Mozarts Requiem im Auditorium

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Vokalsolisten Rachel Harnisch (Soprano), Marianna Pizzolato (Alt); David Ferri Durà (Tenor)
und Luca Tittolo (Bass) mit dem jungen Kolumbianer Andrés Orozco Estrada am Pult.

 

Gewaltiges Requiem am Tag der Befreiung

Ein mysteriöser Besucher gab 1791 bei Mozart ein Requiem in Auftrag. Mozart war in keiner guten gesundheitlichen Verfassung und sollte nur noch ein paar Monate zu leben haben.  Er war außerdem überzeugt davon, vergiftet worden zu sein und ahnte seinen Tod voraus – jedenfalls steht es  so in einigen Büchern. Mozart wusste, dass er dieses Requiem für seine eigene Beerdigung schreiben würde. Im Film von Milos Forman liefen ihm deswegen während der Arbeit an seinem letzten Werk Tränen über das Gesicht. Dann gibt es auch noch die Legende vom Grafen Franz von Walsegg, der evtl. der Auftraggeber war, und für seine Frau eine Totenmesse bestellen wollte.

Aber aller Anstrengungen und Kampfgeist zum Trotz, hat Mozart es nicht geschafft, sein Requiem zu vollenden. Lediglich den Eröffnungssatz des Introitus (Requiem aeternam) inklusive aller Orchester- und Vokalstimmen waren fertig und aufgeschrieben. Vom Kyrie zum Dies-irae bis zu Confutatis existierten die Gesangspartien. Der bezifferte Bass sowie einige Orchesterpartien wie z.B. das Posaunensolo im Tuba mirum standen im Konzept, waren aber nicht ausgearbeitet. Vom Lacrimosa gab es acht Takte (1960 entdeckte man eine Skizze für eine Armen-Fuge, die offenbar die Sequenz nach dem Lacrimosa hätte beenden können (Quelle: Wikipedia). Vom Offertorium, Domine Jesu Christie,  Ostias und von einem Teil vom Coninuo waren die Gesangstimmen ausgearbeitet. Sanctus, Benedictus, Agnus Dei und Communio fehlten komplett.

Auf Wunsch von Constanze Mozart vervollständigen u.a. Mozarts Schüler Joseph Eybler und Franz Xaver Süßmayr dieses Auftragswerk. Nachträglich wurden immer wieder kontroverse und diskutierte Ergänzungen angebracht, die zu umfangreicher Legendenbildung beigetragen haben.

Die Aufführungspraxen sind genauso unterschiedlich und variabel wie die rätselhafte Entstehungsgeschichte. Ohne Zweifel gehört Mozarts Requiem zu den meisterhaftesten und komplexesten Chorwerken überhaupt. Es ist kein Requiem wie andere. Es sollte keine „Ruhe in Frieden“-Stimmung schaffen, sondern eine aggressive, kämpferische, laute und aufschreiende Seelenlage wieder geben. Sein Requiem ist ein Resümee seiner kompositorischen Arbeit, der Bach- und Händels Schreibweise,  der von ihm geliebten neapolitanischen Musik und ein Fingerzeit in die Romantik.  Mit d-Moll Akkorden geht es los. Keine Strenge, keine religiöse Zelebration, hier (in Rom) nur Kraft und Lebenswille.

Die Sänger waren für diese Aufführung gut aufgestellt. Die schweizerische Sopranistin Rachel Harnisch hat schon alle Mozartopern gesungen. Sie verstand ihre Rolle hier sehr zart und innig und schlang bei jedem Ansatz immer die eigenen Arme um sich selbst. Die Altistin Marianna Pizzolato hat am Konservatorium Bellini in Palermo studiert. Mit ihrer schönen warmen Belcanto-Stimme hat sie gut zu dieser Aufführung gepasst. Der spanische Tenor David Ferri Durá, verstand seine Rolle eher lyrisch, wollte aber immer wieder ausbrechen. Sein  Repertoire geht von der italienischen Oper bis zu Mozart.  Das Bassist Luca Tittoto ist ebenfalls ein Mozartsänger, er hat schon den Leporello und in München vor kurzem den Don Alsonfo in  Cosí fan tutte gesungen. Als Osmin wäre er auch unschlagbar. Feierlich und zelebrierend waren sie alle Vier nicht, aber das war ja auch nicht gefragt und hätte nicht zum Orozco-Estradas Sturm-Aufführung gepasst. Im Gegenteil, alle Vier zusammen verfielen sie komplex und facettenreich  in ein Da Ponte-Quartett.

Der Dirigent Andrés Orozco-Estrada hatte es eilig, sympathisch und temperamentvoll ließ er den Musikern für die Übergänge von einem Satz zum anderen nur wenig Zeit. Das merkte man schon gleich am Anfang. Das Publikum war noch nicht mit dem Begrüssungsapplaus fertig, da legte er schon los.

Ich habe das Requiem nicht oft genug gehört, um es vergleichen zu können, erinnere mich aber an eine Aufführung in Salzburg vor ein paar Jahren, die mir sehr viel weniger gefallen hat und die ich viel langweiliger in Erinnerung habe. Gestern war das ein grandioser und gewaltiger Sturm und man könnte sich gut vorstellen, dass es Mozart so gut gefallen hätte

Der Kolumbianer Andrés Orozco Estrada hat in Wien studiert und ist zurzeit einer der gefragtesten jungen Dirigenten. Zurzeit ist er Musikdirektor in Frankfurt und beim Houston Symphonie Orchester. In der nächsten Saison soll er als Gastdirigent nach London gehen. Orozco Estrada brachte die römischen Musiker zu Höchstleistungen und Orchester, Chor und Solisten vereinten fast sich zur Perfektion.

Der 25. April ist in Italien ein Feiertag: Tag der Befreiung (von der Nazibrut).

Dieses Konzert war dem 70. Jahrestag der Befreiung gewidmet. Ausgesucht hat man sich dafür zwei deutsch(sprachige) Komponisten. Schuberts 1. Sinfonie und Mozarts Requiem standen auf dem Programm. Der 2700 Personen fassende Saal war komplett ausgebucht und  Andrés Orozco-Estrada brachte das hiesige Orchester mit dem hiesigen Chor Santa Cecilia zu Höchstleistungen wie selten. Großes Orchester und 50 Choristen.

Christa Blenk

Auditorium 001
Eingang in die Sala Santa Cecilia – Auditorium

 

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Noseda dirigiert Ravel und Casella

noseda 
Noseda nach dem Konzert

Casella kehrt nach über 100 Jahren nach Rom zurück

1910 wurde die 2. Symphonie von Alfredo Casella in Paris uraufgeführt. Dort studierte der Turiner Komponist Anfang des 20. Jahrhunderts und dort traf er auch auf die anderen musikalischen Zeitgenossen und entdeckte die Musik von Mahler, Falla oder Debussy.

Während des ersten Weltkrieges ging Casella nach Italien zurück, um in Rom das Liceo Musicale di Santa Cecilia zu übernehmen. 1930 gründete er das Trio Italiano. Viele Kompositionen aus dieser Zeit entstanden für die erfolgreichen Auftritte mit seinem Trio. In Rom ist Casella 1947 auch verstorben.

Aber erst jetzt, im April 2015 -  105 Jahre nach der Uraufführung in Paris -  fand seine 2. Symphonie  den Eingang in die römische Musikwelt und wurde am 18.04.2015 im Auditorium Parco della Musica zum ersten Mal aufgeführt. Eine kleine Premiere mit großer Resonanz. Genial und enthusiastisch am Pult Gianandrea Noseda.

Diese zweite Symphonie ist geprägt von vorausahnendem Entsetzen, dunkler Angst und lichter Hoffnung – sie ist wie eine aktuelle Zeitungslektüre. Mit dem Grauen des Krieges hat sich Ravel während des Krieges nochmals beschäftigt.  Elegia eroica ist 1916 entstanden und er hat es dem verstorbenen unbekannten Soldaten gewidmet. Er selber hat es im Krieg – wegen Untergewicht – nur zum Fahrer gebracht.

Der erste Satz, lento, grave, solenne, beginnt  mit einer glockigen Mahlerreferenz, um dann in die Tiefen der ankündigenden Kriegsmaschinerie einzutauchen. Die Melodie wechselt von einer Instrumentengruppe zur anderen und zitiert Wagners Walküre aber auch Marinettis kriegsverherrlichendes futuristisches Manifest. Interessante Perkussionspassagen.

Der zweite Satz, Allegro molto vivace,  ist Bewegung pur.  Aufrüstung und schneller werdende Züge mit viel Horn definieren ihn, zwischendurch immer wieder die helle (spanische) Querflöte bis die Glocken wieder – allerdings dunkler – erklingen.

Adagio, quasi andante, der dritte Satz. Er beginnt mit den Trommeln, ist elegant und sehr melodisch, ein wenig romantisch und Casella zitiert die Musik seines Landes aber auch Strauß und pathetisch Wagner.

Finale und Epilog beginnen mit einem resoluten Marsch, ironisch und positiv, Streicher und Posaune begleiten die müden Geigen, die sich aber schnell wieder aufraffen, um mit lauten, mächtigen Panzern direkt in Dantes Hölle und in einem intensiven und genialen Trauermarsch zu fahren bis dann ein mystischer Epilog doch noch etwas expressionistische Hoffnung und positives Zukunftsdenken verspricht.

Noseda hat uns vor der Aufführung geholfen, das alles zu verstehen. In 50 Minuten Schwerstarbeit  hat er sich genial durch dieses kompakte Werk gekämpft. Noseda hat die vielen und unterschiedlichen, lautmalerischen Farben, Referenzen und Hommagen so wunderbar herausgeholt, dass immer wieder ein Mahler, Strauss, Wagner oder Strawinsky durchblitzte, aber die Musik seines Heimatlandes, Italien, auch ihren Platz darin fand.

Der Italiener Alfredo Casella (1883-1947), der auch ein bedeutender Musikwissenschaftler und Pädagoge war, gilt eher als neoklassizistischer Komponist. Abgesehen von drei Symphonien gibt es sehr viel Klavier- und Vokalwerke von ihm.

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Aber vor Casellas Donnergrollen ging es erstmals um andere Machtspiele, griechisches Drama, Intrigen und pastorale Bukolik.

Noseda dirigierte Casellas Zweite mit Ravels Daphnis und Chloe. Die Werke von Ravel und Casella sind mehr oder weniger im gleichen Zeitraum entstanden. Unterschiedlicher und farbiger kann man die Zeit zwischen 1909 und 1912 nicht beschreiben.

Was lange währt wird gut!

Die Entstehungs- und Aufführungsgeschichte von Daphnis und Chloe ist kompliziert und mühselig!

Schon 1904 entdeckte der Solo-Startänzer Michail Fokine  in St. Petersburg  die Geschichte des griechischen Poeten  über den Schäfer Daphnis und seine Geliebte, die Nymphe Choe. Sie hat ihn so begeistert, dass er kurzerhand ein Ballettlibretto dazu schrieb. Für das kaiserliche klassische Theater allerdings war es zu fortschrittlich und es fehlten die klassischen Standards. So wurde es abgelehnt.

Maurice Ravel (1875-1937), der es trotz fünffacher Bewerbung nie geschafft hat, den Preis von Rom zu erhalten, wurde 1909 von Diagheliv beauftragt, eben diesen, Longus’ Hirtenroman für ein Ballet zu vertonen und obwohl Ravel sich vorher noch nie mit Ballettmusik befasste hatte, nahm er den Auftrag an. Fokine war zu diesem Zeitpunkt schon Chefchoreograf bei Diaghilevs Ballet Russe und sollte also mit Ravel zusammen arbeiten. Letzterer hatte große Probleme mit diesem Auftragswerk,  kam nur langsam voran und widmete sich zwischendurch immer wieder anderen Projekten. Erschwerend hinzu kam, dass Fokine kein Französisch sprach und die beiden nur über den Theatermaler Leo Bakst kommunizieren konnten.

Ravel schwebte ein gewaltiges Musik-Freskos vor  – ein Gemälde, wie es Ende des 18. Jahrhunderts von den französischen Malern gemalt wurde. Fokine hingegen dachte eher an eine archaische antike Vase mit erotischen Motiven oder vielleicht an die Illustration, die den Einband seines Buches von 1904 zierte.

In den ersten beiden Szenen Nocturne, Interlude, danse guerrière werden Daphnis und seine Geliebte  vorgestellt und Chloe wird von den Piraten entführt und entkommt wieder.  Die dritte Szene, also Suite 2, Lever du jour, Pantomine, danse générale  findet in einem Gral beim Gott Pan statt und beginnt mit der schönsten Szene, einem genialen Sonnenaufgang.

Der Saisonbeginn 1910 stand vor der Tür und Ravels Werk war nicht fertig.   Diaghilev bestellte deshalb zwischendurch bei dem jungen Strawinsky den Feuervogel. Strawinsky war damals so gut wie unbekannt (das Frühlingsopfer entstand erst 1913 und sollte ebenfalls einen Riesenskandal auslösen) aber er war schnell. 1911 wiederholte sich das Drama, Ravel war immer noch nicht fertig und Diaghilev beauftragte dieses Mal des Musiker Tscherpnin  das Ballet „Narcisse“ zu komponieren.

Als Ravel den ersten Satz fertig gestellt hatte, ließ er ihn bereits vorab – zum Ärger von Diaghilev – aufführen. Die Resonanz des Publikums war gemischt. Fokin hingegen war von der Musik begeistert. Im April 1912 war Ravel schließlich fertig und die Proben – und Probleme – konnten beginnen. Fokin und Nijinksy verbreiteten Spannungen und schlechte Laune u.a. weil der bereits verpflichtete Startänzer, Ninjinsky,  sich mittlerweile ebenfalls in der Choreografie versuchte und sich zwischen Tanz und Cohoregraf aufteilen musste und kurzerhand Tänzer abzog, um sie für seine Aufführung von Debussys L’après-midi d’un Faune tanzen zu lassen. Man muss sich diesen Schlagabtausch von genialen Aufführungen im fast Wochentakt einmal vorstellen. Und wie wir alle wissen, wurde Nijinskys Aufführung im Mai 1912 das Skandalevent des Jahres während Daphnis und Chloe vier Wochen später, nur eine lauwarme Aufnahme durch das Publikum in Thèâtre Châtelet erfuhr.

Das ging so weit, dass der auch nicht gerade als harmoniesüchtig verschriene Ravel selber hinter die Bühne ging, um mit den Tänzern die schwierigen und permanenten Rhythmusänderungen einzustudieren und komplizierte Passagen durchzuarbeiten. Die Primaballeria Tamara Karsavina hatte nur positive Worte für ihn, da er nicht von den üblichen Starallüren von mimosigen Tänzern oder kapriziösen Choreografen befallen war.  Klangvoll, erhaben und transparent, einem kristallreinen Quell vergleichbar und doch  überreich an heimtückischen Fallen, nannte die Primaballeria und erste Chloe 1912 Ravels Musik. Eine wunderbare Beschreibung, der nichts hinzuzufügen ist.

Die Uraufführung fand nur knapp vier Wochen nach der kontroversen Aufführung von Prélude de l’après midi d’un faune statt und wurde nach nur einer weiteren  Vorstellung in die Schublage gesteckt. Zwei Jahre später war Nijinksy nicht mehr  bei der Truppe und Fokin, der kurzfristig nach dem Ärger bei der Premiere die Truppe verlassen hatte, tanzte den Daphnis.  1913 wurde auf Drängen des enttäuschten Ravel über den Nicht-Erfolg der Balletts, die Suite Nr. 2 aus Daphnis und Chloe in Druck gegeben.  Die lichte und reizende Farbpalette von Pantomime und Sonnenaufgang sorgten allerdings in den Konzertsälen für viel Erfolg.

Die wohlkalkulierte Monotonie des Bolero (1928), eigentlich nur ein kleiner Streich von Ravel, war zwar noch weit weg, aber dann und wann hörte man doch Bolero-Takte heraus.

Heute gehört diese Komposition zu den wichtigsten Balletwerken und Strawinsky nannte es sogar eines der schönsten Produkte der gesamten französischen Musik. Das ganz große Orchester ist hier gefragt. Allein  15 verschiedene Perkussionsinstrumente sind dabei und ein großer  nicht sprechenden Chor. Orchestral werden meistens die zwei Suiten wie oben beschrieben gespielt.

Ausgezeichnet Noseda, er ist zur Zeit am Theater Turin und ist dieses Jahr zum « Dirigenten des Jahres » ernannt worden, wunderbarer Instrumenteneinsatz und  gut wie immer auch der hiesige Chor! Viel und lange anhaltender Applaus vor dem leider nicht sehr vollen Haus!

auditorium Auditorium Parco della Musica

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Arp Museum Bahnhof Rolandseck

 

arpund blick vom Museum auf den Rhein

Uns schwebten Meditationstafeln, Mandalas, Wegweiser vor. Unsere Wegweiser sollten in die Weite, in die Tiefe, in die Unendlichkeit zeigen (Hans Arp)

Hans Arp hat hier visionär den zukünftigen Standort viele seiner Werke beschrieben. Richard Meier hat das Arp-Museum  so konzipiert, dass Arps Arbeiten in Verbindung mit Meiers schlichter und klarer Architektur Besucher wie Exponate in Weite, Tiefe und Unendlichkeit versinken lassen.

An einem sonnigen Tag ist es natürlich noch viel schöner, dort hinzufahren. Richard Meier hat dieses Museum für die Sonnentage gebaut. Davon gibt es ja hier am romantischen Rhein auch recht viele. Ferienstimmung und Ausflugskultur wurden hier immer schon groß geschrieben und die deutschen Dichter und Romantiker hielten sich alle gerne am Rhein auf. Sagen und Geschichten um ihn und um das Siebengebirge gibt es ja genug.

