Misa Azteka beim Festival Internazionale di Musica e Arta Sacra

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Festival Internazionale di Musica e Arte Sacra (22.-29. Oktober 2014 in Rom)

Nach Händels „Saul“,  dem „Deutschen Requiem“ von Brahms, Bruckners „Messe in F-moll mit Te Deum“, Schuberts „Lazarus“ war auch die 13. Ausgabe dieses Festivals wieder der deutschen Musik gewidmet. Doris Hagel, Leo Kraemer und Ingo Metzmacher standen u.a. am Pult aber auch von den Solisten kamen viele aus Deutschland. Gestern abend allerdings wurde die Linie unterbrochen und in der Basilica Sant’Ignazio di Loyola zwei zeitgenössische (süd)-amerikanische Werke aufgeführt.

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Die Misa Azteca von Joseph Gonzalez und das Requiem von Mark Hayes.

Der amerikanische Komponist Joseph Julian Gonzalez hat seine Misa Azteka 1997 komponiert. Uraufgeführt wurde diese musikalische Zelebration für Orchester, Chor und Solisten in sieben Sätzen ein Jahr später beim renommierten El Cervantino Festival in Guanajuato, Mexiko. In diesem Oratorium vermischen sich zwei Kulturen und Religionen zu einer unschlagbaren Symbiose. Mit indianischem Trommelgedonner geht es los und dann bricht auch gleich der Chor, der mindestens aus 80 Sängern, mit auf. Das spanisch-aztekisch gesungene Kyrie wird durch ein pompös-melodisches Gloria für Chor und Tenor  in lateinischer Sprache abgelöst. Der Bariton Victor Chan kommt aus Mexiko und hatte seinen persönlichen Kampf, um mit dieser Kuppelakkustik fertig zu werden. Er hat ihn aber gewonnen. Gewaltig und an Orff erinnerend das Graduale für Chor und Soprano ist komplett in der für uns absolut nicht nachvollziehbaren Azteken-Sprache verfasst. Als Grundlage hierfür hielten mexikanische Cantares her, die aus einem Manuskript aus dem 16. Jahrhundert stammen. Geschrieben Erklärungen oder Aufzeichnungen von den Rhythmus auf der Basis von vier Vokalsilben: ti, to, Ki, co, machen es heutzutage möglich, diese aztekische Musik umzusetzen und aufzuführen. Charisma Millers hohe klare Stimme setzt sich besser durch als die Mezzosopranistin Linda Scott. Das Credo gehört dem Tenor und ist wieder in spanisch-lateinischer Sprache verfasst. Es ruft Reminiszenzen an die mexikanische Volksmusik hervor und ist sehr rhythmisch. Das rauschende Sanctus, das dann erstmals zeitgenössische Passagen birgt, ertränkt die Mezzo-Solistin fast komplett. Vielleicht haben die ersten drei Reihen auf den pompösen Stühlen mehr gehört. Dann und wann wirft die dynamische und quirlige Dirigentin aus Chicago Teresa Russel den Kopf zurück um den Solisten, die vor ihr stehen, verzweifelte Blicke zuzuwerfen, um sie mit den verrückt spielenden Trommeln wieder zu vereinen. Es hörte sich aber trotzdem toll und doch wieder gewollt an. Das Agnus Dei wird daraufhin von aztekischen Kriegstrommeln eingeleitet und man darf sich so allerlei religiös-pagane Rituale vorstellen. Es gehört dem Chor, Tenor und Sopran. Beim letzten Teil, Ite Misa Est, hatten dann wieder Orff und Strawinsky Pate gestanden. Nach einer progressiv aufgebauten Spannung ging dieses bombastische und Werk mit Trommelhagel zuende. Im Programmheft stand auch, dass Gonzalez von Bachs H-Moll Messe beeinflusst war. Das habe ich nicht gehört – mag aber an der Akustik gelegen haben

Religiöse zeitgenössische Musik hat oft auch etwas konventionellere Züge, es soll ja die Kirchgänger nicht verschrecken. Das hat sich auch beim zweiten Werk gezeigt. Der 1953 geborene amerikanische Komponist Mark Hayes dirgierte selber sein Requiem, das 2013 in New York im Lincoln Centre uraufgeführt wurde. Er hat sich auch nicht so richtig an Atonales und Disharmonisches gewagt, sondern gründlich die verschiedenen Requiems von Mozart, Brahms, Faure und Duruflé studiert – und das hat man auch gehört. Hayes vertonte nur sechs der zwölf traditionellen Texte eines Requiems, d.h. Requiem Aeternam, Kyrie, Dies Irae, Sanctus, Agnus Dei und Lux Aeterna. Fast komplett in lateinischer Sprache mit Minireferenzen aus dem Englischen. Traditionell lösen sich Trauer, Angst, Wut, Frieden und Hoffnung ab. Nach dem wehmütigen Requiem ein lieblich-helles und klassisch-herkömmliches Kyrie, abgelöst von einem sehr zornig-wütigen ein wenig jazzigem Dies Irae für Chor und Bariton, der Rest dieer Komposition ist nur für Orchester und Chor gedacht. Eine interessante Rhythmusänderung kündigt das Sanctus an, bei dem ein sich wiederholendes liebliches Glockenspiel vorherrscht. Sein Agnus Dei ist reizend und seicht und hört sich wie Filmmusik zu einer Rosamunde Pilcher Schnulze an: Hoffnungsvoll und kuschelig. Leuchtend und sehnsuchtsvoll in C-Dur das Lux aeterna

Mit weit ausschweifenden Melodien und permanent sich verändernden und neu entwickelnden Tonarten fängt er die gesamte Spannweite der Emotionen und spirituellen Erleuchtung ein. Hayes hat es seinen Eltern gewidmet.

Gespielt hat das Orchestra Roma Sinfonietta, das mir unter Teresa Russell fast besser gefallen hat. Der Chor war gut zusammen gewürfelt aus verschiedenen amerikanischen Chören, die sich aber prächtig verstanden.

Rundum war dieser Nachmittag wirklich etwas besonderes.

Das Festival Internazionale di Musica  e Arte Sacra, findet dieses Jahr zum 13. Mal statt und wird mit einem Sonderkonzert « Nur für Wohltäter der Fondazione » mit Pssalite Deo Sapienter in der Päpstlichen Basilika San Giovanni in Laterano unter Leitung von Massimo Palombella zu Ende gehen.

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Diese Konzertreihe in den großen römischen Kirchen (incl. Petersdom) sind gratis. Man muss sich nur im Internet registrieren,  um dabei zu sein können. Dreiviertel der Plätze allerdings sind reserviert für kirchliche (und zivile) VIPs, Sponsoren und Reisegruppen (vor allem aus Deutschland). Diese dürfen im sonntäglichen Gewand nach vorne schreiten. Die Nichtzahler kommen entweder ganz früh oder müssen stehen. Gestern Nachmittag waren wir sehr früh dran und hatten schon beim ersten Anlauf einen ziemlich guten Platz. Da es aber ein sonniger Sonntagnachmittag war, zeitgenössische Musik die eher konservativen Kirchgänger vielleicht weniger anzieht und es um 21.00 Uhr in der Paulskirche außerhalb der Mauern Verdis Requiem auf dem Programm stand, durften wir kurz vor Beginn noch ca. 10 Reihen nach vorne rücken. Was ein Glücksfall war, da die Kirche zwar fantastische Fresken aber eine unmögliche Akkusativ hat.

Christa Blenk

 

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Festival di Musica e Arte Sacra a Roma

P1190202 Konzert am Sonntag, 26.10. – Sanct’Ignazio di Loyola

Freitag, 24.10.2014 in Santa Maria Maggiore

Bruckner – Messe Nr.3 in F Moll (WAB 28)  und Te Deum (WAB 45)

PalatinaKlassik-Vokalensemble, Philharmonischer Chor an der Saar

Solisten: Susanne Bernhard, Oscar de la Torre, Susanne Schaeffer

Leitung : Leo Kraemer

Korrekte Aufführung in dieser Wahnsinnskirche, aber etwas flach (mag an der Akkustik gelegen haben). Keine Nachhaltigkeit, keine Höhen oder Tiefen, keine Fehler, keine falschen Noten und trotzdem un-perfekt. Sehr unruhiges Publikum und nach 50 Minuten begann ein Kommen und Gehen und Stühlerücken – jedenfalls auf den Plätzen für das gemeine Volk.

 

Am 25. Oktober ging es dann weiter in der Kirche San Giovanni in Laterano. gleicher Chor, gleiches Orchester, gleiche Sopranistin, gleiche Empfindung ….

 

Sonntag, 26. Oktober in der Basilica di Sant’Ignazio di Loyola ein Konzert mit zeitgenössischer Kirchenmusik, u.a.

Misa Azteca von Joseph Julian Gonzalez. Komponiert 1997 als Teil eines Begegnungsprogrammes mit dem Komponisten. Uraufgeführt wurde sie im Tijuana Cultural Center durch das Orchester von Baja California/Mexiko. Musikalisch kombiniert die Messe spanische und lateinische Texte der römisch-katholischen Liturgie unter Einbeziehung von mexikanischen Cantares.  Bachs H Moll Messe hat ihn dazu inspiriert, ebenso Strawinsky und Orff. Sozusagen ein Neo-Barock-Epos.

und das Requiem von Mark Hayes.

Sehr gute Aufführung trotz miserabler Akustik in der Kirche. S. ausführlicher Bericht …

 

Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival: Motus – King Arthur

kingarthur2 Largo Argentina – Area Sacra

Sorry, times are changed

Die acht Musiker sitzen zwischen artifiziellen und nur spärlich wahrnehmbaren Bäumen auf der Bühne. Es ist sehr dunkel. Im Hintergrund sieht man eine Tür, die leicht ausgeleuchtet ist. Darüber befindet sich eine große Leinwand auf welche die Geschichte, die hinter der Tür passiert, projiziiert wird. Die Zuschauer, die einen Platz vorne in der Mitte haben (wir hatten Glück und gehörten dazu) konnten sozusgen die Handlung „stereo“ verfolgen: einmal in der kleinen Realität und einmal wie im Kino.

Land_Holz_Land Fotoarbeit: Christa Linossi

Dunkle Wälder, Häuserruinen, Kriegsgebiete, Beton, Graffiti. Der Brite König Arthur und der Sachsenkönig Oswald stolpern über Schutt und Abfall. Es geht um Hegemonie auf der einen Seite und um die Gunst von Emmeline auf der anderen.

