Eisschmelze – Berlin im Februar

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Am 15. Februar 2017 kam plötzlich der Frühing nach Berlin.

Die Minustemperaturen verwandelten sich in +Grade und auf der Spree setzte sich die Eisblücke in Bewegung. Faszinierender Anblick, wie sie ähnlich einem Wasserfall, das kleine Stauwerk (Mitte – zwischen Unter den Linden und Leipziger Straße) herunterdonnerten, wie sich das Licht darin brach und die  Vögel auf der Spree entlang auf die transparenten Eisscheiben reisten.

 

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Fotos: (c) Christa Blenk

 

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Der eingebildete Kranke von Molière in der Schaubühne

 der eingebildete Kranke
Renato Schuch, Ulrich Hoppe, Peter Moltzen, Jule Böwe,
Felix Römer, Regine Zimmermann
Foto: (c) Katrin Ribbe

 

Am französischen Hof von Ludwig XIV ging es nicht unbedingt hygienisch und blitzsauber zu; das ist bekannt. Es ist auch bekannt, dass er mit seinen Zähnen Probleme hatte und deshalb nicht kauen oder verdauen konnte; Waschen war auch eher ein ungebräuchlicher Begriff – wozu auch -  es gab ja schließlich das (französische) Parfum? Dieses wurde zwar schon vor über 7000 Jahren erfunden, aber natürlich auch, um schlechte Gerüche zu überspielen. Andere hielten sich Minze unter der Nase, aber am französischen Hof jedenfalls wurde Parfum literweise verbraucht!

Michael Thalheimer hat sich wohl an den Konditionen am französischen Hof zu Zeiten von Molière, Lully und dem perückenbestückten und rüschchenverzierten König Ludwig XIV bei seiner Inszenierung des Eingebildeten Kranken orientiert.  Argan trägt eine Leggins, wichtiges Kleidungsstück der Noblen früher,  unter seinem rosaroten Rock und seine Frau ist in ein Kleid von Madame de Maintenant gewandet, sie allerdings oben ohne.

Das Bühnenbild besteht aus einem weiß gefliesten, konstruktivistisch-sterilem Quadrat und sieht aus wie eine unbefleckte Operationsraum-Zelle  – jedenfalls in den Anfangs-Sekunden.  Argan wird seinem Rollstuhl sitzend hereingependelt und jammert. Die Körperflüssigkeiten, die der Kranke dann ausscheidet oder ausspuckt, Einläufe und Blut aus der Konserve versauen komplett den ehemals so picobello sauberen Ort. Aber so kann wenigstens Argans Testament im eigenen Blut auf der Wand – ermutigt durch das hinterlistige Betreiben der schlangenfalschen Ehefrau – verewigt  werden. Stotternd, trampelnd und von der Seite treten nach und nach die gruseligen Protagonisten auf. Ein Slapstick, der aber nicht zum Lachen bringt, so wie die ganze Komödie hier nicht allzu viele Lacher hergibt. Manchmal ansatzweise, aber eine durch Lachen befreite Wohlfühlstimmung soll ja auch nicht auftreten, es soll eher das Leid der Reichen im 17. Jahrhundert gezeigt werden.

Begleitet werden diese 100 Minuten von mal laut und mal leiser nervender und monotoner Hintergrund-Computermusik von Bert Wrede die wohl versuchen soll, ein wenig Ordnung in das schmutzige Chaos zu bringen, manchmal hindert sie aber das Publikum daran, alles zu verstehen. Molière hätte dieses unkoordinierte und laute Treiben im Quadrat wahrscheinlich sogar recht witzig gefunden.

Mit Andreas Gryphius’ Hölle: Mord! Zeter! Jammer! Angst! Kreutz! Marter! Würme! Plagen! Pech! Folter! Henker! Flamm! Stanck! Geister! Kälte! Zagen  geht es los und hört es auch auf! Traurig und deprimiert verlässt er – gehend und nicht im Rollstuhl – sein gefliestes Höllen-Gefängnis von Enttäuschung, Schmerz und eingebildeter Krankheit.

Peter Moltzen ist ein intensiver, spuckender, hustender und keuchender Argan, der sich in seinem Schmutz und in seinen Krankheiten mit viel grimmiger Freude auf seinem Rollstuhlthron und in seinen dreckigen Windeln suhlt. Was ihm genau fehlt weiß er nicht und will er auch nicht wissen. Er sieht immer schlecht aus, hat aber ansonsten durchaus Appetit auf Gebackenes und Gebratenes. Regine Zimmermann ist die freche Hausdienerin Toinette und spielt ihm sehr überzeugend auch einen zufällig vorbeikommenden Rotkreuz-Arzt vor, um ihm endlich die Augen zu öffnen. Jule Böwe ist die berechnende Ehefrau Béline, die Töchter sind Iris Becher und Alina Stiegler, die eine im Reifrock mit Cowboystiefeln, die andere auf Rollschuhen. Felix Römer spielt einen ausgesprochen dämlichen Cléante aber noch doofer ist der Arztsohn Thomas (Renato Schuch). Ulrich Hoppe ist der abgefeimt-schäbige und einschmeichelnde-heuchlerische Arzt Diafoirus. Argans toter und einarmiger Bruder (Kay Bartholomäus Schulze) verblutet praktisch vor den Augen des Publikums, obwohl er als Toter eigentlich eh schon blutleer sein sollte. Allesamt sehen sie zum Erschrecken aus und wenn alle Gruselbrüder einmal auf der Bühne sind, können durchaus Alpträume hervorgerufen werden.

Molière hat sich ja am Ende seines Lebens fast nur noch  mit leichtem Theater befasst und dazu gehörten  und vor allem Ballettkomödien zu Lullys Musik. Deshalb geht dem Theaterstück normalerweise eine lange Tanzszene voraus. Uraufgeführt wurde dieses letzte Werk von Molière 1673 in Paris mit ihm höchstpersönlich in der Hauptrolle; er starb bei der vierten Vorstellung auf der Bühne.

Olaf Altmann hat das Bühnenbild entwickelt, Michaela Barth die Kostüme entworfen und Michael Thalheimer die Regie. Der Eingebildete Kranke ist schon sein zweiter Molièrean der Schauühne  nach Tartuffe 2013. Dieser Kranke war auf 100 Minuten gekürzt in der Übersetzung von Hans Weigel – mehr hat man dann auch nicht gebraucht!

Aber trotzdem durchaus sehenswert!

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Christa Blenk

 

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Joe Ramirez – Gold Projections

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In der Gemäldegalerie kann man noch bis zum 19. Februar – zeitgleich zur Berlinale – die Gold Projections des US Künstlers  Joe Ramirez (*1958) erleben. Vielleicht waren wir gerade zu einer ungünstigen Zeit dort, denn die angebliche Magie und das Alchimistische ist leider nicht auf uns übergesprungen.

Eine vergoldete Holzplatte an der Wand gab es zwar und es wurde auch – ein paar Minuten -  eine Tuch (vielleicht das Kopftuch eines Van der Weyden Bildes (Bildnis einer Frau mit Flügelhaube) darauf projiziert. Leichte Veränderungen haben es am Leben erhalten, es wurde von Gold zu Blau dann zu Grau und ist dann langsam wie ein Raumschiff im Universum verschwunden. Auch die anderen drei in den Seitenflügeln ausgestllten Arbeiten erinnern eher an die flämische  Malerei im 16. Jahrhundert oder an die englischen Symbolisten.

Zur Zeit vergoldet er vor Ort gerade das  Filmgemälde « Somnium« . Es basiert auf der Novelle von Johannes Kepler von 1608 und beschreibt eube geträumte Reise zum Mond. Am 14. und 15. Februar wird es dann in der Gemäldegalerie zu sehen sein.

Ramirez, der seit 10 Jahren in Berlin lebt,  war als Möbelbauer und Freskenmaer tätig, deshalb hat seine Kunst etwas von Kunsthandwert und beschäftigt sich mit Alchimie und Gold. Seine Technik ist patentiert.

Nicht wirklich interessant und verspricht viel mehr als es hält!

Christa Blenk

 

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Museum Barberini Potsdam

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Museum Barberini Potsdam

 

Potsdam, nur einen Steinwurf von Berlin entfernt, entwickelte sich ab dem 17. Jahrhundert zu einer der schönsten Barockstädte in Deutschland. Kurfürst Friedrich Wilhelm kaufte einige, damals verpfändete, Stadtgebiete und machte Potsdam zu einer zweiten Residenz neben Berlin. Aber erst unter dem Aufklärer Friedrich II wurde die Stadt auch optisch eine Residenzstadt. Sie entstand praktisch neu, wurde komplett umstrukturiert und neu gestaltet und sogar die Bürgerhäuser bekamen aufwendige Barockfassaden. 1745 ließ er seinen Sommersitz, Schloss Sanssouci, sowie viele Parkanlagen bauen. Vor 250 Jahren, also 1772, ließ Friedrich der Große in Potsdam nicht weit vom Schloss entfernt vom Architekten Carl von Gontard das Palais Barberini errichten.  Vorbild war der Palazzo Barberini in Rom, den zwei große römische Barockkünstler, Bernini und Borromini errichteten.

Im Krieg wurde das Palais vollkommen zerstört und erst 2013 begann man mit dem Wiederaufbau. Der Kunstsammler und Mitbegründer des Museums Hasso Plattner hat sich dieses sozusagen selber zum Geburtstag geschenkt. Ende Januar 2017 konnte das Museum Barberini schließlich eröffnet werden – und dies gleich mit drei vorzüglichen Ausstellungen, zu denen Leihgaben u.a. aus Sankt Petersburg, aus Paris, aus Hamburg oder Washington anreisten, aber vor allem auch aus Privatsammlungen. Und so soll es laut Plan der Museumsdirektorin Ortrud Westheider auch weitergehen. Jährlich sollen drei Ausstellungen mit Leihgaben und Beständen aus der hochkarätigen Sammlung Plattner in Potsdam zu sehen sein.

 

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 Saalansicht Impressionisten, Monet « Pappeln in Giverny (1887) und Heuhaufen (1893)

 

Eine der Eröffnungsausstellungen ist dem Impressionismus gewidmet  - ein kluger Schachzug, denn diese Lichtbilder der großen Franzosen sorgen immer für ein volles Haus. Mit 93 Exponaten ist sie die größte Ausstellung der Drei. Es werden ausschließlich Landschaftsgemälde, die das Thema Wasser, Wald und Winter behandeln, gezeigt. Sie stammen aus Privatsammlungen oder aus großen und bedeutenden Museen. Gleich zu Anfang hängt ein Gemälde von Claude Monet, das der Kunstverein in Bremen zur Verfügung gestellt hat Boote.  Claude Monet hat es mit knapp 30 Jahren, 1869, gemalt. Drei Jahre vor seinem umkrempelnden Gemälde Impression – solei levant (1872), das dem Impressionismus seinen Namen geben sollte.

Sie tummeln sich alle hier, Alfred Sisley, Gustave Caillebotte, Pissarro und noch mehr Monets, die in London oder in Norditalien entstanden sind, eingerahmt von Themenbildern wie Heuhaufen. Monet hat sich gerne ausführlich mit einem Motiv auseinander gesetzt und es immer wieder bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen oder Tageszeiten gemalt, siehe die Seerosenbilder, die Rouen Kathedrale oder die Heuhaufen, von denen einige zu sehen sind.

Ergänzend sind eine Reihe von Rodin-Skulpturen, Leihgaben aus dem Musée Rodin, Paris, zu sehen, in Anlehnung an die gemeinsame Ausstellung 1889 in Paris von Rodin und Monet Bewegte Körper – im Dialog mit Monet. Vorarbeiten für die Bürger von Calais oder der Denker, eine Plastik, die Rodin ursprünglich für seine Höllentor-Skulptur anfertigte, inspiriert von und basierend auf Dantes Göttlicher Komödie.

 

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 August Rodin, Der Denker (1881) – Guss (1967)

 

Die zweite Ausstellung befasst sich mit dem weiten Begriff der Klassiker der Moderne. Anhand von 60 Exponaten wird hier eine Brücke gebaut zwischen den Biergarten-  und Lichtbildern von Max Liebermann, bis hin zu den klatschigen und expressionistischen Bildern von seinem Gegenspieler Emil Nolde oder Max Slevogt. Hier werden die beiden menschlich und künsterlisch so gegensätzlichen Maler  Liebermann und Nolde miteinander konfrontiert. Beide schwimmen im Licht, aber Nolde sehr viel weiter!  Ausgezeichnet zusammengesucht und keine Überschwemmung an Werken. Sogar ein ungewöhnlicher Gustav Klimt Seeufer mit Birken (1901)  hat sich dazwischengedrängt – ebenfalls aus einer Privatsammlung. Um die Jahrhundertwende malte Klimt eine Reihe von dekorativen Landschaftsbildern.

Edvard Munch (1863-1944) kennen wir vor allem als Maler der Dramatik und der inneren Zerrissenheit. Von ihm sind einige sehr lohnenswerte und aus Privatsammlungen kommende Exponate ausgestellt. Munch hat um die Jahrhundertwende im norwegischen Badeort Åsgårdstrand eine Serie von Strand- und Lichtbildern gemalt. Darunter das lichte und leichte Gemälde Sommernacht am Strand (1902/03).

 

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 Emil Nolde « Frischer Tag am Meere (1906) und Max Liebermann « Biergarten in Laren (1903) ,Edvard Munch « Sommernacht am Strand »

 

Die dritte Eröffnungsausstellung befasst sich mit Kunst aus der DDR, besser gesagt der Kunst der Leipziger Schule – Plessner hat sich hier eine bemerkenswerte Sammlung zusammengekauft.

„Aus der Sammlung des Museum Barberini“ wird in zwei  Räumen gezeigt – aber das soll nur ein Vorgeschmack sein. U.a. sind Werke von  Rolf Händler (1938), Willi Sitte (1921-2013), Werner Tübke (1929-2004) , Harald Hetzkes (1929), Bernhard Heisig (1925-2011), Wolfgang Mattheuer (1927-2004) zu sehen mit Schwerpunkt auf den Leipziger Maler Wolfgang Mattheuer. Von ihm ist auch die Bronzeskulptur im Garten des Museums „Jahrhundertschritt“, eine Art Abrechnung der politischen und gesellschaftlichen Widersprüche im 20. Jahrhundert und die Auseinandersetzung mit Faschismus und Sozialismus. Diese Plastik wird dort dauerhaft stehen bleiben. Mattheuer hat 1984 an der 41. Biennale in Venedig teilgenommen und war 1977 Teilnehmer an der in Kassel. Die documenta6 hatte stand unter dem Thema Neue realistische Kunst.  Mattheuer war der Vertreter des Sozialistischen Realismus.

