41. Cantiere Montepulciano – Dido und Aeneas

P1000187

 

Schicksalhaftes Mittelmeer

Ursprünglich hatte Hans-Werner Henze es 1975 abgelehnt,  Präsident des sich in Planung befindlichen Festivals in Montepulciano zu werden. Hingefahren ist er im Frühsommer dann doch und hat sich gleich von der Architektur, den Menschen und dem Vino Nobile verzaubern lassen. Offener dafür, kehrte er Ende August zu einem ersten Treffen mit dem Bürgermeister und den Stadträten zurück. Der ganze Ort sollte kreativ-aktiv in dieses Festival eingebunden werden. Damals konnte Hans-Werner Henze noch nicht ahnen, wie prominent und wichtig für die italienische und europäische Musikszene dieses Festival werden sollte.

Mittlerweile klingt und singt es in diesem kleinen Ort in der südlichen Toskana über zwei Wochen im Juli praktisch Tag und Nacht aus allen Palästen, Museen, Plätzen oder Loggias. 3-4 Konzerte täglich sind es mindestens, die die jungen und engagierten Musiker und Solisten dem Besucher bieten. Es ist wie ein Rausch, der die Hitze durchbricht und nicht mal vor der Siestazeit Respekt hat. Still ist es nur morgens um 8.00 Uhr.

Eines der großen Ereignisse oder vielleicht sogar das Hauptereignis dieses Jahr war Purcells Dido und Aeneas unter der Regie von Michael Kerstan. Mit wenig Mitteln und ausgezeichneten Solisten, unterstützt von einem perfekten Chor und dem diskreten Modus Ensemble Roma unter Mauro Marchetti, haben die Protagonisten das Publikum im Tempio di San Biagio – der übrigens auf einen Bauplan von Bramante zurückgeht und ein perfektes Beispiel einer römischen Basilika ist – regelrecht verzaubert.

Das Gefolge von Dido (ausgezeichnet Sabrina Cortese) und Belinda (wunderbar Giulia Manzini), ganz in keusches und unschuldiges Weiß gewandet, ist mit Kreuzen bewaffnet und zieht,  das spätere Drama prophezeiend,  in den Kirchenmittelpunkt unter die herrliche Kuppel. Die Matrosen in blau-gestreiften Seemannshemden kommen von der anderen Seite und ziehen die Papierschiffe von Aeneas (Antonio Orsini)  ans Land. Diese Schiffe brachten beim Publikum ein déjà-vu hervor, hat doch jeder von uns schon mal in Gedanken versunken so ein Schiff aus einem Stück alten Papier gefaltet. Die Segel sollten später noch zum Schutz vor den Hexen und zum Winken benutzt werden; die Kreuze verwandelten sich in Leid bringende Dolche und brachten starke und beeindruckende Bilder hervor. Mehr Requisiten brauchte diese Produktion gar.  Den Rest taten Enthusiasmus, Ideenreichtum, Mimik, Gesten und gute neue Stimmen. Die Truppe hatte mindestens so viel Spass wie die Zuschauer Glück hatten, dabei gewesen zu sein.

 

P1000121
Dido – Aeneas – Belinda

 

Königin Dido zögert und kann sich nur schwer durchringen, ihren Gefühlen für den aus Troya kommenden und in Karthago gestrandeten Aeneas freien Lauf zu lassen. Auf Belindas Drängen gibt sie nach, als es eigentlich schon zu spät ist. Denn die durchtriebene und eifersüchtige Hexe (sehr gut und witzig der Countertenor Stefano Guadagnini, der mit seinen zwei Nebenhexen Lucia Filaci, Caterina Meldolesi, alle in schwarz gekleidet und grell geschminkt  den fröhlich-schelmischen Teil übernahm)  hat schon ihr Intrigennetz gesponnen und damit Didos Glück zum Scheitern verurteilt.  Aeneas wurde überredet abzureisen und Rom wartete darauf, gegründet zu werden. Kerstan lässt Dido blutlos und makellos mit dem wohl schönsten Lamento der Musikgeschichte « When I am laid in earth » dahin sterben. Die Dolchkreuze landeten dafür in den Papierschiffen und versanken im Licht eines Zurbarán-Gemäldes im Mittelmeer.  Spätestens hier brachte Kerstan das Publikum unweigerlich zu den aktuellen Nachrichten der täglichen Schiffs-Katastrophen im Mittelmeer.

 

P1000144
 Aeneas Papierschiffe

 

Kerstan hat die Rolle der Hexe mit einem Countertenor besetzt, was nicht üblich aber durchaus originell ist. Purcell komponierte dieses geniale 60-Minuten-Opus wahrscheinlich für ein Mädchenpensionat, wo es in Chelsea 1689 – nur von Mädchen gesungen – uraufgeführt wurde. Es könnte aber auch sein, dass er es für den englischen Hof komponierte.  Nahum Tate hat das Libretto geschrieben.

Die Produktion erfolgte in Zusammenarbeit mit der Accademia Europa di Musica e Arte Palazzo Ricci, machte bella figura und erntete – zurecht – viel Applaus!

P1000137
nach der Vorstellung

 

Mehr:

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

41. Cantiere Montepulciano – Ensemble 3X3

P1000187

 

Am 15. Juli begann der diesjährige 41. Cantiere Internazionale d’Arte a Montepulciano und seit diesem Tag passieren – noch bis 31. Juli – jeden Tag unzählige Konzerte, Ausstellungseröffnungen, Balletabende oder Opernaufführungen, wie am Eröffnungsabend Icarus, eine Oper von David Blade und Keith Warner.

Das Ensemble 3X3, das wir am 22. Juli im Museo Civico Pinacoteca Crociani hörten, ist auch schon am 19.7. mit dem gleichen Programm in den Chianciano Thermen, ein paar km von Montepulciano entfernt, aufgetreten.

Sie interpretierten die Pastorale op 147 von Darius Milhaud (1892-1974)  für Oboe, Klarinette und Fagott. Ausgezeichnet die Holzbläser, die auch 5 Pièce en trio (1935) von Jacques Ibert (1890-1962) spielten und die Sonata FP 33a in Sol maggiore (1922) von Francis Poulenc (1899-1963) für Horn, Posaune und Trompete. Aufgelockert wurde das Programm durch ein wenig Mozart und Vivaldi von Streichern.

 

P1000063

Ensemble 3X3 im Museo Civico am 22.7.2016

 

Der Regisseur und ehemalige Henze-Assistent Michael Kerstan, der am 22.7. eine sehr originelle und unvergessliche Dido und Aeneas-Aufführung in der Kirche San Biagio (dazu kommt ein gesonderter Bericht) inszenierte, hat außerdem am 23.7. im Teatro Poliziano die Ausstellung von Theater-Projekten aus der Hans-Werner-Henze Sammlung « Scenografie » eröffnet. Hier werden Bilder und Zeichnungen gezeigt, die dem Publikum Henzes umfangreiches Werk künstlerisch ein wenig näher bringen.

 

P1000193
Michael Kerstan und der künstlerische Leiter des Festivals Roland Boer während der Eröffnung

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Summertime – Casa del Jazz

summertime

Direkt an der Aurelianischen Mauer in Rom findet zur Zeit – noch bis zum 15. August – ein Jazz-Festival mit täglichen Konzerten statt.

Gestern abend spielten John Dejohnnette (Schlagzeug und Klavier), Ravi Coltrane (Saxophon) und Matt Garrison (Bassguitarre), vor allem Freejazz im gut besuchten Garten der Casa de Jazz. Heute abend treten Antonio Sanchez und Migration auf und hervorzuheben vielleicht noch das Konzert am 3. August, wenn das Kurt Rosenwinkel Standards Trio die heissen römischen Sommerabende musikalisch begleiten.

Am letzten Abend ist Swing Night!  Musik zum Tanzen und Zuhören mit der Swing Valley Band. Der Eintritt kostet an diesem Abend 10 Euro; die anderen zwischen 15 und 20 Euro.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

My virtual gallery – blog collection N° 19

Guille Caivano – junger spanischer Künstler, lebt und arbeitet zur Zeit in Barcelona.

 

Etoso, mixed media on canvas, 65x100cm, 2013 copia 6
Etoso, mixed media on canvas, 65x100cm, 2013

 

Caivanos neueste Arbeiten befassen sich mit der Gegenwart, mit Europa, mit undefinierten Grenzen und mit Sprachen.

