer von Bildern, Andeutungen und Wirren.

Während Magritte als Redakteur bei unterschiedlichen Zeitschriften arbeitet, mit Kurzfilmen experimentiert,  in die Kommunistische Partei Belgiens eintritt und ein arbeitsames Leben führt, kokettiert der skandalumwitterte Dalí  mit der Psychoanalyse, lernt Freud kennen, zwirbelt provozierend seinen Schnurrbart durch die Medien und macht aus seiner Verehrung für den spanischen Diktator Franco kein Geheimnis . Ab 1950 verbringt der Künstler jedes Jahr mehrere Wochen in einem des ältesten Pariser Luxushotels in der Rue de Rivoli. Dort ließ er sich einmal  eine Herde Schafe in die Suite transportieren, um anschließend auf sie zu ballern oder beauftragte die Butler, im Park Fliegen zu fangen (Belohnung 5 Franc/Fliege).  Sympathisch macht ihn das nicht:  kommt genial vor gut? Interessant für die Medien allemal. Dem Personal schenkt der Meister zu Weihnachten signierte Lithografien. Der Designer Philippe Stark hat übrigens das Hotel Le Meurice 2008 im Dalí Stil ausstatten lassen.

Die Kunstverantwortlichen nehmen ihm seine dekadenten Ausschweifungen dann aber doch übel, denn zur ersten documenta  in Kassel 1955 – die das Mandat hat, die moderne Kunst der vergangenen Jahrzehnte zu erklären und zu zeigen – ist er nicht geladen. 130 000 Besucher lernen dort  zum Thema Surrealismus Werke von André Masson, Joan Miró und Max Ernst kennen.  Magritte gewinnt 1956 den Guggenheim-Preis für Belgien und nimmt vier Jahre später an der documenta II teil.

Zum 10. Geburtstag des Brüsseler Magritte Museum werden die beiden Meister des Surrealismus hier thematisch in Konfrontation gebracht.  Über 100 Exponate sind zu sehen, wichtige Leihgaben sind von weit her angereist. Die Arbeiten des Spaniers Salvador Dali und des Belgiers René Magritte sprechen meist nicht dieselbe Sprache, sie konkurrieren, wetteifern miteinander, bewundern und schätzen sich aber auch und nehmen jeweils Einfälle des anderen auf. Das Ausstellungs-Konzept ist sehr gelungen und die Sammlung des Musée Magritte wird mit wahren Meisterwerken aus Museen aus aller Welt ergänzt!

Die Schau « Dalí & Magritte » wurde gemeinsam von den Königlichen Museen für schöne Künste in Belgien (MRBAB)  in Zusammenarbeit mit dem Dalí Museum St. Petersburg/Florida, der Gala-Salvador Dali Stiftung und der Magritte Stiftung organisiert. Über 40 internationale Museen und Privatsammlungen haben Leihgaben zur Verfügung gestellt. Kurator ist der Direktor des MRBAB  Michel Draguet.

Bis 9. Februar 2020 ist diese interessante und gut zusammen gestellte Werkschau noch zu sehen.

Christa Blenk

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Richard Laillier in der Galerie Fred Lanzenberg

 Richard Laillier - Ausstellungsankündigung
Richard Laillier – Ithaque I (2019)

 

Richard Lailliers Arbeiten sind expressionistisch, aber nicht wirklich einer Stilrichtung zuzuordnen. Poesie und Symbolik und spätromantische Stimmungen zeichnen seine eher kleinformatigen Werke aus. Auch seine aufwendige und geduldige Technik scheint aus einem anderen Jahrhundert zu kommen. Auf den ersten Blick denkt man an Fotografie oder an eine Radierung. Beim näheren Hinsehen wird man aber eines Besseren belehrt. Laillier arbeitet mit eine Art Bleistiftpuder (pierre noire), einem Radiergummi und benutzt von ihm behandeltes Papier. Die expressiven Licht- oder Farbeffekte entstehen mit Hilfe eines kleinen Lappen oder Schwammes.

Lailliers Themen sind Landschaften, vielleicht Bilder Reisen, die noch  in seinem Kopf herumirren oder der menschliche Körper, Silhouetten, minimaler, dunkler als die stimmungsvollen (oft) Seebilder. Seine Bilder scheinen in einer anderen Epoche zu passieren,  einige sind beunruhigend, andere ruhig und gelassen. Lailliers Schwarz ist tief, enigmatisch und unergründlich. Seine Braun-beige-Töne bringen Helligkeit, Stimmung und Bewegung in die Arbeiten. Licht und Dunkelheit kämpfen um die Vorherrschaft  und lassen an Goya oder die deutschen Romantiker denken.

Der  französische Künstler Richard Laillier ist 1961 geboren. Er lebt und arbeitet in Paris. In der Brüsseler Galerie Fred Lanzenberg stellt er nicht zum ersten Mal aus.

Gezeigt werden ältere Arbeiten aber auch welche, die für die Ausstellung entstanden sind wie das Titelbild der Einladung „Ithaque I“  (2019). Es gehört zu den größeren Arbeiten und misst 30 x 80 cm.

Die Galerie Fred Lanzenberg in Ixelles gibt es schon seit 1966. Sie gehört zu den bedeutendsten Galerien in der belgischen Hauptstadt.  Die Ausstellung ist noch bis zum 2. November 2019 zu sehen.

Christa Blenk

 

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Italienische zeitgenössische Komponisten im italienischen Kulturinstitut in Brüssel

ICI Bruxelles -

Im Rahmen einer Reihe von zeitgenössischen Konzerten traten am 16. Oktober – im italienischen Kulturinstitut Brüssel – das Duo Dubois mit Werken von Maura Capuzzo, Alessandro Milia, Andreas Nicoli, Maurizio Azzan und Ivan Cancialosi statt.