Der Bahnhof Rolandseck war ursprünglich die Endhaltestelle oder besser gesagt das  Eisenbahnempfangsgebäude eines Privatzuges von Köln nach Remagen. 1858 entstand er, knapp 20 km von Bonn entfernt, direkt am Rhein. Einmal angekommen, konnte der verwöhnte Reisende gleich in einen Ausflugsdampfer der Köln-Düsseldorfer umsteigen, per Kutsche weiter den Rhein entlang fahren oder den Drachenfels auf der anderen Rheinseite besteigen. Manche sagen ja, dass sich der Nibelungen-Siegfried dort herumgetrieben haben soll, obwohl Drachenfels eigentlich vom Quarz-Trachyt abstammen soll, aber vielleicht gab es ja doch den Drachen. Wer weiß das schon!

In der Romantik entwickelte sich eine Europa-übergreifende kulturelle Bewegung, eine Art Grand Tour um die Siebengebirgs-Rhein-Loreley Gegend und Lord Byron erklomm 1816 den Drachenfels. Sein Gedicht Der turmgekrönte Drachenfels (1816) löste in England eine wahre Reisewut an den Rhein aus. Ein Modetrend, der von nun an die Reise zu den Stätten der Antike über einen Umweg an den Rhein vorschrieb. Damals wurde man mit Eseln auf den Drachenfels bracht und sogar 1937 sollen noch 30 Esel im Einsatz gewesen sein, erst 1883 wurde die Drachenfelsbahn eröffnet; die älteste Zahnradbahn Deutschlands. Heinrich Heine hat 1830 Die Nacht auf dem Drachenfels verbracht.

Gegenüber, also auf der Museumsseite, steht der Rolandsbogen, oder das was von ihm übrig ist. Und weil ja früher alles möglich war, gibt es hier eine Variante der französischen Rolandssage, demnach lässt der Ritter Roland, ein Vasall Karls des Großen, seine verlassene Hildegunde am Drachenfels zurück, woraufhin diese sich in das Kloster Nonnenwerth zurückzieht.

In den 60er Jahren hat der Bonner Galerist Johannes Wasmuth dieses schöne klassizistische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert  vor dem Abriss gerettet und ihn kurzerhand in einen internationalen Kulturbahnhof umfunktioniert. Musiker, Literaten, Künstler, Bildhauer lebten und arbeiteten zum Teil dort, organisierten fortan Happenings, Theaterlesungen und Ausstellungen und machten den alten Bahnhof zum „the place to be“.

 Nach dem Tode der Antriebsmaschine Wasmuth geriet der Kulturbahnhof in eine Krise und ziemlich in Vergessenheit, bis er 2004  als Arp-Museum Bahnhof Rolandseck erneut mit einem geänderten Konzept eröffnet werden konnte. Die Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Art e.V. sollten gemeinsam mit dem Land Rheinland-Pfalz das Museum betreiben. So gelangte die Sammlung der Stiftung dort hin. Diese nur kurz anhaltende win-win-Situation endete allerdings in einem großen Streit und die Stiftung zog die Sammlung wieder ab, so dass das Museum nun mit Leihgaben und den Beständen des Landes Rheinland-Pfalz auskommen muss (was aber auch nicht schlecht ist, zumal ständig neue Werke erworben werden). 

 2005 wurde schließlich der Neubau des US Star-Architekten Richard Meier eingeweiht. So gut im Berg getarnt, dass man den Bau vom Parkplatz gar nicht sieht. Dort sieht man nur – wie immer – den alten (Kultur)Bahnhof. 33 Mio hat das Gesamtprojekt gekostet, die Ausstellungsfläche beträgt knapp 3000 qm, den ehemaliger Bahnhof mit eingeschlossen. Den dunklen, breiten Tunnel unter den Gleisen erhellt eine 17 m lange Skulptur von Barbara Trautmann. Kaa, gleich der Schlange im Dschungelbuch, wühlt sie sich im 19. Jahrhundert durch den Berg und kommt im 21. Jahrhundert am Ende des Tunnels wieder heraus. Dann fährt man mit einem Aufzug – mit Blick auf den Fels – nach oben und wird umhüllt von Helligkeit und sonnendurchfluteter Luft und ist hingerissen von diesem Wahnsinnsausblick. Alexander von Humboldt soll ihn als den 7. schönsten Ausblick der Welt bezeichnet haben -  und er ist ja nun wirklich viel herumgereist.

Richard Meier schaffte eine perfekte Symbiose zwischen Natur und Kunst, indem er bei der Planung  die geografischen Gegebenheiten mit einbezog. Die Verbindung dort oben von Arps Traumanatomie-Skulpturen mit Meiers klarer Geometrie ist einfach perfekt.

Im ersten Stock,  dort wo der Lift ankommt, wird man aber erstmal von großen, von der Decke herabhängenden duftenden weißen Tränen empfangen, die zu individuell gestalteten und modellierbaren Knautschsesseln führen. Hier treffen wir auf die sinnlichen und lavendeligen Rauminstallationen des brasilianischen Künstlers Ernesto Neto. Mensch und Natur  vereinen sich und es entsteht eine Wohlfühlsituation wie im Wellnesscenter, wenn die Sonnenstrahlen durch Meiers Bau gleiten, wir mit der Hand im Lavendel wühlen und der Duft unsere Nase erreicht. Haux Haux heisst die Ausstellung – das kommt aus einem Indianer-Gedicht und heißt soviel wie Anfang, Ende, Harmonie und soll schlechte Gedanken und böse Geister vertreiben. Huni Kuin hat es gedichtet. Es funktioniert!

besucherin fühlt den Lavendel
Besucherin beim Lavendeltest

Bis 25. Mai haben Sie noch Zeit, es auszuprobieren.

Ernesto Neto passt gut zu Taeber-Arp.  Das Licht, die Farben, der Ausblick, die Freiheit,  Stoff und Tüll der Installation: auch Sophie Täuber-Arp befasste sich viel mit Textilien und einige ihrer Wandteppiche sind ebenfalls im Obergeschoss zu sehen. Hier steht auch der Hauptteil der Arp-Sammlung und man lernt über sein Leben und das Zusamenleben- und arbeiten mit Sophie Taeuber-Arp.

Wie schon im ersten Stock flutet auch hier  alles in Weißtönen und sogar die seltsamen Formen von Arps neuer Anatomie wirken weich und laden zum Hinsetzen ein, das darf man aber natürlich nicht.

Bei so viel Licht verliert man jegliches Raumgefühl. Die individuelle Platzierung der Arbeiten entweder innen oder auf verschiedenen kleinen Terrassen katapultiert uns in einen – gefühlten – open-air-Skulpturenpark, und die Arbeiten bilden eine Verlängerung, um den Bergen auf den anderen Rheinseite näher zu kommen.

Vor genau 100 Jahren lernten sich  der Dadaist und Surrealist, Ablehner der bürgerlichen Kunst und Wegbereiter der Moderne  Hans Arp und Sophie Täuber in Zürich kennen. Arp war während des 1. Weltkrieges  dorthin geflüchtet.  Inmitten von Wirrnis und Tollheit von zwei Weltkriegen organisierten die beiden Künstler 27 Jahre lang ihr Leben um ihre Kunst und um sich selber. Das Museum hat diese Verbindung zum Themenjahr 2015 erklärt Zweiklang“ Rendez-vous des amis: Sophie Täuber – Hans Arp. In dieser eigens dafür geschaffenen Zusammenstellung wird das Werk der Malerin und Textilgestalterin Taeuber immer wieder  den seltsamen Gebilden von Arp gegenübergestellt. Fotos und viel Text begleiten und vertiefen. Erst durch Sophies tragischen Unfalltod wird diese enge Verbindung getrennt und Arp stürzt in eine große Depression.

Außer Ernesto Netos  Rauminstallationen im ersten Stock findet im ehemaligen Bahnhof, also vor dem Tunnel,  eine Ausstellung über die französische Malerei statt. „Revolution der Bilder: Von Poussin bis Monet“ mit Leihgaben aus Dublin und Werke aus der Kunstsammlung Rau. Sie geht noch bis 6. September.

 Nicht weit weg das Skulpturenufer Remagen. Eine Idee, die im Jahre 2000 entstand in Zusammenarbeit mit der Stadt Remagen. Bis jetzt gibt es dort 13 Skulpturen u.a. auch von Arp.

Christa Blenk

auch für KULTURA EXTRA

 

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Der Göttliche – Hommage an Michelangelo – in Bonn

P1230246Moses
Ausstellungsplakat und der Moses in Rom
 

!Dankt also dem Himmel dafür und bemüht euch nach Kräften, Michelangelo in allen Dingen nachzuahmen“ das hat Giorgio Vasari um 1550 geschrieben.

Der Göttliche – Hommage an Michelangelo ist der anspruchsvolle und vielversprechende Titel einer Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn.

Fünf Jahrhunderte Leben und Kunst unter dem Einfluss von Michelangelo (1475-1564). Seine bedeutenden Nachfolger, unter ihnen Caravaggio, Rubens, Rodin, Moore oder Cezanne, sind  zum Teil  mit wegweisenden und beachtlichen Werken in Bonn vertreten und lassen den göttlichen Meister hochleben. Genug ist es nie und die Tatsache, dass man während und nach der Ausstellung vor allem von ihm spricht, obwohl nicht ein Originalwerk des Göttlichen dort zu sehen ist, sagt ja schon alles!

Die Schau ist thematisch unterteilt, zementiert und verdeutlicht erneut, dass  die Kunstwelt sich ohne Michelangelo anders entwickelt hätte, banaler!

Durch den großen Biografen und Künstler Giorgio Vasari (1511-1574) wissen wir, dass die zerschlagene Nase und Filzhut so etwas wie sein Markenzeichen waren.  Vasari ist es zu verdanken, dass wir so viel über ihn und seine Vorgänger wissen. Michelangelo war der einzige Maler, über den Vasari geschrieben hat und ihn auch kannte.  Einmal sagte er zu ihm „Giorgio, wenn mein Geist etwas taugt, so ist es deshalb, weil ich in der feinen Luft eurer Arentiner Gegend geboren bin, wie ich auch mit der Milch meiner Amme Meissel und Hammer eingesogen habe, womit ich meine Figuren mache“. Der Vater von Michelangelo gab ihn als Kleinkind zu der Frau eines Steinmetzen, die ihn als Amme nährte. Schon als Lehrling bei Ghirlandaio übertrumpfte er in Allem seinen Lehrer. Im Garten von Lorenzo de Medici in Florenz durfte er üben und arbeiten.

Mythos Michelangelo und die Aktstatue

Dabei war sein Leben nicht immer nur vom Erfolg gekrönt und mit der zerschlagenen Nase ist er sicher nicht geboren worden. Intrigen, Probleme und Geldsorgen, hin- und hergerissen zwischen Rom und Florenz war auch sein Alltag. Michelangelo lebte in einer Zeit, der Renaissance, in der die Antike wieder sehr große Bedeutung bekam und männliche Aktstatuen, religiöse oder pagane, zum täglichen Handwerk gehörten und alle Künstler danach trachteten, den anderen zu übertreffen. Michelangelo hingegen wollte weiter, er wollte den Akt neu erfinden und wenn er jemanden übertreffen wollte, dann höchstens die Künstler der Antike.  Mit dem  David (ca. 1502) hat er die erste kolossale Aktstatue seit der Antike geschaffen. Sie wurde schon damals in Florenz auf der Piazza della Signoria aufgestellt und rief zum künstlerischen Wettstreit.  In der Ausstellung begleitet eine Skulptur von Rodin Das eherne Zeitalter (1876) seinen David sowie ein plumper und kriegsbemalter  Adonis von Lüpertz, ein klares Selbstbildnis  von ihm und damit man das auch merkt, hängt dahinter ein Foto, schön geschniegelt in Anzug und Sonntagskleidung. Prominent das Foto von Candida Höfer des David in der Accademia  und im Raum dahinter sind die Fotos von Thomas Struth zu sehen, der die Betrachter dort im  dem Jahre 2004 in den Mittelpunkt stellt und sich weniger um das zu Betrachtende kümmert. Ein schöner Torso von Fritz Wotruba ist auch unter den Exponaten.

Die Nacktheit und der Kosmos der Sixtinischen Kapelle

Michelangelo war fasziniert vom menschlichen Körper und ging in seinem Streben nach Perfektion und Studium der Muskelverläufe soweit,  Leichen zu sezieren.  Mapplethorne scheint das auch gemacht zu haben. Seine so ästhetisch-schöne Thomas-Serie  (1987) zeigt einen Mann, der in vier verschiedenen Posten in vier verschiedenen Rohren eingeschlossen ist und trotz gewaltiger Muskelkraft es nicht schafft, sich zu befreien, eventuell  bringt er die Rolle in Bewegung, aber er entkommt ihr nicht!  Genau so wenig wie Michelangelos Sklaven es nicht aus dem Marmor heraus schafften. Eine Ives Klein-Blau überpuderte Mini-Ausgabe eines Sterbenden Sklaven aus 1962 sticht ebenfalls gleich ins Auge.

Seine gemalten Aktszenen hingegen erzählen Geschichten. Die bekannteste natürlich ist das Jüngste Gericht in der Sixtinischen Kapelle. Ein „Must“ bei einem Rom-Besuch. 1508 im Auftrag von Papst Julius II hat er in vier Jahren diese  520 qm große Fläche bemalt.  Direkt nach der Eröffnung hergestellte Druckgrafiken sorgten für eine rasche Verbreitung in ganz Europa und wenn man an Adam denkt, dann ist es der von Michelangelo.  Caravaggios wunderbar sensuellen  Johannes der Täufer (1602) aus den Kapitolinischen Museen hat man dafür nach Bonn geholt. Da hört es sich wie purer Neid an, wenn Papst Hadrian die Sixtinische Kapelle mit einem türkischen Dampfbad vergleicht.

Das Moses-Thema nimmt ebenfalls einen wichtigen Platz ein. Eine meiner Lieblingsskulpturen ist der Moses (der mit den kleinen Hörnern) in der Kirche St. Pietro in Vincoli in Rom. Ursprünglich für das Grabmal eben jenes Papstes geschaffen, thront er weiß und glänzend im rechten hinteren Eck dieser Kirche und zieht den Betrachter völlig in seinen Bann.

Ein wichtiges Element der Ausstellung sind die Skulpturen der Medici Kapelle. Rodin-Zeichnungen, und ein bildschöner Henry Moore begleiten dieses Thema. Von Rodin sagt man ja, er hätte seine Modelle zu ganz unmöglichen Positionen gezwungen, ja sie hätten sogar geheult vor Anstrenung. Selbst das hat er von Michelangelo abgeschaut. Zu sehen sind Rodins  allegorischen Figuren Tag und Nacht als Zeichnung in Anlehnung an die vier Marmorskulpturen für die Medici Kapelle in Florenz.

Kämpfer, Sieger und religiöse virtuose Meisterwerke

Der Bildhauer Giambologna darf ihn hier vertreten mit Florenz triumphiert über Pisa (1565) und ein wenig weiter ein Werk vom Schweizer Symbolisten Johann Heinrich Füssli Dalila besucht Samson im Gefängnis von Gaza  (1800). Die Pietà von Annibale Caracci sowie die Strickmadonna aus 1976 dokumentieren eine religiöse Seite von Michelangelo  und hier hätte ich jetzt ein Augenzwinkern auf Pina Bauschs Cafè Müller erwartet.  Die Szene, in der ein Tänzer einem anderen in anschwellender Geschwindigkeit die weiße Schlafwandlerin auf die Arme drapiert, die dieser dann ebenfalls  immer schneller werdend wieder fallen lässt, ist direkt bei der Pietà ausgeliehen! Oder? „Si non è vero è ben trovato“ – wie man in Italien sagt.

Die Ausstellung dokumentiert mit Arbeiten von Künstlern aus fünf Jahrhunderten den ungeheuren Einfluss von Michelangelo auf die Kunst in Europa von der Renaissance bis heute. Aber das ist natürlich längst nicht genug und nur ein Versuch, ein gelungener und allemal lehrreicher allerdings. Wahrscheinlich waren auch nicht alle (notwendigen) gewünschten Bilder oder Objekte zu bekommen. Im Endeffekt können sie sich die Anwesenden von Caravaggio bis Lüpertz glücklich schätzen, mit dem „Göttlichen“ in einem Raum zu stehen oder zu hängen. Allein das macht sie ja schon groß und wahrscheinlich auch gut.

Der Besuch der Ausstellung bestätigt, was wir eh schon wussten: Michelangelo war der Modernste von Allen! Ein generöser Vorreiter und Verkünder wie man sich von Zwängen und ranzigen Vorgaben befreit.

Kuratiert haben die Ausstellung die Professoren Satzinger und Schütze, der Katalog kostet 29 Euro. Zu sehen ist sie noch bis 25. Mai. Ein umfangreiches Begleitprogramm vertieft das nun wieder erneut geweckte Interesse an  Michelangelo und seine Jünger.

Christa Blenk

 

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Kammersonate von Hans-Werner Henze

Aus der Serie Henze-Aufführungen:

P1230328 Konzert im Spiegelsaal

Ein Wochenende in Bonn hat mich letzten Sonntag auf die Burg Namedy in der Nähe von Andernach geführt, wo u.a.  die Kammersonate, die Hans-Werner Henze 1948 für ein Klaviertrio komponierte, aufgeführt wurde. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Henze habe ich zweimal persönlich in Marino/Rom in seinem Haus getroffen und er ist einer meiner Lieblingskomponisten. Von Bonn aus mit dem Auto braucht man nicht mal eine Stunde und kommt direkt am Rhein zum Schloss Namedy. Bei herrlichem Frühlingssonnenschein hatten wir vor dem Konzert sogar noch Zeit für einen Spaziergang im Park.