Etoso ist das Wort für Europa in Esperanto. Das Bild könnte auch eine Landkarte aus dem 15. Jahrhundert repräsentieren. Die Grenzen und Formen stimmen nicht ganz, die Erde ist zu nah an der Küste, die Karte wirkt irgendwie verzogen (bewusst) und doch erkennt man es sofort. Der Seefahrer und Navigator Amerigo Vespucci und präzise Kartografen wie Fra Mauro hätten unseren Kontinent vor über 500 Jahren vielleicht so aufgezeichnet, mit ungenauen Geräten aber viel Wissen. Die Karte hätte vielleicht in Venedig oder Genua hergestellt werden können, in der der Renaissance.

virtual gallery - update
Album : virtual gallery - update

19 images
Voir l'album

mehr über Guille Caivano

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez

csm_42_ESDO_Katalog_b88a2f60af
El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez: Katalog-Cover

 

El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez

Hochmut kommt vor dem Fall

Dunkel und furchterregend ist sie, die Malerei dieses Goldenen Zeitalters in dem herrschsüchtigen, strengen und selbstsicheren Spanien, wo es nicht viel zu lachen gab. Die Protagonisten auf den Bildern dieses kulturell so starken Jahrhunderts strahlen keine Freude oder Leichtigkeit aus. Direkt aus dem Manierismus herausgerissen, überbetont, streng ist sie noch lauernd vorhanden, la Santa Inquisición(die heilige Inquisition).

Sevilla, Valencia, Toledo und Madrid bildeten ein produktives Kunstdreieck, während das Land (und die Monarchie) politisch und wirtschaftlich langsam aber unaufhaltbar in den Untergang rutschte.

1492 schickten die Katholischen Könige Christoph Kolumbus in die Neue Welt, China sollte er erforschen, landete aber auf einer Bahamas-Insel. Diese Entdeckung Amerikas (den Namen gab letztendlich der Seefahrer und Kaufmann Amerigo Vespucci) katapultierte Spanien an die politische und wirtschaftliche Spitze Europas. Mit dem Gold aus der neuen Welt konnten Kriege und Eroberungen finanziert werden und eine geschickte Heiratspolitik tat den Rest. Die schönen Künste, Malerei und Literatur, florierten und der offene und optimistische Weltmann Karl V vergrößerte sein Reich vom Pferd aus, auf dem er sein Leben verbrachte. Ganz im Gegensatz zu seinem Sohn. Philipp II war er ein unfreundlicher, religiöser Mystiker, der sein Schloss, El Escorial, so gut wie nie verließ, ein sehr strenges Hofprotokoll verordnete und viel betete! Sein Tod leitete den Barock und das sog. Goldene Zeitalter ein.

Philipp III war ein Dummkopf und Philipp IV ein Verschwender, beide wollten oder konnten nicht sehen, wo es auf der Iberischen Halbinsel krankte. Schon 1601 gab es eine Inflation und mehr Münzen wurden geprägt. Das Land war praktisch bankrott, die Monarchie ignorierte dies und stürzte sich in weitere Kriege. Die Pest wütete und schlechte Ernten ließen das Volk leiden, die Einnahmen aus der neuen Welt wurden weniger und der immer stärker werdende Protestantismus machte dem erzkatholischen Land ebenfalls zu schaffen. 150 Jahre nach dem Fall von Granada wurden immer noch zwangskonvertierte Muslime vertrieben und know how ging verloren. Es ist kein fröhlicher Spaziergang durch dieses schwarz-goldene, stolze Spanien des 17. Jahrhunderts.

Velazquez, Zurbarán und Ribera sind alle drei um die Jahrhundertwende geboren, El Greco 50 Jahre früher und gehörte so eigentlich nicht recht in dieses Zeitalter.

Bartolomé Esteban Murillo (1618-1682) war der letzte dieser Malergenies. Er gründete die Schule von Sevilla. Murillo portraitierte das Leben, volkstümliche Genreszenen wie wir sie aus der flämischen Malerei kennen. Sie verwischen sich schon auch mal mit seinen Heiligengeschichten.Pastetenesser ist ein Spätwerk; er hat es um 1670 gemalt. Hier vereinigt er die Kunst des Stilllebens mit einer volkstümlichen Szene. Es zeigt zwei armselig gekleidete Kinder mit einem Hund, welcher sehnsüchtig auf einen Jungen blickt der sich gerade etwas in den Mund stopft. Im Vordergrund ein reich bestückter Picknickkorb, der irgendwie gar nicht zur Aufmachung der Kinder passt. Das Gemälde ist sonst in München in der Alten Pinakothek zu hause.

Fast 100 Jahre früher hat der aus Kreta stammende El Greco (1541-1614) das hier ausgestellte Bild Christus am Kreuz mit zwei Stiftern gemalt. Dunkelgrau und bedrohlich, spielt der Gründer der Schule von Toledo mit den Farben Schwarz und Weiß. Der weltliche Stifter betend mit weißer Halskrause auf schwarzem Umhang rechts stellt das Gleichgewicht zum kirchlichen Stifter mit schwarzem Priesterkragen auf weißem Gewand links her; gleiches passiert mit den Wolken, die sich auf beiden Seiten des Gekreuzigten bauschen und El Grecos spitze, schmal-leidende Gesichter einrahmen.

In Valencia arbeitete der ursprünglich aus Italien stammende José (Jusepe) de Ribera (1591-1652). Ribera war neben Caravaggio der bedeutendste Naturalist der Schule von Neapel. Sein chiaro-scuro ging tiefer als das von Caravaggio und seine knochigen, alten und ausgemergelten Modelle, die meist aus den Armenvierteln kamen, sind mitleidserregend und noch dramatischer. „Lo Spagnoletto“ (der kleine Spanier) nannte man ihn. Meisterhaft und bestechend und sehr modern ist seine hier gezeigte Zeichnung Kopf mit Verband, die um 1630 entstand. Sie lässt an die Nachkriegsszenen von Otto Dix denken. De Ribera war außerdem einer der ganz großen Druckgraphiker, der später nur noch von Goya übertroffen wurde. Viele Radierungen von ihm sind allerdings nicht erhalten. Man nimmt an, dass er sie vorallem fertige, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, als er noch in Italien lebte. Einige davon sind permanent im Berliner Kupferkabinett.

In Madrid brillierte der Hofmaler von Philipp IV, Diego Velázquez (1599-1660). Olivares, von dem auch ein Portrait zu sehen ist, holte ihn im Auftrag des König Philipp IV aus Sevilla nach Madrid, weil es Velázquez u.a. auch verstand, die Anzeichen der Dekadenz der spanischen Monarchie auf den königlichen Gemälden zu vertuschen. Philipp IV wusste das zu schätzen und machte Velazquez zu einem hochbezahlten Kultur-Beamten. Pinselstrich, Farbpalette, Motiv, Licht und Luft auf Velázquez‘ Werk sind nicht zu übertreffen. Leider sind von ihm nicht viele Meisterwerke gekommen. Die Dame mit der Hand am Stuhl, die uns recht kalt, aber unsicher-arrogant direkt ansieht, ist sonst auch in der Berlin zu sehen. Makellos vollendet ihr Kleid mit Goldbordüren, der Hintergrund wie von Turner gemalt. An Turner denkt man bei Veláquez‘ Bildern sowie immer wieder. Auch das Portrait aus dem Prado von Francisco Pacheco, Velázquez‘ Schwiegervater, hat es in sich. Hier entblößt der Meisterschüler die Seele seines strengen Lehrers. Die Halskrause ist ein vollkommenes Kunstwerk an sich. Weiß-grau-bläulich unterbricht sie die schwarzen Haare, das braune Bauerngesicht und das schwarze Kleid. Es entstand um 1620.

Veláquez‘ müder und in Philosophenpose sitzender Mars entstand 1641 und kam aus dem Madrider Prado nach Berlin. Das Bild ist so unvelazquisch und zeigt durchaus Rubens-Charakter. 1628 kam Rubens nach Madrid und war für ein paar Monate Gast am spanischen Hof. Rubens hat Veláquez zwar nicht unbedingt beeindruckt, aber seinen Wunsch, die großen Italiener kennen zu lernen, bestärkt. Ein Jahr später, 1629, gewährte ihm der König dann bezahlten Urlaub und Velázquez machte sich mit großem Gefolge auf nach Italien und lernte die Bilder von Raffael, Michelangelo, Tizian und Tintoretto kennen.

Von Francisco de Zurbarán (1598-1664) hängt das Schweißtuch der Veronica in der Ausstellung, es ist ein minimales Meisterwerk. Zurbaráns Motive waren meist Mystiker oder Heilige mit verklärtem Blick, die Hintergründe oft düster und verschwommen und Details aufs minutiöseste ausgearbeitet. Die Heilige Margarete von Antiochien entstand um 1635 und kam aus der Londoner National Gallery nach Berlin.

Das Bücherstillleben entstand 1635 in der Madrider Schule und gehört zum Bestand der Gemäldegalerie; es ist eines der wenigen Zeugen, die auf die auch so blühende Literatur und Theaterlandschaft zu Beginn des 17. Jahrhunderts hinweisen. Die Bücher sind im Gebrauch, sie wurden oft aufgeschlagen und umgeblättert, gierig, lernfreudig. Fast tut es uns leid, dass sie so zerlesen sind. Ein Federkiel und eine Sanduhr als Symbol der Vergänglichkeitsind ebenfalls zu sehen.

csm_40_ESDO_Kleuker_a5ce31d77d
El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez
Ausstellungsansicht – © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Achim Kleuker

Von Büchern umgeben ist auch Velázquez‘ Hofnarr Diego de Acedo (1635). Aus dem Prado kam es nach Berlin und ist eines der Meisterwerke, von denen man gern noch mehr gesehen hätte. Schwarz-grünlich das Gemälde, Lichtfokus sind die weißen Blätter der Wälzer. Hilflos-traurig schaut er schräg nach unten, in die leere Velázquez-Luft.