 

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 Saalansicht Bernhard Heisig « Die Straße der Kommune » (1989), Willi Sitte « Selbstbildnis mit Tube und Schutzhelm » (1984)

 

Im Herbst geht es dann weiter, Mit mit der Ausstellung Hinter der Maske. Künstler aus der DDR sollen weitere Werken aus der Barberini-Sammlung Leihgaben gegenüber gestellt werden.

Insgesamt 2800 qm Ausstellungsfläche gibt es in dem Palais und es war wohl ein Glück, dass Plattner nicht seine erste Wahl – das DDR Hotel Mercure – dafür zur Vergügung gestellt bekam. Denn dieses wollten die Potsdamer nicht abreißen lassen!

Die beiden Haupt-Ausstellungen sind noch bis Ende Mai zu sehen – Die DDR Kunst bis zum 3. Oktober.

Seit 1990 gehört Potsdam übrigens zum UNESCO Welterbe. Die Babelsberg Filmstudios wurden dort 1912 als erste große Filmstudien weltweit eingerichtet

 

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Christa Blenk

 

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Unterwerfung

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Dominique Cozette – liberte-egalite-fraternitete (2011)
168×226 cm

 

François ist Mitte 40, Literaturprofessor und Spezialist auf dem Gebiet der dekadenten Literatur, vor allem was den Schriftsteller Huysmans angeht. Er ist der Erzähler der Geschichte und so wie es aussieht – hält er sich im Krankenhaus auf (ob aus psychischen oder physischen Gründen oder beides – bleibt dem Zuschauer überlassen). Die weiteren Hauptdarsteller sind Ärzte, Pfleger oder Krankenschwestern, die sich aber kurzerhand – wenn François  gerade mal aus seiner Depression ausbricht und in Erzählzwang gerät – in Miriam, seine Kollegin, einen Kollege, in Martine Le Pen oder in Mohammed Ben Abbes verwandeln. Frankreich, Europa und er sind krank.

Alles was passiert – und das ist außer Reden nicht viel – passiert um das bewegliche Bett herum. Die Papiertreppe inmitten der Bühne zeigt gleich, dass es ein Entkommen nicht geben wird, der Welt auf wackeligen kranken Beinen steht und der Himmel darüber – ebenfalls aus durchsichtigem Papier – bekommt mit dem Herabsenken der Kamera schon die ersten Risse.

Wir sind in Frankreich, in Paris, genauer gesagt, an der Sorbonne und man schreibt das Jahr 2022 – die Zeit der französischen Wahlen. 

François kommentiert die politischen Machtverhältnisse in Frankreich und das Übereinkommen der Bruderschaft der Muslime mit den anderen traditionellen Parteien, um dem Front National mit Marine Le Pen keine Chance auf den Präsidentenstuhl zu geben. Er versteht und spürt  in seinem gleichgültigen Existenzialismus doch die Anspannung und die Unsicherheit  obwohl er, um mit seinen Worten zu sprechen, so politisiert wie ein Handtuch ist. Sein Hauptinteresse gilt dem Schriftsteller Huysmans. Und dann gibt es da noch die Frauen, seine Studentinnen, zu denen er regelmäßig  nicht emotionale Beziehungen unterhält – eine Ausnahme ist Miriam, aber die geht mit ihren Eltern nach Tel Aviv und lernt Jemanden kennen – oder Escort-Beziehungen, die ihn zwischen den Studentinnen über den Sommer bringen und ihn für kurze Zeit aus dem dunklen Loch holen. Er tut uns leid, hat Schmerzen und weiß nicht wohin mit seinen Sorgen.

Er bekommt eine Kündigung, weil die Universität keinen Laizismus mehr dulden kann, ist dann doch neidisch auf das hohe Gehalt der Kollegen, die geblieben sind, schmeißt sich in einem Smoking und wartet, bis ihm die Decke buchstäblich auf den Kopf fällt und er, wahrscheinlich irgendwie befreit und froh, über die Ruinen seiner Papierwelt tänzelt und  Bühne wie Welt verlassen darf.

Steven Scharf spielt einen unsicheren, fast bemitleidenswerten Lehrer, der verloren nach einem Sinn sucht und das tut er sehr gut. Die afroamerikanische Schauspielerin Lorna Ishema  übernimmt alle Frauenrollen (Krankenschwester/Marie-Françoise Tanneur, Kollegin an der Uni/Reporterin/Marine Le Pen, Front National/Myriam, Studentin und Ex-Freundin). Sie glänzt überall, vor allem aber als Madonna und Marine Le Pen. Camill Jammal ist der Chefarzt und Mohammed Ben Abbes, der neue gewählte Präsident; Marcel Kohler ist Reporter, ein Uni-Kollege und ein Zivildienstleistender und Wolfgang Pregler spielt den undercover-Spion und Mann von François’ Kollegin sowie den angepassten und konvertierten Rektor der Sorbonne, den die neue Regierung ganz nach oben katapultiert.

Stephan Kimmig hat das ziemlich überbewertete Mode-Theaterstück nach dem Roman von Michel Houllebecq  sehr minimal inszeniert – mehr braucht es auch nicht. Außer einem Bett auf Rollen hat Katja Hass nur zerbrechliche und verletzliche Requisiten vorgesehen.

Die Premiere fand schon im April 2016 im Deutschen Theater mit großem Erfolg statt.

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Street Art San Lorenzo – Rom

Christa Blenk

 

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Les Contes d’Hoffmann – Hoffmanns Erzählungen

 
Hoffmann
 Uwe Schönberg (Hoffmann 1) Foto: (c) Monika Ritterhaus

 

Komische, romantische Oper mit viel Schuss!

Hoffmann 1 sitzt im Dunkeln, von unzähligen leeren Flaschen umgeben und in Schräglage. Definitiv eine Kneipe kurz vor der Sperrstunde und die verbrauchten Flaschen warten schon auf die Entsorgung im umweltfreundlichen Glascontainer!

Da kann man sich schon denken, wohin uns Barrie Kosky führen will. Sein Hoffmann säuft sich um Verstand, Kopf und Spiegelbild, hier geht es um mehr als um das fröhlich-feuchte Zusammensein. Die kommenden Stunden stürzt Hoffmann von einem Alptraum ins nächste Delirium tremens und damit ihm das nicht zu viel wird, gibt es ihn gleich dreimal.

Hoffmann 1, Schauspieler, Hoffmann 2, Tenor und Hoffmann 3, Bariton, wechseln sich ab – wobei Nummer Drei eigentlich so ist, wie Jacques Offenbach (1819-1880) ihn vorgesehen hatte. Die Rolle war eigentlich für einen Bariton geschrieben, da das Pariser Theater aber kurz vor der Premiere in Konkurs ging und Offenbach seine letzte, große Oper nur mit einer Tenorrolle an den Mann bzw. ans Theater bringen konnte, wird sie seitdem in Tenorlage gesungen! Da er aber die Oper sowieso nicht fertig schreiben konnte, weil der Tod ihm zuvor kam, hat jeder Regisseur viel Spielraum, um sich richtig auszutoben – was der Chef der Komischen Oper Barrie Kosky auch tat und alle sich ihm bietenden Möglichkeiten ausschöpfte,  um diese  grotesk-sonderbare und bizarre Geschichte von ETA Hoffmann zu erzählen.

Es gibt eine Sängerin für alle vier Frauenrollen, dafür aber den Hoffmann – wie gesagt – gleich dreimal.

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Nicole Chevalier (Olympia) + Hoffmann 2 /Dominik Köninger
Foto: (c) Monika Ritterhaus

 

Hoffmann 1 sitzt also in seinem 80er Jahre Künstler-Gewand unter seinen Flaschen und erzählt nuschelnd von seiner Liebe zu Stella, der Donna Anna in Mozarts Don Giovanni. Eine temperamentvolle und recht gelungene Zauberlehrling-Klein-Zack-Szene leitet – mit  dem Auftreten von Olympia – in ein lustiges Operettentreiben über.

Das physikalische Kabinett von Spalanzanis gleicht einer Schneiderwerkstatt in der Industrialisierung. Eifrigst wird erfunden und zusammen gesetzt. Hände und Köpfe werden durch die Gegend getragen. Und dann wird sie vorgestellt! Olympia: eine Schönere und Originellere hat es sicher noch nie gegeben. Inspiriert von den Schachrobotern, die im 19. Jahrhundert sehr in Mode waren, zuckt und ruckt sie durch den Biedermeiermenschenautomat, bei dem immer wieder Schubladen aufgehen oder gewaltsam zugemacht werden, aus dem tanzende Hände, lange Arme oder meterweit Rapunzelhaare hervorgeholt werden. Die ausdrucksstarke und wunderbare Nicole Chevalier (sie ist übrigens eine Urenkelin von Maurice Chevalier) gehört  – zum großen Glück für die Oper und für uns – seit ein paar Jahren zum festen Ensemble dieser. Sie zieht das Publikum – musikalisch wie schauspielerisch – voll in ihren Bann! Als Antonia singt sie sich rührselig, bedauernswert und umgeben von vielen schwarz-gekleideten Müttern zu Tode und als Giulietta muss sie Hoffmann sein Spiegelbild und damit seine Seele rauben. Mittlerweile ist Hoffmann aber so betrunken, dass er eh nichts mehr mitbekommt. Olympias Erbauer, Spalanzani, der Augenverkäufer Coppelius, Dapertutto oder Doktor Mirakel tummeln sich mit verpfuschten Erfindungen auf der Bühne oder durch die Kneipenlandschaft und sorgen für Chaos. Gut eingesetzter Slapstick und nie Zuviel aufgetragen.  Und immer wieder die vergeblichen Rettungsversuche der eleganten Muse durch diese fantastische Alptraum-, Frauen- und industrialisierten Alkohol-Welt.

Die Suche nach der idealen Frau oder einfach nur zu viel Promille, hohes Fieber, Wahnsinn oder verblendete Liebe. Hoffmann selber sucht das in immer anderen Frauen, zuerst Stella, der Mozart-Sängerin, dann Olimpia, dem Roboter, Antonia, der kranken Sängerin, oder Giulietta, der Seelen-raubenden, verwegenen Kurtisane. Hoffmann selber verzehrt sich immer wieder aufs Neue für die Neue. Da kann ihn dann auch seine Muse nicht mehr aufhalten.

Uwe Schönbeck spielt den Hoffmann 1, den Schauspieler, der den ganzen Abend über anwesend ist und Hoffmann 2 und Hoffmann 3 ablöst, vorschickt, aber auch berät bis er im fünften Akt wieder allein ist.

Nicole Chevalier war Stella/Olympia/Antonia und Giulietta und eine Traumbesetzung, hell, strahlend und bezaubernd hat sie vier ganz unterschiedliche Personen gespielt und gesungen – mit unterschiedlicher Hingabe und Temperament, farbenfroh und stilsicher. Mehr kann man sich nicht wünschen. Sehr gut auch die Muse, Karolina Gumos und auch die drei Hoffmanns (Uwe Schönbeck, Dominik Köninger, Alexander Lewis) haben bestanden.  Dimitry Ivashchenko und Ivan Tursic hatten ebenfalls mehrere Rollen, die sie mit Bravour meisterten.

Die Chorsolisten und Komparsen der Komischen Oper Berlin sowie das Orchester der Komischen Oper Berlin gaben ebenfalls überzeugt; am Pult mitreißend Stefan Soltesz.

Geschickt wird hier Horror mit Humor verbunden. Die drei Geschichten in der Oper beziehen sich auf drei Erzählungen von E.T.A. Hoffmann (Der Sandmann, Rat Krespel, Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbild). Alle drei Protagonisten dieser Geschichten sind immer Hoffmann. Aufgeführt wurde die Opéra fantastique in fünf Akten von 1881 in französischer und deutscher Sprache. Das Libretto hat Jules Barbier nach dem gleichnamigen Drama von Jules Barbier und Michel Carré verfasst.

Der Australier Barrie Kosky zeichnet für die originelle und ansprechende Regie, die zwar doch dann und wann die Geschichte ein wenig hilflos verzerrte. Er lebt seit ein paar Jahren in Berlin, war vier Jahre am Wiener Schauspielhaus Codirektor was zu seinem internationalen Durchbruch als Opernregisseur im deutschsprachigen Raum führte. Er inszenierte für die Staatsoper und am Deutschen Theater Berlin und arbeitete von 2009- 2011 an seinen Ring-Zyklus in Hannover. Bis er nach Produktionen in Münschen und Frankfurt schließlich in der Spielzeit 2012/13 an die Komische Oper Berlin kam und Andreas Homoki ablöste.  Schon in der ersten Spielzeit  wurde die Komische Oper Berlin mit ihrem Programm zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt.

2014 hat ihn Katharina Wagner für die Inszenierung von Richard Wagners Meistersinger von Nürnberg bei den Bayreuther Festspielen 2017 verpflichten können.

Viel verdienter Applaus und viel Spaß!

Christa Blenk

 

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Eine Sinfonie der Welt – Buchbesprechung

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Eine Sinfonie der Welt (2014) – Alexander Bertsch

Das Buch beginnt mit dem Tod des Erzählers. Fesselnd, pragmatisch, empfindsam, detailliert und in großen Zeitsprüngen lässt  Alexander Bertsch den Komponisten Franz Niemann das kulturelle und politische Geschehen zwischen 1935 und 1990 erzählen. Franz kommt aus einer gut bürgerlichen Familie, sein Vater ist ein angesehener Professor und  sie wohnen in einer guten und eher vornehmen Gegend in Heidelberg.