Von Cancialosi stammt auch die Überarbeitung der Piano Variationen op  27 von Anton Webern, die Jacqueline Berndt mit großer Hingabe gespielt hat.  Sie macht zur Zeit ihren Master am Königlichen Konservatorium in Brüssel. 2016 hat sie bei Jürgen Franz in Hamburg studiert. Berndt war vielfach Finalistin bei Wettbewerben und Teilnehmerin an unterschiedlichen Festivals in Europa, USA und Kanada.

Das Duo Duboi (Alberto Cavallaro, Saxophon; Federico Tramontana, Perkussion)  hat sich ihren Namen vom französischen Komponisten Pierre-Max Dubois ausgeliehen, dieser hatte in den 1980er Jahren zum ersten Mal eine Oper für Saxophone und Perkussion geschrieben.  

Die Komponisten Maura Capuzzo und Ivan Cangialosi waren anwesend.   

weitere Konzerte

cmb

 

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Brancusi im Rahmen des Europalia Festivals

brancusi
Ausstellungsplakat

 

Im Rahmen des Europalia Arts Festival – dieses Jahr ist Rumänien zu Gast – ist im Brüsseler Bozar Musum seit dem 4. Oktober eine umfangreiche Ausstellung von Werken und Fotos des rumänischen Künstlers und Wegbereiters der Moderne Constantin Brancusi (1876-1957) zu sehen.

Einige seiner Meisterwerke wie die „schlafende Muse“ oder „Der Kuss“ sind zu sehen, ergänzt wird die interessante Schau mit Fotos, Briefe und sonstigen Dokumenten über sein Leben, seine kurze Zeit als Assistent von August Rodin und sein Zusammenwirken mit anderen Künstlern wie Man Ray, Modigliani oder Marcel Duchamps. Die Leihgaben aus Bronze, Mamor, Holz und Gips sind aus der ganzen Welt nach Brüssel ins Bozar gekommen.

1904 kam Brancusi – es heißt aufgrund von Geldmangel zu Fuß – nach Paris, tauchte in das künstlerische Brodeln ein und ließ sich mitten im damaligen Künstlerviertel  Montparnasse nieder.

Glatt, poliert, schön, ruhig, weichgezeichnet und goldig schimmernd liegen die Köpfe auf ihren Podesten, hypnotisieren fast den Betrachter und erinnern an androide Wesen von einem anderen Planeten.  Dabei hat Brancusi sich durchaus an lebenden Personen seiner Zeit inspiriert. Die Portraits der Baronin Renée Irana Franchon oder der ungarischen Malerin Margit Pogany – mit ihr hatte Brancusi eine Affaire, die später Freundschaft wurde -  hängen an den Wänden und begleiten die immer mehr auf das Wesentliche reduzierten Kunstwerke, die bald gänzlich den Expressionismus und Kubismus ausschalten, bis oft nur noch ein glattes Objekt übrig blieb wie bei der Skulptur „der Anfang der Welt“ (1920). Das Ei scheint mit seinem Sockel verwachsen zu sein.  „Leda“ kam aus dem Pariser Pompidou nach Brüssel. Eine bezaubernde Muse aus dem Guggenheim Museum New York.  „Mademoiselle Pogany II“ (1920) ist aus Rio de Janeiro angereist und der „Goldene Vogel“ (1919) aus Minneapolis. Der „Torso eines jungen Mannes“ (1924) gehört zum Smithonian Institut Washington. Natürlich kamen auch bedeutende Werke aus unterschiedlichen rumänischen Museen nach Brüssel. „Der Kuss“  zeigt zwei engumschlungene, sich küssende Menschen, die einen innigen Block formen und doch individuell  Arme, Haare, Lippen und Augen zeigen. Eine Auftragsarbeit für das Grab von Tanioucha Rashewskaja auf dem Friedhof Montparnasse. Tanjoucha hatte sich selbst das Leben genommen, um einer unglücklichen Ehe zu entkommen. Der Künstler hat mehrere Versionen davon gefertigt, die in unterschiedlichen Museen zu finden sind.

 

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Der Kuss – Saalansicht; Muse (1912) und Fotoreihe

 

Brancusi hat in Paris angefangen, Stein- und Holzklötze direkt zu bearbeiten, wie das die großen Renaissancekünstler auch taten. So wirken die Arbeiten aus diesen Materialien gröber, brutaler als die feinpolierten Messing- oder Bronzearbeiten.

Inspiriert zu seinen bahnbrechenden Werken hat ihn eine Luftfahrtschau im Pariser Grand Palais, die er in Begleitung von Fernand Léger und Marcel Duchamp besuchte.  „Mit der Malerei ist es vorbei. Wer könnte etwas Besseres machen als diesen Propeller? Sag, kannst Du so etwas machen?“ Das war absolut im Sinne des Zeitgeistes, denn auch Picasso kam 1907 beim Besuch der Afrika-Galerie des Musée d’Ethnographie im Pariser Trocadéro auf eine neue, durchschlagende Ideen; kurze Zeit später entstanden die « Les Demoiselles d’Avignon«   und der Kubismus war geboren. Marcel Duchamp hingegen erfand in dieser Zeit  das Ready made.

Es sollte allerdings schon noch Jahre dauern, bis sich Brancusis « reduzierte » Arbeiten wirklich durchsetzen konnten. 1927 konfiszierte der Zoll von New York mehrere Skulpturen aus Bronze, darunter auch den berühmten „Vogel im Raum“. Da die Zollbeamten das Werk nicht als Kunstwerk ansehen konnten oder wollten, wurden Zollgebühren erhoben. Das Gerichtsverfahren, das letztendlich aber mit der Anerkennung dieser Bronzeblöcke als Kunstwerk endete, dauerte zwei Jahre.