Emmeline ist die Hauptperson in dieser eigenwilligen Interpretation von Purcells King Arthur. Sie hat die wichtigste Sprechrolle und ist psychologisch am ausführlichsten ausgearbeitet. Ohne auf die Ordnung oder Reihenfolge der Handlung zu achten, hat man die schönsten Arien und Musikstücke aus dem langen Werk von Purcell herausgepickt und das Ganze auf 70 Minuten reduziert. So kommt die geniale Frost-Arie aus dem dritten Akt nach der Passagaclia des vierten Aktes. Das fällt aber gar nicht weiter auf, weil der Zuschauer sowieso überfordert damit ist, zu begreifen was los ist und warum etwas passiert.

Inspiriert durch Becketts „savage eye“ herrscht vor uns eine Fast-Nachtstimmung und ein tristes Caravaggio chiaro-scuro, welches sogar die Musiker und die Instrumente verschluckt. So nach dem Motto „man sieht eh nur mit dem Herzen“. Wie eine geheimnisvolle Wunderkammer kommt es den Barockaufführungen wohl ziemlich nahe. Aber bitte ein paar Kerzen wenigstens. Bisweilen entsteht der Eindruck vor einem verschmutzten Stillleben von Luis Meléndez zu stehen. Hell wird es nur einmal, als nämlich die permanent-Filmerin auf der Bühne anfängt, das Publikum zu filmen. Für einen Moment können uns dann selber auf der Leinwand sehen. Die Idee an sich ist nicht schlecht, die Realisierung lässt ein klein wenig zu wünschen übrig. Irgend etwas an dieser low cost Produktion ist nicht stimmig. Vielleicht ist es die moderne Sprache und der Tonfall der Schauspieler wenn sie Italienische reden – gesungen wird zum Glück auf Englisch!

Street Art around the world Außer den Sprechrollen Emmeline (Silvia Calderoni) und King Arthur (Glen Çaçi) sind zwei Sopranistinnen, Laura Catrani, Yuliya Poleshchuk und einen Contertenor, Carlo Vistoli mit dabei. Sie Sänger sind gut. Die Frost-Szene deshalb ein wenig enttäuschend, weil wir zu oft Klaus Nomi gehört haben. Das Soprano-Duett aus dem 4. Akt ist ein Highlight in der Aufführung. Die Singstimmen, so wollte es auch Purcell, sind übernatürliche Geister und mythologische Figuren, die gar kein Recht auf Wörter haben.

Luca Giardini dirigiert das Ensemble Sezione Aurea sehr zurückhaltend. Manchmal kommen die Töne schleppend und unbarock aus der dunklen Bühnegrube, das passt aber gut zu dem Durcheinandern aus den vier Akten. Eigentlich hat es uns dann doch gefallen, obwohl wir halt den King Arthur gern gehabt hätten wie Purcell ihn komponierte. Aber das sind ja eh nur Konventionen! 

Die Theatergruppe Motus kommt aus Rimini und besteht seit 1991. Enrico Casagrande und Daniela Nicolò, die auch für die Inszenierung und die Videoeinlagen verantwortlich zeichen, haben sie gegründet. Mit der Semi-Oper King Arthur haben sie sich zum ersten Mal mit einer Theater-Komposition befasst.

Henry Purcell (1659-1695) hat diese Semi-Oper nach einem Schauspiel von John Dryden komponiert. Die wichtigsten Rollen sind Sprechrollen und die Musik wird sozusagen nur eingesetzt, um die Dramatik hervorzuheben, d.h. Die Singpartien gehören nicht die Hauptprotagonisten. Im 17. Jahrhundert war das ganz typisch in England. Purcell hat aber für dieses Libretto eine der schönsten Arien „Cold Genius“ im Barock überhaupt komponiert: Die „Frost-Szene“ , bei der Cupid oder die Macht der Liebe es schafft, ein kaltes Herz aufzutauen.

Zur Handlung, die aber bei der römischen Aufführung im Teatro Argentina gar nicht wichtig und vor allem nicht nachvollziehbar war:

Der christliche britische König Arthur, unterstützt durch den Zauberer Merlin, kann sich gegen den Sachsenkönig Oswald, der vom Magier Osmond, dem Geist Brimbald und dem Luftgeist Philidel unterstützt wird, durchsetzten und einen Teil seines Reiches zurückerobern. Oswald liebt Emmeline und es entbrennt eine heftige Schlacht, die die Sachsen verlieren und fliehen.
Merlin gewinnt Philidel als Verbündeten der Briten, Grimbald, verkleidet als Hirte, will die Briten hingegen in die Irre führen. Philidel rettet Arthur und sein Heer aus dem Moor.
Grimbald, als Frau verkleidet, entführt mit Osmond und Oswald Emmeline. Arthur beklagt den Verlust der Geliebten, Oswald bedrängt sie aber trotz Zaubertrunk keine Wirkung.Philidel hingegen befreit sie von der Blindheit, Arthur und Emmeline können sich plötzlich sehen.
Grimbald versucht weiterhin Arthur zu verlocken und führt ihn in einen Zauberwald. Er zerstört den Wald und nimmt Osmond gefangen.
Arthur besiegt im Zweikampf Osmond, schenkt ihm aber sein Leben. Merlin verkündet den Frieden und Emmeline eilt zu Arthur. Loblieg auf Britannien und auf den Schutzpatron der Insel, den Drachenbefreier St. Georg.
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Christa Blenk

 

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Mario Sironi

sironi1Mario Sironi (1885-1961) im Complesso del Vittoriano

Seit dem 4. Oktober ist im Complesso del Vittoriano eine sehr komplexe und vielseitige Ausstellung des italienischen Künstlers Mario Sironi zu sehen.

Als Sohn eines Ingenieurs wurde Mario Sironi 1885 in Sardinien geboren. Sein Großvater mütterlicherseits war der Architekt Ignazio Villa. Monet arbeitete gerade an seiner Kathedralen-Serie, Picasso war vier Jahre als und Giorgio de Chirico wird zwei Jahre später geboren werden. Die Fotografie hatte sich schon einen Platz im täglichen Leben gesichert und Maschinen begleiteten die Industrialisierung. Politische Unruhen, der erste Weltkrieg und der Faschismus sollten Sironi künstlerisch wie menschlich prägen und ihn begleiten. Später wird er auf der falschen Seite stehen, aber gerade deshalb viele große Aufträge erhalten, die zum Teil jetzt noch in Rom zu sehen sind.

Der Maler aus Sardinien kam um die Jahrhundertwende nach Rom, um von 1896-1902 ein Ingenieurstudium zu machen. Depressionen hinderten ihn daran, als solcher tätig zu sein. Er fühlte sich als Künstler, Farben und Formen bewegten ihn. So schrieb er sich denn gleich nach Ende seines Studiums in einer privaten Kunstschule ein. 1908 reiste er mit Boccioni nach Frankreich und Deutschland und entdeckte den Kubismus und die Abstraktion. 1913 unternahm er eine weitere Studienreise nach Paris und – wieder zurück in Rom – schloss er sich der Futuristenbewegung an, die u.a. von Boccioni, Severini und Marinetti gegründet wurde, mit der er 1916 zum ersten Mal  in Rom ausstellte. Im selben Jahr veröffentliche Sironi Kriegszeichnungen in der Zeitschrift Avvenimenti die entstanden, nachdem er sich freiwillig zum Militär gemeldet hatte und dort als Fahrer eingesetzt wurde. Aus dieser Zeit stammt  „Die Lampe“, ein kleines Ölbild auf dem eine androgyne Person mit Stöckelschuhen und ohne Gesicht eine Lampe anschaltet oder diverse „no future“ Fabrikgelände und architektonische Kompositionen, die eine ähnliche Einsamkeit ausstrahlen wie es später die Hopper Bilder tun. Nachhaltig beeinflusst von seiner Chauffeur-Zeit im Krieg, sind in seinen Bildern aus dieser Zeit Autos oder Fahrzeuge fast so häufig wie Personen zu entdecken. Nach Kriegsende arbeitete er weiter ander pittura metafisica und seine Werke ähnelnd denen von Giorgio  de Chirico. Jener, obwohl jünger, war ihm einen Schritt voraus. De Chirico lebte installierte sich  1911 im Kunst-Trubel von Paris und stand mit allen Großen der Zeit in Kontakt.

Sironi war einer der außergewöhnlichsten Maler im Italien der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hin- und Hergerissen zwischen den verschiedenen Stilen und der Politik machte er viele Konzessionen an die Kunst.

Nach dem Krieg zog Sironi nach Mailand und gründete mit den Künstlern Funi, Oppi, Malerba  und anderen die Bewegung „Novecento Italiano“. 1922 stellten sie zum ersten Mal in Mailand aus. Diese Retro-Gruppe wollte sich vor allem von der Moderne distanzieren. Die Rückkehr zur Ordnung suchten sie und als Thema diente wieder mal die Renaissance, ähnlich erging es ca 100 Jahre vorher den Nazarenern! Die Geliebte von Mussolini, die Schriftstellerin Margherita Sarfatti, war sehr aktiv, man kann fast sagen, dass sie diese Bewegung koordinierte und sie „verkaufte“. 1924 wurden Werke der Bewegung Novecento – darunter eines der Meisterwerke von Sironi, „Der Architekt“ auf der Biennale von Venedig ausgestellt.  Unterstützt und gefördert durch Mussolini erlangte diese Bewegung auch im Ausland ziemlichen Ruhm.

Schon in den 30er und 40er Jahren bekam er immer wieder Aufträge vom Autohersteller Fiat für Werbeplakate und Werkdesign, die sehr an die russischen Konstruktivisten erinnern. Fiat blieb ihm immer treu und erteilte ihm auch in den 40er und 50er Jahre Aufträge.

Nicht nur sein Talent sondern auch seine Nähe zum faschistischen Regime privilegierten ihn und Sironi war eine Zeit lang der einzige und gefragteste « Hofmaler ». Es regnete nur so an Aufträgen für Wandmalereien, Reliefs, Mosaiken etc. ein. Und obwohl sie ihm nach dem Krieg jede Menge Kritik einbrachten und er zeitweise auf Eis gelegt wurde, sind sie alle noch in Rom zu sehen. In den 50er Jahren durfte er dann trotzdem zweimal bei der Documenta mitmachen.