Es geht hier schließlich um das Zeitalter von Miguel de Cervantes, Francisco de Quevedo, Lope de Vega oder Luis Gongora.1605 erschien der erste Teil von Cervantes‘ Don Quijote, nur 10 Jahre später der Zweite. Schon 1621 begann man mit einer deutschen Übersetzung, die ersten 23 Kapitel sind schließlich 1648 erschienen. Die Tieck-Übersetzung gab es dann erst 150 Jahre später.

Auch die Skulptur des 17. Jahrhunderts ist mit beeindruckenden Werken vertreten, darunter eine schmerzensreiche Mutter von Pedro Roldán. Die Madonna weint Glasperlentränen, die aus von Trauer verschleierten Augen fließen. Die Skulptur entstand 1670 und beschloss das Ende dieser segensreichen Periode, dem Siglo de Oro!

Nach dem Tod 1665 von Philipp IV kam sein Sohn Karl II an die Macht. Inzuchtgeschädigt und gesundheitlich sowie geistig schwer angegriffen starb dieser im Jahre 1700 ohne Nachfolger; die Person Karl II hat Dichter und Komponisten immer wieder inspiriert und bewegt. Mit ihm erstarb auch das Habsburgergeschlecht in Spanien und die französischen Borbonen übernahmen das Zepter.

An die 150 zum Teil bemerkenswerte Exponate aus großen Museen aber auch viel aus dem Berliner Fundus sind in der Ausstellung zu sehen, nicht nur von den fünf Großen. Man lernt auch einige weniger oder unbekannte Maler und Bildhauer kennen. Manche Leihgaben waren zum ersten Mal in Deutschland.

Und trotz Zurückgreifen auf die beachtliche Sammlung spanischer Kunst in der Gemäldegalerie hat die Spanierin Maria Lopez-Fanjulvier Jahre für diese Ausstellung gearbeitet.

Bis zum 30. Oktober ist sie noch zu sehen.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Carl Andre – Sculpture as Place

carlandre

 

Carl Andre : Sculpture as Place, 1958-2010

In den Rieckhallen des Hamburger Bahnhofes sind seit dem 5. Mai über 300 Arbeiten dieses  amerikanischen Minimalisten zu sehen. Eine komplettere oder größere Ausstellung über diesen Künstler hat es noch nie gegeben.  Arbeiten aus 50 Jahren, Skulpturen, Installationen, Fotos, Gedichte, sogar seine Assemblagen „Dada Forgeries“ sind dabei.  Einen adäquateren Ort als die Rieckhallen hätte man für Carl Andre nicht finden können. Als ehemalige Lager- und Speditionshallen können diese Räume problemlos mit Andres Dimensionen umgehen bzw. sie beherbergen und wenn man aus dem Fenster sieht, blickt man auf Baumaterial und Container, die fast wie eine „schlampige“ Fortsetzung seiner Werke wirken. Der geneigte Besucher darf sogar über die Bodeninstallationen gehen, allerdings nicht mit nassen Schuhen!

Auf dem Weg zu den Rieckhallen geht es aber zuerst in die historische Halle des Museums. Dort  steht eine 1995 entstandene zehn Meter große Arbeit 6-Metal Fugue.  Andre hat  diese 1296 Quadrate aus verschiedenen Metallen dem Chemiker Dimitir Mendelejew  gewidmet. „Das Periodensystem der Elemente ist für mich das, was für den Maler das Farbspektrum ist“, beschreibt Andre seine Installation. Er selber sieht sich als Turner der Moderne und wenn man um die Skulptur herumflaniert, kann man dem nur zustimmen.

Die Skulptur Zeitlos 5-7 wurde für diese Halle 1988 anlässlich der Ausstellung Zeitlos. Kunst von heute im Hamburger Bahnhof gefertigt.

In den ersten Räumen der Rieckhallen befinden sich seine früheren Arbeiten. Langsam muss man an den Werken entlang oder über sie hinweg schreiten, sonst spürt man den Zauber des Einfachen, Unfertigen, Kruden nicht.  Die Anordnung der Werke hat er persönlich überwacht oder überwachen lassen. Da geht es um Millimeter und immer findet man die Verbindung von einem Block zum anderen und versteht, warum er gerade so und nicht anders liegen muss.

Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist seinen Gedichten gewidmet. Worte sind ebenfalls Werkzeuge, um eine Skulptur zu schaffen.  Von 1960 bis 1965 war er in einer sehr ausführlichen und produktiven dichterischen Phase.  Alles ging immer nach System und nach Pattern, obsessionell.

carlandre1
Carl Andre – Historische Halle (Karlsplatz)
 

Und so geht es von einem Raum in den anderen, Filme sind zu sehen, zwischendurch immer wieder Gedichte oder kleinere Arbeiten, Dada Manches, minimal das Meiste.

„My work doesn’t mean anything, it’s just the presentation of materials in den clearest form I can make it“ (Carl Andre, 2013).

Passport ist ein Skizzenbuch, in dem er von ihm benutzte Materialien oder Meisterwerke der Kunstgeschichte festgehalten werden, wie Goya, Brancusi, Gorky, Lord Byron oder Frank Stella.

Carl Andre ist 1935 in Massachusetts/USA geboren und lebt und arbeitet in New York. Er hat unseren Umgang mit Skulptur oder den dazu verwendeten Materialien komplett verändert, unseren Blick geschärft. Andre hat uns gezeigt, wie schön eine verrostete Eisenplatte sein kann oder wie viel Poesie ein nicht abgeschliffener Holzblock ausstrahlen kann. Er ist ohne Zweifel der Mittelpunkt der Minimal Art. Seine Materialien sind Holzbarren, Stahl, Kupfer, Aluminium, Steine, Ziegel oder Platten. Andre ging als einer der ersten aus dem Atelier und arbeitete ortspezifisch. Der Ort an dem er etwas errichtet ist immer Teil der Skulptur (sculpture as a place).  Schon 1960 hörte er auf, seine Materialien zu bearbeiten und bewegte sich immer weiter weg von geschaffenen Formen oder Umrissen. Er zerschneidet nicht das Material als solches sondern zerschneidet mit dem Material den Raum (cut), den er gerade bearbeitet.

Die Ausstellung hat Lisa Marei Schmidt kuratiert; sie geht noch bis 21. September 2016.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

No it is! – William Kentridge in Berlin

Kentridge 015

Vergehen, Verwehen, Verändern, Verzaubern, Verlieren

Als die Bilder laufen lernten oder: die Massendemonstration, die von einer Kaffeekanne aufgesogen wird.

William Kentridge ist einer der interessantesten zeitgenössischen Künstler. Berlin widmet ihm in diesem Jahr einen Theater und Kunstsommer. Im Rahmen des Festivals Foreign Affairs  sind im Martin-Gropius-Bau Filme, Zeichnungen, Objekte und Rauminstallationen zu sehen, begleitet wird dies durch Lecture-Performances, Theater- und Musikveranstaltungen an anderen Orten in Berlin.

Im ersten Raum läuft die Videoinstallation, die Kentridge dem französischen Film-Pionier Goerges Méliès (1861-1938) widmete (Seven Fragments for Georges Méliès). Auch Méliès hat mit dem in seiner Zeit zur Verfügung stehenden Techniken experimentiert. Kentridge tut das gleiche und lässt die Aufnahmen rückwärts abspielen. Der Kaffee läuft in die Maschine und der Malpinsel nimmt die getätigten Striche wieder auf und Bücher schlagen sich umgekehrt zu oder auf. Welt und Zeit stehen auf dem Kopf. Und schon ist sie wieder da, Kentridges Obsession: DIE ZEIT! Wieder steht sie im Raum, die Frage, ob man sie, die Zeit, zurückdrehen kann.

Bei dem Film Day for Night vermischen sich Ameisen mit Sternbildern und Journey to the Moon ist der Schlüssel zu seiner ganz persönlichen Wunderkammer. Hier gehen wir auf seinen Spuren durch sein Atelier. Arbeitsprozesse werden vorgestellt und das Hilfsmaterial wird präsentiert.  

Weiter geht es mit seinen in Johannesburg 1989 begonnenen Animationsfilmen, die anhand von Kohle oder Kreide entstanden sind.  Drawings for Projection sind Filme wie Felix in Exile (1994) oder Tide Table (2005). Sein Hauptprotagonist ist Soho Eckstein, ein nicht sehr sympathischer weißer Minenbesitzer, der Im Nadelstreifenanzug vor seinem Schreibtisch sitzt und immer reicher wird.  Ms Eckstein, so wie es aussieht, ist jung und hübsch und hat wohl ein Verhältnis mit Felix Teitlebaum. Diese Produktion ist genial gemacht und verändert sich ebenfalls durch Überwischen oder Überlagerung bzw. Ausradierungen (24 Bilder pro Sekunde im Film).

