FEED-DRUM

Feedbach und Resonanz heisst das neueste Spektakel von Michelangelo Lupone, das gestern im Rahmen des Romaeuropafestival im MACRO Testaccio, La Pelanda, aufgeführt wurde.

« Corpi Risonante – due per danza, percussioni e risonanze die corpi »

P1190883Die Bühne ist schwarz, ungleiche weiße Bewegungsstreifen (Sensoren) sind zu sehen. Die Tänzerin ist in einen schwarzen Gymnastikanzug gekleidet, der ebenfalls weiße Streifen hat, konform denen auf der Bühne. Sie hat feuerrote lange lockige Haare. Kafkaesk verwinkelt liegt sie schon auf der Bühne als wir reinkommen. Das Licht geht aus und mit ihren langsamen, zeitlupenerinnernden und  fast Nicht-Bewegungen kommen die Töne über die Sensoren zu den drei Feed-Drums hinter ihr und zu uns.  Einmal ist es wie Walfischgesänge, dann wieder wie ein sich entfernender Vogelschwarm bis geigenähnliche Töne erzeugt werden, unberechenbare Zufallsmomente spielen auch eine Rolle.  Und obwohl sie sich eigentlich nicht vom Platz bewegt, ist sie doch plötzlich immer wieder woanders. Sie ist unglaublich großartig und ihre Hände und Füße sind überall und austauschbar. Irgendwann kommt dann Gianluca Ruggeri zu ihr auf die Bühne. Es beginnt eine Spiel zwischen Mann und Frau, eine opernähnliche Verführungsszene und die Klänge verändern sich durch die Gesten beider. Eine visuelle und tastende Suche nach dem Klang. An Baron Münchhausen erinnernd, will sie sich an ihren eigenen Haaren vom Boden hochzuziehen, bis sie steht und frei ist .

So habe ich mir immer Kafkas Verwandlung in einen Käfer vorgestellt, nur dass bei ihr der Prozess umgekehrt von Statten geht, denn sie steht zum Schluss.

Lupone spielt hier mit dem Larsen Effekt bzw. mit der akustischen Rückkoppelung, die hörbare tiefe und hohe Resonanzen hervorbringt. Kein Laut im Publikum und angespannte Stimmung. Es war ziemlich anstrengend.

P1190888Anschließend ein kurzes Stück « Canto di Madre » für Computer und als Abschluss « Feedback – für drei Feed Drum - Elektronisches Medium und  Video ». Die  drei ausgezeichneten Drummer von Ars Ludis präsentieren in der Folge  auf den drei Feed Drums, die Lupone 2002 entwickelte, ein ungeheures Happening. Energie und die Macht darüber. Sie gegeben sie ab und holen sie sich auf der anderen Seite wieder. Während sie über die Riesentrommel streichen, klopfen, schlagen, sie dann wieder streicheln und sich fast auf sie werfen, wird über ihnen alles als Doppelvideo projiziert.  Zeit und Raum relativieren sich.

Musik Michelangelo Lupone, Choreografie Alessandra Cristiani. Drummer: Antonio Caggiano, Gianluca Ruggeri, Rodolfo Rossi.

P1190890Das FEED-DRUM  ist ein neues elektroakkustisches Perkussionsinstrument, das Michelangelo Lupone entwickelt hat – für sein Werk Feedback. Hierbei wird ein Signal produziert beim Ausreizen des Trommelbezugs (Leder)  zu einer Art akkustischem Druck. Das Ergebnis ist eine unendliche Verlängerung des Klanges.

Es kamen so viele Besucher, dass die Letzten auf Kissen vor der Bühne platziert wurden. Wenn wir das gewusst hätten!

mercierBegleitet wird die Aufführung von einer Ausstellung von akustischen interaktiven Installationen gleich daneben, wie z.B.  « Balançoire » von Veacleslav Druta oder die Tontopf Klanginstallation « Le Damassama » von Léonore Mercier (hier dirigiert gerade JN die « 9. Sonate für diverse Töpfe »).

Christa Blenk

 

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Mexiko zu Gast in der Aula Magna

P1190873 Maureen Conlon mit Francesco Orozco López 

Viva la Conga

Sie sind immer etwas besonderes – die Konzerte in der Aula Magna della Sapienza. Gestern Abend gab das Symphonieorchester von Guanajuato/Mexiko ein Gastspiel und auf dem Programm standen ausschließlich Werke von südamerikanischen und amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Erst vor zwei Monaten hat Francesco Orozco López die künstlerische Leitung dieses Orchesters übernommen (das nebenbei bemerkt schon seit 1952 besteht und deshalb auch richtig gut ist), und Juan Trigos abgelöst. Orozco hat das OSUG allerdings schon des öfteren als Gastdirigent geführt und deshalb auch gar nicht gefremdelt.

Mit einem Symphonischen Sonett – nach einem Gedicht des Kubaners Nicolas Guillen (1902-1989) – von Silvestre Revueltas (1899-1940) „Sensemayá“, was soviel heißt wie „Ein Lied, um die Schlage zu töten“ ging es los. Ursprünglich 1937 als Kammermusikstück geschrieben, fügte Revueltas ein Jahr später  27 Bläser, 14 Perkussionsinstrumente und unzählige Streicher hinzu. Spannend und mitreißend  und dem Benehmen einer Schlange folgend , werden vom Orchester permanente  Rhythmusänderungen verlangt.   „Die Schlange bewegt sich ohne Beine, die Schlange versteckt sich im Gras“, heißt es da. Revueltas folgte hier Guillens Vorgabe nach einem afro-kubanischen Kreuzzug, um der Schlange Herr zu werden. Die Bassklarinette darf beginnen, verhalten und langsam, bis dann die Perkussionsinstrumente den Rhythmus angeben, nach und nach fügen sich Fagott, Tuba und die restlichen Instrumente hinzu, immer wieder das Thema aufrollend,  immer lauter und intensiver werdend. Ein obsessives Zurückkehren zum Hauptthema. Wir springen vor lauter Angst vor der Schlange fast auf den Stuhl, bis das Beil fällt und die Schlange wahrscheinlich tot ist. Sensemayá beschreibt einen afro-kubanischen religiösen Kult, in dem bis zum haitianischen Voodoo alles zu finden ist. Ein sehr geordnetes Chaos und strahlend vorgetragen.

Weiter ging es mit Samuel Barbers (1910-1981) Frühwerk, das „Violinkonzert Nr. 14“. 1939 komponiert ganz typischer Barber und  im spätromantischen Stil. Es ist ein weniger bekanntes Stück von ihm, auch nicht besonders spannend, vor allem die ersten beiden Sätze, süß und schmelzkäsig und ein wenig kitschig, aber die wunderbare (und bildschöne) US-mexikanische Geigerin Maureen Conlon hat viel herausgeholt und der letzte Satz war dann doch sehr schön. Das Publikum hat sie sehr gefeiert und sie mindestens 10 mal auf die Bühne applaudiert! Maureen Conlon Repertoire ist sehr weit gefächert. Außerdem ist  sie Mitglied im „Trio Nova Mundi“ und in der Gruppe „Aqui Tango“ . Sie lebt und arbeitet als Geigenlehrerin in Pittsburgh.

Nach der Pause ging es  weiter mit kürzeren Stücken u.a. mit  Héctor Quintanars (1936-2013) „Caribe“, auch wieder für großes Orchester. Eine Mischung aus Ravel-Verschnitt und US Filmmusik, aber brillant und spritzig vorgetragen. Mit Aaron Coplands (1900-1990) „Danzón Cubano“ ging es weiter. Eine politische Sympathiekundgebung mit kubanischen Elementen. Diese unentschiedene Komposition war ein wenig langweilig, irgendwie hin- und hergerissen zwischen der neuen und alten Welt.

Im Anschluss die  Sinfonía n. 2 „India“ von Carlos Chávez (1899-1989). Mitte der 30er Jahre hat der mexikanische Komponist hier die facettenreiche Folklore seiner Heimat vertont. Es ist  wohl sein bekanntestes Werk. Beeinflusst von Schumann und Strawinsky, hat diese Musik  nichts mit den europäischen Kompositionstechniken in den 30er Jahren zu tun. Irgendwie zeitlos glänzend war es und sehr amüsant vorgetragen. 

Aber das alles war nur ein Hinarbeiten auf die beiden letzten Werke im Programm von Arturo Márquez (*1950).  „Conga del fuego“ und „Danzón Nr. 2“.  Márquez’ Besonderheit ist es, volkstümliche Idiome zu komplexen, symphonischen Werken umzubauen. Der Danzón Nr. 2 entstand 1993 als  Arturo Márquez mit dem  Maler Andrés Fonseca und der Tänzerin Irene Martinez, beide leidenschaftliche Anhänger des Danzón, eine Art mexikanischer Tango, die Vercruz Tanzhalle in Mexiko Stadt besuchte. Die Stimmung dort und sein tiefer Respekt und Liebe zur mexikanischen Musikkultur haben ihn zu der Komposition von Danzon N. 2 animiert.

Das Stück beginnt mit einer elegant-langsamen Einleitung der Klarinette, bis dann das Feuer ausbricht. Ab und zu ein kurzes lyrisches Durchatmen, die hohe Klarinette und die Oboe, das Klackern der clavés. Einer der vielen Rhythmusänderungen und ein kurzer, sehr schöner, Pianoeinwurf und dann geht es weiter mit strengen Streichern und viel Blech,  die wichtige Harfe mischt sich ein und bevor jetzt alle von dieser gewaltigen vulkanartigen  Klangextase weggewischt werden, gönnt er uns  eine kleine Verschnaufpause bis dann wieder die volle Kanne von Streichern und  den diversen Perkussionsinstrumenten wie verschiedene Congas, Timbales, Shaker und wie sie alle heissen zum Einsatz kommt.  Dialog zwischen Trompete und Klarinette und dann wieder sehnsüchtige und cremige Salsatöne bis zum leidenschaftlich-harten argentinischeren Tango. Zum Schluss einigen sich alle auf eine Note, die wiederholt wird und eine ungeheure Spannung erzielt und:  Ende.   Genial!

Márquez kommt aus einer Mariachi-Musiker-Familie und auch sein Großvater war schon Volksmusiker. Ausgebildet wurde er in Mexiko, Paris und Los Angeles.

Mit seinen „Danzones“ erlangte Márquez schon ab Ende der 90er Jahren großen Erfolg.  Endgültig nach oben katapultierte ihn dann Gustavo Dudamel, der das Stück  Danzon n. 2  als Standard in das Konzertprogramm aufnahm und es mit seinem  Jugendorchester ständig auf  seinen Europa und USA-Tourneen aufführte.  Diese Mariachi-Musik für großes Orchester, die südamerikanische Poesie und der magische Realismus kombiniert mit kubanischen Salsa-Rhythmen, hat uns voll überzeugt und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hingerissen!

Márquez lebt zur Zeit in Mexiko-City und unterrichtet an der National University of Mexiko und am Nationalen Forschungs- und Dokumentationszentrum für mexikanische Musik.

Glücklich und zufrieden und mit dem Vorsatz, uns gleich diese Musik zu besorgen (für die tristen Winterabende) gingen wir nach Hause. 

Christa Blenk

P1190856 Aula Magna mit den Sironi-Fresken

 

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Poetisches griechischen Paestum

P1190700 devTempel des Poseidon und Hera /Cerespaestum-Hera

Poseidonia hieß der Ort zwischen den Hügeln von Kampanien und dem Mittelmeer um 600 v.C. .Die Griechen aus Sybaris und Troizen haben ihn entdeckt und eine Kolonie dort errichtet. Man lebte gut vom Ackerbau und vom Handel und die Tempelanlagen reflektieren den erreichten Wohlstand. 200 Jahre später kamen die Lukaner und der Ort hieß von nun an Paistos. Zu Paestum wurde er dann wieder 200 Jahre später, als die Römer Kampanien eroberten und einige Umbauten vornahmen, aus dieser Zeit stammt auch die noch ziemlich gut erhaltene Stadtmauer aus großen rechteckigen Quaders, die ca. 5 KM lang ist und die komplette Anlage umfasst. 

Von Rom aus fährt man drei Stunden mit dem Auto bis zu dieser Tempelanlage.  Zuerst schimmern sie heimlich und selbstsicher  durch die Vegatation und die paar Häuser, bis sie plötzlich ausbrechen und sofort  unseren Blick auf sich ziehen. Es muss in der Mitte des 18. Jahrhundert – also nach ca. 600 Jahren Verstecktsein – eine unbeschreibliche Emotion gewesen sein, diese Anlage zu entdecken. Durch das Gitter fällt unser Blick zuerst auf den Ceres-Tempel, der auch ein Sanktuarium war und der Göttin Athene gewidmet war. Dann spazieren wir durch die verlassenen archäologischen Ausgrabungen bis wir in der Ferne den Größen, den Neptun/Poseidon-Tempel, entdeckten. Er ist der am besten erhaltene der Magna Graecia. Gleich dahinter die sogenannte Basilica, die der Göttin Hera gewidmet ist. Er ist keine Basilika, diesen Namen hat man ihm im 8. Jahrhundert fälschlicherweise gegeben, und der älteste Tempel.