Martina Fahrenbach ist ebenfalls Musikerin und war für kurze Zeit Schülerin von Franz. Sie wird von der Schwester von Franz überredet, sich um seine musikalische Hinterlassenschaft kümmern. Dabei stößt sie in seinem Gartenhaus auf die Tagebücher und rekapituliert die außergewöhnliche Lebensgeschichte dieses einsiedlerischen und ungewöhnlichen Musikers und interpretiert seine musikalischen Aufzeichnungen, mit denen er Jahrzehnte verbrachte. Martina ist aber auch die Tochter seiner ersten Liebe Sophie – aber das erfahren wir erst viel später. Fasziniert tritt sie in sein Leben ein und lässt es wie im Film vor uns abrollen. Es ist Winter – genauer gesagt, Februar.

Arnold Schönberg, Alban Berg, Leos Janácek oder Anton Webern sowie eine ältere Sängerin spielen bedeutende Rollen in seinem Wiener Leben, wo er vor dem Krieg hingeht, um über die neue Musik zu forschen, weil es in Deutschland aus politischen Gründen nicht möglich ist. Gegen den Wunsch seines Lehrers geht er noch vor dem Krieg zurück und schließt sich einer Widerstandsgruppe an, als Reaktion auf den Selbstmord eines ehemaligen, verehrten Professors. Im Widerstand lernt er Anna kennen, der er hilft nach einer Razzia nach Frankreich zu flüchten, wo sie seinen Sohn zur Welt bringt. Genau zu dem Zeitpunkt, als Sophies Eltern ihr den Umgang mit ihm, dem nicht Angepassten, verbieten. Es folgen Gefängnis, Strafbataillon, Partisanenmitglied, Kriegsgefangenschaft. Bis zu seiner Rückkehr nach Heidelberg vergehen viele Jahre und erst nach dem Krieg kann er wieder ins Gartenhaus einziehen und versucht, die schrecklichen Erlebnisse durch die Musik zu überwinden. Er will eine Sinfonie der Welt komponieren. Töne, Lieder und Noten aus der ganzen Welt und aus allen Kulturen sollen in ihr eine Rolle spielen und werden zu seiner Hauptbeschäftigung. Ein englisches Lied „Alas, my love, you do me wrong », wird zum Leitmotiv. Jahrelang sollte er daran arbeiten und zu Lebzeiten nichts davon der Öffentlichkeit übergeben.

Franz setzt sich sehr kritisch mit Adornos Musik-Ästhetik auseinander und Ernst Blochs „Prinzip“ begleitet ihn wie es dieMusik und die Einsamkeit tun. Mit dem RAF-Terror wird er durch Martina konfrontiert. Sie muss sich verstecken und erinnert sich, wie sie als kleines Mädchen das Gartenhaus entdeckte. In den 60er Jahren trifft er auch endlich seinen erwachsenen Sohn.

90 Jahre reichen für gut 550 Seiten die hauptsächlich in  Heidelberg, Wien und Frankfurt spielen. Ähnlich Feuchtwangers Exil geht es auch hier um das Leben eines fiktiven Komponisten, dessen Welt von der Geschichte des Krieges bestimmt ist und wenn wir ein wenig weiter spinnen, dann hat Bertsch sich vielleicht ein klein wenig an der Lebensgeschichte des deutschen Komponisten Hans Werner Henze inspiriert!

Für Martina wird diese Erbabwicklung zum Hauptinhalt ihres Lebens – wenigstens in den drei Jahren, die sie dafür braucht. Das Buch endet mit der Erstaufführung einiger Teile seiner Sinfonie der Welt.

Bertsch verlangt viel vom Lektor, lange und sehr gute Ausführungen über die Musikgeschichte, über die Entstehung der Moderne über winzige Einzelheiten, die eigentlich nur ein anderer Komponist oder Wissenschaftler voll verstehen kann, wirken manchmal schwer verdaulich aber faszinieren gleicherweise. Aufgelockert ist der Roman durch das Geschehen vor und im Krieg, durch Franz’ Beziehung zu vier Frauen: zu Sophie, seiner ersten Liebe, zu einer österreichischen Sängerin, zu Anna, die in Frankreich noch vor dem zweiten Weltkrieg einen Sohn von ihm zur Welt bringt und von seiner begnadeten Schülerin, die später eine bekannt Pianistin werden sollte.

Man mag den Roman gar nicht weglegen.

Er ist nicht das erste Mal, dass sich Alexander Bertsch mit der deutschen Geschichte um und nach dem « Zweiten Weltkrieg befasst. In „Wie Asche im Wind“ (1993) ist sie Thema, aber auch sein darauf folgendes Buch hat einen politischen Hintergrund, es erzählt vom Utopie-Verlust, den er anhand der Generation der 1968 Jahre beschreibt. Mit einem gewissen existenziellen Stoizismus erzählt er  „Eine Sinfonie der Welt » , sein vierter Roman. Ein Musik-Gesellschafts-Entwicklungsroman für Musikliebhaber, Historiker und Geduldige. Aufs präziseste recherchiert und beschrieben und außer Franz Niemann, dessen Person erfunden ist, tritt die komplette Musikergarde der 30er und 40er Jahre in Erscheinung!

„Was bleibt, ist die Musik », hat Niemann im Sinn von Ernst Bloch in seinem Tagebuch vermerkt.

(Alexander Bertsch, Eine Sinfonie der Welt. Roman. 552 Seiten, Verlag Regionalkultur)

Christa Blenk

 

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Die englische Katze von Hans Werner Henze

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Doppelmoral und Meuchelmord: wie die Menschen so die Katzen

Mrs Halifax, das einzig menschliche Wesen im Stück – das allerdings nie zu sehen ist – mag Katzen und deshalb hat sie viele davon. Lord Puff, bejahrt, bigott-scheinheilig, bestechlich, geldgierig und bequem, will Präsident der  K.G.S.R., der Königlichen Gesellschaft für den Schutz der Ratten, werden. Dies kann aber nur zum Erfolg kommen, wenn er vorher heiratet – sagt Mrs Halifax und sucht ihm eine Braut. Diese heißt Minette und kommt vom Land. Jung, bezaubernd, schüchtern, naiv und gehorsam. Minette versucht zwar immer auf die Worte des Pfarrers von zuhause  zu hören, verliebt sich aber doch des Nachts auf dem Dach in den Straßenkater Tom. Davon erfährt der Neffe von Lord Puff,  der charakterlose und bösartige Arnold, er hat nämlich viele Schulden und hofft (zusammen mit seinem Gläubiger) auf das Erbe seines alten Onkels, dazu darf dieser aber nicht heiraten. Er nimmt das nächtliche Techtelmechtel von Tom und Minette zum Anlass und erzählt dem Onkel und der ihn umgebenden maroden Gesellschaft davon.  Aber Minette, die sehr schnell die Gepflogenheiten einer verlogenen und zynischen Gesellschaft gelernt hat, erklärt ihm kurzerhand, dass sie Tom eigentlich nur überreden wollte, dem K.G.S.R. beizutreten. Sie kann überzeugen und wird Ehefrau. Dann gibt es da noch Babette, Minettes Schwester, und Louise, eine Waisenmaus, die von den Katzen adoptiert wurde, um sie zu beschützen. In Wirklichkeit aber ist Louise so etwas wie eine Sklavin, die jeden Tag mit der Spendenbüchse auf die Straße geschickt wird, um zu betteln. Der Ertrag landet jeden Abend direkt im Tresor der Gesellschaft.

Im zweiten Teil sieht man Minette wie sie sich als schöne, reiche Frau eines angesehenen Präsidenten langweilt. Sie muss sich mit Literatur und Malerei plagen, aber vor allem muss sie Cello lernen und das liegt ihr gar nicht. Plötzlich kommt Babette über den Katzenbaum hereingepurzelt und beide beklagen gegenseitig ihr schlimmes Schicksal. Die eine hat zu viel und ist eingesperrt, die andere ist zu frei und hat zuwenig. Minette gibt ihr das Geld, das eigentlich für ein neues Kleid zur Eröffnung einer wichtigen Veranstaltung vorgesehen war.

Tom erscheint wieder, als Deserteur, denn eigentlich wollte er zum Militär um Minette zu vergessen. Wieder werden sie in flagranti vom durchtriebenen Arnold erwischt. Diesmal hilft keine Entschuldigung, die Scheidung droht. Tom schleicht sich als Anwalt von Minette ein und wohnt einem total korrupten und unmoralischen Prozess bei, wird entlarvt und soll verurteilt werden. Nun aber entdeckt der hohe  Richter, dass er der verlorene Sohn vom reichsten aber verschollenen Mann Englands ist, der sein Freund war. Tom hat noch einen Tag Zeit, sein Erbe einzufordern, bevor das große  Vermögen nach seinem 21. Geburtstag in die Hände der K.G.S.R. fällt. Was tun?

Minette muss auf Befehl von Mrs Halifax ertränkt werden und liegt schon im Plastiksack während sie noch schön-traurige Arien schmachtet und Tom davon überzeugt, dass er sich doch bitte nach ihrem Tod um Babette kümmern möchte, was Tom sich durchaus vorstellen kann. Ist sie doch auch so schön wie ihre Schwester. Doch  ist es eine Tragikomödie und ein Happy End ist demnach nicht vorgesehen. Tom, nun edel gewandet wie die anderen Gesellschaftskatzen, findet gerade zu Babette als er hinterlistig erstochen wird, was als Unfall oder Selbstmord durchgeht. Dem Übertragen des großen Vermögens auf die Gesellschaft steht nun nichts mehr im Wege. Louise, die Maus, hat entdeckt, dass man Katzen nicht trauen darf und macht sich vom Acker. Das Böse siegt!

Inspiriert wurde Hans Werner Henze zu dieser Oper durch eine Theateraufführung der  Kurzgeschichte von Honoré de Balzac „Peines de coeur d’une chatte anglaise“, in der eine junge Katze ihre Erlebnisse in einer bürgerlich-vornehmen, jedoch durch und durch skrupellosen englischen Katzengesellschaft schildert. Der englische Dramatiker Edward Bond schrieb daraus diese bissige Gesellschaftssatire.

Die Oper, die eigentlich „eine Geschichte für Sänger und Instrumentalisten in zwei Akten“ heißt, wurde 1983 in Schwetzingen uraufgeführt, mit Henze selber am Pult. Die Resonanz war geteilt. Henzes Streben war es immer „seine Musik aus dem Klangraum herauszunehmen und als eine Sprache zu vermitteln, die von allen verstanden wird“.  Auch bei der Katze hat er alle möglichen Formen ausgetestet. Das geht von Latinorhythmen, über volkstümliche Dreigroschenopernmusik, zur geölten schnurrigen Katzenmusik, hin zum Walzer oder Tango und zur 12-Ton-Musik mit dann wieder fast lyrischen Arien. Wie bei Elegie für junge Liebende  hat er auch hier den Haupt »katzen » Instrumente zugewiesen, so hat Lord Puff die Orgel, Minette tritt zu Geige und Zither mit naiven Walzern auf, Tom wird mit Klarinetten angekündigt, das Heckelphon gehört dem durchtriebenen Neffen Arnold und die zarte Blockflöte der versklavten Maus Louise. Das Werk ist für ein kleines Orchester geschrieben aber mit zum Teil ungewöhnlichen Instrumenten, wie eben das Heckelphon, die Zither oder die Celesta.

Dagmar Schlingmann hat den Darstellern so gut wie keine Katzenattribute gegeben, allerding konnte man sie als solche anhand der sanften und geschmeidigen Bewegungen und angedeuteten Katzenwaschrituals identifizieren. Er geht ja hier auch um das Menschliche im Tier. Niemand mehr ist zu retten und nur Geld zählt, denn Geld schafft Macht.  Diese Talfahrt der Werte zeigt sich auch in einer Schräglage der Bühne, bedeckt mit vielen Kuschelkissen, einem Katzenbaum quer durch den nach vorne abfallenden rechteckigen Kastenraum. Die Rendezvous von Tom und Minette finden auf einer roten Leiter statt und sie müssen sich dazu nach Bergsteigermanier anschnallen, um nicht abzustürzen. Darunter die Unterwelt für die Mäuse und die streunenden, nicht veganen Katzen.

Sung-Keun Park ist ein geradezu genialer Puff, man sieht ihm an, dass er immer zwischen dem Geld und dem warmen Plätzchen hinter dem Ofen hin- und hergerissen ist, eigentlich seine Ruhe haben will, aber die Gier das nicht zulässt. Außerdem hat er sehr textverständlich gesungen. Zum Walzerrhythmus erscheint die wunderbare Minette gesungen von Ania Vegry. Sichtlich sorglos spielt und singt sie sich durch die schwierige Rolle und meistert dies ausgezeichnet. Matthias Winckhler ist ein sehr charmanter und überzeugender Straßenkater, der sehr schnell lernt, sich auf dem Parkett der Reichen und Mächtigen zu bewegen, aber nicht drandenkt, sich einen Bodyguard zu engagieren! 

Das Lob geht an die gesamte Truppe unter der temperamentvollen und zurückhaltenden Leitung von Mark Rohde. Die Gemeinschaftsarien, von denn es viele gibt in der englischen Katze, sind wirklich Katzenmusik geworden.

Einzig die Sprache: wir hätten es lieber in der Englischen gehört!

Großartiger Opernabend!

Christa Blenk

 

tato

Zeichnung: Emanuel Borja

 

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Skulpturenmeile Hannover

Straßenkunstprogramm in Hannover

Besuch der Skulpturenmeile

Die Landeshauptstadt Hannover  finanzierte das Projekt der Skulpturenmeile schon in den 70er Jahren und nach den Nanas  von Nicki de Saint Phalle wurden die ersten Werke in den 80er Jahren dort permanent installiert – entlang der Brühlstraße und dem Leibnizufer bis hin zum Sprengelmuseum.  Knapp 1 ½ km Fußweg legt man zurück, um an den ganz unterschiedlichen Arbeiten entlang zu schlendern.

Die erste Skulptur auf dem Parcours  Kreisteilung – Quadratanordnung – Kegel von Alf Lechner 1987) steht am Königsworther Platz direkt am Eingang zum Georgengarten. Man sieht sie fast nicht, weil sie sich perfekt in die Landschaft einbindet.