More sweetly play the Dance (2015) ist eine 44 Meter lange Prozession wie man sie vielleicht in New Orleans sehen und hören kann. Lebensgroße trommelnde Figuren, singende Skelette, tanzende Geräte vereinen sich zu einem Totentanz nach dem Gedicht Todesfuge” von Paul Celan. Eine Allegorie der Mühe und der Vergänglichkeit.

Die Video-Installation The Refusal of time (2012) beschließt die Ausstellung, aber dem Besucher fällt es schwer, zu gehen. Sie lässt ihn nicht los. In der Mitte steht The Elephant, nach einer Metapher von Dickens Hard Times, die über die Monotonie der Industrialisierung philosophiert.  Sie spuckt Bilder und Fragmente aus, begleitet von Metronomen, die wieder den Faktor Zeit ins Spiel bringen. Die Musik dazu ist von Philip Miller; die Choreografie von Dada Masilo. Diese Installation wurde auf der dOCUMENTA (13) gezeigt.

Medienübergreifende Geschichte, Buschmagie aus den afrikanischen homelands, Goyas Schwarze Malerei  oder die surreal-expressionistischen und witzig-beunruhigenden  Zeichnungen und Radierungen von Gerardo Aparicio standen hier Pate.

Kentridge, der eigentlich Anwalt, wie sein Vater werden wollte, beeindruckt nun mit seinen sprudelnden sozialen oder kritischen Ideen als Künstlerbotschafter die Welt.

Kuratiert hat die Ausstellung Wulf Herzogenrath. Sie ist noch bis zum 21. August im Martin-Gropius-Bau zu bewundern.

Don’t miss it – die Zeit rennt!

Christa Blenk

Kentridge in Rom am Lungotevere

Refuse the Hour

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

My virtual gallery – blog collection N° 18

Cristina Crespo – italienische Künstlerin, lebt und arbeitet in Rom.

Cristina Crespo ist eine nostalgische Romantikerin. Sie liebt die Liberty-Zeit, Blumen, Tanz, Theater und den Orient. Ihre letzten Arbeiten haben sich vor allem mit dem Tanzikonen der 20er und 30er Jahre befasst. Sie hat sie alle, Rubinstein, Duncan etc. in ihre ganz persönlichen Theaterinszenierungen eingebaut. Intensiv, delikat und einmalig.

cristina crespo

 

 

mehr über Cristina Crespo

Artikel in italiensicher Sprache

My virtual gallery – blog collection N°17

Anna Romanello – Italienische Malerin und Grafikerin, lebt und arbeitet in Rom.

Anna Romanello ist in Kalabrien geboren, hat in Mailand und Paris studiert und sich dann in Rom niedergelassen, wo sie an der römischen Kunstakadamie unterrichtete. Ihr großer Lehrer in Paris war SW Hayter und von ihm hat sie auch Alles über das Grafische in der Kunst gelernt. Sie selber hat im Laufe der Jahre neue und innovative Grafik- und Radierungstechniken entwickelt, über die sie sich in von ihr organisierten workshops mit anderen europäischen Größen der Radier- und Grafikkunst austauschte und die sie in ihren persönlichen Arbeiten ebenfalls anwandte. Ihre abstrakt-expressionistischen Arbeiten strahlen Energie und Licht aus. Orange, Rot, Grün sind auch ihre Lieblingsfarben, wenn es um Kleidung geht.

 

ovale colonna (2)
Ovale Colonna (2016)

Das hier gezeigte Werk gehört schon zu ihren neuen Arbeiten, die im Herbst in Rom auf dem Celio Hügel (Case Romane al Celio) gezeigt werden. Die römische Säule steht im Dialog mit ihrer Arbeit, die sich von den Farben her vom römischen Rot-braun absetzt. Romanellos Farben erzählen von der grellen Sonne und dem flimmernden Licht das sie in Süditalien, wo Romanello aufwuchs, jahrelang in sich aufgesogen hat.

virtual gallery - update
Album : virtual gallery - update

19 images
Voir l'album

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Mehr über Anna Romanello

William Kentridge – Triumphs and Laments – Rome project 2016

William Kentridge – “Triumphs and Laments”

Seit April 2016 präsentiert William Kentridge in Rom am Tiberufer, auf 500 Metern zwischen Ponte Sisto und Ponte Mazzini, seine persönliche Interpretation der Geschichte Roms. Aufstiege und Niederlagen, Krieg, Frieden, Flucht.

Die römische Wölfin oder der Tod von Remus stehen den Taten von Herkules gegenüber. Ciceros Kopf, der Engel auf der Trajansäule, Papst Gregor VII und der Antipapst gleich neben dem abtrünnigen Mönch Giordano Bruno, dem von der Inquisition zuerst die Zunge herausgerissen wurde, und der anschließend bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung und Garibaldis Soldaten neben Anita Ekberg und Marcello Mastroianni umarmt im Trevi Brunnen. Alle Ereignisse, ob dramatisch oder erfolgreich sind gleichberechtigt und trotzen der Zeit, sind weder vergessen noch verdrängt. Der Kopf von Berninis Heiliger Theresa in Ekstase und der tote Körper Pasolinis am Strand von Ostia in einem Atemzug mit Benito Mussolini als stolzer Reiter. Nicht fehlen darf natürlich die Bialetti Kaffeemaschine. Über 80 Figuren an der Zahl. Vom gegenüber liegenden Ufer hat man einen besseren Gesamteindruck, aber die Nähe zu den überdimensionalen Werken wenn man direkt darunter steht und nur schwer erkennen kann, worum es geht, ist fast gespenstig.  

Minuaturmauer im Museum

Eine Ausstellung im Museum für Zeitgenössische Kunst in Rom (MACRO) bereitet den Zuschauer auf das ikonographische Mammutwerk vor. Zwei Projekträume bringen uns die Idee näher. Auf einem Film kann man Kentridge im Dialog mit seinem Alter Ego zuhören, wie er sein Projekt vorstellt oder mit ihm diskutiert. Die Idee zu dieser idiosynkratischen Präsentation ist schon vor ein paar Jahren entstanden. Zuerst zeichnete Kentridge mit Kohle und Tusche auf alte Bögen, die aus einer Buchhaltung stammen könnten, dann werden diese, aleatorisch scheint es, zerschnitten oder zerrissen und wenn die Schnipsel sich wieder finden oder auch nicht finden, kommt Bewegung in die Figuren und es entstehen Engel oder Pferde. In Miniatur- und Scherenschnitttechnik werden die 500 Meter auf 5 Meter reduziert gezeigt.

Schon Weihnachten 2015 hat er mit den Arbeiten am Mauerfresko begonnen. Mit Hilfe riesiger Schablonen, die mit Spezialmaschinen angefertigt wurden, ließ er die Farbe im Negativ auf die Mauer auftragen. Den Schmutz an der Ufermauer hat er gleich in sein monumental-schwarz-weiß-Fresko mit einbezogen. Ein weiterer Film in der Ausstellung dokumentiert die aufwendigen Arbeiten des Anbringens.

Die Zeit ist für Kentridge eine fundamentale Inspiration und immer wieder befasst er sich in seinen Werken damit. Zeitlos und aktuell ist auch dieses, sein letztes Werk und man versucht gar nicht, die Personen einer Epoche zuzuordnen. Sie verwischen sich oder gehen ineinander über. Eine Geschichte bringt uns zur nächsten.

Schwarz-weiß sind seine Arbeiten, Licht und Schatten, Scherenschnitte und Zeichenkohle. Schwarz-weiß ist er auch immer gekleidet, dieser große Kentridge.

P1320672

Die Fresken hat er nicht für die Ewigkeit gemalt. Wie lange sie halten werden Zeit und Wetter bestimmen – und natürlich die römischen Bürger. Vor ein paar Tagen hat nämlich der Aufbau von Markt- und Essständen direkt vor der Mauermalerei begonnen (zum großen Ärger von Kentridge), die den Sommer über die Besucher an das sonst eher nicht so belebte und beliebte Tiberufer locken sollen. Die römische Geschichte muss dann hinter Pizza, Bier, Zuckerwatte und Eis zurücktreten! Hier werden ganz klar Prioritäten gesetzt!

Der südafrikanische Künstler und Theatermann, William Kentridge, gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Kunstwelt. 1955 in Johannisburg geboren, studierte er in Südafrika und Europa. Kentridge hat viele Preise gewonnen und ist Ehrendoktor der Yale University. Er ist außerdem Dauergast bei der Documenta und bei der Biennale von Venedig und das Welttheater reißt sich darum, mit ihm zusammen zu arbeiten.