Die Sarazenen im 9. und dann die Normannen im 11. Jahrhundert haben Paestum erstmals zum Dornröschenschlag verurteilt.  Die Tempel, das gesamte archäologische Gebiet und die Nekropole verschwanden immer mehr zwischen Wäldern, Sümpfen und Mosquitos. Auch ein Grund, warum die Tempel relativ gut erhalten sind. Die Wohnanlagen, das Theater, die Thermen, und alles was sonst noch zu griechisch-römischen Lagern gehört, wurde allerdings ziemlich abgetragen und man findet wohl in jedem Haus in Paestum Steine und Quader aus der Antike.

tuffatore Nicht weit entfernt liegt die Nekropole der Lukaner. Dieser italienische Stamm bewohnte Paestum um das 4. Jahrhundert v.C., die ihre Toten in unterirdischen Grabhäusern bestatteten. Hier wurden im Lauf der Zeit wahre Schätze ausgegraben. Der letzte Fund, die Grabplatte mit dem Turmspringer (Tomba del tuffatore), wurde 1960 entdeckt, als sich ein Bauer ein besseres und tiefer gehendes Ackergerät zulegte. All diese Funde sind im sehr neuen und gut aufgebauten Museum zu finden. Eine unwahrscheinlich große Auswahl von gut erhaltenden Grabplatten, Vasen und Köpfen. Überall taucht der Granatapfel auf, eine Art Wahrzeichen und Fruchtbarkeitsgabe, die mit in die Gräber kam…..

vendée fev 2014 005Die Bildungsreisenden des 18. Jahrhunderts, die bis dato nur bis Pompeji kamen oder noch weiter bis Sizilien wollten,  haben dann postwendend Paestum in die Reiseroute der Grand Tour mit aufgenommen. Baron Giuseppe Antonini di San Biase hat als einer der ersten Beschreibungen des Ortes verfasst.  Franzosen, Deutsche, Engländer machten von nun an unzählige Skizzen und Gemälde und die Souvenirkultur blühlte. Man könnte sich Alma Tadema dort vorstellen, wie er Rosenblätter zwischen Tempelsäulen anhäuft und Seume musste an Schillers Mädchen aus der Fremde denken, auch auf der Suche nach Rosen.

Goethe, der Paestum 1787 besuchte, schrieb in seiner „Italienreise“ folgendes: 

„Das Land ward immer flacher und wüster, wenige Gebäude deuteten auf kärgliche Landwirtschaft. Endlich, ungewiß ob wir durch Felsen oder Trümmer führen, konnten wir einige große länglich-viereckige Massen, die wir in der Ferne schon bemerkt hatten, als überbliebene Tempel und Denkmale einer ehemals so prächtigen Stadt unterscheiden […] Von einem Landmanne ließ ich mich indessen in den Gebäuden herumführen, der erste Eindruck konnte nur Erstaunen erregen. Ich befand mich in einer völlig fremden Welt.

Denn wie die Jahrhunderte sich aus dem Ernsten in das Gefällige bilden, so bilden sie den Menschen mit, ja sie erzeugen ihn so. Nun sind unsere Augen und durch sie unser ganzes inneres Wesen an schlankere Baukunst hinangetrieben und entschieden bestimmt, so dass uns diese stumpfen, kegelförmigen, enggedrängten Säulenmassen lästig, ja furchtbar erscheinen. Doch nahm ich mich bald zusammen, erinnerte mich der Kunstgeschichte, gedachte der Zeit, deren Geist solche Bauart gemäß fand, vergegenwärtigte mir den strengen Stil der Plastik, und in weniger als einer Stunde fühlte ich mich befreundet, ja ich pries den Genius, dass er mich diese so wohl erhaltenen Reste mit Augen sehen ließ, da sich von ihnen durch Abbildung kein Begriff geben lässt.“

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Im 18. Jahrhundert hat Piranesi unzählige Radierungen von den Tempeln angefertigt die zeigen, was dort für ein Leben herrschte.

In Paestum werden heute immer noch Oliven und  Artischocken angebaut und Büffelmozzarella kann man direkt beim  Bauern kaufen. Wir haben so eine Tenuta besucht. Die Büffel laufen wohl normalerweise auf der Wiese herum – heute allerdings waren sie eingesperrt aber nicht eingepfercht!

P1190743

Fotos: Christa Blenk

 

 

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Jenseits der Genzen

P1190498 Cellist Fabio Cavaggion

Besprechung für KULTURA EXTRA

Deutsch-französisches Konzert im Palazzo Farnese

Jenseits der Grenzen

11. November

Mit einem sehr fesselnden und das 20. Jahrhundert repräsentierenden deutsch-französischem Programm wurde gestern Abend an den Beginn des 1. Weltkrieges erinnert und der Mauerfall vor 25 Jahren gefeiert.

Die ankommenden Konzertgäste sammelten sich im Innenhof des Palazzo Farnese und konnten dem Cellisten Fabio Cavaggion bei seiner Interpretation von Bachs Suite Nr. 3 für Violoncello – in Erinnerung an die Interpretation von Mstislav Rostropovich am 11. November 1989 vor der Berliner Mauer – zuhören. Diese Musik in Verbindung mit dem schwindenden Licht in der hereinbrechenden Dämmerung und dem milden Herbstabend brachte eine Art Zaubergartenstimmung hervor.

Das Hauptkonzert fand dann kurz darauf im ersten Stock dieses grandiosen Palazzos statt, interpretiert vom wirklich ausgezeichneten und noch sehr jungen Ensemble Exponentiel, welches der Komponist Geoffroy Drouin 2013 ins Leben rief.

Eines seiner Werke Cinq Méditations sur Le Bernin pour piano, flûte, violon e violoncelle, komponiert 2012 – da war er noch Stipendiat der Villa Medici in Rom – stand ebenfalls auf dem Programm. Dieses kurze Stück hat uns in 12 Minuten durch Rom gejagt, um einige der Werke des Barockbildhauers Gianlorenzo Bernini aufzuspüren. Es beginnt und endet mit Ekstase. Der erste Satz beschreibt also Die Verzückung der Heiligen Theresa von Avila, die Skulptur ist in der Kirche Santa Maria della Vittoria zu finden. Weiter geht die Reise in die Galleria Borghese, dort rastet Drouin zuerst beim David, der sich mit Groll und Mut dem Goliath stellt (man sagt, es sei ein Eigenportrait von Bernini – wütend, selbstsicher und entschlossen). Wir bleiben in der Galleria Borghese und begeben uns zwei Räume weiter zu Apollo und Daphne. Drouin lässt uns die Gier von Apollo, die Panik von Daphne und den Zauber der Verwandlung in den Lorbeerbaum miterleben. Jetzt erlaubt er sich einen kleinen Exkurs zum anderen Barockgenie, nämlich Borromini, und schickt uns zur Borromini-Perspektive in den Palazzo Spada (direkt gegenüber dem Palazzo Farnese, wo wir gerade sind). Hier geht es um optische und sonstige Täuschung und um Überraschung. Die letzte Station befindet sich in Trastevere, in der Kirche von San Francesco da Ripa. Hier darbt und leidet sie, Berninis „Verzückung der seligen Lodovica Albertoni“. Eine Apothesose von Klang und Farbe ganz barock und warm, in der neue und alte Klänge sich finden, sich abschätzen, sich gegenübertreten, sich ablehnen um sich dann doch aneinander zu reihen. Drouin lässt bei diesem kurzen Stück die Zuhörer an seinen Gedanken und an seiner Bewunderung für diese beiden Barockgrößen teilhaben – eine wunderbare Erfahrung, vor allem wenn man die Bernini-Werke kennt!

Die weiteren Werke auf dem Programm waren ein kurzes Flötenstück von Debussy (Syrinx pour flûte – 1913) impressionistisch vorgetragen von Giorgia Santoro; sechs kurze Pianostücke op. 1 (1911) von Arnold Schönberg; ein Experimentierstück Guero pour Piano (1970) von Helmut Lachenmann, dieses war so delikat, lautlos und zart, dass nur ab und zu ein Streichen über die Tasten oder ein hoher Ton bei uns in der 10. Reihe ankam (diesen akkustischen Verlust hatte uns der Pianist allerdings vorher schon angekündigt). Bedauernswert war es trotzdem. Von Hans-Werner Henze gab es zwei kurze, schöne Serenaden aus 1949 für Geige und Cello; die Sonate Nr. 3 für Klavier und Geige von Paul Hindemith (1935) und zum Schluss 27 Minuten Ravel mit dem Klaviertrio in A-Moll (1914). Francesco D’Orazio (Geige), Nicola Fiorini (Cello), Giampaolo Nuti (Klavier) haben hier völlig neue und spannende Schattierungen und Klangfarben oder Rhythmen hervorgeholt. Das Stück durchwandert alle Phasen, die den Ersten Weltkrieg befürchten, hoffnungsvoll weggewischen und dann wieder angekündigen (so hätte sie Gershwin gespielt!). Traditionelle Musik- und Interpretationsgrenzen will dieses junge Ensemble einreißen. Wir werden sicher noch viel von ihnen hören! Ausgezeichnete Performance!

Christa Blenk

Trabi goes Marcello 25 Jahre Mauerfall – der Trabi durchbricht das Teatro Marcello

 

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Italienische Kunst vor dem Ersten Weltkrieg

 gnam-foto
Eingang GNAM mit Ausstellungplakat von Boccioni

Zwischen Sezession und Avantgarde

Aufbruch in Rom: Ära Giolitti

Vor hundert Jahren ist der Erste Weltkrieg ausgebrochen. Die Galleria Nazionale d’Arte Moderna (GNAM) in Rom hat im Gedenken daran eine Ausstellung über die mannigfaltigen Kunstbewegungen zwischen 1905 und 1915 organisiert. Ein sehr anspruchsvolles und ausschweifendes Unterfangen.

Das Ende des sogenannten Dekadentismus wurde mit brodelnden Umstürzen – nicht nur in der Kulturszene- eingeleitet. Kunsttendenzen gaben sich im Staffellauf die Hand, verliefen parallel oder lösten sich in Lichtgeschwindigkeit ab: Jugendstil, Symbolismus, Orientalismus, Konstruktivismus, Futurismus, Expressionismus, Fauvismus und Kubismus auf der einen Seite und ein ständiges Fortsetzen der ranzigen und verpöhnten Traditionen , der Landschafts- und Portraitmaler oder Impressionisten auf der anderen.

Der italienische Dichter Edoardo Sanguineti (1930-2010) sagte einmal über die Avantgarde: Sie wäre eine heroische und pathetische Aspiration eines unberührten künstlerischen Produktes …. eine Ware, die fähig wäre mit einer überraschenden und tollkühnen Geste die ausgemergelte und stagniernde Konkurrenz zu besiegen.

Die Industrialisierung und die daraus resultierende Armut oder Ausweglosigkeit setzten wahre Völkerwanderungen in Gang. Träger melancholischer Weltschmerz und Kulturpessimismus trieften hier und führten dort zu einer flitzenden Zukunftseuphorie. Faszination von Tod und Vergänglichkeit brachten Leichtlebigkeit, Frivolität und Dekadenz mit sich. Eine Epoche ging unweigerlich zu Ende.

Zwischen 1876 und 1915 wanderten schätzungsweise 14 Millionen Italiener nach Amerika oder Südamerika aus, um dort ihr neues Glück zu suchen. Allein 1913 verließen 870 000 Italiener ihre Heimat. Dandy, Snob, Bohemiens stellten sich gegen die Kleinbürger, Philister und Spießer. Ein rauschenes Durcheinander sondergleichen, das sich nach dem Krieg noch bis Ende der 20er Jahre fortsetzen sollte.

Mit dem Ende der Barockzeit, verfiel das Kunstland Italien in eine Schaffensdepression, daraus resultierend landeten die früheren Kunstmetropolen Venedig, Florenz, Rom und Neapel plötzlich am Rande des Geschehens und Bella Italia blieb nur deshalb in aller Munde, weil sich europäische Meister hier auf der Suche nach der Antike tummelten (wie z.B. die Nazarener oder die Pre-Raffaeliten). Der Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert brachte allerdings einen radikalen Wandel mit sich und Italien katapultierte sich wieder mit großem Selbstbewusstsein in die erste Liga.

struck - sündeFranz von Stuck (Die Sünde)

Vom mittel-europäischen Sezessions-Trend (München um 1892, in Berlin um 1898 und Wien um 1897) angesteckt aber auch um eine Gegenströmung zur Biennale di Venezia zu erwirken, schlossen sich in Rom und Venedig (Ca’Pesaro) die Künstler zu einer Sezession zusammen. Sie manifestierten ihre Bedürfnisse nach Reformation oder Erneuerung allerdings eher schüchtern und moderat im Gegensatz zu den radikaleren Futuristen. Die Biennale di Venezia hatte ebenso eine Vorreiterrolle und war extrem ausschlaggebend, damit Italien wieder aus dem Dornröschenschlaf erwachte. Schon 1893 beschloss der Stadtrat von Venedig im zweijährigen Rhythmus die italienische Kunst zu präsentieren. Im April 1895 wurde dann die erste internationale Kunstausstellung der Stadt Venedig eröffnet – in Anwesenheit des italienischen Königspaares Umberto I und Margherita di Savoia. Sie war sofort ein großer Publikumserfolg und erreichte eine Besucherzeit von knapp 230 000.