 

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« Kreisteilung – Quadratanordnung – Kugel » (1987) – Alf Lechner (*1925)

 

Das Bildhauer-Ehepaar Martin Matschinsky (*1921) und Brigitte Matschinsky-Denninghoff (1923-2011) installierte die Skulptur « Genesis » (1983-1985). Auch diese bildet eine Fusion an diesem grauen Vormittag mit dem Himmel und den Häusern von Hannover.

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Genesis (1985)

 

Anders hingegen die Skulptur von  John Henry (*1943)  Symphonie in Red – sie dominiert komplett die Mitte der vielspurigen Straße und hätte sehr gut noch mehr Licht vertragen können. Spitz und aggressiv greift sie in die Wolken.

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Symphony in Red (2000)

 

Auf der anderen Seite der Straße, leicht versteckt zwischen Bäumen, hat der belgisch-französische  Bildhauer Eugène Dodeigne (*1923) die Skulpturengruppe Etude 1-5 (1982) aufgestellt. Die einzige figurative Arbeit, die auf der Meile zu finden ist. Dodeignes Steinskulpturen  gehören zu den bedeutenden modernen Kunstwerken, die nach nach dem zweiten Weltkrieg entstanden. Er hat in der Entwicklung der Skulptur eine wichtige Rolle gespielt. Hier denkt man unweigerlich an Carnac.

 

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Etude 1-5 (1982)

 

Deus Ex Machina (1985) vom Berliner Bildhauer Bernhard Heiliger (1915-1995) heisst die nächste Skulptur. Heiliger nahm in den 50er Jahren an der documenta I und II teil und war Gast auf der Biennale von Venedig. Außerdem wurde er mit  dem Figurenbaum für den Deutschen Pavillon der Expo 58 betraut.

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Deus Ex Machina

 

Die klatschig-kitschigen, dralligen und selbstbewussten Nanas (Charlotte, Sophie und Caroline) der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle (1930-2002) waren die Vorreiter dieser Meile. Nicki de Saint Phalle hat mit ihren Arbeiten immer Aufsehen erregt und wurde mit ihren Nanas international bekannt und ist aus der europäischen Kunstszene nicht wegzudenken.  Die Nanas (Mädchen) kamen schon 1974 nach Hannover und wurden am Leineufer aufgestellt.  Am heutigen Samstag war Flohmarkttag und die Drei haben sich unter die Besucher oder umgekehrt gemischt.

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Nanas von Nicki di Saint Phalle

 

Kenneth Snelson (1927) hat die große Skulptur Avenue K (1958) gebaut; wie bei fast all seinen Arbeiten stehen auch bei dieser die physikalischen Kräfte im Mittelpunkt.

Erich Hauser (1930 – 2004) Stahl 17/87.  Hauser hat in vielen deutschen Städten Plastiken aufgestellt; er  war Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und hat in seiner Heimat (Rottweil) einen eigenen Skulpturenpark errichtet, den man an mehreren Tagen auch besuchen kann.  Seit 2008 wird übrigens von der Kunststiftung Erich Hauser, Rottweil der Erich-Hauser-Preis vergeben.

Auch diese beiden Werke sind perfekt in das Straßenleben von Hannover eingebunden und – obwohl sie sehr groß sind – dominieren sie weder Platz noch Straße.

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« Avenue K »   und daneben « Stahl 17/87″ von Erich Hauser

 

Dann geht es nach rechts weiter Richtung Sprengel Museum, aber auch hier wird vman von Skulpturen begleitet. Nicht alle sind ausgezeichnet oder beschildert.

Vor dem Museum steht eine große Skulptur von Alice Aycock  und daneben eine von Alexander Calder; auf der anderen Seite Richtung stadteinwärts stößt man auf eine kleinere, ganz typische Arbeit  von Horst Antes.

Sogar die Bushaltestelle trägt zeitgenössische Züge und könnte glatt mit einer weiteren Skulptur verwechselt werden.

 

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Alice Aycock « Another Twister », Horst Antes « Figur 1. September », Berto Lardera „Île de France“, Hans-Jürgen Breuste « Derry » und die Göttinger Bürger

 

Auf dem Weg zum Museum kommt man an einer Skulpturengruppe vorbei, die aus der Reihe fällt, weil sie figurativ ist. Floriano Bodini das Straßendenkmal zu Ehren der Göttinger Sieben von 1837 gebaut. Es erinnert an die Zivilcourage von Bürgern, die einem Verfassungsbruch entgegentragen und dafür Amt und Würde vorloren haben und aus der Stadt gejagt wurden. !!

Diese Meile macht Hannover zu einem Vorreiter abstrakter Plastiken und zu der  Skulptur-Hauptstadt in Deutschland schlechthin.  Die monumentalen und avantgardistischen Skulpturen  holte der Galerist Robert Simon nach Hannover.

Christa Blenk

Foto: (c) Christa Blenk

 

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Georg Kolbe – Im Netzwerk der Berliner Moderne

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 Ausstellungsplakat vor dem Kolbe-Haus – Foto ©cb

 

Allee der Schönen und Mächtigen

Ein wilder Künstler, ein verklärter Musiker, eine glatter Schöngeist und ein strenger Generaloberst. Georg Kolbes Portraits erzählen keine Geschichten. Sie zeigen den Protagonisten – nichts wird erfunden, verschönt oder verborgen. Sie sind realistisch und zeitlos. Allegorien haben hier nichts verloren.

Der Bildhauer des 19. Jahrhundert meißelte und modellierte vor allem liegende oder stehende Ganzkörperskulpturen für Gärten oder herrschaftliche Häuser; Büsten waren offiziellen Räumen und Politikern vorbehalten. Dies änderte sich schon im frühen Expressionismus. Kunstwerke wurden reduziert, man konzentrierte sich auf den Intellekt, was dem Portrait eine bedeutende Rolle verschaffte. Das Bildnis eines Kopfes steht für die Offenbarung der Seele und huldigt dem Geist.

1904 kommt ein junger, symbolistischer, sächsischer Maler mit Kunsttendenzen und Ideen aus Dresden, Rom und Paris im Gepäck in die brodelnde Kulturdrehscheibe Berlin und macht eine Punktlandung. Er wendet sich schnell der Bildhauerei zu, ein Metier, das er gar nicht gelernt hat aber mit der Zeit vorzüglich beherrscht. Kolbe kombiniert künstlerischen Pragmatismus, Vielseitigkeit, Talent und Managementfähigkeiten aufs Perfekteste. Er fühlt sich wohl auf dem kulturellen und politischen Parkett, schließt schnell Freund- und Bekanntschaften, tritt in die Berliner Secession ein, reist und arbeitet mit anderen Künstlern, verewigt die höhere Gesellschaft und manchmal auch die dazugehörige Familie. Die Dramatik des ersten Weltkrieges lässt er künstlerisch nicht an sich heran (Kolbe macht zwar eine Fliegerausbildung, bleibt aber praktisch vom Kriegsdienst verschont, geht nach Istanbul und portraitiert sogar einen Pascha). 1918, wieder in Berlin, verleiht  ihm das Preußische Kultusministerium den Professorentitel.

Rodins Arbeiten kennt er natürlich, folgt aber nur bedingt dessen Prinzip der Verdichtung und des Existenzausdruckes („expression passionée“) wie dies andere Zeitgenossen, wie Barlach tun. Er sieht sich nicht unbedingt als Erfinder oder Verfechter neuer Tendenzen sondern wird zu einer Art Hof-Bildhauer, wie dies auch schon bei Max Liebermann in der Malerei der Fall ist. Er sammelt Berühmtheiten wie es später  Helmut Newton oder  Annie Leibovitz  tun sollten.

Durch den – sogar im Winter –wunderschönen Garten folgt man der Bach-Kantate „Ich habe genug“ (die von einem schwimmenden Kopf in einem fast fensterlosen Haus gesungen wird, was  makaber anmutet: eine Installation, die es wert ist, getrennt besprochen zu werden) und erreicht den Eingang. Im  ersten Saal stellt Kolbe seine Familie vor.

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Saal der Büsten im ehemaligen Atelier von Kolbe – Foto: © Christa Blenk

 

Benjamine van der Meer de Walcheren, eine schöne holländische Sängerin, die er in Bayreuth bei den Wagners kennenlernt  und 1902, 25-jährig, heiratet. Das Bildnis entsteht 1926, ein Jahr vor ihrem tragischen Tod – wahrscheinlich durch Selbstmord. Im selben Raum hängt auch das letzte Portrait von Benjamine, Requiem (1927), die Augen geschlossen, von einem schwarzen wuchtigen Trauerflor umrahmt. Eine seiner empfindsamsten Arbeiten, in der er das Leid modelliert. Neben ihr die Tochter Leonore und Kolbe selber – ein Autoportrait aus 1925.

Dann betreten wir diesen Wald der Phantome, eine  Glyptothek der Reichen, Klugen und Eleganten. Hier, im zweiten Raum, seinem ehemaligen Atelier, wovon noch die Schienen sprechen, die von links nach rechts den Raum durchqueren, sind sie, diejenigen, die in den Jahren zwischen 1905 und 1940 das aktiv-sprudelnde und lebhafte Treiben in Berlin mitgestalten. Die  regieren, bauen, dichten, Geschichte schreiben, komponieren und in ihrer Mitte Georg Kolbe, der Bildhauer, der sie Alle in Gips oder Bronze festhält. Die Büsten stehen dort wie auf einer Lichtung im Gehölz, umgeben von Bäumen, die durch die großen Fenster hereinkommen. Man schlängelt sich durch diese Schneisen im Dickicht der Köpfe und macht einen Schnellkurs in kulturpolitischen Persönlichkeiten der Moderne und  Bekanntschaft mit seinem Umfeld, seinen Freunden und Bekannten, Musikern, Komponisten, Bildhauern, Malern, Politikern, Galeristen, Ärzten, Schriftstellern und Architekten, die er für die nächsten Generationen  in Bronze oder Gips formt. Bis auf das Portrait von Antonio, das 1901 während seines Rom-Aufenthaltes entstand. Ihn kennt keiner!

Erst nach Benjamines Tod lässt er sich vom Architekten Ernst Rentsch dieses Atelierhaus im gerade sehr angesagten und modernen Bauhausstil entwerfen. In den Reihen treffen wir auch auf den belgischen Architekten und Bauhausgründer Henry Van de Velde, natürlich auf den Salonlöwen und Schöngeist Harry Graf Kessler, den Maler Max Liebermann oder auf den Sozialdemokraten Friedrich Ebert. Sehr gelungen als wilder Faun Max Slevogt – die Büste gleicht einem seiner Autoportraits; sensibel und feingeistig der italienische Komponist Ferruccio Busoni, und unbeugsam-streng der Generalmajor Karl von Einem, dessen Portrait 1915 im Auftrag des Roten Kreuzes entstand. Else Epstein fast im Biedermeier Stil und  ganz anders Maria Möller-Garny, die Schülerin seines Freundes Karl Schmidt Rotlauf. Ihr Portrait entstand 1921, formvereinfachend lässt sie an afrikanische Masken und an Brancusi gleichzeitig denken. Realistisch, kalt, chaotisch und expressionistisch ist er, dieser zeitlose Phantom-Büstenwald. Das letzte Portrait  in der Prominenz-Ahnengalerie entstand 1943, es stellt seinen behandelnden Arzt Ferdinand Sauerbruch dar.

Und wie bei den alten Römer-Büsten, bei denen meistens die Frisur den Zeitpunkt der Entstehung verrät, kann man auch bei dieser Ausstellung, die das Georg Kolbe-Museum zu seinem 140. Geburtstag organisiert hat, den Moment der Schöpfung erkennen.

Aber nur diese Büsten machen noch keine Ausstellung. Vorbei am Rathenau-Relief und an Bethmann Hollweg geht es in den Keller. Kolbes leicht zu nehmende und sich Allen erschließende Portraits sind eine Sache, seine Befassung mit dem Tanz eine andere! Nicht zu übersehen die vorbereitenden und wirklich guten Zeichnungen die an den Wänden hängen.

 

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Tänzerinnen und die Nonne aus Holz, Nijinski, Zeichnungen – Kolbe-Familie

 

Kolbe war ein Konzert, Opern- und Balletgänger. Tanz hat ihn besonders interessiert und fasziniert. Ähnlich wie Canova über 100 Jahre vorher (dieser ist übrigens gerade im Bode Museum zu sehen), hat auch Kolbe sich ausgiebig mit dem Thema Tanz beschäftigt und füllt damit den unteren Bereich des Hauses. Er gießt die Ikone des Ballet Russe, den fliegenden  Vaslav Nijinky auf Zehenspitzen stehend in Bronze, inspiriert sich an Mary Wigmans Ausdruckstanz und schart eine Ballettwelt um sich. Diese Skulpturen sind biegsamer und eleganter, androgyn und ebener, aber immer im Rahmen bleibend. Sie glänzen durch fehlenden Manierismus, auch weil seine Modelle sich nicht unzumutbaren und schmerzhaften Verrenkungen unterwerfen mussten, wie es Auguste Rodin von ihnen verlangte. Mit dem Meißel hat Kolbe nicht gearbeitet, eher mit den Händen.

Mitten unter den Tänzerinnen befindet sich auch eine Holzskulptur, die einzige in der Ausstellung, Nonne (Eichenholz, 1923), sie ist ganz anders, fast wie eine Barlach-Arbeit, und wirkt verloren in der frivolen Leichtlebigkeit des Berliner Nachtlebens. Sie ist sehr schön und weint rote Tränen.

Im letzten Raum, wieder oben, steht die Gipsreplik Morgen. Ludwig Mies van der Rohe wählte diese Skulptur von 1925 für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1929 in Barcelona aus. Morgen ging leider auf dem Rücktransport verloren. Die in der Ausstellung gezeigt Kopie entstand 1986 anlässlich der Rekonstruktion des Pavillons.

 Morgen - Weltausstellung Barcelona
  »Morgen » für  dem Ausstellungpavillon in Barceolna 1929 – Foto: © Christa Blenk

 

Die interessantesten Skulpturen aber stehen im Garten. Faune, liegende und stehende Personen, der Tänzerinnenbrunnen, hier ist Kolbe viel freier, leidenschaftlicher, spielerischer und individueller. Dort tummeln sich verzerrte und ausgemergelte Arbeiten wie sie der große Lehmbruck schuf oder runde  und ruhige Körper, wie wir sie von Maillol kennen. Gemalt hat Kolbe diese Figuren schon um die Jahrhundertwende. Das Bild  Schreitende Männer von 1903 hängt in der Ausstellung und erinnert an den Italiener Sironi; könnte aber auch schon ein Vorgänger von Picassos rosa Periode sein.