Ein Film über sein Leben und seine wichtigsten Werke bereitet auf die über 90 Bilder, Entwürfe, Zeitschriften von der Anfangszeit bis zu seinem Tode vor. Picasso soll über ihn gesagt haben „Ihr habt hier einen großen Künstler, vielleicht sogar den größten zur Zeit und seid Euch dessen nicht bewusst.!“

sironi4Die Ausstellung zieht wie ein Film an uns vorüber und erzählt vom symbolistischen Anfang und vom Landschaftsmaler Siorni, wie er zum Futurismus kommt und nach ein paar Jahren zwei Schritte zurück geht und Mitbegründer der Bewegung Novecento Italiano wird. Seine Wandmalereien und monumentalen Figuren und Bauern- oder Familiengruppen erinnern dann wieder an den sozialistischen Realismus, während die Designer-Arbeit u.a. für Fiat an die Konstruktivisten denken lässt. Am bekanntesten sind natürlich seine riesigen Wandmalereien wie „Il Lavoratore oder, l’Impero“ aus 1936, die viele öffentliche Gebäude aus den 30er Jahren in Rom zieren und seine Bewunderung für Raffael oder Michelangelo preisgeben. Sironis letzte expressionistische Bilder, weisen auf seinen Tod hin (Apocalypse) oder sprechen von Bedauern.

Ein Großteil der Exponate stammt aus der Privatsammlung Sironis Schwester Cristina, aus der Galleria Breda in Mailand, aus der GNAM in Rom oder dem MART Museum aus Trento und Rovereto.

2012 hat eine Ausstellungsreihe im Complesso del Vittoriano über Künstler des 20. Jahrhunderts mit Renato Guttuso begonnen, wurde mit den Kubisten und einer Ausstellung über Cezanne und die Italiener fortgesetzt und wird mit einer Ausstellung über Morandi im nächsten Jahr zu Ende gehen.

Die von Elena Pontiggia in Zusammenarbeit mit den Sironi Archiven in Rom kuratierte Ausstellung ist noch bis zum 8. Februar 2015 zu sehen.

sironiAula Magna della Sapienza – Mario Sironi

Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival 2014 : Cabaret Songs – Benjamin Britten

San Lorenzo

Cabaret Songs – Benjamin Britten

Wysten H. Auden und Benjamin Britten haben sich 1935 während der Dreharbeiten einer Dokumentarfilmreihe kennen gelernt; dies war der Beginn einer wunderbaren und fruchtbaren Zusammenarbeit und Freundschaft. Werke wie der Orchesterliederzyklus „Our Hunting Fathers“ oder „On this Island“ entstanden in dieser Zeit. Ihre persönliche Beziehung glich mehr einer Achterbahnfahrt. Der schüchterne und junge Britten bewunderte den Intellektuellen und freien Auden, fühlte sich aber auch verunsichert oder überfordert dadurch. 1937 ereigneten sich zwei fundamentale Begebenheiten in seinem Leben: Brittens Mutter, an der er sehr hing, verstarb und er lernte den Sänger Peter Pears kennen. Es wird manchmal behauptet, dass Letzterer eine Art Mutterstelle bei ihm einnahm – jedenfalls soll er eine ähnliche Stimme gehabt haben. Wie auch immer: die beiden blieben bis zu Britten Tod 1976 zusammen. Auden starb 3 Jahre vorher.

Im Rahmen des Romaeuropa-Festivals wurden gestern Abend im Teatro Eliseo – zum ersten Mal in Rom – Brittens Cabaret Songs, die er zwischen 1937-1939 komponierte, aufgeführt. (Veröffentlicht wurden diese Kompositionen übrigens zum ersten mal 1980.) Britten zeigt sich hier unbeschwert und fliegend-amüsant, geht aber auch auf die persönliche Beziehung mit Auden ein, die gerade dabei war zu Ende zu gehen, z.B. mit Give up love:

Für das Aldeburgh Festival und aus Anlass von Brittens 100. Geburtstag 2013 hat der irische zeitgenössische Komponist Conor Mitchell das Repertoire um acht Songs erweitert und die zum Teil verloren gegangene Musik von Britten ergänzt. Die Texte stammen auch wieder von Wyston Auden oder vertonen die Lyrik von Mark Ravenhill.

Die charismatische Pop-Ikone, Bandleader und Gitarrist der britischen Pop-Gruppe „The Irrepressibles“ Jamie McDermott ist gestern über die Bühne gewirbelt. McDermott hat jetzt nicht unbedingt eine Jazzstimme und dies war auch sein erster Auftritt als Jazzsänger, erzählt er uns kurz. Aber mit seinem Charme, seiner alles könnenden Stimme, sehr textverständlich und mit viel britischem Witz hat er uns dann doch in seinem Bann gezogen.

Den ersten Teil widmet er Auden-Britten bzw. Mitchell-Ravenhill und tänzelt im „Falling out of love“ und „Tell me the truth about love“ trällernd im weißen Dandy-Anzug und mit schwarz-weißen Lackschuhen durch das Publikum auf die Bühne. Homosexualität, sagt er, ist ein Problem, wenn der Angebetete es nicht ist. Bei „mad about a boy“ geht das Pathos ein wenig mit ihm durch, er fängt sich aber gleich wieder. Zwischendurch erzählt er die Geschichte der Homosexualität in Europa und während der Nazi-Zeit, als die Freiheit der gay community der roaring twenties in Berlin dramatisch verloren ging. Dann überlässt er die Bühne dem Pianisten Stephen Higgens, der die Zeit nutzte und „Lets fall in love“ (kurzerhand in einer italienischen Version was zu Begeisterungsausbrüchen des römischen Publikums führte) präsentiert, bis dann McDermott als pseudo- Frank Sinatra wieder auf die Bühne rennt und mit Cole Porter Songs oder Evergreens von Richard Rodgers, Kurt Weil oder Bart Howard in allen Tonlagen wie „I’ve got you under my skin“, „Muy funny Valentine“, „Moon of Alabama“ und „Fly me to the moon“ weiterjazzt. McDermotts Auftritt führt uns vor, wie sich Auden und Britten bei der Ausarbeitung dieser Cabaret Songs amüsiert haben müssen.

Rome is beautiful, sagt er, but so hot! er bittet, doch die Klimaanlage anzuschalten, schnappt sich eine Falsche Wasser, die er ohne abzusetzen austrinkt und legt eine Superperformance von „It’s too damn (darn) hot“ hin, die glatt an Ella erinnert. So wie er herumturnt verstehen wir, warum er über die Hitze stöhnt!

Den „Funeral Blues“ vermasselt er allerdings – vielleicht bewusst!

Nach fast 80 Minuten ohne Pause schenkt er uns zwei Zugaben, darunter nochmals „Johnny“. Nun lässt ihn allerdings seine „souffleuse“ im Stich und er sucht seinen Text, fängt das aber genial und professionell auf, in dem er mit dem angefangenen „My“ einfach mit „My funny Valentine“ weitermacht und sich selber als „gatecrasher“ bezeichnet.

Benjamin Britten hat diese witzig-ironischen und dann wieder verzweifelten Cabaret Songs, die in seinem wichtigen Gesamtwerk oft unter gehen, für die Sängerin Hedli Anderson zu Texten von Auden geschrieben, der hierin seine Erlebnisse aus dem Berliner Kabarett-Nachtleben mit Chester Callmann Ende der 20er /Anfang der 30er Jahre aufarbeitete. Sie sind so gar nicht britisch und weder sperrig noch erhaben, was man sonst seiner Musik oft (fälschlicherweise) nachsagt.

Orpheus Britannicus wird Britten genannt und nimmt seinen Platz gleich in Purcell ein. Brittens Opern wie Peter Grimes und seine Musik ab den 40er Jahren – nach seiner Rückkehr aus den Staaten, wo der Pazifist Britten von 1939-1942 gelebt hat – haben das Vereinigte Königreich wieder in die erste Liga der klassischen Musik geholt. Obwohl Britten von der Avantgarde nicht ernst genommen und vom Publikum zum Teil nicht verstanden wurde.

Wir haben uns zwar den Britten-Liederabend etwas anders vorgestellt, aber uns prächtig amüsiert.

jamieMcdermottinRom

Christa Blenk

 

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Rom und die Unterwelt

medici-mostraIn der Villa Medici wird seit vorgestern die Ausstellung « La Roma dei Bassifondi » gezeigt. Ca. 50 Exponate, die die Zustände und Verhältnisse im barocken Rom beschreiben sollen. Heimliche Liebschaften, Betrügereien beim Kartenspiel, Spiel, Trunk und Freud in finsteren Kneipen. Die Thematik ist interessant und originell, die Qualität der Bilder nicht so sehr. Die meisten Werke sind im Manierismus entstanden und versuchen sich im chiaro-scuro von Caravaggio – bestens geeignet, um das Finstere und das Verbotete zu zeigen: ob mit camera obscura, Spiegeln oder natürlichem Licht. Die Werke von Simon Vouet, Giovanni Lanfranco und Giuseppe Ribeira stechen hervor sowie eine Reihe von interessanten flämischen Zeichnungen aus der Schule von Rembrandt und Pieter van Laar.

In Rom allerdings, wo es an jeder Ecke Museen und Kirchen vollgestopft mit wahren Meisterwerken, geht diese doch flache Zusammenstellung ein wenig unter. Aber sehen Sie selber.

Nach Rom soll die Ausstellung, die von Francesca Cappelletti und Annick Lemoine kuratiert wurde,  ins Petit Palais nach Paris.

Sie ist noch bis 18. Januar 2015 zu sehen.

Villa Medici Garten Villa Medici in Rom

cb

 

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M.C. Escher im Chiostro del Bramante

escher plakat Ausstellungsplakat
 
Bericht über die Ausstellung auf KULTURA EXTRA
 
Zwischen Geometrie, op-Art  und Surrealismus – M.C. Escher (1898 – 1972) -
 
 
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Optische Täuschung, Spiegelkabinett, geometrische Ornamente

 

Appia Antica 043 Spiegelung in einem Überwachungsspiegel auf der Appia Antica

Fotos: Christa Blenk

Zwischen Geometrie, Op-Art, Spiegelkabinetten  und Surrealismus

Die Escher Sammlung MiCROTEC in Rom

« Are you really sure that a floor can’t be a ceiling? » (Sind sie wirklich sicher, dass ein Fußboden nicht auch Zimmerdecke sein kann? (Escher)

Optische Täuschungen,  umgedrehte Logik, peinlich-präzise mathematische oder geometrische Problemstellungen,  un-mögliche paradoxale Perspektiven, traum- oder alptraumähnliche  Landschaften oder Städtebilder,  floreale  Formen und Ornamente: das sind die Arbeiten,  Lithografien oder  Holzschnitte von M.C. Escher.