Umberto Boccioni und Giacomo Balla wandten sich vom bukolischen Landschaftsmalereien-Pfad schon 1905 ab und starteten eine Suche nach Neuem, stellten Müll im römischen Theater Costanzi, der heutigen Oper, aus und konziepierten eine neue Strömung, die sie Futurismus nannten. Mit der Schönheit der Geschwindigkeit brachten sie den Kubismus in Bewegung.

In München gründeten Kandinsky und Marc den Blauen Reiter und die Brücke-Künstler zogen sich zur Meditation zurück. In Paris malte Marcel Duchamps seine „nackte Frau die Treppe herabsteigend“ und Picasso, zum viertal Mal in Paris, lernte Gertrude Stein und Matisse kennen.

ballaneuGiacomo Balla – Manifesto per la mostra alla sala Arte Angeletti (Entwurf 1915)

Den Anfang der Ausstellung bildet das kürzlich extra für die Ausstellung restaurierte und noch nie ausgestellte Fries „Italien triumphiert mit Härte und Intelligenz“, das Edoardo Gioia für den italienischen Hauptpavillon der Weltausstellung 1911 in Turin fertigte. Titel und Inhalt des Kunstwerkes lassen bereits eine angestrebte italienische Hegemonie und den kommenden Faschismus erahnen. Im Laufe der Ausstellung werden dann immer wieder die Eckpfeiler der Ausstellung, nämlich die Futuristen Boccioni, Severini und Balla präsentiert u.a. mit Ballas Portrait von Tolstoj 1911 oder Boccionis Eigenportrait das irgendwo zwischen Pointillismus und pittura-metafisica hängt. Balla war Boccionis Lehrer und kam 1901, in Paris wo er sich mit divisionistischen Techniken befasste; Boccioni hingegen interessierte sich eher für die Impressionisten und Neo-Impressionisten. Er war 1902 in Paris. Balla hielt sich außerdem zwischen 1912 und 1914 öfter in Düsseldorf auf, um dort ein Auftrags-Wandbild zu fertigen. Nach dem Krieg würde er für Djagilew und das Ballet Russe arbeiten. Ausgestellt ist auch Ballas Entwurf von 1915 des  « Manifesto per la mostra alla sala Arte Angeletti » . Kreischend fordert es « Tod für Deutschland » und « Tod für Österreich » – hier dürften wohl auch noch Reminiszensen aus dem Risorgimento zu hören sein. Mit einem Augenzwinkern auf die Wiener beziehungsweise Münchner Sezession hängen da zwei Bilder von Klimt und Schiel und die Sünde von Franz von Stuck. Im Raum daneben dominiert ein großes Gemälde vom Symbolisten Hodler (Die Empfindung VI, 1911). Zwischendrin wird man wieder runter gerissen mit weniger interessanten Werken von den italienischen Nachahmern. Zwei wunderbare Werke von Kees van Dongen (darunter „Finger an der Wange“ aus Rotterdam) versöhnen uns dann wieder mit dieser Ausstellung. Ein dreidimensionales Werk aus der Tänzerinnen-Serie von Gino Severini, er hatte 1906 in Paris Modigliani und die Kubisten kennen gelernt. Alexandra Exter, Egon Schiele, Archipenko sogar ein Van Gogh. Die Liste der ausgestellten Künstler will gar nicht aufhören. Viele Exponate kommen aus dem eigenen Keller oder sind sonst sowieso dort ausgestellt. Eine Impressionistenecke mit einem echten Bonnard und seine italienischen Jünger. Hierbei handelt es sich aber eher um eine Weiterentwicklung als um etwas Bahnbrechendes. Bonnard und Matisse als die großen Vorbilder, ihre Werke wurden erst durch die Ausstellung von Ardengo Soffici in Florenz 1910 in Italien bekannt.  Durchaus auch Exponat aus europäischen Museen.  Ein halber Raum ist Ballas Kinderzimmer gewidmet, dann wieder Landschaften, Büsten von Medardo Rosso, ein De Chirico, Giorgio Morandi und eine Großzahl von Werken, nicht immer wertvollen, von Carlo Carrà, der sich ebenfalls dem Futurismus anschloss. Muranovasen von Hans Stoltenberg Lerche und Projekte für die Gestaltung von eleganten Salons, zum Teil kitschiger Schnick-Schnack aus Elfenbein und bemaltem Holz oder ein Fächer des Landschaftsmaler Giovanni Segantini.

 
boccioni2014-10-30 19.05.59Severini
Boccioni (Autoportrait 1905) , Balla (linena di velocità + vortice, 1914), Severini (Tänzerin, 1915) – die drei Hauptprotagonisten des Futurismus

Die Hängung der Bilder erscheint etwas chaotisch, repräsentiert aber die Vielseitigkeit und das künstlerische und politische Durcheinander das herrschte, wobei konventionelle Kunst überwiegt. Zu fast jedem ausgestellten Werk findet sich ein Pendant in der deutschen oder französischen Malerei. Zeitgeist und Plagiat? Der San Sebastiano (1912) von Aroldo Bonzagni sieht wie ein Gemeinschaftswerk von Otto Müller und Otto Dix aus. Bonzagni war ein Freund von Boccioni und hat das erste Manifest der futuristischen Maler schon 1910 unterschrieben. Er ist schon 1918 an der spanischen Grippe verstorben. Viele Werke von Felice Casorati, die ähnlich wie Matisse von Orientalismus und Symbolismus fasziniert war.

Mit all diesen Stimmungen, Strömungen und Tendenzen konfrontiert uns diese Ausstellung und hinterlässt doch ein Chaos im Kopf.

Natürlich kann man nicht vom Futurismus sprechen, ohne den selbstverliebten und brillanten italienischen Schriftsteller und Politiker Tommaso Marinetti zu erwähnen. Marinetti, in Ägypten von italienischen Eltern geboren, genoss eine französische Erziehung und kam um die Jahrhundertwende nach Paris, wo es sich auf die Suche nach einer „Neuen Formel der Kunst-Aktion“ machte. 1909 fand er sie und konfrontierte – unmittelbar umjubelt – die Welt mit seinem Futuristischen Manifest. Futurismus steht für etwas, das in der Gegenwart noch nicht angekommen ist und auf das man im rasenden Zug sitzend zusteuerte. Mit flammenden Zitaten wie „Wir wollen den Krieg verherrlichen, diese einzige Hygiene der Welt“ schockierte er. Die Welt war definitif bereit für Gewalt. Die Natur war verpönt. Boccione, der wichtigste Vertreter der Futuristen, verunglückte übrigens während seines Militärdienstes 1916 und zeigte so die andere, hässliche, Seite des Krieges. Sein „Idolo Moderno „ entstand 1911 und ist dem Fauvismus zuzuordnen. Es ist auch das Titelbild der Ausstellung.

Ein rauschendes Gefährt, das wie eine Gewehrkugel daherkommt ist schöner als die Nike von Samothrake, sagte Marinetti. Der Schriftsteller und Politiker kokettierte zuerst mit den Anarchisten und wusste anfangs wohl selber nicht, wo er eigentlich stehen wollte – endete aber schließlich nach dem Ersten Weltkrieg bei den Faschisten und der kalten (Gebrauchs-)Kunst, wie De Chirico oder Sironi. Mit seinem Schlachtruf kam Marinetti 1909 auf die Titelseite des Pariser „Figaro“

-„Legt Feuer an die Regale der Bibliotheken, … Leitet den Lauf der Kanäle um, um die Museen zu überschwemmen! … Ergreift die Spitzhacken, die Äxte und die Hämmer und reißt nieder, reißt ohne Erbarmen die ehrwürdigen Städte nieder!“

Damit sprach Marinetti alle gewaltbereiten Gruppen auf der rechten und linken Schiene incl. die Anarchisten an und mit dieser Glorifizierung von Maschinen, Gewalt und Krieg, mit der Ablehnung von Kultur und Natur, musste diese Stimmung unweigerlich zum Kulturpessimismus, ja zum in den Faschismus führen. Fortschritt, Ausbeutung, Geschwindigkeit, Gefühllosigkeit bewegten ihn.

Ein Jahr später entstand das Manifest der futuristischen Malerei: Die Maler Umberto Boccioni, Carlo Carrà, Gino Severini und Giacomo Balla sowie der Architekt Enrico Prampolini und der Musiker Luigi Russolo gehörten dazu. Alles fließt, nichts steht still, Bewegung überall.

Jetzt sind natürlich so große Mammutausstellungen, von denen man einige – vielleicht gut so – noch nie zu sehen bekam, immer sehr schwierig zu beherrschen und kann schnell ein Kraut- und Rübensalat, in dem der rote Faden verloren geht, werden. Viele zweitklassige Werke verschwinden unter den guten Bildern. Unbekannte Künstler lernt man durch ein ausgestellten Werk außerdem eh nicht kennen. Einige der wichtigen Werke hängen sonst auch in der GNAM – bis auf ein paar Ausnahmen wie Boccionis Ausstellungsplakat aus London. Nur werden sie jetzt mit europäischen Meisterwerken wie mit denen von van Dongen zusammengebracht. De Chirico, der in dieser Zeit seine pittura metafisica entwickelte, ist nur mit einem Werk vertreten, obwohl von ihm das Museum eine große Anzahl besitzt. Wie gesagt, weniger wäre mehr gewesen.

Trotzdem eine sehenswerte Ausstellung und durchaus eine Auseinandersetzung damit wert. Kombiniert mit dem Besuch der Sironi- Ausstellung versteht man diese ausufernde und dramatische Zeit ein wenig mehr.

1871 wurde Rom  die Hauptstadt von Italien. Die GNAM wurde 1883 erbaut mit dem Ziel, einen Ausstellungsort für die zeitgenössischen noch lebenden Künstler zu schaffen.

Kuratiert hat diese ausschweifende Ausstellung Stefanie Frezzotti, sie umfasst  an die 200 Exponate, die in insgesamt 15 Räumen hängen und von über 60 Künstlern sind, die man gar nicht alle hier erwähnen braucht und kann.

Christa Blenk

 

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9. November 2014 – 25 Jahre Mauerfall

So sah das in Rom aus!

Der Trabi durchbricht das Teatro Marcello aus der Römerzeit!

Trabi goes Marcello

Hommage a Gabo

locaDie kolumbianische Botschaft organisierte gestern abend im Auditorim Parco della Musica – im Teatro Studio Gianni Borgna – einen Abend für den Nobelpreisträger und Hauptvertreter des magischen Realismus, Gabriel Garcia Márquez, der am 17. April 2014 verstarb.

Der Tenor Alejandro Escobar stellte ein leidenschaftliches und von Bewunderung sprechendes Programm zusammen und führte das Publikum durch die Lebens- und Wirkensstationen von Gabo, die er immer wieder musikalisch untermalte. Er hat damit einiges geleistet.

gerardo neuDer belcanto-Tenor, der zur Zeit am Teatro Torino ist, sang Zarzuela, Tango, Chanson: Es begann mit « Carmen de Bolivar », ging dann von « La Mucura » zu  « Arrivederci Roma » in Anlehnung an Gabos Aufenthalt in Rom als Korrespondent und auch an seine Verehrung des italienischen Kinos. Edith Piafs « La Vie en Rose » beschrieb seinen Aufenthalt in Paris und « Vuelvo al Sur » manifestierte seine Unterstützung für Allendes Chile. « La Tabernera del Puerto » sollte seine Zeit in Barcelona beschreiben, dort ist er plötzich durch den Verkauf seines Hauptwerkes « 100 Jahre Einsamkeit » ein reicher Mann geworden. Gabos Lieblingslied « La Diosa Coronada » hat er sogar zweimal – auf Wunsch des Publikums – vorgetragen. Und beendet hat er den Abend mit « Mexico lindo y querido » und nochmals erwähnt, dass Garcia Márquez Mexiko genauso lieb war wie seine Heimat Kolumbien – in Mexiko ist er auch verstorben.

gerardoneu2Begleitet wurde Alejandro Escobar durch den italienischen Pianisten Maestro Claudio Martelli.

Illustrationen: Gerardo Aparicio

Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival: Dada Masilo – Carmen

dadamasilo
 

 Besprechung für KULTURA EXTRA – Verführung und Tod – Nicht für Puristen geeignet

Seit sie 2012 beim Romaeuropa Festival an der Seite von William Kentridge in dem Stück „Refuse the hour“ triumphierte und im letzten Jahr das römische Publikum mit ihrer neuen „Schwanensee“-Produktion in den Tanzhimmel schickte, wurde der Auftritt von  Dada Masilo und ihrer Truppe beim diesjährigen Romaeuropa Festivals, das jedes Jahr von Ende September bis Ende November in Rom in verschiedenen Theatern stattfindet, mit Sehnsucht erwartet.