P1230307 Schloss Namedy

Das französische Klaviertrio Karénine mit Fanny Robilliard (Violine), Louis Rodde (Violoncello) und Paloma Kouider am Klavier haben sie mit viel Enthusiasmus, Charme und Talent vorgetragen.

Henze hat diese Kammersonate 1948 in einer sehr produktiven Nachkriegsphase komponiert. In dieser Zeit nahm er gerade Unterricht in Kirchenmusik bei Fortner in Heidelberg, wo er – 23jährig – als bester Schüler gefeiert wurde. 1949 besuchte er die Darmstädter Ferienkurse, studierte bei  René Leibowitz und lernte Darius Milhaud kennen. Das war die Zeit, in der er sich mit der Zwölftontechnik auseinandersetzte und sie mit neoklassizistischen Elementen versetze. Henze suchte, um es mit seinen Worten auszudrücken, „Freiheit, wilder und schöner neuer Klang“. Obwohl Henze der  Reihentechnik sehr anarchistisch und unorthodox folgte und die musikalische Vergangenheit nie ganz zur Seite legte, war das Konzept „neuer Klang“ doch damit verbunden. Henze selber erklärte sein Werk als „Wechselspiel zwischen Kontrapunktik und akkordlich gestützer Cantabilità ». Allein der Titel „Kammersonate“ erweckt schon Barock-Gedanken.

Henze beschreibt das in « Reiselieder mit Böhmischen Quinten » so: Erstmals muss um die Mitte des Jahres 1947 ein noch ohne Anleitung sich vollziehender Umgang mit der Zwölftonmusik begonnen haben, und zwar in der Kammersonate für Geige, Cello und Klavier. ………. und ein paar Seiten später:  Die Kammersonate für Violine, Cello und Klavier wurde erst am 16. März 1950 in Köln uraufgeführt, und ich konnte nicht dabeisein, habe sie erst viele Jahre später einmal gehört. In ihr erscheinen Zwölftonreihen und -Strukturen, ohne dass sie als Basiselemente des ganzen Stücks gesehen werden könnten – sie kommen so von außer hereingeflattert wie blaue Bänder im Frühling. Es war klar zu erkennen, dass sich etwas bewegte und dass dauernd neue Möglichkeitne in Sicht kamen. 

1948 im August wurde in Pyrmont unter Leitung von Wolfgang Fortner Henzes erste Sinfonie (alle vier Sätze) aufgeführt und er beschloß schon bei den Proben, dass sie noch nicht fertig sei. Eine infantile Komposition nannte er sie und er traf 1948 seine erste große Liebe und zog ohne Geld und Engagement nach Göttingen zu Heinz Poll, Solotänzer und Schüler von Kurt Joos. Seine erste Oper für Schauspieler   »Das Wundertheater » entstand.

Die Kammersonate besteht aus fünf Sätzen.

Der ersten Satz, Allegro assai, lässt  ein barock-tänzerisches und doch ein wenig schroffes Leitmotiv erklingen und trotzdem kommt die von ihm gewollte und verteidigte Klangsinnlichkeit zum Tragen. Dolce, con tenerezza dauert ganze 3,5 impressionistische, lyrische Minuten und versöhnt mit der gewollten Brutalität von vorher. Lento beginnt erstmals dramatisch-polternt und wuchtig und drifted dann wieder in den lieblichen zweiten Satz zurück. Allegretto leitet ganz witzig mit viel Pizzicati und weinender Geige sanft zum Epilog über, der dann wieder die träumerische Wildheit des ersten Satzes zurückfällt und ihn sogar noch steigert. Es endet mit einem verträumten Piano.

Weiterhin auf dem Programm durch das Trio Karénine stand Robert Schumanns Klaviertrio Nr. 2 F dur op 80 und Franz Schuberts 50-Minuten Klaviertrio Nr.2  Es-Dur, op 100. Bei letzterem haben sich die drei Solisten übertroffen.

Ausgezeichnete Performance von Allen und sehr schön ihr Verhältnis und ihr Abstimmen mit den Augen untereinander. Großartig und präzise der Cellist auch.

Auf der Burg Namedy (Rheinland-Pfalz), die im 14. Jahrhunderts als Wasserburg erbaut  und im Barock erweitert wurde, finden regelmäßig Konzerte, Theaterstücke und Lesungen  statt.

Zusatzinfo:

Michael Kerstan, eines der Gründungsmitglieder der Stiftung und jahrelanger Freund und Mitarbeiter von Henze schreibt auf der Eingangsseite der Stiftung:

„Ich möchte gerne“, so schrieb Henze im Frühjahr 2007, „dass meine Musik in Zukunft (d.h. auch nach meinem Ableben) die gleiche Wirkung ausübt wie heute und dass sie weiterhin zu einer Hörerschaft sprechen kann, die mit den kulturellen und sozialen Belangen der Zeit vertraut ist. Also müsste dafür gesorgt werden, dass Kontinuität auf eine Art und Weise gefördert wird, bei der Sinn und Form unseres europäischen Kulturbegriffs lebendig bleiben und im Bewusstsein kunstfreundlicher, musikliebender Menschen weiterentwickelt werden können.“

Dies sollte die Philosophie der Hans-Werner Henze-Stiftung werden. Ganz im Geiste des Maestro Kunst, Kultur und Musik zu fördern, wie er das sein Leben lang gemacht hat und weiter die Verbreitung des künstlerischen, musikalischen und literarischen Werkes von Henze sicher zu stellen und aktiv die Förderung von Nachwuchstalenten in den Vordergrund zu stellen.

Christa Blenk

 

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Höhlenstadt Matera

matera-ganzMatera

 

And the Winner is?

La citta dei Sassi, das alte Matera ist vor ein paar Wochen  zur europäischen Kulturhauptstadt 2019 ernannt worden und wird sich diesen Titel – mit der bulgarischen Stadt Plowdiw – ein Jahr lang teilen. Matera hat sich hier gegen Bewerbungen von 21 Städten, darunter Ravenna, Perugia oder Siena, durchgesetzt.

Wir sind in knapp 5 Stunden am Osterwochenende von Rom aus in die Basilikata gefahren, um diesen mythischen Ort kennen zu lernen. Allein mit dieser Idee waren wir natürlich nicht.  Matera war in den 80er Jahren noch ein Geheimtipp. Seit sie aber 1993 in den edlen Kreis der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen wurde, ist diese bedeutende und alte Stadt in der Basilikata in die Reiserouten gen Süden aufgenommen worden. Mittlerweile hat sich dort eine bunte Künstlerkolonie angesiedelt und direkt am Ortseingang entsteht in einem stillgelegten Steinbruch ein der Skulpturen Skulpturenpark La Palomba.

Skulpturenpark La Palomba La Palomba – Skulpturenpark

Matera ist eine der ältesten, wenn nicht die älteste, Stadt Italiens. Die gewaltig faszinierenden und terrassenförmig  ansteigenden Grottenwohnungen aus weichem Kalktuff entstanden in der Spätantike, um 800 v.C.  Diese Art zu leben war nicht nur günstig und praktisch kostenlos, sie schütze die  damaligen Bewohner auch vor Wind, Sonne und  Feinden. Direkt in den Fels eines 400 m hohen Bergkegels aus Tuffsteinplateau gehauen, bilden diese Behausungen zusammen mit unterirdischen Labyrinthen, grau-braunen Konstruktionen aus allen Zeiten  und modernen Abwasser- und Regenwassernutzungssystemen ein sehr beeindruckendes Ensemble. Direkt davor tut sich eine grandiose und wilde Schlucht auf und gibt den unbeschreiblich schönen Panomarablick auf das Flusstal der Gravina frei.

Den italienischen Schriftsteller Carlo Levi erinnerten diese Höhlenwohnungen an die trichterförmige Hölle Dantes. Er schrieb in seinem 1945 erschienenen Roman „Christus kam nur bis Eboli“ über Matera folgendes: Die Türen der Behausungen standen wegen er Hitze offen und ich sah in das Innere der Höhlen, die Licht und Luft nur durch die Türen empfangen. Einige besitzen nicht einmal solche; man steigt von oben durch Falltüren und über Treppen hinein. In diesen schwarzen Löchern mit Wänden aus Erde sah ich Betten, elenden Hausrat und hingeworfene Lumpen. Auf dem Boden lagen Hunde, Schafe, Ziegen und Schweine. Im Allgemeinen verfügt jede Familie nur über eine solche Höhle und darin schlafen alle zusammen. Männer, Frauen, Kinder und Tiere.

Das hat sich natürlich geändert. Es gibt jetzt viele moderne Restaurants, ein Museum, Kunstgalerien, schicke Cafeterias und einige der Höhlen sind sogar zu schicken Hotels umfunktioniert worden. Aber der ursprünglich Charakter der Altstadt ist nicht verloren gegangen, das darf auch nicht passieren, sonst entzieht die UNESCO ihr ganz schnell den Titel (das haben wir ja in Dresden gesehen). Überall wird gearbeitet, gebaut und renoviert und viele Straßen sind – hoffentlich aus diesem Grund -  gesperrt.

60500 Einwohner hat diese Stadt, in der nun überall stolze Hinweise auf das Jahr 2019 hängen und mit einem großen Plakat am Museum, dem Palazzo Lanfranchi, steht  in schwarzen Buchstaben „Je suis Charly“, damit kommen die Bewohner auch schon einer der Verpflichtungen einer europäischen Kulturhauptstadt nach.

Auf der Suche nach einem Drehort für seinen kontroversen Film Das 1. Evangelium – Matthäus entdeckte1964 Pier Paolo Pasolini  Matera (eigentlich wollte er diesen Film in Palästina drehen, hat aber nach langen Reisen durchs Land  nicht das gefunden, was ihm vorschwebte – das erfährt man alles in der Ausstellung). Die intellektuelle Atmosphäre, die sich in den 60er Jahren in Italien um Persönlichkeiten wie Fellini, Moravia oder Elsa entwickelte, passte gut in das Konzept des homosexuellen und kommunistischen Pasolini, der plötzlich mit seinem eigenen, persönlichen Katholizismus auftrumpfte.

Materal-detail Matera Detail

Filme wurden seitdem immer wieder dort gedreht. Levis’ o.g. Buch wurde 1979 verfilmt und 1985 kamen die „Sassi“ (Felsen) mit dem Film King David erneut in die Kinos. 2002 setzte Mel Gibson mit dem  Film Die Passion Christi die (biblische) Kinokarriere von Matera  fort. Die drei Kreuze, die er auf der anderen Seite der Schlucht aufstellen ließ, sind immer noch zu sehen. Leider war die Einfahrt in den Naturpark, in dem viele Grotten und kleine Höhlenkirchen zu sehen sein sollen, gesperrt.

Matera hat eine lange und faszinierende Geschichte: Griechen, Römer, Langobarden,  Sarazenen,  Normannen haben im Laufe der Jahrhunderte Spuren und Angst hinterlassen. Seit 1927 ist Matera die Hauptstadt der Provinz.  Die Basilikata gehört zum Mezzogiorno und ist eine der ärmeren Regionen in Italien. Inmitten von nicht enden wollenden Bergketten, auf denen jetzt im April noch Schnee zu sehen war, liegt es eingekeilt zwischen Apulien, Kalabrien und Kampanien und hat nur einen kleinen Zugang zum Mittelmeer.

Die Einrichtung von Kulturhauptstädten geht auf eine Initiative der Europäischen Union, genauer gesagt der damaligen griechischen Kulturministerin Melina Mercouri  von 1985 zurück. Seit 2004 wird der Titel Kulturhauptstadt Europas an wenigstens zwei Städte in der EU vergeben.  Ziel sein soll allem, die Besonderheiten in europäischen Ländern besser kennen zu lernen,Toleranz und Verständnis zu fördern und kulturell-gesellschaftliche Events zu organisieren sowie die Region und das Umfeld nachhaltig zu fördern. Athen, wer auch sonst, machte den Anfang. Im Rotationsprinzip war Deutschland  zum letzten Mal 2009 mit dem Projekt Essen/Ruhr an der Reihe. Die Besucherzahl hat sich seitdem um die Hälfte verdoppelt. 

Dieses Jahr teilen sich das belgische Mons und Pilsen in der Tschechischen Republik den Titel. Wir sind dann wieder 2015 an die Reihe; beworben haben sich bis jetzt Dresden und Nürnberg.

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Skulpturenpark La Palomba / Matera Basilicata

Höhlenwohnungen und Skulpturen

schildDirekt an der SS7 vor Matera liegt auf der linken Seite der Skulpturenpark La Palomba im Archäologiepark der Chiese Rupestre. Der italienische Bildhauer und Anthropologe Antonio Paradiso hat ihn ins Leben gerufen und von ihm sind auch – zur Zeit – die meisten Objekte. Außerdem haben in diesem non-profit-Park auch noch die Künstler Carrino, Coletta, Moinfoli, Mattiacci, Nagasawa, Sagnulo, Stracciolli und Trotta Werke hinterlassen.  Auf ca. 6 Hektar mit 1500 qm Ausstellungsfläche stehen diese umwerfenden und beeindruckenden Skulpturen aus Metall, Marmor oder Stein. Der ehemalige Tuff-Steinbruch soll eine fantastische Akustik besitzen und es finden dort regelmäßig Konzerte statt.

Skulpturenpark La Palomba

Paradiso hat die Fusion zwischen dem weichen Tuff und rostigem Metall gesucht. Seine Skulpturen stehen da wie ehemalige Riesenwerkzeuge oder erinnern an Kräne, obwohl sie z.B. Ikarus oder Flug  heißen. Die abgearbeitete Tuffwand sieht selber wie ein Kunstwerk aus.

detail Tuffwand Detail Tuffwand im Park

Der Park ist immer geöffnet und ist gratis. Allerdings kann am Haupttor einen freiwilligen Beitrag in eine Box werfen.

P1230189KreisAuto
Skulpturen von Paradiso

 

Fotos: Christa Blenk

matera-ganz Matera

Fotos: Christa Blenk

 

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Muse Dannunziane

villatorloniamusencristinacrespo
Eingang Ausstellungsraum, Innenansicht, Cristina Crespo während der Eröffnung
 

Bei traumhaften Musen-Wetter am 1. April präsentierte Cristina Crespo ihre Musen Dannunziane, an deren Verwicklichung sie seit über einem Jahr arbeitet. Sehr schön stehen sie da, im wie dafür geschaffenen Raum in der Casina delle Civette in der Villa Torlonia.

P1220842

Anläßlich der Eröffnung der Ausstellung hat Cristina Crespo auch zwei Tänzerinnen auftreten lassen, die dann – in Lois Fuller Manier – vor dem Publikum auftraten.

Die Musen sind in zwei verschiedenen Gebäuden untergebracht. Im ersten, dem Hauptraum, stehen u.a. Ida Rubinstein, Lois Fuller, Mata Hari,  Olga Koklova. Isadora Duncan hat im zweiten Gebäude einen Raum für sich allein bekommen. Die Musen tragen auf der Rückseite jeweils eine Hommage an die Zeit oder an den Musenträger, so Olga, die Picasso auf ihrem Rücken trägt.

P1220760 P1220804 Rückseiten der Musen

Hier nochmals ein Auszug aus dem Artikel über Cristina Crespo:

Im Garten der tanzenden Musen wohnen u.a. Olga Koklova, Picassos wichtigste Muse und erste Tänzerin im Ballet Russe sowie die Muse der radikalen Futuristen, die amerikanische Radium-Tänzerin Loïs Fuller, geladen. Die französisch-polnische Komponistin Elzbieta Sikora hat Fuller in ihrer letzten Oper „Madame Curie“ gewürdigt und ihr eine fatale Rolle zugeteilt. Man sagt, Fuller hätte sich bei den Curies mit Radium versorgt, um bei ihren aufwendigen und bahnbrechenden Performances hell zu erstrahlen. Unter Rosen verbirgt sich die andere Futurismus-Muse, die dramatische Isadora Duncan, sie erdrosselte sich praktisch selber, als sich beim Zu- schnell-Fahren im offenen Auto ihr Schal in den Autoreifen verhedderte. Mit dabei natürlich die bahnbrechende und exotische-erotische Tanz-Ikone der 30er Jahre Ida Rubinstein, Cristinas Lieblingstänzerin, die sie immer wieder in anderen Rollen darstellt, eine der schönsten ist eine schwarze, halbbekleidete Magdalena in der Wüste. Desweiteren finden sich dort die adelige Römerin Claudia Quinta, die mexikanische Kultikone Frida Kahlo, geschmückt mit Königsstrellizien, Manets Muse Lola aus Valencia und die Bauchtänzerin Sharon Kihara ein. Außerdem treffen wir auf die tanzende Stummfilmdarstellerin Brigitte Helm, die Muse von Fritz Lang in Metropolis und natürlich Mata Hari, die Abenteurerin sowie Cleo de Mérode, die schönste Ballerina überhaupt, wie man sagt. Die Liste der tanzenden Musen ist lang und ihr Garten sehr groß, aber irgendwann finden sie alle ihre Bestimmung.

Gabriele D’Annunzio (1863-1938) wurde vor 150 Jahren geboren. Cristina Crespo widmet ihm – aber vor allem seinen Musen – dieses Projekt. Fasziniert darüber, wie viele interessante und intelligente Frauen dieser eher kleine und nicht besonders attraktive militante Nationalist für sich gewinnen konnte, entstand die Idee eines Gartens der tanzenden Musen. Dass der plüschige, kitschige und bombastischen Pomp liebende d’Annunzio zwischen den Frauen, Autos, Pferden, Luxus, Kunst, Politik, Einkäufen (vor allem Schuhe) überhaupt noch Zeit zum Schreiben hatte, ist eigentlich ein Wunder. 1883 entführte er eine junge Herzogin und heiratete sie gegen den Willen der Eltern. Nachdem er drei Kinder mit ihr hatte und Eleonora Duse in sein Leben trat, verließ er die Familie. Die Duse war sicher die wichtigste Frau in seinem Leben, die ihn inspirierte und ihm obendrein auch den nötigen Luxus der er brauchte, verschaffen konnte. Später flüchtete er vor seinen Schuldnern nach Paris und dort tanzte Ida Rubinstein für ihn.