Die Ausstellung ist noch bis 2. Oktober 2016 zu sehen (ob allerdings die Fresken so lange halten!). Die Ausstellung Projekt Room #1 und #2 hat Federica Pirani mit Unterstützung von Claudio Crescentini kuratiert und ist in Zusammenarbeit mit der Galleria Lia Romma Mailand entstanden.  

Mehr: triumphs and laments

Christa Blenk

Hauskonzert bei Elizabeth Sombart

P1320981
Elizabeth Sombart – Sala Résonnance

 

Ca einmal im Monat lädt Elisabeth Sombart zu ihrem Hauskonzert in die Sala Résonnance in Trastevere ein. Das Programm kennt man vorher nie und meistens spielt sie nicht alleine. Heute abend boten zuerst zwei ihrer Masterclass Schüler eine ziemlich gute Aufführung von Schumanns Klavierkonzert dar. Sie selber spielte im Anschluss ein wenig Brahms und Saint-Saëns, Werke die schon zu ihrem nächsten Album gehören, das im September in London aufgenommen werden soll. Nach dem kostenlosen Konzert bleiben  die Besucher noch zu einem kleinen Imbiss. Dieser Ort ist sicher einer der originellsten Konzertorte in Rom, gleich am Einfang rechts eine filigrane Kappelle und links ein wunderschöner Privatgarten.

Wo die Musik sonst nie hinkommt!

Elizabeth Sombart ist Gründerin und Präsidentin der « Fondation Resonnance », die 1998 entstand und in Frankreich, Italien, Belgien, Rumänien, Spanien und im Libanon aktiv ist. Es geht hier hauptsächlich darum, klassische Musik an Orten aufzuführen, an denen sonst keine Musik gemacht wird wie Krankenhäuser, Pflegeheime, Strafanstalten etc.  Außerdem gehören Klavierschulen zum Programm, die frei und ohne Prüfung oder Altergrenze unterrichten. Schließlich war Franz von Sales der Patron der Intellektuellen und Gehörlosen!

Sombart ist keine typische Pianistin, die im strengen schwarzen Abendkleid auftritt. Heute abend hat sie ohne Schuhe gespielt!

Elizabeth Sombart ist 1958 in Straßburg geboren, dort hat sie auch Klavierunterricht bekommen. Später studierte sie in Buenos Aires und in London, später in Wien, u.a. auch bei Celibidache. Musik-Phänomenologie gehört zu ihrem Spezialgebiet.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

My virtual gallery – blog collection N°16

Antonio Passa – italienischer Minimalist; lebt und arbeitet in Rom

Der italienische Künstler und Kunstanalytiker Antonio Passa befasst sich seit über 40 Jahren mit dem Zusammenspiel von Malerei und Mathematik. Sein Auftragswerk « Il Ri-tratto di Antonio » wurde sogar in Musik von Riccardo Santoboni umgesetzt. Der Titel ist ein Wortspiel und bedeutet einmal Selbstportrait (ritratto) aber auch die Wörter Gerade-Linie sowie Abhandlung sind darin versteckt.

 

P1140612
Il Ri-tratto di Antonio (2008) 240 x 430 cm
 

1939 ist Antonio Passa am Tyrrhenischen Meer geboren. In Neapel hat er Kunst studiert und in Bologna seine Doktorarbeit über « Poesia Visiva » fertig gestellt. 1970 kam er nach Rom und setzt sich seitdem mit dem konzeptuellen Dialog in der Kunst auseinander, unterlegt hat er dieses Konzept 1973 mit der Serie Quadro Quadrato.1986 war der Teilnehmer bei der Biennale di Venezia; zweimal war er bei der Quadrienale in Rom vertreten.

Mehr über ihn und sein spannendes Werk

virtual gallery - update
Album : virtual gallery - update

19 images
Voir l'album

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Römische Wandmalereien im Palazzo Massimo

 P1320854P1320860P1320864
Casa Farnesina

 

Die Villa Iulia oder Casa della Farnesina stand um 20 v.C. am Ufer des Tibers. Man sagt, sie sei der Wohnsitz des Marcus Vipsanius Agrippa gewesen. Sie wurde seinerzeit zu nahe am Tiberurfer gebau und war deshalb vor Überschwemmungen nicht sicher. Als am Ende des 19. Jahrhunderts die Dammarbeiten begannen, wurde sie in den Gärten der Renaissance-Villa Farnesina entdeckt. Vier Räume und zwei Gänge sind fast vollständig erhalten. Die Wände waren reicht verziert mit typischen frühaugustischen Motiven. Ähnlich den Fresken der Casa di Livia sind auch diese im 2. und 3. Stil der römischen Wandmalerei entstanden. Heute zählen sie zu den wichtigsten Zeugen dieser Zeit um die den Beginn des Christentums.

Direkt nach ihrer Entdeckung wurden die Fresken abgenommen und sind heute im Palazzo Massimo, am Bahnhof Termini, zu bestaunen, ebenso wie die Malereien der Casa di Livia, die ursprünglich an der Prima Porta hingen.

 

P1320841P1320834P1320848
Casa di Livia

 

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

Abschlusskonzert – Consorzio Liberi Musicisti

P1320828

 

Am 11. Juni 2016 fand in der Sala dell’Immacolata Santi Apostoli das letzte Konzert dieser Saison organisiert durch Consorzio Liberi Musicisti statt. Dieser Abend war der Musik des 20. Jahrhunderts gewidmet – großzügig ausgelegt! Die Pianistin Eunmi Ko spielte Werke von Ligeti, Ruggeri, Bartók, Biscione, Liberatore, Annunziata und Liptak. Sie alle (ausser Bartók) sind im 20. Jahrhundert geboren.

Es gab eine Welt-, eine Europa-, eine Italien- und eine Romuraufführung gestern Abend.  

Eunmi Ko eröffnete mit György Ligetis (1923-2006) Musica ricercata (1951-1953 entstanden). Es sollte sich als das zeitgenössischte von allen herausstellen. Obsessiv, rhytmisch, mathematisch und war sicher sehr schwer zu spielen, aber eigentlich nicht schwer zu hören. Es folgte Poesia senza parole von Guido Ruggeri (*1972), der auch anwesend war, spätromantisch und inspiriert von einem Gedicht von Alda Merini. Von Béla Bartók (1881-1956) spielte sie zwei der 10 Easy Pieces ( Evening in Transylvania und Bear Dance), die er um 1908 komponierte. Das kurze Werk Microsuite von Federico Biscione (*1965) war eine Welturaufführung und eine klare Bach-Referenz. Er war ebenfalls gestern Abend anwesend. Interessant und das spannendste Werk an diesem Abend die sehr intellektuelle Komposition des jungen Amerikaners John Liberatore (*1984), sie entstand dieses Jahr.   Line Drawing I-IV war italienische Uraufführung. Die vier Stücke für Piano (Preludio, Invenzione, Egloga, Danza) von Alessandro Annunziata (*1968) entstanden 2006 und wurden in Rom gestern zum ersten Mal gespielt. Annunziata hat sie für den italienischen Pianisten Fernando Rossano komponiert, ausdrucksstarke, farbenreiche und lyrische Bilder. Annunziata war gestern abend nicht nur als Komponist vertreten, er ist auch der Organisator dieser Konzertserie. Aus Constellations vom amerikanischen Komponisten David Liptak (*1949) wurden Cygnus, Cassiopeia und Lyra als europäische Uraufführungen  gespielt.

Interessantes Programm, die Akkustik in diesem Saal lässt allerdings zu wünschen übrig und die Pianistin hat nicht immer den richtigen Anschlag für den schwierigen Saal gefunden.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

 

 

Status of Lost Imagery – Antonia Low

P1320755

 

Die Stipendiatin der Casa Baldi in Olevano Romano, Antonia Low, präsentiert seit vorgestern im Palazzo Altemps in Rom ihre Installation « Status of Lost Imagery ».

Es geht hier um die Bombardierung des Palmyra-Museum. Low hat ein Zeitungsfoto von der Verwüstung des archäologischen Museums vergrößert und dieses gepixelte Bild auf Stoff gedruckt. Wir reden hier von der Fläche von ca. 80 qm, womit der Saal, ein Seitenflügel dieses römischen Museums, auch komplett ausgefüllt ist.  Mit Schutzschuhen darf man die Ruinen betreten, das heisst sich über und in  ihnen bewegen. Hier sieht man eine Statue ohne Kopf, dort kann man die Umrisse von Gebäudeteile ausmachen. Die installierten Abgrenzungen erinnern an die damals abgesperrten Zonen.

Low hat mit dieser Installation den Ruinen einen anderen Sinn gegeben, in dem sie sie als zeitgenössische Kunst präsentiert und sie so – verwandelt – wieder ins Geschehen und in die Kunstwelt zurückholt. Als Besucher fühlt man sich wie ein Zeitreisender, der nicht genau weiß, in welchem Jahrhundert er sich gerade aufhält. Eine Art Schwindelgefühl, da man gefühlt über kleine Anhöhen steigen oder Löchern ausweichen muss. Low hat das Riesenstoffposter so drapiert, dass eine unendliche Tiefe entsteht, es werden verschiedene Ebenen vorgetäuscht, ein trompe-l’oeil.