1937 arbeitete Brancusi an einem Kriegerdenkmal in Târgu Jiu, in der Nähe seines Geburtsortes Hobita. Hier handelte es sich um ein Auftragswerk der Frauenliga von Gorj. „La Colonne sans fin“ (die endlose Säule) wird im letzten Saal erklärt an Hand von Fotos, Zeichnungen und kleinen Filmen. Sie ist seine einzige übergroße Skulptur und besteht aus 15 rhombenförmigen Elementen, die knapp 30 Meter in die Höhe ragen und stolze  29 Tonnen Gesamtgewicht auf die Waage bringen. Im Inneren der Säule befinden sich Blitzableiter. 1950 wollte die kommunistische rumänische Regierung das zu „bürgerliche „ Kunstwerk abreißen. Allerdings reichte die Kraft des Traktor-Motors nicht aus, um sie zu bewegen, also blieb sie einfach stehen.  1996 wurde die Skulptur mit Geldern der UNESCO und der Weltbank restauriert. Zusammen mit dem „Tisch des Schweigens“ und dem „Tor des Kusses“ bildet die „Unendliche Säule“ ein Ensemble zu Ehren der gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg.

Die Ausstellung legt aber auch großen Wert auf den Fotografen Brancusi. Er war meist nicht zufrieden mit den Fotos, die andere Fotografen von seinen Werken gemacht haben, deshalb fing er mit Hilfe von Man Ray an, selber seine Werke zu fotografieren und hat andere, neue Kunstwerke geschaffen.

Sein Einfluss auf die moderne Skulptur war enorm, die Aneinanderreihung von Rhomben hat z.B. die US amerikanischen Minimalisten und Lichtkünstler inspiriert wie Carl Andre, Donald Judd oder Dan Flavin.  Aber auch die amerikanischen Pop-Künstler kamen nicht um ihn herum. Barbara Hepworth besuchte ihn in seinem Atelier 1932 und ihre weiteren Werke waren geprägt vom Brancusi-Stil.

Brancusi war mit einigen wohlhabenden Damen der Gesellschaft wie die Baronin Renée Irana Frachon oder Nancy Cunard befreundet und hat jeweils Portraits von ihnen gemalt oder geschaffen. Auch  Peggy Guggenheim gehörte dazu. Sie nannte ihn „einen wunderbaren kleinen Mann mit Bart und durchdringenden dunklen Augen“.

Seine erste große Einzelausstellung fand bereits 1914 in New York, in der Galerie 291, statt.  Viele weitere Ausstellungen in New York sollten folgen. 2003 fand in Paris eine große Brancusi-Schau statt und 2004 folgte eine in der Tate London. In Brüssel ist es seine erste Ausstellung. Sie ist gelungen.

Europalia ist ein Festival der Künste und entstand 1969 in der belgischen Hauptstadt, wo auch die meisten Veranstaltungen stattfinden. Aber auch in Frankreich, Luxemburg, in den Niederlanden und in Deutschland finden anlässlich der Europalia Konzerte und Ausstellungen statt. Ein Land ist immer Ehrengast – wie dieses Jahr Rumänien.

Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Januar 2020 zu sehen. Das Festival geht bis Mitte Februar.

Weitere Infos finden Sie hier: https://europalia.eu/en

Christa Blenk

 

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Peter Eötvös dirigiert in Brügge Herzog Blaubarts Burg und Senza Sangue

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Concertgebouw Brügge

 

Der ungarische Komponist Peter Eötvös (*1944) dirigierte letzten Samstag im Concertgebouw Brugge die Brüsseler Philharmoniker. Auf dem Programm standen Béla Bartoks Herzog Blaubarts Burg und Eötvös’ Einakter Senza sangue. Die beiden Werke sind perfekt für einen Abend, sie passen so gut zusammen, dass sie auch aus einer Feder stammen könnten. 

Senza Sangue (Ohne Blut) basiert auf einem Libretto von Mari Mezei nach der gleichnamigen Novelle von Alessandro Baricco. Eötvös dachte schon bei der Komposition von dieser, schon seiner zehnten, Oper an eine Art Ergänzungswerk für Bartóks Herzog Blaubart und natürlich an eine gemeinsame Aufführung. Er hat die Kurzoper als Auftragswerk der KölnMusic und der New Yorker Philharmoniker komponiert. Bariccos  Novelle wurde 2002 veröffentlicht;  Mari Mezei hat den Text ziemlich wortgetreu übernommen. Die Uraufführung fand 2015 in der Kölner Philharmonie statt. 2016 kam die Kurzoper mit großem Erfolg beim Festival von Avignon zur Aufführung.

Die Geschichte basiert auf einem Ereignis, das sich in einem Bürgerkrieg in einem Lande zugetragen hat – vor langer Zeit! Viele Jahre später trifft Nina, die damals – noch Kind – als einzige das Massaker, bei dem ihre komplette Familie ausgelöscht worden war, auf einen älteren Herren. Sie trinken Kaffee zusammen und kommen ins Gespräch. Im Verlauf der Zeit stellt sich heraus, dass der Mann einer der damaligen Täter ist.  Ihn haben seine damaligen Greueltaten ebenfalls ein Leben lang begleitet. Seiner Unruhe fügte sich eine unbestimmbare Angst hinzu, als im Laufe der Jahre alle Mittäter nacheinander auf merkwürdige Weise ums Leben kamen. Nina erinnert sich sogar, dass er damals den ersten Schuss abgegeben hätte. Sie diskutieren über Krieg, seine Folgen, über Rachsucht und Grausamkeit. „Wir waren Soldaten“ erklärt er.  Nach einer drastischen Stimmungsänderung, scheinen sie Frieden gefunden zu haben und gehen in ein Hotel.

Eötvös hat bei seiner Musik die sich ständige ändernde Beziehungen der Beiden voller Spannung mit schneidenden Kontrasten hervorgehoben. Ein Thriller in schwarz-weiß, ähnlich wie  Herzog Blaubarts Burg, nur dass Bartóks Oper nicht gut ausgeht.  Wie Blaubarts Burg ist auch Senza sangue für zwei Singstimmen geschrieben.

Peter Eötvös ist der Bartok-Experte schlechthin. Mehr als er kann niemand aus dessen Werk herausholen. Herzog Blaubarts Burg basiert auf einem Libbretto von Béla Balazs – aufbauend auf Charloes Perraults Märchen „Das Schloss des Prinzen Blaubart“. Die Uraufführung dieses Werkes fand 1918 in Budapest statt. 