Die Ausstellung ist noch bis Ende Juni in der Villa Torlonia zu sehen.

Text komplett für Katalog in deutscher Sprache

testo catalogo completto in lingua italiana

Christa Blenk

Fotos: Christa Blenk

 

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Cristina Crespo – Muse Dannunziane – inaugurazione mostra 1 aprile

P1200125Isadora DuncanSharon kihara Fotos: Christa Blenk

Narrami, o Musa, le gesta …..

Palestrina è un’antica cittadina a sud di Roma che dal XVIII secolo divenne una delle tappe del viaggio di formazione verso sud, il cosiddetto „Grand Tour“. Già nell’antichità questa località adagiata tra le montagne era collegata direttamente a Roma tramite la Via Prenestina e in seguito la Via Casilina. Palestrina venne menzionata per la prima volta in documenti pontifici risalenti all’VIII secolo. Nel 1515 diede i natali al compositore di musica sacra Giovanni Pierluigi da Palestrina.

Cristina Crespo è nata a Roma, in un quartiere in cui alla fine degli anni cinquanta nei giardini si potevano ancora ammirare sculture e piante imponenti. Oggi dominano quasi ovunque gli uffici. Negli anni sessanta trascorreva quasi sempre le vacanze dalla nonna a Palestrina. La nonna aveva un grande giardino che era, soprattutto d’estate, il luogo preferito di Cristina. L’aver conosciuto in quell‘idillio floreale tutti quei fiori e arbusti esotici e variopinti ha sviluppato in lei un profondo legame e una sorta di affinità elettiva con la botanica e con gli abitanti del posto. Qui i bombardamenti degli Alleati nella seconda guerra mondiale arrecarono notevoli danni e molte piante deperirono. Tuttavia nei racconti della nonna e della prozia ricorrevano sempre determinate specie vegetali, tra cui anche un viburno bianco. Quest’albero molto particolare si è impresso nella memoria di Cristina che in seguito, da adulta, è riuscita a farne rifiorire uno. In quel giardino inoltre giacciono ancora le anfore ricoperte e nascoste dalle piante che Cristina già da piccola dipingeva con le saghe di Ovidio. I suoi pensieri ruotano costantemente intorno alle storie e alle leggende narrate dalla prozia e anche a quelle sottaciute, come le nozze indesiderate di sua figlia con un produttore di cinema muto.

A diciassette anni Cristina, ancora studentessa, trovò in una piccola bottega del centro un reliquiario, una specie di teca del tipo „Addolorata dei sette dolori“. Non disponendo del denaro per acquistare quel prezioso oggetto, l‘ottenne in cambio di quattro suoi dipinti. Quella teca fu per lei determinante e rappresenta oggi il punto di partenza dei suoi altari-teatro. Quando successivamente si trasferì con la famiglia in una casa sulla Cassia, la „venerazione mariana“ rimase nel suo atelier. Adesso è appesa proprio sopra la Wunderkammer di Cristina, in cui lei conserva oggetti di valore, conchiglie, pietre, piante o farfalle essicate e che, per inciso, nel Romanticismo avrebbe riempito di orgoglio chiunque avesse posseduto un simile „gabinetto delle curiosità“.

Il suo atelier è una miniera d‘oro e una stanza del tesoro à la Ali Baba: in esso sono allineati materiali di scena accumulati nel corso degli anni, tra cui un impressionante deposito di stoffe esclusivamente riciclate. Accanto ai veli trasparenti, che un tempo forse appartenevano alla Tersicore coronata di ghirlande, quando nel giardino della nonna spargeva l’impalpabile rugiada su bougonville, orchidee, pavonie e oleandri, si trovano preziose perle di vetro e filati, scampoli di stoffa e prove di cucito su tessuti tagliati e non più riutilizzabili provenienti dall’atelier di un designer italiano, un altro lascito della prozia. Tutti questi oggetti sono in attesa di fare ingresso nel suo personale Eliseo, nel Giardino delle muse danzanti, e di ottenere un loro ruolo.  Alcune marionette stanno già da anni in un angolo in paziente attesa di vedersi assegnare un compito o un ruolo in uno dei suoi teatrini. Talvolta manca l’acconciatura, un cappello o una collana o semplicemente solo lo sfondo, ma Cristina sa che cosa sta cercando soltanto quando l’ha finalmente trovato. Il suo atelier è un grande palcoscenico con tante porte, finestre e sipari, in cui si celano molti piccoli altari-teatro che devono solo essere scoperti e portati alla luce.

Muse Dannunziane

L’esposizione che Cristina Crespo sta preparando è dedicata alle piante e alle muse.

Le muse sono esseri trasognati e giocosi che a volte si innamorano di un Dio o di un mortale. Da queste unioni nascono figli dotati ed eccezionali come il bel Giacinto, ucciso per tragico errore da Apollo, la guida delle muse. George Balanchine creò la coreografia per l’„Apollon Musagète“ di Stravinsky,in cuiApollo danza impaziente con le muse Tersicore, Calliope e Polimniafino al Monte Parnaso. Dal sangue di Giacinto sbocciò un fiore che porta il suo stesso nome, che nel giardino di Cristina aspetta solo di appartenere a qualcuno. Anche il Lucio di Apuleio si trastulla ancora là, forse per trovare le rose che lo redimeranno dopo la sua sventurata trasformazione in un asino.

Cristina sa che senza il bacio della musa non c’è creazione, non c’è arte, non c’è musica, non c’è redenzione.

Tutte le cose che abbiamo dimenticato, chiedono aiuto nei nostri sogni. (Elias Canetti).

Originariamente le muse erano le depositarie della memoria, chiamate a coltivare e diffondere cultura, tradizioni, storie, usanze e ricordi. Mnemosine (la memoria), Melete (la pratica) e Aede (il canto ) formavano il trio di muse cui spettava il compito di trasmettere e divulgare le antiche leggende tramandate solo oralmente. Non era un’impresa facile, poiché le storie sugli dei, i semidei e i loro discendenti presumibilmente venivano trasmesse in toni positivi o negativi e arricchite di interpretazioni proprie a seconda di com’erano disposte le muse nei loro confronti. Soltanto in un secondo tempo il numero delle muse aumentò a nove e le aiutanti dei poeti si specializzarono tra l’altro nella tragedia, nella commedia, nella poesia, nella musica, nella danza e addirittura nell’astrologia, divennero più efficienti e popolari e infine celebrarono il loro ingresso nella pittura e nel teatro.

« Sulle macerie di un’epoca malata si erano incontrati il movimento e lo spirito, senza intercessione » scrisse Gottfried Benn in una novella.

Influenzato dal „movimento estetico“ inglese intorno ad Alma Tadema e Oscar Wilde, anche Gabriele D’Annuzio cercava di condurre la vita improntata al piacere riservata ad alcuni privilegiati. Che fossero muse, modelle, femmes fatales o fanciulle di buona famiglia, tutte volevano uscire dalla prigione di nebbia grigia dell’industrializzazione e mostrarsi imbellettate, misteriose e non affatto politicamente corrette. Attraverso la luce, il colore, i fiori e la danza ci si scrollava di dosso il rancido accademismo e ci si liberava delle costrizioni borghesi che predicavano un falso moralismo, per dirigersi verso una modernità sensuale e aperta. Nell’ebbrezza del Valzer di Vienna e nel decorativo stile liberty intorno al 1900, il movimento sotto forma di ballo diventò un fenomeno alla moda e l’Europa e l’America vennero travolte da una vera e propria ondata di danza che perdurò fino a metà del XX secolo e incluse anche il musical. „Movimento“ era peraltro anche una delle parole chiave dei futuristi, che però pensavano piuttosto alle macchine, alla velocità e all’obsolescenza. Tutte le grandi ballerine e i ballerini come Isadora Duncan, Lois Fuller, Ida Rubinstein, George Balanchine, Vaclav Nijinsky o Mary Wigman, la tedesca pedagogista della danza e pioniera della danza espressionista, si sono scatenati tutti più o meno contemporaneamente sui parquet e sui palcoscenici del mondo culturale occidentale. Girotondi orgiastici come quelli dipinti da Franz von Stuck o la danza della strega di Mary Wigman: confluirono insieme stile liberty, espressionismo o futurismo e si continuò a ballare, interrotti solo dalle due guerre mondiali, fino agli anni cinquanta.

All’Esposizione Universale di  Chicago del 1893 una ballerina sconosciuta, Little Egypt, fece furore dinanzi al pubblico internazionale eseguendo una danza orientale, o danza del ventre. Originaria dell’Egitto, tale danza allora era praticamente sconosciuta in occidente, benché alcune menzioni risalgano al 1700. Ovviamente fu uno scandalo e ci si indignò, come conveniva in un’epoca in cui non si poteva nemmeno mostrare un piede scoperto. Ma il pubblico era impazzito per Little Egypt. Questo senz’altro contribuì in modo decisivo a far abbandonare gli spettacoli in tutù per sperimentare qualcosa di nuovo, diverso e provocatorio.  Ida Rubinstein e successivamente Josephine Baker fecero poi cadere del tutto i vestiti; tuttavia il pubblico degli anni venti e trenta a Parigi era diverso da quello a cavallo del secolo. Aveva superato lo scandalo di Stravinsky e Marcel Duchamp ed era pronto.

Il termine danza del ventre probabilmente deriva dal francese, Flaubert la descrive, la „danse du ventre“, nei suoi reportage di viaggio. Nel 1906 Franz von Stuck dipinse la sua celebre Salomé e sembra che Cleopatra avesse sedotto Giulio Cesare con una danza del ventre, mentre la Regina di Saba  ballò per il Re Solomone dopo avergli fatto ricchi doni. Naturalmente anche Cristina Crespo si è già cimentata in questo ballo orientale ed ha perfino un’insegnante di danza del ventre.

Non vanno poi dimenticati il musical e il tip tap. Di questo ballo con scarpe munite di placchette di metallo si parlò per la prima volta già nel 1830, ma fu soltanto agli inizi del XX secolo che conobbe un vero e proprio boom, tra l’altro grazie al „dream team“ Fred Astaire e Ginger Rogers.

I misteri sono femminili, si mascherano volentieri, ma vogliono essere visti e scoperti, affermò il romantico Schlegel intorno al 1800.

Nello stile liberty le muse tornarono alla ribalta e i pittori, compositori o poeti non potevano più esistere senza di loro. Nella Secessione viennese Gustav Klimt aveva come sua musa Emilie Flöge, mentre Sigmund Freund e  Nietzsche erano più che incantati da Lou Andreas Salomé. Alma Mahler Werfel non era soltanto la musa del compositore Mahler, in sua assenza Kokoschka non poteva nemmeno respirare, Werfel non poteva scrivere e lei stessa non era nessuno senza loro tre. A Parigi Toulouse Lautrec non riusciva nemmeno a tracciare un segno sulla carta senza avere accanto a sé la ballerina di can can Jane Avril e Agustina Otero Iglesias, la ballerina e cortigiana spagnola che danzava nei Folie Bergères, fece perdere la testa a Parigi, mentre a Monaco Lola Montez faceva lo stesso con l’Imperatore Ludovico II.

I loro busti di ceramica sono realizzati nelle più diverse tonalità di bianco e, ispirati ai fiori preferiti del periodo liberty, indossano tutti un pomposo ornamento del capo. Alcune figure portano il loro tatuaggio di riconoscimento anche sulla schiena, come ad esempio Jean Cocteau, decorato con una scena tratta dalla „Parade“.

Ad un appuntamento nel Giardino delle muse danzanti sono invitate anche Olga Koklova, la più importante musa di Picasso e prima ballerina al Ballet Russe nonché la musa dei futuristi radicali, la danzatrice americana che si illuminava con il radio Lois Fuller. La compositrice franco-polacca Elzbieta Sikora ha reso omaggio alla Fuller nella sua ultima opera „Madame Curie“, in cui le ha assegnato un ruolo fatale. Si dice che la Fuller si rifornisse di radio dai Curie per apparire più luminosa degli altri nelle sue performance complesse ed innovative. Sotto le rose si nasconde l’altra musa del futurismo, la drammatica Isadora Duncan, che praticamente si strozzò da sola perché guidava troppo velocemente con il tettuccio dell’auto aperto e le si impigliò la sciarpa tra le ruote. E con loro naturalmente Ida Rubinstein, l’icona della danza degli anni trenta, provocatoria ed esotica-erotica, la ballerina preferita di Cristina, che la rappresenta continuamente in ruoli diversi, di cui uno dei più belli è una Maddalena nel deserto nera e mezzo vestita. Vi si incontrano inoltre la nobile romana Claudia Quinta, l’icona cult messicana Frida Kahlo adornata con sterlizie reali, la musa di Manet Lola di Valencia e la danzatrice del ventre Sharon Kihara. Vi vediamo altresìdanzarel‘attrice del cinema muto Brigitte Helm, la musa di Fritz Lang in Metropolis, e naturalmente l’avventuriera Mata Hari nonché Cleo de Mérode, la più bella ballerina in assoluto, come si riferisce. La lista delle muse danzanti è lunga e il suo giardino molto grande, ma prima o poi trovano tutte il loro posto.

Gabriele D’Annunzio (1863-1938) nacque 150 anni or sono. Cristina Crespo dedica a lui – ma soprattutto alle sue muse – questo progetto. Affascinata da quante donne interessanti e intelligenti riuscì ad avere questo militante nazionalista piuttosto piccolo di statura e non particolarmente attraente, ha concepito l’idea di un giardino delle muse danzanti. È di fatto un miracolo che D’Annunzio, amante dello sfarzo piccolo-borghese, kitsch e bombastico, tra le donne, le auto, i cavalli, il lusso, l’arte, la politica, gli acquisti (soprattutto scarpe) trovasse anche il tempo per scrivere. Nel 1883 rapì una giovane duchessa e la sposò contro il volere dei genitori. Dopo aver messo al mondo con lei tre figli e aver conosciuto Eleonora Duse, lasciò la famiglia. La Duse fu sicuramente la donna più importante della sua vita, lo ispirò e per di più gli poté procurare anche il lusso di cui lui aveva bisogno. Più avanti egli se ne andò a Parigi per sfuggire ai debitori e là ballò per lui Ida Rubinstein.

Ci si può perdere molto facilmente in questo giardino della memoria, è un labirinto e non tutti trovano la via d’uscita. In lontanaza si ode il sussurro e il silenzio bisbigliante dell’oracolo che descrive il percorso, ma ancora più importanti sono le esperienze, i desideri e le speranze personali. Se tuttavia non si dedica abbastanza tempo a queste storie, si rimane soltanto uno spettatore esterno e non si riesce nemmeno ad entrare.

Questo delicato progetto è il personale Grand Tour di Cristina Crespo. Per anni lei ha visitato i luoghi frequentati dalle sue protagoniste e si è recata molte volte sul Lago di Garda, dove c’è la dimora di D’Annunzio – forse anche alla ricerca dello spirito delle muse?

Ad aprile 2015 le muse agghindate saranno esposte a Roma alla Casina della Civetta. Questo palazzo degli anni trenta in stile liberty è incantevole proprio come il suo giardino e si potrebbe persino immaginare che le protagoniste della mostra prendano vita e scambino i ruoli con le muse che danzano alle pareti.

GIARDINO DELLE MUSE DANZANTI „Le Dannunziane“ è il titolo del suo libro che uscirà prossimamente in occasione della mostra. Muse, miti e leggende hanno da sempre ispirato e affascinato i musicisti e gli artisti e la storia dell’arte e della musica sarebbe molto povera senza le diverse interpretazioni della mitologia. Questo progetto invece è qualcosa di particolare, nessuno prima si era occupato in tal modo delle muse e delle ballerine, attribuendo loro fiori e piante: un omaggio più grande allo stile liberty non sarebbe possibile.

Mito e teatro

L’attuale progetto delle Muse Dannunziane di Cristina Crespo evoca un’associazione con gli altari-teatro a cui lavora dagli anni novanta. Non sono stati soltanto i suoi viaggi in Sudamerica, in Nordafrica o in Asia a motivare e stimolare queste composizioni teatrali, un contributo decisivo lo hanno dato anche i suoi studi sul Medioevo italiano nonché, come già menzionato, l’acquisto di una teca religiosa all’età di 17 anni. Questi ricordi e queste impressioni di usanze straniere e religioni pagane lei li fonde con la mitologia, le leggende familiari e la Commedia dell’Arte, dando vita così a questi affascinanti arrangiamenti teatrali. Le storie narrate qui trasportano lo spettatore dal dramma alla commedia, al giardino delle Esperidi, ricordano la Genesi e richiamano Ovidio. Alcune figure, come „Uta nuda“, sono semplicemente collocate in una scatola di legno che un tempo forse era servita a confezionare un liquore pregiato. Non molto lontane giacciono anche Danae o i suoi prediletti come la sacerdotessa di Afrodite Ero e il suo amante Leandro. Edipo e la Sfinge sono interpretati molto liberamente. Il primo sta sopra le mura di Tebe con la mano appoggiata sull’ala dorata della sfinge tentatrice di Franz von Stuck. Lei sta precipitando o lui la vuole sorreggere e forse salvare Giocasta dalla morte. La scena è incorniciata da tonalità simboliste che evocano l’Ofelia di Millais.