Die südafrikanische Tänzerin Dada Masilo hatte dieses Jahr „Carmen“ im Gepäck. Diese Bizet-Oper ist seit der Premiere in Wien 1875 ein Dauerbrenner und schon 1915 drehte Cecil B. DeMille den ersten Stummfilm über das Werk. Lubitsch, Feyder, Saura und Aranda kamen nach. Es gibt sogar eine Carmen on Ice Revue. 

Die Bühne ist leer. Carmen betritt in einem roten Kleid die Szene. Nur eine rote Akazie ziert ihren kahlgeschorenen Kopf. Still und leise – ohne Musik – fängt sie zu tanzen an, dann ruft sie „Fuck the shit“ und tritt ab. Kurz darauf stürmen alle Tänzer auf die Bühne – die Soldaten und die Tabakfrauen – und die Habanera wird zum Flamenco, der dann plötzlich in einem afrikanischen Ritualtanz ausartet. Das geht so schnell und ist so genial inszeniert, dass wir den Übergang erst wahrnehmen, als sich schon die nächste Phase ankündigt. Manchmal fliegen Wörter in Afrikaans oder Siswati durch die Luft. Micaela, im goldenen Kleid, und Carmen, erotisch und verletzlich, selbstsicher und mutig, kreischen sich an und wirbeln durch die Gegend oder werden von den Männern hin und her geworfen, fast wie Spielbälle. Don José verschmäht Carmen und hängt sich an Micaela. Plötzlich fliegt Escamillo mit -oder auf – einem Torero-Umhang auf die Bühne (herrliche, blitzschnelle Szene) und sein Interesse an Carmen treibt Don José unweigerlich und endgültig zu ihr, die ihn nun nicht mehr will. Dada Masilo greift jetzt in die Handlung ein. Don José muss die unwillige, abweisende Carmen brutal vergewaltigen und die gesamte Tänzerschaft, jetzt im schwarz-weißen Bürodress, baut sich theatralisch-anklagend im Halbkreis um ihn auf bis Escamillo erscheint und Carmen im Zweikampf mit José rächt. Don José bleibt tot am Boden liegen, während sich Carmen langsam wieder aufrichtet. Hierzu ertönt ein Auszug aus den Lamentate von Arvo Pärt.

Charisma und Perfektion von Dada Masilo und ihrer Truppe lassen sie unbedingt gleichberechtigt neben allen Weltklasse-Tänzern stehen!

Mit sechszehn Jahren hat Masilo den Film von Mats Eks gesehen und seitdem spukt das Carmen-Bild in ihrem Kopf herum. Carmen ist dermaßen böse und ist all das wovor die Mutter immer gewarnt hat, sagt sie. Carmen ist so, wie man nicht sein sollte. Diese „crossover-Produktion“ ist alles andere als oberflächlich. Hier geht es um Eros und Thanatos, um Manipulation, Schmerz, Ambition und Rache – kurz um griechisches und Welttheater.

Im Frühjahr 2014 wurde diese flammende Fusion zwischen klassischem Ballett, afrikanischem Tanz und Flamenco-Habanero-Rhythmen auf der Tanzbiennale in Lyon uraufgeführt.

Zwölf Tänzer und Tänzerinnen ließen 70 elektrisierende Minuten gerade mal wie 20 erscheinen! Funken sprühen durch das Theater und – sogar die Römer – hielten die Luft an.

radierung-muereespanola 30x20cm
  »Muerte española » (spanischer Tod) Gerardo Aparicio

Ironisch-witzig, aufmüpfig-trotzig, profund und frei geht Masilo mit den Klischeevorstellungen dieser Oper um. Ein bisschen Bizet, dann wieder Auszüge aus den Lamentate von Arvo Pärt und Fragmente aus der Carmen Suite von Rodion Schchedrin: „I searched for Bizet and found Shchedrin“ (Dada Masilo).

Im township Soweto/Johannesburg ist Masilo geboren und hat klassisches Ballett studiert. Die afrikanischen Schritte und Rhythmen reihten sich langsam aber sicher und humorvoll in ihre Produktionen ein und geben den klassischen Tutu-Sätzen etwas archaisch primordiales. Das hat man schon bei der provozierenden Produktion von Schwanensee im letzten Jahr erfahren. Ihre Lieblingsheldinnen sind Ophelia, Julia, Odette und Carmen und immer verstecken sich politische Botschaften zu Homosexualität, Rassismus, Gewalt und Homophobie in ihrem Land (aber nicht nur) dahinter.

Genial! So hat man Carmen noch nie gesehen. Uns bleibt nur abzuwarten, mit welcher Heldin sie im nächsten Jahr antanzen wird.

Christa Blenk

 

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Berliner Philharmoniker : La resurrezione

Digital Concert Hall – The Berliner Philharmoniker live on the Internet

Das Goethe Institut Rom hat heute eine Direktübertragung aus der Berliner Philharmonie der Resurrezione von Händel im Auditorium in der Via Savoia gezeigt. Die Französin Emmanuelle Haïm am Pult hat gemeinsam mit den Sängern Camilla Tilling (Engel); Christiane Karg (Magdalena); Sonia Prina (Maria Kleophas); Topi Lehtipu (Johannes); Christopher Purves (Luzifer) eine zauberhafte Aufführung realisiert.

In der Pause hat Emmanuelle Haïm über Händel und die Entstehung der « Auferstehung » und der ersten Aufführung im Palazzo Ruspoli1708  in Rom erzählt. Oratorien waren Anfang des 18. Jahrhunderts an der Tagesordnung, da der Papst ein Verbot erlassen hatte, keine Opern mehr aufzuführen: Einmal als Dankeschön, dass die Pest 1700 so glimpflich an Rom vorbeiging und zum anderen um ein Versprechen anlässlich des Heiligen Jahres einzuhalten.

Flöte 006Man hat natürlich nicht das Konzerthaus-Gefühl, dafür aber wunderbare Aufnahmen des Orchesters und Nahaufnahmen der Sänger. Topi Lehtipu z.B. fühlt die Noten mit den Händen. Fast zärtlich streift er über die Partitur, so als ob er die Noten über die Finger aufnehmen wollte. Sonia Prina umwerfend temperamentvoll, so auch Camilla Tilling. Christopher Purves fantastischer Bariton hat überzeugend seine Rolle als unglaubwürdiger Luzifer gespielt und mit dem Engel teilweise geflirtet.  Christiane Karg eine sehr zurückhaltende Magdalena. Alle miteinander waren sie genial.

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Christa Blenk

 

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Misa Azteka beim Festival Internazionale di Musica e Arta Sacra

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Festival Internazionale di Musica e Arte Sacra (22.-29. Oktober 2014 in Rom)

Nach Händels „Saul“,  dem „Deutschen Requiem“ von Brahms, Bruckners „Messe in F-moll mit Te Deum“, Schuberts „Lazarus“ war auch die 13. Ausgabe dieses Festivals wieder der deutschen Musik gewidmet. Doris Hagel, Leo Kraemer und Ingo Metzmacher standen u.a. am Pult aber auch von den Solisten kamen viele aus Deutschland. Gestern abend allerdings wurde die Linie unterbrochen und in der Basilica Sant’Ignazio di Loyola zwei zeitgenössische (süd)-amerikanische Werke aufgeführt.

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Die Misa Azteca von Joseph Gonzalez und das Requiem von Mark Hayes.

Der amerikanische Komponist Joseph Julian Gonzalez hat seine Misa Azteka 1997 komponiert. Uraufgeführt wurde diese musikalische Zelebration für Orchester, Chor und Solisten in sieben Sätzen ein Jahr später beim renommierten El Cervantino Festival in Guanajuato, Mexiko. In diesem Oratorium vermischen sich zwei Kulturen und Religionen zu einer unschlagbaren Symbiose. Mit indianischem Trommelgedonner geht es los und dann bricht auch gleich der Chor, der mindestens aus 80 Sängern, mit auf. Das spanisch-aztekisch gesungene Kyrie wird durch ein pompös-melodisches Gloria für Chor und Tenor  in lateinischer Sprache abgelöst. Der Bariton Victor Chan kommt aus Mexiko und hatte seinen persönlichen Kampf, um mit dieser Kuppelakkustik fertig zu werden. Er hat ihn aber gewonnen. Gewaltig und an Orff erinnerend das Graduale für Chor und Soprano ist komplett in der für uns absolut nicht nachvollziehbaren Azteken-Sprache verfasst. Als Grundlage hierfür hielten mexikanische Cantares her, die aus einem Manuskript aus dem 16. Jahrhundert stammen. Geschrieben Erklärungen oder Aufzeichnungen von den Rhythmus auf der Basis von vier Vokalsilben: ti, to, Ki, co, machen es heutzutage möglich, diese aztekische Musik umzusetzen und aufzuführen. Charisma Millers hohe klare Stimme setzt sich besser durch als die Mezzosopranistin Linda Scott. Das Credo gehört dem Tenor und ist wieder in spanisch-lateinischer Sprache verfasst. Es ruft Reminiszenzen an die mexikanische Volksmusik hervor und ist sehr rhythmisch. Das rauschende Sanctus, das dann erstmals zeitgenössische Passagen birgt, ertränkt die Mezzo-Solistin fast komplett. Vielleicht haben die ersten drei Reihen auf den pompösen Stühlen mehr gehört. Dann und wann wirft die dynamische und quirlige Dirigentin aus Chicago Teresa Russel den Kopf zurück um den Solisten, die vor ihr stehen, verzweifelte Blicke zuzuwerfen, um sie mit den verrückt spielenden Trommeln wieder zu vereinen. Es hörte sich aber trotzdem toll und doch wieder gewollt an. Das Agnus Dei wird daraufhin von aztekischen Kriegstrommeln eingeleitet und man darf sich so allerlei religiös-pagane Rituale vorstellen. Es gehört dem Chor, Tenor und Sopran. Beim letzten Teil, Ite Misa Est, hatten dann wieder Orff und Strawinsky Pate gestanden. Nach einer progressiv aufgebauten Spannung ging dieses bombastische und Werk mit Trommelhagel zuende. Im Programmheft stand auch, dass Gonzalez von Bachs H-Moll Messe beeinflusst war. Das habe ich nicht gehört – mag aber an der Akustik gelegen haben

Religiöse zeitgenössische Musik hat oft auch etwas konventionellere Züge, es soll ja die Kirchgänger nicht verschrecken. Das hat sich auch beim zweiten Werk gezeigt. Der 1953 geborene amerikanische Komponist Mark Hayes dirgierte selber sein Requiem, das 2013 in New York im Lincoln Centre uraufgeführt wurde. Er hat sich auch nicht so richtig an Atonales und Disharmonisches gewagt, sondern gründlich die verschiedenen Requiems von Mozart, Brahms, Faure und Duruflé studiert – und das hat man auch gehört. Hayes vertonte nur sechs der zwölf traditionellen Texte eines Requiems, d.h. Requiem Aeternam, Kyrie, Dies Irae, Sanctus, Agnus Dei und Lux Aeterna. Fast komplett in lateinischer Sprache mit Minireferenzen aus dem Englischen. Traditionell lösen sich Trauer, Angst, Wut, Frieden und Hoffnung ab. Nach dem wehmütigen Requiem ein lieblich-helles und klassisch-herkömmliches Kyrie, abgelöst von einem sehr zornig-wütigen ein wenig jazzigem Dies Irae für Chor und Bariton, der Rest dieer Komposition ist nur für Orchester und Chor gedacht. Eine interessante Rhythmusänderung kündigt das Sanctus an, bei dem ein sich wiederholendes liebliches Glockenspiel vorherrscht. Sein Agnus Dei ist reizend und seicht und hört sich wie Filmmusik zu einer Rosamunde Pilcher Schnulze an: Hoffnungsvoll und kuschelig. Leuchtend und sehnsuchtsvoll in C-Dur das Lux aeterna

Mit weit ausschweifenden Melodien und permanent sich verändernden und neu entwickelnden Tonarten fängt er die gesamte Spannweite der Emotionen und spirituellen Erleuchtung ein. Hayes hat es seinen Eltern gewidmet.

Gespielt hat das Orchestra Roma Sinfonietta, das mir unter Teresa Russell fast besser gefallen hat. Der Chor war gut zusammen gewürfelt aus verschiedenen amerikanischen Chören, die sich aber prächtig verstanden.

Rundum war dieser Nachmittag wirklich etwas besonderes.

Das Festival Internazionale di Musica  e Arte Sacra, findet dieses Jahr zum 13. Mal statt und wird mit einem Sonderkonzert « Nur für Wohltäter der Fondazione » mit Pssalite Deo Sapienter in der Päpstlichen Basilika San Giovanni in Laterano unter Leitung von Massimo Palombella zu Ende gehen.

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Diese Konzertreihe in den großen römischen Kirchen (incl. Petersdom) sind gratis. Man muss sich nur im Internet registrieren,  um dabei zu sein können. Dreiviertel der Plätze allerdings sind reserviert für kirchliche (und zivile) VIPs, Sponsoren und Reisegruppen (vor allem aus Deutschland). Diese dürfen im sonntäglichen Gewand nach vorne schreiten. Die Nichtzahler kommen entweder ganz früh oder müssen stehen. Gestern Nachmittag waren wir sehr früh dran und hatten schon beim ersten Anlauf einen ziemlich guten Platz. Da es aber ein sonniger Sonntagnachmittag war, zeitgenössische Musik die eher konservativen Kirchgänger vielleicht weniger anzieht und es um 21.00 Uhr in der Paulskirche außerhalb der Mauern Verdis Requiem auf dem Programm stand, durften wir kurz vor Beginn noch ca. 10 Reihen nach vorne rücken. Was ein Glücksfall war, da die Kirche zwar fantastische Fresken aber eine unmögliche Akkustik hat.