Ein Besuch dieser Ausstellung führt durch das Kino von Luis Bunuel, durch einen Kafka-Traum oder durch das deutsche expressionistische Kino, erinnert an die Kleinsche Flasche und an die Möbius-Schleife. Die Wachowskis haben sich für den Film Matrix von diesem Meister der Illusion Einfälle und Ideen ausgeliehen und die Popkultur hat ihn zum Idol erklärt. Ich nehme keine Drogen, sagte er einmal, meine Träume sind schon angsteinflößend genug. Geometrische und floreale Elemente finden bei ihm Einzug in den Surrealismus.  Escher hat sich der Natur anders genähert und viel mehr als alle anderen gesehen. Er hat hinter die Natur geblickt und Formen wahrgenommen oder interpretiert, die uns  irgendwie beunruhigen oder seltsam berühren.  Wir folgen ihm, wie er fasziniert von der fließenden Bewegung, dem perpetuum mobile und einer schwarz-weiß Schlichtheit dann plötzlich wieder an japanische Ästhetik oder Hokusei erinnert. Mit dieser orientalischen Kultur kam er über seinen Vater in Berührung. Seiner Liebe zur italienischen Landschaft hat er aber am meisten gefrönt.

Die Ausstellung  im verwinkelten Renaissance-Kreuzgang Chiostro del Bramante zeigt an die 150 Exponate dieses holländischen Grafikers und Holzstichkünstlers, die zum Großteil aus der Sammlung Giudiceandrea stammen. Darunter befinden sich  Hauptwerke  wie „Hand mit spiegelnder Glaskugel“. Dieses „selfie“ von ihm ist auch das Ausstellungsplakat.  Belvedere,  ein Renaissance-Pavillon der befremdet, da die Treppe im Inneren außen angelehnt scheint.  „Tag und Nacht ist eine negativ-Lithografie von schwarzen und weißen Vögel, die in die jeweils gegensätzliche Richtung fliegen. Auch zu sehen ist das Werk Relativität (1953), eine unendliche Penrose-Treppe: hier bewegt sich auf jeder Seite jemand auf der Stiege, die Stufen allerdings sind seitenverkehrt. Unmöglich für den Betrachter festzustellen, wo unten und oben ist.  Fliegende Fische, Küstenstädte und ein irrealer Petersdom etc.

Ein Großteil der Werke ist während seines Italien-Aufenthaltes entstanden. Er liebte diese Landschaft und hat sie mit seiner Blickweise, seinem  Ideenreichtum, seiner Logik oder Folgerichtigkeit interpretiert. Auch zu sehen ist eine Reproduktion des Transfomationsdruckes Metamorphosis.  Hier entwickelt sich das Wort Metamorphosis vom Rechteck zum Hexagon bis dieses irgendwann zu einer Vogelschar mutiert, die auf dem Weg zum Schachbrett noch Fische und Häuser darstellt (das ist die einfache Version). Das Original ist 58 Meter lang und Escher hat es für die Hauptpost in Den Haag gefertigt. Heute hängt es im Flughafen Schiphol. Zwischendurch darf das Publikum immer wieder mit schwarzen und weißen Streifen oder Quadraten optische Täuschungen enträtseln oder damit spielen (ich bin daran immer gescheitert)! oder wird aufgefordert, sich selber in einem runden Verkehrsüberwachungsspiegel, vor einer perspektivischen Täuschung oder im unendlichen  Spiegelkabinett zu fotografieren.

Der Sohn eines Wasserbauingenieurs Maurits Cornelis Escher (1898-1972) war ein schlechter Schüler und Mathematik lag ihm am allerwenigsten. Außerdem  ist zweimal sitzen geblieben und hat ein Architekturstudium nach einer Woche abgebrochen. Sein portugiesisch-stämmiger Lehrer Samuel Jessurun de Mesquita merkte jedoch bald, dass in ihm ein besonderes grafisches Talent und hohe Intelligenz steckte. Mit seiner Ausbildung, den seinen Landsmännern Bosch und Brueghel im Gepäck bereiste er auf dem Esel in den 20er Jahren Spanien und Italien,  heiratete eine Schweizerin und ließ sich in der Nähe von Rom nieder, wo er von 1922 – 1936 lebte und arbeitete. Italienische Landschaften und arabische Ornamente, die ihn in der Alhambra in Granada faszinierten und beschäftigten, prägten ihn besonders. Aus politischen Gründen ging er 1936 in die Schweiz, später nach Brüssel und zurück in die Niederlande. Schon bald erlangte er ziemlichen Ruhm und es interessierten sich sogar Mathematiker (und Esoteriker) für ihn. Escher der Grafiker, Zeichner und Buchillustrator schuf außerdem originelle Wandteppiche. In Nordeuropa ist er spätestens seit Hofstadter Buch GEB (Gödel, Escher und Bach) bekannt.

Kuratiert hat die Ausstellung Marco Bussagli in Zusammenarbeit mit  DART und Arthemisia Group sowie der Stiftung Escher. Die Leihgaben kommen fast ausschließlich aus der Sammlung Federico Giudiceandrea. Die Sammlung MiCROTEC gehört dem Südtiroler Geschäftsmann Federico Giudiceandera und befindet sich in Brixen. Sie ist übrigens die größte Escher-Sammlung weltweit.

Die einmalige Ausstellung dieses unabhängigen und unklassifizierbaren Grafikers und Künstlers ist noch bis zum 21. Februar 2015 im Chiostro del Bramante in Rom zu sehen.

Christa Blenk

 

 

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Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff

Ausstellungsplakat Architekt, Sammler und Zeichner

 

Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff in der Casa di Goethe

Auf dem Corso sind zur Zeit Zeichnungen aus der Sammlung von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736-1800) zu sehen. Dreimal insgesamt ist Erdmannsdorf in Rom gewesen und aus dieser Zeit stammen auch die meisten der ausgestellten Exponate. Einige Arbeiten sind von ihm selber, den Großteil allerdings hat er während seiner Aufenthalte erworben. Nach knapp 250 Jahren kehrten somit einige von den Zeichnungen oder Radierungen – für kurze Zeit -  wieder nach Rom zurück.

barocciP1180657Bei diesen Kostbarkeiten handelt es sich um Römische Veduten, Architekturprojekte, Hand- und Körperstudien, klassische Zeichnungen u.a. von Charles-Louis Clérisseau (1721-1820), Vincenzo Brenna (1741-1806?), Giuseppe Manocchi (1731-1782). Auch ausgestellt sind die zehn Handstudien von Federico Barocci (1535-1612), die Erdmannsdorff vom Bildhauer Cavaceppi kaufte, bei dem er ebenfalls Unterricht nahm.  Fundamental diese Aufenthalte in Rom für ihn und ausschlaggebend für seine Entscheidung, Architekt zu werden. Als solchen oder als Gartenanlagenkünstler hat von Erdmannsdorff seinen Platz in der Kunst/Architekturgeschichte; seine Zeichnungensammlung wird allerdings selten erwähnt.

Mit knapp 30 Jahren machte sich der Freiherr von Erdmannsdorff mit 11 Freunden in zwei Kutschen auf zu der standesgemäßen Bildungsreise. Die „ Grand Tour“ führte die Partie durch Deutschland dann weiter nach Österreich, Italien, Frankreich, England und Schottland mit dem Ziel, nicht nur die letzten Benimmregeln und Fechttechniken zu erlernen! Mit ihm reiste seine besondere Vorliebe für die stark von Palladio beeinflusste englische klassizistische Architektur, die ganz wild darauf war, von Rom beeinflusst zu werden. Eines seiner Vorbilder war der Schotte Adam. In den Monaten, die er in Rom und Umgebung verbrachte, suchte er den Kontakt zum einflussreichen Winckelmann  „Ich bin von Dessau, lieber Winckelmann und habe Ihres Beystands nöthig. » , traf den Baumeister und Kupferstecher Piranesi und lernte den Maler Hackert kennen, Zeichenunterricht erteilte ihm der französische Architekt und Maler Charles-Louis Clérisseau.

Erdmannsdorff zählt heute zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Frühklassizismus, kannte absolut keine Berührungsängste und saugte auf. Er lernte und notierte, exemplarisch wie Humboldt, Alles über Kunst, Politik, Philosophie und Naturwissenschaften, aber genauso faszinierten ihn politische und militärische Themen oder die Topografie einer Stadt. In Neapel traf er mit dem englischen Gesandten Hamilton zusammen, um sich über seine neuesten vulkanologischen Untersuchungen auf dem Laufenden zu halten. Winckelmann und seine römische Entourage verehrte die Antike und die hier ausgestellten Zeichnungen bestätigen und manifertieren den Wunsch, sie in der Moderne einzufangen oder wieder aufleben zu lassen. In der Ausstellung sind aber nicht nur Zeichnungen aus der Rom-Zeit, mir ist auch eine sehr schöne Zeichnung von Pietro da Cortona aufgefallen.

Vollgepackt mit Gelerntem, Ideen und Eindrücken kehrte von Erdmannsdorff nach Hause zurück wo er sich schnell zum Gründer der neoklassizistischen Architektur in Deutschland entwickelte. Sein wichtigstes Bauwerk  im sog. Anglo-Palladianismus, das Schloss Dessau-Wörlitz, entstand um 1770 und besticht mit klassischen Zitaten und englischer Gartenarchitektur und ist seit ein paar Jahren zum UNESCO Welterbestätte erklärt worden.

Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff ist 1736 als Sohn eines kursächsischen Beamten geboren worden. In Dresden besuchte er die sog. Ritterakademie und ging 1757 als Student nach Wittenberg wo er Franz von Anhalt-Dessau kennen lernte.

Er wurde Mitglied im Bund der Freimaurer und ist schon 1759 in die Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen in Leipzig aufgenommen worden.

Seine Architekturprojekte waren begleitet und hinterlegt von Essays und Schriften über Kunst und Architektur. Die Landschaft wollte er verschönern oder dem damaligen Schönheitsideal näher bringen aber seine Gärten sollten auch – ganz im Geiste der Aufklärungsimpulse – für alle zugänglich sein. „Jeglichen Beifall errang, wer Nützliches mischt mit dem Schönen“, schrieb der römische Dichter Horaz  - und das war ihm wichtig.

Nach dem Tod Friedrich des Großen 1786 holte ihn Friedrich Wilhelm II umgehend nach Preußen, wo er sich allerdings nicht sehr wohl fühlte. Zu kalt, zu oberflächlich, zu falsch fand er das Leben dort. Als Ehrenmitglied der Königlichen Akademie der Künste und mechanischen Wissenschaften gestaltete er die Gemächer des verstorbenen Königs im Sanssouci Schloss ganz im Stil der Klassik. 1790 kehrte er nach Italien zurück und lernte dieses Mal auch Angelika Kauffmann kennen sowie den Bildhauer Canova. Wieder zurück übernahm er die Leitung der Chalkografischen Gesellschaft in Dessau, wo er 1800 auch starb.