Es wird die Sage über eine alte Burg erzählt.

Die junge, hübsche Judith folgt dem Herzog festentschlossen auf seine Burg. Für ihn hat sie ihre Familie und ihren Verlobten verlassen. Als die Tür hinter ihr ins Schloss fällt, wird sie von klammer Kälte und modriger Feuchtigkeit  eingefangen. Sie will die Pforten öffnen, um Tag, Licht und Wärme herein zu lassen. Insgesamt sind es sieben verschlossenen Türen vor denen sie steht und für die sie immer fordernder die Schlüssel verlangt. Nach und nach ringt sie dem Herzog diese ab. Es tun sich Folterkammer, Waffenkammer, Schatzkammer vor ihr auf. Überall kleben Blutreste und ihre Panik steigt, aber die Angst ist geringer als ihre Neugierde. Der Herzog wiederholt immer wieder, sie möge doch keine Fragen zu stellen. Hinter der vierten Tür verbirgt sich ein Garten mit Blut-Rosen. Die nächste Tür zeigt die Ländereien des Herzogs, dahinter ein Tränensee. Nun steht sie vor der letzten Tür. Blaubart will sie nicht öffnen und fleht sie an, dies nicht zu verlangen. Er küsst sie, aber sie lässt nicht nach. Als die Tür aufgeht, stehen die drei ehemaligen Frauen von Blaubart vor ihr, geschmückt mit Juwelen und edlen Stoffen. Blaubart legt nun Judith den Schmuck und Mantel um, denn sie muss mit ihren Gefährtinnen hinter der Tür bleiben.

Die Oper ist ein Dialog mit musikalischen Wagnerschen Leitmotiven, obwohl sich Bartók eher an die französischen Impressionisten als an Wagner gehalten hat.

Beide Werke sind psychische Abenteuer für zwei Singstimmen mit unterschiedlichem Ausgang.

Peter Eötvös hat selber die Brüsseler Philharmonie dirigiert, unnachgiebig, streng und minimal. Großer, verdienter Applaus auch für die ausgezeichneten Sänger:  Viktoria Vizin (Mezzo)  Nina und Judith; Jordan Shanahan (Bariton)  der Soldate in Senza sangue und Gábor Bretz (Bass-Bariton) ist Herzog Blaubert.

 

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(PS Bei der  konzertanten Aufführung wurde  Ungarisch gesungen – UT nur in Flämisch! Der Musik hat das  gut getan)

 

Blaubart in der Berliner Komischen Oper

Peter Eötvös  im Pariser Louvre

Herzog Blaubart

Christa Blenk

 

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Macbeth Underworld

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„Ein Märchen, das ein Dummkopf erzählt, voll Schall und Bombast, aber ohne Sinn.“

 

Hecates beginnt die Vorstellung mit ihrem Prolog „You make fool understand …“ “Oh yes, something has to be done again”, bevor der Geist sich fragt, welch blutiger Mann das wohl sein mag.

Alle sind tot!

Die Drehbühne bringt auf der einen Seite einen enormen, verknöcherten, eher blätterlosen Baum auf die Bühne.  Dahinter befindet sich der Tummelplatz der Hexen und der Wald, jener, der Macbeth (Georg Nigl) am Ende des Stückes einschließen und besiegen wird, um der Vorsehung „wenn der Wald von Birnam nach Dunsinane geht“  gerecht zu werden. Sie dreht sich weiter und wir sehen das Schlafgemach von Lady Macbeth (Magdalena Kožená). Ihr Bett ist eingerahmt von blutroten Laserstrahlen. Sie will das sichere Bett  mit schwarzen Laken schon nach der Hälfte der Zeit gar nicht verlassen. Der Verrat an Banquo, der Mord am König, dessen Frau und Kindern rufen bei ihr progressiv albtraumhafte Visionen hervor. Shakespeares Lady Macbeth ist eine eiskalte, berechnende Arrivistin, die Ihren Antrieb aus  Machtgedanken und Ambition holt. Diese Lady hier wirkt eher verletzlich und die bösen Taten verfolgen sie, machen ihr Angst. Magdalena Koženás weicher Mezzosopran unterstützt diesen Eindruck.  Zwischen den Ästen ist ein verwunschenes, gothisches Schloss auszumachen. Die Dunkelheit, die nur von den weißen, blutbefleckten Kostümen der Protagonisten erhellt wird, ist hier die Unterwelt. Eine gelungene Lichtregie von Antoine Travert zaubert unterschiedliche Stimmungen in die aufwendige und beeindruckende Inszenierung von Thomas Jolly.

Dusapin und der Librettist Frédéric Boyer haben sich weniger an Verdis Oper als an die Polanski-Verfilmung gehalten. Wort- und werkgetreue Wiedergaben sind deshalb zweitrangig. Dusapin hat Musikfragmente eingebaut, die an Purcell  und an die Elisabethan Era mit Lauten, Theorben, Tamburinen erinnern. Die Musik besteht aus luftigen und komplizierten Arien, Sprechgesang, Seufzen, Lachen, Sprechen, Urlaute. Die Sänger bekommen so viel gestalterische Freiheit und die Naturmächte rücken weg von den Menschen. Die Musik ist – mit Ausnahme des Requiems – eher dunkel und mysteriös, aus der Unterwelt kommend halt, aber trumpft gleichzeitig mit Harmonie auf, was das Orchester unter Alain Altinoglu glänzen und die Bäume ächzen lässt. Oper neu erfinden will Dusapin nicht, sie weiterentwickeln oder hoch halten schon.  Sehr gelungen das Requiem der Hexen mit dem Frauenchor  im vierten Bild „Nox Perpetua“. Die Stimmen gehen hier in himmlische Höhen, ein kurzer Hoffnungslichtblick, denn es ist auch die Krönungsszene des Mörderpaares.