Dinanzi a queste composizioni teatrali non si può fare a meno di pensare ai pupi siciliani, ma anche alle edicole sacre tanto diffuse nelle strade del sud o al culto del presepe a Genova, città da cui proviene originariamente la sua famiglia. Generalmente nelle edicole è raffigurata una Madonna con bambino e sono piene zeppe di tesori o di altri oggetti tipici di una Wunderkammer, con ricordi e proponimenti del committente o costruttore e stanno là appese, leggermente impolverate e un po‘ tristemente decadenti, raccontando la storia del passato.

Le sue crezioni laboriose e barocche sono un mix di pittura, scultura e poesia che in combinazione con le tradizioni, le religioni e i rituali diventano opere d’arte. Un horror vacui organizzato che induce a inventare tante piccole storie collaterali e a mettere ordine in un caos che in realtà non vuole affatto essere ordinato. Il suo stesso atelier è come un enorme teatro in cui il palcoscenico, la stanza dei materiali di scena, i camerini degli attori e la sala degli spettatori non sono separati e vengono soltanto spostate delle pareti dietro alle quali si scoprono altri piccoli palcoscenici. Queste costruzioni teatrali risalgono agli anni novanta e sono realizzate soprattutto in legno, stucco, stoffa, tulle, metallo e acrilico. Nel video sul „Giardino Notturno della Marchesa Casati » si può comprendere bene il processo di creazione.

Cristina Crespo in passato cantava, soprattutto musica barocca, e a volte si potrebbe ritenere che nelle sue messe in scena pensi alle opere di Händel o ai lavori di von Lully e Purcell e che in queste scatole teatrali collochi proprio loro, oltre che se stessa. Peraltro tratta molto liberamente le storie  – come lo facevano anche le muse – e sovente conferisce loro una vita propria, come un  autoritratto.

Questi gioielli hanno origine con un complesso lavoro di cesello. I materiali per i suoi feticci li procura lei stessa, cercandoli spesso a lungo. Così ad esempio i „capelli“ più belli provengono dal suk di Marrakesch. Cofanetti di legno, cartone, carta, colore, perle e fili vengono combinati come attraverso una formula magica del Dr. Faustus. Sua nonna le ha lasciato in eredità avanzi di merletti ingialliti, passamanerie e bordure, che lei usa per adornare regine o principesse o le sue muse. Accanto alla Isadora Duncan appena ultimata si trova, mezza nascosta, una piccola teca: „Questa è Dalida“, dice Cristina. Indossa una meravigliosa veste dorata e si rivolge una pistola alla testa. Cristina toglie la marionetta e apre una seconda porta, per così dire un doppio fondo da cui viene alla luce un disco (45 giri) con una canzone di Dalida. Si aprono costantemente porte, da cui emerge il suo passato o quello di un’altra artista. Talvolta anche i destini si mescolano.

Lei idea, disegna, cuce, incolla, combina, dà la forma a fili di ferro e teste di gesso e una volta ultimati gli abitanti passa a costruirne la casa o una grotta, finché arriva finalmente il momento dell’installazione, della messa in scena. Il processo di realizzazione è molto lungo e laborioso, include complessivamente fino a 13 passi da eseguire nell’arco di diverse settimane. Figurine preconfezionate da lei servono come prova. Un lavoro faticoso, dispendioso e paziente. Le marionette portano per lo più i capelli lunghi, scialli fluttuanti e molte collane, come Cristina ama farsi vedere. I busti in ceramica delle muse vengono cotti da lei stessa nel suo atelier di Ostia. 

Oggi Cristina Crespo vive con la famiglia nella periferia di Roma, sulla Cassia al km 12: qui nel Medioevo sostarono i crociati per rinfrescarsi dopo il lungo viaggio prima di fare visita al papa a Roma. Questa importante strada consolare ha una grande rilevanza anche perché conduce al Ponte MIlvio e tutti coloro che nel XVII e XVIII secolo intraprendevano il viaggio di formazione dal nord entravano a Roma passando per questo ponte, esso conduce direttamente a Piazza del Popolo, dove Goethe riceveva i suoi ospiti. Egli infatti divideva con Tischbein un appartamento su Via del Corso, a soli 20 m di distanza dalla piazza.

Benché la sua vita sia profondamente radicata nelle storie del passato, dagli anni novanta Cristina si interessa e si impegna molto anche per l’arte contemporanea ed ha collaborato a lungo ad una serie per l’emittente televisiva italiana „Art News“. In quel periodo hanno avuto origine documentari su Edward Hopper, sul futurismo, Francis Bacon etc. Contemporaneamente è stata spesso ospite ed ha lavorato alla Fondazione Orestiade di Trapani, in Sicilia. Per la rivista d’arte „Cahiers d’art“ Cristina ha illustrato alcuni dossier, tra cui un ciclo su  Friedrich Dürrenmatt (La morte della Pizia) e uno su Novalis (Inni alla notte). È un’artista senza tempo, che si sente a casa in ogni secolo o in nessuno. 

Vorreste fare del tempo una corrente sulle cui rive sedervi a guardarla fluire. Eppure ciò che in voi è senza tempo, sa che la vita è senza tempo. E sa che ieri e domani non sono che il ricordo ed il sogno dell’oggi. (Khalil Gibran, Il Profeta)

Ad aprile 2015 giungerà finalmente l’ora, si aprirà la porta del giardino delle memorie e Apollo e Euterpe accompagneranno con la musica la danza delle muse. 

P1200091

Text in deutscher Sprache

Christa Blenk

 tradotto da Fiorella Pavan

 

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Controtempo #6

 

Villa Medici Treppe Villa Medici

Zum sechten Mal findet zur Zeit des Festival Controtempo #6 in der Villa Medici in Rom statt.

Gestern abend, vor einer witzigen Performance von Ondrej Adámek – Airmachine – und einem Gespräch mit zwei ehemaligen Stipendiaten, den Komponisten Sebastian Rivas und Jérôme Combier, wurden im Salon de Musique der Villa Medici das Quartett mouvement (2008) von Goerges Aperghis, eine Uraufführung von Sebastian Rivas – Stains in the Carpet – Quintett mit Kontrabass, und eine von Jérôme Combier Parler longuement de fantómes (beide 2014) sowie Sequenza XIVB (2002) von Luciano Berio.

Jérome Combier hat vor dem Konzert erzählt, dass er mit dieser Komposition den Geist einer alten, für ihn nicht gelungenen Komposition als Stipendiat der Villa Massimo, töten wollte. Einfach auswischen, was war. Sein Werk hört aber dann doch damit auf, dass sich ein Phantom aus dem Lautsprecher meldet. Aber das 25 Minutenstück hat sehr fasziniert und beschäftigt.

Aufgeführt wurden die Stücke mit viel Einsatz, großem Können  und Bravour vom Quartett Béla; der ausgezeichnete Kontrabassist war Florentin Ginot.

Villa Medici Garten

 

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100 SCIALOJA Azione e Pensiero

impronte-scialojatoti-scialoja-macro
scialoja-theaterP1220657
Toti Scialoja « Impronte », Aktion Painting, Bühnebilder - Eröffnung am 26/3/15 -MACRO

 

100 SCIALOJA Azione e Pensiero

Zum 100. Geburtstag von Toti Scialoja (1914-1998) organisiert das Macro (Museum für Zeitgenössische Kunst in Rom) eine Hommage dieses italienischen Vertreters der abstrakten Kunst.  Der italienische Maler und Dichter Toti  Scialoja war einer der bekanntesten und bedeutendsten Vertreter der Abstraktion nach dem 2. Weltkrieg.

Sein Einstieg in das Künstlerleben begann schon in den 30er Jahren, als er das künstlerische und literarische Umfeld der Galleria La Cometa in Rom entdeckte. 1937 brach er sein Jurastudium  ab und widmete sich gänzlich der Malerei. Scialoja war  aktives Mitglied der Widerstandsbewegung und  gründete mit 3 anderen Künstlern die Gruppe „I quattro fuori strada“ . Ende der 40er Jahre ging er nach Paris und entdeckte Soutine und die Expressionisten. Der erste Saal ist diesem Zeitabschnitt gewidmet. Eine Reise in die USA Anfang der 50er Jahre hatte direkte Auswirkungen auf seinen Stil, den Umgang mit der Farbe und auf die Textur in seinen Bildern, wie die hier ausgestellten  Bilder, die durch Oberflächenabdruck auf andere Bilder oder Materialen entstanden  Impronte (1957) hängen gleich im nächsten Saal. Der Weg führt weiter über die Transition vom Expressionismus hin zu einer Art Neo-Konstruktivismus,  bis er beim Action Painting à la Pollock oder Motherwell ankommt. Er änderte dadurch nicht nur seinen Stil sondern auch das Format. Seine Arbeiten sind fast ausschließlich wandfüllende Arbeiten von mehreren Quadratmetern.

Die abstrakte Malerei der Bewegung benötigt eine sehr weite Dimension, denn die Bewegung kommt nicht nur aus dem Handgelenk, sondern aus dem ganzen Körper des Menschen, braucht Raum, der Bewegung erlaubt…“ (Toti Scialoja in einem Interview im Januar 1997)

Ein großer und wichtiger Teil der Ausstellung ist seinen Theaterprojekten gewidmet. Der Dichter-Maler Scialoja, der selber Stücke schrieb, übernahm manchmal eigenhändig Regie, Kostüme und Bühnenbild  und schrieb auch noch das Libretto. Schon als knapp 30-jähriger war er eine wichtige Persönlichkeit im römischen und italienischen Theaterleben. Diese Originalzeichnungen sprechen Bände und es fällt leicht, sich das Stück vorzustellen, man bedauert vor allem, nicht dabei gewesen zu sein.

1959 nahm er an der documenta 2 teil,  reiste erneut  nach  New York und Paris bis er 1964 nach Italien zurückkam und an der Biennale von Venedig teilnahm. Später wurde er zum Direktor der Accademia di Belle Arti in Rom ernannt. Ein Amt, das er sehr lange hielt. Später verbrachte er eine geraume  Zeit  im sog „künstlerischen Labor“ der Fondazione Gibellina / Sizilien auf, um das alle großen Maler her nicht herumkommen. 1998 ist er in Rom verstorben.

Die 1999 entstandene Stiftung Scialoja verfügt über 7000 Kunstwerke von Toti Scialoja und seinen Zeitgenossen. Es sind  u.a. Werke zu sehen, die noch nie ausgestellt wurden. Die Ausstellung geht noch bis Mai 2015 und wird abgelöst von einer Fortsetzungsausstellung mit Werke von seinen Kollegen und Freunden wie Burri, Balder, de Kooning, Motherwell, Morando, Twombly etc., die ebenfalls aus der Stiftung kommen bzw. aus Privatsammlungen.

Christa Blenk

 

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Chagall – Love and Life

P1220599 Ausstellungsplakat

Alles was (keine) Flügel hat fliegt: Architekt der Träume und des Gaukelspiels

Für mich ist der Zirkus ein magisches Schauspiel, das kommt und vergeht wie eine Welt.“

Marc Chagalls  (1887-1985) Faszination für den Zirkus, die nostalgische Verliebtheit zu seinem Geburtsort und eine Begeisterung  für die Bibel sowie die außergewöhnlich romantische Verehrung und Liebe zu seiner Frau Bella, die er 1915 heiratete und die 1944 verstarb,  waren seine Motoren und der Ansatzpunkt für diese Ausstellung:

Chagall – Love and Life.

Diese kuriose Fusion ließ Chagall seine singenden magisch-surrealen und persönlichen Bilder malen, die aus einem Roman  von Gabriel Garcia Márquez entsprungen sein könnten.  Chagalls fliegende Bauern heißen zwar nicht  Aureliano Buendía und sind keine schillernden Diktatoren oder Politiker in Macondo, aber so stellen wir uns sie vor, wenn sie musizierend an der Seite von Kühen und mysteriösen, dunkelhaarigen Frauen durch die Lüfte gleiten.  Gogols Tote Seelen oder die Fabeln von La Fontaine, wichtig die Illustration der Bibel und die Aufträge des Pariser Galeristen Vollard rundeten den jahrzehntelang anhaltenden Erfolg von Chagall ab. Ein malender, naiver,  harmoniesüchtiger Maler-Poet, ein mythisch-religiöser  Eigenbrödler, der mehrmals in seinem Leben alles verloren hat, das war er.

Ich bin ein Mystiker. Ich gehe nicht in die Kirche oder die Synagoge. Ich bete, in dem ich arbeite.“

140 Exponate, darunter  Gemälde, Zeichnungen und Drucke aus dem Israel Museum Jerusalem, die noch nie in Rom waren, werden gezeigt und im Mittelpunkt steht fast ständig seine Frau und ewige Muse,  Bella Rosenfeld. Entweder weil sie in seinen Autoportraits an seiner Seite steht oder fliegt wie „Im Spaziergang“ oder weil er ihre drei Bücher illustriert. Sie ist immer um ihn und verwöhnt und versorgt ihn.

Sie (seine Frau Bella)  brachte mir morgens und abends liebliche hausgebackene Kuchen ins Atelier, gebackenen Fisch, gekochte Milch, bunte Stoffe und sogar Bretter, die mir als Staffelei dienten. Ich öffnete nur mein Fenster, und schon strömten Himmelblau, Liebe und Blumen mit ihr herein. Ganz weiß gekleidet oder ganz in Schwarz, geistert sie lange schon durch meine Bilder, als Leitbild meiner Kunst.“

Ein Großteil der Schau sind grafische Werke, die seine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse seiner Jugend in Witebsk, seine Reisen und Traumata, seine Auseinandersetzung mit ihm als Künstler und dem Holocaust und immer wieder mit der  (jüdischen) Religion beleuchten. Die zentralen Themen in seinem Leben laufen hier vorbei. Biblische, hebräische, orthodoxe, religiöse, pagane,  biblische und allegorische Geschichten, Hoffnung, Glaube, Flucht und Feste, wie im Gemälde Liebende oder Die Liebenden (1949) zu sehen ist. Letzteres ist auch das Ausstellungsplakat.

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust nimmt natürlich auch eine wichtige Rolle in seinen Bildern ein. Er hat dies hier auf den Gekreuzigten übertragen. Die Gouache auf Papier, die 1944 in New York entstand „The Crucified“ spricht davon. Hier malte er sicher wieder ein russisches Dorf. Nicht identifizierte Tote liegen auf der Straße, ein Mann sitzt auf dem Dach und beobachtet die  mit Schnee bedeckte Straße, die  – wie Wegweiser fast – von  Gekreuzigten eingesäumt ist.

Stilprägend für ihn waren einmal seine Heimat und der Zirkus, bei dem ja auch alles möglich ist, Männer verschlucken Schwerte oder können durchs Feuer gehen während sie einer bunt-scheckigen fliegenden Kuh die Hand halten.

Warum ist die Kuh grün und warum fliegt das Pferd in den Himmel? Fragten die Genossen. Was hat das mit Marx und Lenin zu tun?“ (Krieg und Revolution in Russland – die Jahre 1914-1923)

Fast 100 Jahre hat er gelebt und  den Beginn der Industrialisierung sowie den Verlust der Illusion in der Romantik miterlebt, hatte Kontakt mit en Futuristen und Kubisten Anfang des 20. Jahrhunderts in Paris , den ersten Weltkrieg, die neue Sachlichkeit, den Aufstieg der Nazis und den zweiten Weltkrieg und den Neubeginn ab den 50er Jahren. Hier ist die weißrussische Zirkus-Folklore genau so wichtig wie der Einfluss in Paris. Chagall übersetzte selber Texte der griechischen Antike,  Orakelhaftes und mythologisch-paganes. Außer ein wenig Zeichenunterricht in seinem Geburtsort hat er nicht viel  Mal- oder Z eichenunterricht bekommen. Und obwohl Chagall sich eigentlich über die Tendenzen der Avantgarde hinweggesetzt hat, fanden die Stile doch alle irgendwann mal für kurze Zeit Eingang in seine Werke. Immer wieder denkt man an die Kubisten und vor allem an die Surrealisten, aber halt anders. Es gibt keine quadratischen Äpfel oder rechteckig-verzerrte Köpfe, dafür fliegende Bauern und Fiedler  sowie Kühe und Pferde, die zwar  auch eher eigen aussehen, aber eben keinem Stil zuzuordnen.

 „Während in den russischen Ateliers ein gekränktes Modell schluchzte, bei den Italienern Lieder und Gitarrenklänge ertönten, bei den Juden Diskussionen, war ich ganz allein in meinem Atelier, vor meiner Petroleumlampe. Zwei, drei Uhr morgens. Der Himmel ist blau. Die Morgenröte steigt auf. Irgendwo weiter weg schlachtete man das Vieh, die Kühe brüllten und ich malte sie.“  Chagall bezieht 1911 das Atelier in La Ruche (Bienenkorb); dort wohnten auch Léger, Modigliani und Soutine und Apollinaire und Delaunay waren Stammgäste

1911 kam er zum ersten Mal nach Paris, ging wieder zurück, weil Bella unglücklich war, traf 1914 in Russland auf den Suprematisten Malewitsch  und kam wieder zurück nach Paris, als er merkte, dass Paris und das Zusammentreffen mit den dort ansässigen Künstlern der Avantgarde und Klassischen Moderne wie Picasso, Matisse oder Modigliani  für ihn unvermeidlicher war ebenso wie die Entdeckung einer Malers wie der Romantiker Delacroix und sogar die Impressionisten .