Kuratiert wurde diese Ausstellung von Karen Buttler. Sie ist noch bis 16. November in den schönen und andächtigen Räumen der Casa Goethe zu sehen. Anschließend wandert sie weiter in die Bauhaus-Stadt Dessau und wird dort in der Anhaltischen Gemäldegalerie zu sehen sein.

Christa Blenk

P1180666 Casa di Goethe – von diesem Fenster aus sah Goethe auf den Corso; Tischbein hat ihn so auch einmal gezeichnet;  daneben ein Werk von Via Lewandowski aus der vorherigen Ausstellung.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Romaeuropa Festival 2014: Letizia Renzini

Loggia Loggia und Aufführungsort (teilweise) – Villa Medici Rom

 

Il ballo delle Ingrate oder Der Tanz der spröden Damen    – für KULTURA EXTRA

Mit einer Barock-Theater-Video-Oper-Skype-Show eröffnete Letizia Renzini das diesjährige Festival Romaeuropa.

Gebrauchsanleitung-balloingrate 
Gebrauchsanleitung und Programm des Abends

Il Ballo delle Ingrate (Der Tanz der spröden Damen) ist eine Oper von Claudio Monteverdi, die Claudio il Divino 1608 anlässlich der Hochzeit von Francesco Gonzaga, dem Sohn seines Auftraggebers in Mantua komponierte. Letizia Renzini und ihre Truppe inszenierten diese Barockoper auf eine sehr eigenwillige Weise und brachten viel Bewegung in den Ablauf: im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der von den Künstlern eigens angefertigten Skizze, die wir anstatt eines Programms ausgehändigt bekamen, waren u.a. die Aktionspunkte vermerkt.

Wir mussten alle unten an der schönen Treppe warten, bis uns eine antik-gekleidete Dame nach oben zur Loggia brachte. Dort wurden wir  mit Schellen, Pauken und Trompeten (und Ohrschutz für die Ausruferinnen) empfangen, die vielleicht die Hochzeit angekündigten; oder war es die Aufforderung von Pluto, der an der Decke hing und grölte, an die schon verblichenen und spröden, in seine Unterwelt verbannten Damen, sich doch nochmal schnell nach oben zu wagen, um sich nach einem Mann umzusehen? Eine Stimme gab zwischendurch gute Ratschläge, wie man es als Frau nicht machen soll, wenn man einen Mann haben und auf der Erde bleiben möchte. Sitzplätze gab es keine. Kurz darauf wurden wir in den Hauptsaal geleitet und durften uns um das Geschehen platzieren. Hier lagen ca. 50 Kissen verstreut am Boden, aber es wahrend sicher doppelt so viele Zuschauer.

Jetzt verstanden wir auch, warum die Cafeteria geschlossen war. Ganz à la Giorgio Battistelli, wurde direkt neben uns massenhaft,  sehr laut und leidenschaftlich Geschirr zerschmettert.  Das war natürlich das notwendige Klappern zu Ehren der Storchengöttin für Liebe und Kindersegen zu sorgen,  hatte aber auch etwas von  einem Polterabend (dieser ist sicher auch aus diesem Grunde entstanden!). Wir waren, stehend, sehr glücklich positioniert  und konnten mit dem rechten Auge im Nebenraum live die Geschirr-werfenden Damen erleben und mit dem Linken das auf eine transparente Leinwand projizierte Video verfolgen. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, spielten hinter der Leinwand zwei Musiker auf alten Instrumenten Monteverdis zauberhafte Musik bis schließlich Venus erschien Venus und zu singen anfing. Herzzerreißend ihre Arie, während sie wie bei einem gigantischen Tetris-Spiel ganz langsam eingemauert wurde, was das Publikum wieder über eine große Leinwand mit verfolgen konnte.  Diese Szene war umwerfend und wir vergaßen, dass wir stehen mussten und es ziemlich stickig im Raum war. Plötzlich sagte eine Stimme auf Französisch, dass das 19. Jahrhundert vorbei wäre  und wir hörten den Skype-Ton, der das Singen über den PC einleitete. Die Musiker wechselten in unsere Richtung und es wurde zeitgenössischer. Venus, die ebenfalls hinter uns auf  eine Leiter stieg, bleib bei ihren Monteverdi-Lamenti, und gab ihre Ratschläge nun von oben herab. Drei weißgekleidete junge Frauen zogen zeitgleich unsere Aufmerksamkeit auf sich, als sie hinter dem transparenten Vorhang zu tanzen anfingen:  eine von ihnen ist kurz vorher tanzend aus dem Kamin gestiegen. Die eingemauerte Sängerin auf der Leinwand wurde in der Folge von Buchstabenreihen abgelöst, die sich zu Sätzen wie „Cupid is no longer blind, non longer young…“ formten.

Nach diesem information overflow  durften wir wieder an die frische Luft auf die Loggia, auf der uns schon Amor erwartete, der mühsam zuerst sich und dann seinen Bogen hochzuheben versuchte. Dark Vader Schwerte leuchteten ihm dabei. Wie vorherzusehen, gelang es ihm aber nicht, also legte er hoffnungslos den Bogen wieder auf die Erde und verschwand traurig und niedergeschlagen im Garten.

Rasender, verdienter Applaus. Einfallsreich, witzig und originell.

Die Idee dazu war von Letizia Renzini. Sabina Meyer übernahm die musikalische Leitung und auch die Sopranrolle. Die Choreografie hat Marina Giovannini entwickelt, die Kamintänzerin.  Valentina  Nicolai spielte die Viola da Gamba und Andreas Arendt die Theorbe. Die zwei anderen Tänzerinnen waren Vanessa Geniali und Lisa Pazzagli.

Es wurde leider nur dreimal (zweimal am Donnerstag und einmal am Freitag) aufgeführt, sonst würden wir heute Abend nochmals hingehen.

Christa Blenk

 

P1180633 Während vor der Villa Medici gigantisch die Sonne unterging, fand innen ein gigantisches Spektakel statt

 

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August Sander und Helmar Lerski in der Villa Massimo

August Sander und Helmar Lerski in Rom

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Copyright ©VillaMassimo/FotoAlberto Novelli

 

« Seit ich vor zwölf Jahren die Leitung der Villa Massimo in Rom übernommen habe, geistert der Wunsch, August Sander hierher zu holen, durch meinen Kopf ». Mit diesen Worten begrüsste der Leiter der Villa Massimo, Joachim Blüher, seine Gäste am Eröffnungsabend der Ausstellung. Sander kommt aus Köln, wie er selber auch, worauf er sehr stolz sei, führte er fort.  Nun ist es soweit. Zusammen mit der Kuratorin Ute Eskildsen hat die Villa Massimo diese Ausstellung auf die Beine gestellt. August Sander mit Helmar Lerski zusammen zu bringen, ist eine geniale Idee, denn unterschiedlicher könnte man die Zeit zwischen den Kriegen nicht darstellen.

 

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Copyright ©VillaMassimo/FotoAlberto Novelli

 

Dadurch, dass ich sowohl die einzelnen Schichten wie auch deren Umgebung durch absolute Photographien festlegte, hoffe ich eine wahre Psychologie unserer Zeit und unseres Volkes zu geben, schrieb Sander 1925 in einem  Brief an einen Verleger um sein Projekt bestehend aus 45 Mappen zu je 12 Fotografien: Menschen des 20. Jahrhunderts vorzustellen (Quelle Ausstellungskatalog).

Sander schuf mit dieser Bestandsaufnahme der damals existierenden Berufsstände ein Portrait der Gesellschaft das – zusammen mit der Philosophie der Neuen Sachlichkeit – die Sicht auf die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts definitiv und langfristig prägte!

 

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Copyright ©VillaMassimo/FotoAlberto Novelli

 

Lerski näherte sich auf eine ganz persönliche und manieristische Weise den Menschen bzw. deren Gesichtern. Seine Fotografien stehen ganz im Zeichen des Expressionismus  und von Stumm- oder Tonfilmproduktionen wie  Das Kabinett der Dr. Caligari, der Golem, oder  Nosferatu. Seine  Nahaufnahmen sind beunruhigend und nicht bequem. In drei Räumen sind die Fotos ausgestellt und die Kuratorin hat Lerski in die Mitte genommen. So fällt man von Sanders harter und einfacher aber klar-geregelter Welt in die expressionistische Ungewissheit von Lerski, um dann wieder im dritten Saal zur Ruhe zu kommen.

Sanders Modelle kannten ihren Platz in der Gesellschaft und wussten wo sie hingehörten.  Da ist  der stolze rundliche Bäckermeister, die Dorfmusiker, die Burschen auf dem Weg zum Tanz mit einem hoffnungsvollen Blick vielleicht die Richtige zu finden, die  rauchenden Vamp-Ehefrau vom Maler Peter Abelen (diese provozierende Frau hat Sander 1928 fotografiert), dann der Bauer Schu aus Neitersen, die Bäuerin Frau Enders, und  ein frühes Foto aus 1912, das eine Serviererin mit kniefreiem Rock zeigt. Aber es gibt auch den eleganten  Bankdirektor mit sauberen Händen und übergeschlagenen Beinen im bequemen Sessel oder eine knallharte Maklerin mit langem Mantel sowie die Stenotypistin hinter ihrem Schreibtisch.  Herrliche Zeitdokumente und geniale Momente, die man lange betrachten kann, bis man zu jedem Klischee die richtige Geschichte gefunden hat. In Sanders Foto-Serie sind die  Dramen des Ersten Weltkrieges ausgeklammert. So als ob die Zeit für immer stehen geblieben wäre.

In den aufgewühlten und bewegten Jahren zwischen den beiden Kriegen wirkten seine Fotos allerdings anachronistisch und altmodisch. Die Welt des Kubismus, Dada und des Expressionismus verlangte auch eine neue Foto-Ästhetik, der Lerski sehr viel näher kam. Nichtsdestoweniger landete Sander in den 40er Jahren in der entarteten Künstlerecke.