Der französische Komponist Pascal Dusapin (*1955) hat sich auch bei der neuesten Uraufführung an der Brüsseler Monnaie wieder eines historischen Themas bedient. 2015 brachte er an der Monnaie seine Penthesilea zur Uraufführung.  Dusapin, seines Zeichens Student von Olivier Messiaen, hat Seminare von Iannis Xenakis besucht und bezeichnet Edgar Varèse als seinen musikalischen Großvater.  Die große Literatur hat es ihm angetan. Er verwandelt sie gerne in komplizierte, vielschichtige, rhythmisch- mathematische Partituren.

Bezaubernd und Sommernachtstraum leicht die Weird Sisters (Ekaternia Lekhina, Lilly Jostad, Christel Loetsch). Kristinn Sigmundsson ist ein glaubwürdiger Geist. Beeindruckend Naomi Tapiola als Kind. Graham Clark ist Hecate und der Porter und Christian Rivet Archlute. 

Macbeth Underworld ist ein Auftragswerk der Monnaie in Koproduktion mit der Oper Comique Paris und der Opéra de Rouen Normandie. Auch bei der sechsten Vorstellung war das Haus ausverkauft. Weitere Vorstellungen folgen am 3. und 5. Oktober 2019.

Die Brüsseler Oper La Monnaie hat mit Macbeth Underworld und Le silance des ombres gleich zwei Welturaufführungen von jungen französischen Komponisten an den Saisonbeginn gestellt.

baum-berlin

 

Christa Blenk

 

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Le silence des ombres – Benjamin Attahir

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Nach der Sommerpause konnte die Brüsseler Oper La Monnaie gleich mit zwei Welturaufführungen auftrumpfen. Nach Pascal Dusapins „Macbeth Underworld“ fand am 26.9. die Premiere von „Le Silence des ombres“ statt. Sie ist die erste Oper des 30-jährigen Franzosen Benjamin Attahir, ein Auftragswerk der Brüsseler Monnaie. Aufgeführt wird sie im Partnerhaus, dem KVS (Königlich Flämisches Theater).

Regisseur Olivier Lexa, ein Verehrer von Maurice Maeterlinck (1862-1949), hatte schon längere Zeit die Idee, ein Werk des belgischen Symbolisten und Nobelpreisträgers auf die Bühne zu bringen. 2017 traf Olivier Lexa in der römischen Villa Medici auf den jungen Komponisten Benjamin Attahir. Lexa war schnell davon überzeugt, mit Attahir den Richtigen für sein Projekt gefunden zu haben. Für den jungen Franzosen eine großartige Chance und Herausforderung. Seine dunkle, mysteriöse Musik erzählt von Angst, Hoffnungslosigkeit, dunklen Emotionen und Mut – er verbindet surrealistisches Theater und schwarzes, expressionistisches Kino à la Lang oder Murnau mit der griechischen Tragödie und großer, französischer Oper, die immer wieder Debussy, Ravel oder Chausson zitiert und – obwohl er das tunlich vermeiden wollte – nicht an Pelleas et Melisande vorbeikommt.

« Le Silence des ombres » ist ein Triptychon basierend auf Maeterlincks Marionettentheater „Trois petits drames pour marionnettes“ (Drei kleine Dramen für Marionetten) und bringt das Dunkle, verschleierte, das Unerklärbare und Unsagbare mit Noten und Gesten auf die Bühne. Die drei Musikstunden beginnen mit  „Le mort de Tintangiles“, gefolgt von „Interieur“ . Nach der Pause folgt « Alladine und Palomides“ mit langen 90 Musikminuten. Alle drei Stücke verbindet eine Ohnmacht, das jeweilige Drama nicht verhindern zu können.

Bei „Le Mort de Tintagiles“ (Der Tod des Tintagiles) sind es die Schwestern Ygraine und Bellangère (Clémence Poussin), die vergeblich versuchen, ihren kleinen Bruder Tintagiles (Julia Szproch) vor der bösen, alten und unsichtbaren Königin zu retten. Die Protagonisten befinden sich in einem gruseligen Ambiente, bestimmt durch ein  Piranesi-Verlies und ins Leere laufende Escher-Treppen.  Stimme und Bewegungen von Raquel Camarinha (Ygraine) lassen den Zuhörer nicht aus der Gänsehaut entkommen.

„Invisible“ beginnt mit einer ruhigen und friedlichen Szene. Die geniale Beleuchtung von Alexander Koppelmann hat uns hier in ein Museum katapultiert, vielleicht vor ein Bild von George de la Tour oder in die italienische chiaroscuro Abteilung.  Vater, Mutter und drei Kinder in rot-braunen Gewändern und erhellt von Kerzenschein sitzen in einem Raum und warten, bis die Zeit ins Bett zu gehen, gekommen ist. Draußen vor der Tür versuchen zwei Männer, der Alte und der Fremde, einen sanften und erträglichen Weg zu finden, um die Familie über den Tod der Tochter zu informieren. Sie wollen das vermeintliche Glück, das sich ihnen bietet, nicht zerstören. Aber schon nahen die Menschen, die die Tote nach Hause bringen und die Zeit drängt. In diesem kurzen Stück vor der Pause werden via Videoprojektion Szenen aus dem ersten Teil wiederholt und welche aus dem kommenden dritten Teil vorweggenommen. Hier wird die Oper zum Theater und die Musik begleitet die gesprochenen Texte.

„Alladine und Palomide“ ist eine klassische Liebes- und Eifersuchtsgeschichte. Es gibt den alten König Ablamore (Renaud Delaigue), der in die junge Sklavin Alladine (Julia Szporch – sie trägt als einzige ein orientalisches Kleid) verliebt ist, sie wiederum ist dem Verlobten Palomides (sehr überzeugend Pierre Derhet) von Ablamores Tochter Astolaine (wieder großartig Raquel Camarinha) verfallen, der ihre Liebe erwidert. Das kann natürlich nicht gut ausgehen. Nach langem Hin- und Her finden sich die Beiden in einer Schlucht oder tiefen Grotte wieder, ohne zu wissen, wie sie dort hingekommen sind. Sie müssen lange singen, aber ein Entkommen gibt es nicht, auch nicht als sie plötzlich in unterschiedlichen Räumen liegen und sich unterhalten. Im dritten Teil baut Attahir immer wieder orientalische Musikfragmente ein.