„In Paris ging ich weder zur Kunstakademie noch zu Professoren. Die Stadt selbst war auf Schritt und Tritt meine Lehrmeisterin, in allem. Die Händler vom Markt, die Kellner, die Hotelportiers, die Bauern, die Arbeiter. Sie umgab etwas von jener erstaunlichen Atmosphäre aufgeklärter Freiheit („lumière-liberté), die ich nirgendwo anders gefunden hatte. »

Die Nationalsozialisten betrachteten ihn natürlich als entartet und als Maler jüdischer Herkunft musste er fliehen, dies gelang ihm 1941 – er ging nach New York. 1948 nahm er das Pariser Künstlerleben wieder auf und stellte internationale aus, nahm an Biennale von Venedig und an Documenta, I, II und III teil.  den 60er Jahren malte er die Kirchenglasfenster von Metz und später die von Reims. Gemeinsam mit Matisse arbeitete er an einem Kirchenfenster in New York 1954 und schon mit 91 Jahren malte er das einzige Kirchenfenster in  einer deutscher Kirche, St. Stephan in Mainz hat auch deswegen über 200 000 Besucher im Jahr.   97-jährig starb er 1985 in Saint-Paul-de-Vence.

Impressionismus, Fauvismus, Suprematismus, Kubismus, Orphismus, Realismus (magischer), Surrealismus sind durch den engen Kontakt von Chagall mit den Vertretern dieser Kunstrichtung unweigerlich kurzfristig in seine Bilder eingeflossen und dann wieder verschwunden. Ähnlich wie Joyce, brachte er alles was ihm grad durch den Kopf geht auf die Leinwand. Vergangenes,  Aktuelles oder Zukünftiges.

Und: wenn wir es nicht eh schon wussten, dann jetzt nochmal: Chagall machte Chagallismus!

Ansonsten erscheint die Ausstellung ein wenig mickrig. Der Großteil der Zeichnungen, Illustrationen oder Radierungen ist in sehr schlecht beleuchteten,  in eh schon dunklen Ausstellungsräumen,  Glaskästen so untergebracht, dass man sich nicht annähern kann um genauer hinzusehen ohne den eigenen Schatten zu sehen. Das ist sehr schade. Als Entschädigung dafür, darf man sich dann am Schluss der Ausstellung in das Gemälde « Der Spaziergang » hineinprojizieren.

Kuratiert ist die Ausstellung von Ronit Sorek und sie ist noch bis Ende Juli im Chiostro del Bramante zu sehen.

P1220604 in seinem Atelier in Paris in den 60er Jahren

Christa Blenk

 

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opera-bis – Promenade musicale et thêatrale

fichier pdf Opera-bis livre blogfichier pdf Nouvel -intérieur-v5

Helena Aikin ← click to read

Illlustrationen u.a. vom Véronique Pettit-Laforet, Helena Aikin (Titelblatt), June Papineau, Cesar Borja etc.

 

Véronique Pettit LaforetDominique Cozettepetri_june papineau Cesar Borja

 

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Pierre Boulez zum 90. Geburtstag

 

P1220341

 

Die Philharmonie Paris und das Musik-Museum feiern den größten lebenden Komponisten mit einer interessanten und umfangreichen  Ausstellung. Boulez als Komponist, Dirigent, Pädagoge, Intellektueller, Jäger und Sammler. Die Ausstellung zeigt, wie Literatur, Malerei, Theater oder Architektur in seine Kompositionen eingeflossen sind und umgekehrt.

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Philharmonie 1 und 2

Pierre Boulez zum 90. Geburtstag

Die Schau findet in der Philharmonie 2, la Cité de la Musique statt,  direkt gegenüber der noch nicht ganz fertig gestellten aber gerade eröffneten Philharmie 1 des französischen Stararchitekten Jean Nouvel. Initiator und Antreiber für diesen Bau war Pierre Boulez. Die beiden Konzertkomplexe sind Teil des Parc de la Villette im 19. Arrondissement und der Hauptsitz des Orchestre de Paris.

Über drei Jahre hat die Kommissarin Sarah Barbedette diese Ausstellung vorbereitet und  194 Exponate zusammen geholt: Partituren, Gemälde, Briefe, Manuskripte, Photos, Zeitungsausschnitte etc., die auf zwei Etagen im Dämmerlicht und ganz intim zu sehen sind. Leben, Arbeit und Philosophie dieses großen Menschen und Musikers soll hier entdeckt und verbunden werden.

Boulez hat ihr ziemlich freie Hand gelassen, sagt Barbedette. Chronologisch und thematisch aufgebaut  stützt sich die Ausstellung auf Kompositionen wie „Deuxième Sonate, Le Marteau sans maître, Pli selon pli, Rituel, Répons, Sur Incises, die in einen Dialog mit Joyce oder Mallarmé, Paul Klee, Bacon, Kandinsky, Cezanne, Chéreau oder Frank Gehry treten. Die Musik hört man überall aber besonders intensiv in den dafür vorgesehenen Ruhe-Musik-Räumen, in einem davon pendelt ein Mobile von Calder zu den Tönen.

Mit Kopfhörer, die man mit dem Kauf der Eintrittskarte bekommt, wandelt man an den 270 Exponaten vorbei und kann die  Interviews und Musikfragmente auf Abruf anhören. Zwischendrin immer wieder sog. Musikräume – minimal und dunkel – die zum Hinsetzen und einer Auseinandersetzung einladen. In einem dieser Räume hängt ein Mobile von Calder, das von  einem leichten unsichtbaren Wind bewegt, die Töne begleitet.

Boulez’ drei Klaviersonaten entstanden zwischen 1947 und 1958 und weisen noch letzte Huldigungen an die bereits vergangenen musikalischen Formen und Verpflichtungen auf. Die Deuxième Sonate (also die zweite), ist ein Schisma. Sie versetzte mit ihren radikalen Positionen den Hörer in einen ästhetischen Schockzustand und bugsierte ihn in eine emotionslose und graue Sackgasse.  Inspiriert und mit Strawinskys krassen neuen Rhythmen, Schönbergs neuen Tonreihen  und Debussys sinnlicher Musik und auch die neuen Geräusche der elektronischen Musik im Gepäck befreite sich Boulez durch  Mallarmés Buch „le livre“ (hier überlässt es der Dichter dem Leser, welche Seite er zuerst lesen will) und  fordert hier vom Interpreten die Entscheidung, wie es an bestimmten Stellen weitergehen sollte. Boulez nannte dies das „aleatorische Prinzip“ – d.h. Die strenge Serie wird durch einen irgendwie organisierten Zufall ersetzt, man drückt einen beliebigen Schalter und eine vorher nicht identifizierte Tür öffnet sich.

Messiaen, sein Lehrer, nannte ihn Robespierre Boulez, der alles nieder machen würde, was sich ihm in den Weg stellte. Ihm, Boulez,  würde es an Ehrfurcht und Verehrung fehlen“.   Vielleicht übertrieben, wenn man folgenden Satz von Boulez interpretiert: Man muss dem Werk das man anhört, interpretiert oder komponiert einen profunden Respekt seiner eignen Existenz wegen entgegen bringen. So als wäre es eine Angelegenheit von Leben oder Tod   (« Il faut avoir vis-à-vis de l’œuvre que l’on écoute, que l’on interprète ou que l’on compose, un respect profond devant l’existence même. Comme si c’était une question de vie ou de mort« ). Diese totale Befreiung aus dem starren seriellen Musikgefängnis führte für Boulez zum Bruch mit seinen Musikerkollegen wie Stockhausen, Nono und Henze.

Boulez hat 1969 das IRCAM gegründet und es von 1977-1992 geleitet. 1995 hat der die Cité dela Musique eingeweiht. Sein Ensemble Intercontemporain ist seitdem dort angesiedelt.

Die Ausstellung, die noch bis zum 26.06.2015 läuft,  ist nicht leicht zu verarbeiten und man braucht viel Zeit, wenn man etwas von ihr haben will. Viel lesen und hören und vergleichen, aber anschließend versteht man Pierre Boulez besser – oder jedenfalls bildet man sich das ein.

Christa Blenk

 

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Terra e Motus – articolo in italiano

P1210675

Terra e Motus

Nando Citarella ed il suo grupo “I tamburi del Vesuvio” nell’Auditorium Parco della Musica, il 21. 02. 2015

 La maggioranza dei membri della grande famiglia musicale sono insieme fin dalla fondazione dell’Ensemble nel 1994, almeno danno quest’impressione, cioè di unire l’arte e la vita.

 Nando Citarella è nato nel 1959, in provincia di Salerno, in Campania e lì inizia anche il viaggio al quale siamo invitati a partecipare. Incomincia a Napoli, attraversa la Campania, la Calabria, la Sicilia, va fino in Sardegna, lascia l’Italia, attraversa il mare per arrivare in Africa e in tutto il mondo – forse addirittura nell’universo! Non ci sono timidezze nel fondere i ritmi e i suoni più diversi, stanno sempre bene insieme.

Canzoni antiche e nuove tendenze si alternano. Il sound di un Djembe sudafricano con il suono di una cornamusa stanno altrettanto bene insieme come il violino con il pianoforte.

Le danzatrici (meravigliosa ed impressionante Anna Cirigliano) sono trascinate dal suono degli strumenti e dal ritmo, e se lo spettacolo non fosse stato così perfetto, si sarebbe potuto pensare che si trattasse di pura improvvisazione, così libere e felici si muovono.

Napoli, la Calabria e la Sicilia hanno un passato comune; italiano, francese, spagnolo, arabo (non solo dal punto di vista musicale) e da questo la musica popolare nell’Italia del sud è caratterizzata. Ci sono molti influssi del flamenco spagnolo (che a sua volta non può negare certe radici arabe), inoltre della musica del “nuovo mondo” come Brasile e Cuba, o dell’India e naturalmente dei tamburi africani geniali. In questo mondo religioso-pagano e rituale del Mediterraneo s’introduce ancora la musica del Rinascimento. Se questo cocktail inebriante intorno al Vesuvio con i suoi rumori inquietanti di pulsazioni e dell’eruzione viene mixato, la parola entusiasmo non è più sufficiente per descrivere quello che è successo ieri sera nell’Auditorium Parco della Musica.

Questa grande famiglia, di cui Nando Citarella è il motore, è alla ricerca permanente di nuove tendenze musicali e di nuovi ritmi, fa raccolta di melodie e le abbina a suoni moderni, una continua sperimentazione.

Il gruppo si è dato il compito di conservare, rinnovare e divulgare la musica popolare, ieri sera almeno, con grandissimo successo. Tamburi e percussioni di ogni genere, una cornamusa, un liuto, uno scacciapensieri, strumenti classici, cantanti e danzatori e un maestro di cerimonia che aveva un modo molto particolare di dirigere. Tutto aveva l’aspetto così leggero e per questo motivo il pubblico ha partecipato senza problemi. (Sono convinta che molti dei spettatori erano dell’Italia del sud e che avevano già ballato questi balli loro stessi o almeno li avevano visti). A un certo punto il pubblico non era più da contenere e la gente ha iniziato a ballare. E’ stato molto naturale e simpatico.

Ieri c’erano: Nando Citarella, Gabriella Aiello, Valerio Perla, Carlo “Olaf” Cossu, Pietro Cernuto, Claudio Monteleoni, Pietro Pisano, Raffaella Coppola, Nathalie Leclerc in veste di cantanti e danzatori; inoltre Badù Ndiaje, Massimo Carrano, Giovanni Imparato, Arnaldo Vacca, Umberto Vitiello, Valerio Perla, Raniero Bassano, Andrea Caroselli, Ernest “o duttore”, Roberto Giummarra, Gabriele Gagliarini, Simone Pulvano, U Papadia, Micaela Bernardini, Paolo Modugno, Maurizio Tripitelli, Les Cymbalux e… tanti altri.

Nando Citarella, musicista, attore ed esperto di musica tradizionale e popolare ha studiato e lavorato tra l’altro con Linsday Kemp e Dario Fo.Comunque, quello che  lui ha, non si può imparare,  nasce così.

Quasi tre ore di ritmi, energia, gioia di vivere. Alla fine c’è stato un prodotto comune tra il gruppo e il pubblico in delirio. Raramente ci siamo divertiti così.

Christa Blenk

tradotto da Brigitte Mayer

 

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La Giuditta – versiona italiana

 

guiditta dopo il concerto

 

Timida guerriera di Dio o seducente Mata Hari – La Giuditta di Alessandro Scarlatti nella Filarmonica Romana (18.12.2014)

Come succede quasi sempre negli oratori, Alessandro Scarlatti, compositore dell’Italia del sud (1660 -1725) elabora nella “Giuditta” un tema allegorico tratto dalla Bibbia. Nel 1693 fu creata la prima versione della Giuditta per cinque voci. Sei anni più tardi seguì la seconda stesura per tre voci e noi siamo stati alla rappresentazione di quest’ultima al Teatro Olimpico.Il cardinale Pietro Ottoboni scrisse il libretto. Era il bisnipote del cardinale Pietro Vito Ottoboni che fu eletto papa nel 1689 con il nome di Alessandro VIII, in un periodo, in cui l’opera era proibita a Roma.

Già nel 1676 papa Innocente XI, severo e poco incline alle arti, dispose per la prima volta un divieto dell’opera, in una Roma che secondo lui era del tutto corrotta ed amorale. Per lui le arti figurative erano riprovevoli e l’opera indecente. E come reagisce il mondo della musica romana? Inventa l’oratorio, prende temi della Bibbia e mimetizza rappresentazioni che assomigliano all’opera in veste di oratorio ecclesiastico, di modo che fossero presentabili anche in chiesa. Fu una mossa geniale, se si considera che tale musica poteva essere suonata addirittura nel periodo d’avvento, senza censura. La cosa più importante era che si rispettasse il contenuto biblico. “La Giuditta” di Alessandro Scarlatti appartiene esattamente a questa categoria.

Quando Händel nel 1707 giunse a Roma, il divieto dell’opera era ancora in vigore; pertanto tanti di questi Musikspiele venivano rappresentati in grande stile, ma solo in ambito del tutto privato.

Nella Giuditta Scarlatti ha messo in musica una parte del libro apocrifo “Giuditta” del Vecchio Testamento (ca. 150 a.C.). La storia inizia quando il re degli assiri, Nebukadnezar, occupa Betulia e chiede agli Israeliti la sottomissione e il pagamento di alte tasse. La vedova e principessa Giuditta si trasforma, senza stare troppo a pensare, in unagente segreto come Sidney Bristow, e decide di recarsi nella tana del leone, nell’accampamento di Oloferne, per salvare la città e il suo popolo. Entra di soppiatto nel cuore dell’accampamento del sommo condottiero Oloferne, accompagnata soltanto dalla sua nutrice. Grazie alla sua bellezza riesce a incantarlo e sedurlo, forse lo fa bere, e dopo un abbondante banchetto gli taglia la testa. A missione compiuta rientra con la sua nutrice a Betulia – probabilmente senza pentimenti – e presenta al popolo la testa di Oloferne. Israele è salvo. Nella maggioranza delle rappresentazioni rimane in dubbio, se Giuditta sia pentita o meno. È un’eroina o un’assassina?

La storia della bella vedova coraggiosa è stata non solo un tema molto ricorrente nella musica, ma è stata anche messa su tela da numerosi pittori durante il barocco. Anche se può sembrare che la storia sia un’esaltazione della violenza e dell’assassinio, rappresenta al contrario la condanna degli stessi.

Alessandro Scarlatti, che operò principalmente a Napoli e a Roma, dove la sua musica sacra fu suonata senza limitazioni, scrisse malgrado i divieti 114 opere e, in vita, era famoso soprattutto come compositore d’opera. Oggi sono più noti la sua musica vocale sacrale, le cantate, i mottetti e le messe. Ciò è dovuto al fatto che delle sue opere esistono poche registrazioni e pertanto non vengono rappresentate. Durante gli ultimi anni della sua vita si è occupato principalmente di musica sacra e di oratori. Discendeva da una famiglia di musicisti dell’Italia meridionale. Anche uno dei suoi figli, Domenico, raggiunse fama mondiale.

L’Italia avrebbe bisogno di qualcuno come William Christie che 40 anni fa ha scovato ed elaborato tante composizioni di Luly e Rameau. Forse Alessandro Quarta è l’uomo giusto?

 Gli oratori di Scarlatti testimoniano il suo talento nel saper interpretare testi, estraendo al massimo la loro potenziale drammaticità musicale. Minuziosamente e vigorosamente sa trovare le situazioni e i punti culminanti di una storia. Bach, Händel, ma anche Caldara hanno imparato e preso molto da lui. Si potrebbe dire che è lui il fondatore della scuola dell’opera napoletana, ma anche un rinnovatore della musica barocca. Si parla di 30 oratori, di cui 22 oggi sono ancora noti e parzialmente registrati. Con la seconda stesura di “La Giuditta” per tre voci (che abbiamo sentito ieri) ha introdotto una nuova musica, o meglio, la musica del 18esimo secolo. Fin dall’inizio ci si sente quasi da Rameau. Non si capisce perché ancora tante delle sue opere giacciano dimenticate nel profondo degli archivi.

Nel 1744 Johann Matthesay, compositore, scrittore musicale e mecenate di Amburgo (1681 – 1764), ha scritto quanto segue:

Secondo la mia modesta opinione un buon teatro d’opera non è altro che l’alta scuola di tante belle scienze, dove si uniscono e si mettono alla prova, tutti insieme e singolarmente, l’architettura, la prospettiva, la pittura, la meccanica, l’arte del ballo, l’actio oratoria, la morale, la storia, la poesia e soprattutto la musica per il divertimento e la ricreazione di nobili e giudiziosi spettatori.”

Con questo commento ha riunito l’opera italiana, francese e inglese del 18esimo secolo in una sola frase.

Ma passiamo ora finalmente alla rappresentazione:

Il Concerto Romano con Alessandro Quarta ha presentato l’oratorio con tre eccellenti cantanti.