Helmar Lerskis Arbeiten wurden noch nie in Italien gezeigt und kommen auch sonst wenig an die Öffentlichkeit, informierte uns die Kuratorin. Gezeigt werden an die 20 Fotografien aus einer Reihe, die Lerski 1936 in Tel Avis von dem  Bauzeichner Leo Uschatz gemacht hat.  « Verwandlungen durch das Licht » heißt die Serie, die 175 Fotografien umfasst. Lerski ließ an unterschiedlichen Stellen auf dem Dach Spiegel anbringen. Der Effekt des sich darin brechenden und verrückt spielenden Sonnenlichtes veränderte permanent die Mimik und den Charakter des Modells.  Sander hingegen machte seine Aufnahmen bei normalem Licht und ohne „Tricks“, obwohl er später auch viel im Atelier arbeitete. Die Fotos von Lerski wirken deshalb vielleicht künstlerischer und der Zeit angepasster und erinnern teilweise sogar an Bronzeskulpturen. Lerski war fasziniert von der möglichen Metamorphose der Personen; Sander Fotografien hingegen erzählten  das aktuelle Leben ohne Schnörkel oder prätentiösen Barock.   Ob Lerski  auf der Suche nach einem neuen Schönheitsideal war oder das Hässliche hervorheben wollte, bleibt dem Betrachter überlassen. Hier spielte natürlich  das Jahr 1936, das Jahr der Olympiade in Berlin mit seiner besonderen – politischen – Ästhetik eine Rolle.

Lerski (1871-1956) - das ist nicht sein richtiger Name - wurde als Sohn eines polnisch-jüdischen  Auswandererehepaars 1781 in Straßburg geboren.  Als Schweizer Staatsbürger ging er  1893 in die USA und trat als Helmar Lerski verschiedenen Schauspielbühnen bei, bis er sich 1910 sein erstes Fotoatelier in Milwaukee einrichtete und relativ schnell viel Erfolg als Porträtfotograf hatte. Die letzten Jahre vor seiner Rückkehr 1915 nach Deutschland, hatte er eine Anstellung als Gastdozent in Austin/Texas. In Berlin  versuchte er sich als  Kameramann und kam mit  Fritz Lang in Berührung. Das sieht man: seine Fotos ähneln Filmauszügen. Als 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, ging er endgültig nach Tel Aviv. Erst 1948 kehrte er wieder nach Zurück zurück wo er 1956 verstarb.

Der Sohn eines  Bergbauzimmermanns August Sander (1876-1964) ging als junger Soldat nach Trier, landete bei einem Fotografen und machte sich  um die Jahrhundertwende auf zu einer zweijähren Lehrwanderschaft, die ihn u.a. auch nach Berlin und Dresden brachte. 1904 eröffnete er ein Atelier in Linz, ging aber 1910 nach Köln zurück, wo er 1964 auch starb.

Diese Ausstellung soll der Beginn einer Serie von Ausstellungen über deutsche Fotografie in der Villa Massimo werden. Sie ist noch bis zum 7. November zu sehen.

Christa Blenk

mehr : http://www.villamassimo.de/it/attualita

 

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Protégé : Borromini Highlights in Rom – Rom-Spaziergänge

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Licht und Power_Game1 – Aufführung des CRM

Und immer lockt das Weib!

Artikel für KULTURA EXTRA

Elektronische Musik trifft auf zeitgenössische Choreografie 

 musikskulptur-crm CRM Musikinstallation

Das Centro Ricerche Musicale (Musikentwicklungszentrum – CRM) ließ das Sommerprogramm am 17.9. (und 18.9.) mit einem sehr außergewöhnlichen und spannenden Musik-Happening ausklingen. Eine ganze frische Kooperation (2014 entstanden) zwischen dem italienischen CRM (Musikentwicklungszentrum) und der Tanzkompanie Excursus unter Leitung von Ricky Bonavita.

Es darf sich einer nur für frei erklären, so fühlt er sich den Augenblick als bedingt. Wagt er es, sich für bedingt zu erklären, so fühlt er sich frei. Oder:„Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.“ (aus Goethes Wahlverwandtschaften Teil 2, Kap. 5) – das Motto des Abends.

Power_game 1 ist viel mehr als nur ein Dialog zwischen Körper, Körpersprache und Bewegung. Es ist ein akrobatischer und überirdischer Hexentanz, der Himmel und Hölle und Macht und Ohnmacht behandelt. Immer wieder sind Parallelen zu Stockhausens „Licht“ festzustellen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Huldigung der Macht und die dazu gehörenden Kniebeugen, symbolische Kämpfe und Mann-Frau-Mann Konflikte sowie die Auseinandersetzung damit bis hin zu Reue und Versöhnung und zur einsamen Meditation. Ricky Bonavita hat selber die Rolle von Ironie und Dramatik, vielleicht die des Luzifers, getanzt und sich dazu ein bös-zynisches Gesicht gemalt.

Vier Tänzer in zum Teil abgerissenen oder zerrissenen Straßenkleidern stürmen nacheinander auf die Bühne und beschnuppern sich – es ist ein Abtasten der Dominanzmöglichkeiten. In einem Hin- und Her versuchen sie sich kennen zu lernen. Bis plötzlich zwei Frauen auftauchen (vielleicht Charlotte und Ottilie), verführerisch, abweisend, schön, aus einer anderen Welt, stehen sie im krassen Gegensatz zu den herunter gekommenen Männern, die sie verachten und verstoßen und von denen sie sich dann wieder umgarnen lassen, um gleich darauf wieder auseinander zu gehen und sich dem Nächsten anbieten. Zum Schluss ist nicht mehr ganz klar, wer über wen Macht ausübt und wer wen verführen will oder kann. So geht das Spiel ca 40 harte Minuten lang – auch für uns faszinierte Zuschauer war es anstrengend, die Musik fordert viel und lässt einen immer wieder von Neuem die Geschichte erfinden. Irgendwann haucht sie aus bis nur noch das gewollte Knistern der Lautsprecher übrig ist und die Tänzer nacheinander und allein die Bühne verlassen. Eine bemerkenswerte Darbietung. Michelangelo Lupone hat eigenhändig seine Musik von der ersten Reihe aus geregelt und kontrolliert, was der Aufführung eine ganz persönliche Note gab.

crmpercussionVorbereitet darauf wurden wir durch « sound scenes » aus Stockhausens Licht-Zyklus (Freitag).Vibra Elufa, Perkussions-Zyklus und Tierkreis. Jonathan Faralli stand in einem Gefängnis aus Schlagzeugen, Vibraphonen und sonstigen Gegenständen, auf die man schlagen kann. Und über dieses Instrumenten-Lärm-Gefängnis war eine Art dicker Lüftungsschlauch drapiert (vielleicht eine Anspielung an das unendlich-Zeichen von „arte-e-scienca – segnoinfinito“), das auch zum Einsatz kam. Der Florentiner Faralli ist ein Meister, der sonst mit Berio oder Cage arbeitet, er war bis zum Äußersten gespannt, dynamisch, überlegen und ruhig – kurz: großartig. Das Eva-Versuchungs-Epos aus Freitag (wohlweislich an einem Mittwoch aufgeführt, um den Verfechtern des unglückbringenden Freitag gerecht zu werden) war die perfekte Einleitung zu power_game 1. Stefano Pirandello hat das Lichtdesign entworfen und die einzelnen Stücke abwechselnd in grünes, rotes, blaues oder gelbes Licht getaucht. Um etwas Passenderes zu finden, müsste man sicher lange suchen.

Zuerst fanden wir es schade, dass wir nicht mehr von der Freitags-Geschichte hören durften; das Elektromusik-Balletstück hat uns dann aber komplett entschädigt.

Karlheinz Stockhausen (1928-2007) hat fast 30 Jahre an „Licht“ gearbeitet. Die Aufführungspraxis in Deutschland oder in der Welt wird dem nicht gerecht. Es gibt Aufführungen von einzelnen Tagen wie Samstag in München vor nicht all zu langer Zeit oder Freitag in Leipzig 1996 (damals hat die Presse geschrieben, dass sich die Opernhäuser von Licht distanzierten – viel hat sich ja wohl nicht geändert). Köln hat sich vor zwei Jahren an den Sonntag gewagt. Ich weiß nicht, ob es schon mal irgendwo komplett aufgeführt wurde.

Der italienische Komponist Michelangelo Lupone (*1953) entwickelt elektronische Musik, die fast immer mit Kunst-Installationen kombiniert wird, so hat er z.B. mit Pistoletto, Uecker oder Paladino und vor kurzem mit Livia Galizia Projekte entwickelt (letzteres wurde im Frühjahr im MACRO ausgestellt). Außerdem kooperiert er mit verschiedenen Balletgruppen wie mit dem Tanzhaus in Düsseldorf. 1988 hat er mit der Komponistin Laura Bianchini, die auch diese Aufführungen koordinierte, das Musikentwicklungszentrum, CRM gegründet. Er ist z.Zt. der künstlerische Leiter der Abteilung für Musik und neue Technologien der Santa Cecilia.

Die Tänzer Enrica Felici, Francesca Schipani, Valerio De Vita, Yari Molinari, Emiliano Perazzini und wie gesagt der Chef der Gruppe, Ricky Bonavita waren sehr überzeugend, mit Kraft, leidenschaftlichem Können und kalter Anmut sind sie dieser ansprechenden Choreografie gerecht geworden. Ricky Bonavita hat mit den Großen der Balletwelt wie Martha Graham getanzt und gearbeitet und 1988 angefangen, sich auch mit Choreografie zu befassen bis er dann 1994 mit Theodor Rawyler seine eigene Gruppe Excursus gründete.

Wir sind schon sehr auf die heutige Produktion (eine Hommage an Jiri Kylián) gespannt, die ebenfalls wieder aus Tanz und neuen Kompositionen des CRM bestehen soll. Mehr wurde aber nicht verraten. Bedauernswert allerdings, dass nur ca 90 Personen diesen kleinen highlights der zeitgenössischen Musikszene folgen können, aber mehr Zuhörer passen nicht in das Teatro Ruskaja, das seinen Sitz in der Nationalen Tanzakademie auf dem Aventin hat.

Ein bemerkenswerter Abend!

Christa Blenk

http://www.crm-music.it/

 

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Aus der Serie Rom-Spaziergänge: Bernini

Borghese 016

 

Auf den Spuren des Erfinders des barocken Roms: Gianolorenzo Bernini

 

Gianlorenzo Bernini ist in ein Rom hineingeboren worden, das – vor allem durch die Päpste – wieder die alte Macht, die durch die Reformation gelitten hat, herzustellen versuchte. Er hatte einen nicht geringen Anteil daran …….

mehr: Berninis barocke Rom

 

 

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Marcello Morandini

P1180376 Marcello Morandini

Keine Kompromisse: die schwarz-weiße Welt von Marcello Morandini

Haifischzähne, Kaffeekanne oder Wolkenkratzer! Plastik, Acryl und Holz versus Strenge, Vertrauen, Dynamik und Nachhaltigkeit.

Die GNAM (Galleria Nazionale d’Arte Moderna) füllte das Sommerloch mit einer Ausstellung über Marcello Morandini. Das Leben des 1940 in Mantua geborenen italienischen Designer und Architekten  besteht aus schwarz-weißer Geometrie: Streifen, Kreise, Linien, op-art. Kunst studierte er in Varese und arbeitete anschließend als Designer und Grafiker in einem Werbebüro in Mailand.