Attahir Musik ist geschmeidig. Er hat den jeweiligen Personen beschreibende Leitmotive zugewiesen.  Die Stimmen sind das Hauptinstrument. Auf helle Geigen hat er so gut wie verzichtet. 19 (dunkle) Instrumente kommen zum Einsatz, darunter das  „Serpent“, es ist wunderschön und sieht wirklich wie eine Schlange aus Tausend und einer Nacht aus.

Die Inszenierung scheint perfekt und minimal, kein Schatten, kein Lichtstrahl zu viel. Das Verlies, die Treppen, die verschlossenen Türen bleiben immer und fangen mit der Beleuchtung an zu leben und zu leiden. Lexa hat immer wieder auf unterschiedliche Kunstwerke zurückgegriffen und mit Jan van Eyck,  Füssli oder mit de Chirico Stimmungen und Metaphern erzeugt und beschrieben.

Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Oper fertig war, aber richtig intensiv hat der Komponist die letzten acht Monate daran gearbeitet. Attahir selber dirigiert die sechs Aufführungen. Die letzte findet am 6. Oktober um 15.00 Uhr statt.

Diese Uraufführung ist eine Koproduktion der La Monnaie Oper (und dem KVS) mit der Queen Elisabeth Music Chapel (Waterloo), Les Théâtres de la ville de Luxembourg, und dem Theatr Wilke – der polnischen Nationaloper Warschau, was schon für eine weiterführende Aufführung sorgen sollte.

Beeindruckender Opernabend!

Christa Blenk

 

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Italienische Zeitgenössische Komponisten in Brüssel

 Italienische Zeitgenössische Komponisten in Brüssel dans Musique

 Am 17. September fand im italienischen Kulturinstitut in Brüssel ein Konzert  mit Werken von fünf zeitgenössischen italienischen Komponisten statt, von denen zwei auch persönlich anwesend waren.

Das belgische Ensemble Fractales spielte und interpretierte Werke von Maurizio Azzan, Francesco Filidei, Fauste Sebastiani, Fausto Romitelli und Salvatore Sciarrino (*1947). Fast alle haben am Pariser IRCAM studiert und gearbeitet. Mit Sciarrinos Komposition „Arioso a cinque“ (rev. 2019) begann das Konzert. 

Fausto Sebastiani hat sein Werk „Kinnara (2016) vor dem Konzert erklärt und erzählt, dass er es dem italienischen Kulturinstitut gewidmet hat. Ein sehr ruhiges, poetisches Werk. Kinnara ist ein Mischwesen aus Mensch und Vogel aus der indischen Mythologie. Diese Wesen leben am Berg Meru und werden oft als göttliche Musiker dargestellt. Das Saiteninstrument Kinnari kommt daher. 

Texture“ von Francesco Filidei entstand 1995. Es ist eine Komposition für drei Instrumente (Klavier, Klarinette und Querflöre) aber ohne Instrumente. Diese werden für das Stück zweckentfremdet. Die Klaviertasten spielen zwar eine Rolle, werden aber nicht ein einziges Mal angeschlagen, nur berührt. Filidei Komposition « L’inondation » wird Ende September an der Pariser Opera Comique uraufgeführt. Er hat es zusammen mit Joël Pommerat  geschaffen. Filidei, 1973 in Pisa geboren, zählt heute zu den bedeutendsten italienischen, zeitgenössischen Komponisten. 

Das vierte Stück „Domeniche alla periferia dell’imperio“  hat Fausto Romitelli (1963-2004) zwischen 1996 und 2000 komponiert. Romitellis war der Überzeugung, dass Klang eine Materie ist und bearbeitet werden kann und sichtbar ist. Er besteht aus Struktur, Dicke, Glanz und Beweglichkeit, die verstärkt durch elektroaktustische Behandlung zum Werk werden. 

Das letzte Stück an diesem interessanten Musikabend stammt vom jüngsten Komponisten an diesem Abend: Maurizio Azzan  (*1987). „Of other spaces“ entstand 2017 und dauert 19 Minuten. Es bringt die Zuhörer in eine andere, eher unbekannte, unheimliche Welt,. Sei es der tiefste Urwald mit all seinen beunruhigenden Geräuschen, sei es irgendwo im Universum. Geräusche aus dem Off, die Raum und Zeit verbinden und  die zum Ende hin langsam auströpfeln.

Das Ensemble Fractales (Renata Kambarova, Flöte; Marion Borgel, Violine; Benjamin Maneyrol, Klarinette; Diego Couthinho, Violoncello; Gian Ponte, Klavier) spielt seit 2012 zusammen. Kennengelernt haben sie sich am Brüsseler Konservatorium. Sie widmen sich vor allem zeitgenössischer Musik – und das sehr erfolgreich.

 

Das Konzert am 17.9. leitete diesen « zeitgenössischen » Zyklus ein. Weitere Konzerte finden statt am:

02.10. – Concerto Nox in memoria di Luciano Berio

10.10. – In my life – Parco della musica Contemporanea Ensemble

16.10. – Duo Dubois et Jacquline Berndt

 

Christa Blenk

 

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Middelheimmuseum Antwerpen

Wei Wei
Wei Wei – No-named bridge

 

Einer der möglichen Wege in den Zauber-Skulpturengarten führt über die Brücke ohne Namen von Wei Wei. Schwierig ist sie zu überqueren, mit unregelmäßigen Erhebungen, schrägen Stufen und Fast-Grenzen. Aber sie führt dann doch in dieses Paradies, in dem sich zwischen alten und wuchtigen Bäumen immer wieder Skulpturen aus 100 Jahren verirrt haben – alleatorisch fast und auch nicht chronologisch nach Anschaffung oder Entstehung des Kunstwerkes. Diesen Eindruck hat man jedenfalls.