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im Garten

Georg Kolbe hat an die 2000 Zeichnungen und ca 1000 Skulpturen geschaffen von denen ein Großteil verschwunden ist. Ob sie bei der Zerstörung seines Hauses im Krieg verloren gingen oder zerstört wurden, weiß man nicht genau. 200 Büsten hat er insgesamt geschaffen,  50 sind in der Ausstellung zu sehen. Ergänzend werden historische Fotografien, Zeichnungen und Gemälde sowie Briefe und Zeitdokumente aus dem Nachlass des Künstlers gezeigt sowie einige ausgesprochen gute Gemälde von seinem Freund  Karl Schmidt- Rottluff.

Eine gelungene Ausstellung, die den Bildhauer und Mann Georg Kolbe erklärt und beschreibt, obwohl man am Ende eben doch feststellt, dass er sich nicht genug mit der Moderne auseinander setzte wie dies  Barlach, Belling, Archipenko, Julio Gonzalez oder  Lehmbruck taten. Er hat eine andere Richtung eingeschlagen, eine leichtere. Vielleicht liegt es auch daran, dass er als Autodidakt in der Bildhauerei sich lieber aufs Handwerk als auf Neuerungen konzentrierte. Kolbe  hat sich nie damit auseinander setzen müssen anerkannt zu werden und stand – als optimaler Netzwerker – im Zentrum des Geschehens. Eine Notwendigkeit, dem expressionistischen Schrei zu folgen, gab es nicht! 1943 verstarb Georg Kolbe in Berlin und hat doch einen glänzenden Ruf hinterlassen.

Sehenswerte Ausstellung auf jeden Fall, die noch bis zum 1. Mai 2017 zu sehen ist.

Christa Blenk

 

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George Condo. Confrontation

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Ausstellungsplakat am Museum Berggrün

 

George Condo. Confrontation

Wie ein Picasso oder ein Matisse oder doch lieber Mickey Mouse?

Das Museum Berggrün präsentiert sich zurzeit ein wenig anders als gewohnt. Zwischen all die Meisterwerke der Moderne, die der Sammler Heinz Berggrün (1914-2007) in seinem langen Leben zusammentragen konnte, hat sich nun ein bei uns relativ unbekannter Künstler, der Amerikaner George Condo (*1957), eingeschlichen.

Es ist das erste Mal, dass im Museum Berggrün ein zeitgenössischer Künstler ausgestellt wird, wobei Condo nur deshalb zeitgenössisch genannt wird, weil er zurzeit arbeitet. Seine Arbeiten sind ansonsten dem Neo-Expressionismus zuzurechnen, sie sind manchmal von der Pop Art dominiert, dann wieder zeigen sie Comic Aspekte. George Condo ist der Meinung, dass in der Kunst alles gesagt und gemalt wurde und man nichts mehr erfinden kann oder muss – aber dass alles neu interpretiert werden darf und soll. Nun ja, das ist seine Meinung. Jetzt hängt er zwischen all den Größen der Moderne und man fragt sich, ob er dessen würdig ist und ob er sich damit einen Gefallen tut.

An Ego scheint es ihm jedoch nicht zu fehlen, in einem Saal stehen zwei in 2016 für die Ausstellung entstandene Bronze Skulpturen Nude on Wine Crates 1 und 2, im Hintergrund ein Bild auf dem Condo steht das den Titel The Great Schizoid (1984) trägt. Rechts oben, erhöht, zart und elegant, Giacomettis Katze. Hiermit konfrontiert er sich auch mit sicher selber!

The Return of Madame Cezanne (2002). Cezanne hat sein bekanntes Portrait 1895 gemalt, Es ist Hortense Fiquet, Ehefrau und Modell. Cezanne hat schon kubistische Bilder gemalt, da war der Kubismus noch gar nicht erfunden. Er suchte eine neue Ästhetik in dem er die Natur durch Kugel, Kegel und Zylinder beobachten wollte, was seinen Werken dieses für ihn so typisch Geometrische gibt. Condo hat seine Madame Cezanne nicht nur mit Cezanne sondern auch mit Picasso konfrontiert, in dem er ihr eine Picasso-Frisur verabreicht!

Weiter auf unserem gewöhnungsbedürftigen aber doch lustigen Spaziergang kommen wir zu Matisse. 1940 fing dieser mit seinen Scherenschnitten an (Découpages), Arbeiten aus koloriertem Papier, die er wieder zu abstrakten Formationen zusammenfügte. Condo zitiert ihn hier mit seiner Arbeit aus 1989 Telepoche Cut-Out und es braucht nur eine Sekunde, um es als Matisse-Hommage zu erkennen. Condo, der in den 80er Jahren in Paris lebte, referiert hier über die Fernsehzeitschrift Télépoche und natürlich über die US Pop Künstler sowie Andy Warhol. 

Anschließend werden die Besucher mit einer Klee-Inflation und mit Condo konfrontiert. Paul Klee hat viele sehr schöne und aussagekräftige Bilder gemalt aber auch viele, die langweilig oder nichtssagend sind, wahrscheinlich hat er einfach zu viel gemalt. Die meisten sind sehr kleinformatig und verlangen eine große physische Annäherung, die immer gleich den Alarm auslöst und deshalb nicht stattfinden kann. Hier fühlt Condo sich groß. Während er bei den Matisse oder Cezanne Geenüberstellungen oft schüchtern dazwischen hängt, dominiert er die Klee-Säle durch großformatige Arbeiten. Ein Klee-Lieblingsmotiv ist der Vogel. Für Klee symbolisierten Vögel und Fische die Annäherung an Kosmos und Unendlichkeit. Condo hat hier aus dem Vollen geschöpft. Fantasy Bird (1989) ist ein Riesenvogel und klatscht die anderen Klees an die Wand. Paul Klees versteckte gerne Buchstaben in seinen Bildern, die den Titel des Bildes beschreiben sollten. Condo macht seinen Namen zum Bildhauptgegenstand, wie man im ersten Giacometti-Saal sehen konnte.

Bis hierher war es ganz ok. Was aber gar nicht geht, ist das Zusammenleben mit Picasso und zwar mit den Picasso Werken aus seiner Glanzzeit von Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. Picasso und die Blaue oder Rosa Periode, seine Frauenportraits von Dora, der Beginn des Kubismus oder seine Auseinandersetzung mit dem Theater. Neben Picasso wirkt er nur noch tollpatschig, was er ja will. Und das haben sicher viele von Picasso vor 100 Jahren auch gesagt oder gedacht. Picasso ist 1973 verstorben; Condo, der 1979 vom Hinterland nach New York zog, hat im MoMA seine erste Picasso Ausstellung gesehen und war sicher von der Vielfältigkeit tief beeindruckt. Er lässt in seine Werke die gesamte Kunstgeschichte eintreten. Seine Figure with Red Cape entstand 2006 und ist vor allem eine Referenz an einen anderen Spanier. Er zitiert hier den Barockmaler Velazquez, vor dem Picasso sich ebenfalls des öfteren verbeugte (ohne dies natürlich zuzugeben), gibt ihm aber die Nase eines Clowns mit einem Otto-Dix-Blick. Velazquez stand auch Pate bei George Condos Study for a Clown aus 2009.  

Jetzt kann man natürlich sagen, dass Condo genau das suchte, was Picasso 1907 wollte. Eine Erneuerung des Vorhandenen, der Figuration! 1907 gab es einen Riesenskandal als Picasso seine Demoiselles d’Avignon präsentierte und dabei für die damalige Ästhetik unschön gemalte afrikanische Masken aus dem Jeu de Paume als Gesichter malte. Es war der Beginn einer neuen Ära. Das kann man bei George Condo nicht erkennen. Er macht es sich doch leicht, alles was schon mal war zu re-interpretieren, Manches zu verplumpen, um den Betrachter zum Schmunzeln zu bringen – was bisweilen durchaus funktioniert. Eine Verbeugung vor den Meistern ist es trotzdem und deshalb sehenswert, zumal das Ausstellungskarussell in Berlin zur Zeit sich recht langsam dreht. 

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George Condo – Cardinal (1993)

 

Picasso tritt hier nicht das erste Mal mit anderen Künstlern in einen Dialog. 2008 hat der Pariser Louvre Delacroix, Velazquez und Manet Picasso gegenübergestellt und es hat prächtig funktioniert. Allerdings sind diese vier hier Genannten künstlerisch gesehen eher auf demselben Niveau.

Condo ist nur teilweise ein verspäteter Neo-Expressionist. Bei ihm fließen auch noch Pop-Tendenzen, Film, Kino oder Comic-Figuren ein. Manche Bilder könnte man sogar der Art Brut zurechnen. Ähnlich wie bei seinem Vorbild Picasso – ist die menschliche Figur der Hauptprotagonist.

In den 80er Jahren verbrachte Condo ein Jahr in Köln, welches in der Zeit der Dreh- und Angelpunkt für Kunst in Deutschland war. Seine Bilder zeigen zweifelsohne Einflüsse der Karneval-Fratzen, den er dort sicher erlebt hat. Anschließend ging er nach Paris, wo er 10 Jahre lebte und sich voll in die klassische Moderne stürzte. Auch wenn Paris in den 80er Jahren nicht mehr das Zentrum der Kunst war, die Erbstücke aus seiner Glanzzeit hängen immer noch dort und man kommt an der Moderne nicht vorbei. Ensors Karnevalsmasken oder gruselige und schonungslose Bilder von Chaim Soutine, Condo hat sie alle gesehen natürlich.

Wenn man die Ausstellung verlässt, bleibt nicht wirklich ein bleibender Eindruck von Condos Werken zurück; was bleibt ist der wunderbare Picasso Harlequin Sitting on a Red Couch, 1905 aus der rosa Periode, das hervorragende Portrait von Dora mit den grünen Fingernägeln, Mme Cézanne oder die zarte Giacometti-Katze. 

Wie hätte wohl Heinz Berggrün dazu gestanden? Er selber sagte ja von sich, den absoluten Blick gehabt zu haben! – Wir glauben ihm das, wenn wir durch seine Sammlung spazieren.

Heinz Berggrün musste 1936 wegen seiner jüdischen Abstammung Deutschland verlassen und ging in die USA. Im Krieg kam er als US Soldat nach Europa, arbeitete danach kurz bei einer Münchner Kunstzeitschrift bis er sich Ende der 40er Jahre in Paris niederließ, um bei der UNESCO zu arbeiten. In der Pariser Rue de l’Univeristé gründete er eine Galerie und damit das Standbein seiner Sammlung. Picasso, Matisse, Klee, Cezanne, Chagall oder Miró, unfassbar, was er alles zusammen getragen hat. Erst in den 90er Jahren kehrte er nach Berlin zurück und verkaufte der Stadt Berlin – als Geste der Versöhnung – diese bemerkenswerte Sammlung bestehend aus 200 Kunstwerken der klassischen Moderne.

Die meisten Arbeiten von George Condo sind aus seiner eigenen Sammlung und werden zum ersten Mal gezeigt. Die Ausstellung ist noch bis zum 12. März 2017 im Museum Berggrün zu sehen. Udo Kittelmann und Felicia Rappe haben die mutige Schau kuratiert. Der Schriftsteller Daniel Kehlmann hat übrigens eine Erzählung, inspiriert durch Condos Kunst, herausgegeben.

 

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Picasso und Condo blaue Periode; Picasso und Condo rosa Periode; Condo macht Matisse « Hands » (1997)

 

Christa Blenk

 

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Salomé

salome_197MonikaRittershaus
SALOME, Regie: Claus Guth, Deutsche Oper Berlin,
Premiere am 24. Januar 2016, copyright: Monika Rittershaus

 

Gutbürgerliche (s) Familien (drama) – Mutter – Tochter – Stiefvater

Der Vorhang hebt sich und wir befinden uns bei Madame Tussauds, nur dass die Puppen keine Wachsfiguren sondern Kleiderpuppen sind, männliche Kleiderpuppen für maßgeschneiderte Anzüge. Salomés Welt scheint erstickend konservativ zu sein, 50er Jahre. Behütet ist sie wohl aufgewachsen und doch ist eine Art unglückliches und von den guten Geistern verlassenes Monster aus ihr geworden. Kein Wunder, ihr Stiefvater ist der mächtige Herodes und dieser nimmt sich was er will. Dazu gehört auch Salomé. Claus Guth hat Salomé als Beobachterin in das Stück gestellt. Sie singt und observiert, sie ist eine erwachsene Frau, die rückblickend versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Dazu braucht sie sechs weitere Salomés unterschiedlichen Alters die auftauchen und wieder verschwinden inmitten der männlichen Puppen. Zuckend die Musik, zuckend und bedrohlich auch die Bewegungen dieser zum Leben erwachten und noch unsicher gehenden Golems.

Und dann aus der Tiefe die Prophezeiungen von Jochanaan. Salomé ist fasziniert und schockiert, intrigiert und berührt und will ihn unbedingt sehen. Sie verführt den Wächter Narraboth mit Worten solange, bis er ihn ihr bringen lässt. Jochanaan kriecht aus einem Haufen ausgesonderter (wohl nicht mehr Mode) Kleider hervor und ist nackt. Er wird von den kleineren Salomés angekleidet, bis er in die 50er Jahre gut gekleidete und gut angesehene Bürgerwelt passt. Narraboth ist sozusagen das erste Opfer, er begeht Selbstmord, als er merkt wie Salomé auf diese Begegnung mit Narraboth reagiert. Jochanaan wird in der Regie von Guth immer mehr ein Doppelgänger von Herodes und sie verlangt seinen Kopf, um sich vom bösen Vater zu befreien, heraus aus der abgestandenen Luft des falschen Geborgenseins, endlich erlöst zu sein.