Christa Blenk

 

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Festival di Musica e Arte Sacra a Roma

P1190202 Konzert am Sonntag, 26.10. – Sanct’Ignazio di Loyola

Freitag, 24.10.2014 in Santa Maria Maggiore

Bruckner – Messe Nr.3 in F Moll (WAB 28)  und Te Deum (WAB 45)

PalatinaKlassik-Vokalensemble, Philharmonischer Chor an der Saar

Solisten: Susanne Bernhard, Oscar de la Torre, Susanne Schaeffer

Leitung : Leo Kraemer

Korrekte Aufführung in dieser Wahnsinnskirche, aber etwas flach (mag an der Akkustik gelegen haben). Keine Nachhaltigkeit, keine Höhen oder Tiefen, keine Fehler, keine falschen Noten und trotzdem un-perfekt. Sehr unruhiges Publikum und nach 50 Minuten begann ein Kommen und Gehen und Stühlerücken – jedenfalls auf den Plätzen für das gemeine Volk.

 

Am 25. Oktober ging es dann weiter in der Kirche San Giovanni in Laterano. gleicher Chor, gleiches Orchester, gleiche Sopranistin, gleiche Empfindung ….

 

Sonntag, 26. Oktober in der Basilica di Sant’Ignazio di Loyola ein Konzert mit zeitgenössischer Kirchenmusik, u.a.

Misa Azteca von Joseph Julian Gonzalez. Komponiert 1997 als Teil eines Begegnungsprogrammes mit dem Komponisten. Uraufgeführt wurde sie im Tijuana Cultural Center durch das Orchester von Baja California/Mexiko. Musikalisch kombiniert die Messe spanische und lateinische Texte der römisch-katholischen Liturgie unter Einbeziehung von mexikanischen Cantares.  Bachs H Moll Messe hat ihn dazu inspiriert, ebenso Strawinsky und Orff. Sozusagen ein Neo-Barock-Epos.

und das Requiem von Mark Hayes.

Sehr gute Aufführung trotz miserabler Akustik in der Kirche. S. ausführlicher Bericht …

 

Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival: Motus – King Arthur

kingarthur2 Largo Argentina – Area Sacra

Sorry, times are changed

Die acht Musiker sitzen zwischen artifiziellen und nur spärlich wahrnehmbaren Bäumen auf der Bühne. Es ist sehr dunkel. Im Hintergrund sieht man eine Tür, die leicht ausgeleuchtet ist. Darüber befindet sich eine große Leinwand auf welche die Geschichte, die hinter der Tür passiert, projiziiert wird. Die Zuschauer, die einen Platz vorne in der Mitte haben (wir hatten Glück und gehörten dazu) konnten sozusgen die Handlung „stereo“ verfolgen: einmal in der kleinen Realität und einmal wie im Kino.

Land_Holz_Land Fotoarbeit: Christa Linossi

Dunkle Wälder, Häuserruinen, Kriegsgebiete, Beton, Graffiti. Der Brite König Arthur und der Sachsenkönig Oswald stolpern über Schutt und Abfall. Es geht um Hegemonie auf der einen Seite und um die Gunst von Emmeline auf der anderen.

Emmeline ist die Hauptperson in dieser eigenwilligen Interpretation von Purcells King Arthur. Sie hat die wichtigste Sprechrolle und ist psychologisch am ausführlichsten ausgearbeitet. Ohne auf die Ordnung oder Reihenfolge der Handlung zu achten, hat man die schönsten Arien und Musikstücke aus dem langen Werk von Purcell herausgepickt und das Ganze auf 70 Minuten reduziert. So kommt die geniale Frost-Arie aus dem dritten Akt nach der Passagaclia des vierten Aktes. Das fällt aber gar nicht weiter auf, weil der Zuschauer sowieso überfordert damit ist, zu begreifen was los ist und warum etwas passiert.

Inspiriert durch Becketts „savage eye“ herrscht vor uns eine Fast-Nachtstimmung und ein tristes Caravaggio chiaro-scuro, welches sogar die Musiker und die Instrumente verschluckt. So nach dem Motto „man sieht eh nur mit dem Herzen“. Wie eine geheimnisvolle Wunderkammer kommt es den Barockaufführungen wohl ziemlich nahe. Aber bitte ein paar Kerzen wenigstens. Bisweilen entsteht der Eindruck vor einem verschmutzten Stillleben von Luis Meléndez zu stehen. Hell wird es nur einmal, als nämlich die permanent-Filmerin auf der Bühne anfängt, das Publikum zu filmen. Für einen Moment können uns dann selber auf der Leinwand sehen. Die Idee an sich ist nicht schlecht, die Realisierung lässt ein klein wenig zu wünschen übrig. Irgend etwas an dieser low cost Produktion ist nicht stimmig. Vielleicht ist es die moderne Sprache und der Tonfall der Schauspieler wenn sie Italienische reden – gesungen wird zum Glück auf Englisch!

Street Art around the world Außer den Sprechrollen Emmeline (Silvia Calderoni) und King Arthur (Glen Çaçi) sind zwei Sopranistinnen, Laura Catrani, Yuliya Poleshchuk und einen Contertenor, Carlo Vistoli mit dabei. Sie Sänger sind gut. Die Frost-Szene deshalb ein wenig enttäuschend, weil wir zu oft Klaus Nomi gehört haben. Das Soprano-Duett aus dem 4. Akt ist ein Highlight in der Aufführung. Die Singstimmen, so wollte es auch Purcell, sind übernatürliche Geister und mythologische Figuren, die gar kein Recht auf Wörter haben.

Luca Giardini dirigiert das Ensemble Sezione Aurea sehr zurückhaltend. Manchmal kommen die Töne schleppend und unbarock aus der dunklen Bühnegrube, das passt aber gut zu dem Durcheinandern aus den vier Akten. Eigentlich hat es uns dann doch gefallen, obwohl wir halt den King Arthur gern gehabt hätten wie Purcell ihn komponierte. Aber das sind ja eh nur Konventionen! 

Die Theatergruppe Motus kommt aus Rimini und besteht seit 1991. Enrico Casagrande und Daniela Nicolò, die auch für die Inszenierung und die Videoeinlagen verantwortlich zeichen, haben sie gegründet. Mit der Semi-Oper King Arthur haben sie sich zum ersten Mal mit einer Theater-Komposition befasst.

Henry Purcell (1659-1695) hat diese Semi-Oper nach einem Schauspiel von John Dryden komponiert. Die wichtigsten Rollen sind Sprechrollen und die Musik wird sozusagen nur eingesetzt, um die Dramatik hervorzuheben, d.h. Die Singpartien gehören nicht die Hauptprotagonisten. Im 17. Jahrhundert war das ganz typisch in England. Purcell hat aber für dieses Libretto eine der schönsten Arien „Cold Genius“ im Barock überhaupt komponiert: Die „Frost-Szene“ , bei der Cupid oder die Macht der Liebe es schafft, ein kaltes Herz aufzutauen.

Zur Handlung, die aber bei der römischen Aufführung im Teatro Argentina gar nicht wichtig und vor allem nicht nachvollziehbar war:

Der christliche britische König Arthur, unterstützt durch den Zauberer Merlin, kann sich gegen den Sachsenkönig Oswald, der vom Magier Osmond, dem Geist Brimbald und dem Luftgeist Philidel unterstützt wird, durchsetzten und einen Teil seines Reiches zurückerobern. Oswald liebt Emmeline und es entbrennt eine heftige Schlacht, die die Sachsen verlieren und fliehen.
Merlin gewinnt Philidel als Verbündeten der Briten, Grimbald, verkleidet als Hirte, will die Briten hingegen in die Irre führen. Philidel rettet Arthur und sein Heer aus dem Moor.
Grimbald, als Frau verkleidet, entführt mit Osmond und Oswald Emmeline. Arthur beklagt den Verlust der Geliebten, Oswald bedrängt sie aber trotz Zaubertrunk keine Wirkung.Philidel hingegen befreit sie von der Blindheit, Arthur und Emmeline können sich plötzlich sehen.
Grimbald versucht weiterhin Arthur zu verlocken und führt ihn in einen Zauberwald. Er zerstört den Wald und nimmt Osmond gefangen.
Arthur besiegt im Zweikampf Osmond, schenkt ihm aber sein Leben. Merlin verkündet den Frieden und Emmeline eilt zu Arthur. Loblieg auf Britannien und auf den Schutzpatron der Insel, den Drachenbefreier St. Georg.
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Christa Blenk

 

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Mario Sironi

sironi1Mario Sironi (1885-1961) im Complesso del Vittoriano

Seit dem 4. Oktober ist im Complesso del Vittoriano eine sehr komplexe und vielseitige Ausstellung des italienischen Künstlers Mario Sironi zu sehen.

Als Sohn eines Ingenieurs wurde Mario Sironi 1885 in Sardinien geboren. Sein Großvater mütterlicherseits war der Architekt Ignazio Villa. Monet arbeitete gerade an seiner Kathedralen-Serie, Picasso war vier Jahre alt und Giorgio de Chirico wird zwei Jahre später geboren werden. Die Fotografie hatte sich schon einen Platz im täglichen Leben gesichert und Maschinen begleiteten die Industrialisierung. Politische Unruhen, der erste Weltkrieg und der Faschismus sollten Sironi künstlerisch wie menschlich prägen und ihn begleiten. Später wird er auf der falschen Seite stehen, aber gerade deshalb viele große Aufträge erhalten, die zum Teil jetzt noch in Rom zu sehen sind.

Der Maler aus Sardinien kam um die Jahrhundertwende nach Rom, um von 1896-1902 ein Ingenieurstudium zu machen. Depressionen hinderten ihn daran, als solcher tätig zu sein. Er fühlte sich als Künstler, Farben und Formen bewegten ihn. So schrieb er sich denn gleich nach Ende seines Studiums in einer privaten Kunstschule ein. 1908 reiste er mit Boccioni nach Frankreich und Deutschland und entdeckte den Kubismus und die Abstraktion. 1913 unternahm er eine weitere Studienreise nach Paris und – wieder zurück in Rom – schloss er sich der Futuristenbewegung an, die u.a. von Boccioni, Severini und Marinetti gegründet wurde, mit der er 1916 zum ersten Mal  in Rom ausstellte. Im selben Jahr veröffentliche Sironi Kriegszeichnungen in der Zeitschrift Avvenimenti die entstanden, nachdem er sich freiwillig zum Militär gemeldet hatte und dort als Fahrer eingesetzt wurde. Aus dieser Zeit stammt  „Die Lampe“, ein kleines Ölbild auf dem eine androgyne Person mit Stöckelschuhen und ohne Gesicht eine Lampe anschaltet oder diverse „no future“ Fabrikgelände und architektonische Kompositionen, die eine ähnliche Einsamkeit ausstrahlen wie es später die Hopper Bilder tun. Nachhaltig beeinflusst von seiner Chauffeur-Zeit im Krieg, sind in seinen Bildern aus dieser Zeit Autos oder Fahrzeuge fast so häufig wie Personen zu entdecken. Nach Kriegsende arbeitete er weiter ander pittura metafisica und seine Werke ähnelnd denen von Giorgio  de Chirico. Jener, obwohl jünger, war ihm einen Schritt voraus. De Chirico lebte installierte sich  1911 im Kunst-Trubel von Paris und stand mit allen Großen der Zeit in Kontakt.

Sironi war einer der außergewöhnlichsten Maler im Italien der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hin- und Hergerissen zwischen den verschiedenen Stilen und der Politik machte er viele Konzessionen an die Kunst.

Nach dem Krieg zog Sironi nach Mailand und gründete mit den Künstlern Funi, Oppi, Malerba  und anderen die Bewegung „Novecento Italiano“. 1922 stellten sie zum ersten Mal in Mailand aus. Diese Retro-Gruppe wollte sich vor allem von der Moderne distanzieren. Die Rückkehr zur Ordnung suchten sie und als Thema diente wieder mal die Renaissance, ähnlich erging es ca 100 Jahre vorher den Nazarenern! Die Geliebte von Mussolini, die Schriftstellerin Margherita Sarfatti, war sehr aktiv, man kann fast sagen, dass sie diese Bewegung koordinierte und sie „verkaufte“. 1924 wurden Werke der Bewegung Novecento – darunter eines der Meisterwerke von Sironi, „Der Architekt“ auf der Biennale von Venedig ausgestellt.  Unterstützt und gefördert durch Mussolini erlangte diese Bewegung auch im Ausland ziemlichen Ruhm.

Schon in den 30er und 40er Jahren bekam er immer wieder Aufträge vom Autohersteller Fiat für Werbeplakate und Werkdesign, die sehr an die russischen Konstruktivisten erinnern. Fiat blieb ihm immer treu und erteilte ihm auch in den 40er und 50er Jahre Aufträge.