Francesca Aspromonte, un’incantevole e convincente Giuditta, che a soli 23 anni ha una voce incredibile e un grande fascino. Piena d’energia drammatica, di sicurezza e d’espressività ha ripetutamente sorpreso il pubblico. Oloferne è il tenore italiano Luca Cervoni. Non aveva assolutamente nulla di cattivo e d’aggressivo ed era, con la sua bella voce mite, morbida e flessibile un Oloferne del tipo “softie”. Forse Giuditta avrebbe potuto innamorarsi di lui, ma il libretto certo non lo prevede. È vero che ci sono state delle rappresentazioni, p. es. alcuni anni fa a Magonza, che davano una caratterizzazione diversa. Il primo atto era già perfetto, ma nel secondo atto tutti hanno addirittura superato se stessi – anche la musica. Bellissimi passaggi al violoncello, soprattutto nell’aria di Giuditta “Non ti curo, o libertà…” e poi nel duetto di Giuditta e Oloferne “Piega o duce il capo alterno…”. E lui rispondeva “Ogni cura,ogni pensiero…” Cristallina lei, dolce lui. E poi naturalmente Hilary Summers nella veste della nutrice, grande, forte, fidata, protettrice. Con la sua voce calda, regolare e vellutata è stata perfetta per il suo ruolo. Lei ha forse l’aria più bella di tutta l’opera, un lamento nel secondo atto “Dormi o fulmine di guerra…” Si rammarica della guerra, dell’umanità e di Giuditta che si sacrifica per salvare il suo popolo. In quest’aria ci si sentiva venire la pelle d’oca e gli occhi s’inumidivano. La Summers era incredibilmente convincente e bravissima. Dopo un duetto tra la nutrice e Giuditta da cui si percepiva l’annunciazione della fortuna e della felicità, arriva l’aria di Giuditta che è un’ aria contro la guerra che rammenta ancora il suo sacrificio per la libertà. Benché il sacrificio non avvenga, ma potenzialmente avrebbe potuto verificarsi, se Giuditta non fosse riuscita a fuggire. Riesce invece a diventare la guerriera di Dio e l’eroina della storia.

I tre meravigliosi cantanti erano accompagnati con molto entusiasmo e dedizione dal Concerto Romano diretto da Alessandro Quarta. Quest’ultimo si fa trasportare dalla musica, semplicemente, senza fronzoli e senza kitsch. Si sente proprio quanto gli faccia piacere lavorare con questi musicisti e come la musica attraverso il suo corpo e le sue mani arrivi ai musicisti (egli effettua una sorta di ballo personale).

Alessandro Quarta ha fondato il Concerto Romano. Da quando l’orchestra trionfò nel 2009 in occasione dei Tage Alter Musik in Herne, egli è molto richiesto e si esibisce soprattutto in Germania (Philharmonie di Colonia), Austria (Konzerthaus di Vienna) e Roma spesso in Oratori belli. Il prossimo anno inizia con una rappresentazione nel Konzerthaus a Vienna in occasione del Festival Resonanzen, anche lì con Scarlatti.

Christa Blenk

tradotto da Brigitte Mayer

und hier zur Originalfassung in deutscher Sprache

 

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La Serva Padrona

 P1220597 
Sabrina Cortese, Isabella Ambrosini, Luigi Pontillo, Federico Benetti und Luca Paglia

La Serva Padrona (Die Magd als Herrin) von Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736)  im Teatro Palladium am 25.3.2015

Dieses herrlich-witzige, sich vom Barock verabschiedende, Intermezzo buffo, das schon vielversprechend Opern wie Mozarts Figaro ankündigt, war von Pergolesi ursprünglich als komische Einlage zwischen den Akten der Opera seria gedacht.

Das Orchestra Roma Sinfonica mit Isabella Ambrosini am Pult hat es gestern Abend halb konzertant und sehr gelungen aufgeführt. Luigi Pontillo ließ zuerst Uberto (Federico Benetti) in Ludwig XIV Manier auf die Bühne treten, der dann von stummen Hilfen von Perücke und Rüschen befreit wurde, bis er im 21. Telefon-Jahrhundert ankam. Gleich darauf tat es ihm Serpina (Sabrina Cortese) gleich.  Sie stand schließlich als sexy-Dienstmädchen mit Fliege auf dem Kopf, weißer Schürze im schulterfreien Minikleid und Stöckelschuhen da. Zwischendurch purzelte Vespone (Luca Paglia) über die Bühne und ein kleiner stummer Helferchor. Sie schäkerten sich mit den üblichen Intrigen durch das 45 Minutenstück, das wie ein Akt aus einer da Ponte-Mozart-Oper anheimelt, bis sie zum happy end wieder ihre Rameau-Kleider anlegten und abtraten.

Das kleine Orchester saß auf der Bühne und überspielte ab und zu die Sänger, vor allem Serpina, wenn sie sich im hinteren Teil der Bühne aufhielt. Die Sopranistin hat manchmal  eine Note nicht ganz halten können, hat das aber mit unglaublichem schauspielerischen Talent und Charme gleich wieder wett gemacht. Sie wäre eine umwerfend gute Susanna. Bariton und Herr des Stückes Uberto, hat sich 40 Minuten vergeblich bemüht von irgend jemandem den ihm als Herr zustehenden Respekt zu erhalten. Serpina macht was sie will, die anderen auch, sie intrigiert und manipuliert, bis sie ihr Ziel, Herrin zu werden, erreicht hatte. Das natürlich nur, weil Ubeto zu geizig war, 4000 Scudi als Mitgift für den angeblich Zukünftigen hinzublättern.

Aus diesem Grund wurde die Oper gerade in Paris mit großem Beifall aufgenommen. In der französischen Revolution hat man dieses Intermezzo über die autoritäre Magd die zur Ehefrau wird, als Symbol bürgerlich-emanzipatorischer Bestrebungen angesehen. Musikalisch wird sie als sogenannter Loseiser des Barockstils betrachtet und hat die Komische Oper enorm beeinflusst.

Isabella Ambrosini leitet das Orchestra Roma Sinfonica und den Coro Polifonico della Università Roma Tre, den sie auch gründete, seit 1999. Über 200 Auftritte allein in Italien kann sie vorweisen. Die Musiker sind nicht älter als 30 Jahre und haben dieses kurze Stück sehr korrekt und präzis unter Ambrosinis delikater Leitung präsentiert.

Als das Werk 1733 in Neapel zum ersten Mal aufgeführt wurde, war es sofort ein riesiger Erfolg und kreiste durch die europäische und italienische Musikwelt. Das Libretto ist von Gennaro Antonio Federico.

Pergolesi starb 1736 mit nur 26 Jahren an Tuberkulose. Sein letztes  und schönstes Werk Stabat Mater – La Serva Padrona ist 1733 entstanden und wenn man genau hinhört, kündigte es Pergolesi bei den instrumentalen Partien schon an – war im 18. Jahrhundert das am häufigsten gedruckte Musikstück und erfuhr unzählige Bearbeitungen.

Christa Blenk

giardini notturnoCristina Crespo

 

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Bellissima – l’Italia dell’Alta Moda 1945-1968

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Made in Rome – wer hat der kann! (auch auf KULTURA EXTRA)

„Bellissima“ heißt der Film von Visconti mit Anna Magnani als intensive ehrgeizige Mutter, die ihre Tochter unbedingt in Cinecittà unterbringen will. Das war 1951. „Bellissima“ beschreibt aber auch die schönen Frauen, die sich der Mode unterwerfen dürfen, müssen oder sie sich leisten können und so bekam diese Ausstellung über die römische Mode in der Nachkriegszeit diesen Titel.

Dass Mode und Film zusammengehören bestätigt sich jedes Jahr bei Oskar- oder Berlinale-Verleihungen wenn die beautiful rich people mit umwerfenden und teuren Kreationen die Preise entgegen nehmen. Zeitlos sind diese zum Teil wirklich hinreißenden Kreationen, die in der von Kriegsschäden noch geprägten Zeit nach dem zweiten Weltkrieg entworfen und getragen wurden. Rom war damals ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt in der Mode aber auch im Filmbusiness. Valentino, Ferragamo und Co. schneiderten Abendroben, Cocktailkleider und Prêt-á-Porter–Modelle für die Kennedy Witwe Onassis, Ava Gardener, Elisabeth Tayler, Audrey Hepburn, Sofia Loren oder Anna Magnani. Zwischen römischen Ruinen und solchen, die der zweite Weltkrieg hinterlassen hat, wurden diese Modelle vorgeführt oder fotografiert.

Die Valentino, Fendi, Sorelle Fontana, Galitzine, Pucci, Mila Schön oder Gattinoni tragenden kopflosen Puppen auf dem Catwalk aus grauen Lüftungsschächten, der sich durch das Obergeschoss des MAXXI schlängelt, dialogisieren direkt und unverkennbar mit Künstlern wie Alberto Burri, Giuseppe Capogrossi, Carla Accardi oder Lucio Fontana. Die Prêt-à-Porter-Reihe erinnert an ein Morandi-Gemälde, aber auch die römische Antike hat ihren Platz darin bekommen. Angereichert ist die Schau mit Hüten, Bulgari-Geschmeiden und den dazu passenden Schuhen. Hatte Marilyn Monroe wirklich so kleine, zierliche Füße?

pret-a-porter-a-la-Morandi

Wie wichtig für Rom das Kino im Neorealismus war und wie sehr man diesen verlorenen Ruhm beklagt, kommt immer wieder ans Tageslicht. Für die bellissima Ava Gardner schneiderten die Sorelle Fontana ein Priestergewand, wie Anita Ekberg eines in Fellinis „La Dolce Vita“ trug, als sie grad dümmlich lächelnd an der Seite von Marcello Mastroianni ihren blöden Hut dem Wind übergibt. An der Seite des Laufstegs hängen Bildschirme, auf denen die Filme aus dieser Zeit auszugsweise zu sehen sind. Rosselinis „Viaggio in Italia“ (1953), Viscontis “Vaghe stelle dell’Orsa“ (1965), Antonionis „Cronaca di un amore“ (1950) und die gesamte Palette des italienischen Neorealismus läuft hier mit über den catwalk. Die Dokumentarfilme über die Salons und die Modenschauen lassen aber auch an Luis Bunuels „diskreten Charme der Bourgeoisie“ denken. Mit den politischen Wirren 1968 fand dann auch diese Zeit ein Ende und die Alta Moda hat sich in Mailand angesiedelt; geblieben sind nur die Ruinen.

Das kurvige und futuristisch anheimelnde Museum des 21. Jahrhunderts (MAXXI) schwingt mit den Röcken der exklusiven Modelle oder dem outfit von Vivi Bach im Raumschiff Orion um die Wette. Einen adäquateren Ort als das Obergeschoss des MAXXI-Museum, das – natürlich umstritten wie alles Zeitgenössische in Rom – Zaha Hadid vor ein paar Jahren in diesem Viertel von Rom zwischen Ponte Milvio und Piazza del Popolo errichtete, hätte man für diese Schau deshalb nicht finden können. In den Nachkriegsjahren wurde beschlossen, diese bis dahin benachteiligte Gegend aufzuwerten und das Olympische Dorf für die Olympiade 1960 dort gebaut, damals ein ziemlich prestigeträchtiges Architekturprojekt und neben dem „Palazzetto dello Sport“ von Pierluigi Nervi hat Renzo Piano im Jahre 2000 seinen Musikkomplex, das Auditorim Parco della Musica angesiedelt.

Organisiert wurde die Schau von Maria Luisa Frisa, Anna Mattirolo und Stefano Tonchi. Sie ist noch bis 3. Mai 2015 im MAXXI zu sehen. Der Katalog kann natürlich auch nur luxuriös und verschwenderisch sein und kostet 48 Euro.

Christa Blenk

Info: Im unteren Stockwerk wird das bunte, fröhliche und frivole Nachkriegsgeschehen relativiert und zeigt eine schwarz-weiße Ausstellung über die Architekten und Designer weltweit, die das zweite Weltkriegsdrama „entwarfen“ und aufbauten bzw. umrüsteten. Speer und Co sozusagen. Architettura in Uniforme – progettare e costruire durante la Seconda Guerra Mondiale. Vorbei an den Nürnberger Prozessen und dem Poster « After total war can come total living » nimmt man dann den Aufzug und landet genau dort wo 1945 das Konsumdenken und der Luxus entstand und dazu gehören diese Kollektionen. Waren es bis zu 40% der Menschen die vor und während des Krieges mit der Kriegsführung und dessen Vorbereitung befasst waren, dürfte es sich bei den Käufern dieser hier präsentierten Modelle höchstens um 1% der Betroffenen handeln. Jean Louis Cohen hat diese Schau kuratiert.

maxxi 059 MAXXI von Zaha Hadid

Fotos : Christa Blenk

 

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Matisse Arabesque

matisse-Plakat matisseplakat
Ausstellungsplakat vor dem Haupteingang der Scuderien
 
auch auf KULTURA EXTRA in gekürzter Fassung

Matisse Arabesque

Da wir schon einmal hier sind, lass uns Matisse besuchen. Zieh Deine malvenfarbene Bluse und die weidengrüne Hose an, diese beiden Farben liebt er sehr“ (Auszug aus dem Buch von F. Gilot „Leben mit Picasso“).

Der französische Maler und Bildhauer Henri Matisse (1869-1954) war ein malender Komponist, ein Farbenformer. Man muss jeder Farbe ihre Zone lassen, in der sie sich ausbreiten kann“ sagte er. Matisse malte autonome und uniforme Farbflächen, die er dann nach und nach in Verbindung treten ließ. Komposition und Anordnung seiner monotonen Farbflächen ändert sich je nach der Fläche die abzudecken ist. Eine harmonische Spannung zwischen dem Rahmen und der auszufüllenden Fläche in Verbindung mit seinen Inspirationsquellen wie die islamisch-byzantinische Kunst, exotische Vögel oder afrikanische Skulpturen sind das A und O bzw. der Mittelpunkt von Matisse‘ Werken.  Als Betrachter hat man also die Pflicht, die Betrachtung seiner Bilder nicht auf zwei Minuten zu reduzieren. Es kommt noch etwas nach.

Matisse wollte mit seiner Malerei Freude am Leben erzeugen! Das ist seltsam, wenn man bedenkt, dass er als erster Fauvist anfangs das Publikum erschreckte und schockte. Mit bescheidenem Stolz verkündete er, nie eines seiner Bilder bereut zu haben.

Wer eine Rose malen will, muss zuerst alle Rosen vergessen, die jemals gemalt worden sind.

Matisse war der wichtigste Fauvismus-Vertreter in Frankreich und neben Picasso der wichtigste Vertreter der klassischen Moderne. Die Expression über Farbe und Form war sein Hauptinstrument. Er suchte die Abstaktion im Gegenständlichen, maß aber einer realistischen Darstellung  oder konventionellen Technik keine Bedeutung bei. Dementsprechend fallen die Dinge oder Personen  sozusagen aus seinen Bildern auf uns herab und verlieren sich oft im Raum oder suchen ihren Platz. Malen war ein Zwang für ihn und als er die letzten Jahre seines Lebens an den Rollstuhl gefesselt war, reduzierte er zuerst seine Formen auf deren Konturen und später auf Schere und Kleber – mit der Schere zeichnen, nannte er seine papiers découpés.  Matisse malte instinktiv wie er fühlte.

La révélation m’est venue d’Orient (Die Offenbarung kam aus dem Orient zu mir) sagte Matisse 1947 zum Kunstkritiker Gaston Diehl.

Matisse Arabesque ist der Titel dieser Ausstellung in den Scuderien und soll die Bedeutung des Orients im Werk von Matisse erklären. Sie könnte aber auch als Matisse’ grüne Periode betitelt werden, nur sind diese Bilder nicht so leicht auf einen bestimmten Zeitraum einzugrenzen, obwohl die meisten in der Zeit zwischen 1910 und 1920 entstanden sind. Dieses neue satte Grün, das durch die schon Ende des 19. Jahrhunderts einsetzende Orient-Euphorie aus dem Keramik-Reich der Ottomanen und aus Nordafrika in den Westen kam, ist einer der Hauptprotagonisten dieser Matisse-Schau.

Der spanische Kunstkritiker Angel Gonzalez sagte einmal „Die Geschichte der Farben ist in seiner Malerei wie ein Fisch im Wasser, sie  konstituiert einen Versorgungsplan des Bildes. Die Zeichnung verwandelt sich in einen Zeugen der Dichte und Konsistenz der Farbe. Der arabeske Matissemus ist kein dekoratives Hilfsmittel, jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinn der modernen Kunst, sondern Macht,  Macht in das System der Farbendichte einzudringen um ein Spannungssystem des Bildes herzustellen. „

In den ersten Räumen wird der Besucher auf diese Reise in den Orient vorbereitet. Hier hängt gleich am Eingang ein Bild das 1903 entstand: Violette Tischecke (aus dem Metropolitan Museum of Art). Zu dieser Zeit war Matisse noch nicht sehr bekannt und malte für 1,25 franc /Stunde Girlanden für die Weltausstellung. Dieser Zustand sollte sich aber 1905  schlagartig ändern sollte, als er am Pariser Herbstsalon – begleitet von wildem Gekreische der Konservativen – den Fauvismus mit seinem wilden und farbenfrohen Bild Frau mit Hut präsentierte.

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Hauptsaal und Kacheln – Fotos: Christa Blenk

Im zweiten Raum das überraschende  Portrait von Yvonne Landsberg (1914). Dieses formidable Gemälde hängt sonst in Philadelphia. Eine Mischung aus Kubismus in Bewegung und dem Triadischen Ballet von Oskar Schlemmer, das Gesicht hat er sich von einer seiner afrikanischen Masken geliehen.