Wer allerdings einen erotisch-orientalisch und rauschenden Sieben-Schleiertanz erwartet, wird enttäuscht sein. Ich bin bereit Tetrach, ist ganz anders. Der Tanz findet ohne Salomé statt. Die sieben Salomes – stellvertretend für die sieben Schleier – unterschiedlicher Größe versuchen zuerst, die Eltern miteinander tanzen zu lassen, vielleicht eine Möglichkeit den Übergriffen zu entgehen. Der Tanz, ein Gemeinschaftsbewegungsprojekt mit Vater, Mutter, sieben Kindern, bleibt aber ein hoffnungsloses Unterfangen –  Herodes schickt die Kleinen nach und nach zu den Kunden, und lässt sie die neue Krawatten- oder Hutkollektion in Herodes Herrenboutique für die Reichen und Schönen vorführen. Die Mädchen fühlen sich belästigt, berührt und unsicher und Salomé versucht verzweifelt, ihre Mutter auf die Zustände aufmerksam zu machen, diese füllt aber nur erneut ihr Whisky Glas, dreht den Kopf weg und setzt eine dunkle Brille auf. Fast wie im richtigen Leben!

Doch Herodes hat Angst vor dem Propheten, denn dieser ist ein heiliger Mann. Das hat er gehört! Und genau seinen Kopf will sie, die Stieftochter, als Dank für den Tanz haben. Diese Szene ist sehr gelungen, der Kampf und das Überreden, doch sein halbes Königreich zu nehmen und seine Resignation sind unglaublich eindringlich und aufregend. Salomé hat erkannt, dass das einzige, was ihrem Vater Panik bereitet, ihr Wunsch ist, Jochanaas Kopf zu bekommen. Als sie ihm schließlich selber den Kopf abreißt, hat dieser die Züge ihres Stiefvaters und küssen kann sie ihn auch nicht, weil er sie schon wieder nicht ansieht!

Guth hat viel Symbolismus – ganz im Sinne der Zeit, in der das Stück entstand – eingebaut. In einer Szene sehen wir Salomé, hochgehoben von konvulsivischen Frankenstein-Kleiderpuppen oder Kunden im Geschäft, hängt sie da, ans Kreuz genagelt.

Ein Familiendrama ersten Grades und eine interessante Art, der Salomé einen anderen Fokus zu geben!

Oscar Wilde hat Salomé in französischer Sprache 1891 geschrieben. Im Zeichen der „Decadence“ und Maeterlinck wollte er etwas Symbolistisches schaffen. Es sollte eigentlich in London mit Sarah Bernhard uraufgeführt werden. Die Briten beriefen sich aber auf das Gesetzt, nachdem biblische Stoffe nicht auf die Bühne gebracht werden konnten und Sarah Bernhard reiste wieder ab. Erst 1896 – da war Wilde selber allerdings gerade im Gefängnis wegen Unsittlichkeit – kam es schließlich in Paris zur Uraufführung.

Richard Strauss wurde durch den Wiener Dichter Anton Lindner 1901 auf Wildes Salomé aufmerksam, hat sich aber dann entschlossen, das Libretto doch selber zu schreiben – und zwar basierend  auf der Übersetzung von Hedwig Lachmann – aus dem Englischen allerdings! Den Wortlaut hat er nur wenig angetastet. Salomé gilt als eine der ersten Literaturopern einerseits und mit seinen Dissonanzen, seiner musikalischen Kakophonie als Brücke zur neuen Musik andererseits. 1905 war er fertig und Salomé kam begleitet von vielen  Problemen im Vorfeld am 9. Dezember an der Dresdner Hofoper (Strauß war zwar Direktor der Hofoper in Berlin, hatte sich aber vorgenommen, dort keine Uraufführung mehr zu machen) unter Ernst von Schuch zur erfolgreichen Uraufführung. In Wien konnte es erst sehr viel später gezeigt werden, trotz Gustav Mahlers Bemühungen. Die Wiener wollten es wegen „die Sittlichkeit beleidigender Handlung“  die auf der Hofbühne nichts verloren hätte, nicht haben. Zusammen mit seinem Freund Romain Rolland erstellte Strauss sehr bald eine französische Fassung der Oper und zwar passend zu Oscar Wildes Originaltext. Diese Version kam 1907 in Paris und Brüssel zur Aufführung.

Die durchkomponierte sinnliche, schwüle, aufpeitschende und trunkene Musik enthält alle möglichen Orchestereffekte, wird zum Teil auch von Leitmotiven bestimmt und steht noch in der Tradition von Wagner; doch ging Strauß über die Wagnersche Sehnsucht nach Schönheit oder romantischer Harmonik hinaus. Es gibt drei Tote im Werk und viel todesverheissende Musik dementsprechend.

Sehr ansprechende Aufführung. Stefan Blunier am Pult peitschte das Orchester durch den Abend aber immer auf die Sänger achtend. Thomas Blondelle ist ein tyrannischer aber manchmal (gewollt) unsicherer Herodes, seine Whiskey trinkende Frau Herodias ist Jeanne-Michèle Charbonnet. Allison Oakes ist eine fantastische Salomé, hell und aussagekräftig. Jochanaan ist John Lundgren und er schafft es wirklich, dass man zu gleichen Teilen Angst und Respekt vor ihm hat. Narraboth ist Attilio Glaser.

Die Premiere war schon am 24. Januar 2016!

Christa Blenk

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King Arthur

 

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Mythen-Pasticcio 

Ein abgestürztes britisches Kampfflugzeug auf der Bühne! Na sowas, das war doch noch gar nicht erfunden!

Dieser Satz sollte im Verlauf des Abends öfters ausgesprochen werden. In dem neuen King Arthur der Staatsoper im Schillertheater wird viel geredet. Es ist ein hin- und her zwischen den 1940er Jahren, der Zeit Purcells und der Epoche der Gründung von Britannien durch den sagenumwobenen und legendären König und Englandgründer Arthur im Mittelalter. Aber es geht auch um Liebe, um eine schöne blinde Prinzessin und um Arthurs persönlichen Streit mit dem Sachsenkönig Oswald wegen und um Emmeline! Der große König ist von Nebenhandlungen und Parallelgeschehnissen umgeben, die ihn immer wieder von seinem prominenten Platz vertreiben. Und diese schon durch Purcell und Dryden eingebauten Nebenhandlungen haben den Regisseuren Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch noch nicht gereicht, deshalb haben sie eine weitere Haupt-Rahmengeschichte eingebaut. Und hier ist der Protagonist auch Arthur und dieser hat seinen Vater im Zweiten Weltkrieg verloren.

Arthur, das Kind, hat also Geburtstag und bekommt von seinem, im Rollstuhl sitzenden, grantigen Großvater ein Buch (und zwei Marionetten)  geschenkt. Dieses Buch, aus dem  ihm Großvater oder Mutter abwechselnd vorlesen, ist die Drehscheibe in der Geschichte. Hier steht die schönste Sage um König Artus. Und Arthur verliert sich in seinen Tag-Träumen und in allem was er kennt und weiß oder noch nicht weiß und schickt seine Fantasie auf eine Traumwelt-Reise – wir sind dabei.

 

Gerardo Aparicio
Gerardo Aparicio

König Arthur, ein wenig lächerlich und gespreizt, trägt eine Rüstung, die an C-3PO (so hieß der Begleiter von R2D2 bei Star Wars) denken lässt – obwohl Star Wars noch nicht erfunden war! Zauberer und böse Erdgeister hoppeln als Quasimodos über die Bühne, bräuchten dringend ein Bad und benehmen sich schlecht. Wotan wird mit fantasievollen Bräuchen gehuldigt „We have sacrificed“. Wagner mit einer allerschönsten Rheintochter-Szene zitiert und die Schäfer-und Schäferinnenszene „How blest are Shepherds“ wird von Rollstuhlfahrern und Kriegsverletzten gesungen und gerollt. Cupido fliegt durch Lully-Lüfte à la Benjamin Lazar; der wankelmütige Luftgeist Philidel kommt ebenfalls von oben, wie es sich für ihn gehört. Er landet als Fallschirmspringer in einem barocken Wald und versucht verzweifelt in einer bezaubernden Szene, die richtige Richtung zu zeigen, um den Verfolgern zu entkommen „Hither this way bend“ . Der Kampf des starwar-Arthur gegen seinen Widersacher um Emmeline wird von sizilianischen Pupi ausgetragen, diejenigen, die Arthur zum Geburtstag bekam. Einfach alles wie im Märchen. Nymphen, verführerische Sirenen und immer wieder moralische und pazifistische Botschaften werden in den Raum gestellt – aber zum Schluss muss der kleine Arthur doch in das Flugzeug seines Vaters steigen, dass aber diesmal mit der Schnauze nach oben da steht, um die Heldentradition diese higher middle class family fortzuführen oder um sich auf den Krieg vorzubereiten!

 

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Dazu viel Slapstick und eingebaute Gags, dass man es einfach nicht ernst nehmen wollte.

In den Hauptrollen dieser Sprechtheater-Opern-Aufführung waren nicht nur Sänger, sondern eben auch Schauspieler wie Michael Rehberg oder Michael Rotschopf, ja, mehr noch: die Hauptrollen gehören den Schauspielern. Die Solisten hatten alle mehrere Nebenrollen, weil das Stück eigentlich aus Nebensollen besteht! So hat Purcell das schon gewollt. Das gesamte Ensemble hat auch den schnellen Kleider- und Rollenwechsel ausgezeichnet gemeistert.

Wunderbare Arien hat Philidel (hell und klar Annett Frisch) und so hat sie sie auch gesungen, getanzt und gespielt. Die Frost Szene (wegen der wahrscheinlich 75% in der Oper saßen) war weniger gelungen als erhofft, was aber daran lag, dass der kleine Arthur den als Raumschiffpilot verkleideten Cold Genius ständig am Fuß packte, was diese sonst feierliche Szene irgendwie entweihte. Dafür umso besser das Zitterlied vom Chor direkt danach „We chatter and tremble.“ Emmeline (Meike Droste) ist sehr unschuldig sehend geworden, hat sich aber als alles andere als schüchtern entpuppt. Sie hat viel rumgezickt und sich nichts gefallen lassen.

Bechtolf, der vom Theater kommt, hat John Drydens Text modifiziert und gekürzt und ihn um witzige Passagen und Gags ergänzt und viele Lacher produziert (aber nicht alle waren immer amused).

Erwartungsgemäß hat René Jacobs am Pult vor der Akademie für Alte Musik Berlin bella figura gemacht und Purcells Musik plastisch und farbenfroh hervorgezaubert – ganz passend zu dem umwerfend bunten und originellen Bühnenbild und den Kostümen. Hervorragend der Chor. 100 Minuten Musik gibt es bei King Arthur  – gedauert hat das Ganze allerdings 150 Minuten -  Jacobs hat auf andere Melodien und Trinklieder von Purcell zurückgegriffen und einige Sprechstellen waren sogar mit dezenter Musik unterlegt. Das kann man mögen oder nicht!

Die Uraufführung fand 1691 mit mäßigem Erfolg  in London statt, wurde aber später zu Purcells größtem Erfolg überhaupt. Das Libretto hat John Dryden geschrieben, damals einer der renommiertesten Dichter und Poet auf Hofe von Charles II,  der im Land Frieden herstellte. Eine Nationaloper zu seinem 25 jährigen Jubiläums sollte es werden – aber es sollte noch Jahre dauern, bis es endlich soweit war. Dryden hotel Jahre später – von Geldnot getrieben – das Projekt wieder aus der Schublade und musste er erst einmal den politischen Umständen anpassen und erst zu diesem Zeitpunkt kam Purcell ins Spiel, der von Dryden eine singbarere Umarbeitung einforderte.

Henry Purcell (1659-1695) hat die Oper 1690 komponiert, sie trägt den Untertitel „The British Worthy“ (der britische Held). King Arthur ist eine Semi-Oper in fünf Akten. Die Hauptrollen gehören nicht den Sängern sondern den Schauspielern, die Musik hat eigentlich nur Begleit- und Untermalfunktion und gehört den Nebenrollen. Eine durchaus typische Musikgattung im England des 17. Jahrhunderts, bei der Gesang, Text und Tanz ziemlich gleichberechtigt waren – ganz dem französischen Vorbild folgend.

 

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Christa Blenk

 

 

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Die Kriminellen der Frau A. – Auf dem Weg zu Ovartaci

Berliner Atonale III – Werkstatt im Schillertheater

 

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Die Kriminellen der Frau A. – Auf dem Weg zu Ovartaci

 Er ist zweifelsohne unser interessantester Patient! Darüber sind sich die Ärzte in der Psychiatrie einig. Mehr noch, vielleicht wären sie sogar gerne ihr eigener Patient!

Und darum geht es in diesem Werk: um psychische Krankheiten, deren Ursachen und Auswirkungen auf die Gesellschaft und auf das Umfeld des Kranken und seiner Mitmenschen und um Kunst, die daraus entstehen kann.

Die Oper Ovartaci crazy, queer & loveable ist ein work in progress und erzählt Abschnitte aus Ovartacis Leben.

Tanja Langer hat die Texte zur Ovartaci-Oper geschrieben und ein Pool von 13 Komponisten hat die bis jetzt existierenden Szenen vertont. Erschütternd und mitreißend Text und Musik – manchmal die Grenze austastend von dem was man moralisch vertreten kann, darf oder will –  grandios, bilderreich und fesselnd die Darbietung der Solisten. Begeisternd-dionysisch und enthusiastisch vorgetragene Balladen die an Schönberg denken lassen und ganz neue Töne. Man glaubt gar nicht, welch bemerkenswerte und spannende Laute oder Geräusche eine Fahrradpumpe oder zu Boden fallende Murmeln hervorbringen können.