Nicht nur sein Talent sondern auch seine Nähe zum faschistischen Regime privilegierten ihn und Sironi war eine Zeit lang der einzige und gefragteste « Hofmaler ». Es regnete nur so an Aufträgen für Wandmalereien, Reliefs, Mosaiken etc. ein. Und obwohl sie ihm nach dem Krieg jede Menge Kritik einbrachten und er zeitweise auf Eis gelegt wurde, sind sie alle noch in Rom zu sehen. In den 50er Jahren durfte er dann trotzdem zweimal bei der Documenta mitmachen.

Ein Film über sein Leben und seine wichtigsten Werke bereitet auf die über 90 Bilder, Entwürfe, Zeitschriften von der Anfangszeit bis zu seinem Tode vor. Picasso soll über ihn gesagt haben „Ihr habt hier einen großen Künstler, vielleicht sogar den größten zur Zeit und seid Euch dessen nicht bewusst.!“

sironi4Die Ausstellung zieht wie ein Film an uns vorüber und erzählt vom symbolistischen Anfang und vom Landschaftsmaler Siorni, wie er zum Futurismus kommt und nach ein paar Jahren zwei Schritte zurück geht und Mitbegründer der Bewegung Novecento Italiano wird. Seine Wandmalereien und monumentalen Figuren und Bauern- oder Familiengruppen erinnern dann wieder an den sozialistischen Realismus, während die Designer-Arbeit u.a. für Fiat an die Konstruktivisten denken lässt. Am bekanntesten sind natürlich seine riesigen Wandmalereien wie „Il Lavoratore oder, l’Impero“ aus 1936, die viele öffentliche Gebäude aus den 30er Jahren in Rom zieren und seine Bewunderung für Raffael oder Michelangelo preisgeben. Sironis letzte expressionistische Bilder, weisen auf seinen Tod hin (Apocalypse) oder sprechen von Bedauern.

Ein Großteil der Exponate stammt aus der Privatsammlung Sironis Schwester Cristina, aus der Galleria Breda in Mailand, aus der GNAM in Rom oder dem MART Museum aus Trento und Rovereto.

2012 hat eine Ausstellungsreihe im Complesso del Vittoriano über Künstler des 20. Jahrhunderts mit Renato Guttuso begonnen, wurde mit den Kubisten und einer Ausstellung über Cezanne und die Italiener fortgesetzt und wird mit einer Ausstellung über Morandi im nächsten Jahr zu Ende gehen.

Die von Elena Pontiggia in Zusammenarbeit mit den Sironi Archiven in Rom kuratierte Ausstellung ist noch bis zum 8. Februar 2015 zu sehen.

sironiAula Magna della Sapienza – Mario Sironi

Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival 2014 : Cabaret Songs – Benjamin Britten

San Lorenzo

Cabaret Songs – Benjamin Britten

Wysten H. Auden und Benjamin Britten haben sich 1935 während der Dreharbeiten einer Dokumentarfilmreihe kennen gelernt; dies war der Beginn einer wunderbaren und fruchtbaren Zusammenarbeit und Freundschaft. Werke wie der Orchesterliederzyklus „Our Hunting Fathers“ oder „On this Island“ entstanden in dieser Zeit. Ihre persönliche Beziehung glich mehr einer Achterbahnfahrt. Der schüchterne und junge Britten bewunderte den Intellektuellen und freien Auden, fühlte sich aber auch verunsichert oder überfordert dadurch. 1937 ereigneten sich zwei fundamentale Begebenheiten in seinem Leben: Brittens Mutter, an der er sehr hing, verstarb und er lernte den Sänger Peter Pears kennen. Es wird manchmal behauptet, dass Letzterer eine Art Mutterstelle bei ihm einnahm – jedenfalls soll er eine ähnliche Stimme gehabt haben. Wie auch immer: die beiden blieben bis zu Britten Tod 1976 zusammen. Auden starb 3 Jahre vorher.

Im Rahmen des Romaeuropa-Festivals wurden gestern Abend im Teatro Eliseo – zum ersten Mal in Rom – Brittens Cabaret Songs, die er zwischen 1937-1939 komponierte, aufgeführt. (Veröffentlicht wurden diese Kompositionen übrigens zum ersten mal 1980.) Britten zeigt sich hier unbeschwert und fliegend-amüsant, geht aber auch auf die persönliche Beziehung mit Auden ein, die gerade dabei war zu Ende zu gehen, z.B. mit Give up love:

Für das Aldeburgh Festival und aus Anlass von Brittens 100. Geburtstag 2013 hat der irische zeitgenössische Komponist Conor Mitchell das Repertoire um acht Songs erweitert und die zum Teil verloren gegangene Musik von Britten ergänzt. Die Texte stammen auch wieder von Wyston Auden oder vertonen die Lyrik von Mark Ravenhill.

Die charismatische Pop-Ikone, Bandleader und Gitarrist der britischen Pop-Gruppe „The Irrepressibles“ Jamie McDermott ist gestern über die Bühne gewirbelt. McDermott hat jetzt nicht unbedingt eine Jazzstimme und dies war auch sein erster Auftritt als Jazzsänger, erzählt er uns kurz. Aber mit seinem Charme, seiner alles könnenden Stimme, sehr textverständlich und mit viel britischem Witz hat er uns dann doch in seinem Bann gezogen.

Den ersten Teil widmet er Auden-Britten bzw. Mitchell-Ravenhill und tänzelt im „Falling out of love“ und „Tell me the truth about love“ trällernd im weißen Dandy-Anzug und mit schwarz-weißen Lackschuhen durch das Publikum auf die Bühne. Homosexualität, sagt er, ist ein Problem, wenn der Angebetete es nicht ist. Bei „mad about a boy“ geht das Pathos ein wenig mit ihm durch, er fängt sich aber gleich wieder. Zwischendurch erzählt er die Geschichte der Homosexualität in Europa und während der Nazi-Zeit, als die Freiheit der gay community der roaring twenties in Berlin dramatisch verloren ging. Dann überlässt er die Bühne dem Pianisten Stephen Higgens, der die Zeit nutzte und „Lets fall in love“ (kurzerhand in einer italienischen Version was zu Begeisterungsausbrüchen des römischen Publikums führte) präsentiert, bis dann McDermott als pseudo- Frank Sinatra wieder auf die Bühne rennt und mit Cole Porter Songs oder Evergreens von Richard Rodgers, Kurt Weil oder Bart Howard in allen Tonlagen wie „I’ve got you under my skin“, „Muy funny Valentine“, „Moon of Alabama“ und „Fly me to the moon“ weiterjazzt. McDermotts Auftritt führt uns vor, wie sich Auden und Britten bei der Ausarbeitung dieser Cabaret Songs amüsiert haben müssen.

Rome is beautiful, sagt er, but so hot! er bittet, doch die Klimaanlage anzuschalten, schnappt sich eine Falsche Wasser, die er ohne abzusetzen austrinkt und legt eine Superperformance von „It’s too damn (darn) hot“ hin, die glatt an Ella erinnert. So wie er herumturnt verstehen wir, warum er über die Hitze stöhnt!

Den „Funeral Blues“ vermasselt er allerdings – vielleicht bewusst!

Nach fast 80 Minuten ohne Pause schenkt er uns zwei Zugaben, darunter nochmals „Johnny“. Nun lässt ihn allerdings seine „souffleuse“ im Stich und er sucht seinen Text, fängt das aber genial und professionell auf, in dem er mit dem angefangenen „My“ einfach mit „My funny Valentine“ weitermacht und sich selber als „gatecrasher“ bezeichnet.

Benjamin Britten hat diese witzig-ironischen und dann wieder verzweifelten Cabaret Songs, die in seinem wichtigen Gesamtwerk oft unter gehen, für die Sängerin Hedli Anderson zu Texten von Auden geschrieben, der hierin seine Erlebnisse aus dem Berliner Kabarett-Nachtleben mit Chester Callmann Ende der 20er /Anfang der 30er Jahre aufarbeitete. Sie sind so gar nicht britisch und weder sperrig noch erhaben, was man sonst seiner Musik oft (fälschlicherweise) nachsagt.

Orpheus Britannicus wird Britten genannt und nimmt seinen Platz gleich in Purcell ein. Brittens Opern wie Peter Grimes und seine Musik ab den 40er Jahren – nach seiner Rückkehr aus den Staaten, wo der Pazifist Britten von 1939-1942 gelebt hat – haben das Vereinigte Königreich wieder in die erste Liga der klassischen Musik geholt. Obwohl Britten von der Avantgarde nicht ernst genommen und vom Publikum zum Teil nicht verstanden wurde.

Wir haben uns zwar den Britten-Liederabend etwas anders vorgestellt, aber uns prächtig amüsiert.

jamieMcdermottinRom

Christa Blenk

 

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Rom und die Unterwelt

medici-mostraIn der Villa Medici wird seit vorgestern die Ausstellung « La Roma dei Bassifondi » gezeigt. Ca. 50 Exponate, die die Zustände und Verhältnisse im barocken Rom beschreiben sollen. Heimliche Liebschaften, Betrügereien beim Kartenspiel, Spiel, Trunk und Freud in finsteren Kneipen. Die Thematik ist interessant und originell, die Qualität der Bilder nicht so sehr. Die meisten Werke sind im Manierismus entstanden und versuchen sich im chiaro-scuro von Caravaggio – bestens geeignet, um das Finstere und das Verbotete zu zeigen: ob mit camera obscura, Spiegeln oder natürlichem Licht. Die Werke von Simon Vouet, Giovanni Lanfranco und Giuseppe Ribeira stechen hervor sowie eine Reihe von interessanten flämischen Zeichnungen aus der Schule von Rembrandt und Pieter van Laar.

In Rom allerdings, wo es an jeder Ecke Museen und Kirchen vollgestopft mit wahren Meisterwerken, geht diese doch flache Zusammenstellung ein wenig unter. Aber sehen Sie selber.

Nach Rom soll die Ausstellung, die von Francesca Cappelletti und Annick Lemoine kuratiert wurde,  ins Petit Palais nach Paris.

Sie ist noch bis 18. Januar 2015 zu sehen.

Villa Medici Garten Villa Medici in Rom

cb

 

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M.C. Escher im Chiostro del Bramante

escher plakat Ausstellungsplakat
 
Bericht über die Ausstellung auf KULTURA EXTRA
 
Zwischen Geometrie, op-Art  und Surrealismus – M.C. Escher (1898 – 1972) -
 
 
P1180729P1180722P1180768 
Optische Täuschung, Spiegelkabinett, geometrische Ornamente

 

Appia Antica 043 Spiegelung in einem Überwachungsspiegel auf der Appia Antica

Fotos: Christa Blenk

Zwischen Geometrie, Op-Art, Spiegelkabinetten  und Surrealismus

Die Escher Sammlung MiCROTEC in Rom

« Are you really sure that a floor can’t be a ceiling? » (Sind sie wirklich sicher, dass ein Fußboden nicht auch Zimmerdecke sein kann? (Escher)

Optische Täuschungen,  umgedrehte Logik, peinlich-präzise mathematische oder geometrische Problemstellungen,  un-mögliche paradoxale Perspektiven, traum- oder alptraumähnliche  Landschaften oder Städtebilder,  floreale  Formen und Ornamente: das sind die Arbeiten,  Lithografien oder  Holzschnitte von M.C. Escher.

Ein Besuch dieser Ausstellung führt durch das Kino von Luis Bunuel, durch einen Kafka-Traum oder durch das deutsche expressionistische Kino, erinnert an die Kleinsche Flasche und an die Möbius-Schleife. Die Wachowskis haben sich für den Film Matrix von diesem Meister der Illusion Einfälle und Ideen ausgeliehen und die Popkultur hat ihn zum Idol erklärt. Ich nehme keine Drogen, sagte er einmal, meine Träume sind schon angsteinflößend genug. Geometrische und floreale Elemente finden bei ihm Einzug in den Surrealismus.  Escher hat sich der Natur anders genähert und viel mehr als alle anderen gesehen. Er hat hinter die Natur geblickt und Formen wahrgenommen oder interpretiert, die uns  irgendwie beunruhigen oder seltsam berühren.  Wir folgen ihm, wie er fasziniert von der fließenden Bewegung, dem perpetuum mobile und einer schwarz-weiß Schlichtheit dann plötzlich wieder an japanische Ästhetik oder Hokusei erinnert. Mit dieser orientalischen Kultur kam er über seinen Vater in Berührung. Seiner Liebe zur italienischen Landschaft hat er aber am meisten gefrönt.

Die Ausstellung  im verwinkelten Renaissance-Kreuzgang Chiostro del Bramante zeigt an die 150 Exponate dieses holländischen Grafikers und Holzstichkünstlers, die zum Großteil aus der Sammlung Giudiceandrea stammen. Darunter befinden sich  Hauptwerke  wie „Hand mit spiegelnder Glaskugel“. Dieses „selfie“ von ihm ist auch das Ausstellungsplakat.  Belvedere,  ein Renaissance-Pavillon der befremdet, da die Treppe im Inneren außen angelehnt scheint.  „Tag und Nacht ist eine negativ-Lithografie von schwarzen und weißen Vögel, die in die jeweils gegensätzliche Richtung fliegen. Auch zu sehen ist das Werk Relativität (1953), eine unendliche Penrose-Treppe: hier bewegt sich auf jeder Seite jemand auf der Stiege, die Stufen allerdings sind seitenverkehrt. Unmöglich für den Betrachter festzustellen, wo unten und oben ist.  Fliegende Fische, Küstenstädte und ein irrealer Petersdom etc.