Man braucht ein wenig Fantasie; das Ausgangsfoto ist nicht ausgestellt. Sie hat es aber wohl bewusst weggelassen. Somit gibt es keinen Vergleich, kein Vorher / Nachher.

Die Zerstörung erfolgte im Frühjahr durch eine Bombe, sie könnte aber auch auf ein Erdbeben,  eine andere Katastrofe oder einfach nur auf zu viele Touristen zurückzuführen sein. Lediglich ein ausgelegter Zettel gibt ein wenig Info. Vielleicht wollte die Künstlerin das Publikum einfach nur mit der Zerstörung an sich konfrontieren und eine Auseinandersetzung damit herbeiführen.

Beeindruckende Installation, die man nur zögernd, ungern wieder verlässt, obwohl sie Beklemmung hervorruft.

P1320737P1320722P1320727
Rauminstallation Antonia Low im Palazzo Altemps (Fotos Christa Blenk)

Im  Palazzo Altemps befinden sich römische und griechische Skulpturen, alle älter als 2000 Jahre, so alt wie die zerstörten Tempel in Palmyra. Direkt daneben die Ruine eines römischen Palazzo, ihn hat die Zeit und die Nutzung zerstört.

Die Installation ist noch bis zum 3. Juli 2016 zu sehen.

Antonia Low ist 1972 in Liverpool geboren, lebt aber hauptsächlich in Berlin. Low befasst sich bei fast all ihren Arbeiten mit dem Raum oder abgeschlossenen, eingegrenzten Flächen.  So heißen ihre Installationen « Der verlorere Raum » oder « A Room recalls » etc.

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

My virtual gallery – blog collection N°15

Gerardo Aparicio (*1944) – spanischer Künstler. Er könnte irgendwo zwischen Surrealismus und Expressionismus oder Dada angesiedelt werden: aber er ist einzigartiger!

Aparicio ist ein unverwechselbarer und origineller und sehr unabhängiger Individualist, ein „positiver“ Grübler, ein Skeptiker und Schwarzseher. Das Ephemere, das Instabile, das Komische (manchmal), die Magie und der Tod sind seine Themen. Epidemien und Katastrophen assoziiert man mit seinen Arbeiten, in ihnen ist Raum für Zeichnung, Farbe, Poesie, Zauber, Magie, Alchemie, Phantasie und Semantik. Grelle und mächtige Farben wie Rot stehen im krassen Gegensatz zu seiner makabren Thematik. Die Auseinandersetzung mit seinen geheimnisumwitterten Protagonisten ist dermaßen, dass sie – fast wie bei einem Fortsetzungsroman – ein Eigenleben entwickeln. Schön sind sie allemal!

Heute lebt und arbeitet er in Madrid.

 

Gerardo Aparicio
 Gerardo Aparicio – Escala 2009- Óleo/lienzo 40×47 cm

 

Mehr über den Künstler

 

Weitere Künstler in der Virtual Gallery

My virtual gallery – blog collection N° 14 – Emanuel Borja

My virtual gallery – blog collection N° 13 – June Papineau

My virtual gallery – blog collection N° 12 – Schirin Fatemi

My virtual gallery – blog collection N° 11 – Natividad Gutierrez

My virtual gallery – blog collection N° 10 – Christa Linossi

My virtual gallery – blog collection N° 9 – Guillermo Lledó

My virtual gallery – blog collection N° 8 – Carlos de Gredos

My virtual gallery – blog collection N° 7 – Rosa Quint

My virtual gallery – blog collection N° 6 – Paola Romoli Venturi

My virtual gallery – blog collection N° 5 – Dominique Cozette

My virtual gallery – blog collection N° 4 – Cesar Borja

My virtual gallery – blog collection N° 3 – Helena Aikin

My virtual gallery – blog collection N° 2 – Tiziana Morganti

My virtual gallery – blog collection N° 1 – Véronique Pettit Laforet

Thematische Rom-Spaziergänge: Renaissance

Ein Spaziergang durch das Rom der Renaissance

Renaissance ist die Zeit zwischen Quattrocento (15. Jahrhundert) und Cinquecento (16. Jahrhundert), sie löste das Mittelalter und die Gotik ab und wurde später vom Manierismus und Barock verdrängt. Unter Papst Nikolaus V wurde auch Rom ein einem bedeutenden Humanismus-Mittelpunkt und Anziehungspunkt für Gelehrte und Künstler. Papst Sixtus IV öffnete die Kirche für Kunst und Wissenschaft. 1471 wurde der Bau der Vatikanischen Bibliothek begonnen. Botticelli, Perugino, Pinturicchio und anderen kamen nach Rom und schließlich auch Michelangelo und malte das berühmteste Kunstwerk der Welt- die Sixtinische Kapelle. Nach dem Tode von Sixtus IV kamen die Borgias an die päpstliche und politische Macht und eine sehr turbulente Zeit begann. Der Borgia Papst Alexander VI war skrupellos, machtbesessen und hatte mindestens zwei Kinder (Cesare und Lucrezia). Gewalt, Mord und Nepotismus blühten und gehörten zum täglichen Geschäft. Unter den Folgepäpsten erreichte Rom einen unglaublichen kulturellen Höhepunkt und übertrumpfte Florenz. Sogar das wirtschaftliche Zentrum und das Bankenwesen siedelten sich in Rom an. 1527 plünderten die Truppen Kaiser Karls V Rom (Sacco di Roma) und der Papst musste sich monatelang in der Engelsburg verstecken. Der Höhepunkt war überschritten und es ging wieder bergab. Der Norden Europas wurde durch Luther beeinflusst. England verließ die katholische Kirche,

Der Künstler und Künstlerbiograph Giorgio Vasari (1511-1574) hat den Begriff „Rinascimento“ rückwirkend 1550 zum ersten Mal benutzt. Für ihn gab es bis dahin drei Glanzepochen: die Antike, das Mittelalter, eine Art Zwischenzeitalter, und dann die sogenannte Wiedergeburt der antiken Ideale und des antiken Geistes. Das Abendmahl von Leonardo di Vinci (am 1495) zählt zu einem der Hauptwerke der Spätrenaissance, während Filippo Brunelleschi (1377-1446) ein Architekt oder besser gesagt der Architekt der Frührenaissance war. Er war auch der Entdecker der Perspektive, was schon 1410 geschah. Tizian, Donatello, Leonardo, Dürer, Shakespeare, Machiavelli, Erasmus von Rotterdam, Raffael, Botticelli, Martin Luther, Bramante etc sind die auffälligsten Renaissancevertreter. Vasari hat sie alle in seinem Hauptwerk erwähnt. Ohne Vasari wüssten wir sehr viel Weniger über die Renaissance-Künstler. Seine Beschreibungen nicht nur der Personen und deren Werke sondern auch Anekdoten über die Zeit der Mäzene, Intrigen und Sammlerleidenschaften sind sehr lebendig und präzise und bringen Farbe in diese Zeit. Er hat eigentlich die Kunstgeschichte erfunden. Seine « Vite » ist auch Jahrhunderte später noch als Bibel für die Kunsthistoriker anzusehen.

VatikanP1170067villafarnesinaMosespalazzo borgia romaJuli2013 131

Wir fangen unseren Spaziergang auf dem Gianicolo – oberhalb von Trastevere an. Der Architekt Bramante hat diesen perfekten kleinen Renaissance-Tempel auf dem Gianicolo in der spanischen Akademie und neben der Kirche San Pietro in Montorio gebaut bzw. bauen lassen. Wunderschön und harmonisch thront er im leider zu kleinen Innenhof. Wenn man Glück hat und die Tür ist auf – was leider selten vorkommt – kann man um ihn herumlaufen und ihn sogar betreten. Ansonsten muss man versuchen, an einer Veranstaltung in der spanischen Akademie teilzunehmen (die meisten sind kostenlos) und so einen Blick auf ihn zu werfen. Perfekte Proportionen, mehr Renaissance geht einfach nicht – jedenfalls nicht in Rom. Vasari leitet sein Kapitel über Bramante mit diesen Worten ein: « Von unschätzbarer Bedeutung für die moderne Baukunst war das Wirken von Filippo Brunelleschi, der die herrlichen Werke der kundigsten und größten Meister der Antike nach so vielen Menschaltern zu neuem Ruhm führte und in seinen eigenen Bauten nachzuahmen trachtete. Doch nicht minderen  Gewinn brachte unserem Jahrhundert der große Bramante, der , voller Mut und Tatkraft auf den Spuren des Filippo fortschreitend, den nachfolgenden Baumeistern sicher der Weg wies, da er sich in der Kunst der Architektur nicht nur durch hervorragende Begabung  und theoretische Kenntnisse, sondern auch durch praktische Übung und große Erfahrung auszeichnete. Die Natur hatte ihm den entschiedensten Geist verliehen. ….. »

Dann steigen wir die kleine Anhöhe hinunter (wenn man sie hochgeht kommt sie einem gar nicht so klein vor), am besten über die Treppe durch den Garten gleich neben der Akademie, immer die Via Garibaldi entlang und dann links durch das Tor auf die Via della Lungara. Hier liegt der Sommerpalast der Farnese, la Villa Farnesina. Eines der römischen Meisterwerke der Renaissance. Der Bankier Agostini Chigi hat ihn sich von Baldassare Peruzzi um 1510 erbauen lassen. Raffael (und seine Schüler) sind für einen Großteil der Fresken dort verantwortlich (entstanden um 1515). Im Erdgeschoss muss man unbedingt die Loggia di Psyche und die Sala di Galatea besichtigen und vorher am besten die Geschichte von Amor und Psyche (im Apuleios) lesen. Im Obergeschoss wird man von Perspektivspielen verzaubert. In den Besitz der Farnese ging die Villa erst am Ende des 15. Jahrhunderts über, im 18. dann an die Borbonen. Raffael hat auch die Gärten mit konzipiert.