Ulrike Brand
Ulrike Brand während « Heiss ist das Blut, kalt ist der Stahl »
Foto: © Helena Lingor

Die Ouvertüren-Arie für Bariton, Percussion, Klavier und Cello hat Rainer Rubbert komponiert. Sie beschreibt Ovartacis kohlenschippende und hungernde Reise auf einem Frachtdampfer von Argentinien nach Dänemark. Das, was Rubbert verspricht, halten die nachfolgenden Komponistenkollegen unbedingt ein. Das Publikum wird emotional eingebunden in die verschiedenen Abschnitte von Ovartacis Leben. Ein Elektronik-Solo von Eros Holz beschreibt den Gang des Psychiaters durch den Klinikflur. Die bewundernde Verblüffung über so ein Talent der Ärzteschaft hat Gabriel Iranyi für Mezzosopran und Violoncello vertont. Weiter mit einer geheimnisvollen Rauchorgie mit einem geheimnisvollen Chinesen und Argentiniern, die Martin Daske von einem Bariton, zwei Sängerinnen, Klavier, Violoncello und Elektronik erzählen lässt. Später sitzen wir auf dem Gepäckträger beim Landausflug  mit Klingel, Blumen und Schmetterlingen (und einem Augenzwinkern zu Rossinis Miau-Arie). Mayako Kubo hat diesen Teil für Bariton, zwei schauspielernde Sängerinnen und Percussion. komponiert, der einer der besten in der Oper ist. Bei Wanting to fly für Sopran und Violoncello liegt Ovartaci auf dem Boden; Charlotte Seithers Musik ist minimal und delikat, ätherisch, umso härter und überraschender, schaudernd gleich danach Ovartacis Selbstkastration, komponiert von Helmut Zapf für Bariton, Violoncello und Klavier. Unschlagbar hier Thorbjörn Björnsson; seine Stimme geht prompt eine Oktave höher. Über Liebe referiert Susanne Stelzenbachs Ballade und Stefan Lienenkämpers Musik beendet den Trip mit dem Schlaflied Sleep well, my love – Ovartaci und seine Pferdefrauen für Bariton, zwei Sängerinnen, Steine und Elektronik.

Spannend und abwechslungsreich die unterschiedliche Annäherung an Ovartacis Lebensgeschichte, die einmal aus seiner eigenen Perspektive und dann wieder von den Ärzten oder Psychologen erzählt wird.

Der dänische Maler und Dekorateur Louis Marcussen (1894-1985) verbrachte 56 Jahre seines Lebens in psychiatrischen Einrichtungen. Den Namen Ovartaci hat er sich selber gegeben. Er kommt vom jütländischen Wort Overtossi, was soviel wie Oberidiot bedeutet (in dem Kapitel Puma, Blume, Schmetterling / 64 times I was born wird darüber sehr humorvoll berichtet). Die Ärzte erkannten schnell sein Talent und ließen ihn künstlerisch und kreativ sein. Es entstanden viele Arbeiten aus Pappmaché, Skulpturen oder phantasievolle Flugmaschinen. Ovartaci verarbeitete sogar leere Zahnpastatuben und war ausgesprochen kreativ, wenn es um das Einbringen seltsamer Materialien, Mythen oder Personen in sein Werk oder sein Leben ging. Mit 63 Jahren wurde bei ihm durch einen amerikanischen Chirurgen eine Geschlechtsumwandlung vollzogen. Über die von ihm selbst durchgeführte Entmannung erzählt die Ballade  Heiss ist das Blut, kalt ist der Stahl. Künstler wie Jean Dubuffet oder Asger Jorn, deren Arbeiten sich manchmal der Art Brut nähern, haben ihn als Talent erkannt. Heute sind seine Arbeiten vor allem im Museum in Århus/Dänemark zu sehen. Die Oper, die fast sein ganzes Leben behandelt, bringt uns diesen doch recht unbekannten Künstler nahe. Sie soll in der diesjährigen dänischen Kulturhauptstadt Aarhus zur Aufführung kommen.

 

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 Die Schattenmänner von Ina Abuschenko-Matwejewa

Vor den Ovartaci-Szenen wurde der Liederzyklus « Die Kriminellen der Frau A. «  aufgeführt. Hier werden Geschichten von drei anderen psychisch Kranken, die die Kunsttherapeutin Ina Abuschenko-Matwejewa behandelte, erzählt. Der Bilderzyklus ihrer kriminellen Schattenmänner hängt dem Publikum gegenüber an der Wand hinter den Instrumenten. Tanja Langer legt den kriminell gewordenen Patienten verteidigende oder erklärende Worte in den Mund. Thomas Hennig komponierte die Arie des Steinewerfers Wer fragte Isaak. Gabriel Iranyi vertonte in Feuerkopf  einen Dialog zwischen Frau A., dem Brandstifter und der Cellistin Ulrike Brand. Die Ballade vom Tigermann, dem Mörder, hat Samuel Tramin für Mezzosopran und Klavier komponiert, hier spricht Frau A.

Thomas Hennig auch am Pult, wenn Musiker und Sänger gemeinsam zum Einsatz kommen. Die meisten Arien oder Opernfragmente sind im letzten Jahr entstanden.

Hin- und hergerissen sind wir zwischen der Psychologie und den kriminellen Akten. Manche Arien gehen in Form von permanent sich wiederholenden Wörtern oder Buchstaben auf die Sprache eines psychisch Kranken ein, andere beschreiben den Enthusiasmus, das Geschehen, die Freude und die Stille.

Das Lied für Barbara Suckfüll Tunk die Feder in die Tinte ist von der Komponistin Irini Amargianaki.

Ausgezeichnet und darstellerisch wie stimmlich fantastisch die Solisten Ramina Abdulla-zadè (Sopran), Claudia Herr (Mezzo), Thorbjörn Björnsson und Manuel Nickert (Bariton), Ulrike Brand (Violoncelllo), Alexandros Giavanos (Percussion), Martin Schneuing (Klavier) Martin Daske (Elektronik). Ihr Enthusiasmus und das Vertrauen in dieses anspruchsvolle Projekt haben sich auf das Publikum übertragen. Außer den herunterfallenden Murmeln war kein Mucks zu hören.

Die Texte stammen alle von der Schriftstellerin Tanja Langer, sie war auch ein wunderbarer Cicerone durch den Abend. Ihre Texte sind einfach, anspruchsvoll, verständlich und inhaltsreich. Sie überlässt viel der Interpretation der Sänger und Musiker – und die enttäuschen nicht!

Auf jeden Fall schon mal ein Grund, die diesjährige Kulturhauptstadt Århus zu besuchen. Bis dahin wird die Truppe sicher ein weiteres Stück Auf dem Weg zu Ovartaci zurückgelegt haben.

 

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Interpreten und Komponisten nach der Aufführung

 

Christa Blenk

 

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KINDL – Zentrum für zeigenössische Kunst – aktuelle Ausstellungen

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 Außenansicht KINDL

 

Wie lange dauert ein Augenblick?

Im Oktober 2016 wurde in der einstmaligen Brauerei Kindl in Berlin-Neukölln ein neues Zentrum für Zeitgenössische Kunst eröffnet. Auf 5500 qm insgesamt sollen dort in Zukunft neue Ideen und zeitgenössischen Kunst- und Kulturevents konzipiert und gezeigt werden.

Kurator ist der Schweizer Andreas Fiedler; er will sein Haus im Dreiklang führen, d.h. es soll dort jeweils drei unterschiedliche Ausstellungen geben. Eine ortsspezifische Installation im Kesselhaus, eine thematische Gruppenausstellung und eine individuelle Schau im Maschinenhaus 1 und 2.

how long is now 

 

Den prominentesten Platz, nämlich zwei Etagen im Maschinenhaus, belegt der Dresdner Maler Eberhard Havekost (1967). Er gehört zu den bekannteren deutschen Künstlern seiner Generation. In der Ausstellung werden Werke der letzten zehn Jahre gezeigt, was für den Besucher einem Streifzug durch fast alle Malstile der letzten Jahrzehnte gleichkommt. Schonungslos und ohne Berührungsängste referiert er über Rothkos harmonische Farbflächen, Lichtensteins Pop-Lippen, O’Keefes beunruhigende Blumen (wie Poison, 2014), Cesars Schrotthaufen (Transformers, 2014) und Lledós Neo-Minimalismus. Was will er, worum geht es ihm? Auf jeden Fall will er nicht auf einen Stil festgelegt werden. Er arbeitet mit Hilfe von Fotografie,  lässt sich von Werbebildern oder vom Kino inspirieren; das große Gemälde im letzten Saal Homo Erectus Erectus (2016) berichtet darüber: Es scheint aus einem 19. Jahrhundert Naturkundemuseum ausgeliehen zu sein. Abstraktes und Gegenständliches teilen sich unbarmherzig die großzügigen Räume und wüsste man nicht, dass es sich um eine Einzelausstellung handelt, würde man permanent auf der Suche nach den Namen der anderen Künstler sein.

Bis 19. Februar 2017 ist die Schau noch zu sehen.

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 Eberhard Havekost – Raum 6,B06 (2006)

Die erste thematische Gruppenausstellung How long Is Now, die das Museum eröffnete und die im ersten Stock im Maschinenhaus noch bis 19. Februar 2017 gezeigt wird, befasst sich mit dem ewig zeitlosen Thema: der Zeit. Wer wollte nicht schon einmal das Getane, das Gesagte, das Geschehene, das Gelebte oder Nicht-Gelebte rückgängig machen, in den Griff bekommen oder ihm wenigstens entkommen.

„Wir messen nicht nur die Bewegung mittels der Zeit, sondern auch mittels der Bewegung die Zeit und können dies, weil sich beide wechselseitig bestimmen“ (Aristoteles, Phys. IV 12, 220b 14–16).

Die jungen Künstler aus aller Welt Philip Akkermann, Anetta Mona Chisa & Lucia Tkavoca, Ceal Floyer, Andrea Geyer, Jeppe Hein, Manfred Pernice, Michael Rakowitz  und Uriel Orlow befassen sich mit der Zeit und mit ihren Begleitern, den Zeitgenossen. Wie lange dauert ein Augenblick? Die Gegenwart ist schon vorbei im Moment wo wir das Kunstwerk betrachten. Allerdings war dieses Konzept nicht bei allen Exponaten nachvollziehbar. Aber vielleicht war der Moment der Klarheit ja schon wieder vorbei, bevor er in Gedanken gefasst werden konnte?

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Jeppe Hein (2012)

Vom dänischen Künstler Jeppe Hein (*1974)  stammt die Installation You are right here right now (2012). Beobachter, Kunstwerk und Umfeld überlagern sich. Stehen die Betrachter im Raum oder sind sie für einen Moment Teil des Kunstwerkes geworden? Ist es immer noch ein Kunstwerk, auch wenn es gerade nicht fotografiert wird und der Betrachter wieder austritt, um sich im Raum fortzubewegen?

Die rumänischen Künstlerinnen Anetta Mona Chisa & Lucia Tkacova haben an die 500 rechteckige Pflastersteine auf dem Boden arrangiert, solche, die in Berlin ständig irgendwo liegen weil ja überall gebaut wird aber auch solche, die bei Straßenkämpfen zum Einsatz kommen und zur Waffe werden, deshalb darf der Besucher die Steine in die Hand nehmen, werfen ist nicht gestattet.

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Raumansicht  Eberhard Havekost

Eine Zeitschleife, wie in der amerikanischen Komödie Und täglich grüßt das Murmeltier, gibt es nur in der Fiktion. Ansonsten geht der Mond auf und die Sonne unter und der nächste Tag ist gekommen. Die morgendliche Routine, wie das Warten auf das 3-Minunten-Ei, gehört nach dem Verzehr dieses wie der Sonnenuntergang von gestern der Vergangenheit an, mehr noch, durch gezieltes Starren auf die Uhr, schärft es unser Bewusstsein vom Vergänglichen. Eine moderne Vanitas ist 1-25 –  eine Installation des pakistanischen Künstlers Ceal Floyer (*1968). Man steht davor und lässt die weißen Zahlen auf schwarzem Grund in unterschiedlichen Zeitabständen vor den Augen vorbeiziehen bis man versteht, dass die Ziffer die Zeit angibt und kennzeichnet, so bleibt die Zahl drei 3 Sekunden lang zu sehen und die Zahl vierundzwanzig 24 Sekunden lang. Beunruhigend und irgendwie erschütternd die akute Beteiligung am Vergehen.

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« Olimpia » – Computerinstallation von David Claerbout und das Olympiastadium in Berlin

Um Zeit geht es auch außerhalb des Hauptgebäudes. In dem 20 Meter hohen Kesselhaus der ehemaligen Brauerei hat der belgische Videokünstler David Claerbout (*1969) seine Computersimulation Olimpia installiert, die das Berliner Olympiastadion einem tausendjährigen und langsam voranschreitenden Verfall übergibt. Die Besucher liegen auf Knautschsesseln und wohnen für kurze Zeit dem Verrottungsprozess dieses Neo-Kolosseums auf einer Riesenleinwand bei. Es passiert eigentlich nichts, gefühlt bewegt sich das Bild aber trotzdem, visuell ausgelöst durch die aktuellen Wetterveränderungen draußen, die man am rechten Rand der Projektion mit verfolgen kann. Es ist eine Frage der Zeit und man müsste natürlich viele Stunden, Tage oder Wochen so warten, um an reellen Veränderungen, wie etwa die Schneeschmelze oder wachsendes Gras teilzunehmen. Claerbout bezieht sich hier auf Ideen des Nazi-Architekten Albert Speer, der in seiner Theorie des Ruinenwerts forderte, dass sich Architektur daran orientieren sollte, wie sie in 1000 Jahren wirkt – sein Vorbild war das Kolosseum in Rom. Die Schau ist bis Ende Mai 2017 sehen: den Frühlingseintritt kann man also durchaus auch innen mit verfolgen (Hinweis: im Kesselhaus zahlt man keinen Eintritt)!

Das Olympiastadion wurde 1934-36 für die Olympischen Sommerspiele 1936 von Albert Speer in aller Schnelle konzipiert, nachdem die ursprünglichen, lichten, transparenten und glaslastigen Pläne des Architekten Werner March Hitler nicht gefielen. Es fasst 100.000 Zuschauer.

Wieder auf der Straße, sind wir erneut mit der Zeit konfrontiert und realisieren intensiver als vor dem Besuch des Museums, was die Zeit in dieser Gegend verändern und tun wird. Das Umfeld des Kindl-Zentrums ist work in progress. Baugerüste, traditionelle Bars oder Restaurants, heruntergekommene Häuser und aufgerissene Straßen auf der einen Seite und  fast fertige, hochwertige, aber charmelose und kalte Berliner Apartmenthäuser auf der anderen. Ein paar Meter weiter liegen die Neuköllner Oper, der Heimathafen, Kinos und noch mehr Baustellen. Diese Ecke wird in kurzer Zeit für Künstler und Kulturinteressierte ein weiterer place to be werden.