Ein Großteil der Werke ist während seines Italien-Aufenthaltes entstanden. Er liebte diese Landschaft und hat sie mit seiner Blickweise, seinem  Ideenreichtum, seiner Logik oder Folgerichtigkeit interpretiert. Auch zu sehen ist eine Reproduktion des Transfomationsdruckes Metamorphosis.  Hier entwickelt sich das Wort Metamorphosis vom Rechteck zum Hexagon bis dieses irgendwann zu einer Vogelschar mutiert, die auf dem Weg zum Schachbrett noch Fische und Häuser darstellt (das ist die einfache Version). Das Original ist 58 Meter lang und Escher hat es für die Hauptpost in Den Haag gefertigt. Heute hängt es im Flughafen Schiphol. Zwischendurch darf das Publikum immer wieder mit schwarzen und weißen Streifen oder Quadraten optische Täuschungen enträtseln oder damit spielen (ich bin daran immer gescheitert)! oder wird aufgefordert, sich selber in einem runden Verkehrsüberwachungsspiegel, vor einer perspektivischen Täuschung oder im unendlichen  Spiegelkabinett zu fotografieren.

Der Sohn eines Wasserbauingenieurs Maurits Cornelis Escher (1898-1972) war ein schlechter Schüler und Mathematik lag ihm am allerwenigsten. Außerdem  ist zweimal sitzen geblieben und hat ein Architekturstudium nach einer Woche abgebrochen. Sein portugiesisch-stämmiger Lehrer Samuel Jessurun de Mesquita merkte jedoch bald, dass in ihm ein besonderes grafisches Talent und hohe Intelligenz steckte. Mit seiner Ausbildung, den seinen Landsmännern Bosch und Brueghel im Gepäck bereiste er auf dem Esel in den 20er Jahren Spanien und Italien,  heiratete eine Schweizerin und ließ sich in der Nähe von Rom nieder, wo er von 1922 – 1936 lebte und arbeitete. Italienische Landschaften und arabische Ornamente, die ihn in der Alhambra in Granada faszinierten und beschäftigten, prägten ihn besonders. Aus politischen Gründen ging er 1936 in die Schweiz, später nach Brüssel und zurück in die Niederlande. Schon bald erlangte er ziemlichen Ruhm und es interessierten sich sogar Mathematiker (und Esoteriker) für ihn. Escher der Grafiker, Zeichner und Buchillustrator schuf außerdem originelle Wandteppiche. In Nordeuropa ist er spätestens seit Hofstadter Buch GEB (Gödel, Escher und Bach) bekannt.

Kuratiert hat die Ausstellung Marco Bussagli in Zusammenarbeit mit  DART und Arthemisia Group sowie der Stiftung Escher. Die Leihgaben kommen fast ausschließlich aus der Sammlung Federico Giudiceandrea. Die Sammlung MiCROTEC gehört dem Südtiroler Geschäftsmann Federico Giudiceandera und befindet sich in Brixen. Sie ist übrigens die größte Escher-Sammlung weltweit.

Die einmalige Ausstellung dieses unabhängigen und unklassifizierbaren Grafikers und Künstlers ist noch bis zum 21. Februar 2015 im Chiostro del Bramante in Rom zu sehen.

Christa Blenk

 

 

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Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff

Ausstellungsplakat Architekt, Sammler und Zeichner

 

Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff in der Casa di Goethe

Auf dem Corso sind zur Zeit Zeichnungen aus der Sammlung von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736-1800) zu sehen. Dreimal insgesamt ist Erdmannsdorf in Rom gewesen und aus dieser Zeit stammen auch die meisten der ausgestellten Exponate. Einige Arbeiten sind von ihm selber, den Großteil allerdings hat er während seiner Aufenthalte erworben. Nach knapp 250 Jahren kehrten somit einige von den Zeichnungen oder Radierungen – für kurze Zeit -  wieder nach Rom zurück.

barocciP1180657Bei diesen Kostbarkeiten handelt es sich um Römische Veduten, Architekturprojekte, Hand- und Körperstudien, klassische Zeichnungen u.a. von Charles-Louis Clérisseau (1721-1820), Vincenzo Brenna (1741-1806?), Giuseppe Manocchi (1731-1782). Auch ausgestellt sind die zehn Handstudien von Federico Barocci (1535-1612), die Erdmannsdorff vom Bildhauer Cavaceppi kaufte, bei dem er ebenfalls Unterricht nahm.  Fundamental diese Aufenthalte in Rom für ihn und ausschlaggebend für seine Entscheidung, Architekt zu werden. Als solchen oder als Gartenanlagenkünstler hat von Erdmannsdorff seinen Platz in der Kunst/Architekturgeschichte; seine Zeichnungensammlung wird allerdings selten erwähnt.

Mit knapp 30 Jahren machte sich der Freiherr von Erdmannsdorff mit 11 Freunden in zwei Kutschen auf zu der standesgemäßen Bildungsreise. Die „ Grand Tour“ führte die Partie durch Deutschland dann weiter nach Österreich, Italien, Frankreich, England und Schottland mit dem Ziel, nicht nur die letzten Benimmregeln und Fechttechniken zu erlernen! Mit ihm reiste seine besondere Vorliebe für die stark von Palladio beeinflusste englische klassizistische Architektur, die ganz wild darauf war, von Rom beeinflusst zu werden. Eines seiner Vorbilder war der Schotte Adam. In den Monaten, die er in Rom und Umgebung verbrachte, suchte er den Kontakt zum einflussreichen Winckelmann  „Ich bin von Dessau, lieber Winckelmann und habe Ihres Beystands nöthig. » , traf den Baumeister und Kupferstecher Piranesi und lernte den Maler Hackert kennen, Zeichenunterricht erteilte ihm der französische Architekt und Maler Charles-Louis Clérisseau.

Erdmannsdorff zählt heute zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Frühklassizismus, kannte absolut keine Berührungsängste und saugte auf. Er lernte und notierte, exemplarisch wie Humboldt, Alles über Kunst, Politik, Philosophie und Naturwissenschaften, aber genauso faszinierten ihn politische und militärische Themen oder die Topografie einer Stadt. In Neapel traf er mit dem englischen Gesandten Hamilton zusammen, um sich über seine neuesten vulkanologischen Untersuchungen auf dem Laufenden zu halten. Winckelmann und seine römische Entourage verehrte die Antike und die hier ausgestellten Zeichnungen bestätigen und manifertieren den Wunsch, sie in der Moderne einzufangen oder wieder aufleben zu lassen. In der Ausstellung sind aber nicht nur Zeichnungen aus der Rom-Zeit, mir ist auch eine sehr schöne Zeichnung von Pietro da Cortona aufgefallen.

Vollgepackt mit Gelerntem, Ideen und Eindrücken kehrte von Erdmannsdorff nach Hause zurück wo er sich schnell zum Gründer der neoklassizistischen Architektur in Deutschland entwickelte. Sein wichtigstes Bauwerk  im sog. Anglo-Palladianismus, das Schloss Dessau-Wörlitz, entstand um 1770 und besticht mit klassischen Zitaten und englischer Gartenarchitektur und ist seit ein paar Jahren zum UNESCO Welterbestätte erklärt worden.

Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff ist 1736 als Sohn eines kursächsischen Beamten geboren worden. In Dresden besuchte er die sog. Ritterakademie und ging 1757 als Student nach Wittenberg wo er Franz von Anhalt-Dessau kennen lernte.

Er wurde Mitglied im Bund der Freimaurer und ist schon 1759 in die Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen in Leipzig aufgenommen worden.

Seine Architekturprojekte waren begleitet und hinterlegt von Essays und Schriften über Kunst und Architektur. Die Landschaft wollte er verschönern oder dem damaligen Schönheitsideal näher bringen aber seine Gärten sollten auch – ganz im Geiste der Aufklärungsimpulse – für alle zugänglich sein. „Jeglichen Beifall errang, wer Nützliches mischt mit dem Schönen“, schrieb der römische Dichter Horaz  - und das war ihm wichtig.

Nach dem Tod Friedrich des Großen 1786 holte ihn Friedrich Wilhelm II umgehend nach Preußen, wo er sich allerdings nicht sehr wohl fühlte. Zu kalt, zu oberflächlich, zu falsch fand er das Leben dort. Als Ehrenmitglied der Königlichen Akademie der Künste und mechanischen Wissenschaften gestaltete er die Gemächer des verstorbenen Königs im Sanssouci Schloss ganz im Stil der Klassik. 1790 kehrte er nach Italien zurück und lernte dieses Mal auch Angelika Kauffmann kennen sowie den Bildhauer Canova. Wieder zurück übernahm er die Leitung der Chalkografischen Gesellschaft in Dessau, wo er 1800 auch starb.

Kuratiert wurde diese Ausstellung von Karen Buttler. Sie ist noch bis 16. November in den schönen und andächtigen Räumen der Casa Goethe zu sehen. Anschließend wandert sie weiter in die Bauhaus-Stadt Dessau und wird dort in der Anhaltischen Gemäldegalerie zu sehen sein.

Christa Blenk

P1180666 Casa di Goethe – von diesem Fenster aus sah Goethe auf den Corso; Tischbein hat ihn so auch einmal gezeichnet;  daneben ein Werk von Via Lewandowski aus der vorherigen Ausstellung.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival 2014: Letizia Renzini

Loggia Loggia und Aufführungsort (teilweise) – Villa Medici Rom

 

Il ballo delle Ingrate oder Der Tanz der spröden Damen    – für KULTURA EXTRA

Mit einer Barock-Theater-Video-Oper-Skype-Show eröffnete Letizia Renzini das diesjährige Festival Romaeuropa.

Gebrauchsanleitung-balloingrate 
Gebrauchsanleitung und Programm des Abends

Il Ballo delle Ingrate (Der Tanz der spröden Damen) ist eine Oper von Claudio Monteverdi, die Claudio il Divino 1608 anlässlich der Hochzeit von Francesco Gonzaga, dem Sohn seines Auftraggebers in Mantua komponierte. Letizia Renzini und ihre Truppe inszenierten diese Barockoper auf eine sehr eigenwillige Weise und brachten viel Bewegung in den Ablauf: im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der von den Künstlern eigens angefertigten Skizze, die wir anstatt eines Programms ausgehändigt bekamen, waren u.a. die Aktionspunkte vermerkt.

Wir mussten alle unten an der schönen Treppe warten, bis uns eine antik-gekleidete Dame nach oben zur Loggia brachte. Dort wurden wir  mit Schellen, Pauken und Trompeten (und Ohrschutz für die Ausruferinnen) empfangen, die vielleicht die Hochzeit angekündigten; oder war es die Aufforderung von Pluto, der an der Decke hing und grölte, an die schon verblichenen und spröden, in seine Unterwelt verbannten Damen, sich doch nochmal schnell nach oben zu wagen, um sich nach einem Mann umzusehen? Eine Stimme gab zwischendurch gute Ratschläge, wie man es als Frau nicht machen soll, wenn man einen Mann haben und auf der Erde bleiben möchte. Sitzplätze gab es keine. Kurz darauf wurden wir in den Hauptsaal geleitet und durften uns um das Geschehen platzieren. Hier lagen ca. 50 Kissen verstreut am Boden, aber es wahrend sicher doppelt so viele Zuschauer.

Jetzt verstanden wir auch, warum die Cafeteria geschlossen war. Ganz à la Giorgio Battistelli, wurde direkt neben uns massenhaft,  sehr laut und leidenschaftlich Geschirr zerschmettert.  Das war natürlich das notwendige Klappern zu Ehren der Storchengöttin für Liebe und Kindersegen zu sorgen,  hatte aber auch etwas von  einem Polterabend (dieser ist sicher auch aus diesem Grunde entstanden!). Wir waren, stehend, sehr glücklich positioniert  und konnten mit dem rechten Auge im Nebenraum live die Geschirr-werfenden Damen erleben und mit dem Linken das auf eine transparente Leinwand projizierte Video verfolgen. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, spielten hinter der Leinwand zwei Musiker auf alten Instrumenten Monteverdis zauberhafte Musik bis schließlich Venus erschien Venus und zu singen anfing. Herzzerreißend ihre Arie, während sie wie bei einem gigantischen Tetris-Spiel ganz langsam eingemauert wurde, was das Publikum wieder über eine große Leinwand mit verfolgen konnte.  Diese Szene war umwerfend und wir vergaßen, dass wir stehen mussten und es ziemlich stickig im Raum war. Plötzlich sagte eine Stimme auf Französisch, dass das 19. Jahrhundert vorbei wäre  und wir hörten den Skype-Ton, der das Singen über den PC einleitete. Die Musiker wechselten in unsere Richtung und es wurde zeitgenössischer. Venus, die ebenfalls hinter uns auf  eine Leiter stieg, bleib bei ihren Monteverdi-Lamenti, und gab ihre Ratschläge nun von oben herab. Drei weißgekleidete junge Frauen zogen zeitgleich unsere Aufmerksamkeit auf sich, als sie hinter dem transparenten Vorhang zu tanzen anfingen:  eine von ihnen ist kurz vorher tanzend aus dem Kamin gestiegen. Die eingemauerte Sängerin auf der Leinwand wurde in der Folge von Buchstabenreihen abgelöst, die sich zu Sätzen wie „Cupid is no longer blind, non longer young…“ formten.