Im nächsten Saal eine Leihgabe aus dem Guggenheim New York, die „Italienerin“ (1916). Ein weiteres Meisterwerk diese Frau mit langen schwarzen Haare, die über ihre rechte Schulter so auf den Arm fallen und ihn verdecken, dass ein kubistischer Effekt erzielt wird. Auch hier, wie bei mehreren der 30 Haupt-Exponate , ist das Gesicht wieder eine Maske. Im gleichen Jahr zog er übrigens aus gesundheitlichen Gründen nach Südfrankreich.

Die folgenden Gemälde in der Ausstellung sind unter dem Einfluss seiner Reisen nach Algerien und Marokko Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden. Dort entdeckte Matisse die Farben von Tanger, die afrikanischen Masken und Skulpturen. Hinzu kam ein Besuch  1910 der monumentalen Ausstellung über islamische Kunst in München mit über 3500 Exponaten. Ab dem fünften Raum prasselt die volle Matisse-Chromatik, beginnend mit einem unverkennbaren grün-rot-gelben Matisse-Spätwerk „Pflaumenzweig vor grünem Hintergrund“ auf uns hernieder.  Und so geht es weiter, in jedem Raum hängen Meisterwerke, begleitet von afrikanischen und asiatischen Kleidern,  grünen Kacheln und sonstigen Gegenständen aus dem Ottomanen-Reich, die Matisse sammelte, teils Mitbringsel von seinen Reisen, teils eingetauscht mit Picasso, der vor allem ein leidenschaftlicher Maskensammler war, wie man ohne Zweifel in seinen Bildern sehen kann. Eine prächtige Farbenwut donnert auf uns herunter. So als ob die Farben den Raum heller erscheinen ließen.  Blühender Efeu (1941),  der grüne Marokkaner (1912 ) oder Zohra auf der Terrasse (1912)  und die roten Fische (1911) aus dem Puschkin Museum. Die Drei Schwestern (1917) haben eindeutig japanische Frisuren und Kirschblütenblusen. Gegenüber sehr gut placiert die Kacheln  und Fließen, die wir im Laufe der Ausstellung ständig als Bildhintergrund oder Tapete wieder finden.

Die Ausstellung zeigt auch eine Reihe von Akt-Zeichnungen oder Odalisken die konstatieren, dass eine Linie auf einem Stück weißen Papier von Matisse nicht einfach nur eine Linie bleibt. Sie nimmt ein Eigenleben an und metamorphiert und das, was man auf den ersten Blick sieht, geht weiter und weiter und wird noch zu etwas mehr. (Picasso, hat sich hier selber beschrieben, aber von Matisse gesprochen).

Der eher konservative Intellektuelle und Fast-Jurist verblüffte permanent mit seinen wilden Kompositionen und seinem Mut zum Schrillen und zur Farbe. Fauvismus kommt von fauve (wild). Ab 1905 wird er zuerst berüchtigt und dann berühmt damit. Um diese Zeit und auch als Antwort auf sein Bild „Die Freuden des Lebens (1906),  entstanden 1907 Picassos Demoiselles d’Avingon und Akt, eine Treppe herabsteigend Nr. 2. (1912) von Marcel Duchamps .

Viel Platz hat die Kuratorin den Bildern gelassen. Sie können sich nach links und rechts beliebig ausbreiten (wie es Matisse verlangte). Ob bewusst oder weil nicht genug Leihgaben kommen konnten, weiß ich nicht. Aber es ist gut so. Bevor es dann in den nächsten Stock geht, kann man sich einen Film aus den 40er Jahren ansehen. Darauf sieht man den malenden Matisse. Ebenfalls gezeigt werden Ausschnitte aus der Produktion von Monte Carlo 1999 vom Ballet Le Chant du Rossignol, für das er zur Strawinsky Musik 1920 die Kostüme entworfen hat.

Arabeske kommt aus dem Maurischen und ursprünglich verstand man darunter ausgeklügelte und – bedingt durch das Bilderverbot im Islam -  Blumen- und Pflanzenornamente sowie geometrische nicht-figurative Formen.   Die Alhambra in Granada ist in Europa das beste Beispiel dafür. In der beginnenden Orient-Sehnsucht Anfang des 20. Jahrhunderts nahm der Begriff dann vor allem orientalische Gebräuche und Tänze sowie Innenansichten auf und der Begriff des Wortes wurde beliebig erweitert. Heute steht es für Buntes, Rankendes mit einem orientalischen Hauch. In der deutschen Romantik hat Friedrich Schlegel den Begriff Arabeske mit „scheinbar chaotische, natürähnliche Strukturen gekennzeichnete Form“ bezeichne. Er spricht von drei Formen der Arabeske: einmal als Naturform, dann als poetische Gattung, in der sich Stoff- und Formkomposition verschlingen und die wahre Arabekse, ein sog. Romantischer Roman, wie im nicht fertiggestellten Roman Lucinde (1799). Eine künstlich geordnete Verwirrung (Schlegel). Farbige Exzesse und Überschwenglisches, verbotene, gedachte Fantasien. Die deutsche Literatur in der Romantik ist voll von Definitionen dieses Begriffes und zeigt, wie wenig er fassbar ist.

Orientalismusbewegungen entstanden erstmals in den europäischen Schlössern im 18. Jahrhundert mit der Mode der Chinoiserien. In Spanien sehr viel früher durch die jahrhundertelange Vorherrschaft der Araber in Andalusien. Hier entwickelte sich der Mudejar-Stil. Bauformen und Ornamente ausgeliehen aus der islamischen Architektur in Verbindung mit Gotik oder Renaissance. Allein Cordoba und Granada erzählen 1001 Geschichten darüber. Ende des 18. Jahrhunderts, unter Napoleon, entstand eine Ägyptensehnsucht, die durch die Eröffnung des Suezkanals noch verstärkt wurde. Maler im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert entdeckten eine Art Sinnlichkeit und Delacroix, Ingres oder der Spanier Fortuny, aber natürlich auch aus  Picassos und Matisse‘ Pinsel entstanden Haremszenen und arabisch oder islamisch gekleidete Menschen. Die Weltausstellungen 1855 und 1867 verstärkten diese Tendenzen noch. Der Impressionismus ist u.a. auch von japanischer Ästhetik geprägt und Matisse sammelte mit Leidenschaft orientalische Gewänder und sonstige Gegenstände, die er von seinen Reisen mitbrachte. Aber auch die Musik und die Literatur verzeichnen Einflüsse. Opern wie die Einführung aus dem Serail, Madame Butterfly, Turandot und auch Lehars Operette Land des Lächeln sind Beispiele und natürlich Goethes West-östlicher Diwan. Karl May erfand Geschichten im Orient, ohne auch nur eine einzige Reise getan zu haben und in der Architektur entstanden Pagoden mit Elementen die wir in der Alhambra wieder finden. Im 19. Jahrhundert kam dann der Neomudéjarstil auf, aber das vor allem in Spanien. Stierkampfarenen und Bahnhöfe bekamen dieses Gesicht. Washington Irving schrieb seine Geschichten aus der Alhambra.

Der 1869 geborene Maler war der Sohn eines Händlers. Aufgewachsen ist er in der Normandie, die damals eine wichtige Rolle im Stoffhandel inne hatte. Da ließ es sich sicher nicht vermeiden, schon als Kind mit Textilien und Dekorationselementen aus Orientstoffen in Berührung zu kommen. Mit 22 ging der noch nicht fertige Anwalt nach Paris und nahm Zeichenunterricht. 1906 brachte Gertrude Stein Matisse, den sie sehr schätzte, zu Picasso nach Montmatre ins Bateau-Lavoir. Beide kannten sich natürlich vom Hörensagen, zumal Matisse gerade im Salon des Indépendants seine Meisterwerk Le Bonheur de Vivre präsentiert hatte, das die Steins später kaufen würden. Und obwohl natürlich eine gewisse Rivalität zwischen ihnen herrschte,  entstand ein reger intellektueller und künstlerischer Austausch und später, als beide in Südfrankreich lebten, wurden sie sehr gute Freunde und die besten Beobachter der Produktion des anderen.  Matisse sagte einmal zu ihm « wir müssen sooft wie möglich miteinander sprechen, denn wenn einer von uns beiden stirbt, dann gibt es gewisse Dinge, die der andere nie mehr mit irgend jemandem besprechen kann ». Matisse wusste aber auch, dass er Picasso nichts zeigen durfte was noch im Entstehungsprozess war. Ideen oder Work in progress  musste seine Frau immer schnell wegräumen, sobald Picasso im Anmarsch war. Der Spanier war viel zu schnell und ehrgeizig, um an einer guten Idee vorbei gehen zu können, ohne sie sofort zu realisieren. In den vierzieger Jahren, als Picasso auch im Süden lebte, besuchte er Matisse oft in Begleitung seiner damaligen Lebensgefährtin Francoise Gilot.  Ab 1930 stellte er in Berlin, New York und Paris aus und reise nach Amerika und in die Südsee. In den 40er Jahren musste er sich zweimal einer schweren Operation unterziehen „Ich habe nicht erwartet, dass ich mich von meiner zweiten Operation noch einmal erholen würde, aber weil das geschehen ist, betrachte ich nun mein Leben als gestundete Zeit.  Jeder Tag, der heraufdämmert, ist ein Geschenk für mich, und so nehme ich ihn hin.“ Exotische Vögel waren seine Begleiter und von ihnen hat er sich natürlich auch die grellen Farben geborgt. 1954 starb Henry Matisse, neben Picasso der wichtigste Maler der klassischen Moderne, in Nizza.

Ester Coen hat diese sehr gelungene und intelligente Matisse-Schau kuratiert, die noch bis Ende Juni in den Scuderien del Quirinale zu sehen ist. Die ca 100 Leihgaben von erlesener Qualität kommen u.a. aus New York, London, Paris, Moskau, Philadelphia und Turin.  Einige der Exponate sind zum ersten Mal in Italien. Die Kuratorin hat viel Zeit in die Vorbereitung dieser Schau investiert und sie soll über zwei Millionen Euro gekostet haben.

Christa Blenk

 

 

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Giorgio Morandi

Giorgio Morandi

Giorgio Morandi: Formen – Farben – Stille (auch für KULTURA EXTRA)

Die Unmöglichkeit der Veränderung im Genuss der Langsamkeit

Giorgio Morandi steht für Stillleben, Ruhe und Stetigkeit. Wieder und immer wieder malte er  die gleichen Flaschen, Gefäße und Kannen, die er oft selber herstellte und hielt es nicht für nötig, deren Inhalt zu verraten. Die Gegenstände auf seinen Bildern  vermitteln den Eindruck aus Gips zu sein, es sind massive Fast-Skulpturen, nicht dafür gedacht, Flüssigkeit oder etwas anderes aufzunehmen.  Der Inhalt interessiert den Betrachter auch gar nicht. Form und Farbe ziehen ihn derart in Bann, dass für so etwas Triviales wie Substanzen gar kein Platz bleibt.

P1220183Seit Ende Februar 2015 findet im Complesso del Vittoriano in Rom die große Restrospektive Giorgio Morandi statt. Er hat damit seinen Zeitgenossen Mario Sironi abgelöst.

Am Eingang hängen kleine Radierungen, die fast ausschließlich aus Privatsammlungen stammen und deshalb so gut wie nie zu sehen sind, ergänzt und bereichert durch die dazu gehörenden Kupferplatten. Die thematisch- chronologisch organisierte Ausstellung unterstreicht die Treue Morandis seinen Formen gegenüber. Nach einem kurzen Exkurs zur Landschaftsmalerei, wie er sie bei Cezanne entdeckt hatte und einen Abstecher zu den italienischen Futuristen, kehrte er ganz schnell wieder bis ans Ende seiner Tage zu seinen beschaulichen, anspruchslosen und harmonischen Flaschen zurück. Die größten Veränderungen seines Lebens reduzieren sich auf Farbnuancen, Pinselstriche und die Höhe der Flaschenhälse.

Giorgio Morandi, der 1890 in Bologna geboren wurde, arbeitete zunächst im Kaufmannsbüro seines Vaters und irgendwie hat sich wohl das Büro-Stillleben vor ihm auf dem Schreibtisch in seinem Kopf festgesetzt. Erst mit 18 Jahren durfte er Mal- und Zeichenunterricht nehmen. Morandis Faszination für Cezanne taucht in seinen Bildern, vor allem in den Landschaften, immer wieder auf. Seine Werke sind selten groß, aber zurückhaltend und von stiller Poesie,  so als ob die Sonne die Gegenstände leicht zum Flimmern brächte. Minimal und beige-grau-blau oder hell-rostig sind seine unverkennbaren Lieblingsfarben. Um die Perspektive hat er sich genau so wenig gekümmert wie um Tendenzen oder Politik. 1918 wurde er mit dem Kubismus, Futurismus und der metaphysischen Malerei von De Chirico konfrontiert, die ihn auch eine Zeitlang beschäftigte. Sein Leben bestand aus Küchengebrauchsgegenständen in stumpf-flachen und statisch-vibrierenden cremigen Farben. Er hasste Veränderungen oder Unstetigkeit und damit auch die gerade aufkommende  Philosophie der schnellen und kriegsbejahenden Futuristen. 1938 hat er aber dann doch mit diesen Künstlern, die damals so etwas wie ein Aushängeschild des italienischen Faschismus waren, auf der Biennale in Venedig ausgestellt, was ihm kurzfristig den Ruf eines stillen Mussolini-Mitläufers einbrachte. Dabei hatte er mit Politik nichts am Hut, sie war ihm zu anstrengend, zu laut und zu wuselig-rastlos. Als er 1915 eingezogen wurde erkrankte er so schwer, dass er nach kurzer Zeit wieder entlassen werden musste.

Der unverkennbare Morandi zählt heute zu den bedeutendsten Stillleben-Maler, wobei er weder Obst noch Essen malte, Blumen ab und zu. Man spürt die Konsistenz seiner Bilder schon von weitem. Niemand kann wie er eine einfache grau-weiße Flasche mit so viel majestätischer Gelassenheit und  Würde malen, aus ihr so viel Schönheit herausholen. Seine Bilder oder die Gegenstände auf ihnen haben etwas Langsames, etwas das die Zeit anhält, etwas Einsames und Traurig-melancholisches, etwas autoportraitistisches und renaissanceartiges. Ein Maler der Stille, ein Sonderling, ein Mönch, ein Außenseiter und Einzelgänger.

Nur vielleicht noch die Franzosen Paul Cezanne, Jean Siméon Chardin aber vor allem der aus Neapel kommende spanische Maler Luis Eugenio Meléndez brachten Stillleben so zum Reden wie er. Der von permanentem Hunger geplante  Meléndez besaß die Köstlichkeiten, die er sich nicht leisten konnte, wenigsten auf der Leinwand.

Der spanische Kritiker Julián Gallego hat einmal geschrieben, dass seine Stillleben wie kleine Dörfer wären, die uns einladen würden, sie doch zu besuchen. Das ist schön, und wenn man wie wir hier in der Ausstellung zuerst die kleinen Dörfer, die er eine Zeitlang gemalt hat betrachtet, ist der Übergang zu den Flaschendörfern ganz nahe.

Der fast 1,90 m große und kettenrauchende Morandi, der sein Leben lang unverheiratet mit seinen Schwestern lebte, arbeitete im Wohnzimmer, was vielleicht auch auf das eher reduzierte Format seiner Bilder einen Einfluss hatte. Trotz seiner Zurückgezogenheit erlangte der „Flaschenmaler“, wie man ihn manchmal nannte, schon in den 30er Jahren einen gewissen Bekanntheitsgrad und bekam bald als Meister der Radierung einen Lehrstuhl an der Universität von Bologna. Im Gegensatz zu den anderen Malern Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts verreiste er so gut wie nie. Viermal war Morandi auf der Documenta vertreten, darunter auf der ersten und auf der letzten und sechsmal nahm er an  der Biennale di Venezia teil. 1964 starb der starke Raucher an Lungenkrebs. Seine Bilder sind heute in allen wichtigen Museen der Welt zu finden.

Die Ausstellung umfasst an die 150 Exponate, darunter auch ein ausgiebiger Briefwechsel Morandis mit den beiden Kunsthistorikern Roberto Longhi und Cesare Brandi, die schon früh und als Erste seine Bedeutung für die Malerei erkannten. Diese Briefe in regelmäßiger und unauffällig-schöner Schrift geschrieben, legen in Verbindung mit den Druckplatten, Radierungen, Aquarellen, Ölbildern, Zeichnungen ein Zeugnis von Morandis  Leben ab, das als  langsamer, behäbiger  Strom ruhig und bedächtig  vor sich hin floss,  aufgerüttelt dann und wann von unbequemen durch zufließende, reißende Bäche aus den Bergen verursachte Stromschnellen, die kurzfristig Richtung, Form und Farbe des Wassers bestimmen wollten, bis endlich wieder Ruhe einkehrte und der Fluss in seine phlegmatische Gemächlichkeit zurückfallen konnte. Eine heilig-schweigende Stimmung herrscht hier, man traut sich gar nicht zu reden in der Ausstellung. Wenn man sich auf ihn einlässt, entdeckt man ein ganzes Universum von Sinnen, Feinheiten und Nuancen. Menschen hat er fast nie gemalt, in der Ausstellung hängt ein Selbstbildnis das ihn als knapp Dreißigjährigen, schüchtern und zerbrechlich-durchsichtig zeigt.

Etwas ganz besonders sind wie gesagt, die Kupferplatten die ausnahmsweise das ’Istituto Nazionale per la Grafica zur Verfügung gestellt hat. Die Exponate kommen aus vielen verschiedenen Museen und Privatsammlungen. Kuratiert hat die Ausstellung die Morandi-Spezialistin Maria Cristina Bandera und bis zum 21. Juni 2015 ist sie noch im Complesso del Vittoriani zu sehen.

Christa Blenk

 

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