Die Bäume sind zwar nicht so alt wie der Ort Middelheim, aber manche bringen es sicher auch auf 100 Jahre. Middelheim wurde  schon 1342 in den Geschichtsbüchern erwähnt. Laureys Van Aerschot de Jonghe besaß 1399 diesen Hof samt Ländereien. Ab dem 16. Jahrhundert haben sich die wohlhabenden Antwerpener Familien dort ihre Sommerresidenzen bauen lassen. Das Schloss kam im 18. Jahrhundert dazu. Man geht davon aus, dass es nach Plänen des Pariser Architekten Barnabé Guimard im Stil Ludwigs XVI erbaut wurde.

 

Rodin - BalzacHenry MooreAlbert Szukalski - Dialoog 1974
 August Rodin „Balzac“ (1892-1897), Henry Moore „König und Königin“ (1952), Albert Szukalski, „Dialog“ (1974)

 

1910 hat die Stadt Antwerpen das Gelände aufgekauft, vor allem, um es vor einer geplanten Parzellierung zu bewahren. Somit wurde der Park öffentlich und Besuchern zugänglich gemacht. Auf einem Teil entstand ein Krankenhaus, aber auch die Universität von Antwerpen und das Pastorale Theologische Zentrum bekamen Gelände zur Verfügung gestellt.

Mit Kunst kam der ca 20 Hektar große Park 1950 zum ersten Mal in Berührung. Nach einer Idee der Stadt wurde im Park eine bedeutende internationale Ausstellung  organisiert, was später zu der Idee eines eines permanenten Freilichtsmuseums für Bildhauerkunst führte. Schon ein Jahr später, 1951, wurde die internationale Biennale für Bilderhauerkunst ins Leben gerufen, die alle zwei Jahr in den Sommermonaten Kunstliebhaber nach Antwerpen lockte, bis dieser Turnus 1998 eingestellt wurde.

1971 hat der belgische Architekt Renaat Braem einen Pavillon für den Park entworfen. Dort werden Sonderausstellungen oder delikatere Werke ausgestellt.Der Springbrunnen davor ist vom belgischen Künstler Philippe Van Snick.

1993 wurde Antwerpen Kulturhauptstadt. Dies hat man zum Anlass genommen, die Dauerausstellung um zehn zeitgenössische bedeutende Kunstwerke auszuweiten. So kamen Richard Deacon, Isa Genzken, Per Kirkeby, Panamarenko, Matt Mullican, Bern Lohaus, Harald Klingelhöller, Juan Muñoz und Thomas Schütte in den Park.
Bruce Naumann - Diamond shaped room with yellow light 1989Ulrich Rückriem - Constructe 1967Chris Burden - Beam Drop 2009
Bruce Naumann „Diamond Shaped Room with Yellos Light (1986-1990/2018) – Per Kirkeby – Chris Burden
Im Jahre 2000 wurde der Park um 7 Hektar  auf 27 erweitert, was eine komplette Umstrukturierung nach sich zog und Platz für mehr temporäre Ausstellungen schaffte. 2012 wurde des erneuerte Middelheimmuseum eröffnet.
Jedes einzelne Kunstwerk, jede Skulptur, verlangt vom Besucher eine immer wieder neue Betrachtungsweise. Die kompakten Broncen von Maillot oder Rodin werden hier mit licht- und luftdurchlässigen Konstruktionen von Kirkeby oder Soto kombiniert und vertragen sich ganz wunderbar. Dazwischen steht eine « Dreiklang-Skulptur » von Rudolf Belling auf der Wiese. Dan Graham hat 2004 das „Belgium Funhouse“ installiert. Eine transparente Installation, die den Betrachter zwischen Fiktion und Realität hin- und her reisst. Manche Arbeiten sind direkt für das Museum zugeschnitten. Einer der Höhepunkte ist der neue halboffene Pavillon „Het Huis“ von den Architketen Robberecht und Daem. Eine Konstruktion aus gefaltete und gebogenen Stahlplatten in grau-grün.
Zwischen den Kunstwerken wachsen 1500 Zierapfelbäume, die der Landschaftsarchitekt Michel Desvigne pflanzte. Jetzt, Anfang September, bilden die kleinen, roten Äpfel auf dem Boden einen Teppich, der  einem Kunstwerk gleicht. Die Hortiflora liegt im Westen der Middelheimlaan. Hier handelt es sich um den ehemaligen Blumengarten des Nachtegalenparks, der 2012 Bestandteil des Middelheimmusuems wurde.
Die belgische Künstlerin Ria Pacquée hat ihre diversen Projekte und Installationen unter dem Titel „They are looking at us, we are looking at them“ überall im Park verteilt. Sie verlangt vom Besucher ein absolutes „Sich Einlassen“ auf ihre Kunst – was durchaus auch zum Schmunzeln einladen kann. Diese Ausstellung läuft noch bis zum 22. September. Die kubanische Künstlerin Ana Mendieta stellt Ihre konzeptuellen Werke mit dem Obertitel „Earthbound“ im Pavillon Braem auch noch bis zum 22.9. aus.Louise Lawler Installation „Birdcalls“ ist im Het Huis zu erleben und auf ihr Kunstwerk antwortet Ria Pacquée mit ihrem Video „As long as I see birds flying I know I am alive“ (2015).

Die Idee, Objekte im Freien auszustellen, ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Schon im 18. Jahrhundert liebte es die Aristokratie, sich im Freien unter Kunstwerken zu bewegen. Der Schloßpark war wie geschaffen dafür. Die ersten Objekte waren Windmühlen oder Katen, die ein romantisches Landleben andeuten oder vortäuschen sollten.  Die Industrialisierung brachte dann eine Art „Heimatschutz“ ans Tageslicht, um die ländlichen Zeitzeugen vor den Maschinen zu retten, wie z.B. das idealisierte Darf « Hameau de la Reine » in Versailles.