Nach diesem information overflow  durften wir wieder an die frische Luft auf die Loggia, auf der uns schon Amor erwartete, der mühsam zuerst sich und dann seinen Bogen hochzuheben versuchte. Dark Vader Schwerte leuchteten ihm dabei. Wie vorherzusehen, gelang es ihm aber nicht, also legte er hoffnungslos den Bogen wieder auf die Erde und verschwand traurig und niedergeschlagen im Garten.

Rasender, verdienter Applaus. Einfallsreich, witzig und originell.

Die Idee dazu war von Letizia Renzini. Sabina Meyer übernahm die musikalische Leitung und auch die Sopranrolle. Die Choreografie hat Marina Giovannini entwickelt, die Kamintänzerin.  Valentina  Nicolai spielte die Viola da Gamba und Andreas Arendt die Theorbe. Die zwei anderen Tänzerinnen waren Vanessa Geniali und Lisa Pazzagli.

Es wurde leider nur dreimal (zweimal am Donnerstag und einmal am Freitag) aufgeführt, sonst würden wir heute Abend nochmals hingehen.

Christa Blenk

 

P1180633 Während vor der Villa Medici gigantisch die Sonne unterging, fand innen ein gigantisches Spektakel statt

 

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August Sander und Helmar Lerski in der Villa Massimo

August Sander und Helmar Lerski in Rom

AugustSander_HelmarLerski(c)VillaMassimo_FotoAlbertoNovelli (3) 
Copyright ©VillaMassimo/FotoAlberto Novelli

 

Zusammen mit der Kuratorin Ute Eskildsen hat die Villa Massimo diese Ausstellung auf die Beine gestellt. August Sander mit Helmar Lerski zusammen zu bringen, ist eine geniale Idee, denn unterschiedlicher könnte man die Zeit zwischen den Kriegen nicht darstellen.

 

AugustSander_HelmarLerski(c)VillaMassimo_FotoAlbertoNovelli (2)
Copyright ©VillaMassimo/FotoAlberto Novelli

 

Dadurch, dass ich sowohl die einzelnen Schichten wie auch deren Umgebung durch absolute Photographien festlegte, hoffe ich eine wahre Psychologie unserer Zeit und unseres Volkes zu geben, schrieb Sander 1925 in einem  Brief an einen Verleger um sein Projekt bestehend aus 45 Mappen zu je 12 Fotografien: Menschen des 20. Jahrhunderts vorzustellen (Quelle Ausstellungskatalog).

Sander schuf mit dieser Bestandsaufnahme der damals existierenden Berufsstände ein Portrait der Gesellschaft das – zusammen mit der Philosophie der Neuen Sachlichkeit – die Sicht auf die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts definitiv und langfristig prägte!

 

Installazione_AugustSander_HelmarLerski'14(c)VillaMassimo_FotoAlbertoNovel (5)
Copyright ©VillaMassimo/FotoAlberto Novelli

 

Lerski näherte sich auf eine ganz persönliche und manieristische Weise den Menschen bzw. deren Gesichtern. Seine Fotografien stehen ganz im Zeichen des Expressionismus  und von Stumm- oder Tonfilmproduktionen wie  Das Kabinett der Dr. Caligari, der Golem, oder  Nosferatu. Seine  Nahaufnahmen sind beunruhigend und nicht bequem. In drei Räumen sind die Fotos ausgestellt und die Kuratorin hat Lerski in die Mitte genommen. So fällt man von Sanders harter und einfacher aber klar-geregelter Welt in die expressionistische Ungewissheit von Lerski, um dann wieder im dritten Saal zur Ruhe zu kommen.

Sanders Modelle kannten ihren Platz in der Gesellschaft und wussten wo sie hingehörten.  Da ist  der stolze rundliche Bäckermeister, die Dorfmusiker, die Burschen auf dem Weg zum Tanz mit einem hoffnungsvollen Blick vielleicht die Richtige zu finden, die  rauchenden Vamp-Ehefrau vom Maler Peter Abelen (diese provozierende Frau hat Sander 1928 fotografiert), dann der Bauer Schu aus Neitersen, die Bäuerin Frau Enders, und  ein frühes Foto aus 1912, das eine Serviererin mit kniefreiem Rock zeigt. Aber es gibt auch den eleganten  Bankdirektor mit sauberen Händen und übergeschlagenen Beinen im bequemen Sessel oder eine knallharte Maklerin mit langem Mantel sowie die Stenotypistin hinter ihrem Schreibtisch.  Herrliche Zeitdokumente und geniale Momente, die man lange betrachten kann, bis man zu jedem Klischee die richtige Geschichte gefunden hat. In Sanders Foto-Serie sind die  Dramen des Ersten Weltkrieges ausgeklammert. So als ob die Zeit für immer stehen geblieben wäre.

In den aufgewühlten und bewegten Jahren zwischen den beiden Kriegen wirkten seine Fotos allerdings anachronistisch und altmodisch. Die Welt des Kubismus, Dada und des Expressionismus verlangte auch eine neue Foto-Ästhetik, der Lerski sehr viel näher kam. Nichtsdestoweniger landete Sander in den 40er Jahren in der entarteten Künstlerecke.

Helmar Lerskis Arbeiten wurden noch nie in Italien gezeigt und kommen auch sonst wenig an die Öffentlichkeit, informierte uns die Kuratorin. Gezeigt werden an die 20 Fotografien aus einer Reihe, die Lerski 1936 in Tel Avis von dem  Bauzeichner Leo Uschatz gemacht hat.  « Verwandlungen durch das Licht » heißt die Serie, die 175 Fotografien umfasst. Lerski ließ an unterschiedlichen Stellen auf dem Dach Spiegel anbringen. Der Effekt des sich darin brechenden und verrückt spielenden Sonnenlichtes veränderte permanent die Mimik und den Charakter des Modells.  Sander hingegen machte seine Aufnahmen bei normalem Licht und ohne „Tricks“, obwohl er später auch viel im Atelier arbeitete. Die Fotos von Lerski wirken deshalb vielleicht künstlerischer und der Zeit angepasster und erinnern teilweise sogar an Bronzeskulpturen. Lerski war fasziniert von der möglichen Metamorphose der Personen; Sander Fotografien hingegen erzählten  das aktuelle Leben ohne Schnörkel oder prätentiösen Barock.   Ob Lerski  auf der Suche nach einem neuen Schönheitsideal war oder das Hässliche hervorheben wollte, bleibt dem Betrachter überlassen. Hier spielte natürlich  das Jahr 1936, das Jahr der Olympiade in Berlin mit seiner besonderen – politischen – Ästhetik eine Rolle.

Lerski (1871-1956) - das ist nicht sein richtiger Name - wurde als Sohn eines polnisch-jüdischen  Auswandererehepaars 1781 in Straßburg geboren.  Als Schweizer Staatsbürger ging er  1893 in die USA und trat als Helmar Lerski verschiedenen Schauspielbühnen bei, bis er sich 1910 sein erstes Fotoatelier in Milwaukee einrichtete und relativ schnell viel Erfolg als Porträtfotograf hatte. Die letzten Jahre vor seiner Rückkehr 1915 nach Deutschland, hatte er eine Anstellung als Gastdozent in Austin/Texas. In Berlin  versuchte er sich als  Kameramann und kam mit  Fritz Lang in Berührung. Das sieht man: seine Fotos ähneln Filmauszügen. Als 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, ging er endgültig nach Tel Aviv. Erst 1948 kehrte er wieder nach Zurück zurück wo er 1956 verstarb.

Der Sohn eines  Bergbauzimmermanns August Sander (1876-1964) ging als junger Soldat nach Trier, landete bei einem Fotografen und machte sich  um die Jahrhundertwende auf zu einer zweijähren Lehrwanderschaft, die ihn u.a. auch nach Berlin und Dresden brachte. 1904 eröffnete er ein Atelier in Linz, ging aber 1910 nach Köln zurück, wo er 1964 auch starb.

Diese Ausstellung soll der Beginn einer Serie von Ausstellungen über deutsche Fotografie in der Villa Massimo werden. Sie ist noch bis zum 7. November zu sehen.

Christa Blenk

mehr : http://www.villamassimo.de/it/attualita

 

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Borromini Highlights in Rom – Rom-Spaziergänge

 

……. Wir beginnen unseren Spaziergang mit der schönsten Treppe in Rom. Sie befindet sich im rechten Gebäude des Palazzo Barberini.  Hier zeigt sich besonders die Vorliebe von Borromini für eine lichte, klare und unkomplizierte Formensprache, ganz im Gedenken an Michelangelo. Sehr individuell und unverkennbar seine klassische Interpretation seiner Arbeiten.

Ein paar Meter weiter Richtung Quattro Fontane steht direkt an der Ecke die kleine Kirche San Carlito alle Quattro Fontane. Im charmanten Kreuzgang hinter der Kirche treffen wir wieder auf seine helle und unverkennbare Sprache, weiß und organisch die Decke im Inneren der Kirche, verziert nur mit konkaven  Kompositionen und Formen.  Eigenwillig und sehr persönlich war er und seine seltsamen Erfindungen nannten die Leute damals extravagant oder bizarr-gotisch! (Wir machen einen Exkurs und gehen ein paar Meter weiter Richtung Quirinal-Palast in die Bernini-Kirche. Ein Vergleich dieser beiden Gotteshäuser sagt alles aus über die Persönlichkeit und die Unterstützung von außen dieser beiden großen Künstler. Die eine klein, transparent, schlicht über nur zwei Treppen zu erreichen, die andere groß, protzig, überladen mit einem Treppenaufgang der fast einem Schloss würdig wäre. ) Beide bestechen mit einer Schönheit. Aber mir persönlich gefällt Borrominis Preziose besser.

Nicht weit weg Richtung Tritone machen wir einen kurzen Abstecher in die Kirche Sant’Andrea delle Fratte. Die Bauarbeiten hier wurden des Öfteren unterbrochen, da je nachdem wer Papst war und welcher Günstling den Happen bekam. Das Querhaus und die Kuppel mit dem Glockenturm mit den Doppelsäulen aus Marmor hat Borromini um 1655 errichtet. Man muss ein wenig suchen, um in diesem Gewirr von Häusern und Autos einen Blick auf den weißen Turm  zu erheischen. Weiter geht es Richtung Corso zur Galleria Pamphilij. Dort steht, unter vielen anderen Schätzen, die Büste von seinem Gönner Innozenz X, aber gefertigt hat sie Bernini. Borromini hingegen hat den Festsaal entworfen.

Rechts vom  Corso Vittorio Emanuele II gegenüber der Piazza Navona gelangen wir zu Sant’Ivo alla Sapienza – die römische Universität mit ihrem wunderbaren Innenhof. Auch wieder schlicht, pur und bestechend schön. Auf der Piazza Navone besuchen  wir in die Kirche Sant’Agnese in Agone . Wieder unter Innozenz X sollte diese Reformkirche nach  unendlichen Streitereien zwischen Päpsten und Baumeistern umgebaut werden und Bernini war dafür vorgesehen; schließlich entschied aber Innozenz X sich für Borromini, der die Freitreppe bauen sollte.

Wir gehen weiter Richtung Campo dei Fiori zum Palazzo Spada.  Dieser Palast stammt aus dem 16. Jahrhundert und ging 1623 in Besitz der mächtigen Familie Spada über. Ab 1635 tätigte Borromini dort Restaurierungsarbeiten an den Fassaden und baute die bekannte perspektivisch- manieristische Kolonnade. Er spielt mit dem Sehen und dem Empfinden. Nach hinten wird der Säulengang kleiner und lässt die Figur darin viel größer erscheinen als sie wirklich ist. Am besten sieht man das, wenn man jemanden beobachtet der bis zu hinteren Skulptur geht.

In der Chiesa Nuova gibt es das Oratorio dei Filippini, das Borromini in über 10 Jahre ab 1640 erbaute. Hier wurden früher religiöse Musikdramen aufgeführt. Leider  ist es  bis auf Weiteres geschlossen, es  kann also Jahre dauern, bis man diesen Ort wieder besichtigen kann. Nicht zu vergessen ein Blick in der Bischofskirche San Giovanni in Laterano, in der Borromini das Haupthaus auf Wunsch von Papst Innozenz X umgestaltete. Diese Arbeiten dauerten allerdings eine Ewigkeit und wurden erst sehr viel später – nach dem Tod aller Beteiligten fertiggestellt.

mehr über Borrominis Leben und Wirken auf artmore:

Text und Fotos: Christa Blenk

 

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