Über ihn sagt der großzügige und geniale Giorgio Vasari: « Mit welch großmütiger Freigebigkeit der Himmel bisweilen über einen einzigen Menschen den ganzen Reichtum seiner Schätze, alle Talente und hervorragenden Fähigkeiten ausschüttet, die  er sonst im Lauf eines langen Zeitraums auf viele zu verteilen pflegt , zeigt sich deutlich an Raffael Sanzio von Urbino, der sich nicht minder durch sein einzigartiges  Genie als durch seltene persönliche Liebenswürdigkeit auszeichnete ».

Wir bleiben auf der rechten Tiberseite und gehen weiter Richtung Vatikan. Mitten in der Hochrenaissance, 1506, wurde der Grundstein für die neue Peterskirche gelegt. Der erste Entwurf stammte von Bramante, der auch bis zu seinem Tod 1514 der leitende Architekt blieb. Die ständig wechselnden Entwürfe unter Raffael, Antonio d Sangallo d.J. und Peruzzi verzögerten die Fertigstellung. 1547 übernahm dann Michelangelo die Bauleitung. 1607, mittlerweile war die Renaissance am Ausklingen, übernahm schließlich Carlo Maderno und 1624 Gian Lorenzo Bernini, der zusammen mit Francesco Borromini daran arbeitete. In dieser Zeit entstanden die Bernini-Kolonaden. 1626, also über 100 Jahre nach Beginn, erst wurde sie von Papst Urban VIII eingeweiht.

Nichtsdestoweniger wurde aber seit 1503 kräftig für die Vatikanischen Museen gesammelt. Aus dieser Anfangszeit stammt z.B. die Laokoongruppe. Die Stanzen von Raffael entstanden ab 1508. Papst Julius II hat sie in Auftrag gegeben. Die Sixtinische Kapelle wurde unter Papst Sixtus IV zwischen 1475 und 1483 errichtet. Das Hauptwerk hier sind natürlich die Fresken von Michelangelo; er  malte sie zwischen 1508 und 1512. Im Inneren der Kirche befindet sich seine Pieta. Die Vatikanischen Museen sind ein Sonderkapitel und werden deshalb hier nur kurz wegen Renaissance Bezug angesprochen.

Dann gehen wir über den Tiber Richtung Cancelleria. Diese päpstliche Kanzlei steht mitten in der Altstadt Corso Vittorio Emanuele II/ Piazza della Cancelleria. Erbaut wurde dieser noble Palast um 1490 als Residenz für Kardinal Raffaele Riario. Er steht stellvertretend für das wieder dominanter werdende Rom in dieser Zeit. Der Entwurf soll von Leon Battista Alberti stammen. Die Baumeister oder Architekten waren Donato Bramante und Andrea Bregno. Heute gehört die Cancelleria immer noch zum exterritorialen Gebiet des Heiligen Stuhls. Leider für die Öffentlichkeit nicht geöffnet, aber manchmal finden im Obergeschoss Konzerte statt. Als nächstes der schlicht-schöne Palazzo Venezia. Erbaut um 1460 als Sitz der Venezianischen Gesandtschaft. Heute befindet sich ein Museum darin und die Nationale Kunstbibliothek. Leider verschwindet das schlichte elegante Gebäude, weil die Augen automatisch auf die schreckliche „Schreibmaschine“ geleitet werden.

Nun müssen wir einen Schlenker machen, um zur Kirche San Pietro in Vincoli zu gelangen. Auf dem Esquilin-Hügel muss man sie sich über viele Treppen erkämpfen. Die Kirche ist eine der Alten und ruht auf Resten aus dem 2. Jahrhundert. Unzählige Umbauten haben sie zu dem gemacht, wie wir sie heute sehen. Wiederum war es Papst Julius II, der sie für die Renaissance umformte und Michelangelo beauftragte, sein monumentales Grabmal zu meißeln. 1506 entschied er sich aber, nicht weiterzumachen und Michelangelo verließ Rom. 1508 kehrte der Künstler wieder zurück, um wie gesagt die Sixtinische Kapelle auszumalen und nach Julius II Tod 1513 kehrte er zur Arbeit am Grabmal zurück. So entstanden der gefesselte und der sterbende Sklave und der vom Berg Sinai zurückkommende mit Gesetzestafeln beladene Moses (ein Meisterwerk).

Über den glänzenden, weißen Moses (1515) von Michelangelo – ein Meisterwerk – , der die Kirche dominiert, sagte Vasari folgendes: Als Michelangelo den Moses vollendet hatte, gab es kein Werk zu sehen, ob antik oder modern, das daneben bestehen konnte.

Nun müssen wir zurück zum Corso und strampeln uns durch die einkaufenden Touristen Richtung Piazza del Popolo. Auf der linken Seite Richtung Pantheon kommt man zur Basilika Santa Maria sopra Minerva. In der Carafa-Kapelle hat Filippino Lippi wunderbare Fresken (Ende 15. Jahrhundert) gemalt. Vor der Kirche steht übrigens der bekannte Bernini-Elefant. Wieder zurück zum Corso rechts den Berg hoch kommen wir zum Quirinalspalast, erbaut in der Spätrenaissance. Heute Dienstsitz der italienischen Präsidenten.

Am Ende des Corsos steht die Kirche Santa Maria del Popolo, direkt an der Aurelianischen Mauer (muro torto). Sisto IV ließ um 1480 eine frühere Konstruktion aus dem Mittelalter umbauen. Diese Kirche hat außer der Chigi-Kapelle auch noch drei umwerfende Caravaggio Fresken zu bieten.

Auf der Piazza del Popolo nehmen wir die Tram Richtung Villa Giulia, die päpstliche Sommerresidenz aus dem Spätbarock. Heute beherbergt sie das Etruskermuseum, das unbedingt einen Besuch lohnt.

Anmerkung: Unter Leitung von Michelangelo hat man 1560 mit dem Bau der Kirche Santa Maria degli Angeli e Martiri begonnen. Als Basis musste ein Teil der Dioklezianthermen herhalten. Der Haupteingang der Kirche war die Innenseite des Caldariums – heute sieht man nur noch Ruinen. Besonders schon und erwähnenswert in dieser Basilika ist der Meridian – der wandernde Sonnenstrahl – auf dem alle Tiere des Zodiak als Mosaik in den Boden gearbeitet sind – aber das ist auch ein anderes Kapitel.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

Proserpina von Wolfgang Rihm beim Fast Forward Festival

 Proserpina di Rihm_Al centro il soprano Monja Erdmann®Yasuko Kageyama-Opera di Roma 2015-16_7232_1
Proserpina di Rihm_Al centro il soprano Monja Erdmann®Yasuko Kageyama-Opera di Roma 2015-16

 

Granatapfel im Möbellager

 „Und was du suchst, liegt immer hinter dir“ (Johann Wolfgang von Goethe, Proserpina).

 Verzweifeltes Suchen und hoffnungsloses (nicht)Finden treibt diese Proserpina um. 70 Minuten lang ist sie auf einer nostalgischen Fahndung nach Bildern der Vergangenheitmit einem zeitlosen Blick nach vorne. Sie will ihr früheres Leben, ihre Freiheit, ihre Familie zurückhaben. Sie braucht Energie und Kraft und vor allem einen Ariadne-Faden, um aus Plutos Hölle heraus zu finden.

Valentina Carrasco und Carles Berga haben Goethes Regieanweisung: Eine öde felsige Gegend, Höhle im Grund, auf der einen Seite ein Granatbaum mit Früchten umgesetzt, und die Bühne in ein rosafarbiges, felsenartiges Christo und Jean-Claude Möbellager (so würde man die Polstermöbel abdecken, wenn man lange Zeit auf Reisen geht und die guten Stücke nicht verstaubt wieder finden möchte) verwandelt; inspiriert haben sie sich an den Arbeiten des französischen Künstlers Clay Apenouvon, der auch die Kostüme entworfen hat. Die um die Überzüge geschlungenen Kletterseile sind vielleicht die Pfade, die nach oben oder nach unten führen; noch ist die Welt für Proserpina nicht verloren. Der Schein trügt!