P1180370Beeinflusst von der Op-art Ikone Victor Vasarely (1906-1997)  und von den russischen Konstruktivisten, die Anfang des 20. Jahrhunderts alle ursprünglichen und über Jahrhunderte gewachsene Formen und Bilder sowie die geschriebene Kunstgeschichte ablehnten, schloß er sich der neo- konstruktivistischen Stilrichtung an und schaffte ab 1964 die ersten dreidimensionalen Strukturen. Später fand Morandini über das Industrie-Design einen persönlichen fast ausschließlich schwarz-weißen Weg. Diese Mischung zwischen Op-art  und Konstruktivismus – zwischen statisch und in Bewegung sein, ist sehr attraktiv und begeisternd. Alles ist klar und man betrachtet beruhigt die Gegenstände oder Skulpturen, geht um sie herum, bis sie im nuancenreichen Licht und in der Bewegung dann Farbe wechseln und trotzdem schwarz-weiß bleiben. Geometrische Strukturen werden bewegt und miteinander in Verbindung gebracht bis uns unser Gehirn eine andere Form vor spielgelt.

Die einzigen Farbklekse in seinen Kreationen hat er dem Rosenthal Kaffee-Geschirr gegönnt. Seine s/w-Konsequenz ist erstaunlich (und streckt sich auch auf seine Kleidung aus).

1968 nahm er zum ersten Mal an der Biennale in Venedig teil. Eine Ausstellung 1972 in Hannover führte zu einer intensiven Zusammenarbeit mit der Firma Rosenthal in Selb und zur Teilnahme an der Documenta 6. Seit den 80er Jahren arbeitet er mit verschiedenen Architekturbüros zusammen und befasste sich mehr mit Raumplanung und Städtebau. Eine wichtige Retrospektive über Kunst und Design 1993 in München machte ihn dann endgültig auch in Deutschland bekannt. Ende der 90er Jahre unterrichtete er Kunst und Design an der Sommerakademie in Salzburg und in Plauen, später in Lausanne. Seine Arbeiten zieren Plätze in verschiedenen Städten in ganz Europa. Heute lebt und arbeitet er hauptsächlich in Varese.

Morandini gehört zu den wichtigsten Vertretern in Italien der neo-konstruktivistischen Kunst in Verbindung mit Design und Architektur.

Seit Ende der 70er Jahre arbeitet er für Rosenthal und hat für sie einige sehr erfolgreiche limitierte Serien, Skulpturen und Vasen entwickelt, u.a. das Schachspiel „Morandini“, das es 99 mal gibt, aber auch  raumgestaltende Objekte wie  Möbel und den bekannten Paravent. In Deutschland betrachtet man ihn ohne Zweifel als Nachreiter des Bauhaus’, Das ist vielleicht auch der Grund, warum er gerade bei uns so beliebt ist.

P1180375Die Ausstellung in Rom zeigt Exponate aus all seinen Schaffensperioden sowie realisierte und nicht-realisierte Architekturprojekte und Aktionsgeometrie. Darunter ist z.B. ein Projekt, den Petersplatz in schwarz-weiß auszulegen.

Die Ausstellung geht noch bis Ende September.

Christa Blenk

 

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Weißes Gold aus dem Atlantik

P1170951 SalinenimHerbst
Saline im Sommer und im Herbst

 

Dieser Sommer war und ist für die Salzherstellung sehr schwer, zu viel Regen und zu wenig Sonne. Deshalb vermissen wir auch die kleinen weißen Salzhäufchen neben den Erntebecken, die normalerweise das Landschaftsbild prägen und von weiten wie kleine Schneehaufen aussehen. Dann, in dem kleinen Ort l’Epine, tauchen sie aber doch noch vor uns auf und wir halten an. William, der Besitzer, spricht über die Salzgewinnung und  die Abhängigkeit vom Wetter, wie sich das Wasser immer zwei Wochen vor Vollmond in den Becken sammelt (man muss bedenken, dass das ganze Marais Poldergebiet ist). Die Becken und die Wasserkanäle sind mit dem kargen Lehmboden, der dort überall zu finden ist, hergestellt. Der Wind und die Sonne sorgen normalerweise dafür, dass das  Wasser verdunstet und die Salzkonzentration steigt bis das Salz kristallisiert. Das Fleur de Sel (die Blume) treibt an der Oberfläche und wird mit einem extra Werkzeug abgeschöpft. Die Werkzeuge und Karren werden immer noch aus Holz wie eh und je gefertigt …..

Zwischen Guérande und Noirmoutier auf der Salzstrasse

 

salz 

Christa Blenk

 

 

Cavalleria Rusticana

cavalleria2 Zum dritten Mal findet zur Zeit in Albano das „Anfiteatro Festival“ statt. Gestern Abend wurde Mascagnis Cavalleria Rusticana aufgeführt. Diese Verismus Oper würde man heute eine „soap opera“ nennen, auch wenn sie nur eine knappe Stunde dauert. Aber man weiß, dass wir nur eine Szene zu sehen bekommen aus dieser leidenschaftlichen Sizilianischen Bauernehre Geschichte. Sie erzählt die nie sterbende Posse von Ehre und Stolz, Vertrauen und Verrat, flammender Liebe und glühendem Hass, bohrendem Neid und galliger Missgunst und zu viel Wein und das alles eingebettet in religiös-rituell-pagane südländische Ostersonntags-Tragik.

Das Libretto erinnert an Garcia Lorca Tragödien und Ford Coppolas Sizilien Epos und stammt vom naturalistischen Dichter Giovanni Vega, basierend auf einer der Sizilianischen Novellen. 1890 wurde das Werk in Rom uraufgeführt.

Abstecher in das Sizilien des 19. Jahrhunderts. Die Frauen sind alle schwarz aber sonntäglich gekleidet und tragen ein Tuch oder einen Umhang mit Spitzen, bis auf Lola, sie darf kokett in Rot singend auf die Bühne kommen, passend zu Turiddus rotem kecken Halstüchlein. Auf der Bühne ist mit Pappe sehr gelungen ein sizilianisches Dorf nachgebaut. Mit Barockkirche und mittelalterlichen Häusern, einem Marktplatz auf dem ein großes Kreuz mit einem weißen Tuch (wie auf einer flämischen Kreuzabnahme) befindet. Links auf der Bühne Mamma Lucias Haus mit einem Tisch davor, auf dem Weinflaschen und Gläser stehen. Santuzza läuft leidend auf die Bühne und fragt sorgenvoll Mamma Lucia nach Turiddu. Sie vermutet, dass ihr Liebster nach seiner Rückkehr vom Militärdienst sich wieder von leichtfertigen Lola, mit der er früher mal zusammen war, hat verführen lassen. Lola allerdings ist nun mit Alfio verheiratet, der als fliegender Händler durch die Gegend zieht. Alfio kommt von seiner Tour zurück und erzählt, wie schön sein Leben auf der Straße und mit seiner treuen Frau ist. Alle, außer Santuzza, die exkommuniziert ist, gehen sie in die Kirche zur Ostermesse. Als letzte tänzelt Lola singend auf den Platz und dann hinein in Allerheiligste. Turiddu hinter hier her aber Santuzza hält ihn auf, um ihn zur Rede zu stellen. Er wirft sie zu Boden und aus Rache über die verschmähte Liebe erzählt sie alles Alfio. Das Drama nimmt seinen Lauf und nach dem lustigen Liedchen von Alfio wird es nun dramatisch, unterbrochen nur noch einmal von einem friedlichen Ostersonntag intermezzo sinfonico und dem sehr gelungen Trinklied, bei dem dann aber alles eskaliert. Turiddo lädt die Kirchgänger nach der Messe zum Umtrunk, aber Alfio lehnt den Becher ab und fordert ihn heraus. Herzzerreißende Abschiedsszene von Turiddu mit seiner Mutter, in der er sie anfleht, Santuzza – sollte er nicht zurückkommen – wie eine Tochter zu behandeln. Und dann hört man nur noch „Sie haben Gevatter Turiddu umgebracht!.

cavalleria1 Musikalisch ging es gerade noch so. Das Orchester hat nicht gemeinsam angefangen und die Lautsprecher waren viel zu stark eingestellt, was einen Eindruck von Harfenplayback vermittelte. Irgendwann ist es dann ein wenig unter Kontrolle geraten und im Lauf der Vorstellung sind sie alle sehr viel besser geworden. Der Chor, der wunderbar, wichtige und schwierige Partien hat, war manchmal ziemlich gut, aber ein oder zwei Proben mehr hätten geholfen. Santuzza, (Paola Di Gregorio) hat sich gut geschlagen. Sie muss den Hauptteil leisten und es war dann ab 22.00 Uhr sehr frisch und sehr feucht. Turiddu war Gianluca Zampieri, Mamma Lucia Stefania Scolastici. Alfio Stefano Meo und Lola Monica Cucca. Korrekt waren sie alle. Mamma Lucia hat mir gefallen, sie hatte etwas herbes, abweisendes in der Stimme – perfekt für die Rolle. Den Chor leitete Renzo Reni, der auch das Festival mitorganisiert. Am Pult vor dem Orchestra Sinfonica Europa Musica stand Stefano Seghedoni.

Maurizio Marchini hat Regie geführt. Das Bühnenbild war genau so, wie es diese Oper braucht und wie es das Publikum mochte!

Pierro Mascagni wurde 1863 in Livorno geboren und starb 1945 in Rom. Er war einer der Hauptvertreter des Verismo. Obwohl er noch mehrere Opern geschrieben hat, wird eigentlich meistens nur die Cavalleria aufgeführt und die auch nicht sehr oft. Sein lebenslanger Neid auf Puccini plagte ihn enorm, obwohl er von der Cavalleria sehr gut leben konnte.

Das Amphitheater Albano stammt aus dem Jahre 202 n.C. – aber abgesehen von ein paar Seitenmauern (allerdings sehr beeindruckende) ist nicht mehr viel davon übrig. Nur die Form erinnert noch an ein Theater.

Ein gelungener Bauernabend – obwohl sich die Zuhörer fast wie bei einem Picknick benahmen, kamen und gingen wann es ihnen passte und ständig sehr laut redeten – allemal.