1891 wurde schließlich in Schweden das erste europäische Freilichtmuseum gegründet. In Husum entstand 1899 das erste deutsche Freilichtmuseum und dann schossen sie wie Pilze aus dem Boden. In Barcelona wurde anlässlich der Weltausstellung 1929 ein typisches, spanisches Dorf „Poble Espanyol“ aufgebaut, das nach der Ausstellung stehen bleiben durfte und bis heute besichtigt werden kann.

Großartiger Kunstausflug an einen sonnigen Sonntag-Nachmittag.

cmb

 

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Dans les jardins de William Christie

P1350481

Thirè, August 2019

Mittlerweile zum 8. Mal fand in der letzten August-Woche wieder das Barock-Festival im « Garten im William Christie » statt.

Ein absolutes Highlight war die Aufführung der Händel-Kantate « Aminta e Fillide » in der Kirche in dem kleinen Ort Thiré. Diese italienische Kantate  ist ein Meisterwerk, welches der 22 jährige Georg Friedrich Händel (1685-1759)  in seiner Italien-Zeit ab 1707 komponierte. Dort, in Rom, hielt der Komponist sich ein paar Jahre auf Einladung des italienischen Adels auf, vor allem um die angesagten italienischen Opernstile zu erlernen und zu studieren. « Der schöne Sachse » kam in bella Roma  sehr gut an, vor allem als Orgelspieler in San Giovanni di Laterano wurde er hofiert und gefeiert. In Rom tummelte sich in dieser Zeit die musikalische Elite, die trotz Einschränkungen, die das Opernverbot anlässlich des Heiligen Jahren 1700 mit sich brachte, die Musik- und Kompositionswelt florieren ließ.

Graf Ruspoli, seines Zeichens Leiter der Arkadischen Akademie, hatte dem Komponisten und Musiker den Auftrag erteilt, eine ländliche Kantate zu komponieren. Entstanden ist die arkadische Schäferkantate « Aminta e Fillide ». Hier geht es um eine Nymphe, die auf einen jungen Bauern trifft, der sich in sie verliebt. Die abwechslungsreiche Kantate beschreibt die Schwierigkeiten der Beiden, zueinander zu finden und wir verfolgen andächtig und gespannt wie Aminta Fillides Herz in 60 Minuten in dem finalen Duett « O felice in amor dolce tormento » zum Schmelzen bringt.

Händel hat das Werk als eine Art Liebesjagd für für zwei Sopran-Stimmen, Streicher und Clavecin geschrieben. Jessica Niles (Aminta) und Shakèd Bat (Fillide) interpretierten und sangen auf mit- und hinreissendeWeise diese beiden Rollen. Begleitet wurden sie von Solisten der Juillard School of New York. Diese Aufführung ist so schnell nicht zu übertreffen.

Vor dem Kirchenkonzert fanden – wie jedes Jahr in dieser Musikwoche – die kleinen Konzerte an unterschiedlichen Plätzen im Garten seines Anwesens im Süden der Vendée statt. Mitglieder von Christies ausgezeichnetem Ensemble « Les Arts Florissants » bestritten diese delikaten Konzerte, bei denen sich der Meister selber manchmal auch ans Clavecin setzt.

P1350485

 cmb

 

Thiré 2018

Thiré 2017

Thiré 2015

 

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Ost-Berlin – Die halbe Hautpstadt

berlin-ost

In einer gemeinsamen Ausstellung widmen sich das Stadtmuseum Berlin und das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam der Geschichte der „Hauptstadt der DDR“ – von den 1960er Jahren bis zum Mauerfall 1989.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen das urbane Leben und der städtische Alltag in Ost-Berlin. Sie zeigt die Stadt als Lebenswelt im Spannungsfeld zwischen ihrer Funktion als Machtzentrum des SED-Regimes und der sozialen und kulturellen Diversität. Mit einem gesellschaftsgeschichtlichen Portrait von Ost-Berlin werden die mit der Entwicklung der Stadt zur sozialistischen Metropole verbundenen lebensgeschichtlichen Erfahrungsräume der dort lebenden Menschen sichtbar gemacht. (Quelle: Ephraim-Palais)

ephraim Palais

Sehenswerte Ausstellung die im Ephraim-Palais noch bis zum 09.11.2019 zu sehen ist.

Das Ephraim-Palais ist ein in den 1980er Jahren rekonstruiertes Rokokogebäude am Rande des Nikolaiviertels im Berliner Ortsteil Mitte. Es ist denkmalgeschützt und gilt als eines der schönsten historischen Bürgerhäuser der Stadt. Als Museum Ephraim-Palais gehört es heute zur Stiftung Stadtmuseum Berlin. (Wikipedia)

 

cmb

 

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Reaching out for the future

P1080665

Im dritten Stock des Bröhan Museum geht es um das Zukunftsbild oder die Zukunftssehnsucht  zu Beginn des 20. Jahrhunderts!

Der Beginn des Modernismus, des Maschinenzeitalters, die Industrialisierung und ein Vormarsch der Technik haben nicht nur den Mond sondern auch die Unterwelt von Jules Verne näher gebracht.  Plötzlich waren Expeditionen zum Mond, die Erforschung der Ozeane oder das Wohnen auf einem anderen Planeten nicht mehr so unvorstellbar. Von Zeitschriften und von der Filmwelt wurde diese Thema voll ausgeschlachtet. Georges Méliès « Le voyage dans la lune » kam 1902 in die Kinos. Zeichner und Karikaturisten folgten mit futuristischen Zeichnungen und Sammelbildern in Zigaretten – oder Schokoladenpackungen aber auch Plakate zu Fritz Langs Film « Frau im Mond » sind zu sehen.

Und wie wir sehen können, war auch Frau Bärs Flugtaxi damals schon Gesprächsthema.

P1080636
Ausstellungsplakat Bröhan Museum
« Une excursion à Rouen » um 1909 Postkarte Lederer & Popper, Prag Sammlung Peter Weiss, www.www.postcard-museum

Die kleine aber interessante Ausstellung geht noch bis 27. Oktober 2019.

Christa Blenk

 

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