2011 kaufte das Sammlerehepaar Salome Griard und Burkhard Varnholt die Brauerei mit dem Ziel, daraus ein zeitgenössisches Kunstzentrum zu machen, einem Trend folgend, interessante Industriearchitektur in Museen und Kulturzentren umzuwandeln. Zum Haupthaus gibt es außerdem noch den Turm mit sieben Stockwerken und ein Kesselhaus. Das Sudhaus mit den wunderschön glänzenden Kesseln ist zum Café umfunktioniert. Auch hier wird die Zeit noch so einiges ändern, verbessern oder verschlechtern.

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Sudhaus im Kindl

mehr über den Bau

Christa Blenk

 

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Winter in Berlin

2017 – Januar

 

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Tanztage Berlin : What a Thought is not

Ceci n’est pas une pipe! Heisst eines der berühmtesten Gemälde von Magritte. Es zeigt wirklich eine Pfeife, aber er behauptet das Gegenteil.

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nach der Veranstaltung Maria Walser und Emma Tricard

 

Gestern Abend bei der Premiere der Tanztage Berlin war das genau umgekehrt:

Zwei Pinguine – einer mit einem Schweinekopf, der andere als Ratte – bewegen sich schwerfällig von der hinteren Tür der Bühne Richtung Publikum und Licht und beginnen einen philosophischen Dialog über das was nicht ist. Der Besen ist die Bedeutung; der Stuhl der Sinn und der Boden? darüber wird mich sich nicht so recht einig. Beides, Bedeutung und Sinn, werden zu Beginn der Performance ausgesperrt, hinter die Bühne geschickt. Der Sinn ging also verloren « I sense you lost the sense ….. »

Und dann beginnt ein Dialog über eine Vision auf die Welt, die anders ist, die umbenannt werden sollte oder könnte wenn man es möchte.  Wahrheit und Illusion wechseln sich ab und wenn man etwas oft genug sagt, dann wird es wahr? ´« Still und Leise » singt das Tonbandgerät und Emma gibt vor, die Arie der Königin der Nacht zu trällern; a lie is a lie is a lie wird Gertrude Stein zitiert und so hüpft man durch DaDa und die Surrealisten.  Der Stuhl, der kein Kaffee mit oder ohne Milch ist, ist also der Sinn, der verbannt wird, so dass es gleichgültig ist, ob man Milch oder Sahne in ihm möchte, weil es eh keinen mehr gibt.

Nach 40 köstlichen Minuten Schlagabtausch zwischen Maria Walser (Choreografie) und Emma Tricard (Performance) müssen Bedeutung und Sinn wieder hereingeholt werden, weil Maria gerne mit Emma das Perlenfischerduett singen möchte.

 

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nach der Veranstaltung und nach der Befreiung von Sinn und Bedeutung

 

Alles geht in Rauch auf! Großartige Performance!

 

Die Französin Emma Tricard arbeitet als Performerin und Choreografin in Berlin. Maria Walser ist freiberufliche Tänzerin, Schauspielerin und Choreografin.

Das 21. Tanztage Berlin Festival geht noch bis zum 15. Januar. 2017 und ist mittlerweile eine fest Institution in der Berliner Tanzlandschaft geworden.

Christa Blenk

 

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Hieronymus Bosch – Vision Alive

Zwischen Aberglaube und Alptraum und zwischen Schuld und Sühne

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Alte Münze

In Italien war gerade die Renaissance im Gange als Hieronymus Bosch (1450-1516) 1510 den Garten der Lüste malte. Das Gemälde misst 220 x 195 cm und hängt im Prado in Madrid (wie viele andere wichtige Gemälde von ihm). Pflanzliches, Fleischliches, Geometrisches, Verbotenes fügt Bosch immer wieder in unterschiedlichen Formationen und Stellungen im Garten der Lüste zusammen (Heinrich III von Nassau hat es übrigens in Auftrag gegeben). Unter den ausufernden Rätseln, Thesen und Legenden um Bosch gibt es auch eine Mutmaßung, in der man ihn als Mitglied einer ketzerischen und sexuell ausschweifenden Sekte bezichtigte. Hat er sich mit seinem Jüngsten Gericht, das um 1505 entstand, schon im Vorfeld die Hölle vor Augen geführt, in die er sicherlich nach der Schaffung des Garten der Lüste verdammt wurde. Die Außenflügel zeigen Hölle und Paradies wie das Jüngste Gericht und erinnern an den 1500 entstandenen Heuwagen. Aber ein Rätsel nach dem anderen gibt er auf, dieser Garten der Lüste. Von frevelhafter Sündhaftigkeit bis zu einer surrealen Utopie der Zukunft der Menschen ist alles dort vorhanden. Stundenlang muss man das Gemälde betrachten und immer wieder taucht etwas noch nicht Gesehenes auf. Nackte Paare tummeln sich im Liebesspiel und essen sündhafte Früchte und es wimmelt nur so von Symbolen.

 

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Seltsame Fisch-Vogelkreaturen sausen von Messern geteilt über die Leinwand und werden von pendelnden Füßen verdrängt, die irgendwo im grünlich-blauen Jungbrunnen enden und von Monstern und hässlichen Gnomen gezogenen Luftblasen-Kugelbooten untergetaucht werden. Aber Qual war ja vielleicht Lust bei ihm, eine Art Masochismus, ein Himmel auf Erden oder eine Hölle im Himmel oder umgekehrt! Will er uns warnen vor der Todsünde, oder uns mitteilen, was es alles am Rande des Lebens noch so gibt? Ein Moralist war er sicher nicht, vielleicht aber ein Provokateur, ein Surrealist vor der Zeit.

In der Multimedia-Ausstellung in der Alten Münze in Berlin, kann man zwar die einzelnen Szenen über animierte Videoprojektionen auf Großleinwand sehen und seine persönliche Apokalypse en detail studieren, aber berühren wie die Originale tun diese Bilder nicht. Es ist eher ein Bosch-Jahrmarkt, auf dem man sich – wie auf einer echten Kermes – seinen Kopf in ein Boschgemälde einbauen kann, um ihn sich zuhause übers Bett zu hängen oder als nächste Weihnachtskarte zu verschicken.

Bosch selber hat seine Bilder nicht kommentiert und es gibt sehr wenig Informationen über ihn und sein Werk, dafür wurde es in unzähligen Doktorarbeiten interpretiert und erklärt.

Vor genau 500 Jahren ist er verstorben und ein Geheimnis bleibt er immer noch. Unzählige Künstler haben ihn kopiert und sich inspiriert, angefangen von Dali, den Dadaisten und den Surrealisten.

Die Ausstellung wurde verlängert und ist noch bis 31. Januar 2017 in der Alten Münze in Berlin zu sehen. Aber für echte Kunstliebhaber ist das nicht das Richtige!

Christa Blenk

 

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Avanti, avanti – Neujahrskonzert in der Komischen Oper

Vatikan
Blick auf den Vatican (Foto : cmb)

Hommage an Rom

Prelude: Irgendwie wollte gar nichts so laufen wie geplant!
Eigentlich sollte der Moderator des Abends Max Hopp mit der roten Vespa auf die Bühne rollen, um die musikalische Reise durch die ewige Stadt am Tiber à la italiana zu begleiten, aber aus nicht näher zu definierenden Gründen hat er die Zeit vergessen und stand plötzlich vor „der vollen Hütte“ . Auf die  noch unter Silvester-Nachwirkung leicht vernebelten Techniker war auch kein Verlass und die Vespa blieb rot und stumm hinter der Bühne!
Das zweite Malheur präsentierte sich  in Form einer klemmenden Toilettentür, die den  Sänger Andreas Bordelli, der den 50er Jahre Rom-Romantik-Kitsch-Dauerbrenner « Volare » hätte singen sollen nicht aus dem Häuschen ließ. Dorthin hatte er sich zwecks Probe und der  ausgezeichneten Akustik auf Grund der Kacheln zurückgezogen. Als die schnell gerufenen und noch nicht wieder komplett nüchternen   Hausmeister der Komischen Oper ihn endlich herausschneiden konnten, bekam er vor Aufregung einen Schluckauf  welcher ihn nun komplett am Singen hinderte.  Die Leitung des Hauses hat deshalb ihn, den Moderator Max Hopp, aufgefordert, doch diesen Ohrwurm selber zu trällern. Das hat er nach längerer Überzeugungsarbeit und zögernder Absprache mit dem ersten Geiger und dem Musikdirektor Nánási auch prächtig und zwischen Anrufen (trotz von ihm dem Publikum auferlegtem Handyverbot) seiner Mutter glänzend hingekriegt – wie die Moderation überhaupt!  (wie Sie sicher schon gemerkt haben, ist diese Einleitung mit Humor zu lesen und kommt zwar Hopps Worten nahe aber nicht der Realität!)

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Rom am Tiber (Foto: cmb)
Avanti, avanti! Salite pure!
Verdis Hunnenkönig Attila steht vor den Toren Roms (wahrscheinlich am Ponte Milvio) dem damaligen mutigen Papst Leo gegenüber und will ihn nicht hereinlassen will. Mentre gonfiarsi l’anima schmettert der großartige Bass Alexander Vinogradov genauso überzeugend wie er nach der Pause den  Don Basilio aus dem Barbiere di Siviglia spielt und singt. Abgelöst von Karolina Gumos und Adrian Strooper mit dem Duett Un soave non so che aus Rosinis Cenerentola. Die Cenerentola  wurde natürlich – wie der Barbiere aus dem Karolia Gumos die Cavatina der Rosina ganz herrlich singt –   in Rom uraufgeführt während Adrian Strooper sich einer  furtiva lacrima von Donizetti hingibt.
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Begleitet wurden diese perfekten Solisten vom Orchester der Komischen Oper; am Pult der Musikdirektor Henrik Nánási. Konzertant gab es obendrein die spritzige Ouvertüre zu Gioachino Rossini (1767-1868) La Cenerentola, die Ouvertüre für Orchester op. 9 Römischer Karneval von Hector Berlioz (1803-1869), der fünf Jahre in Rom verbrachte und sich nie mit dem Karneval  anfreunden konnte sowie Pjotr I. Tschaikowskis Capriccio Italieno op. 45.
Viel Applaus und als Zugabe zu Dritt « O sole mio » – wie kann es anders sein im Januar in Berlin.
Schwungvoll, witzig, perlig und ausgezeichnet dieses 1. Januar Nachmittagskonzert.
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Bernini-Brunnen an der Piazza Navona
Christa Blenk

 

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Ein musiktheatrales Seminar für (potentielle) Führungskräfte

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Klar, auch Sie sind ein High Potential, also Träger größter Fähigkeiten und noch größerer Erwartungen Ihres Arbeitgebers. Wussten Sie gar nicht? Dann aber wird es höchste Zeit. Im Studio der Neuköllner Oper erwartetet Sie ein lukratives Angebot: lassen Sie sich weiterentwickeln von unserem kompetenten Kursleiter, der mit und an Ihnen die wahren Potenziale entdeckt: Effizienz, Commitment, Leadership Development und weitere Soft Skills z.B. fürs Konfliktmanagement – sollten Sie beispielsweise Mitarbeitern die Chance zur beruflichen Neuorientierung geben müssen. (Quelle: Neuköllner Oper)

„Willkommen beim Seminar für potentielle Führungskräfte“ begrüßt der Seminarleiter Thorsten Spacker die Teilnehmer am Seminar und wir, ca. 30 Teilnehmer, betreten einen Raum ohne Fenster. Im Hintergrund eine Leinwand, ein erleuchtend gelber Seminarraum-Sonnenteppich auf blauem Harmonie, Ruhe und Zufriedenheit assoziierendem  Teppichboden, ein Musiker mit Gitarre, an den Wänden ein paar Stühle. Alle (die Zuschauer, die vor dem Betreten des Seminarraumes mit einem Namensschild ausgestattet wurden) kommen aus derselben Firma und wurden aufgrund ihrer Vorgeschichte und ihres Lebenslaufes für dieses Führungsseminar auserwählt. Man wärmt sich auf,  in dem man mit Herrn Füller, der für die musikalische Untermalung zuständig ist, gemeinsam ein Liedchen singt das mit Obstsalat, Zitronen und Melonen zu tun hat, die paar Schritte, die er uns kurz zeigt, sorgen für lockeres Wohlbefinden. Irgendwie schräg, denken wir.

Die Kursteilnehmer-Theaterbesucher werden schließlich aufgefordert, mit den Nachbarn über ihre Stärken und Schwächen zu reden. Bewerbungs- und Feedbackgespräche werden geführt und Herr Spacker konzentriert sich schließlich auf zwei Teilnehmer, die im Konkurrenzkampf für einen wichtigen Posten, der einem großen Sprung auf der Karriereleiter gleichkommt, stehen. Wir werden wieder zu Zuschauern und erleben, wie sie sich beleidigen, anschreien und wie ein realistischer Zynismus Verachtung demonstriert.

Nini Stadlmann, Marco Billep, Urban Luig, Nico Selbach haben mit viel Humor und nachweislichen Coaching Fähigkeiten durch diese 90 Minuten geführt und frühere déjà-vu Seminarerlebnisse aufleben lassen. Jetzt wissen wir Alle, was wir im nächsten Jahr anders machen müssen und – beruflich – auf keinen Fall tun dürfen.

Beim Rausgehen bekam jeder Teilnehmer ein Kompetenz-Zertifikat, ausgestellt vom Zentrum für Schlüsselqualifikationen und vom IPO (Institut für postneurotische Oper). Nach der sehr gelungenen Büro für postidentisches Leben-Aufführung der Neuköllner Oper im Herbst, war das sozusagen die Lösung für diejenigen, die mit der Post-Identität nicht zurecht kamen. Witzig und amüsant allemal!

 

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Johanna Martin & Matthias Messmer haben das coaching-Seminar konzipiert; Songtexte und Musik sind von Markus Voigt und Johanna Martin.

Im Januar gibt es noch ein paarmal die Möglichkeiten zur Teilnahme an diesem Seminar; es reicht der Kauf einer Theaterkarte.

 

Christa Blenk

 

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