Wir kommen wieder.

ruinestromboli Sizilianisches Dorf

Christa Blenk

 

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Wie sich von der Kunst befreien – Ausstellung in der Villa Medici

Villa Medici Garten Garten Villa Medici

Wie sich von der Kunst befreien oder Sommer in Rom - Bericht für KULTURA EXTRA

Ausstellung in der Villa Medici – im Sommer

Während sich die Römer den 15. August (Fer agosto) herbeisehnen und ihn erwarten wie die Kinder den Weihnachtsmann, wird die glühende und dampfende Stadt immer leerer. Es bleiben dann nur noch die schwitzenden und apathisch vor sich hin stierenden Touristenströme und die Taschendiebe. Restaurants schließen und sogar einige Eisdielen. Dafür gibt es überall Parkplätze und niemanden der kontrolliert.

Wir machen uns auf zur Villa Medici und erfahren beim Ticket lösen, dass die bequeme und stilvolle Cafetería mit Blick auf die Stadt geschlossen hat, gehen aber trotzdem in die Ausstellung.

Eine Kollektivausstellung riecht ja immer ein wenig nach einem Kompromiss. Wenn man nichts anzubieten hat, dann sucht  man halt ein paar Künstler zusammen und erfindet  einen Titel. « La pittura o come sbarazzarsene » (Die Malerei oder wie sich von ihr befreien bzw. sie auszumisten). Interessante Annäherung. Der Franzose Martin Barré (*1924), die Amerikanerin Marica Hafif (*1929), der Italiener Fabio Mauri (*1926-2009) und der Schweizer Olivier Mosset (*1944) haben gemeinsam einige Werke hier ausgestellt. Ihr Berührungspunkt ist ein längerer Rom-Aufenthalt  (bei diesem Kriterium hätte man natürlich noch viel mehr Künstler ins Boot holen können). Aber die Vier passen dann doch sehr gut zusammen, mehr oder weniger sind sie alle konzeptionell-konstruktivistische Minimal-Künstler.

Olivier Mosset-WingangshalleDer jüngste unter ihnen, Olivier Mosset, gehört auch zu den späteren monochrom-Künstlern wie Gotthard Graubner. 1965 ging er nach Paris und lernte Daniel Buren kennen. Seine Arbeiten in den Jahren von 1966 – 1974 reduzieren sich auf  Kreise – meistens schwarz auf weißem Hintergrund. 1967  sollte er zusammen mit Buren, Parmentier und Toroni, im   »Salon der jungen Malerei » in Paris ausstellen. Um  allerdings den Akt der Kreation zu trivialisieren, entfernten  sie nach dem Aufbau umgehend ihre Exponate wieder und brachten  dafür die  Banderole « Buren, Mosset, Parmentier und Toroni stellen hier nicht aus »  an (die hier ausgestellte Banderole ist eine Replik).

Marcia Hafif hat von 1961 – 1969 in Rom gelebt und hier ihre « Italienischen Bilder » erfunden. Sie schwebt zwischen  Poliakoff und  Louise Bourgeois hin und her, aber weniger originell. Ihre Bilder wirken irgendwie abgemalt oder haben mich wenigstens nicht angesprochen.

Martin Barré ist der Informalist. Ich habe bei seinen Bildern an Lucio Fontana gedacht aber auch an die US Künstler in den 60er Jahren wie Frank Stella. Vielleicht muss man mehr von ihm sehen, um ihn besser beurteilen zu können aber seine Werke sind durchaus ansprechend.

Fabri Mauri war auch  als Schriftsteller und Dramaturg tätig und gehörte vor allem zur italienischen (römischen) Avantgarde der 60er und 70er Jahre. Er ist der Star unter den vier Anwesenden. Fünfmal  Biennale di Venezia -Teilnehmer, das letzte Mal 2003 und international bekannter als die anderen (außer Mosset). Mit Umberto Eco und Edoardo Sanguineti hat er 1967 die Zeitschrift « Quindici » gegründet. Bekannt geworden ist er vor allem durch seine Installationen und politischen Performance-Akte, einige davon hat er mit  Pasolini realisiert. Emblematisch und seht Zeitgeist sein Happening 1971 « Was ist der Faschismus? ». Es wurde 1979 sogar in New York gezeigt.

Eine Ausstellung,  die man jetzt nicht unbedingt gesehen haben muss, aber sie hat uns vier  Künstler näher gebracht, die nicht jeden Tag in der Zeitung stehen oder in allen Museen zu finden sind und trotzdem ihren Beitrag zur Kunst im 20. Jahrhundert geleistet haben. Aber in den Räumen der Villa Medici ist es sowie fast unmöglich, dass irgendetwas nicht beeindruckt.

Christa Blenk

 

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Rom im August

romimaugustIn der Nähe vom Bahnhof Termini

Rom im August

Morgens um 7.00 Uhr weht schon oder besser noch eine frische Brise, der Himmel ist klar und blau, die Vögel singen und man könnte das Auto vor der Haustür parken. Auf dem Weg ins Büro kommen wir an duftenden Jasminblüten vorbeit und es fallen nahezu alle Kämpfe und Diskussionen mit aggressiven Autofahrern oder frechen motorini weg und man sich kann beruhigt (trotzdem immer nach rechts und links schielend) dem Zebrastreifen anvertrauen. Was in den verbleibenden elf Monaten lebensgefährlich ist. Da stört es dann auch nicht, wenn man ab und zu die Straßenseite oder die Straße wechseln muss, da natürlich der August für Straßenarbeiten und Reparaturarbeiten benutzt wird. Bis 15. August (Fer agosto) geht das so, und dann wird es noch ruhiger. Restaurants, die nicht im Aktionsradius der Touristenherden liegen, schließen und so tun es Friseure und Reinigungen, der Copy shop macht auch zu – sogar die Eisdiele in San Lorenzo, das ist nun sehr schade. Der unfreundliche Barbesitzer überlässt sein Reich für ein paar Tage den viel netteren Angestellten und wir trinken wieder unseren Cappuccino bei ihm. Im letzten Jahr habe ich gelernt, dass ich das Auto im August nicht willkürlich aus der Garage abholen kann – denn der Garagenmann, der im August alleine ist, macht eine sehr lange Mittagspause und schließt das Parkhaus schon um 23. 00 Uhr abends, anstatt üblicherweise um 1.00 Uhr früh. Nach einem Konzert in einem der vielen römischen Vororte, die im Sommer stattfinden, bleibt das Auto dann über Nacht draussen – aber es gibt es Platz, wie gesagt. Dafür sind die dumpfen und monotonen, fast einschläferenden Rhythmen der Konzerte in der Bar im Park an der Tibertina oder auf dem Platz davor zu hören. Die Villa Torlonia, San Ivo alla Sapienza, Teatro Marcello, Villa Giulia und die Engelsburg bieten außerdem fast täglich Freilichtkonzerte an, mit sehr unterschiedlichem Programm und die Oper ist in die Caracalla Thermen gezogen.

Nach dem abendlichen Balkonpflanzen gießen (obwohl das bei uns nicht viel zu helfen scheint) wird es dann auch wieder ein wenig frischer und wir können auf dem kleinen Balkon unsere Nudeln essen. Eigentlich ist es schade, in so einem Monat Rom zu verlassen.

kühleinseln eine kühle Insel

Christa Blenk

 

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Anfiteatro Festival di Albano

p1170567 Vom 27.7. bis 16.8.2014 findet zum dritten Mal das Anfiteatro Festival di Albano im Amphitheater von Albano Laziale (Nähe Rom) unter der künstlerischen Leitung von Maestro Renzo Renzi statt. Das Festival ist dieses Jahr sehr vielseitig und hat von Klassik, Jazz, Latino-Musik und Theater alles auf dem Programm.

Die Solisti Veneti eröffneten unter Maestro Claudio Scimone mit einem Programm, das von Vivaldi über Paganini zu Rossini ging. Das meist erwartete Spektakel dürfte allerdings am 14.8. stattfinden. Dann ist die italienische Theater-Ikone und der Shakespeare Start Giorgio Albertazi mit dem Kaufmann von Venedig zu erleben – und er wird Shylock sein.

Wir haben uns auch noch für eine Aufführung der Cavalleria Rusticana zwei Tage vorher, am 12.8., entschieden. Gianluca Zampiere, Paola Di Gregorio, Stefano Meo und Stefania Scolastici werden das einstündige Hauptwerk von Pietro Mascagni aufführen.

Wer aber viel Zeit und Lust hat kann sich auch die Gruppe con Compay Segundo mit einem Programm aus dem Film „Buena Vista Social Club“ anhören oder La Bohème (die in Caracalla musste ja leider ausfallen), den Pianisten Michele Campanella oder das Tanzspektakel Carmen und Carmina Burana bis dann am 16.8. ein Konzert mit den Sorelle Marinetti das Festival beendet.

Über die Aufführungen Cavalleria Rusticana und Den Kaufmann von Venedig wird es dann extra-Berichte geben.

#Mehr über den netten Ort

Christa Blenk

 

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Auf dem Stromboli

Bericht auf artmore über ein umwerfendes Wochenende auf der Insel Stromboli und einer Vulkanbesteigung.

feuerrutsche Feuerrutsche – sciara di fuoco – Stromboli

Feuertheater im Mittelmeer

…Wir hatten uns jedoch für eine Reise zum Stromboli entschieden. Angeregt u.a. durch Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, der ja, wie der geneigte Leser weiß, seine Protagonisten in Island in den Snoeffels (Snæfellsjökulsteigen) steigen lässt, um sie  nach langer Wanderung durch Dantes Höllentrichter und Luzifers Sitz bis zum Erdmittelpunkt über den Krater des Stromboli wieder auf die Erde zurückholte. Allerdings waren der Hamburger Professor und sein Expeditionsteam nicht auf der Suche nach den Poeten der Antike, sondern folgten einer Runen-Geheimschrift aus dem 12. Jahrhundert von Snorri Sturluson, die sie nach viel Mühe entzifferten. Das war 1864 und hat vielleicht auch Mark Twain animiert, auf seiner zweijährigen Europareise 1867-69, die Äolischen Inseln und den Stromboli zu besuchen…..

 

vulkan4

Fotos: Christa Blenk

 

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Trabi goes Marcello

Trabi goes Marcello

25 Jahre Mauerfall
Fotoprojektion auf das Teatro Marcello am 25.10.2014
Foto: Christa Blenk

Aktuell in Rom

- Romaeuropa Festival ab September
ab 30.10. Dada Masilo mit Carmen
- August Sander und Helmar Leski in der Villa Massimo
- Henri Cartier Bresson in Ara Pacis
- Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, Casa di Goethe **
- Escher - Chiostro Bramante
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- Concerti IUC - Aula Magna
upcoming: Marcello Nardis singt im Teatro Massimo in Palermo in "Gisela" - Hans Werner Henzes letzter Oper - Januar 2015

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