 Plötzlich kommt Leben unter diese Schutzhüllen und es schälen sich aus ihnen langsam Proserpinas unbeschwerte, gesichtslose Schaufensterpuppen-Gespielinnen und werden zu lebenden Bildern. Blätter rieseln von der Decke. Wir sind hier noch eindeutig auf der Wiese unterm Ätna, auf der Proserpina Blumen zu pflücken pflegte, bevor der alte Pluto sie entführte. Im Verlauf der nächsten guten Stunde werden die anonymen Freundinnen zu Parzen und Danaiden. Mit dem lüsternen Genuss eines Granatapfels, der ihr Kleid mit blutrotem Fruchtsaft verschmutzt, verschwindet dann der letzte Fetzen Stoff und es bleibt ein gülden-feuriges Schlafgemach, verziert mit schwarzem Höllenpech und Schwefel. Proserpina wird zu einer immer noch kämpfenden und lamentierenden Königin der Unterwelt und des Totenreiches. Ihre Untergebenen wickeln sie in schwarze Frischhaltefolie und fesseln sie ans Bett.„Was hab ich verbrochen, Daß ich genoß?“ Lässt Goethe Proserpina fragen. „Und der Biß des Apfels macht dich unser! Königin, wir ehren dich!“antworten die Parzen. Die Wut kommt gleich nach der verzweifelten Hoffnung, Zorn auf die Eltern Jupiter und Ceres, Grollüber die unüberbrückbare Götterhierarchie, die sie machtlos dastehen lässt. Spätestens hier merkt auch sie, dass es kein Entkommen mehr gibt.

 

Proserpina di Rihm_Un totale®Yasuko Kageyama-Opera di Roma 2015-16_7757_1
Proserpina di Rihm_Un totale®Yasuko Kageyama-Opera di Roma 2015-16

 Proserpinas Monolog ist der einer verzweifelten Frau; die dort, wo sie ist, nicht sein will und sein kann, aber keine Möglichkeit hat, sich zu befreien. Denn im Gegensatz zur griechischen Persephone, die jedes Jahr wenigstens ein paar Monate ans Licht darf und so den Frühling hervorholt, kommt Goethes Proserpina nie an die Oberfläche, sie ist eine Dauergefangene, der man die letzte Würde genommen hat aber trotzdem nie Teil der Unterwelt sein wird. Sie ist und bleibt ein zeitloser, ungemütlicher Fremdkörper. Proserpina könnte genauso eine im Haushalt gefangene Frau wo auch immer auf der Welt sein, meinte Rihm vor der Veranstaltung.

 Liebreizend und mild, wütend und rebellisch, erotisch und kindlich-schüchtern die wunderbare, umwerfende Mojca Erdmann. Lyrisch, gefällig, hörbar, stark und beeindruckend die Musik Rihms, Referenzen an Mozart und Brahms und immer wieder an Schönbergs Sprechgesang. Rihm hat Erdmann diese Rolle auf den Leib geschrieben und sie passt wie angegossen! Sie singt, spielt und spricht, wie es besser nicht sein kann. Erdmann hat auch bei der Welturaufführung 2009 in Schwetzingen gesungen; damals hatteNeuenfels inszeniert.

Proserpina für Solosopran, Frauenchor und kleines Orchester (Streicher, Flöten, Klarinetten und Perkussion im Graben, Trompete und Tuba auf der Bühne) ist Rihms achte Oper. Für Goethes Monodrama von 1778 hat er sich entschieden, weil ihn dasDüstere und Geheimnisvolle darinfaszinierte und dannwar da natürlich der Rhythmus des Gedichtes. Es waren nur noch die Noten zu platzieren. Rihm stellte sich seinerzeit die Frage, ob Goethe bei der Dichtungwohl an das Leben seiner Schwester Cornelia dachte, die sehr unglücklich in ihrem Ehegefängnis war.

 Mit Wolfgang Rihms „Proserpina“ als Neuproduktion der Oper Rom ging das erste Fast Forward Festivalmit großen Erfolg zu Ende. Am Pult Walter Kobéra mit dem Chor und Orchester der Oper Rom. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch das Goethe Institut Rom.

Am 9. Juni wird es nochmals aufgeführt!

 

P1320689
nach der Vorstellung mit W.Rihm

Christa Blenk

Schwarz auf Weiß – Festivaleröffnung

Bericht auch für KULTURA EXTRA

 

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

William Kentridge – “Triumphs and Laments”

William Kentridge – “Triumphs and Laments” am Lungotevere

In sechs Monaten hat der südafrikanische Künstler und Theatermann William Kentridge auf über 500 Meter am Tiberufer zwischen Ponte Sisto und Ponte Mazzini (Piazza Tevere) die Geschichte Roms in 80 übergroßen Figuren wild durch die Jahrhunderte portraitier.

Die römische Wölfin von Romulus und Remo aber mit zwei Milchkrügen, Äneas Ankunft per Schiff, Päpste, Giordano Bruno, die Bialetti Kaffeemaschine, das italienische Kino, die Bekehrung von Paulaus, Flucht, Krieg und Frieden, Triumpf und Niederlagen.

P1320604P1320594P1320616P1320625P1320665P1320662P1320650P1320640P1320672
Fotos: Christa Blenk

Den Schmutz an der Mauer hat er gleich in sein monumental-schwarz-weiß-Fresko mit einbezogen. Von weitem erinnert es an einen Scherenschnitt. Es soll nur ein paar Jahre halten.

Seit ein paar Tagen allerdings werden Stände direkt vor der Mauermalerei aufgebaut, die den Sommer über die Besucher an das sonst eher nicht so belebte Tiberufer rufen. Die römische Geschichte muss dann hinter Pizza, Bier, Zuckerwatte und Eis zurücktreten!

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

My virtual gallery – blog collection n°14

Emanuel Borja (1945 -2005) war Kunstkritiker und Künstler, der sich wie sonst keiner mit der Primordial Kunst befasste und schon lange vor der großen Ausstellung Primordial in New York in den 80er Jahren Material, Bilder und Texte sammelte, vergleich und zusammenfügte.In dieser Zeit entstanden auch die delikaten Holzskulpturen mit primodialem Hintergrund.

 

borjaprimordial 011
Autoportrait in Holz (1980)

 

Emanuel Borja hat in den 70er und 80er Jahren für spanische Kunst- und Architekturzeitschriften geschrieben;  es entstanden Monografien über Künstler (Palazuelo, Lucio Muñoz u.a.) und unzählige Ausstellungskataloge. 1989 hat er Madrid verlassen und in Brüssel, Genf, New York,Rabat und Rom gelebt, wo er 2005 auch verstarb. Von 1989 bis zu seinem Tod hat Borja Tagebücher geschrieben. Fast 100 eng beschriebene und mit Fotos, eigenen Zeichnungen und Zeitungsartikel ergänzte Hefte dokumentieren und analysieren  das politische, philosofische, literarische und künsterlische Weltgeschehen – alles in spanischer Sprache. Hier zu Auszügen en español.

Mehr:

proyectos realizados
Album : proyectos realizados
esculturas primordiales de los años 80 (gracias a Peter Jäger - que ha hecho el trabajo de scanear los diapositivas)
23 images
Voir l'album
 

Acuarelas y naturaleza
Album : Acuarelas y naturaleza
Aquarelas de recuperación © Emanuel Borja/Christa Blenk
20 images
Voir l'album
 

Primordial
Album : Primordial
trabajos de los años 70 y 90 © Emanuel Borja/Christa Blenk
28 images
Voir l'album
 

dibujos
Album : dibujos
dibujos de E.Borja en su diario © Emanuel Borja/Christa Blenk
20 images
Voir l'album
 

 

virtual gallery - update
Album : virtual gallery - update

19 images
Voir l'album

Christa Blenk

 

Votre nom : (oblig.)
Votre email : (oblig.)
Site Web :
Sujet :
Message :
Vous mettre en copie (CC)
Vérification :
 

 

 

12345...37

Aktuelles

- 41. Cantiere Montepulciano - noch bis Ende Juli
- Summertime 2016 - Casa del Jazz bis 15. August
- Terme di Caracalla - Stagione estiva 2016
noch bis zum 10. August Aufführungen in den Thermen durch die Oper Rom (Nabucco, Madame Butterfly, der Barbier von Sevilla)

Archives

Visiteurs

Il y a 1 visiteur en ligne

Auteur

eborja


LES PEINTURES ACRYLIQUES DE... |
ma passion la peinture |
Tom et Louisa |
Unblog.fr | Créer un blog | Annuaire | Signaler un abus | L'oiseau jongleur et les oi...
| les tableaux de marie
| création